ut Ye er on { £ IE Ze SEE Photogr.uDruck v.Meisenbach Riffarth& Co.Berlin. e RER Jahrbuch der Königlich Preussischen geologischen Landesanstalt und Bergakademie zu Berlin für das Jahr 1596. Band X\V1ll. Berlin. Im Vertrieb bei der Sımon Schropp’schen Hof-Landkartenhandlung (J. H. Neumann). 1897. Lu IR Inhalt. Mittheilungen aus der Anstalt. l. Bericht über die Thätigkeit der Königl. Sa Landesanstalt im Jahre 1896 2. Arbeitsplan für die alsetiche ehe im a 1897. 3. Mittheilungen der Mitarbeiter der Königl. geologischen Landesanstalt über die Ergebnisse der Aufnahmen im Jahre 1896 Tu. Eserr: Bericht über die Aufnahmen auf Blatt ach a. En En E. E. RK. I von Korsen: Ueber die wissenschaftlichen Ergebnisse der geo- logischen Aufnahmen im Jahre 1896 . Kayser: Bericht über Aufnahmen im Dillenburg’schen . Horzarren: Bericht über Beobachtungen im ne und in der Gegend von Aachen . Lorerz: Mittheilungen über ne an im Mittel. und Oberdevon auf den Blättern Bun Hohenlimburg und Hagen . SCHROEDER! taken Bericht zu Blatt Gnhirs, Schwedt, Mohrin . Krusen: Bericht über seine ee im Gebiet Hi Blattes Königsberg und der Neumark . Micuazru: Bericht über die Aufnahmearbeiten a dr Blättern Wildenbruch, Schwochow und Beyersdorf Keivhack: Bericht über die wissenschaftlichen Ergebnisse er Aufnahmen des Jahres 15% . Waunxscuarre: Mittheilung über eben: seiner Alastnen in der Gegend von Obornik und Posen . Zsıse: Bericht über die Ergebnisse der en in de Danziger Gegend . . Jenrzsca: Bericht über unahen in etprenssen und der Jahre 1895 und 1896 . . Kausnowen und L. Scuurse : Bericht über die Renee Ergebnisse der Aufnahme der Blätter Babienten, Schwen- tainen und Liebenberg . 4. Nekrolog auf E. Beykıch 5. Personal -Verhältnisse Seite VII XX XXViI XXVI XXX XXXIV XXXVIII XLVIII LX LXVI LXVIII LXXVI LXXVII LAXXV XCII XCVI CIL CXXXIX 11. Abhandlungen von Mitarbeitern der Königl. geologischen Landesanstalt. Neue Gesteins-Aufschlüsse in Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. Von Herrn Aurren Jentzsch in Königsberg i. Pr. (Tafel I—IV) Ueber Aufschlüsse im Diluvium bei Halbe. Von Herrn Ferıx W AunscHArrE in Berlin . : er Ueber Abhangsschutt und ken Yon Henn a voN Kon in Göttingen . re. - Silur und Trsukon im le rare een A. Desckmans in Berlin s : Die Dnlalendschaft in Norden on Here RK. ee in Berlin. (Tafel VII) I ER wet RE Das Profil der Eisenbahn Schi nos Be Von Demselben Beobachtungen über die Bewegungsgeschwindigkeit zweier Wanderdünen zwischen Rügenwalde und Stolpmünde. Von Demselben Cedarit, ein neues bernsteinähnliches fossiles Harz Canada’s und sein Vergleich mit anderen fossilen Harzen. Von Herrn R. Kress in Königsberg i,Pr. 3 ee; - Die diluvialen Wälle in der een! von Ne Von Demselben Die Entwickelung der ostpreussischen Endmoränen in den Kreisen Ortels- burg und Neidenburg. Von den Herren ©. Gacer und G. Mürver in Berlin. (Tafel VD). ER A . < Bericht der Herren L. Beusuausen, A. Desekmans, E. Horzarrer und E. Kayser über eine gemeinschaftliche Studienreise . 3 Die Fauna des Hauptquarzits am Acker-Bruchberge Von Herrn T Bars Hausen in Berlin. (Tafel V) . Abhandiungen von ausserhalb der Königl. geologischen Landesanstalt stehenden Personen. Geognostische Beschreibung des Kreuzbergs in der Rhön. Von Herrn E. von Seyrrıeo in Strassburg i/E. (Tafel VIII u. IX) Sach -Register . , N RR NE can Orts - Register 39 99 \ > a} 5) N = < -_ & rz N Es “ = eb) En = = ze & >) SE des = \ - ' ‘ i | . v \ ’ 9 \ P \ . fi h . R « . ö | h 1 « D # y “ = | i d n N Pi 1. Bericht über die Thätigkeit der Königlichen geologischen Landesanstalt im Jahre 1896. I. Die Aufnahmen im Gebirgslande. Im Mittelharze setzte Bezirksgeologe Dr. KocH die Auf- ı. Der Harz. nahme der Blätter Elbingerode und Blankenburg fort (G. A. 56; 15, 16). Im Oberharze begann und vollendete Bezirksgeologe Dr. BEUSHAUSEN die Gliederung und Neuaufnahme des Mittel- und Öberdevon im nordwestlichen Theile des Blattes Zellerfeld (G. A. 56; 7) und brachte damit die im Jahre 1894 begonnene Revision der höheren Devonschichten dieses Blattes bis auf emige noch erforderliche Controlbegehungen zum Abschluss. Professor Dr. KLOCKMANN setzte innerhalb des Blattes Seesen (G. A. 55; 12) die Untersuchung des Culm- Gebietes südlich des Lautenthaler Gangzuges und des angrenzenden Zechstein- Randes fort und brachte dieselbe dem Abschluss nahe. Zum Zweck des Vergleiches des Harzer Hercyns mit den entsprechenden Schichten im Kellerwalde führten Dr. Koch, Dr. BEUSHAUSEN und Dr. DENCKMANN gemeinschaftliche Begehungen im Ost- und Südharze und im Kellerwalde aus. Landesgeologe Professor Dr. EBERT stellte die Aufnahme 2. Im Vorlande des nördlichen Theiles des Blattes Osterwieck (G. A.56; 5) fertig ** und begann die Aufnahme der südlichen Hälfte des Blattes. VIIL Geheimer Bergrath Professor Dr. von KoENEN beendigte die Aufnahme der Blätter Gr. Freden, Einbeck und Jühnde (G. A. 55; 4, 10, 33) bis auf kleine Revisionen, welche für die Auffassung der jüngsten Bildung noch erforderlich sind, und begann die Auf- nahme von Blatt Lamspringe (G. A. 55; 5). Bezirksgeologe Dr. MÜLLER bearbeitete auf Blatt Gr. Freden (G. A. 55; 4) die diluvialen Ablagerungen und die von diesen um- srenzten älteren Formationen zwischen Gr. Freden und Föhrste sowie zwischen Adenstedt und der Lamspringer Landstrasse. 3, ‘Thüringen. Professor Dr. SCHEIBE setzte die für die Abfassung der Er- läuterungen zu Blatt Brotterode (G. A. 70; 7) nothwendigen Be- sehungen fort und brachte sie dem Abschluss nahe. Bezirksgeologe Dr. ZIMMERMANN schloss die letzte Revision des Blattes Wutha (G. A. 70; ı) ab, revidirte das Blatt Gera (G. A. 71; 11) behufs der Herstellung einer neuen Auflage des- selben und begann alsdann die Aufnahme des Blattes Lehesten (G. A. 71; 31), welche zum grösseren Theile vollendet wurde. Landesgeologe Professor Dr. BryscHLAG führte einige für die Abfassung einer Erläuterung zur geologischen Uebersichtskarte des Thüringer Waldes erforderliche Begehungen aus. Bergrath FRANTZEN brachte im Gebiete des Blattes Langula (G. A. 56; 49) die Kartirung des Hainichs zum Abschlusse und führte in dem Blatte Treffurt (G. A. 55; 51) die Untersuchung des an Blatt Langula angrenzenden, durch Verwerfungen stark ge- störten Gebietes fort. 4. Die Provinz Im Regierungsbezirk Cassel nahm Landesgeologe Pro- Hessen Kassa fossor Dr. BEYSCHLAG das Blatt Cassel sowie die angrenzende Osthälfte des Blattes Wilhelmshöhe auf und setzte die Aufnahme des Blattes Oberkaufungen fort (G. A. 55; 38, 37, 44). In der Khön revidirte Professor Dr. Bückın@ die früher von Dr. PROESCHOLDT ausgeführte Aufnahme des Blattes Sondheim (G. A. 69; 35) und untersuchte den an dieses Blatt anstossenden südlichen Theil des Blattes Hilders (G. A. 69; 2»). Im Kellerwald brachte Dr. DENCKMANN die Aufnahme des Blattes Gilserberg (G. A. 68; 5) dem Abschlusse nahe und nahm IX das Blatt Rosenthal (G. A. 68; 4) in Angriff, dessen nördliche Hälfte fertiggestellt wurde. Im Regierungsbezirk Wiesbaden brachte Professor Dr. KAYSER die Aufnahme des Blattes Oberscheld-Tringenstein (G. A. 68; 13) bis auf einen schmalen Streifen am Südost-Rande zu einem vorläufigen Abschluss. Derselbe führte alsdann die Kartirung des Blattes Dillenburg (G. A. 67; ıs) der Vollendung nahe. Im An- schluss an diese Arbeiten wurden auch die benachbarten Theile der anstossenden Blätter Eibelshausen und Gladenbach (G. A. 68; 7, 14) einer eingehenderen Begehung unterworfen. Professor Dr. HorLzarreL kartirte auf Blatt Weilmünster (G. A. 68; 31) die Zone der Wissenbacher Schiefer auf dem Süd- flügel der Lahnmulde und verfolgte dieselbe auf dem Blatt Weil- burg (G. A. 67; 36) unter Anschluss an die früheren Kocn’schen Aufnahmen. Demnächst begann derselbe die Kartirung des Ober- devon in der Weilburger Mulde. Landesgeologe GREBE unterzog die Blätter Leidenborn, Neuer- burg, Schönecken, Mürlenbach, Waxweiler und Killburg (G. A. 65; 54, 60. 66; 49, 50, 55, 56) einer Schlussrevision. Derselbe führte ferner Untersuchungen im Gebiet der Blätter Bleialf, Prüm und Gerolstein aus (G. A. 65; as. 66; 43, 44). Bezirksgeologe Dr. LerpLA vollendete die Aufnahme der Blätter Bernkastel und Morbach und begann dieselbe in dem Blatte Wittlich (G. A. 80; 5, 11, &). Professor Dr. HoLzZAPFEL führte die Aufnahme des lınks- rheinischen Theiles des Blattes Caub-Bacharach der Vollendung entgegen (G. A. 67; 57). Auf Blatt Aachen (G. A. 65; ı7) wurde von demselben das Kreidegebiet des Aachener Waldes nahezu fertig kartirt und die Aufnahme des alten Gebirges besonders in dem Gebiete des Geul- thales fortgesetzt. Auf Blatt Stolberg (G. A. 65; ıs) wurde ein grosser Theil der Inde-Mulde, ferner der Hammerberger Sattel und die Werther Mulde bis an die Sandgewand kartirt. — Ausserdem wurden Begehungen ausgeführt in den Blättern Eupen, Rötgen, Ternell und Lendersdorf (G. A. 65; 23, 24, 29. 66; 13). 5. Die Rhein- provinz. 6. Provinz Westfalen. 7. Provinz Schlesien. 8. Priegnitz. 9. Uckermark und Neumark. x Landesgeologe Dr. LORETZ führte die Aufnahme des Blattes Iserlohn (G. A. 53; 39) weiter und bearbeitete im Anschluss an das fertig kartirte Blatt Hohenlimburg (G. A. 53; 33) den westlich daran angrenzenden östlichen Theil des Blattes Hagen (G. A.53; 37). Ausserdem wurde von demselben eine grössere Reihe vergleichender und orientirender Excursionen in dem Verbreitungsgebiete des Elberfelder Kalksteins und des Lenne-Schiefers ausgeführt. Landesgeologe Dr. DATHE brachte die Kartirung des Roth- liegenden auf Blatt Wünschelburg dem Abschluss nahe und setzte dieselbe auf Blatt Neurode fort (G. A. 76; 25, 26). ll. Die Aufnahmen im Flachlande. Professor Dr. KLOCKMANN beendete die Aufnahme des Blattes Kyritz (G. A. 44; 1). Greheimer Bergrath Professor BERENDT setzte in der durch anderweite Amtsthätigkeit nicht in Anspruch genommenen Zeit die Aufnahme des Blattes Zehden (G. A. 45; 12) fort und stellte durch eine nochmalige Begehung die Blätter Hohenfinow und Freienwalde (G. A. 45; 10, 17) druckfertig. Hülfsgeologe Dr. ZEISE brachte die Aufnahme des Blattes Gandenitz (G. A. 28; 49) zum Abschluss. Hülfsgeologe Dr. Schmipt vollendete die im Vorjahre be- sonnnene Westhälfte des Blattes Greifenberg i. V. (G. A. 28; 58). Bezirksgeologe Dr. SCHRÖDER stellte durch eine Schluss- begehung die Blätter Greifenberg und Schwedt druckfertig (G. A. 28; 58, 60) und begann die Aufnahme des Blattes Mohrin (G. A. 46; 7), welches zu drei Viertel vollendet wurde. Hülfsgeologe Dr. MicHAEL stellte das Messtischblatt Wilden- bruch (G. A. 29; 56) fertig und begann die Aufnahme der Blätter Schwochow und Beyersdorf (G. A. 29; 51, 57). Hülfsgeologe Dr. Krusch brachte zunächst das Blatt Königs- berg 1. N. zum Abschluss und ging sodann auf das anstossende Blatt Schönfliess über (Gr. A. 46; ı, 2). Culturtechniker Dr. WÖLFER setzte die Aufnahme der Blätter Neudamm und Tamsel fort (G. A. 46; 15, 21) und stellte ersteres bis auf eine noch vorzunehmende Schlussbegehung fertig. xıI Landesgeologe Dr. KEınnack bearbeitete den zum Greifen- 10. Provinz berger Kreis gehörenden und im vergangenen Jahre bereits vor- untersuchten Theil der Blätter Plathe und Schwessow (G. A. 29; 11, 12) und begann die Aufnahme der Blätter Moratz, Gr. Stepe- nitz, Pölitz, Münchendorf und Gollnow (G. A. 29; 16, 20, 21, 26, 27), deren. letztere beide bis auf eine erst im Zusammenhange mit den Nachbarblättern auszuführende Schlussbegehung vollendet wurden. Hülfsgeologe Dr. Scnmipr bewirkte die Aufnahme des durch die Voruntersuchung des Greifenberger Kreises im vergangenen Jahre nicht berührten Gebietes der Blätter Schwessow und Plathe (G. A. 29; ı1, 12) und führte dieselben bis auf einen kleinen Lest auf ersterem zu Ende. Bezirksgeologe Dr. MÜLLER brachte das im Vorjahre zum grössten Theil fertig gestellte Blatt Neumark zum Abschluss und stellte dasselbe druckfertig (G. A. 29; 45). Landesgeologe Dr. KEILHACK untersuchte die Aufschlüsse ın der Neubau -Bahnlinie Polzin-Schivelbein. Derselbe führte ferner gemeinschaftlich mit Dr. SCHMIDT eine Orientirungsbereisung der Jura- und Kreide-Aufschlüsse im Kreise Kammin aus. Landesgeologe Professor Dr. WAHNSCHAFFE beendete zunächst die Aufnahme des Blattes Owinsk (G. A. 48; 25), stellte dasselbe druckfertig und begann unter gleichzeitiger Einführung der neu eingetretenen Herren Dr. Korn und Dr. Worrr die Bearbeitung der Blätter Obornik und Lukowo (G. A. 48; 21, 22), auf welchen unter Leitung desselben Dr. Korn das Nordostviertel des Blattes Lukowo, Dr. WoLrr das Nordwestviertel des Blattes Obornik bewirkte. Hülfsgeologe Dr. Künn führte zunächst die Schlussbegehung der von ıhm aufgenommenen Theile des Blätter Owinsk und Posen (G. A. 48; 2s, 34) aus und nahm sodann die Blätter Schocken und Murowana-Goslin in Angriff, deren letzteres zum grösseren Theile fertiggestellt wurde (G. A. 48; 23, 29). Hülfsgeologe Dr. Maas stellte durch eine Schlussbegehung Blatt Sady fertig und begann die Aufnahme der Blätter Dom- Pommern. a hile Provinz Posen. 12. Provinz Westpreussen. 13. Provinz Östpreussen. xn browka und Gurtschin (G. A. 48; 33, 39, 40), deren ersteres ganz, letzteres zur Hälfte vollendet wurde. Die gemeinschaftliche Bereisung des Warthegebietes bis Schrimm oberhalb Posen durch die Herren Geheimer Bergrath BERENDT, Professor WAHNSCHAFFE und Dr. BEUSHAUSEN, um in gleicher Weise wie solches für die untere Oder und für Hinter- pommern geschehen ist, eine übereinstimmende Auffassung der dort zu unterscheidenden Thalterrassen herbeizuführen, musste ım Interesse der beabsichtigten Fertigstellung der um die Stadt Posen herum gelegenen Blätter auf das vorliegende Jahr verschoben werden. Professor Dr. JENTZSCH stellte das Blatt Roggenhausen, sowie durch Begehung der Flugsandgrenze den Anschluss desselben an Grarnsee fertig und begann die Aufnahme der Blätter Stadt Grau- denz und Okonin (G. A. 33; 28, 33, 34). Professor Dr. GRUNER brachte die Aufnahme des Blattes Schönsee (G. A. 33; 52) zum Abschluss und führte eine Vor- bereisung der Blätter Briesen und Gollup aus (G. A. 33; 46, 53). Hülfsgeologe Dr. ZEısE begann die Aufnahme der Messtisch- blätter Oliva, Danzig und Weichselmünde (G. A. 16; 32, 38, 39). Dr. Kıegs stellte mit den Hülfsgeologen Dr. SCHULTE und Dr. KAunnowEn das südöstlich Ortelsburg bis zur russischen Grenze sich erstreckende Gebiet (G. A. 35; 34—36, 40, 41) bis auf das Blatt Gr. Schiemanen und Theile des Blattes Gr. Schön- damerau und vorbehaltlich einer nach ihrer Vollendung auszu- führenden Schlussbegehung fertig. Die Hülfsgeologen Dr. SCHULTE und Dr. KAUNHOWwENn brachten gemeinsam zunächst Blatt Babienten zum Abschluss (G. A. 35; 24) und bearbeiteten sodann gleichfalls gemeinsam von dem vorher bezeichneten Grenzgebiete die Blätter Liebenberg und Willenberg bezw. Theile von Gr. Schöndamerau und Opalenietz (G. A. 35; 36, 10,23 0.46). Bezirksgeologe Dr. MÜLLER setzte" die Aufnahme des Blattes Gr. Bartelsdorf fort und beendete dieselbe bis auf eine Schluss- begehung. Sodann nahm er Blatt Mensguth im Angriff (G. A. 39; 15, 16). XIII Hülfsgeologe Dr. GAGEL bewirkte zunächst die Aufnahme des Blattes Malga, welches fertiggestellt wurde und setzte sodann die Bearbeitung der Blätter Passenheim und Jedwabno fort, welche bis auf eine Schlussbegehung beendet wurden (G. A. 35; 33, 21, 27). Im Laufe des Jahres sind zur Publication gelangt: Stand der Publicationen. A. Karten. l. Lief. LXVI, enthaltend die Blätter Nechlin, Brüssow, Löcknitz, Prenzlau, Wallmow, Hohenholz, Bietikow, Gramzow, Pencun . 9 Blätter. 2. Lief. UXXV, enthaltend die Blätter Schippen- beil, Dönhoftstedt, Langheim, u Bosse Keiligelnde.. .. . - 6» 3. Lief. LXXXII, enthaltend die Blätter Alten- hagen, Karwitz, Schlawe, Damerow, Zirchow, Wussow u rede: 6 y zusammen 21 Blätter. Es waren früher publicirtt . . . 2...9393 » Mithin sind im Ganzen publicirtt . . . 394 Blätter. Was den Stand der noch nicht publicirten Kartenarbeiten betrifft, so ist derselbe gegenwärtig folgender: 1. In der lithographischen Ausführung sind nahezu beendet: Lief. LXI1I, Gegend von Oberstein . . 4 Blätter. Lief. LXIV, Gegend von Ilmenau. . . 6 » Lief. LXVI, Gegend von Stettin . . . 6 » Lief. LXXTV, Gegend von Pollnow (Nach- trag enthaltend Bohrkarte). Lief. LXXVI, Gegend von Angermünde . 6 y Lief. LXXVII, Gegend von Hanau . . 4» Lief. LXXXIII, Gegend von hügenwalde 6» Lief. LXXXV, Gegend von Freystadt NEST ÄE we N le ns 4 » zusammen 36 blätter. XIV 2. In der lithographischen Ausführung begriffen sind: Lief. LII, Gegend von Halle a/S. . . . 7 Blätter. Lief. LXXIX, Gegend von Bernkastel Lief. LXXX, Gegend von Oderberg . Lief. LXXXI, Gegend von Freienwalde Lief. LXXXIX, Gegend von Greiffenhagen Lief. LXXXIV, Gegend von ÖOrtelsburg Lief. LXXXVIII, Gegend von Posen Ferner Blatt Gera in Il. Auflage. zusammen 1. und 2. 75 Blätter. uorEus Eis) Eforier) 3. In der geologischen Aufnahme fertig, jedoch noch nicht zur Publication ın Lieferungen abgeschlossen:.. ... . . U Kon see „ 4. In der geologischen Bearbeitung begriffen . 172 y Es sind mithin einschliesslich der publicirten Blätter in. der’ Anzahl von 7 » im Ganzen sr. 0000 en zur Untersuchung gelangt. B. Abhandlungen. l. Neue Folge. Heft 21. H. Poroxız, Die floristische Gliederung des deutschen Carbon und Perm. 2. Neue Folge. Heft 23. GRAF zu SOLMS-LAUBACH, Ueber die seinerzeit von ÜUNGER beschriebenen structurbietenden Pflanzenreste des Unterculm von Saalfeld in Thüringen. Ausserdem sind noch folgende Abhandlungen im Druck und in der Lithographie befindlich: 1. Band II. Heft 3. BERENDT, Der Nordwesten von Berlin in 2. Auflage. 2. Neue Folge. Heft 9. BEYScHLAG und PoronIk, Ueber das kothliegende des Thüringer Waldes Theil I: Zur Geologie des Thüringi- schen Rothliegenden von F. BEYSCHLAG. XV 3. Neue Folge. Heft 18. H. ScHRÖDER, Die Säugethierfauna des Mosbacher Sandes. 4. Neue Folge. Heft 22. E. DarHne, Das schlesisch -sudetische Erdbeben vom 11. Juni 1895. s CG- Jahrbuch der Königlich Preussischen geologischen Landesanstalt und Berg- akademie für das Jahr 1895. D. Sonstige Karten und Schriften. Geologische Uebersichtskarte des Thüringer Waldes im Maass- stabe von 1: 100000, zusammengestellt von F. BEYSCHLAG. Nach dem Berichte für das Jahr 1895 betrug die Gesammt- Devit aer zahl der im Handel debitirten Kartenblätter . . 33352 Blätter. P"!iertionen. Im Jahre 1896 wurden verkauft: von Lief. I, Gegend von Nordhausen . 28Bl. Sa ee) ] » Jena. . .. 84 » » > "ME » » Bleicherode. . 4 » Sa » run ea, “VL, > » Saarbrücken I. Theil . . 25 » St > » Saarbrücken ll. Theil . . 39 » > 92V IT: » » Riechelsdorf . 37 » SEM. » des Kyffhäusers . 40 » a » von Saarburg . . 4» rare, > > Nauen. 175 = 05. A, > » Naumburg a. S. 40 » ae 5 REDE, » Se lIerare, oh un 925 = us XIV » » Berlin Nordwest 13 » » SR REN » » Wiesbaden . . 26 » DES AN] > » Mansfeld . . 7» > XV » > Beiptis.. 00 2 22 7307» 374 Blätter. Latus 33726 Blätter. » » von Lief. X VIII, XIX XXL, XXT, ROLE XXI, FORD, OS XXVE XXVII, OLOWIEL 2.00% OL OST NOS PR SOXÜLEL XXX, OCT ROSEN XVI Transport Geg. von Eisleben . SOSSE: RR UN O.O.TDT x XEE DABIbL XL RU XEV, 2AENAL, SE NEE NAPNANER SUBEN, L, » Querfurt . Berlin Süden Frankfurt a. M. Berlin Südwest Ermschwerd Tennstedt Mühlhausen . Berlin Südosten Lauterberg a.H. Rudolstadt Berlin Nordost . Eisfeld ın Thür. Limburg . Grardelegen Schillingen Nassenheide . Rathenow Hersfeld . Meiningen Stendal Gotha . Saalfeld ı. Thür. Selters Tangermünde Marienwerder Em .. Melsungen Birkenfeld Heilsberg Burg Bieber Trier Latus 33 726 Blätter. 25 Bl. 44 » 26 » 779 Blätter. 34505 Blätter. von Lief. LI, LI, LIV, LV, LV1, LVL, LVIII, LIX, LX, LXIJ, LXIIJ, LXV, EXXT; UXXI, so dass im Ganzen durch den Verkauf debitirt sind: IX VEIT, 195:0:4000 EXXTV, XVI Transport 34505 Blätter. 6 Bl. Geg. von Oberweiss Eberswalde . Brandenburg a.H. Schwarzburg Hildburghausen Greiz Templin Neustettin Heldburg . Bartenstein Göttingen Riesenburg . Wilsnack Nörten Coburg Müncheberg . Bublitz N. 16 18 1015 Blätter. 35520 Blätter. Von den Abhandlungen zur geologischen Specialkarte etc. sind verkauft worden: (Eck, Rüdersdorf und Umgegend) (Meyn, Insel Sylt) . (Weiss, Steinkohlen - an 1) (OrTH, Rüdersdorf und Umgegend) (Kayser, Devon-Ablagerungen) (Weıss, Band I, Heft. » » » 4 . I ee » » BIN » » wi, » Ill, wer „ » va » » Se » IV, Sa | Jahrbuch 1896. Flora des Rothliegenden von Wünschendorf . . (Meyn, Schleswig-Holstein) . . (ScHÜTZE, Niederschles.-Böhmisches Steinkohlenbecken) . (SCHLÜTER, Echiniden) 2. (Koca, Homalonotus-Arten) . 1 Exemp]. 4 » 1 » 1 » 1 » 1 » 8 » 1 » 2 » 2 » XVII Band V, Heft 1. (RoEMER, Die geologischen Verhält- nisse von Hildesheim) . . 2 Exempl. » » ..» 2. (Weiss, Steinkohlen- Chun 11 ee » ..»..», &. (Liebe, Östthurngen) = ae. ra » VI, » 3. (NoETLinG, Die Fauna des sam- ländischen Tertiärs) . . SD » VII, » 1. (WAHNSCHAFFE , Üngigeud von Masdeburg) „ur... 2, °. a 7 » » .» 2. (BERENDT, Märkisch- Posinerschei TVertiär)ı wre nn Ba 3.08 » VIII, » 1. (BERENDT und DaAmeEs, upesd von Berlin) »;%.°% u... = la » IX, 3 (FRECH, Aviculiden) 3 2 » N ro KoENEN, Unter- Öligockn) 10. %% Neue Folge. Heft 1. (Kayser, Hauptquarzit) . . 3 Exempl. > > >”.2. (Weiss, ‚Sigillaren) . sta > > » 3. (Beısset, Foraminiferen). . 4°» » » > m (SCHLÜTER, Echiniden) Dr 1 » > > » 6. (Eck, Gegend von Baden- Baden)... we. N > > » 7. (ÜUTHEMANN , Braunkohlen- Lagerstätten am Meissner) 2 » » » » 8. (von RemAacH, Das Roth- liegende in der Wetterau) 10 » » » » 9. (Poronık, Flora des Roth- liegenden in Thüringen) . 3 » > > » 11. (WÖLFER, Geolog. Special- karte u. Bodeneinschätzung) 2 » > > » 12. (BüÜckInG, Der nordwestliche Spessart) 5. > > » 13. (DATHE, Umgegend von Ab krunny 2 Kal ou > > 2139] (KEIEHÄCK , Zusämsuerkialt lung von geolog. Schriften) 4 » > > » 16. (HOoLZAPFEL, Mitteldevon im rheinischen Gebirge) . . 9 » xIX Neue Folge. Heft 17. (BEUSHAUSEN, Lamellibran- chiaten) . . . . 6 Exempl. > > > 198% (ÜÜBERT,, ehe. in Oberschlesien) . . 102 > > » 20. (WAHNSCHAFFE, ie von Buckow) . . . 7» > > » 21. (Poroniık, Floristische Gliede- rung des deutschen Carbon nur Bermyan BT > > > » 23. (SOLMS-LAUBACH, Die struc- turbietenden Pflanzenreste des Unterculm von Saal- feld 1. Thür.) a a A » Von den Jahrbüchern der geologischen Landes- anstalt und Bergakademie wurden verkauft . . . 15» Von den sonstigen Karten und Schriften wurden verkauft: Höhenschichtenkarte des Harzgebirges . . . . . 2 Exempl. Geologische Uebersichtskarte des Harzgebirges . . 8 » Weiss, Flora der Steinkohlenformation . . . Par Lossen und DAames, Karte der Umgegend von Thale i » Greologische Karte der Stadt Berlin . . . DE SE Geologische Uebersichtskarte der Gegend von Halle a] Se. 18 FE Geologische Uebersichtskarte des Thüringer Waldes 27 » 2. Arbeitsplan der Königlichen geologischen Landesanstalt für das Jahr 1897. I. Die Aufnahmen im Gebirgslande. I. Der Harz und seine Umgebung. Bezirksgeologe Dr. Koch wird die Aufnahme der Blätter Elbingerode und Blankenburg (G. A. 56; 15, 16)1) fortsetzen und die Arbeiten im südöstlichen Theil des Blattes Zellerfeld (G. A.56; 7) zum Abschluss bringen. Bezirksgeologe Dr. BEUSHAUSEN wird nach Ausführung der noch erforderlichen Schlussbegehungen des nördlichen Theils des Blattes Zellerfeld auf den südlichen Theil des Blattes Braunlage übergehen (G. A. 56; 14). Professor Dr. KLOCKMAnN wird die Aufnahme des Blattes Seesen (G. A. 55; ı2) abschliessen und dasselbe druckfertig her- stellen. Landesgeologe Professor Dr. EBERT wird die Aufnahme des Blattes Osterwieck (G. A. 56; 3) beenden. Geheimer Regierungsrath Professor von KOENEN wird die noch erforderlichen letzten Revisionen in den Blättern Jühnde, Einbeck und Gr.-Freden (G. A. 55; 33, 10, 4) ausführen, bei letz- !) Gradabtheilung 56, Blatt 15 u. 16. XXI terem in Gemeinschaft mit dem Bezirksgeologen Dr. MÜLLER, und wird sodann die Anfnahme des Blattes Lamspringe weiterführen (G. A. 555 5). 2. Der Thüringer Wald. Professor Dr. SCHEIBE wird die für die Abfassung der Er- läuterungen zu Blatt Brotterode (G. A. 70; 7) erforderlichen Be- gehungen zum Abschluss bringen. Landesgeologe Professor Dr. BEYSCHLAG wird eine Schluss- revision des Blattes Schwarza ausführen (G. A. 70; 20). Bezirksgeologe Dr. ZIMMERMANN wird die Blätter Lehesten und Lobenstein fertigstellen und in der nachher etwa noch ver- bleibenden Zeit die Aufnahme des Blattes Hirschberg a. Saale fort- setzen (G. A. 71; 31, 32, 33). Derselbe wird die Aufschlüsse von der Bahnlinie Camburg- Zeitz untersuchen. Bergingenieur FRANTZEN wird die Revisionsaufnahmen in den Blättern Treffurt und Langula beenden (G. A. 55; 54. 56; 49). 3. Provinz Hessen -Nassau. a. Regierungsbezirk Cassel. Laudesgeologe Professor Dr. BEYSCHLAG wird die Aufnahme der Blätter Wilhelmshöhe, Cassel, Besse und Kaufungen fort- setzen (G. A. 55; 37, 38, 43, 44). Hülfsgeologe Dr. DENCKMANN wird die Aufnahme der Blätter Kellerwald, Rosenthal und Gilserberg zum Abschluss zu bringen suchen (G. A. 54; 59. 68; 4, 5). Professor Dr. BückınG wird die Aufnahme des Blattes Hilders und die Revision des Blattes Sondheim fortsetzen (G. A. 69; 29, 35). b. Regierungsbezirk Wiesbaden. Professor Dr. KAYsErR wird die Aufnahme der Blätter Dillen- burg und Tringenstein zum Abschluss zu bringen suchen (G. A. 60:18. 68; 13). xXxXuU Professor Dr. HoLzArrEL wird die Aufnahme der Blätter Braunfels, Wetzlar, Weilmünster und Öleeberg weiterführen (G. A.68; 25, 26, 31, 32). 4. Die Rheinprovinz. Landesgeologe GREBE wird die Aufnahme der Blätter Reu- land, Leidenborn, Sct. Vith, Bleialf, Recht und Meyeroda weiter- führen (G. A. 65; 53, 54, 47, 48, 41, 42). Bezirksgeologe Dr. LEPPLA wird die Revision des Blattes Wittlich beenden und diejenige des Blattes Neumagen ausführen (G. A. 80; 4, 10). Derselbe wird eine Untersuchung der Marmorvorkommen der Gegend von Hillesheim vornehmen. Professor Dr. HoLZAPFEL wird die Aufnahme der Blätter der Umgegend von Aachen weiterführen. 5. Provinz Westphalen. Landesgeologe Dr. LORETZ wird die Arbeiten im Mitteldevon- gebiet der Lenne-Gegend von Iserlohn (G. A. 53; 39) aus fort- setzen und die hierzu erforderlichen Vergleichsbewegungen aus- führen. 6. Provinz Schlesien. Landesgeologe Dr. DATHE wird die Aufnahme der Blätter Rudolfswaldau, Langenbielau, Wünschelburg und Neurode fertig- stellen (G. A. 76; 19, 20, 25, 26). II. Die Aufnahmen im Flachlande. 7. Mittelmärkisches Arbeitsgebiet. Geheimer Bergrath Professor BERENDT wird in der von Re- visionsreisen in die andern Arbeitsgebiete nicht in Anspruch ge- nommenen Zeit die Aufnahme des Blattes Zehden fortsetzen und dasselbe druckfertig stellen (G. A. 45; 12). XXIII Bezirksgeologe Dr. SCHRÖDER wird zunächst Blatt Mohrin fertigstellen (G. A. 46; 7) und sodann ein aus 6 Blättern bestehendes Arbeitsgebiet in der Gegend von Soldin (G. A. 46; 4-6, 10-12) mit der Aufnahme des Blattes Soldin beginnen (G. A. 46; 4). Bergreferendar Dr. Krusch wird im Anschluss an die vor- Jährige Aufnahme des Blattes Königsberg N/M. ein aus 4 Blättern bestehendes Arbeitsgebiet (G. A. 46, 2, 3, 8, 9) mit der Bearbeitung der Blätter Schönfliess und Schildberg in Angriff nehmen (G. A. 26: 3,3). Hülfsgeologe Dr. GAGEL wird vor Beginn seiner Arbeiten in Östpreussen nach Maassgabe einer mit dem Bezirksgeologen Dr. SCHRÖDER auszuführenden Revisionsbegehung die Blätter Ucht- dorf und Wildenbruch westliche Hälfte druckfertig stellen (G. A. 29; 56, 57). Hülfsgeologe Dr. MICHAEL wird zunächst die Aufnahme der Blätter Schwochow und Beyersdorf zu Ende führen und sodann zur Inangriffnahme eines neuen Arbeitsgebietes von 4 Blättern auf Blatt Pyritz übergehen (G. A. 29; 51-53, 57-59). Kulturtechniker Dr. WÖLFER wird Blatt Tamsel fertig auf- nehmen und demnächst unter Leitung des Bezirksgeologen Dr. SCHRÖDER auch die Blätter Bärwalde, Fürstenwalde, Neudamm, Letschin und Quartschen durch eine Schlussbegehung druckfertig stellen (G. A. 46; 13-15, 19-21). Dr. Korn wird als Probeaufnahme die westliche Hälfte des Blattes Zehden a/O. bearbeiten und, nach Abnabme derselben durch Geheimrath BERENDT, weitere Weisung erhalten (G. A. 45; 12). Bezirksgeologe Dr. SCHRÖDER wird zu geeigneter Zeit mit Kulturtechniker Dr. WÖLFER eine Begehung der Terrassen auf den Blättern Gr. Fahlenwerder, Staffelde, Vietz und Alt-Limritz (G. A. 46; 10, 11, 22, 28) vornehmen, soweit es für die geologische Auffassung der westlich anschliessenden Blätter nothwendig erscheint. 8. Provinz Pommern. | Landesgeologe Dr. KEILHACK wird zunächst die Messtisch- blätter Gr. Stepenitz und Pölitz durch Aufnahme der westlich der Oder gelegenen Theile derselben fertig stellen und sodann die Be- xXXIV arbeitung des Blattes Moratz fortsetzen, betreffenden Falls auf Gross Sabow übergehen (G. A. 29; 20, 26, 16, 18). Hülfsgeologe Dr. Schmipt wird die Blätter Paulsdorf und Pribbernow bearbeiten und betreffenden Falls auf Gülzow über- gehen (G. A. 29; 14, 15, 10). Geheimer Bergrath Professor BERENDT wird, soweit möglich, die Aufnahmen im Colberger Arbeitsgebiet fortsetzen (G. A. 13; 49, 50, 55, 56). 9. Provinz Posen. Landesgeologe Professor WAHNSCHAFFE wird zunächst die Anschlüsse der 4 bereits im Druck befindlichen Blätter der nähe- ren Umgegend von Posen feststellen und sodann die Bearbeitung des Blattes Obornik zu Ende führen (G. A. 48; 21, 27, 28-33, 34). Daneben wird derselbe sämmtliche übrige durch Dr. Künn und Dr. Maas aufgenommenen Anschlussblätter durch eine Schluss- begehung mit den Genannten fertigstellen (G. A. 48; 22, 23, 29, 39, 40). Hülfsgeologe Dr. Künn wird die Aufnahme des Blattes Lukowo beenden und demnächst die Blätter Schocken und Mu- rowana-Goslin fertigzustellen suchen (G. A. 48; 22, 23, 29). Hülfsgeologe Dr. MAAs wird zunächst die Bearbeitung des Blattes Gurtschien zu Ende führen und sodann in ein noch zu bestimmendes Arbeitsgebiet in der Provinz Westpreussen über- gehen (G. A. 48; 40). Geheimrath BERENDT und Professor WAHNSCHAFFE werden ausserdem eine Bereisung und systematische Festlegung der zu unterscheidenden Terrassen des Warthethales ausführen, an welcher im unteren Warthelaufe Dr. SCHRÖDER, in der oberen Hälfte Dr. Künn und Dr. Maas theilnehmen werden. 10. Westpreussen. Professor Dr. JENTZSCH wird die Bearbeitung der Blätter Stadt Graudenz und Okonin zu Ende führen und demnächst auf Blatt Linowo übergehen (G. A. 33; 33-35). XXV Derselbe wird bei Gelegenheit der Hinreise zu wie der Rück- reise aus seinem Arbeitsgebiete die Aufschlüsse der im Bau be- grifftenen Haffuferbahn untersuchen. Professor Dr. GRUNER wird die Aufnahme der Blätter Briesen und Gollub fortsetzen (G. A. 33; 46, 53). Hülfsgeologe Dr. ZEISE wird die begonnenen Blätter Oliva, Danzig und Neufahrwasser fertigzustellen suchen (G. A. 16; 32, 38, 39). Dr. WoLrr wird als Probeaufnahme die nördliche Hälfte des Blattes Praust (G. A. 16; 44) bearbeiten und, nach Abnahme der- selben durch Geheimrath BERENDT, weitere Weisung erhalten. Il. Ostpreussen. Dr. KreBs wird zunächst die Blätter Gr. Schöndamerau und Gr. Schiemanen (G. A. 35; 2, 34), sowie durch eine Schlussbege- hung die übrigen im Vorjahre kartirten Blätter des Ortelsburger Arbeitgebietes druckfertig stellen und sodann die Aufnahme des Angerburger Kreises mit den Blättern Drengfurth, Angerburg und Buddern (G. A. 19; 4-46) beginnen. Hülfsgeologe Dr. SCHULTE wird die Bearbeitung der Blätter Steinort, Kutten und Kruglanken (G. A. 19; 51, 52, 58) vornehmen. Hülfsgeologe Dr. KAUnHOVEN wird die Aufnahme dreier Blätter des Angerburger Kreises, Rosengarten, Stürlack und Lötzen (G. A. 19; 50, 56, 57) in Angriff nehmen. Bezirksgeologe Dr. MÜLLER wird die Bearbeitung des Blattes Mensguth (G. A. 35; ı6) fortsetzen und sodann das aus den 7 Blättern G. A. 35; 2-4, s-ı0 und 14: bestehende Gebiet mit der Aufnahme der Blätter Wartenburg und Bischofsburg in Angriff nehmen. Hülfsgeologe Dr. GAGEL wird nach Abschluss des Blattes Passenheim die Aufnahme der Blätter Reuschwerder und Mu- schaken bewirken bezw. auf Blatt Kaltenborn übergehen (G. A. 35; 21, 39, 38, 32). XXVI >. Mittheilungen der Mitarbeiter der Königlichen geologischen Landesanstalt über Ergebnisse der Aufnahmen im Jahre 1896. TH. EBERT: Bericht über die Aufnahme auf Blatt Österwieck a. H. Die Aufnahme -Arbeiten auf Blatt Osterwieck erstreckten sich auf das südlich der Linie Osterwieck—Cilly liegende Gebiet und war dabei die Frage zu lösen, ob bei der Farbeneintragung auf der Karte der Ilsenburgmergel, soweit er von diluvialen Schichten durchschnittlich bis zu 1 Meter bedeckt ist, sich durch- sichtig darstellen lasse, wie es bei einer früheren Aufnahme dieses (Grebietes versucht war. Die Aufnahme wurde in Folge dessen mit Bohrungen auf 1—2 Meter verbunden, welche in Form von Profilen am Gehänge der Hügel und Plateaus von oben nach unten oder umgekehrt ausgeführt wurden. Die Aufnahme, welche sich auf das südlich von Stötterlingen und Österwieck gelesene Plateau und dessen nördliche und öst- liche Abhänge zum Ilsethal beschränkte, hat nun ergeben, dass die geognostischen Verhältnisse hier sehr complicirt sind und zwar namentlich durch die diluvialen Ablagerungen, welche die Oberflächengestaltung wesentlich beeinflusst haben. Der Ilsen- burgmergel findet sich in grösserer Ausdehnung direct an der Oberfläche und dann mit Schotterbestreuung oder mit weniger mächtiger Diluvialbedeckung (Schotterlehme bezw. -Mergel) im S. xXxXVIi des Gebietes am Sassberg und von diesem nach O. bis nahe an Veckenstädt, nach W. bis Stapelnburg sich erstreckend. Im An- schluss hieran scheint er nach auf einigen vorläufigen Recognos- cirungstouren gemachten Beobachtungen in einem grossen Theil des Schauen’schen, Wasserlebener und Stapelnburger Holzes an die Oberfläche zu treten. Dieses ganze Plateau-Gebiet ist im OÖ. und N. im Allgemeinen durch die 500 Meter-Curve begrenzt, während es im S. und W. den Kartenrand erreicht. Immerhin finden sich in demselben kleinere und grössere Flächen, die theils schwache Schotterlehm-Bedeckung haben, theils durch mächtigere Schichten dieser Diluvialbildung überlagert werden, so dass diese auf der Karte einzutragen sind, namentlich im NO. von Stapeln- burg. An den Abhängen von der 500 Meter-Curve in östlicher Richtung nach dem Ilsethal und bei durchsichtiger Eintragung des Ilsenburgmergels unter dem Diluvium tritt ersterer sehr zurück und das Diluvium wiegt vor. Dasselbe bildet unter der 500 Meter-Curve zunächst ein von N. nach S. streichendes Vor- plateau, das nur durch die kleinen Bacheinschnitte unterbrochen wird. In diesem Vorplateau herrschen die Schottermergel bezw. -Lehme!) vor und zwar fast durchweg in einer Mächtigkeit von 2 Meter und darüber. Ilsenburgmergel ist in diesem Gebiet west- lich von Wasserleben nur in einer Grube am Weg nach dem Wasserlebener Holz, an dem ersten Anstieg vom Ilsethale, dicht bei der Ochsenbachquelle, aufgeschlossen, unter einer diluvialen Schotterlehm- bezw. -Mergelbedeckung von 2—-3 Meter Mäch- tigkeit. In dem Gebiet zwischen Schauen und dem vom Vorwerk Schauenteichen nach dem Wasserlebener Holz führenden Weg tritt der Ilsenburgmergel an dem nach O. vorspringenden Theil des Waldes zu Tage mit Schotterbestreuung und wurde hier die Grenze gegen das Diluvium festgestellt. Sodann zieht er sich in schmalem Zuge auf dem nördlichen Gehänge des Weges nach I) Näheres über diese Bildungen findet sich in diesem Jahrbuch 1895, S. XXVIL ff. XXVII dem Vorwerk zu herunter, ist auch in einer Grube aufge- schlossen, während das Plateau vor dem Wald ganz von Schotter- lehm eingenommen wird. Direct an der Oberfläche mit Schotter- bestreuung oder unter geringer diluvialer Decke tritt Ilsenburg- mergel zungenförmig am NW.-Abhang des Sandberges hervor und bängt bei dem Tönnecken-Brunnen an einer Bahnbrücke mit einem anderen schmalen Zug zusammen, der gewissermaassen den Nordflügel einer kleinen Mulde bildet, dessen Südflügel der am Sandberge ist. Zwischen beiden Zügen und den an denselben verlaufenden Bachniederungen erhebt sich ein kleines Plateau von diluvialem Schotterlehm. Auch jenseits des Eisenbahndammes verschwindet der Ilsenburgmergel unter diluvialer Bedeckung. Südwestlich von Schauen liegt ein grosses Plateau mit dilu- vialem Schotterlehm, an dessen Südhang der nördliche Flügel der eben besprochenen Mulde zu Tage tritt und dessen Nordhang ebenfalls einen nach ©. kurz vor Schauen zungenförmig abschliessen- den Ilsenburgmergel-Streifen mit Schotterbestreuung oder leichter diluvialer Decke zeigt. Letzterer hängt nach W. mit einer grösseren Fläche Ilsenburgmergel mit Schotterbestreuung zusammen, welcher im Anschluss an das Plateau des Schauen’schen Gehölzes in nördlicher und nordöstlicher Richtung streicht und sich von dem Schauen’schen Diluvialplateau gut abgrenzen liess. In dem Gebiet nördlich des Schauen’schen Plateaus zwischen Stötterlingenburg resp. Lütgenrode und der Halle’schen Eisenbahn lagert zunächst am W.-Rand ein ausgedehntes Plateau von Schotter- lehm, östlich daran anschliessend Ilsenburgmergel, der hier meist eine diluviale Schotterlehmdecke trägt, die bald schwächer ist, bald bis zu 1 Meter Mächtigkeit anschwillt. Nur in den Thälchen am nördlichen Rand des Lehmplateaus bei Lütgenrode tritt der- selbe direct an die Oberfläche. Von Stötterlingenburg nach W. zieht ein Hügelzug mit dem Grabenberg, Lennigsberg, Backofenberg und Gallberg, der südlich von den drei, letztgenannten durch das Thälchen des Güldenen Baches abgegrenzt wird und weiter westlich durch den Sohren- Anger mit dem Plateau in Verbindung steht. Der grösste Theil des Rückens, der nördlich vom Ilsethal begrenzt wird, besteht im XXIX Kern aus Ilsenburgmergel, der jedoch meist von 0,5 bis 1 Meter Schotterlehm bedeckt ist. Von den Fuchslöchern über den Sohren- Anger bis zum Gallberg zieht sich ein schmales Band mehr als 1 Meter mächtigen Schotterlehmes, der an einzelnen Stellen sich aber auch auf 0,5 Meter verringert. Von Stötterlingenburg nörd- lich springt der Ilsenburgmergel in einem dreieckigen Flügel nach N. vor mit dem Rheinberg, ist auch hier fast durchweg von Dilu- vium überlagert, hauptsächlich von Schotterlehm, am Grabenberg und Rheinberg mit nordischen Schotter und Sanden. Am Rhein- berg zeigte eine grössere Sandgrube Schotter resp. Schotterlehm 0,5 —4 Meter mächtig, darunter Lösslehm 0,5—1 Meter, der nörd- lich und südlich vom Schotter sich erhebend zu Tage tritt, und dieser wird unterlagert von Sand mit Lehmstreifen, der mit 3 Meter nicht durchteuft war und ebenfalls wie der Lösslehm an die Ober- fläche kommt. Interessant war ein neuer nord-südlich verlaufender Wege- "einschnitt am Westfuss des Rheinberges oberhalb Stötterlingen. Derselbe (siehe beistehende Figur) zeigt von der Mitte nach dem Südende ein durch das Gehänge bedingtes langsames bogen- förmiges Abnehmen der Mächtigkeit des Ilsenburgmergels von 4 Metern bis zum oberflächlichen Auskeilen (in der Tiefe setzt er fort und wird auf dieser Strecke von Schotterlehm in einer Mächtigkeit von 1 bis 1,5 Meter überlagert). In der Mitte nach N. biegt sich die Formationsgrenze steil nach unten ca. 2 Meter, dann zieht sie nach einem stumpfen Winkel mit schwächerer Profil im Wegeeinschnitt am Westrand des Rheinbergs. a Schotterlehm resp. Schottermergel. 5 Ilsenburgmergel. Neigung ca. 6 Meter weiter und erhebt sich vor dem Nordende des Einschnittes in Form von 2 südlich gebogenen Höckern, beim ersten um ca. 0,5 Meter, beim zweiten um 1 Meter. Ueber dieser XXX offenbar erodirten Aushöhlung des Ilsenburgmergels lagert Schotter- lehm resp. Mergel in einer Mächtigkeit von 3 bis 4 Meter und am Nordende des Einschnittes ist nur noch dieser vorhanden, ca. 3 Meter mächtig. Am nördlichen Gehänge des Hügelzuges grenzen in seinem unteren Theil an den Ilsenburgmergel zunächst meist Schotter- lehm und in der Tiefe Schottermergel, und an diese Lösslehme an. Westlich von Stötterlingen, vom Westabhang des von Lütgen- rode (Stötterlingenburg) kommenden Thälchens bis zum Westrand des Blattes ist nur Diluvium vorhanden und zieht sich bis Lütgen- rode hinauf, im oberen Theil Schotterlehm enthaltend, im unteren Lösslehm, der vielfach bis zu 1 Meter und mehr Teufe reichlich humos ist. Am SO.-Ende von Stötterlingen war im Diluvium eine Grube, in welcher unter sandigem Lehm von 1 Meter Mächtig- keit Lösslehm 0,5 Meter mächtig folgte und unter diesem Sand mit schwachen Lehmadern, der mit 1,5 Meter nicht durchsunken war. Am Öst- und Südrand des Gallberges ist nur Lösslehm vorhanden, während der Ilsenburgmergel allerdings meist bis zu 1 Meter Schotterlehmbedeckung hat. Südlich vom Backofenberg treten Schotterlehme auf. Fauna im Ilsenburgmergel und zwar in den festeren Kalk- mergelschichten wurde in reichem Maasse in einer Grube südlich von Stötterlingenburg gefunden, ferner noch in Gruben unweit der Quelle des Güldenen Baches nordwestlich von Schauen, un- weit des Tönneckenbrunnens südwestlich von Schauen, am Wahr- berg westlich von Schauen und in der genannten Grube am Wege von Wasserleben nach dem Wasserlebener Holz bei der Ochsen- bachquelle. Auch die Gruben am Sassberg haben eine Reihe von Fossilien geliefert. A. von KoEnen: Ueber die wissenschaftlichen Er- gebnisse der geologischen Aufnahmen im Jahre 1896. Bei der geologischen Aufnahme der Messtischblätter Einbeck und Freden musste eine sehr grosse Zahl von einzelnen Horizonten unterschieden werden, da vom Oberen Zechstein an wohl alle einzelnen Schichten der Trias, des Jura und auch der Kreide, mit ‚9.9.91 Ausnahme der obersten, dort vertreten sind, wenn sie auch nicht gerade alle durch das Auffinden von Fossilien nachgewiesen werden konnten; dazu kommt noch Tertiärgebirge, nordisches und einhei- misches Diluvium und allerlei Alluvialbildungen. Naturgemäss wur- den mächtige Schichtenfolgen und weniger verschiedenartige Ge- steine specieller gegliedert, als weniger mächtige und verschieden- artige, zumal da letztere für eine solche Gliederung oft gar zu ge- ringen Anhalt darboten. So wurde, ebenso wie auf Blatt Ganders- heim, der ganze Lias und der ganze braune Jura nur in je 3 Ab- theilungen getheilt, eine untere, mittlere und obere, und im unteren Theile des weissen Jura wurde nur Ornatenthon und Korallenoolith (nebst Dolomit und Heersumer Schichten) unterschieden, im Kim- meridge dagegen 3 Stufen, und über diesem eine verhältnissmässig mannigfaltige Schichtenfolge, nämlich: 1. »die Schichten mit Am- monites gigas«, 2. die Eimbeckhäuser Plattenkalke, 3. die Münder Mergel, durch röthliche bis gelbe Kalke mit Corbula, Gervillia ete. in untere und obere, Gyps-führende, getheilt, 4. der Serpulit, 5. die Purbeckkalke. Darüber folgt dann der Wealden und die marinen Thone der unteren Kreide, der Hilssandstein etc. Während nun die übrigen Schichten petrographisch recht con- stant bleiben, zeigten die mit Ammonites gigas eine sehr verschieden- artige Entwicklung, sowohl in demselben Profil in verschiedenem Niveau, als auch vor allem an verschiedenen Stellen im Gebiete des Selter und des Ith. In grösserer Mächtigkeit treten, besonders in ihrem oberen Theile, graue, blaue etc. mürbe Mergel und Thone auf, wechselnd mit dünnplattigen, feinkörnigen, mehr oder minder festen Kalken. In ihrem unteren Theile finden sich aber mindestens zwei Zonen festerer Gesteine, theils ziemlich dichte, theils grob- oolithische, rostfarbene Kalke, welche namentlich bei Weddehagen in Steinbrüchen ausgebeutet werden, aber nur Steinkerne von verdrückten Bivalven, wie Austern, enthalten. Andere mehr dichte Kalke sind gelegentlich reich an Corbula-Schalen, Cyrena rugosa und grösseren Bivalven und lieferten endlich nördlich von Naönsen auch Bruchstücke von Ammonites gigas aut.; einzelne Schichten sind aber zugleich reich an kleinen, mit der Schale erhaltenen Gastropoden, welche durch Anwitterung des Gesteins frei hervor- treten, wie Cerithium cf. Ahlemense BRAUNS. XXXIH Im Fortstreichen nach Nordwesten gehen ‘diese Schichten nördlich von Ammensen zum Theil in dunkle Dolomite über, welche durch ihre dunkle Farbe sich von den Korallendolomiten unterscheiden. Nordöstlich von Varrigsen sind sie nahe der Landesgrenze gegen 20 Meter mächtig in einem Steinbruche auf- geschlossen und sehr arm an organischen Resten; sie enthielten hier aber noch wenig mächtige Lagen von rostfarbenem, hartem, oolithischem Kalk und auch von blaugrauem Schieferthon, und in diesem fanden sich verdrückte Schalen von Mytilus, Pecten. etc. Diese Dolomitbildung erstreckt sich dann über den Spielberg nach Nordwesten bis dahin, wo die Schichten zur Thalsohle hinabsinken, indessen liegt auch nördlich von Varrigsen eine mehrere hundert Meter lange Scholle des normalen, rostfarbenen Kalkes der Amm. gigas-Schichten eingeklemmt zwischen Eimbeckhäuser Plattenkalk. Weiter nach Nordwesten sind die Schichten verschiedentlich gestört und durch Verwerfungen abgeschnitten und gleichen zum Theil solchen des mittleren Kimmeridge. In der Gegend von Duingen und Weenzen werden aber etwas dickere Bänke von blaugrauem, grob-oolithischem Kalk ausgebeutet, welche durch Verwitterung bräunlich bis hellgrau werden und ebenfalls den Amm. gigas-Schichten angehören; sie stehen hier in Verbindung mit dünnplattigen, z. T. thonigen Schichten mit Corbula-Schalen und auch kleinen Schnecken, und diese Gesteine sind zuweilen sehr ähnlich denjenigen, welche von STRUCKMANN vom Kappenberge bei Nienstedt dem Eimbeckhäuser Plattenkalk zugerechnet wurden. Bei Salzhemmendorf sind unsere Schichten wieder durch eine nahezu streichende Verwerfung abgeschnitten, so dass südwestlich von den in den grossen Steinbrüchen ausgebeuteten, nach Süd- westen einfallenden Korallen-Oolithen unten im Thale bei Eggersen nach Nordosten einfallende Eimbeckhäuser Plattenkalke anstehen: Bei Lauenstein zeichnen sich die Gesteine unserer Zone ferner durch eine schwärzliche Färbung aus, die freilich an der Kamphecke etc. ‘bei Wallensen wieder verschwunden ist, und oberhalb des Hilsborn-Grundes, sowie am ganzen Ith bei Holzen nehmen die oolithischen Kalke einen so hohen Gehalt an Bitumen an, dass sie als »Asphalt« in grossen Brüchen gewonnen werden. Bu. 4. oe, xXXIU Die Gesteine der Schichten des Ammonites gigas sind nun nir- gends in grösserer Mächtigkeit aufgeschlossen und meistens recht arm an Fossilien, zumal an eigentlichen Leitformen, so dass eine specielle Gliederung wenigstens vorläufig nicht durchführbar erschien, doch scheinen die grob-oolithischen Kalke überall, wo sie beobachtet wurden, wesentlich dem unteren Theile unserer Schichten anzuge- hören, und fast überall sind sie verhältnissmässig reich an Pycno- donten und Lepidotus-Resten, so bei Holzen, Duingen und Weenzen, so dass nur etwa diese unteren festeren Bänke dem Gestein nach “von den oberen, feinkörnigen, mit Mergeln vielfach wechselnden Kalken getrennt werden könnten, in welchen Corbula-Schalen stellenweise häufig sind; hierauf folgen dann direct die Eimbeck- häuser Plattenkalke. Vergleichen wir nun die oberen Jura-Bildungen des Selter etc. ‚mit denen des Kahlberges bei Echte, so kann ich nicht mehr daran zweifeln, dass der Lepidotus-Oolith, welchen J. P. SmitH (die Jura- bildungen des Kahlberges bei Echte, Inaugural-Dissert. Göttingen 1893 und Jahrb. d. kgl. geol. Landesanstalt für 1893) als nächst- höheres Glied über den Schichten mit Exogyra virgula unterschied, dem unteren Theile der Amm. gigas-Schichten entspricht, seine Schichten mit Corbula Mosensis dagegen dem oberen Theile; es spricht hierfür sowohl die ganz analoge Lagerung, als auch die Aehnlichkeit der Gesteins-Entwicklung und die Fauna von kleinen Gastropoden, welche sich nördlich von Naönsen und auf dem Kahlberge findet. Die dunklen Dolomite südöstlich von Wiershausen, welche von SMITH und später von mir (Geologische Specialkarte, Blatt Gandersheim) mit entsprechendem Vorbehalt zum Portland gestellt worden waren, stimmen aber im Gestein ganz mit denen aus dem erwähnten Steinbruche von Varrigsen überein, so dass ich sie jetzt für umgewandelte Kalke der Amm. gigas-Schichten halten muss, also vermuthlich der Lepidotus-Oolithe. Dieser Annahme widerspricht auch ihr geologisches Auftreten am Kahlberge in keiner Weise. | Es gehören somit alle am Wahlberg bei Echte über den Schichten mit Exogyra virgula folgenden Gesteine der » Ammonites- Jahrbuch 1896. ‚ 6 XXXIV gigas-Schichten«, dem unteren Portland an, und die Eimbeck- häuser Plattenkalke fehlen dort. E. Kayser: Bericht über Aufnahmen im Dillen- burg’schen. Die Arbeiten im Sommer 1896 betrafen hauptsächlich die Nordhälfte des Blattes Oberscheld. Mit Ausnahme der äussersten NW.-Ecke der Karte, in die noch etwas Unterdevon hineinfällt, besteht der ganze übrige Theil des aufgenommenen Gebietes bis nach Harterod und Wommels- hausen aus Jüngeren, mittel- und oberdevonischen sowie culmischen Ablagerungen. Das Mitteldevon besteht ganz überwiegend aus Tentacu- litenschiefern. Sie bilden einen ersten Hauptzug im S. des Dietzhölzthales. Dieser Zug ist ausgezeichnet durch vielfache Einschaltungen von hellen, plattigen Quarzitsandsteinen, sowie von Hornblende-führenden (proterobasartigen) Dia- basen, welch’ letztere die hohen Kuppenberge der Escheburg, des Gewänn und des Windhain bilden. Einlagerungen von Nieren- und Plattenkalk treten sehr zurück. Ausser in diesem ersten Zuge treten Tentaculitenschiefer in- folge von Schichtenüberschiebungen auch weiter im $. in ein paar schmalen, nicht weit fortsetzenden Zügen aus jüngeren Ab- lagerungen hervor. So im Thale der Tringensteiner Schelde un- weit der alten Grube »Centrum«, so inmitten der Eisensteinlager der »Eisernen Hand«. Das letzte Vorkommen ist sowohl unter Tage, im Liegenden des mittleren Eisensteinlagers (Wilhelmine) zu be- obachten, als auch über Tage, wo in der alten Pinge über dem Eisenzecher Flügelorte dunkle, Kalk-führende Schiefer anstehen. Ein zweiter Hauptzug von Tentaculitenschiefer zieht von Eisemroth nach Harterod, Schlierbach und Bottenhorn. Er ent- hält im südlichen Theile keine Einschaltungen von Quarzitsand- stein; ım nördlichen aber treten statt solcher dünne Bänkchen eines bräunlichen, glimmerreichen Sandsteins auf, die ganz mit Styliolinen und Tentaculiten erfüllt sind (so besonders am »Schind- ler« südwestlich Bottenhorn). Weiter sind für diesen Zug von XXXV Mitteldevonschiefern auszeichnend zahlreiche, wenn auch meist sehr untergeordnete Einlagerungen von Schalstein, der mitunter schlechte Versteinerungen (Korallen, Brachiopoden) enthält. In sehr grober, breccienförmiger Beschaffenheit, mit zahlreichen, z. Th. sehr grossen Einschlüssen von Quarzporphyr treten der- artige Schalsteine am Schönschied nordwestlich und am Eisenberg nördlich Günterod auf. Hervorzuheben ist noch, dass wahrscheinlich auch die Eisen- steine des Oberschelder Reviers nicht, wie bisher angenommen wurde, ausschliesslich oberdevonisch sind, sondern wenigstens z. Th. dem Mitteldevon angehören. Dafür spricht, dass in neuerer Zeit im liegenden Lager der Eisernen Hand, auf Grube Caroline, eine Art von Maeneceras vorgekommen ist, einer nach allen Erfah- rungen ganz auf das Mitteldevon beschränkten Gattung. | Anscheinend liegen hier ähnliche Verhältnisse vor, wie im Knollenkalklager am Sessacker bei Oberscheld und an der Land- strasse zwischen Bicken und Offenbach (Bl. Ballersbach): beide sind im Wesentlichen oberdevonischen Alters; ihre Basıs aber muss — wie (foniatites cancellatus (Berliner Museum) am . Sess- acker, und Stringocephalus Burtini (Geologische Landesanstalt) im Bickener Kalk beweisen — noch dem Mitteldevon angehören). Das Oberdevon besteht ın der Nordhälfte des Blattes Öberscheld ganz überwiegend aus ÜUypridinenschiefern und aus hellen, glimmerreichen, mitunter Pflanzen-führenden Sandsteinen. Daneben treten in ziemlicher Verbreitung Schalsteine auf, wäh- rend Kalke sehr zurücktreten. Statt der Sandsteine erscheinen zwischen Harterod und Wom- melshausen harte, weisse Quarzite, wie sie in ähnlicher Aus- bildung auch in der Gegend von Kaldern im oberen Lahnthal sowie ım Kellerwald entwickelt sind. Die Schalsteine gehören zwei verschiedenen Niveaus an. Das tiefere Niveau deckt sich im Wesentlichen mit den Ge- steinen, die der Nassauer Bergmann wegen ihrer häufig violetten 1) Dass bei Bicken unter dem Horizonte mit Stringocephalus noch ältere, dem Unteren Mitteldevon angehörige Kalke entwickelt sind, ist bekannt. e* XXXxVI Färbung als blauen (oder jüngeren, d. h. oberdevonischen) Schal- stein bezeichnet. Dieser Schalstein liegt (z. Be am »Pauls- wasen«, am »Beuerbach«, am »Klingelbach« bei Oberscheld, an der Eisernen Hand) unter dem Knollenkalk bezw. dem Cypri- dinenschiefer und Pflanzensandstein. Er ist besonders zwischen Oberscheld und Nanzenbach, sowie im OÖ. des letztgenannten Dorfes verbreitet und enthält örtlich (besonders an der »Lach- seite« unweit Dillenburg) Atrypa reticularis, Spirifer Verneuih, Phillipsastraea, Favosites u. Ss. W. Jüngeren Alters ist der Schalstein, der am Rumpelsberg und im alten Rinkenbacher Tagebau bei Oberscheld, am »Gonkel- loch« N. Bicken (Bl. Ballersbach) und in grösster Verbreitung bei Langenaubach (Bl. Dillenburg) entwickelt ist. Er liegt über dem Knollenkalk und steht in nächster Beziehung zum Eisenspilit (C. KocH) oder Deckdiabas, dem allerjüngsten Glied der devoni- schen Bildungen dieser Gegend. Er stellt einen Tuff des Deck- diabases dar, der am Rumpelsberg und Gonkelloch die im vor- jährigen Berichte erwähnten, merkwürdigen, mit einer Mandelstein- rınde umgebenen Bomben einschliesst. Hie und da (besonders bei Langenaubach) kommen in diesem »Deckschalstein« Reste von Clymenien, von verschiedenen Gephyroceras- Arten — darunter auch intuwmescens — und von Brachiopoden und Korallen des Iberger Kalks vor. Die kalkige Entwicklungsform des Öberdevon findet sich besonders in der Umgebung von Öberscheld, wo (gewöhn- lich im Hangenden des blauen Schalsteins) eine ganze Anzahl von schmalen, wenig mächtigen und meist auch nicht weit fort- setzenden Zügen von hellgrauem oder röthlichem Knollenkalk auf- treten. An ihrer Basis pflegt eine schwache Zone von dunklen, bituminösen Kalken und Kalkschiefern mit Buchioda angulifera und retrostriata, verdrückten Exemplaren verschiedener Gephyro- ceras- und Tornoceras-Arten, Ceratiocaris, Fischresten u. s. w. ent- wickelt zu sein‘ Die darüber folgenden Knollenkalke enthalten im unteren Theile noch Gephyroceras intumescens, ım oberen aber Clymenien und Goniatiten des Clymenien-Niveaus. (sulcatus, : del- phinus). So am Sessacker, wo die Herren DENCKMANN und BEUS- HAUSEN 1895 die ersten Clymenien auffanden, so im Rinkenbacher XXXVI Kalklager und im Eisenstein der Grube Neuberg und der Eiser- nen Hand (Cl. subarmata und subnautilina nach C. Koch). Der Culm zeigt nichts besonders Bemerkenswerthes. Als eine auffällige Erscheinung könnte allenfalls die grosse Ausbrei- tung hierher gehöriger Kiesel- und Wetzschiefer am N.-Rande der Karte, im NO. der Angelburg, erwähnt werden. An einer grossen Querverwerfung schneidet hier die gewaltige Oberschelder Diabasmasse ın voller Breite ab. Jenseits der Verwerfung findet sich nur Oberdevon, sowie an der angegebenen Stelle Uulmkiesel- schiefer. Dieser bildet eine flach gelagerte Decke, an deren Basis im Oontact mit dem unterliegenden Deckdiabas Eisensteine auf- treten, die in zahlreichen kleinen Löchern, Pingen und Schächt- chen ausgebeutet worden sind. Die Lagerungsverhältnisse sind in der Nordhälfte des Blattes Oberscheld nicht weniger verwickelt wie ın der Südhälfte und auf den anstossenden Theilen der Blätter Dillenburg und Eibelshausen. Es hängt das einmal mit vielfachen Ueberschie- bungen, sogen. Schuppenstructur zusammen; dann aber auch mit grossen Querverwerfungen, die in Menge vorhanden, bedeutende horizontale und verticale Verschiebungen der Schichten veranlasst haben. So wird z.B. die Schalsteinscholle der Eisernen Hand mit ihren bekannten Rotheisensteinlagern im W. wie im OÖ. von weit fortsetzenden (z. Th. mit Schwerpath ausgefüllten) Quer- spalten begrenzt. Dass auch die riesigen Deckdiabasmassen des Scheldethales an einer grossen Querverwerfung abschneiden, ist bereits oben erwähnt worden. Meist verlaufen diese Störungs- linien gerade; doch kommen auch Bogenverwerfungen vor — so die z. Th. mit kieseligem Eisenstein erfüllte Spalte der »Eisernen Krone« (die kein echtes Eisensteinlager darstellt). Bemerkenswerth sind die örtlichen, von derartigen Spalten ausgegangenen Verkieselungen, wie sie beispielsweise am unteren Ende von ÖOberscheld im Deckdiabas und Culm zu beobachten sind, da wo das über Öberscheld hinziehende Culmband ab- schneidet und auf die östliche Thalseite hinüber verworfen wird. Von Beobachtungen, die ausserhalb des Blattes Ober- scheld gemacht worden sind, sei erwähnt, dass es gelungen ist, unzweifelhafte Beweise für die schon seit längerer Zeit vermuthete XXXVII übergreifende Lagerung des Mitteldevon aufzufinden. So liegen im S. des Blattes Oberscheld, wie auch besonders im N. des Blattes Ballersbach, mitteldevonische Schalsteine mehrfach und auf längere Erstreckung unmittelbar auf Untercoblenzschich- ten. Ebenso lagern an anderen Punkten mitteldevonische Kalke unmittelbar über den im den Berichten der letzten Jahre öfters er- wähnten plattigen Arcosegrauwacken, die an der Scheide zwischen Dill- und Lahnmulde eine so grosse Verbreitung besitzen. Ich glaubte bisher, diese Grauwacke dem älteren Uhnter- devon zurechnen zu sollen, weil ich vielfach unmittelbar neben ihr, aber stets petrographisch und stratigraphisch streng getrennt, bald die Ober-, bald die Untercoblenzfauna angetroffen hatte. Unlängst ist es mir aber geglückt, auf dem Blatte Gladen- bach in Berührung mit ebenderselben Grauwacke die im Dillen- burg’schen und im Hessischen Hinterlande bisher noch unbe- kannte Fauna der Siegener Schichten (oberster Horizont mit Spirifer hystericus, Rensselaeria strigiceps, Modiomorpha Siege- nensis, Avicula pseudolaevis, Pteronites bilsteinensis, Goniophora trapezoidalis u. s. w.) aufzufinden. Die fragliche Grauwacke muss daher älter sein, als der genannte, tiefste Versteinerungshorizont, den man (abgesehen von den nur im Ardennen- und Venn- gebiete nachgewiesenen Gedinne-Schichten) im rheinischen Devon kennt. Nachdem nun Herr DENCKMANN in diesem Sommer im Kellerwald in Gesteinen, die wenigstens z. Th. eine ganz ähnliche petrographische Beschaffenheit haben, silurische Verstei- nerungen entdeckt hat, liegt die Vermuthung nahe, dass auch die in Rede stehende Grauwacke sammt den begleitenden Schie- fern, Kalken und Quarziten silurischen Alters ıst, während die neben und zwischen den Grauwacken liegenden Partien devonischer Gesteine eingefaltete Theile jüngerer Ablagerungen darstellen, HotzArrEeL: Bericht über die Ergebnisse der Auf- nahmen im Jahre 1896. Ti Beobachtungen im Lahngebiet. Die wissenschaftlichen Beobachtungen im Lahngebiet erstreck- ten sich vorwiegend auf das Oberdevon und seine Gliederung. XXXIX Auf den in Bearbeitung befindlichen Blättern Weilburg, Weil- münster, Mehrenberg, Braunfels und Wetzlar tritt das Oberdevon in drei grossen, complicirt gebauten und einigen kleineren Mulden auf. Die Hauptmulden sind von Süden nach Norden: die Braun- fels-Wetzlarer, die Weilburger und die Allendorf-Ehringshäuser. In der letztgenannten erreicht das Oberdevon die grösste Ober- flächenausbreitung, ist aber noch nicht ausreichend untersucht worden, um allgemeinere Resultate zu ergeben. Die beiden anderen Mulden zeigen bei aller Aehnlichkeit der Gesteinsausbil- dung doch auch manche wichtigen Unterschiede, sodass es zweck- mässig erscheint, jede für sich zu betrachten. Die auffallendste Verschiedenheit liegt darin, dass in der südlichen Mulde Kalke, die bei Weilburg eine grosse Rolle spielen, zurücktreten gegen eine vorwiegend schiefrige Entwickelung. Leider sind in beiden Mulden Versteinerungen selten, die Gliederung kann daher zu- nächst nur nach petrographischen und stratigraphischen Merk- malen durchgeführt werden. 1) Die Braunfels- Wetzlarer Mulde. Es war insbesondere die Umgebung von Philippstein, welche die Daten für eine Gliederung des Oberdevon ergab. Ueber dem massigen Stringocephalenkalk folgt hier Schalstein, und zwar der sog. jüngere Schalstein, der sich von dem mittel- devonischen äusserlich meist gut durch seine lebhafte Färbung unterscheidet. Vor allem sind licht gelbgrüne, violette, rothe und bunte Färbungen bezeichnend. Es kommen indessen auch Abänderungen vor, die sich von dem dunkelgrünen, braun ver- witternden mitteldevonischen Schalstein schwer unterscheiden und abtrennen lassen. Die Schwierigkeit wächst dadurch, dass dieses tiefste Oberdevon übergreifend lagert. Kalk-Einlagerungen sind nicht häufig. Bei Bonbaden, am linken Solmsbachufer, liegen in dem Schalstein lichtrothe, anscheinend fossilfreie Flaserkalke, vom Habitus des Adorfer Kalkes DENCKMANN’S. Aehnliche Gesteine finden sich zwischen diesem Punkte und Philippstein auf Grube Rosa. Auf der rechten Solmsbachseite nehmen die Kalke local den Charakter des Iberger Kalkes an, sind aber nur von geringer XL Mächtigkeit. Im Innern der Mulde fehlt der oberdevonische Schalstein meist. Auf Grube Martha bei Albshausen lagert auf dem Stringocephalen-Eisenstein ein grauer plattig-knolliger Kalk mit Gephyroceraten, ein ähnlicher, aber rothgefärbter Kalk, mit den gleichen Versteinerungen liegt auf Grube Philippswonne bei Garben- heim über dem Eisenstein mit Maeneceras terebratum. — Auch südlich von Wetzlar in der Umgebung von Nauborn fehlt der Schalstein. Seiner Stellung nach gehört derselbe in die Intumes- censstufe. Indessen ist zu bemerken, dass in anderen Gegenden, so in der Limburger Mulde, ein ähnlicher Schalstein mit rothem Cypridinenschiefer wechsellagert. Ueber dem Schalstein, oder wo dieser fehlt, über dem Intu- mescenskalk, bezw. direct auf dem Mitteldevon folgt eine Schiefer- zone, mit Kiesel- und Wetzschiefern beginnend. Bei Steinsdorf scheint sie direct auf Unterdevon zu lagern. Einzelne Lagen der Wetzschiefer enthalten massenhaft Styliolinen, seltener Tentaculiten. Diese Versteinerungen haben mich früher veranlasst, diese Gesteine nicht von ähnlichen des Mitteldevon zu trennen (Abhandl. d. geol. Landes-Anst. N. F. Heft 15, S. 371 ff). Bei Philippstein liegen indessen die Wetzschiefer unzweideutig zwischen dem oberdevo- nischen Schalstein, bezw. dem Striugocephalen-Kalk und Cypridinen- schiefern. — Die Kieselschiefer von Grube Martha bei Albshausen grenzen daher nicht, wie ich angegeben hatte (l. c. 5. 369) mittelst einer Störung an die Intumescens-Kalke, sondern überlagern die- selben regelmässig. Ebenso erfordern die Profile der Grube Amanda bei Nauborn (l. c. S. 375) eine andere Deutung. Das Mitteldevon muss mit dem Kalk schliessen, von dem vielleicht ein Theil bereits dem Oberdevon angehört, was aber durch Versteine- rungen bisher nicht nachgewiesen ist, und die Schiefer über dem- selben gehören zum Oberdevon. Das Profil von Amanda stimmt daher überein mit dem von Martha. Auf beiden Gruben sind die Eisensteine im ganzen Umfange einander gleich. — In diese Kiesel- schieferzone gehören u. a. die entsprechenden Gesteine südlich von Albshausen und Steinsdorf, in der Umgebung von Wetzlar und Oberndorf, wahrscheinlich auch die Kieselschiefer der Gegend von Waldgirmes. — XLI Der obere Theil der genannten Schieferzone wird von blauen und grauen Thonschiefern gebildet. Aehnliche Schiefer wechseln auch schon mit den Kieselschiefern ab, wie aus den früher von mir mitgetheilten Profilen von Nauborn hervorgeht. (1. c. S. 376.) Diese Schiefer, die oftmals Styliolinen enthalten, haben grosse Aehnlichkeit mit mitteldevonischen Tentaculitenschiefern, und sind von denselben nur schwer zu trennen. Bei Philippstein, auf Grube Eisenfeld liegen sie indessen zwischen Cypridinenschiefern und den oben genannten Wetz- und Kieselschiefern, gehören daher in das Oberdevon. Wenn auch an solchen Stellen das Alter festgestellt werden kann, so bleiben doch manche anderen Vorkommen blauer Thonschiefer vorläufig zweifelhaft, z. B. das der Tentaculiten- führenden Thonschiefer am Weinberg bei Wetzlar, bei Bonbaden, Braunfels u. a. ©. — Kalke scheinen in dieser Schieferzone selten zu sein. -Es finden sich allerdings an manchen Stellen Einlage- rungen von Kalken, so bei Philippstein, in der Nähe der Grube ÖOberndorfer Zug bei Albshausen u. a. OÖ. Aber gerade an diesen Stellen ist das Alter der Schiefer noch zweifelhaft, und Versteine- rungen konnten nicht aufgefunden werden, nur Crinoidenstielglieder finden sich nicht selten. Als jüngstes Glied des Oberdevon folgt Cypridinenschiefer, der gleichfalls übergreifend gelagert erscheint. Es sind vorwiegend rothe, eben spaltende Thonschiefer, meist ohne Kalkknollen, von nicht sehr grosser Mächtigkeit. Cypridinen sind selten, namentlich in den reinen Schiefern. Häufig finden sie sich in wenig mächtigen rauhen, glimmerreichen Lagen von gelbgrauer Farbe (Magdaienen- häuser Hof) oder in rauhen uneben spaltenden rothen Schiefern (z. B. Grube Ferdinand bei Oberndorf). 2) Die Weilburger Mulde. Das tiefste Glied des Oberdevon besteht aus demselben über- greifend gelagerten Schalstein, wie in der Wetzlar-Braunfelser Mulde, mit eingelagerten, meist in Rotheisenstein umgewandelten Kalken, in denen Versteinerungen bisher nicht beobachtet wurden. Die nächst höhere Abtheilung enthält, wie in der vorher be- sprochenen Mulde, Kiesel- und Thonschiefer von grauer bis schwarz- XL blauer Farbe, daneben spielen aber graue, plattige Flaserkalke eine erhebliche Rolle. Man beobachtet sie am besten in dem Profil unterhalb Weilburg nach Guntersau zu, sowie unterhalb Kirsch- hofen am linken Lahnufer. An ersterer Stelle folgt am Webersberg über dem Schalstein wenig mächtiger, grauer, harter Thonschiefer, darüber der Kalk, und weiterhin Oypridinenschiefer. Die Schichten stehen senkrecht. Am Südausgang des Kirschhofener Tunnels folgt auf den Schalstein dunkler Lydit, darauf dunkler harter Thonschiefer, dann der Kalk, weiterhin nochmals dunkler Thon- schiefer, und hierauf Cypridinenschiefer. In den Kalken liegt eine etwa 1/, Meter dicke Schicht von schwarzem, kohligem Schiefer, der schwarze Kalkbrode enthält, und in schwarzen Plattenkalk über- geht. Diese Lage ist besonders gut zu beobachten am Ausgang des Kirschhofener Tunnels, am Webersberg bei Weilburg (dicht über dem liegenden Schiefer) und in dem Steinbruch am Löhn- berger Weg. Die Kalkbrode enthalten: @ephyroceras intumescens, Tornoceras simplex, T. paucistriatum, Buchiola palmata, Entomis serrato-striata und Coccosteus carinatus, die Plattenkalke, namentlich Tentäculites tenuieinctus in Menge. Es ist dies petrographisch und palaeontologisch die Schicht, welche unter gleichen Lagerungs- verhältnissen bei Bicken und Wildungen vorkommt, die schwarzen Goniatitenkalke ROEMER’s aus dem Kellwasserthal des Harzes. — Bei Wirbelau wurden durch Schurfschächte in geringer Höhe über dem oberdevonischen Schalstein gelbe, graue bisschwarze und violett- graue, mergelige Schiefer aufgeschlossen, welche neben massenhaften Tentaculiten (F. tenuieinctus?) und Styliolinen kleine verkieste Ge- phyroceraten enthielten. Ueber den Flaserkalken folgen vorwiegend roth und grün ge- färbte Cypiridinenschiefer, oftmals mit reichlichen Kalkknollen, in rothen Flaserkalk übergehend. Dieses oberste Glied des Oberdevon tritt in zahlreichen meist schmalen Zügen auf, die offenbar ebenso vielen Specialfaltungen entsprechen. Anscheinend besitzen auch die Cypridinenschiefer, wie in der Wetzlar-Braunfelser Mulde, eine, übergreifende Lagerung. Bei dieser Beschreibung ist ein breiter und weit aushalten- der Schieferzug ausser Betracht geblieben, welcher von Waldhausen XLIII an über den Steinbühl, an Odersbach vorbei und über den Kohl- hau bis zum Kerkerbachthal verfolgt werden kann, und aus Kiesel- schiefern, dunklen, harten Thonschiefern und gelegentlich con- glomeratischen Grauwacken besteht. Auf der v. DEcHEN’schen Karte ist er als Culm bezeichnet, seine Ausdehnung nach N. aber zu gering angegeben. Auf dem anstossenden Blatt Hadamar sind diese Schiefer als älteres Mitteldevon eingezeichnet. Versteine- rungen sind bisher nicht beobachtet worden, auch keine Tenta- culiten. Das Alter ist vor der Hand unbestimmt, doch ist zu bemerken, dass das Gestein von den in geringer Entfernung bei Hasselbach und Allendorf auftretenden Schiefern des unteren Mitteldevon, welche hier normales Unterdevon überlagern, verschie- den ist, und dass die Kieselschiefer bei Odersbach und Waldhausen in naher Beziehung zum Cypridinenschiefer stehen. Möglicher- weise haben sie ein oberdevonisches Alter. Vergleicht man die Schichtenfolge des Oberdevon mit der vorher beschriebenen in der Wetzlar-Braunsfelder Mulde, so ergiebt sich in beiden eine Dreitheilung: Wetzlar-Braunfelser Weilburger Mulde. Mulde. | 1) Schalstein mit eingelagerten | 1) Schalstein mit eingelagerten lichtrothen Flaserkalken, bezw. Roheisensteinen. Eisensteinen. Stellenweise statt des Schal- steines, plattige Flaserkalke mit Gephyroceraten. 2) Thon-, Wetz- und Kiesel- | 2) Thon- und Kieselschiefer, und schiefer, stellenweise mit vielen graue plattige Flaserkalke, Tentaculiten. letztere im höheren Niveau, mit der schwarzen Schicht mit Gephyroceraten. 3) Rothe und grüne Cypridinen- | 2) Rothe und grüne Oypridinen- schiefer mit seltenen Kalk- schiefer, oft mit vielen Kalk- knollen. knollen in unreine Knollen- kalke übergehend. XLIV Ueber die Stellung dieser Schichten im System ist zu be- ınerken, dass 1) zur Intumescensstufe gehört, ebenso 2) mindestens bis incl. der schwarzen Schicht. Die Höhenlage dieser ergiebt sich deutlich in dem bekannten Steinbruch am Löhnberger Wege, wo sie 2-3 Meter unter den rothen Oypridinenschiefern liegt. Am Webersberg mag sie 50 Meter von diesen entfernt liegen, dagegen ist sie bei der alten Porcellanfabrik an der Brücke über den Weil- bach viel näher an derselben gelegen. Die Schichten sind hier aber so vielfach gebogen und gestaucht, dass der genaue Abstand kaum angegeben werden kann, er mag indessen mit dem am Löhn- berger Weg beobachteten übereinstimmen, wogegen er bei Kirsch- hofen wieder grösser ist. Von Kirschhofen sind schon von SAND- BERGER ÜUlymenien beschrieben worden. Dieselben finden sich an einer Stelle in Menge. Unterhalb Kirschhofen folgt auf rothen Cypridinenschiefer eine 3—4 Meter dicke Bank von Diabas. Auf demselben lagert grauer, harter Thonschiefer, ebenfalls 3—-4 Meter mächtig. An seiner Basis, also unmittelbar auf dem Diabas, liegt eine kaum 20 Centimeter mächtige Schicht von schwarzem, braun ver- witterndem Kalkschiefer, mit ebenso gefärbten, meist flachen Kalk- knollen. In dieser Schicht finden sich massenhaft Olymenia laevigata, seltener (1. striata und annulata, Ammonites Bronni MÜNST. Amm. bifer SANDB. und sehr häufig Posidonia venusta. Von dem Tunnel ist diese Schicht durchfahren worden, und man findet Stücke der- selben von rein schwarzer Farbe auf der Tunnelhalde. Ueber den grauen Schiefern folgen wieder rothe Cypridinenschiefer. Es liegen demnach hier die Clymenien an der Basis einer dünnen Lage grauer Thonschiefer, die zwischen rothen Cypridinenschiefern liegt. Ob es sich hier um eine Einlagerung handelt, oder um eine Einfaltung steht vorläufig dahin. In dem Steinbruch am Löhnberger Weg ist zwischen den Intumescens-Schichten und den rothen Cypridinenschiefern kaum Platz für die Clymenienstufe, und hier ist der Aufschluss sehr klar, und nichts deutet auf eine Discordanz hin. Vergleicht man die besprochenen Ablagerungen mit gleich- altrigen in den Gebieten, die DENCKMANN jüngst beschrieben hat (dieses Jahrb. für 1894, S. 8), so ergiebt sich eine vollkommene XLV Uebereinstimmung einiger Zonen. Die rothen und grünen Cypri- dinenschiefer, das jüngste Oberdevon, stimmen genau überein mit DENCKMANN’s Auenberger Schichten (1. ec. S. 43) sie enthalten wie diese grobkörnige Diabase. Die tieferen grauen Knollenkalke mit der schwarzen Schicht entsprechen in jeder Beziehung DENcK- MANN’s Adorfer Kalken des Kellerwaldgebietes. Im Uebrigen zeigt das Oberdevon der Weilburger und Wetzlarer Mulde verschiedene bemerkenswerthe Abweichungen von dem des Kellerwaldgebietes und des östlichen Westfalen, die meiner Ansicht nach nicht durch Lücken erklärt werden können. Auf diese Verschiedenheiten kann erst eingegangen werden, wenn die Beobachtungen weiter vorge- schritten sind, und auch die Allendorf- Ehringshäuser Mulde ge- nauer studirt sein wird. Es ist noch hervorzuheben, dass die Bezeichnung Cypridinen- schiefer vielfach, auch in dieser Besprechung, in einem engeren Sinne benutzt wird, als sie ursprünglich gegeben wurde. Die Brüder SANDBERGER bezeichneten mit dem genannten Namen nicht nur die obersten rothen und grünen Schiefer (Auenberger Schichten DENCKMANN’s), sondern das ganze Oberdevon mit Ausschluss des Schalsteines. (Rheinisches Schichtensystem in Nassau S. 508.) Die Stratigraphie der Weilburger Oberdevon-Mulde ist eine recht verwickelte, in Folge der mannigfachen Specialfaltungen und der übergreifenden Lagerung der einzelnen Glieder des Ober- devon. Durch die Stadt Weilburg zieht ein Sattel von Mittel- devon, der die Hauptmulde in zwei Specialmulden theilt, deren nördliche als die Odersbach-Ahausener, deren südliche als die Kirschhofener Mulde zu bezeichnen ist. Der sie trennende Sattel besteht aus älterem Schalstein (Schalstein unter dem Stringoce- phalenkalk C. Koch), der an der Limburger Strasse ansteht, aus Schalstein mit Korallen (Schalstein des Stringocephalenkalkes C. Koch) und überlagerndem Stringocephalenkalk. Dieser ist an der Hauselay bei Weilburg in dicke Bänke abgesondert, bei Oders- bach massiger Riffkalk, der im Bahneinschnitt am Nordausgange des Kirschhofener Tunnels nochmals hervortritt, um dann unter die Schichten des Öberdevon unterzutauchen. Am Bahnhofe Weilburg treten Schalsteine mit Kalkeinschlüssen und graue Thon- schiefer in dünnen Lagen in diesem Niveau auf. XLVI Wie es scheint, liegt nordöstlich von Wirbelau eine dritte ober- devonische Specialmulde,; welche noch nicht genügend erforscht ist. Im Streichen nach NO. hin hebt sich das Oberdevon bei Selters aus, legt sich aber bei Tiefenbach wieder an, und bildet hier eine kleinere Mulde, welche bis in die Gegend von Niederbiel zu verfolgen ist. II. Beobachtungen in der Gegend von Aachen. In der Aachener Gegend wurde gleichfalls das Oberdevon für die Kartenaufnahmen gegliedert, und dabei einige Beobachtungen von allgemeiner Bedeutung gemacht. In meiner Arbeit über das obere Mitteldevon im rheinischen Gebirge wurde auseinandergesetzt, dass der devonische Kalkzug, welcher von der Landesgrenze bei Eupen an bis zum Abbruch des Gebirges bei Jüngersdorf verläuft, nur zum Theil dem Mitteldevon angehört, zum anderen Theile oberdevonisch ist. An einigen Stellen, besonders bei Raeren sind dunkle Kalkbänke mit Am- phipora ramosa aufgeschlossen. Dicht unter ihnen kommt Unecites gryphus, Stringocephalus Burtini und Cyathophyllum guadrigeminum vor, welche ich über ihnen nicht mehr beobachtete. Man wird daher in Uebereinstimmung mit anderen Gegenden die Grenze zwischen Ober- und Mitteldevon über diese Ramosabänke zu legen haben. Wo sie fehlen, bezw. nicht aufgeschlossen sind, ist die Grenze schwer zu ziehen, da in den dickbankigen Oberdevon- Kalken Versteinerungen im Allgemeinen selten sind. Doch fanden sich bei Schmidthof zahlreiche PAhillipsastraea ananas. Bei Vicht, Mausbach und Gressenich und Schewenhütte Spirifer Malaisi und Verneuili sowie Avicula Mariae. Je weiter nach Osten, um so mehr scheint der mitteldevonische Kalk abzunehmen, wie dies schon GOSSELET angab. Jedenfalls besteht die tiefste Abtheilung des Oberdevon aus dickbankigen Kalken, in denen auf Grube Breiniger Berg die Schieferschicht mit ihren zahlreichen Verstei- nerungen eingelagert ist, welche weiter nach NO. hin in Kalk überzugehen scheint. Im Vichtbachthal und östlich desselben ist diese Unterabtheilung des Oberdevon bis nach Gressenich dolo- mitisirt. XLVI Ueber den bankigen Kalken folgt eine Zone von grauen, knolligen Kalken und Schiefern. Die Kalke haben im Allgemeinen Linsenform, und in den meist dünnblättrigen Schiefern finden sich häufig Kalkknollen und Platten. Versteinerungen sind in dieser . Knollenkalkzone allenthalben verbreitert. Besonders häufig findet sich Spirifer Verneuili, Rhynchonella cubordes, Atrypa aspera und stellen- weise Phillipsastraea. Receptaculites Neptun! kommt in einer gelb- grauen Schieferschicht mit Kalkknollen bis jetzt nur bei Vicht vor. Nach oben folgt eine wenig, 2—3 Meter oft nur 1/3 Meter mächtige Schicht eines rothen Flaserkalkes, welche überall, wo ausreichende Aufschlüsse vorhanden sind, beobachtet wurde, so bei Wehnau, Gressenich, Mausbach, im Vichtthale, bei Breiniger Berg, Breinig, Venwegen, Hahn, Walheim etc. bis nach Eupen hin. Diese rothe Schicht ist ausgezeichnet durch ihre Cephalopodenfauna. Es wurden bis jetzt beobachtet: Tornoceras simplex v. B., T. Ver- neurli Münst., T. globosum MÜNST., T. oxyacantha SANDB. Wenn es bis jetzt auch nur wenige Arten sind, so gehören sie doch zu den bezeichnenden Formen der Nehdener Schiefer. Auf der rothen Bank lagern graugrüne, glimmerreiche, rauhe Schiefer mit meist flachen Knollen eines unreinen Kalkes. Bei Hahn fand ich in denselben Riesenexemplare (bis 12 Centimeter Durchmesser) von Tornoceras oxyacantha und T. simplex. Daneben findet sich häufig Spirifer Verneuili, Atrypa reticularis u. a. Bei Walheim ist eine Schieferschicht erfüllt von einer kleinen Posi- donia (venusta?). Das jüngste Glied des Oberdevon besteht dann aus grauen, gelb verwitternden, glimmerreichen, plattigen Sand- steinen und sandigen Schiefern. Versteinerungen sind im Allge- meinen selten, häufig finden sich undeutliche Pflanzenreste. Bei Büsbach und Dorf ist eine Schicht ganz erfüllt mit Spiröfer Ver- neuii. Ausserdem ist besonders Dolabra unilateralis (Cucullaea Hardingii aut.) bezeichnend, besonders in höheren Lagen. Nach oben schalten sich wohl einige wenige Kalkbänke und Linsen ein (Binsfeldlhammer bei Stolberg, Cornelimünster), in denen be- stimmbare Versteinerungen nicht beobachtet wurden. Mit diesen Schichten schliesst das Oberdevon ab, da ich die höheren knolligen, an Crinoidengliedern und Korallen reichen XLVIII Kalke mit Cyathophyllum aquisgranense, Spirifer distans, Rhyn- chonella Gosseleti etc. bereits zum Kohlenkalk rechne. Das ÖOberdevon der Aachener Gegend gliedert sich so in folgender Weise: 1) Dickbankige Kalke mit Phillipsastraea ananas, Fephyroceras intumescens, Spirifer Verneuili, Sp. Malaisi und Avicula Mariae. 2) Knollenkalke und Schiefer mit Spirifer Verneuih, Atrypa re- ticularıs, Rihynchonella cuboides, Phillipsastraea, Recepta- culıtes. 3) Rother Flaserkalk mit Nehdener Fauna. 4) Graue Kalkknollenschiefer mit Tornoceras owyacantha, Spi- rifer Verneuili. Posidonia? venusta. 5) Glimmerreiche Sandsteine und sandige Schiefer mit Sps- rifer Verneuili, Dolabra unclateralis. Nach oben mit ein- zelnen Kalkbänken bezw. Linsen. Von diesen Schichten gehören 1 und 2 dem unteren Ober- devon, der Intumescens-, bezw. der Cuboides-Stufe an. 3 und 4 gehören ihrer Fauna nach zusammen, und repräsentiren das mittlere Oberdevon nach FRECH’s Anschauung, die untere Abtheilung des oberen Oberdevon nach KAYSER. 5 lässt sich im rechtsrheinischen Gebiet mit den sog. Pönsandsteinen Westfalens vergleichen. Manche Schichten stimmen vollständig überein mit plattigen pflanzen- führenden Sandsteinen der Dillmulde (z. B. Herbornseelbach). Es entspricht ferner 1 u. 2 der Etage Frasnien der belgischen Geologen. 3 und 4 mögen dem Famennien inferieur und 5 dem Famennien superieur gleichstehen. Indessen scheinen die ange- gebenen Unterabtheilungen sich nicht vollständig mit den einzelnen »Assisses«, in welche der Service de la carte geologique de Belgique das Famennien gliedert, zu decken. H. Loretz: Mittheilungen über geologische Auf- nahmen im’ Mittel- und Öberdevon auf den Blättern Iserlohn, Hohenlimburg und Hagen. Bei den folgenden Bemerkungen — mit welchen nicht be- absichtigt wird nur Neues zu bringen — wollen wir von der XLIX stratigraphisch feststehenden, dem oberen Mitteldevon angehörigen und die oberen Stringocephalen-Schichten darstellenden mächtigen Kalkbildung ausgehen, deren Zug, wie schon aus der v. DECHEN’schen Karte zu ersehen, sich von Hagen bis zum Hönnethal (ostwärts von Iserlohn), nur von Thalbildungen unterbrochen und mehrfach von Querstörungen betroffen, in nordöstlicher bis östlicher Richtung ' hinzieht. Für dieselbe ziehe ich die von WALDSCHMIDT und schon früher von v. DECHEN gebrauchte Bezeichnung »Elberfelder Kalk« dem oft gebrauchten Namen »Massenkalk« vor. In allen besseren Aufschlüssen lässt sich Schichtung mit grösserer oder geringerer Deutlichkeit erkennen. Ein gewisses massiges Aus- sehen kommt allerdings gar nicht selten dadurch zu Stande, dass die Schichtung durch anderweitige Ablösungen (Klüftung, Schiebungsflächen, Zerrüttungen) verdeckt wird, besonders bei beschränkten Aufschlüssen und zugleich sehr dicker Bankung, sowie dann, wenn die Schichtung dem Beschauer zufällt. Zu einer Untergliederung dieser Stufe haben die bisherigen Begehungen noch nicht geführt. Ob sich eine durch besonders reichliches Auftreten von Amphipora ramosa charakterisirte Zone kartographisch wird ausscheiden lassen, steht noch dahin. Der innere Aufbau des nach Art der Korallenriffe entstandenen Gesteins lässt sich nach eingetretener Verwitterung und schwacher Dolomitisirung, besonders in verlassenen Steinbrüchen oft in aus- gezeichneter Weise erkennen, so namentlich in der Gegend von Hagen. Stromatoporen scheinen vielfach in noch stärkerem Maasse gesteinsbildend gewesen zu sein als eigentliche Korallen. Was die Lagerung des Zuges von Elberfelder Kalk zu dem in seinem Liegenden folgenden Lenneschiefergebirge betrifft, so scheint auf Blatt Iserlohn, soweit die Begehungen durchgeführt ‘sind, normale Auflagerung stattzufinden, wenn auch ein directer natürlicher Aufschluss über die Schichtenlage an der Grenze kaum einmal vorkommt. Namentlich kann man in der Strecke zwischen Westig und Iserlohn an einer solchen regelmässigen Auflagerung kaum zweifeln. Für eine solche spricht auch der parallele Verlauf zwischen der Grenzlinie von Elberfelder Kalk und Lenneschiefer einerseits und der obersten Kalkeinlagerung in letzterem (dem Jahrbuch 1896. d L sog. zweiten Kalklager des Galmeibergbaus) andererseits. Es scheint, dass sich dieses Lagerungsverhältniss, abgesehen von einigen (Querstörungen, noch weiterhin südwestwärts bis in die Gegend von Hohenlimburg fortsetzt, auch wiederholt sich bis dorthin das Ausstreichen eines liegenden Kalklagers, oder einiger solcher Lager, im obersten Lenneschiefer. Das Einfallen der in Rede stehenden Grenzfläche mag in der Gegend von Iserlohn beiläufig 40°, bei Letmathe etwa 60° betragen. Was die Strecke zwischen dem Lennethal bei Hohenlimburg und dem Volmethal oberhalb Hagen betrifft, so ist es mir zweifelhaft, ob die Grenze zwischen Elberfelder Kalk und Lenneschiefer hier noch normal oder einiger- maassen gestört ist. Bei Hagen ist diese Grenze eine deutliche Verwerfung, welche den Charakter einer Ueberschiebung annimmt; in noch viel stärkerem Maasse besteht das letztere Verhalten längs der Enneper Strasse, wo nur an einzelnen Stellen überschobene Schollen des Elberfelder Kalks und oberdevonischer Schichten längs des Lenneschiefer-Gebirgsrandes zum Vorschein kommen. Weiterhin südwestwärts stossen Lenneschiefer und Elberfelder Kalk vielfach, vielleicht grösstentheils, mit Verwerfung aneinander, sehr deutlich z. B. zwischen Langerfeld und Rittershausen). Es mag hier beiläufig darauf hingewiesen oder daran erinnert werden, dass in der Anordnung der Gebirgsglieder vom Lenne- schiefer an aufwärts durch das obere Mitteldevon, resp. den Elber- felder Kalk, in’s Oberdevon, den Culm und das Carbon, in unserer Gegend sich die Erscheinung einer grossen Schichtenbeugung (Flexur) ausspricht; zwischen den vielfach in Sättel und Mulden gelegten, unverhältnissmässig breit ausstreichenden Lenneschiefern einerseits und ebenso sich verhaltenden Carbonschichten anderer- seits ziehen die Ausstriche der mittleren Glieder als relativ sehr schmale Streifen hin, mit ziemlich einheitlichem nördlichem resp. nordwestlichem Einfallen und so, dass, wie es scheint, Schichten- wiederholungen keine grosse Rolle spielen. Doch liegt es im Wesen einer Flexur, dass in ihrem Gefolge streichende Verwerfungen sich 1) Im Allgemeinen sind jedoch, wegen der Zersetzung des mechanisch zerrütteten Schiefers längs solcher Verwerfungen günstige Aufschlüsse nicht zu erwarten. LI leicht einstellen, und so auch hier; die Specialkartirung wird ausser dem genannten noch weitere Beispiele hierfür bringen. Ebenso wird dieselbe eine ganze Anzahl grösserer und kleinerer Querstörungen darzustellen haben, von welchen sich namentlich der Zug des Elber- felder Kalkes — entsprechend der physikalischen Beschaffenheit seines Gesteins gegenüber der der einschliessenden Schiefer — betroffen zeigt, und welche, wie besonders in der Nähe des Lennethals abwärts von Hohenlimburg, weitere Oomplicationen im Grefolge haben können. Bei Letmathe, wo bei einem Einfallen von ca. 60° so ziemlich die einfache Mächtigkeit des Elberfelder Kalkes vorliegen dürfte, kann man diese auf etwa 600 Meter veranschlagen. Bekannt sind die secundären Verkieselungs-Erscheinungen innerhalb dieser Kalkstufe und ihre Produkte, Quarz in Krystallen und krystallinischen Aggregaten, Eisenkiesel, verkieselte Ver- steinerungen u.s. w., wie sie bei Iserlohn, Hemer, Sundwig, Let- mathe u. s. w. vorkommen, sowie die namentlich an der unteren Grenze der Stufe liegenden, hier ebenfalls nur beiläufix zu er- wähnenden, Gralmeilager. Was die Lenneschiefer unseres Gebietes betrifft, so müssen wir unsere jetzigen Bemerkungen auf die nördlichste Partie der- selben, d. h. die dem Zuge des Elberfelder Kalkes nächstgelegene, beschränken. Es finden sich hier Kalklager dem Schiefer ein- geschaltet; in beiderlei Gestein kommen Versteinerungen vor, welche zu Vergleichen mit anderwärts bekannten Horizonten herangezogen werden können. An etwaige Ausscheidungen und Gliederungen in den südwärts sich anschliessenden Lenneschiefer- massen unserer Gegend kann man erst dann herantreten, wenn man sich mindestens einen Ueberblick über das ganze grosse westfälisch-sauerländische Lenneschiefer-Gebiet verschafft, und die bereits von E. SCHULZ!) unterschiedenen Zonen durch genauere Begehungen kennen gelernt hat. Für das bereits erwähnte oberste Kalkzwischenlager des Lenneschiefers in der Gegend von Iserlohn und Letmathe könnte I) Geognostische Uebersicht der Bergreviere Arnsberg, Brilon und Olpe etc. d = LII an einen Vergleich mit dem Actinocystis-Kalk (E. ScHuLz) gedacht werden. Um dies zu entscheiden, müssen indess noch mehr be- zeichnende Versteinerungen aus dem genannten Lager gesammelt werden. Die Lenneschieferpartie im Liegenden desselben enthält, besonders bei Iserlohn, zum Theil auch weiter südwestwärts: Productus subaculeatus MURCH., Ühonetes minuta GOLDF. (beide ziemlich häufig), Streptorhynchus umbraculum SCHLOTH., Orthis sp., Spirifer subcuspidatus!) SCHNUR (häufig), Spirifer laevicosta VAL. (carinatus SCHNUR), Athyris concentrica B., Avtcula reticulata GOLDEF. (nicht selten), Allorisma Münsteri ARCH. VERN. sp. (fragmentarisch) uam. Durch eine ziemlich breite Lenneschiefermasse von dem er- wähnten obersten Kalklager getrennt, erscheint weiter im Liegenden ein anderes Kalkzwischenlager dieses Schiefers, welches sich vom Lennethal unterhalb Nachrodt fast im Zusammenhang über die Ort- schaften Pillingsen und Lössel ostwärts bis auf Blatt Iserlohn erstreckt und auch hier noch, wenn auch wohl mehr in getrennten Linsen, fortzusetzen scheint, während jenseits des Lennethals, westwärts, eine Fortsetzung nicht aufgefunden wurde. Bei Pillingsen fand sich in diesem Kalk: Cyathophyllum quadrigeminum GOLDF. (häufig), Oyathophyllum ceratites GOLDF., Calamopora spongites GOLDF., Aulo- pora serpens GOLDF., Athyris concentrica B., Atrypa reticularıs L. (häufig). Die angeführten Daten reichen noch nicht aus, um über das Verhältniss des besprochenen Schichtenzuges zu bekannten Horizonten endgültig zu entscheiden; es könnte namentlich an Vergleiche gedacht werden mit den Toringer- oder Quadrigeminum- Schichten (G. MEYER), sowie mit dem Spongophyllum-Kalk (E. SCHULZ). | Etwas mehr lässt sich über die oberhalb Hagen an beiden Seiten des Volmethals, bei Oberhagen und Eilpe, sowie gegen- über an der Hardt und bei Delstern ausstreichenden Kalkzwischen- lager des Lenneschiefers sagen; diese sind bereits von E. ScHuLz?) 1) Die Kennzeichen von Spirifer subcuspidatus Scusur treffen bei der Iserlohner Form völlig zu. ?) Vorläufige Mittheilung a. d. Mitteldevon Westfalens, Zeitschr. d. Deutsch. LIII und E. WALDsScHMIDT!) mit den Toringer oder Quadrigeminum- Schichten G. MEYER’s, an welche sie auch in petrographischen Merkmalen erinnern, und dem Unteren Dolomit von Hillesheim in Parallele gestellt worden. Besonders günstig sind sie bei Delstern und von da ım Zusammenhang weiterstreichend nach der Hardt aufgeschlossen; aber auch gegenüber, bei Eilpe, sind gute Aufschlüsse. Die Lagerung ist im Ganzen flach bis wenig steil und ohne bedeutendere Schichtenverrückungen. Die Auf- schlüsse lassen auf eine zusammengehörige Gruppe von Kalk- zwischenlagern?) im Schiefer schliessen, in welchen sich folgende Petrefacten fanden: Cyathophyllum quadrigeminum GOLDF. (Delstern, Hardt, Oberhagen und Eilpe, besonders an den erstgenannten Punkten sehr häufig), Calamopora polymorpha und spongites GOLDF., Aulopora serpens GOLDF. Stromatopora polymorpha GOLDF. Atrypa reticularis L. (var. aspera) (häufig bei Eilpe), Athyris concentrica B. (desgl.), Stringocephalus Burtini DEFR. (fragmentarisch), Spirifer medkotextus ARCH. VERN. (fragmentarisch). Namentlich die Häufig- keit der erstgenannten Koralle bedingt die erwähnte Parallelisirung dieser Schichten. Es wäre nun wichtig, die stratigraphische Lage derselben im Gesammtprofil zu kennen, namentlich angeben zu können, wie tief die Kalkeinlagerungen mit Cyatoph. quadrigeminum u.s. w. unter der oberen Grenze des Lenneschiefers, an welcher der Elberfelder Kalk beginnt, liegen. Leider lässt sich diese Frage nicht entscheiden, weil die Grenze von Elberfelder Kalk und Lenneschiefer gerade hier durch Verwerfungen gebildet wird. Einen ausgezeichnet deutlichen Aufschluss über das durch Verwerfung bewirkte Abstossen der genannten beiden Stufen an- einander in dieser Gegend bietet der Anschnitt in den Hagener geol. Ges. Bd. XXXVI, 1884, S. 656 ff. — Geognost. Uebers. d. Bergreviere Arnsberg, Brilon u. Olpe etc. S. 153. ) Die mitteldevon. Schichten d. Wupperthals bei Elberfeld u. Barmen. Oberrealschulbericht, Elberfeld 1888; S. 23, 24. — Ferner F. Frzcn, die Cyatho- phylliden und Zaphrentiden d. deutsch. Mitteldevon, S. 42. ®) Wo diese Kalklager mächtiger werden und durch Steinbrüche auf- geschlossen sind, da kommt das Aussehen des Gesteins und der von ihm ge- bildeten Wände dem des Elberfelder Kalkes fast gleich; im Ganzen bleibt es etwas flaseriger. LIV Kalkwerken am rechten, steilen Ufer der Volme, gleich oberhalb Hagen. Thalabwärts liegt der Elberfelder Kalk, in hoher Wand entblösst, mit etwa östlichem Einfallen seiner Bänke. Eine scharfe Verwerfung trennt ihn vom Lenneschiefergebirge; sie ist mit gänzlich zerriebener Schiefermasse, vielleicht 1/g Meter breit, er- füllt und fällt steil gegen die Seite des Liegenden, nämlich des Lenneschiefers, welcher zunächst am: Bruch zerrüttet, geröthet und gestaucht ist, und dessen Bänke auf eine Länge von fast 100 Schritt steil aufgerichtet sind; es schliesst sich daran eine auffällige sattelförmige Umbiegung, in deren Kern Korallenkalk, mit Spuren von Üyathophyllum quadrigeminum, soeben zum Vor- schein kommt. Die Bänke des Schiefers sind vielfach kalkhaltig und enthalten überdies Kalkzwischenlagen mit Favosites und Stromatopora!). | Die erwähnten Schichten von Delstern, Oberhagen, Eilpe finden, wie E. WALDSCHMIDT bemerkt?), ihr Aequivalent in den »Grauwackenschiefern von Elberfeld«. Ein directer Zusammenhang besteht nun zwar nicht, doch macht der Genannte darauf auf- merksam, dass die gleichen Schiefer auch in der Zwischenstrecke, bei Schwelm und bei Milspe, ausstreichen. Vielleicht kann durch genaueres Studium der Lagerungsverhältnisse der diesen Zwischen- raum einnehmenden Lenneschiefer jene Gleichstellung noch weiter begründet werden. Wir werfen nun einen Blick auf die Schichtenentwicklung im Hangenden des Elberfelder Kalkes. Was die Grenze dieser Kalkstufe gegen die aufwärts folgende Gruppe schwarzer, mer- geliger Schiefer nebst schwarzen Kalkzwischenbänken und -linsen (die Flinzgruppe v. DECHEN’s) betrifft, so ist sie nichts weniger als scharf; es findet hier in einer gewissen Mächtigkeit eine förmliche Wechsellagerung statt?). Die betreffende Grenzzone ist an verschiedenen Stellen, bei Hemer, Iserlohn und Let- ) Eine genauere Beschreibung dieser Stelle nebst Zeichnung auf Grund einer Photographie wird für eine spätere Gelegenheit vorbehalten. 2) a.ar O1 8054 ) Es stimmt das mit den Ausführungen von Warpschmipt, a. a. O. 8. 32, 33 und in einer neueren Arbeit; »Zur geologischen Karte von Elberfeld-Barmen«. LV mathe, durch eine Anzahl Steinbrüche gut aufgeschlossen und es zeigt sich da übereinstimmend, dass ein Wechsel von Korallen- kalkbänken, die zum Theil noch die graue Farbe der liegenden Kalkstufe haben, zum Theil auch schon die schwarze- der hangenden, und deren organische Reste (Favosites, Heliolites porosa u. a. m.) hier und da verkieselt sind, mit plattigen, zum Theil auch wulstigen, schwarzen Kalkbänken und -lagen und mit mergeligen, dünnen, schiefrigen, grauen bis schwarzen Zwischenlagen statt- findet. Aus diesen weicheren Schichten der in Rede stehenden Uebergangszone wittert da und dort auch noch ein Stringocephalus Burtini aus; es wurde sowohl die bauchige Form als die flachere, mit Mittelfurche versehene (dorsalis) gefunden. Auch scheinen diese Lagen noch Uncites gryphus zu enthalten!). Aufwärts schliesst sich an den bezeichneten Schichtenwechsel der Uebergangs- zone die im frischen Zustande durchgängig schwarz gefärbte, recht mächtige Folge mergeliger Schiefer nebst Kalkzwischenbänken und -Jinsen an, der Flinz (v. DECHEN), welcher bereits zum Ober- devon gerechnet wird, an charakteristischen Versteinerungen übrigens arm ist; wir kommen darauf zurück. Die Abgrenzung zwischen Mittel- und Oberdevon wird nun nicht nur durch jene Uebergangszone sondern auch dadurch un- sicher, dass sich an einigen Stellen, schon ganz umgeben von schwarzen Flinzschiefern, geschlossene Partieen von grauem Korallen- oder Riffkalk mit Brachiopoden, von grösserem oder kleinerem Umfang befinden, deren gleichsam inselförmiges Auf- treten zwischen jenen Schiefern durch Verwerfungen oder sonstige Unregelmässigkeiten der Lagerung zu erklären mir bis jetzt nicht gelungen ist?).. Bei der überaus regelmässigen Bankschichtung, 1) In den obersten, noch grauen Kalkbänken, resp. deren gleichfarbigen Zwischenlagen fand sich bei Letmathe reichlich Atrypa reticularis in verschiedenen Varietäten; in den wenig höher gelegenen untersten schwarzen Mergelschiefern dagegen eine Menge Styliolinen, wie sie auch aufwärts im Flinz verbreitet sind. — Bei Hemer enthält die Uebergangszone eine oder mehrere, von Crinoiden- trümmern erfüllte Bänke. 2) Anders unterhalb Hohenlimburg, wo ich mir das Auftreten zweier, von dem Hauptzug des Elberfelder Kalkes durch Flinzschiefer getrennter Berge eben solchen Kalkes durch Störungen erkläre, LVI wie sie sich sonst, in der Nachbarschaft allenthalben, aus dem obersten Elberfelder Kalk in die hangende Schichtengruppe fort- setzt, wird es auch schwer, eine Erklärung in einem localen, riff- artigen Weiterwachsen 'des obersten, zur Stufe des Elberfelder Kalkes gehörigen Korallenkalks zu suchen, um so mehr als das allgemeine Schichteneinfallen einen erheblichen Neigungsgrad besitzt und jene isolirten Massen von dem obersten, eigentlichen Elberfelder Kalk durch eine gewisse, von Uebergangsschichten und schwarzen Schiefern eingenommene Zwischenstrecke getrennt erscheinen. Solcher isolirt im Hangenden des Elberfelder Kalkes erscheinenden, petrographisch demselben gleichenden Korallen- oder überhaupt Riffkalkmassen fand ich bis jetzt drei, und zwar eine in der Nähe der Ortschaften Dröschede und Untergrüne (Blatt Hohenlimburg), eine im sogenannten Bremsteinköpfchen bei Iserlohn und eine am Kohlenstein, wenig weiter östlich. Die in denselben gesammelte kleine Fauna ist mitteldevonisch, es sind folgende Arten: Stringocephalus Burtini DEFR., Rhynchonella parallelepipeda BRONN var. pentagona (sOLDF., Rhynchonella sub- cordiformis SCHNUR (Wilsoni oviformis QUENST.), Rhynchonella (Goldfussi SCHNUR, Pentamerus galeatus DaLm. var. laevis KAYSER, Atrypa reticularis L. und Athyris concentrica Buch (beide scheinen nicht häufig zu sein), Spirifer concentricus SCHNUR, Spirifer SP., Oyathophyllum sp., Favosites sp., Stromatopora polymorpha (KOLDF. Bemerkenswerth ist ferner, dass sich ın der Zwischenstrecke der beiden zuletzt genannten Stellen, unweit Iserlohn, in schwarzem Kalk, wie er den schwarzen Flinzschiefern ın Platten zwischen- geschaltet ist, eine Rhynchonella fand, deren Charaktere mit cubordes Sow. übereinstimmen). Wie gesagt erweist sich die Schichtengruppe des Flinz (ich behalte diese v. DECHEN’sche Benennung vorläufig bei) als arm an bezeichnenden Versteinerungen, es steht jedoch zu hoffen, dass durch fortgesetztes Sammeln das bis jetzt vorhandene geringe 1) Zu diesem Vorkommen vgl. die Bemerkung von E. Kayser, Zeitschr. d. deutsch. geol. Ges. Bd. XXV, 1873, S. 651 Anmerkung; sowie das Zusammenvor- kommen dieser Art und des Siringoceph. Burtini im Briloner Eisenstein (Kayser a. a. 0. Bd, XXIV, 1872, $, 653 ff.) u LVII Material noch bereichert werden dürfte). In Menge vorhanden sind, wie lange bekannt, Styliolinen, auch wird Tentaculites tenwieinctus angegeben; jene stellen sich, wie gesagt, schon in den untersten schwarzen Schiefern, direct über dem Elberfelder Kalk ein. Auch ist zu erwähnen, dass in dem Ausstrich in der Nähe von Herbeck und von Holthausen (unweit Hohenlimburg) und ebenso in der Nähe von Ilemer (Blatt Iserlohn) Bänkchen im Flinz erscheinen, die von schlecht erhaltenen Korallenzweigen (Oyathophyllum? u. a.), Crinoidentrümmern, und solchen von Brachiopoden (Atrypa reticularıs z. Th.) ganz erfüllt sind, wie auch weiterhin an anderen Stellen manche der schwarzen Kalk- lagen solche zerkleinerte Trümmer organischer Reste in Menge enthalten. Die schwarzen Flinz - Mergelschiefer zeichnen sich durch Weichheit und leichte Verwitterbarkeit aus, wobei die Farbe ın Grau umändert; das verwitterte Material wird hier und da — besonders wo es unter diluvialer Bedeckung liegt wie am Kaller Bach bei Iserlohn — zu Backsteinen verarbeitet. Im Gegensatz dazu besitzt die oberste Schichtenfolge dieser ganzen schwarzen Schieferzone eine harte, fast kieselschieferartige Beschaffenheit. Wie beı wirklichen Kieselschiefern, wird die schwarze Färbung mitunter sichtlich durch Kohlenstoff, die Härte durch einen Kieselsäuregehalt bedingt, der nach einer chemischen Untersuchung etwa 13 pÜt höher ist als bei den liegenden weichen Flinzschicfern; auch giebt sich Schwefeleisengehalt durch Efflorescenzen zu er- kennen. An der Grenze der harten und weichen schwarzen Schiefer liegen schwach bräunlich angewitterte Kalkbänke, -lagen ) Vergl. E. Warpscuhmipr »Zur geolog. Karte von Elberfeld-Barmen« 8. 77, wo von einigen halbwegs bestimmbaren Funden die Rede ist. — Ueberdies führt bereits E. Kayssr (Studien aus dem Gebiete des rhein. Devon IV. Zeitschr. d. deutsch. geol. Ges. Bd. XXV, 1873 S. 659 aus den Flinzschiefern Cardiola retrostriata (Hönnethal und Iserlohn), sowie von einer anderen Stelle Spirifer simplex, Phacops granulatus und Tentaculites tenuicinctus an. Mit der kurzen Skizze, welche a. a. O. S. 659 f. Kayser schon von mehr als 20 Jahren von den Verhältnissen der Gegend von Iserlohn u. s. w. gab, stehen unsere jetzigen Ausführungen ganz in Uebereinstimmung. — Vergl. ebenda S. 655, 655, 697, 658. LVIII und -sphäroide, sowie in der Schichtrichtung sehr fein gestreifte kalkige Lagen. Die Mächtigkeit der Flinzgruppe mag in unserer Gegend 300, 400 Meter erreichen, doch ist sie, wie dies auch bei anderen Oberdevongruppen zutrifft, veränderlich }). Abgesehen von der wechseluden Mächtigkeit bleibt sich das Verhalten dieser Zone, sowie auch das der aufwärts folgenden, weiteren Oberdevonschiefer (des »Kramenzel« v. DECHEN’s) auf den Blättern Iserlohn und Hohenlimburg, z. B. bei den Ort- schaften Hemer, Bilveringsen, Dröschede, Oestrich, in bemerkens- werther Weise gleich. Jene härteren, kieselschieferähnlichen Schiefer pflegen eine Terrainschwelle oder einen Höhenzug zu eröffnen, an welchem dann auch die in’s Hangende folgenden Schichten ausstreichen- Es sind dies Schiefer von im Allgemeinen geringer Härte, von grauer bis tief dunkler, zum Theil ins Grünliche ziehender Färbung, welche beim Verwittern in Braun übergeht; sie sehen zum Theil etwas streifig aus und scheinen einen gewissen Kalk- gehalt zu besitzen. Ueberdies sind ihnen Bänkchen und Platten eines dichten Kalksteins von grauer Färbung eingeschaltet, welche indess nicht regelmässig durchgehen, örtlich an Zahl gering sind, anderwärts dagegen (wie bei Hagen) zahlreich auftreten. Ver- steinerungen habe ich in denselben noch nicht gefunden. Die Schiefer enthalten hier und da eine Menge von Cypridinen (die Art serrato-striata dürfte häufig sein) und auch von Tentaculiten resp. Styliolinen. Posidonia venusta MÜNST. fand sich wiederholt, sowie, aufwärts, Spuren anderweitiger Versteinerungen, über welche Genaueres jedoch erst auf Grund vermehrten Materials zu Sagen sein wird. !) Ein Aufschluss bei einem Steinbruch in der Nähe von Eppenhausen bei Hagen zeigt eine ganz unbedeutende Mächtigkeit der Gruppe; auf den Elberfelder Kalk legen sich etwa 5 Meter stark dünne, graue, etwas glimmerige, mergelige Schiefer mit Kalklinsen und -bänken, welche hier die Vertreter des Flinz zu sein scheinen, hierauf gleich grünliche, bräunlich verwitternde höhere Oberdevon- schiefer mit Tentaculiten und Cypridinen, zunächst auch mit verwitterten Kalk- knollen. LIX Als Hangendes dieser Schiefer, jedoch nicht genau von ihnen sich abtrennend, folgt ein meist schmälerer Zug sandiger bis quarzitischer, glimmerreicher Schiefer und 'glimmerig-quarzitischer Sandsteinbänke und -platten, die auf der Oberfläche oft krumm- schalig aussehen, auch mit unregelmässigen Figuren und Wülsten bedeckt sind und hier und da undeutliche Pflanzenreste umschliessen. In der Gegend von Letmathe und Iserlohn hebt sich dieser Zug als auffälliger Höhenrücken heraus. An den »Seilern« bei Iserlohn geht das Gestein zum Theil sogar in ein Conglomerat über, indem es kleine Quarzgerölle aufnimmt). Was dann im Hangenden dieses Zuges von Oberdevon noch folgt, sind rothe und grünliche Schiefer, die hier und da Cypridinen führen und ın bekannter Weise bald mehr bald weniger Kalkknoten aufnehmen und überdies mit Lagen von plattigem Kalk und Knollenkalk wechsellagern, wobei auch der Kalk die genannten Färbungen des Schiefers zeigt oder etwas marmorirt aussieht; (Nierenkalke). Die sandig- oder quarzitisch-glimmerige Zone und diejenige der rothen und grünlichen Oberdevonschiefer mit Knoten- kalken lassen sich zwar kartographisch trennen, doch findet keine scharfe Absonderung statt, man stösst vielmehr hier und da auf Wechsel zwischen dem beiderseitigen Schichtenmaterial?). ) Andererseits ist diese Zone westwärts von Letmathe, bei Henkhausen, Herbeck u. s. w. nur soeben noch zu erkennen, im Stadtgarten bei Hagen jedoch wieder ganz deutlich aufgeschlossen. Den Uebergang des Oberdevonsandsteins in ein Conglomerat erwähnt von einer ganz anderen Stelle v. Decnen, Erläut. z. geolog. Karte d. Rheinprovinz, Bd. IT, 8.202. ?) So bemerkte ich nördlich von Apricke (Blatt Iserlohn) innerhalb der sandig-glimmerigen Zone des Öberdevon zwei schmale Zwischenlager von rothem Schiefer, und ähnlich bei Oestrich (Blatt Hohenlimburg). Nördlich von Iserlohn liegen rothe und grünliche Schiefer nebst zugehörigen Knotenkalken (mit Goniatiten) innerhalb der sandig-glimmerigen Zone, und ebenso (wenn nicht schon an der Basis der letzteren), bei überkippter Schichtenlage, bei Hagen. Einfaltung oder sonstige Unregelmässigkeiten möchte ich an diesen Stellen nicht annehmen. (Vergl. v. Decuen, Verh. nat. V. Rheinl. Westf. Jahrg. 12, 1855, S. 140.) Andererseits finden sich bei Höcklingsen (Grenze von Blatt Iserlohn und Blatt Menden) noch einzelne sandige Lagen im obersten Oberdevon bis nahe zur Culmgrenze zwischen rothen u. s. w. Schiefern, und dieser Fall bleibt nicht vereinzelt. LX Am westlichen Fuss des Bembergs bei Henkhausen (Blatt Hohenlimburg), sowie nördlich von Höcklingsen und nördlich von Apricke (Blatt Iserlohn) wird übereinstimmend das Oberdevon von einer wenig mächtigen Folge grau oder graugrünlich ver- witterter, weicher, sehr feine Glimmerschüppchen führender Schiefer geschlossen, in denen plattige, oder auch knollige Lagen von grauem Kalk liegen; weiter in’s Liegende folgen auch rothe und grünliche Schiefer mit Kalkknollen. An der erstgenannten Stelle fanden sich, besonders in den Schiefern, Spuren von Petrefakten, kleine verdrückte Zweischaler, deren Bestimmung (? Posidonia venusta) unsicher geblieben ist. Diese Schichtenfolge, vom Culm abwärts, erinnert an diejenige, welche E. Kayser (Zeitschr. d. deutsch. geol. Ges. XXV, 1873, S. 604, 605) aus dem gleichen Horizonte von Nehden beschreibt, (abgesehen von dem tieferen Theile der letzteren und ihrer Auf- lagerung auf den Stringocephalenkalk). An der Stelle beim Bemberg ist die Auflagerung der untersten Uulmschichten aufgeschlossen; auf jene grauen Schiefer des obersten Oberdevon legen sich hier schwarze kohlehaltige, zunächst noch weiche, dünnblätternde Schiefer, die aber bald auch dünne, harte, kieselschieferartige Lagen aufnehmen und ihren Schwefeleisengehalt durch die Färbung des verwitterten Gesteins und durch Efflorescenzen erkennen lassen. Die Auf- lagerung der Culmschichten auf das Oberdevon möchte ich in dieser Gegend für eine gleichförmige halten. Auch an anderen Stellen, so im Baarthal unterhalb Iserlohn, lässt sich erkennen, dass die liegendsten Schichten des Culm von sehr dünnschichtigen, schwarzen, oft vitriolescirenden Schiefern, zum Theil schon Kieselschiefern, gebildet werden, während aufwärts durch den Wechsel von kieseligen und kalkigen Lagen, Platten und Bänken die Schichtenfolge mannichfaltiger wird. SCHROEDER: Wissenschaftlicher Bericht zu Blatt Greiffenberg, Schwedt, Mohrin. Die Kartirung des Jahres 1896 bewegte sich auf den Mess- tischblättern Greiffenberg U/M., Schwedt und Mohrin N/M. und LXI stellte die Blätter Greiffenberg (mit Einschluss des von Herrn Dr. Schmipr kartirten Antheils) und Schwedt fertig. Auf dem Blatte Greiffenberg wurde ein Stück desjenigen Gebietes aufgenommen, das die Verbindung zwischen den in wall- artiger Entwicklung einerseits bei Steinhöfel (Bl. Greiffenberg) anderseits bei Krussow (Bl. Angermünde) auftretenden Seitentheile des Angermünder Endmoränenbogens herstellt. Wie bereits im vorjährigen Bericht ausgeführt ist, fehlt in diesem Gebiet eine Endmoräne, d.h. eine wall- oder kuppenartige Aufschüttung resp. Stauung erratischen Materials; es ist am Stirntheil dieser Anger- münder Eiszunge im Gegensatz zu deren Seitenbegrenzung nicht zur Bildung einer solchen gekommen. An Stelle dessen tritt eine durchschnittlich eine halbe deutsche Meile breite Zone z. Th. ausserordentlich mächtiger oberdiluvialer Sande, deren nordöstliche Begrenzung in einer im Einzelnen sehr unregelmässigen, im All- gemeinen aber in einer directen Linie Steinhöfel- Krussow gegen die Grundmoränenlandschaft des Angermünder Bogens absetzt. Die südwestliche Grenze dieser Zone, des Sandrs der Anger- münder Moräne, stösst ungefähr in einer Linie Wolletz -Stern- felde an die Grundmoränenlandschaft der Joachimsthaler und Choriner Bögen der ersten Endmoräne. Im Gegensatz zu der ausserordentlichen Bedeutung des oberen Sandes und Grandes, sowohl was die Mächtigkeit als die Oberflächenausdehnung be- trifft, ist die Grundmoräne in diesem Gebiet nur in wenig ausgedehnten Flächen und auch in geringer Mächtigkeit entwickelt, wie die vielen Durchragungen des unteren Sandes zeigen. Quer durch diesen »Sandr« in NO.-SW.-Richtung geht von Greiftenberg her die Verbindung des Welsethales mit dem Wolletzsee. Diese Rinne ist bis Görlsdorf beiderseits von Rinnensanden begleitet; von der andern Seite von SW. her erweitert sich die Rinne durch mehrfach verzweigte Beckensande, von denen sich nach SO. eine breitere Rinne nach Angermünde und den östlich und südlich dieser Stadt liegenden Seen abzweigt. Hierdurch wird eine Ver- bindung zwischen dem Stausee der zweiten Endmoräne (W elsethal- becken) und dem Stausee der ersten Endmoräne (Paarsteinbecken) hergestellt und durch diesen auch nach dem Zurückzug des Eises LXI von der zweiten Endmoräne beständig von N. her stattfindenden Zufluss ist die grosse Ausdehnung der Becken-Sande und Thone des Paarsteinbeckens auf Blatt Gr. Ziethen erklärt. Wie bereits in früheren Berichten ausgeführt wurde, biegt die zweite Endmoräne in der Osthälfte des Blattes Angermünde nach N. auf; ıhr nördlichster Punkt schneidet die Bahn Angermünde- Schwedt etwas westlich Heinersdorf auf Blatt Schwedt. Von hier ab streicht in SO.-Richtung mit einer leichten von SW. her convex erscheinenden Krümmung eine Zone vielfach hinter einander liegender Hügelketten von ausgesprochenem Parallelismus, die durch die Kartirung als ebenso viele Durchragungen erkannt sind. Hiermit soll nicht gesagt werden, dass auf jeder Hügelkuppe der unterdiluviale Sand erscheint, sondern nur der Ueberzeugung Aus- druck gegeben werden, dass auch die oberflächlich aus Geschiebe- mergel bestehenden Geländewellen alle einen unterdiluvialen Sand- kern besitzen. Diese Zone ist eine »Durchragungszone« in dem von mir 1888 gebrauchten Sinne. Dieselbe stösst in den Schlangen- bergen auf den Öderthalrand und setzt auch auf die rechte Oder- seite des Blattes Schwedt über, die in dem vergangenen Sommer kartirt wurde. Die Durchragungen im engsten Sinne sind hier seltener, dagegen liegt auch hier entsprechend den Verhältnissen der linken Oderseite nach NO. hinter der Durchragungszone ein nur wenig welliges, fast ebenes Grundmoränengebiet. Nach SW. an diese parallelfaltige Zone stossen die die ganze Umgegend überragenden Höhen der Peetzig-Hanseberger Forst, die sich geologisch als ein Gebiet grösster Stauung des Untergrundes und grösster Aufschüttung oberdiluvialer Sande kennzeichnet. Auf Blatt Schwedt tritt nur der nordwestliche Zipfel dieses Grebietes über, wo in den Spechtsbergen bis 14 Meter mächtige obere Sande und Mergelsande beobachtet sind. Wenn man die Durchragungszone nicht direct als Endmoräne auffassen kann, da sie oberflächlich wesentlich aus Grundmoräne besteht, so ist die Parallelität der Hügelwälle jedenfalls nur durch die Nähe des Eisrandes erklärbar, dessen Osecillationen noch ein Stück nach NO. unter dem Eise sich in einer Faltung des Untergrundes documentirten. Kommt hierzu noch der Zusammenhang dieser LXTIII Gebilde mit zweifellosen Endmoränen auf Blatt Angermünde und das an sie anschliessende Auftreten eines mächtigen »Sandrs« auf Blatt Zachow, so wird man nicht fehlgehen, diese beschriebene Durchragungszone auf Blatt Schwedt als Vertreter der Endmoräne aufzufassen. An diese Zone ist nun das Auftreten von Tertiär gebunden. Es sind beobachtet Formsande, Quarzkiese mit chokoladenfarbigen und schwarzen Sanden, Glimmersande und Thone. Letztere sind durch das Führen von Leda Deshayesiana als Mittelolisocän er- kannt. Die Lagerungsbeziehungen der einzelnen Schichtenglieder des Tertiär sind nicht bekannt, da in den Aufschlüssen immer nur ein Schichtenglied beobachtet ist. Eine grosse Ziegeleigrube bei Niedersaathen zeigt auf’s Deut- lichste, dass der Mitteloligocäne Thon in einer ausserordentlich unebenen Fläche auf Diluvium aufgeschoben ist und dass sowohl das Hangende, der obere Geschiebemergel, als auch das Liegende, der Untere Sand und Untere Geschiebemergel, in den Thon mannich- faltig hineingreifen. Den Zusammenhang mit dem eigentlich Anstehenden kennt man nicht, doch ist er nicht zweifelhaft, da mitteloligocäner Thon mehrfach dicht dabei in bedeutender Mächtig- keit bis hundert Fuss erbohrt ist. Es erscheint hiernach zweifellos, dass an dieser Stelle das Zutagetreten tertiärer Schicht eine Folge des Gletscherdruckes zugleich mit der Aufschüttung und Aufstauung der Endmoräne ist. Das Blatt Mohrin liest im Bereich der ersten Endmoräne. Ihre typische Entwicklung, ein Wall erratischen Materials zwi- schen Grundmoränenlandschaft und »Sandr«, hört jedoch mit der westlichen Grenze des östlich anstossenden Blattes Zehden auf. Dass der Eisrand nach OÖ. zu über das Blatt Mohrin ge- gangen ist, zeigt sich an der eigenthümlich über Hügel und Senke laufenden Grenzlinie zwischen oberdiluvialen Grundmoränen und geschichteten Bildungen, an der typischen Gestaltung der Oberflächenformen der Grundmoränenlandschaft namentlich in der nördlichen Hälfte und an der Ebenflächigkeit und ununterbrochenen Ausdehnung der Sandflächen im südwestlichen Theile des Blattes. Von Gr. Wubiser bis zur Ziegelei Guhden ist diese Grenze noch LXIV dadurch ausgezeichnet, dass, je weiter man sich von Süden her derselben nähert, ein Gröberwerden des Kornes der Sande statt- findet, das sich bis zu Gerölllagern und grossen Blöcken steigert. Die als Blockpackung aufzufassenden Punkte bestehen zum Theil aus nur kopfgrossen Geröllen, zum Theil sind in ihnen nur die grösseren in der Umgegend liegenden Steine zusammengetragen ; ein Auftreten wirklich massiger Blockpackung ist wohl nur an wenigen Stellen vorhanden. Auch die Grundmoräne ist meist nicht so blockreich, wie sie sonst in der Nähe der Endmoräne zu sein pflegt. An mehreren Punkten ist in Aufschlüssen und Bohrungen das Profil steinig-grandiger Sand Geschiebemergel steinig-grandiger Sand beobachtet; hieraus darf man nicht schliessen, dass etwa die nach S. anschliessenden Grande und Sande in Folge der Ueberlagerung durch eine Grundmoräne unterdiluviales Alter be- sitzen und als —- zu kartiren sınd. Vielmehr ist dies Profil eine ds Folge der grade für die Endmoränengebiete so charakteristischen Verzahnung gleichalteriger Grundmoränen und Schotter. Dass der Eisrand von der Ziegelei Guhden, wie es nach der Karte den Anschein hat, nach SSO. über Bellin weitergegangen ist, dafür liegt kein Anhalt vor, da hier normalkörnige Sande einer ebenflächigen Grundmoräne aufliegen; vielmehr verläuft der Eisrand nach bisher nicht abgeschlossenen Untersuchungen weiter nach OÖ. über Gossow nach Belgen und Hohenwartenberg (Blatt Wartenberg), wo wieder mächtige Blockmassen auftreten und Grundmoränenlandschaft ın charakteristischer Weise an einen »Sandr« stösst. Der Mohriner »Sandr« wird von zwei Rinnensystemen durch- schnitten, das’erste hat die Richtung NO.-SW. Ihm gehört der Abfluss des Mohriner Sees, die Schlibbe, und die Belliner-Schwanen- höfer Seerinne an; das zweite nach OÖ. zu weiter verbreitete, die Richtung NW.—SO. einhaltende System wird auf Blatt Mohrin TH > Hoc. LXV durch Kückels-Bruch bei Stölpchen und dessen nordwestliche Verlängerung, eine bis zum Südzipfel des Mohriner Sees rei- chende Rinne, repräsentirt. Genau an der Stelle, wo das Schlibbe-Thal einerseits und die Stölpchen-Rinne andererseits an den angenommenen Eisrand treten, setzt die Grundmoräne aus und an ihrer Stelle erscheinen Obere Sande, die in die Grund- moränenlandschaft hineinziehen. Es haben sich hier Gletscher- thore befunden. Die Ablagerungen des einen Gletscherflusses — der Verlängerung des Schlibbethales — lassen sich über den Mohriner See weg durch die Guhdener Heide zwischen Vw. Mühl- berg und Vietnitz nach NO. bis Jädickendorf verfolgen. Der andere Gletscherfluss — die Verlängerung des Stölpchen-Thales — zog, sich nach NW. verschmälernd, über Mohrin, Guhdener Mühle nach Bahnhof Butterfelde-Mohrin, ausgezeichnet durch mächtige Sand- und Geröllablagerungen. Die Verlängerung des Stölpchen-Thales und des letztgenannten Mohriner Sandzuges führt genau auf die südlich Dölzig gelegene tiefe Thalsenke, die sich weiter nach N. zum Mantel-Thal auf Blatt Königsberg entwickelt, auf Bl. Uchtdorf als Nahauser Thalnach NW. einbiegend an das Oderthal stösst, über dasselbe weg als Randow- Thal fortsetzt und nach N. in die grossen breit an das Haft grenzen- den Thalsandflächen SO. Ueckermünde endigt. Der directe Zu- sammenhang zwischen dem Mantel-Thal und dem Mohriner Sand- zuge ist jedoch durch eine Circus-artige Barre, deren Höhen von Durchragungen unteren Diluviums gekrönt werden, gestört. Im Innern des Thalcircus fällt die Terrainoberfläche und die obere Grundmoräne von den bis 97,1 Meter ansteigenden Höhen bis auf 15 Meter Meereshöhe hinab. Vereinzelte thonige und grandige Wasserabsätze in dem Circus zeigen, dass auch nach Absperrung des Thales bei Butterfelde noch eine Zufuhr von N. her stattgefunden hat. Es wiederholt sich hier die bereits aus der Uckermark an der Welse und Uecker gekannte Thatsache, dass die Thalbeginne nicht durch Erosion entstanden sind, sondern bei Ablagerung des oberen Ge- schiebemergels bereits vorhanden waren oder zugleich mit ihm ent- standen sind, dass diese Thalbeginne bei gleichzeitiger geringer Jahrbuch 1896. e LXVI Abtragung der Schichten dann durch Zufuhr von. N. her mit Beckensanden und -Thonen aufgefüllt wurden und erst später dann wieder eine grössere Vertiefung des Thales durch Erosion bis zu dem heutigen Thalniveau stattgefunden hat. P. KruscH: Bericht über seine Aufnahmen im Gebiete des Blattes Königsberg i. d. Neumark. Blatt Königsberg ı. d. Neumark bildet ein zum grossen Theil von Oberem Sand bedecktes Geschiebemergelplateau, welches im Westen zur Grundmoränenlandschaft der Hanseberger Endmoräne (siehe dieses Jahrbuch für 1895 S. CVI), hauptsächlich aber zu der der Zehdener Endmoräne gehört. Das Plateau wird von zahl- reichen N.—S. oder Ö.—W. gehenden Thälern durchschnitten, die meist ursprünglichen Senken im Geschiebemergel ihre Richtung ver- danken und mit Thalsand und jüngeren alluvialen Bildungen aus- gefüllt sind. Von den im Bereiche des Blattes Königsberg ı. d. Neumark auftretenden geologischen Bildungen sind von grösserem Interesse dasMantelthal, die Dölziger Endmoräne,der Montecuculi- Berg und das Tertiär. Von den N.—S. gehenden Thälern, die sich in der Grund- moränenlandschaft eingeschnitten haben, ist das im Westen des Blattes liegende Mantelthal das bedeutendste. Es ist der Beginn des von GAGEL auf Blatt Uchtdorf verfolgten Nahauser Thals, welches bei Nipperwiese in die Öderniederung einmündet. Die Breite der noch etwas auf Blatt Mohrin übergreifenden Senke beträgt am Südrande des Blattes Königsberg ca. 1500 Meter, während sie am Nordrande, wo eine grössere Insel emporragt, an welcher die Reichenfelder Mühle liegt, über 3500 Meter ausmacht. Der geologische Bau des Mantelthales ist folgender. Während bei Dölzig eine Senke im Geschiebemergelplateau die erste Ver- anlassung war, dass sich die Schmelzwasser gerade diesen Abfluss suchten, während also hier der oberdiluviale Mergel bis in die Thalniederung hinabreicht, beginnt östlich vom Dorf Gross Mantel die Erosion. Sie geht ungefähr von der 20- bezw. 24 Meter- bis VER ATEE LXVII zur 40 Meter-Öurve und zeigt. den oberdiluvialen Sand, den oberdiluvialen Mergel und den unterdiluvialen Sand — letzteren in z. Th. 20 Meter Mächtigkeit — angeschnitten. Im Grossen und Ganzen liegen die Schichten horizontal mit geringer Neigung nach der Thalmitte. Im N. des Blattes Königsberg ı. d. Neumark heben sich am Ostufer die Diluvialschichten allmählich empor, sodass infolge der Erosion der unterdiluviale Sand ein grösseres Gebiet einnimmt, und der darunter liegende Mergel sogar an die Oberfläche tritt. Die Sande im Mantelthal markiren sicher drei ‚Stadien der Thalbildung. Die Sand- und Mergelsandmassen nördlich von Dölzig zwischen der 25- und 45 Meter-Öurve bilden ein Aequivalent der W ustrow-Stauseesande (siehe dieses Jahrb. für 1895, S. CVILfE.), sind also die Ueberreste eines Stausees, der sich in der Geschiebe- mergelsenke bis zu einer auf Blatt Mohrin befindlichen Barre hin ansammelte, und dessen Ränder auch im Geschiebemergelgebiet in der Nähe des Abbaues zu Kl. Wubiser ungefähr bei der 45 Meter- Curve scharf ausgeprägt sind. An vielen Stellen erbohrt man als Liegendes der Sandmassen den oberdiluvialen Mergel, ein Be- weis, dass der Sand aufgeschüttet ist. Tiefer als diese Stauseegebilde sind die eigentlichen Thalsande in zwei Stufen zur Ablagerung gelangt. Durch deutlich aus- geprägten Absatz von einander geschieden, reichen die beiden Terrassen ca. bis zur 30- bezw. 10 Meter-Curve und stellen haupt- sächlich eingeebneten unterdiluvialen Sand dar. Dicht am Mantelthalrande tritt östlich von Dölzig ein kleiner Endmoränenzug auf, der, da er nur einen kurzen, vorübergehen- den Stillstand des Gletschers bedeutet, auf die Lagerungsverhältnisse im Grossen und Ganzen ohne Einfluss ist. Im Süden beginnt ‚die Endmoräne in einem dicht am Woltersdorf - Dölziger Wege, 1500 Meter von Dölzig gelegenen Hügel und zieht sich in flachem, nach ©. geöffnetem Bogen über den Kranichen-, Reihans- und Kaninchen-Berg bis zum Jädickendorf-Gross-Manteler Wege. Sie ist von dem den Endmoränen charakteristischen oberdiluvialen Sande begleitet, der z. Th. echte Blockpackung bedeckt. Letztere e* LXVIII wurde aufgeschlossen am erstgenannten Hügel am Woltersdorfer Wege, am Kaninchen-Berge und am Reihans-Berge. An vielen Stellen durchbricht innerhalb der Endmoräne der oberdiluviale Mergel die Sanddecke. Von Interesse ist noch eine diluviale Bildung nördlich von Bernickow. Hier zieht sich in ONO.-Richtung der Montecuculi, ein 300 Meter breiter und 1000 Meter langer Bergrücken hin, dessen höchster Punkt sich ungefähr 24 Meter über das Plateau erhebt. Der Rücken ist eine Aufpressung von unterdiluvialem Sand durch oberdiluvialen Geschiebemergel. Einzelne Mergelfetzen sind auf dem Sande noch erhalten geblieben. Innerhalb der Stadt Königsberg wurde bei Brunnenbauten Thon erbohrt, der wahrscheinlich zum Tertiär gehört. Er ist blau bis blaugrau, zeigt kleine Kalkconcretionen und zahlreiche Braun- kohlenreste. Er liegt hier entweder direct unter unterdiluvialem Sande oder ist noch durch eine dünne Mergelschicht von demselben getrennt. Die Mächtigkeit wurde bis zu 251/3 Meter gefunden. Unter dem Thon liegt Quarzsand, der aus weisslichen, abgerundeten Körnern besteht und zablreiche Braunkohlenfragmente führt. In den Quarzsand eingeschaltet sind Braunkohlenflötze von ver- schiedener Mächtigkeit und Beschaffenheit. Während unter der Stadt die Flötze nur wenig mächtig sind, fand man bei der Bohrung am Königsberger Bahnhof unter 20 Meter Thon 10 Meter Braunkohle, und zwar 1,5 Meter normal, 3,5 Meter weich und die letzten 5 Meter wieder fest. Unter der Braunkohle lag Quarzsand. Für eine genaue Altersbestimmung genügen die Beobachtungen nicht. Vielleicht handelt es sich um die liegende Abtheilung der Frankfurter Braunkohlenbildung, um die sogenannten Quarz- sandflötze, bei denen blauer Thon oft ein Aequivalent des Sandes darstellt. Thon, Quarzsand und Braunkohlen würden alsdann als zum Miocän gehörig aufzufassen sein. R. MicHAetL: Bericht über die Aufnahme-Arbeiten auf den Blättern Wildenbruch, Schwochow und Beyers- dorf. Die Höhenschichtenkarte des Gebietes zeigt als auffälligste Erscheinung in der Oberflächenform zwei breite thalartige Rinnen, LXIX welche in die von Oberem Geschiebemergel gebildete Hochfläche eingelassen sind. Die westlichste derselben, z. Th. durch den Colbitzsee bezeichnet, greift nur stückweise auf das Blatt Wilden- bruch herüber, die östliche durchzieht es in einer Breite von 1—2 Kilometer in nordsüdlicher Richtung in seiner ganzen Länge. Eine Reihe von Seen ist in der Rinne zurückgeblieben, ein Theil davon bereits vollkommen mit Torf ausgefüllt. Der südlichste grössere derselben ist der Stadtsee bei Schoenfliess in 53 Meter Meereshöhe; es folgt nach N. der Stresower Grosse See in 51,1 Meter M.H. mit dem kleineren Priestersee. Ersterer greift nörd- lich bereits auf Bl. Wildenbruch über, ebenso wie der langgestreckte Grosse Dolgensee in 50,8 Meter M.H. durch einen schmalen Sand- rücken von dem Stresower See getrennt, z. Th. sich noch auf Bl. Schönfliess erstreckt. In des letzteren Fortsetzung nach N. liegen einige grössere Torfbecken (Kochsee-Wiese), desgl. in der Ver- längerung des Dolgensees (die Linde’schen Wiesen mit dem kleinen Dolgensee). Wiesenkalk-Ablagerungen begleiten stellenweise die Ufer der Seen. Der Dolgensee liegt hart am Ostrande der Rinne, die nun folgenden Seen, Griepen-, Schwobnitz, Schloss-See in 50,2 Meter M.H. lehnen sich an deren Westrand an. Ein weites torferfülltes Verbindungsstück führt zu dem 3,5 Kilometer langen und 1 Kilometer breiten Wildenbrucher Langen See in 47,3 Meter M.H. herüber, dem grössten Wasserbecken der Rinne, die hier eine Breite von 2 Kilometer erreicht; dem See benachbart liegen hart am östlichen Plateaurande der grosse und kleine Göhren- see in 53,7 Meter M.H. Eine Auslothung des Langen Sees ergab eine regelmässige Form des Untergrundes bei einer grössten Tiefe von nur 7,5 Meter. Unregelmässiger in Gestalt und Unter- grund ist der Bahner Lange See, in 46,8 Meter M. H., der auch eine grössere Tiefe bis 12,5 Meter besitzt; ein schmaler Rücken trennt ihn von einem grösseren Torfbecken. Dann folgen nördlich Bahn noch 3 kleinere Seen, der Brück-, Schützen- und Priester See. Mit ihnen hat aber auffälliger Weise die Rinne ein Ende; ihr topographischer Charakter geht verloren, sie verengt sich ziemlich unvermittelt. Die Entwässerung erfolgt durch die Thue, welche in vielfach gewundenem Laufe in nördlicher Richtung, dann süd- LXX lich des grossen Woltiner Beckens in eine westliche übergehend bei Greifenhagen das Oderthal erreicht. Im südlichsten Theile der Seen-Rinne liegt (auf Bl. Schönfliess) zwischen dem Stresower und Schönfliesser Stadtsee eine Thalwasserscheide; der letztere hat seinen Abfluss nach W. durch die Roerike, die von Stein- wehr ab nach N. umbiegend mit einem kurzen Bogen auch auf den südwestlichen Theil des Bl. Wildenbruch übertritt. Ebenso rasch wie nach N. geht die Rinnenform nach S. ver- loren; sie geht südlich von Schönfliess in ein flachwelliges Ge- lände über, das von Höhen ım S. umschlossen wird; bis an diese letzteren reichen die diluvialen Thalanfänge heran. Zum Verständniss der geologischen Verhältnisse muss man von den in diesem Gebiet vorhandenen Endmoränen und end- moränenartigen Bildungen ausgehen. Als südlichste kommt die Fortsetzung der hinterpommersch- neumärkischen Endmoräne in Betracht, die durch die Orte Noeren- berg, Arnswalde, Berlinchen, Soldin, Mohrin, Zehden bezeichnet wird"). Dieses ganze Stück bildet den Ostflügel des grossen Bogens von Endmoränen, dessen Westflügel durch die Neu- Strehlitz-Joachimsthal-Choriner Endmoränen dargestellt wird und an dessen südwestlicher Ausstülpung das grosse Oderthal als Durch- lass erscheint. Es ergiebt sich die Thatsache, dass die Wildenbrucher Rinne an dieser für dieses Gebiet südlichsten oder ersten endet. Die oben erwähnten Höhen gehören der Grundmoränenlandschaft der neumärkischen Endmoräne an. Die Thalanfänge der Wilden- brucher Rinne (das flachwellige Gelände südlich Schönfliess) stellt wahrscheinlich ein Staubecken hinter der ersten Endmoräne dar, wenigstens konnten Dr. SCHROEDER und ich auf einer gemein- samen Begehung oberdiluviale Thone an verschiedenen Stellen süd- lich Schönfliess (u. a. in den Ziegeleien) mit Sicherheit nach- weisen. Die Endmoränengebiete westlich der Oder sind durch die Specialaufnahme und anderweitige Untersuchungen bereits genauer 1) Keıtnack, Dieses Jahrb. f. 1893, S. 180; Be ebenda 1894, S. 217. LXXI bekannt. Hinter den Neu-Strehlitz-Joachimsthal-Choriner End- moränen als einer ersten Etappe in der hückzugsperiode der letzten Vergletscherung haben wir in den Endmoränen von Fürsten- werder-Boitzenburg-Angermünde die Anzeichen eines weiteren 2. Stillstandes während derselben, die etwa 10 Kilometer hinter den ersteren zurückliegen. Sie setzen zwar auch südlich Schwedt und südwestlich Königsberg auf das rechte ÖOderufer hinüber, verlieren sich dann aber in der Grundmoränenlandschaft der süd- lichsten; wenigstens sind bis jetzt in dem allerdings noch nicht speciell kartirten Gebiet keine zusammenhängenden Fortsetzungen erkannt. Es steht also auch die Frage noch offen, ob die jetzt als die südlichsten bekannten Endmoränen der Neumark und ihre Fortsetzung nach Pommern der ersten oder zweiten uckermärkischen Etappe entsprechen; eine weiter zurückliegende dritte wurde von SCHROEDER in den Eindmoränen von Dauer und Pencun nachgewiesen }). Es ist aber zwischen die zweite und dritte Etappe eine kleinere Zwischenetappe (auf Bl. Passow nachgewiesen)?) einzuschalten, deren Fortsetzung in nordwestlicher Richtung parallel den beiden ersten zu suchen ist. Wie weit nun diese einzelnen Endmoränen-Züge auch auf ‘der rechten Oderseite innerhalb der östlichen Hälfte des grossen umfassenden Bogens Neu-Strehlitz-Noerenberg im Einzelnen vor- handen sind, darüber wird ein abschliessendes Urtheil erst nach Vollendung aller hier in Betracht kommenden Blätter möglich sein. Zur Zeit steht Folgendes fest: Auf Grund einer ausgesprochenen Vermuthung SCHROEDER’s über das voraussichtliche Auftreten von Endmoränen auf Bl. Beyers- dorf unternahmen wir im Sommer 1895 einen Ausflug in diese Gegend und trafen die Endmoräne durch topographisches Ver- halten und geologische Zusammensetzung ungemein scharf und typisch gekennzeichnet südlich Beyersdorf und Marienwerder und konnten sie in südöstlicher Richtung bis in die Gegend von Lip- 1) Zeitschr. d. Deutsch. geol. Ges. 1894, S. 298 ff. 2) Micuaeı, Dieses Jahrb. f. 1895. S. XCVI. LXXI pehne, in westlicher bis südlich Neuendorf an die Chaussee ver- folgen, die durch den Königl. Forst Wildenbruch in nordsüdlicher Richtung hindurchgeht. Ihre weitere Fortsetzung auf dem an Beyersdorf westlich an- stossenden Blatt Wildenbruch wurde durch die Aufnahmearbeiten 1896 festgestellt. Südlich Gornow tritt sie auf das Bl. Wilden- bruch über, die Hünenberge, mehrere kulissenförmig hinter einan- der gereihte, scharf markirte Wälle gehören ihr an, dann erfolgt eine über 2 Kilometer breite Unterbrechung durch den Grossen Göhren- und Wildenbrucher See, bis sie im Bauernbusch, am Süd- rande und westlich desselben auf dem Westufer der Rinne wieder ansetzt. In den Hünen- wie Bauernbuschbergen äussern sich die End- moränen geologisch als Durchragungen Unteren Sandes, hervor- gerufen durch Stauungen des Untergrundes beim längeren Ver- weilen des Eisrandes. Im Bauernbusch finden sich am Waldrande und östlich des Barspfuhles in den deutlich hervortretenden Zügen Aufschlüsse, die sie als echte Durchragungen in SCHROEDER’schem Sinne kennzeichnen. Ein Aufschluss am kleinen Wäldchen zeigt grobe Kiese in mehrfacher Aufeinanderfolge mit feinen Mergel- sanden und Granden wechsellagernd, alles über einem Kern von feinem Sande, z. Th. von Oberem Greschiebemergel bekleidet. Wie weit bei den Hünenbergen neben einer schwachen nachträg- lichen Erosion Neu-Aufschüttungen stattfanden, kann erst nach Kartirung von Bl. Beyersdorf entschieden werden; Anzeichen dafür sind vorhanden. Eine Reihe von Durchragungen Unteren Sandes und sonstige topographische Verhältnisse machen es mir wahrscheinlich, dass sich die Endmoräne in nordwestlicher Richtung nördlich und : westlich der Schulzenpinne, westlich Cöte 90,2 Meter, dann südlich des Weges Marienthal-Selchow gegen Jagen 154 weiterzieht, dass sie ferner östlich und nördlich Selchow in den Durchragungen zu suchen sei, namentlich, dass die Weinberge nördlich und westlich des Vorwerkes Wilhelmswalde ihr zuzurechnen sind. Ebenso besitzt die Ansicht SCHROEDER’s, dass die weitere Fort- setzung dieser Beyersdorfer Endmoräne in dem Gebiet mächtiger LXXIII Entwickelung Oberer Sande bei Fiddichow zu suchen sei, einen sehr hohen Grad von Wahrscheinlichkeit, wie ein Blick auf SCHROEDER’s Uebersichtskarte der Endmoränen und Terrassen im unteren Theile des Oderstromes (z. Z. Manuscript) lehrt. Ob nicht etwa auch die oben erwähnte Schönermarker End- moräne in die weitere Fortsetzung der Beyersdorfer gehört, deren Verbindungsstücke hier bei der Vereinigung von Randow- und Öderthal nur verwischt sind, soll hier nur vermuthungsweise an- gedeutet werden. Gleichzeitig sei hier erwähnt, dass nördlich Marienthal zwischen dem an den Ausbauen zu Marienthal nach Bahn und dem nach Forsthaus Unterheide führenden Wege das Gelände der Hoch- fläche (bis Mitte dieses Jahrhunderts noch Waldboden) ein ganz unvermittelt durch viele kleine Kuppen und Torftümpel belebtes Aussehen erhält. Es liess sich nur Oberer Geschiebemergel nach- weisen, doch wird man nicht fehlgehen, wenn man das so eigen- thümlich coupirte Gelände als das Endergebniss einer Druck- wirkung des wenn auch nur kurze Zeit hier stationären Eisrandes auf den Untergrund betrachtet. Es war bereits erwähnt worden, dass die Wildenbrucher Thalrinne nördlich Bahn ein Ende findet. Sie hört auf an einer Zone starken Auftretens Oberer Sande, die namentlich auf Bl. Bahn zwischen Rosenfelde und Langenhagen entwickelt sind und dann über 1 Kilometer breit auf Bl. Schwochow zwischen Cunow und Schwochow sich herüberziehen, bis sie im Forst südlich Leine aufhören. Einige scharf markirte Züge (z. B. Kanzelberg) heben sich auch hier deutlich heraus. Mit dem Ende dieser Oberen Sand-Partie tritt auf einmal eine Reihe von Durchragungszügen (unterdiluviale Kerne mit Resten Oberen Geschiebemergels, begleitet von oberdiluvialen Sanden und Granden) auf, die Rumprechtsberge südlich Beelitz, der Fuchs- und Heideberg nördlich Leine, die Züge zwischen Isinger und Alt-Grape. In parallelen, mehrfach unter- brochenen Zügen kommen sie zunächst in nordsüdlicher Richtung von Blatt Neumark herunter, indem sie die Fortsetzung der von MÜLLER!) beschriebenen Züge von Wartenberg, Babin und Alt- I) Dieses Jahrb. f. 1894. LXXIV Falkenberg bilden, und wenden sich zwischen Leine und Alt- Grape gegen SW. gegen das Ende der Oberen Sand-Partie. Auch von den Rumprechtsbergen südlich Beelitz leiten gleichfalls Durch- ragungen bis an die Schwochower Sandberge hinüber. Trägt man diese Punkte auf die SCHROEDER’sche Uebersichtskarte ein, so kommt man zu der sicheren Vermuthung, ın diesen parallelen Zügen das östliche Bogenstück eines neuen Endmoränenabschnittes zu sehen, dessen westliches Gegenstück auf dem linken Ufer der Oder nordwestlich Greifenhagen bekannt ist. Die Schwochower Oberen Sande stellen also das Stirnstück zu diesem Bogen dar, und es greifen hier ähnliche Verhältnisse Platz, wie sie von SCHROEDER für das Angermünder Bogenstück bekannt geworden sind, wo gleichfalls nur die Seitenmoränen zugartig entwickelt sind, während die Stirnmoränen aus Anhäufungen Oberer Sande bestehen. Die weitere Kartirung des Bl. Schwochow wird über den genauen Verlauf der einzelnen Verbindungsglieder noch weitere Aufschlüsse zu bringen haben, es sei nur noch bemerkt, dass der Obere Sand und Geschiebemergel bei Schwochow und Leine einen im hohen Grade auffälligen Reichthum an grossen Geschieben jeder Art besitzt, die seit Jahren für den Verbrauch und Verkauf »gebuddelt« werden. | Es steht also bislang fest, dass wir auch östlich der Oder Anzeichen einer viermaligen Unterbrechung beim Rückzuge der Eismassen haben, ebenso aber auch, dass die Endmoränen in ihrer Deutlichkeit gegenüber denen des linken Oderufers zurück stehen. Bei der weiten Ausdehnung des Oderthales ist es schwierig, die Verbindung beider Seiten herzustellen, auch sind darüber Urtheile z. Z. noch nicht spruchreif. Die Wildenbrucher Rinne fängt also bei der südlichsten End- moränenetappe an, durchbricht die zweite und hört bei der dritten auf. Sie wird von ausgedehnten Sandmassen erfüllt, welche die Ufer der einzelnen Seen begleiten und z. Th. eine deutlich an den Plateaurändern hervortretende Vorterrasse bilden. Meist fein bis mittelkörnig mit geringer Steinbestreuung nehmen sie stellen- weise eine grandigere Beschaffenheit an, und gehen östlich und LXXV südöstlich von Marienthal und bei Wildenbruch in echten Thal- grand über, der in verschiedenen Kiesgruben ausgebeutet wird. Die Thalflächen sind nicht durch nachträgliche Aufschüttung ent- standen, sondern sind Abrasionsflächen, durch Erosion des Oberen Geschiebemergels gebildet. Deutliche Erosionsprofile sind am Westrande der Senke: an der Strasse Bahn-Marienthal, westlich der Delms-Mühle, südlich des Schlosses und der Schäfereı Wildenbruch, südöstlich Thäns- dorf; dann am Östrande: östlich des Grabenhauses, südöstlich von Wildenbruch und nördlich und südlich des von Wildenbruch nach Gornow führenden Weges. Untere Sande konnten auch an vielen Stellen südwestlich Bahn, südlich Wildenbruch, westlich des Dolgen- sees und östlich des Schloss- und Griepensees ausgeschieden werden, hier auch ausgezeichnet durch die Entwickelung von Unteren Diluvialmergelsanden und Thonmergeln. An anderen Stellen weisen die Reste des Oberen Geschiebemergels auf Unteren Sanden auf die stattgehabte Erosion hin; ein weiterer Beweis für dieselbe ist das Auftreten des Unteren Geschiebemergels: am Nordrande des Blattes als Ausläufer der auf Bl. Bahn in ausge- dehnterer Verbreitung nachgewiesenen Partien desselben, am Grabenhaus und nördlich der Neuendorfer Mühle ete. Auch deuten zahlreiche Quellen am Westufer des Wildenbrucher Sees auf sein Vorhandensein hin; das Wildenbrucher Schloss steht auf Unterem Mergel, eine Brunnengrabung hat ihn bei der Wilden- brucher Schneidemühle unter den Thalsanden angetroffen und mit 10 Meter nicht durchsunken. Das Thal ist also vorwiegend durch Erosion herausgebildet; an manchen Stellen verschwindet sie frei- lich und der Obere Geschiebemergel tritt unmittelbar an die Thal- sande heran, ohne dass eine Ueberlagerung nachzuweisen wäre. Südlich Wildenbruch am Schwobnitz See geht der Obere Ge- schiebemergel unmittelbar neben echter Erosion in’s Thal hinunter. Die Wildenbrucher Rinne stellt eine wahrscheinlich noch unter der Eisdecke gebildete alte Gletscherwasser-Rinne dar, die durch die ersten südlichsten Endmoränen südlich Schönfliess abgeschnürt wurde; die Wassermassen, welche der Gletscher entliess, als er LXXVI sich von dieser ersten zur zweiten Endmoräne zurückzog, haben das Material für das Schönfliesser Staubecken geliefert; diese Zufuhr kann auch fortgedauert haben, als sich die Eismassen zum dritten Ruhepunkt zurückzogen. Die Wassermassen aus der dritten Endmoräne wirkten aber auch in hervorragendem Maasse erodirend; sie durchbrachen die zweite Endmoräne in der Gegend des jetzigen Langen Sees; mit der Wucht des Anpralles der Wassermassen kann man sich auch die Thatsache erklären, dass die Sedimente z. Th. in einem dem heutigen entgegengesetzten Gefälle abgelagert, dass sie bergauf emporgebracht wurden. Die verschiedenen Stadien in der Bildungsgeschichte der Wildenbrucher Senke erklären auch das Nebeneinander Vorkommen von Erosion und Aufschüttung zur Genüge. K. KeitHmack: Bericht über die wissenschaftlichen Ergebnisse der Aufnahmen des Jahres 1896. Da dieses Jahr das erste in einem neuen Aufnahmegebiete im vorderen Hinterpommern war, so sind die zahlreichen neuen Beobachtungen noch zu keinem sicheren Abschlusse gelangt und können hier nur kurz erwähnt werden. Das Aufnahmegebiet umfasst den östlichen Theil der centralen Depression des grossen Oderarmes des Inlandeises. (fegen Ende der Eiszeit war sie von einem gewaltigen glacialen Stausee erfüllt, als dessen letzter Rest uns das Stettiner Haff entgegentritt. Die ungeheuren Sandflächen des heute landfesten Theiles dieses Stau- sees zeigen durch mehrere Terrassen verschieden hohe Wasser- stände an. Es wird noch nachzuweisen sein, auf welchen Wegen die Wasser dieses Stausees, den Terrassen entsprechend, in den verschiedenen Phasen seines Bestehens ihren Abfluss nahmen. Wie das im S. mündende Oderthal, so besitzen auch die von O. her in den alten Stausee mündenden Thäler 2, 3 und 4 Terrassen, deren Beziehungen zu den Stausee-Terrassen noch klar zu legen sind. Eines der wichtigsten Ergebnisse ist die Erkenntniss von der weiten Verbreitung der Drumlins im vorderen Hinterpommern. Darüber handelt ein besonderer Aufsatz dieses Jahrbuchs. LXXVII Auf den durch Dr. M. Scumivr und den Verfasser bearbei- teten Blättern Plathe und Schwessow wurden mächtige Mergel- sandberge bearbeitet, z. Th. ohne jede Bedeckung durch jüngere Schichten. Dieselben bilden nach Art der Durchragungszüge mit ihren Einzelstücken mehrere Bögen, die vielleicht endmoränen- artigen Charakter besitzen. Eine kurze, mit Dr. M. ScuMmIpr ausgeführte Reise zur Unter- suchung derjenigen anstehenden Gesteine, die als Geschiebe zur Bestimmung des Transportweges geeignet werden könnten, ergab die Auffindung einiger neuer Jura- und Kreidepunkte. F. WaunscHArFrE: Mittheilung über Ergebnisse seiner Aufnahmen in der Gegend von Obornik in Posen. Das Warthethal, das zwischen Moschin ım S. und Klein- Goslin im N. eine schmale, im Durchschnitt nur 1,5 Kilometer breite, fast genau von S. nach N. gerichtete Rinne darstellt, in der die heutige Warthe ihr Flussbett eingeschnitten . hat, biegt unter allmählicher Verbreiterung des Thalbodens bis zu 2,5 Kilometer von Klein-Goslin ab in die SO.-NW.-Richtung um, die es dann auf eine längere Strecke im Grossen und Ganzen beibehält. Wir müssen annehmen, dass in der letzten Abschmelz-Periode des Inlandeises beim allmählichen Zurück- weichen desselben nach N. aus den grossen, noch ganz mit Wasser erfüllten Hauptthälern unter Benutzung der bereits vor- handenen Thalfurchen Durchbrüche nach den nördlich gelegenen parallelen Hauptthälern stattfanden. Das Warthethal bildet von Moschin ab ein solches Durchbruchsthal der Wasser des grossen Warschau-Berliner Hauptthales im S. nach dem nördlich davon gelegenen Thorn-Eberswalder Hauptthale. Die bereits erwähnte Umbiegung des Warthethales bei Klein- Goslin erklärt sich dadurch, dass hier eine bereits vorhandene Thalrinne benutzt wurde, die sich von Klein-Goslin ab in süd- östlicher Richtung thalaufwärts weiter verfolgen lässt. Diese SO.-NW.-Richtung kommt in der Umgebung von Posen, nament- lich auf den Messtischblättern Lukowo, Owinsk, Murowana-Gos- LXXVIII lin und Schocken, durch Thalrınnen und Seenketten mehrfach zum Ausdruck und verschiedene Umstände scheinen darauf hin- zuweisen, dass hier z.Th. Faltungsthäler vorliegen, die zur Ablage- rungszeit des Oberen Geschiebemergels senkrecht zu der Fort- bewegungsrichtung des hier von NO. nach SW. vorrückenden Inlandeises gebildet wurden. Anhaltspunkte für diese Auffassung bietet das an einigen Stellen beobachtete Hervortreten des Posener Flammenthons gerade in der Sattellinie der zwischen diesen Thälern sich ausdehnenden Diluvialhochflächen, ferner das Durch- ragen des Unteren Diluvialsandes in den höchsten Kuppen, so- wie das Vorkommen abflussloser, rings von Geschiebemergel um- gebener, schmaler Seen und Torfbecken, die sich von SO. nach NW. erstrecken und nicht durch Erosion, sondern nur durch Fal- tung entstanden sein können. Nördlich von Obornik dehnt sich eine grosse, mit Thalgrand und Thalsand bedeckte Thalfläche aus, die zwischen den Thal- rändern östlich von Heide-Dombrowka und nördlich von Kowa- nowo eine Breite von 3,5 Kilometer besitzt. Dieses in der Mitte vom Welna-Flüsschen durchzogene Thal wurde gebildet durch stark strömende Schmelzwasser des Inlandeises, die von NO. nach SW. in das Warthethal einbrachen. Den Beweis dafür bildet das plötzliche Umbiegen des kandes der Hochfläche west- lich von Obornik, das nur durch den Anprall südwestlich strö- mender Wasserfluthen bewirkt sein kann. Denn während dieser Südrand des Warthethales sich von ÜUzerwona nıva aus bis Ber- dychowo gradlinig von SO. nach NW. erstreckt, geht er von hier aus über Uscikowo und Slawienko in die O.-W.-Kichtung über, wodurch zugleich eine derartige Verbreiterung des Warthethales bewirkt wird, dass dasselbe zwischen Slawienko und Bomblin I eine Breite von fast 3 Kilometern erhält. Sowohl das Warthethal, als auch das soeben genannte bei Obornik in dasselbe einmündende Rogasen-Oborniker Thal ist durch deutliche Terrassen ausgezeichnet, die sich oft scharf gegen einander absetzen. Im Warthethal konnten drei Diluvial- Terrassen unterschieden werden, die in der Umgegend von LXXIX Obornik besonders deutlich auf Blatt Lukowo, südöstlich von Golachin, entwickelt sind. Die Terrassen, die sich thalabwärts, sowie vom Rande nach der Mitte des Thales zu allmählich senken, haben folgende Höhenlagen: Die höchste Terrasse, welche meist aus grobem Thalgrand oder grandigem Sand ge- bildet wird, liegt in einer Meereshöhe von 75—62 Meter, die mittlere Terrasse, ebenfalls aus grandigen Sanden bestehend, bei 65—55 Meter und die unterste Terrasse, meist aus mittelkör- nigem Thalsand gebildet, bei 55—50 Meter. In dem Rogasen- Öborniker Thal sind bisher nur zwei Diluvial-Terrassen beob- achtet worden, die der Höhenlage nach der mittleren und unter- sten Warthethal-Terrasse entsprechen. In den bis 6 Meter tiefen Kiesgruben zwischen dem Obor- niker Bahnhofe und Kowanowo sind mehrfach fossile Knochenreste diluvialer Säugethiere aufgefunden worden. Die dort abgebauten Grande gehören der zwischen 65— 55 Meter gelegenen Thalsandstufe der Mittelterrasse an. Die darin vorkommenden Knochenfragmente und Zähne zeigen aber meist eine derartige Abrollung, dass an ein Vorkommen derselben auf primärer Lagerstätte nicht gedacht werden kann. Wahrscheinlich stammen sie aus den zerstörten interglacialen Sand- und Grandschichten. Nach gütiger Bestin- mung des Herrn H. SCHRÖDER gehören diese Reste folgenden Thieren an: Elephas primigenius BLUMENB. Rhinoceros Sp. ervus SP. Equus caballus L. Die Terrassen weisen auf verschiedene Aenderungen ın der Wasserführung dieser Thäler hin. Man darf wohl annehmen, dass sich das Zurückschmelzen der grossen Inlandeisdecke nur ganz allmählich vollzog, so dass bei Oscillationen des Eisrandes durch vordringende Eiszungen Theile der zuvor erodirten Thäler zeitweilig abgesperrt wurden. Unter diesen Verhältnissen wurde das Wasser angestaut und zum Absatz der mitgeführten Sedi- mente veranlasst. Wurde das Thal durch Abschmelzen der Eis- LXxXX zunge wieder frei, so trat die erodirende Thätigkeit des Wassers durch den schnelleren Abfluss wieder in ihre Rechte und grub in die vorher aufgeschütteten Sedimente ein neues Flussbett ein. Die auf dem rechten Ufer der Warthe an der Mündung des Welna-Flüsschens gelegene Stadt Obornik zerfällt in einen höher und niedriger gelegenen Stadttheil, weil hier der deutlich ent- wickelte Steilabsturz der Mittelterrasse die Stadt durchschneidet. Der Umstand, dass innerhalb des Stadtgebietes mehrere Tiefboh- rungen ausgeführt worden sind, und dass die erodirten Thal- ränder im SW. und NO. von Obornik genügende Aufschlüsse bieten, gewährt uns die Möglichkeit, uns hier ein klares Bild von dem Aufbau der diluvialen Hochflächen und der tieferen Unter- grundschichten zu machen. Was zunächst die ersteren betrifft, so ist sowohl auf dem linksseitig der Warthe gelegenen Höhengebiet zwischen den Ort- schaften Trzuskotowo, Maniewo; Bogdanowo, Uscikowo, Sla- wienko, Objezierze, Wargowo I und Chludowo, als auch auf der rechtsseitig gelegenen Hochfläche zwischen den Ortschaften Rosch- nowo, Kowanowo, Lukowo, Schimankowo, Uchorowo und Pacho- lewo der Obere Geschiebemergel in ausgedehnter Decke vor- handen. An verschiedenen Stellen wird er vom Oberen Diluvial- sande bedeckt. Unter dem Oberen Geschiebemergel, dessen Mächtigkeit hier bis zu 20 Meter ansteigen kann, tritt an den Rändern der Warthe- thalebene mehrfach der Untere Diluvialsand hervor, der zu den interglacialen Schichten gerechnet werden muss, weil er namentlich auf den Blättern Posen und Owinsk Schalen von Süss- wasserconchylien enthält und aus diesem Niveau auch die Reste der diluvialen Säugethierfauna stammen, die im Posener Provinzialmuseum und im Polnischen Museum in Posen aufbe- wahrt werden. Die bisher von meinen Mitarbeitern und mir auf- gefundenen Conchylienarten und ihre hauptsächlichsten Fundorte sind aus folgender Zusammenstellung zu ersehen: LXXXI Messtisch- blatt 1: 25000 Wargowo Sady Owinsk Owinsk Owinsk Owinsk Owinsk Owinsk Murowana- Goslin Posen Posen Posen Posen Posen Posen Posen Posen Fundort Sandgrube südlich Kowalewko- Mühle | Sandgrube bei Pawlowice Kiesgruben bei der Irrenanstalt Owinsk Kiesgrube bei Radojewo Liss-Mühle im Hohlweg Kiesgrube bei Gosslinka Kiesgrube bei der Hammer- mühle Sandgrube nördlich Biedrusko Kiesgruben südlich von Muro- wana-Goslin Sandgrube am Schilling Pokrywka-Brunnen der städtischen Wasserwerke (im Unteren Sande erbohrt) Kies- und Sandgruben an der Chaussee nach Naramowice Kiesgruben südlich und süd- westlich Naramowice Kiesgrube bei Neudorf Kiesgrube bei Zlotnik Ziegelei Gluwno Neu-Malta-Krug und Johannisthal Jahrbuch 1896. Vorkommende Conchylien- schalen Valvata piscinalis Müur. Valvata piscinals Müur. Planorbis marginatus Drar: Valvata piscinalis MüLL. Pisidium amnicum Miürn. Planorbis marginatus Dear. Valvata piscinalis MüLr. Valwata piscinalis Müt. Planorbis marginatus Drar. Valvata piscinalis Mür. Planorbis marginatus Drar. Paludina sp. Valvata piscinalis Mün. Planorbis marginatus Drar. Paludina sp. Valvata piscinalis MüLı. Valvata piscinalis Mürn. Dreissensia sp. Valvata piscinalis Mürn. Pisidium amnicum Möur. Planorbis marginatus Drar. Valvata piscinalis Mürr. Valvata piscinalis Mürr. Valvata piscinalis Müun. Valvata piscinalis Müur. Valvata piscinalis Mürn. Bithynia tentaculata L. Pisidium amnicum Mütr. Planorbis marginatus Drar. Valwata piscinalis Mür. Pisidium amnicum Müur. Bithynia tentaculata L. Valvata piscinalis Müur. Bithynia tentaculata L. Paludina sp. Pisidium amnicum Möut. Planorbis marginatus Drar. Teste F. WaunscHArre G. G: G. F. WAnnscHArrE L. BevsuAausen L. BrusHAusen L. BeusuAusen B. B. G. G. Maas Maas Maas Maas . Köun . Kinn . Künn . Künn Küönn Küönn Maas Maas ee a 20 a Kar“ Yy Fun LXXXI | Messtisch- 2 ; blatt Fundort V ne Be Teste 1: 25000 en, Posen | Kiesgrube nördlich Karlsbrunn Valvata piscinalis Mörr. G. Maas Bithynia tentaculata L. Pisidium amnicum Müun. Posen Kiesgrube N. des Chaussee- Valvata piscinahs Mürn. G. Maas hauses an der Chaussee Bithynia tentaculata L. nach Schwersenz Pisidium amnicum MüLt. Gurtschin Kiesgruben Valwata piscinalis MüLt. G. Maas bei Wilda und Dembsen Bithynia tentaculata L. Pisidium amnicum Mürr. Planorbis marginatus Drar. Gurtschin Kiesgrube bei Swierezewo Valvata piscinalis Müur. G. Maas Bithynia tentaculata L. Planorbis marginatus Drar. Gurtschin Malta Valvata piscinalis MüLr. G. Maas Gurtschin Zabikowo Valvata piscinalis Mürr. G. Maas Schwersenz]| Kiesgruben bei den Bahn- Valvata piscinalis Müur. G. Maas und wärterhäusern S.W. Bithynia tentaculata L. F. WanunscHaArre Gluwno-Hauland. Paludina diluviana Kunre Dreissensia sp. Schwersenz Kiesgrube S. Janikowo Valvata piscinals Müuı. G. Maas ) In dieser Grube fand ich zuerst das dicke Spitzenstück einer Schneckenschale, das nach der gütigen Untersuchung des Herrn Professor Dr. E. von Martens in Berlin das Fragment der Schale eines ausgewachsenen Exemplars von Paludina dilwiana Kuxru darstellt. Später fand Herr Dr. G. Maas daselbst noch eine vollständig erhaltene Schale von Paludina diluviana, sodass das Auftreten dieser Schnecke in den interglacialen Schichten der Provinz Posen sicher nachgewiesen ist. In der Provinz Brandenburg scheint sie dagegen nur in den Schichten unter dem Unteren Geschiebemergel auf primärer Lagerstätte vorzukommen, denn die im Interglacial dort vereinzelt aufgefundenen Exemplare sind wahrscheinlich aus dem Unteren Geschiebemergel ausgeschlämmt worden, in den sie als Erratica in grossen Mengen aufgenommen wurden. Es sind demnach nachstehende Süsswasser-Conchylien bisher auf interglacialer Lagerstätte in Posen nachgewiesen wor- den und die beigefügte, die Anzahl der Fundorte bedeutende Zahl gewährt die Möglichkeit, die Häufigkeit des Vorkommens danach beurtheilen zu‘können: Valvata piscinals MÜLL. . . . 25 Bithynia tentaculata L. . Paludina diluviana Kun . . 1 “u LXXXII almılıma spa ass, Planorbis marginatus Drar. . . 10 Pisidium amnicum MÜLL. . . . 9 Diyessensta. Sp. nie 0 an 0er 2 Der. Erhaltungszustand dieser Schalen ist ein derartiger, dass man wohl annehmen darf, dass dieselben hier auf primärer Lager- stätte vorkommen, oder wenigstens nicht weit transportirt wor- den sind. Unter den Fauna-führenden Sanden folgen als tiefste der bis- her in der Gegend von Posen bekannten Diluvialablagerungen der Untere Geschiebemergel und an mehreren Stellen darunter be- kannt gewordene Untere Spathsande. In der Umgebung Oborniks ist ersterer jedoch nur an einigen Stellen am Fusse der Gehänge des Warthe- und Welnathales vorhanden. Sowohl er als auch der ihn überlagernde Untere Sand sind hier in bedeutendem Umfange der Erosion anheimgefallen, sodass vielfach der Obere Geschiebemergel unmittelbar auf dem vermuthlich miocänen Posener Flammen- thon aufliegt. Letzterer bildet das Liegende der diluvialen und alluvialen Warthe-Terrassen und das Bett des heutigen Warthe- flusses ist auf weite Strecken unmittelbar in denselben einge- ‚schnitten. Die unterste Diluvialterrasse liegt südlich der Eisen- bahnbrücke über die Warthe bei Obornik in einer Mächtigkeit von 2,5 Meter auf dem Posener Flammenthon, weiter unterhalb der Welnamündung wird letzterer jedoch oft schon in 1 Meter Tiefe erreicht. Die Flach-Brunnen der Stadt Obornik entnehmen ihr Wasser dem obersten Grundwasserstrome der auf der Ober- fläche des undurchlässigen Flammenthons circulirt. Dieser Grund- wasserstrom giebt sich auch zu erkennen durch zahlreiche Quellen, die man namentlich bei niedrigem Wasserstande am Fusse der Steilufer des Warthe- und Welna-Thales hervortreten sieht. Um für technische Zwecke grössere Wassermengen zu erhalten, sind in Obornik mehrere Tiefbohrungen ausgeführt worden, die den Posener Flammenthon durchsanken und z. Th. artesisches Wasser lieferten. Die bei diesen Bohrungen von oben nach unten durch- teuften Schichten waren folgende: * LXXXIV I. Tiefbohrung beim städtischen Schlachthause. Oberfläche 59 Meter über NN. Sand 2.2, Se er Diluvialer Thal- Grand... Mu 0 Ä Mittelterrasse Posener Flammenthon : . . 35,00 » Braunkohle. ., 3 22 2220,15. :» Grauer Thon... ı. er 1:50...» E Braunkohle”... E Zu 327770:50 2» \ Braunkohlen- = Grauer Thon... 2202773550. .» mtr = Braunkohle . . 2.0 77500 » | Glimmersand (wasserführend) 5,00» + | 60,65 Meter I. Tiefbohrung bei der Maschinenfabrik des Herrn Hering. Oberfläche 59 Meter über NN. Diluvialer Thal- Grober Sand . . 22227: .2 Meter . Be. Grand formation >= Kies (ohne Wasser). . . . 05 » 96,5 Meter LXXXV IV. Tiefbohrung ın Slonawy-Mühle. Oberfläche 50 Meter über. NN. Band 2.0.7. 0.20. 2000. 3 Meter Diluvialer Thalgrand der untersten Terrasse Posener Flammenthon . . . 40» Feinkörniger Glimmersand Miocän (wasserführend) . . .. 3 »>+ 46 Meter V. Tiefbohrung auf dem Grundstück des Herrn Zimmermeisters LAUE. Oberfläche 50 Meter über NN. Grand (unten Steinlage) . . 4,0 Meter Diluvialer Thalgrand der untersten Terrasse Posener Flammenthon . . 35,0 » Braunkohle Lette 4 03: 8 Braunkohle ? Braunkohlen- R- Lette formation >= Beuunkohle ..... » ...,.0,6 » Sand (wasserführend) . . . 10» | 40,1 Meter Die Lage der Unterkante des Posener Flammenthones über Normal-Null liegt im Bohrloch I bei + 11 Meter, im Bohrloch II bei 9 Meter, im Bohrloch III bei + 6 Meter, im Bohrloch IV beı —+- 7 Meter und im Bohrloch V bei + 11 Meter, woraus ersichtlich, dass hier ein muldenförmiger Bau der Tertiärschichten vorliegt. Das Wasser steigt bei Slonawy-Mühle 9 Meter im Rohr über Tage an, während es in der 9 Meter höher gelegenen Molkerei nur etwas über die Erdoberfläche sich erhebt. O. Zeise: Bericht über die Ergebnisse der Auf- nahmen in der Danziger Gegend. Von dem wild romantischen, seendurchfurchten Hochlande von Pommerellen, das in dem Thurmberge zwischen den beiden ee RS AR Al AU: LXXXVI Kreisstädten Berent und Oarthaus zu einer Höhe von 331 Meter über NN., der höchsten Erhebung im ganzen norddeutschen Tief- lande, aufsteigt, senkt sich der baltische Höhenrücken nach der Danziger Gegend zu allmählich in Terrassen herab. In der Danziger Gegend bricht nun die Hochfläche, die sich hier noch bis zu Höhen von 150 Meter über NN. erhebt, schroff an der Weichselniederung bezw. der Danziger Bucht ab. Das Gelände ist ausserordentlich coupirt und von zahlreichen, sich nach der Weichselniederung und der Bucht öffnenden Thäl- chen und Thälern, den Abfluss bezw. Erosionsrinnen der grossen diluvialen Abschmelzperiode, durchzogen, die zum grossen Theil heute trocken liegen. Im Gegensatz zu den von dem Oarthäuser Plateau einerseits nach N. direct zur Ostsee, andererseits nach $., SO. und ©. zur Netze und Weichsel strömenden Flüsschen, die in ihrem Ursprunge lediglich Abflüsse des gewaltigen Seengebiets darstellen, verdanken die fliessenden Grewässer des seenarmen Danziger Hochlandes fast ausschliesslich Quellen ihre Entstehung. Diese Quellen entspringen nach meinen bisherigen Untersuchungen unterdiluvialen Sanden, als deren wasserundurchlässige liegende Schicht zumeist Letten des Braunkohlengebirges vermuthet werden müssen. | Der geologische Aufbau des Danziger Hochlandes ist dank den zahlreich niedergebrachten Bohrungen und künstlichen, sowie insbesondere natürlichen Aufschlüssen in seinen Grundzügen leicht verständlich, wenn auch im Einzelnen manche schwierige Frage sich aufwirft. Der allgemeine Lagerungscharakter ist der der Durchragung älterer durch jüngere Schichten. Dies tritt in auffallende Erschei- nung besonders beim Diluvium, während das Tertiär zumeist nur an Thalhängen und in Erosionsschluchten angeschnitten ist und nur an wenigen Punkten auf der Hochfläche herausstösst. Die weitaus grösste Fläche nimmt in den aufgenommenen Gebieten der Obere Geschiebemergel ein. Derselbe bildet die Höhen, aber auch die Senken (Moränenlandschaft), und zieht sich ebenfalls häufig in ununterbrochenem Zusammenhang bis in die Thälchen und Thäler hinunter. Wegen der vielen Durchragungen des LXXXVI unteren Diluvium ist jedoch von einer typischen Moränenland- schaft nicht zu sprechen, sondern das Gebiet ist vielmehr treffend als aufgelockerte Moränenlandschaft zu bezeichnen. Das Vorkommen von Öberdiluvialem Sand und Grand hat sich mir bislang auf das nach der Bucht sich öffnende Katzer- Thal und das sich von diesem nach dem breiten Kielauer Thal abzweigende Seitenthal beschränkt erwiesen. Alle sonst oberfläch- lich auftretenden diluvialen Sande und Grande gehören dem Unter- diluvium an oder stellen Nester im Geschiebemergel dar, und dies gilt auch von den vielerorts vorkommenden kleinen und kleinsten Thonmergelflächen. Eine Ausnahme hiervon macht je- doch wahrscheinlich das Matterner Thonmergel-Vorkommen, das sich auch im Gegensatz zu den übrigen, an organischen Resten absolut freien Vorkommen, fossilführend erweist (Valvata, Pisidium); es wäre hierfür zunächst ein oberdiluviales Alter zu vermuthen. Wie der Untere Thonmergel, so ist auch der Untere Grand und Sand durchaus frei an organischen Resten auf primärer Lagerstätte. Es lässt sich daher gar nicht entscheiden, ob diese Sedimente dem sogenannten Interglacial bezw. einer noch älteren Stufe zuzuzählen, oder inwieweit sie als sub- oder extraglacıal gebildete Ablagerungen der letzten Vereisung aufzufassen sind. An organischen Resten auf x-ter Lagerstätte sind die Unteren Grande hingegen sehr reich und die vielen Kiesgruben bieten eine wahre Musterkarte der bei Danzig vorkommenden Geschiebe nor- discher, baltischer und heimischer Herkunft. Bemerkenswerth ist ein Aufschluss im unteren groben Schotter (bis kopfgrosse Gerölle) an der Steilküste nördlich von Adlershorst, unmittelbar hinter dem 2. Haken, wegen der localen Anhäufung von Geröllen der harten Kreide (wohl über 70 pCt.), Phosphoriten und verkieselten (zumeist ?Kreide-) Hölzern. Ebenso wenig wie eigentliche interglaciale Sedimente konnten Grundmoränen einer älteren Vereisung nachgewiesen werden; wohl fanden sich an 2 Punkten — in einer zu Koliebken gehörigen Ziegeleigrube, sowie in dem Einschnitt eines alten cassubischen Weges an der Chaussee nördlich vom Forsthause Matemblewo — 2 durch Thonmergel getrennte Geschiebemergelbänke, doch LXXXVIII handelt es sich hier offenbar um Geschiebemergel ein und der- selben Vereisung bezw. um dem Oberen Geschiebemergel ein- gelagerte Thonmergelbänke. Auch die prächtigen Aufschlüsse der im fortwährenden Ab- bruch mit der See befindlichen Steilküste bei Hochredlau lassen über mächtig entwickeltem Braunkohlengebirge und stellenweise Unterem Sande oder Grande nur eine Geschiebemergelbank er- kennen, die sich landeinwärts mit dem die Höhe der Hochredlauer Kämpe bildenden Oberen Geschiebemergel in ununterbrochenem Zu- sammenhang stehend erweist. Eben nördlich von Adlershorst, beim ersten Haken, schiesst der Geschiebemergel, hier local von Sand überlagert (durch Erosion bezw. Abbruch blossgelegtes Sandnest) steil unter den Strand ein und an dieser Stelle könnte man event. die Frage aufwerfen, ob doch nicht ein, vom Oberen allerdings nicht zu trennender Unterer Geschiebemergel vorliegt, zumal einige Schritte weiter nördlich in ungefähr dreiviertel Höhe des Steil- ufers (ca. 25 Meter über dem Strand) darin neben kleineren Fetzen Braunkohlensanden und Letten eine grössere Scholle »früh- glacialen« Yoldienthones hineingefaltet ist. Aus dem fetten, blau- grauen, z. Th. rothgeflammten Thon konnte ich Yoldia arctica GRAY in vielen ganzen, z. Th. noch 2klappigen Exemplaren sam- meln, ferner Cyprina islandica L., allerdings nur in Bruchstücken, während Astarte borealis CHEMN., die Begleiterin dieser Muscheln im Elbinger Yoldienthon, bislang nicht aufgefunden wurde. Auch hier erweist sich der Yoldienthon, wie bei Elbing, innig ver- bunden mit Süsswasserschichten, denn es glückte mir, in einer den Thon unmittelbar unterlagernden, mit hineingefalteten Sand- schicht je 1 Exemplar von Dreissena polymorpha PALL. sp. und Valvata piscinalis MÜLL. aufzufinden. Das Braunkohlengebirge tritt in der Danziger Umgegend sowohl in der sandig-grandigen, als auch thonigen, als auch pro- ductiven Facies auf. Productiv kommt es in der sogenannten Braunkohlenschlucht ca. 0,7 Kilometer nördlich von I.-Brentau vor, ferner ca. 0.5 Kilometer nördlich vom Gutshof Müggau. Aın ersteren Orte streicht das etwa 0,5 Meter mächtige Flötz N. 85° O. und fällt steil mit 80° gegen S. ein, am letzteren Orte streicht LXXXIX das hier zu Tage ausbeissende, gleichfalls 0,5 Meter mächtige Flötz N. 5000. und fällt mit 40° gegen SSO. ein. Das Streichen des Tertiärgebirges ist überhaupt wechselnd; so konnte ich in der, einen prächtigen Aufschluss im Braunkohlensand, -Grand und -Thon bietenden Ziegeleigrube bei der halben Allee, unmittelbar bei Danzig, ein Streichen von N. 30—55° O. mit einem Einfallen von 10—25° gegen NW. feststellen, während ich in einer der Erosionsschluchten am Hochredlauer Strande das Streichen N. 1150 OÖ. und das Einfallen von 560 nach NNO. ablas. Die Streichrichtungen schwanken also zwischen N. 30— 1150 O., d.h. stehen im Maximum fast normal zu einander, ein Umstand, der wohl nur durch die Annahme zu erklären ist, dass die gewaltigen Druckkräfte des Inlandeises beträchtlich in den tektonischen Bau des invadırten Landes eingegriffen haben. Aeusserungen dieses gewaltigen Druckes finden sich im Dilu- vium an mehreren Orten, so z.B. in einer Ziegeleigrube unmittel- bar bei Zoppot, wo der Untere Thonmergel (Bänderthon) zu vielen neben- und übereinander gereihten, fast stehenden Falten, die in sich wieder vielfach geknickt und verworfen sind, zusammen- und hochgestaucht ist, ferner in einer an der ÜOhaussee bei Brentau gelegenen Kiesgrube, wo Kies- und Geschiebemergelbänke sich in fast saigerer Schichtenstellung befinden. Das dem Tertiär-Ge- birge zukommende eigene Streichen herauszuschälen, muss weite- ren Untersuchungen vorbehalten bleiben. Erwähnenswerth ist das nesterweise Vorkommen von durch Wurzel- und Stengelhöhlungen durchsetzten festen Quarzitbänken im Braunkohlensande, so am NO.-Abhange des Oarlsberges bei Olıva, ferner in der schon oben erwähnten Braunkohlenschlucht. Den Beamten des westpreussischen Provinzial-Museums zu Danzig, den Herren Professor COnwENnTZz und Dr. Kumm, ferner Herrn Lehrer Lürzow in Oliva ist das Olivaer Vorkommen — in der sogen. Braunkohlenschlucht fand Herr Dr. Kumm diese Quarzit- einlagerungen erst im vorigen Sommer — schon seit längerer Zeit bekannt, aber die Herren haben, wie auch ich, dort im Anstehenden vergebens nach den herrlichen .Blattabdrücken geforscht, wie sie vereinzelte, auch von mir bei Freudenthal und Hochredlau ge- XC sammelte Braunkohlen-Quarzit-Geschiebe in der Danziger Um- gegend geliefert haben. ' Bemerkenswerth ist ferner der Fund eines über 5 Meter langen und 1 Meter im Umfang messenden verkieselten Stammes (Cupressinoxylon sp. nach ÜONWENTZ), der in concordanter Lage- rung mit der Schichtung im Braunkohlensande der schon früher erwähnten Ziegeleigrube bei der halben Allee im vorigen Sommer aufgefunden wurde; der mächtige Stamm hat seine Aufstellung, allerdings nur in einer Höhe von 3,5 Meter, in den Räumen des Provinzial-Museums gefunden. Ein älteres, wahrscheinlich dem Unteroligocän angehöriges Glied der Tertiärformation ist in den Ziegeleigruben von Nenkau und Schüddelkau, ca. 7 Kilometer westlich von Danzig, aufgeschlossen ; es ist dies ein schwarzer Thon, den schon BERENDT auf der älteren 100,000 theiligen geologischen Karte als »schwarzer Letten« unter- schied. JENTZSCH fand dann später in der Nenkauer Ziegelei- grube typischen Grünsand. Ob der Thon hier wirklich ansteht, oder nur in riesigen Schollen dem Diluvium eingelagert ist, muss zunächst noch zweifelhaft gelassen werden; jedenfalls sind die Lagerungsverhältnisse ausserordentlich gestört. In einer Grube der Nenkauer Ziegelei unterlagert der Grünsand den Thon, in einer anderen liegt er darüber; in der ersteren Grube beobachtete ich auch Geschiebemergel unter dem Thon. In den Aufschlüssen der drei Ziegeleien bei Schüddelkau sind der schwarze Thon und die Geschiebemergel stark in einander gefaltet und in der einen zum Gute Schüddelkau gehörigen Ziegeleigrube steht die Gruben- sohle sogar im Geschiebemergel; der Thon ist abgebaut. Grün- sande kommen bei Schüddelkau nicht vor. Die Vermuthung, dass es sich hier vielleicht nur um Schollen handelt, wird durch eine im vorigen Jahre in einer Entfernung von ca. 7 Kilometer in der Ziegelei an der halben Allee niedergebrachte Bohrung in- sofern gestützt, als sich hier zwischen die Braunkohlenformation und die Kreideformation (in 128 Meter Tiefe unter Terrain und ca. 103 Meter unter NN. erreicht) keine oligocäne Sedimente einschalten. Ein besonderes Interesse beansprucht das Nenkau-Schüddel- xXCI kauer Thonvorkommen durch den mir geglückten Nachweis seiner Radiolarien-Führung. Radiolarien kommen massenhaft darin vor, ebenso Foraminiferen, ferner weniger häufig Diatomeen und Kiesel- schwammnadeln. Dieses Radiolarien-Vorkommen ist das zweite ım norddeutschen Tertiär, und unterscheidet sich von dem von mir bei Ascheffel (ca. 10 Kilometer west-südwestlich von Eckern- förde im Schleswigschen gelegen) nachgewiesenen wahrscheinlich mitteloligocänen durch das, wie es scheint, gänzliche Zurücktreten der Ordo Cyrtoidea. In der Ordo Sphaeroidea ist es die der Familie der Liosphaerida angehörige Gattung Cenosphaera, die hier wie im Ascheffeler Thon die grösste Individuenzahl stellt. Die Bear- beitung der Mikrofauna behalte ich mir vor. Zum Schlusse möchte ich noch kurz meines Besuches des. Rixhöft-Chlapauer Braunkohlen - Profils Erwähnung thun. Nach ZADDACH und MENGE (s. HEER, Miocäne baltische Flora, Königs- berg 1869) liegen daselbst drei Kohlenflötze übereinander. Auch Kress (dieses Jahrbuch für 1887), der dort Pflanzen sammelte, sah drei Flötze, von denen sich ihm — im Gregensatze zu ZADDACH, der das oberste Flötz als die Hauptfundstätte für Pflanzen be- zeichnet — nur das unterste Flötz als reich an Blättern erwies. Ich selbst beobachtete am Steilabsturz des ca. 65 Meter über NN. aufsteigenden Habichtsberges nur zwei über einander entwickelte Flötze. Allerdings fand ich das Steilufer in stark verstürztem Zustande vor, doch waren immerhin Stellen vorhanden, wo man annehmen konnte, ein reines Profil vor sich zu haben. Dass Störungen vorhanden waren, bewies das ca. 1 Meter mächtige obere Flötz, das auf einer Entfernung von ungefähr 200 Schritten ein Mal nach dem Land nach SW., das andere Mal nach der See nach NO. zu einfiel. Kuegs sah das 2,5—3,0 Meter mächtige und etwa 1,5 Meter über dem Seespiegel anstehende unterste Flötz ın der ganzen Ausdehnung des Habichtsberges mit einem ‘ Winkel von 60° nach SO. (soll wohl heissen SW., da das Ufer SO. streicht) einfallen und verfolgte dasselbe auch mit demselben Einfallswinkel bis 5,8 Meter, hier allerdings etwa mit seiner oberen Kante bereits ca. 1 Meter unter dem Seespiegel liegend, in das Land hinein. Unter der Voraussetzung, dass KLEBS wirklich das XCIHI anstehende Flötz sah und nicht etwa eine in ungestörtem Schichtenverbande abgesunkene Scholle, brauchte das Ufer an der erwähnten Stelle in 10 Jahren eben nur 5 Meter zurückzutreten, um das unterste Flötz der Beobachtung völlig zu entziehen. In Anbetracht dessen, dass die See hier stark nagt, würde somit das Vorhandensein von nur 2 Flötzen eine befriedigende Erklärung finden können. Widerspruch erfährt diese Annahme allerdings durch eine Mittheilung von Warp (das Braunkohlenbergwerk »Drei Brüder« bei Rixhöft ete., Neue Preussische Provinzial- Blätter, dritte Folge. Königsberg 1889, S. 225—336), in der ge- sagt wird, dass das im Abbau befindliche Flötz (das mittlere ZappvacH’s) gleichmässig nach SW. aufsteigt; der Stollen war 90 Fuss: weit in den Berg hineingetrieben, wo das Flötz, das am Stollenmundloch eine Mächtigkeit von 11 Fuss hatte, nur noch 7 Fuss mächtig war, sodass man mit der Eintreibung zweier Seitenstollen vorging. Die Frage, wieviel Flötze heute zwischen Rixhöft und Chlapau über dem Strande anstehen, ist daher als eine offene zu betrachten. n Von Aufschlüssen, die ich gelegentlich der Rixhöfter Ex- cursion besuchte, sei ein unmittelbar am Wege zwischen Ohlapau und Cetnau anstehender unterdiluvialer Süsswasserdiatomeen-Thon- mergel erwähnt, der, in einer Mächtigkeit bis 2,0 Meter aufge- schlossen, von 1,5 Meter mächtigem Geschiebelehm überlagert wird, ferner ein mehrere Meter mächtiger unterdiluvialer Süss- wasserkalk auf dem Gute Pelzau bei Neustadt, der sich ebenfalls reich an Diatomeen, sowie auch Spongiennädelchen erwies. A. JENnTZzscH: Bericht über Aufnahmen in West- preussen während der Jahre 1895 und 1896. Das Blatt Gross-Plowenz (G. A. 33; 36), welches zuerst fertig gestellt wurde, bietet ein typisches Beispiel der Seenplatte. Im Diluvium sind alle Hauptgesteine, insbesondere des Jung- glacials, im buntesten Wechsel vertreten, und zwischendurch finden sich Seen und zahllose Torfwiesen. Letztere haben meist Wiesenkalk als tieferen Untergrund. Am S.-Ufer des Plowenzer Sees ist der Kalk als Kalktuff entwickelt, welcher unter einer XCIII quelligen Torfwiese als niedriges Steilufer an den See herantritt. Die subfossilen Schnecken des Kalktuffes bilden hier auf eine kurze Strecke, untermischt mit einzelnen leeren Schalen der jetzigen Seebewohner, den Hauptinhalt des niederen Uferwalles. Der Kalktuff ist hier wohl z. Z. eines wesentlich höher ge- spannten Seespiegels gebildet, dessen Spuren rings um den See verfolgt werden konnten. Das innerhalb des Blattes gelegene Tiefbohrprofil Hermannshöhe, dessen Tertiär- und Kreideschichten bisher keinen nahen Vergleichspunkt hatten, erhielt einiges Licht durch die vom Verfasser beschriebenen Bohrungen in und um Thorn !). | Hierauf wurde die Umgegend von Graudenz in Angriff genommen und innerhalb derselben die Blätter Feste Cour- biere und Roggenhausen (G. A. 33; 27,28) fertig gestellt, die Blätter Stadt Graudenz und Okonin (G. A. 33; 33, 34) be- gonnen. Es ist dies jene bemerkenswerthe Stelle, wo die Ossa in die Weichsel mündet, und letztere neben ihrer jetzigen, durch Deiche vor Ueberschwemmungen geschützten Thalsohle von einer alten Thalstufe begleitet wird, auf welcher die Stadt Graudenz liegt. Hier weitet sich diese Thalstufe zu einem 16—17 Kilometer breiten Thalkessel, aus dessen fast ebenem Boden 3 Diluvialinseln in 50—65 Meter relativer Höhe emporragen ?). Die Frage, ob — wie BERENDT will — diese Ausbuchtung der Thalränder durch eine Umkehrung des Thalgefälles herbei- geführt ist, oder ob — wie es dem Verfasser scheinen will — hier der Rest eines alten Binnensees vorliegt, diese Frage bean- sprucht ein erhöhtes Interesse für die vorliegenden Blätter. Doch möchte Verfasser darüber sich erst äussern, wenn die Gesammt- heit dieser Blätter bearbeitet sein wird, ebenso wie über das Tertiär, welches auf Blatt Graudenz unter dem Diluvium mehr- fach erbohrt ist. Im Diluvium tritt an den Gehängen der Weichsel, der Ossa I) Dieses Jahrbuch für 1896, S. 1ff. ?) Vergl. Jintzsen u. Vocer, Höhenschichtenkarte Ost- und Westpreussens in 1:300000, Blatt Marienwerder., XCIV und den zahlreichen kleinen Seitenthälern in Folge Erosion die Schichtengliederung in überzeugender Weise hervor. Freilich ist auch hier wegen der Beweglichkeit der Massen und der petro- graphischen Aehnlichkeit verschiedenaltriger Horizonte grosse Vor- sicht geboten. Als Beispiel hierfür sei angeführt, dass im Thale der Gar- denga bei Vorschloss Roggenhausen am Fusse eines hohen Ge- hänges, welches Interglaciale Sande unter Jungglacial zu Tage treten lässt, eine Geschiebemergelmasse liegt, die man wohl für Altglacial halten möchte, wenn nicht eine eingehendere Unter- suchung lehrte, dass dieselbe herabgestürztes Jungglacial ist. Und doch steht im Thale, wenige 100 Meter entfernt, altglacialer Ge- schiebemergel wirklich an, durch unmittelbare Ueberlagerung als solcher gekennzeichnet! Aehnliche Schwierigkeiten finden sich reichlich. Und dennoch lässt sich die Gliederung im grossen Ganzen regelrecht durch weite Strecken verfolgen. Die zu Tage tretenden Schichten umfassen den obersten Geschiebemergel des Altglacıal, ein Interglacial und das Jungglacial in ähnlicher Glie- derung 0) Mewe, und noch neuerdings von Dirschau und Marienburg be- wie ich sie früher aus der Gegend von Marienwerder und schrieben habe). Der unterste Geschiebemergel des Jungglacial ist stratigra- phisch demjenigen von Rothhof (Blatt Marienwerder) zu paral- lelisiren und enthält, wie dieser, an vielen Stellen zerbrochene Schalen von Meeresthieren, welche der marinen Stufe des nächst- älteren Interglacial entstammen. Das Interglacial hat hier an der OÖssa keine Meeresreste auf primärer Lagerstätte geliefert. Es besteht in der Hauptsache aus mächtigem geschiebefreiem Sand über 15 Meter mächtigem dünngeschichtetem Thonmergel. Be- merkenswerth ist nun, dass kalkfreie Einlagerungen, auf deren Vorkommen als Merkmal interglacialer Land- oder Süsswasser- bildungen Verfasser vor einigen Jahren die Aufmerksamkeit zu lenken versuchte?), auch hier auftreten. Sie sind hier theilweise 1) Dieses Jahrbuch für 1895, S. 165 —208. 2) Zeitschr. d. Deutsch. geol. Ges. XLVI, 1894, S. 111—115. xXOoV in’s Liegende, theilweise in’s Hangende der marinen Interglacial- stufe zu stellen. Das tiefste dieser Vorkommnisse, welches durch Einschlüsse von Holzstückchen ausgezeichnet, ist einer altglacialen Blocklage (ob alte Moräne?) im Hohlwege bei Sarnowken, Blatt Roggenhausen, unmittelbar aufgelagert. 19 Kilometer südlicher ist zu Annaberg (Blatt Okonin) sogar Diluvialkohle im Interglacial erbohrt. Die Gegend von Graudenz bezeichnet hiernach — wenigstens nach dem heutigen Stande der Forschung — eine S.-Grenze für das marine Interglacial Westpreussens, während verschleppte Meeresmuscheln auf secundärer Lagerstätte auch hier auf Blatt Roggenhausen vereinzelt im grandigen Sand zwi- schen den oberen und unteren Süsswasserbänken des Interglacial, sowie im Jungglacial bis zur S.-Grenze der Provinz und bis Bromberg vorkommen. Die auch weiter nördlich in Westpreussen bekannte, dort aber nur spärlich auftretende untere Süsswasser- stufe desselben Interglacials nimmt also nach S. hin zu und dürfte wohl eine Verbindung mit den interglacialen Süsswasser- schichten der Mark und Posens vermitteln. Vermuthlich ent- sprechen letztere zeitlich beiden Süsswasserstufen des: in Rede stehenden westpreussischen Interglacials, einschliesslich der zwischenliegenden Meeresstufe. Eigenartige Schwierigkeiten bot die Gliederung des Dilu- viums am rechten Gehänge des Weichselthales in der Königlichen Jamminer Forst, welche von Blatt Courbiere über Roggenhausen nach Blatt Garnsee sich hinzieht. Ein langer, breiter Waldstreifen bedeckt hier das ganze Gehänge, welches in seiner Gesammtheit sandig erscheint. Dicht angesetzte Handbohrungen wiesen ein- zelne Bänke von Geschiebemergel und Thonmergel nach, welche zweifellos die Vertreter der an anderen, freieren Gehängen fest- gestellten Bänke des Diluviums sind. Es wäre aber ganz falsch gewesen, die Gesammtheit der Sande als diluvial darzustellen. Eingehende Beobachtung der Verbreitung von Geschieben bis zum kleinsten Kieskorn herab zeigt vielmehr in Verbindung mit den Bohrungen, dass nur ein kleiner Theil des sandigen Waldbodens zu Tage tretenden Dilu- vialsanden angehört, dass vielmehr Flugsand einen grossen Theil XCcvi des Gehänges bedeckt. Vom Thalsande, dessen Reste zwischen 60 und 90 Fuss Meereshöhe liegen, hat er den grösseren Theil seines Materiales bezogen; von hier aus hat er das Gehänge er- klommen, an dessen Fuss er eine jetzt durch Wald zumeist fest- gelegte Dünenlandschaft bildet, und auf dessen Höhe er einen über den Oberen Geschiebemergel wallartig übergreifenden Dünenzug bildet. Der höchste Punkt dieses Randwalles hat 349 Fuss Meereshöhe, liegt mithin mehr als 80 Meter über dem Thalsande. Dass gerade das rechte Weichselgehänge diese Bildungen auf- weist, ist ein Ergebniss des Vorherrschens südwestlicher Winde. Auch unten in der Thalsandstufe selbst sind niedere Dünenketten aufgesetzt, welche quer zur Weichselthalrichtung laufen, und auf Blatt Rehhof, welches ähnliche Verhältnisse bietet, in gleicher Weise wiederkehren. Auch auf den Blättern Neuenburg und Garnsee treten sie auf. Diese unvollständigen Thalriegel aus Dünensand sind eine sehr beachtenswerthe Erscheinung, welche schon vor Jahren bei Aufnahme des Blattes Rehhof meine Aufmerksamkeit erregte, sich aber nun als weit verbreitet herausstellt und wohl sicher auch in anderen grossen Thälern wiederkehrt. F. KAunHuowEen und L. SCHULTE: Bericht über die wissenschaftlichen Ergebnisse der Aufnahme der Blätter Babienten, Schwentainen und Liebenberg. Die Blätter Babienten, Schwentainen und Liebenberg umfassen das Grebiet zwischen 380 50’ und 390 östlicher Länge und 530 42° und 5530 24° nördlicher Breite, welches den ostpreussischen Kreisen Sensburg und Ortelsburg angehört und im Süden durch die deutsch-russische Landesgrenze abgeschlossen wird. Die Ober- fläche stellt im Allgemeinen eine allmählich nach SO. sich sen- kende Ebene dar; diese wird im N. durch eine hüglige Landschaft begrenzt, und aus ihr treten bald in grösseren Gruppen (im öst- lichen Theil), bald vereinzelt Erhebungen hervor, welche sich geo- logisch zu bestimmten Systemen zusammenfassen lassen. Die Er- hebungen liegen stets in unmittelbarer Nähe der die Blätter in nordwest-südöstlicher Richtung durchziehenden Rinnen, welche im XCVlI nördlichen Theile tief eingeschnitten und scharf ausgeprägt sind, sich dagegen im mittleren und südlichen Theile verflachen und erweitern und mit einander vielfach in Verbindung stehen, so dass ihr Verlauf nicht mehr durch deutlich hervortretende Ufer- linien kenntlich ist. Angedeutet werden die Ufer ın diesem Theile allein durch die inselartigen Erhebungen älterer diluvialer Bildungen innerhalb der jungdiluvialen und alluvialen Ablage- rungen. Folgende Rinnen sind zu unterscheiden: die am tiefsten ein- geschnittene Hauptrinne des Babientenflusses, in welcher der Teis- sowsee, der Babienter Mühlenteich und die Sysdroyseen liegen; sie gehört nur dem nördlichen Theil des Gebietes an, dem Blatte Babienten. Durch die von den Krawnoseen eingenommene Senke steht sie mit einer zweiten Rinne in Verbindung, welche sich süd- lich des grossen Krawnosees in zwei sich in der Nähe von Grün- walde (Bl. Schwentainen) wieder vereinigende Arme theilt; der östliche Arm ist bezeichnet durch den Schwentainer See und die seine nordwestliche Fortsetzung andeutenden Bruchpartieen; den westlichen Arm bildet das bei Opukelmühle vorbeifliessende Ge- wässer und der Nozice-Piassutter See. Die Fortsetzung der wieder vereinigten Rinne ist das Kopacisca-Bruch mit dem Rosoga-Fluss. Eine dritte Rinne verläuft mit zahlreichen Verzweigungen in der allgemeinen Richtung Gross-Jerutten (Bl. Schwentainen) — Wu- jacken (Bl. Liebenberg); eine vierte Rinne durchschneidet auf eine kurze Strecke den äussersten Südwesten des (rebietes bei Fürsten- walde (Blatt Liebenberg). Die bis über 100 Fuss tief eingeschnittene Senke des grossen Aweider Sees und seiner Nebenseen ist der südwestliche Zipfel einer über die Nachbarblätter verlaufenden Rinne; durch eine An- zahl seitlicher Verbindungen stand sie ehemals mit dem grossen Sysdroysee in Zusammenhang. Die zahlreichen, im Königl. Puppener Forst gelegenen Brüche deuten auf eine frühere Verbindung zwi- schen dem Thale der Sysdroyseen und der heutigen Rinne des Rosoga-Flusses (bezw. des Kopaciscabruches) hin. | Der geologische Aufbau des ganzen Gebietes hängt mit dem nordwestlich-südöstlichen Verlauf der über den nordöstlichen Theil Jahrbuch 1896. g XCVIM des Blattes Babienten streichenden Endmoräne zusammen und findet . dadurch seine Erklärung. Die Eudmoräne lässt sich als ein deut- lich hervortretender Rücken z. Th. mit niedrigeren parallelen Höhen- zügen im SW. des Dorfes Pruschinowen zwischen dem Wege Macharren —Pruschinowen bis an Pruschinowen - -Wolka hin er- kennen; ihre nordwestliche Fortsetzung bildet eine am Östrande von Macharren befindliche, oberflächlich wenig hervortretende Ge- steinspackung. In ihrem südöstlichen Verlauf wird sie zwischen Pruschinowen— Wolka und Neu-Kelbonken auf eine kurze Strecke unterbrochen und ist erst wieder südlich des Kelbonker Sees am Östrande des Gebietes wahrnehmbar, wo eine breite Zone stark aus der Umgebung hervortretender Hügel ihre Fortsetzung bildet. In dem mittleren Hauptkamm und seinen Nebenrücken stellt sich die Endmoräne als Staumoräne dar: die Unteren Sande sind zu mächtigen Wällen emporgepresst und mit Geschieben aller Grössen beschüttet. Die Aufpressung lässt sich besonders gut an einer 1—4 Decimeter mächtigen, den Sanden eingelagerten Thonmergel- bank verfolgen, welche die ganze Bewegung mitgemacht hat und durch den seitlichen Druck vielfach auseinander gerissen ist. Südlich des Kelbonker Sees bestehen die die Fortsetzung der End- moräne bildenden Kuppen aus mächtigen Durchragungen Unteren Sandes und tragen theilweise ebenfalls dichte Gesteinsbeschüttung. Inwieweit die Gesteinspackungen am SW.-Ausgang von Ma- charren und östlich Jagen 242 des Königl. Ratzeburger Forstes, sowie endlich die stark ausgeprägten Durchragungsgebiete Unterer Sande und Grande bei Krawno, in der Umgebung von Lonzig, Grünwalde, Wystemp, Liebenberg, Kellbassen und der Radzien- berg mit einer Endmoräne in Zusammenhang zu bringen sind, kann sich erst aus der abgeschlossenen geologischen Kartirung der Nachbarblätter ergeben. Der grösste Theil der Oberfläche des ganzen Gebietes wird von Sanden verschiedenen Alters eingenommen. Dieselben stellen im nördlichen Theile (auf Bl. Babienten und in der Nordhälfte von Bl. Schwentainen) den der Endmoräne vorgelagerten Sandr dar von oberdiluvialem Alter, unter dem nur in den am tiefsten ein- geschnittenen Rinnen (Babienten - Fluss, Sysdroysee und grosser (88.8 Aweider See) unterdiluviale Sande zu Tage treten. Im mittleren und südlichen Theile sind die Sande eingeebnet und gehören grösstentheils der Thalsandstufe an; eine Grenze zwischen dem Thalsande und demjenigen der Hochfläche lässt sich aber nicht mit Sicherheit feststellen, weil Thalränder, abgesehen von den Ufer- linien der Rinnen, nirgends ausgeprägt sind. Alluviale Sande treten in flachen Inseln innerhalb der grossen Bruchflächen und an den Rändern derselben in weiter Verbrei- tung auf. Eine für Sandgebiete auffallende Erscheinung ist die Bildung gewaltiger Steilgehänge, wie sie an den Ufern des Teissowsees, an verschiedenen Stellen des Babientenflusses, der Sysdroyseen, der Krawnoseen und in den Rinnen südlich des grossen Krawno- sees vorkommen. Am Teissowsee, am grossen Sysdroysee und am PBabientenfluss wurden Böschungswinkel bis zu 750 fest- gestellt. Die Mächtigkeit der Oberen Sande in den weiten Sandgebieten hat sich nur an wenigen Punkten feststellen lassen; ım Jagen 154 des Königl. Ratzeburger Forstes betrug sie über 6 Meter (Oberer Sand 6,7 Meter, darunter Oberer Geschiebemergel). Weite Verbreitung haben Einlagerungen von Thonsanden und _ Thonen innerhalb der oberdiluvialen Sande. Diese Einlagerungen, welche sich nur dort vorfinden, wo aus den Sanden ältere Bil- dungen hervortreten, besitzen stellenweise grosse flächenhafte Aus- dehnung und erhebliche Mächtigkeit, besonders in der Nachbar- schaft der Sysdroyseen. In dünnen, wenig ausgedehnten Bänk- chen treten solche Einlagerungen in ausserordentlich grosser Zahl im Oberen Sande westlich und südwestlich des grossen Krawno- sees auf: der Sand ist von ihnen geradezu durchspickt. Der Geschiebemergel ist allein auf die Endmoräne und auf die nächste Umgebung der Rinnen beschränkt, seinem Alter nach gehört er fast ausschliesslich dem Oberen Diluvium an; der Untere Geschiebemergel tritt nirgends zu Tage, sondern wird nur an einigen Stellen der Rinne des Babientenflusses (oberhalb und unter- halb Babienten) und an der SO.-Ecke des grossen Aweider Sees in zwei inselartigen Partien unter Bedeckung jüngerer Bildungen $ g’ © angetroffen. Zum grossen Theil liegt der Obere Geschiebemergel unter einer bis 2 Meter mächtigen Decke von Oberem Sande und tritt nur inselartig als flache, plateauartige Erhebungen oder in ganz flachen, von der Sandumgebung sich nicht abhebenden Par- tien zu Tage. Seine Mächtigkeit wechselt ausserordentlich, von wenigen Decimetern bis über 20 Meter. In einem auf der Försterei Sysdroyheide behufs Brunnen- Anlage niedergebrachten Bohrloch wurde er mit 18 Metern durchsunken; davon entfallen auf ihn selbst 16 Meter unter einer 2 Meter starken Ueberlagerung von Abschlemmmassen. Eine über 14 Meter mächtige Wechsellagerung von Spathsanden und -Granden bildet sein Liegendes. An verschiedenen Stellen sind dem Geschiebemergel Sand- bänke eingelagert, welche man ohne weitergehende Untersuchung schon für unterdiluviale Bildungen halten könnte. Allerdings sind diese Einlagerungen bisweilen flächenhaft ausgedehnt; wollte man jedoch auf sie hin eine Trennung innerhalb des Greschiebemergels vornehmen, so würden sich mindestens 3 Horizonte in demselben ergeben. Einen wesentlichen Anhalt für die Beurtheilung des geo- ‚logischen Alters des Oberen Geschiebemergels bietet die Wasser- führung der Sande. Als der Hauptwasserhorizont gelten für die ganze Gegend die Unteren Sande; aus ihnen entspringen alle stetigen Quellen und sie bilden den Horizont, welcher bei Brunnen- anlagen allein ausreichenden und beständigen Wasservorrath liefert. Darunter folgt der Untere Geschiebemergel, wie dieses am rechten Flussufer südöstlich des Dorfes Babienten am Deutlichsten in die Erscheinung tritt. Das hier durch Bohrung und Aufgrabung ge- wonnene Profil ergab Folgendes: GS 20 sm g( Oberes (Wasserhorizont) KGS ei Une SM Hart am Flusse tritt der Obere Geschiebemergel zu Tage; der wasserführende Untere Sand wird so mächtig, dass man ihn nicht mehr mit dem 2 Meter-Bohrer durchsinkt, und ihm entsteigt eine starke Quelle. Zwar können die dem Oberen Geschiebemergel eingelagerten Sandlinsen bei genügender Ausdehnung in Folge der Sickerwasser Diluvium. CI auch wasserhaltig sein, ihr Vorrath ist jedoch bald erschöpft, wie es sich bei Brunnengrabungen verschiedentlich gezeigt hat (Förste- reien Sysdroyheide und Ratzeburg u. a. O.). Aus den Lagerungsverhältnissen des Oberen Geschiebemergels in den einzelnen Rinnen lassen sich Schlüsse auf das Alter der letzteren ziehen. Er legt sich in breiter Zone von W. und O. her in den grossen Aweider See hinein; desgleichen oberhalb des Dorfes Babienten am rechten Ufer von den Gehängen her in die Rinne des Flusses; am O.-Ufer des grossen Krawnosees in den See hinein, endlich in der Umgebung des Dorfes Liebenberg ın die Bruchpartieen. Aus diesem Verhalten ist ersichtlich, dass die Vertiefungen bereits z. Z. der Ablagerung des Geschiebemergels vorhanden waren. Oberflächlich ist der Obere Geschiebemergel an einzelnen Stellen vollständig verwaschen. In der Umgebung von Powalezin sind bis auf 2 Meter und darüber auf einer grossen Fläche die thonigen Bestandtheile vollständig hinweggeführt und nur ein grober, mit Geschieben aller Grösse gespickter grandiger Sand bis sandiger Grand ist zurückgeblieben, dessen allmählicher Ueber- gang in intacten Greschiebemergel sehr gut an der südlich Powal- czin streichenden Zone zu verfolgen ist. Ueber dem Oberen Geschiebemergel lagert am Nordrand des Blattes Babienten bei Macharren und westlich Pruschinowen, so- wie westlich des kleinen Aweider Sees Deckthon von einer Mäch- tigkeit bis zu 1 Meter, der bei Pruschinowen und Macharren als Ziegelmaterial Verwerthung findet. An einer einzelnen Stelle, dem todten Moor südlich W ystemd (Bl. Schwentainen), liegt inmitten oberdiluvialer Bildungen eine schwache, vollständig zerstörte Scholle tertiären Materials, be- stehend aus Braunkohlenbrocken und Quarzsanden. Die Ober- fläche des todten Moores zeichnet sich durch die dunkelbraune Färbung und vollständige Vegetationslosigkeit aus und fällt in- mitten der grünen Kiefernumrahmung sehr in die Augen. An der Oberfläche zerfallen die Braunkohlenreste zu Pulver, welches vom Winde verweht wird und den schweren weissen Quarzsand zurücklässt. T Heinrich Ernst Beyrich. Ein schwerer und schmerzlicher Verlust hat im Sommer 1896 die geologische Landesanstalt und Bergakademie betroffen. Am 9. Juli Nachmittags ist HEINRICH ERNST BEYRICH, der wissen- schaftliche Director der geologischen Landesaufnahme, ihr durch den Tod entrissen worden. Durch seine Arbeiten 'hat er die Grundlage geschaffen, auf welcher die Anstalt errichtet werden konnte. Jahrzehnte hindurch hat er ihre geologischen Arbeiten geleitet, deren Methode wir ganz ihm verdanken; Jahrzehnte hindurch ist er seinen Mitarbeitern ein verehrter Meister und Freund, den Studirenden der Berg- akademie ein anregender und fesselnder Lehrer gewesen. In dankbarster Erinnerung vergegenwärtigen wir uns den Lebensgang des Mannes, der sich um unsre Anstalt so hohe Ver- dienste erworben hat. | HEINRICH Ernst BEYRICH entstammt einer angesehenen alten Berliner Kaufmannsfamilie. Er wurde als dritter Sohn des Seiden- fabrikanten FRIEDRICH BEYRICH und dessen Frau CAROLINE Sa DAMmEsS am 31. August 1815 geboren. ' Seine Jugend verlebte er inmitten eines zahlreichen Geschwister- kreises im Elternhause unter den glücklichsten Verhältnissen. Unter ihrem Einflusse entfaltete und befestigte sich schon in dem Jüngling die ihm von der Natur verliehene heitere Klarheit des (reistes, durch die er später alle Ilerzen gewann. CIII Östern 1827 trat er in das Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin ein und erlangte hier schon im September 1831 nach kaum vollendetem 16. Lebensjahre das Zeugniss der Reife. Bei der Wahl des Lebensberufes scheinen bestimmende Ein- flüsse aus seiner Umgebung nicht auf ihn eingewirkt zu haben. Es entsprach seiner ernsthaften und zugleich frohsinnigen Natur und seinem freien und selbständigen Charakter, dass er das Studium der Naturwissenschaften wählte, zu welchem er im Sep- tember 1831 bei der Universität seiner Vaterstadt immatriculirt wurde. Einem bestimmten Zweige der Naturwissenschaften wendete er sich nicht von Anfang an zu. In dem »Jiebenslauf« zu seiner Doctor-Dissertation sagt er: »Da es meine Absicht war, mich den Naturwissenschaften zu widmen, zu welchen ich mich stets hingezogen gefühlt hatte, so habe ich im Anfange mich mit gleicher Lust mit Mineralogie, Botanik und Zoologie beschäftigt, von denen die Botanik mir die meiste Freude machte. Aber schon bald, nachdem ich mehr in das Verständniss der Lehre von ÜHRISTIAN SAMUEL WEISS ein- gedrungen war, hat mich der Geist dieses ausgezeichneten Mannes von den anderen Disciplinen abgelenkt und mich zu dem Ent- schlusse geführt, mich ganz dem Studium der Mineralogie und der Geognosie hinzugeben.« Seine nacherhaltenen Hefte über die Weıss’schen Vorträge zeigen die Liebe, mit der er sie in sich aufgenommen und die Sorgfalt, mit der er sie verarbeitet hat. Nachdem er 5 Semester hindurch den Studien in Berlin ob- gelegen hatte, bezog er zum Abschluss des Trienniums im Sommer- seıester 1834 die Universität Bonn, um sich bei GOLDFUSS speciell mit Paläontologie zu beschäftigen. Hier trat dann die Entscheidung über die Richtung seiner weiteren wissenschaftlichen Thätigkeit ein, die sich von jetzt ab sanz der Pflege der Geognosie und zugleich der Versteinerungs- kunde zuwendete, deren Unentbehrlichkeit für die Begründung geognostischer Unterscheidungen damals mehr und mehr zur An- erkennung gelangte. CIV Nach Abschluss der Studienzeit drängte es BEYRICH, das Wesen und den Zusammenhang der Dinge, mit denen er sich bis- her fast nur im Geiste beschäftigt hatte, durch eigne Anschauung in der Wirklichkeit zu erfassen. In dem bereits erwähnten Lebens- lauf sagt er: »Ueberzeugt davon, dass die Erforschung der Natur nicht anders als in der Natur selbst bewirkt werden kann, bin ich nach Beendigung des dreijährigen akademischen Studiums 2 Jahre hindurch auf Reisen gewesen und habe fast ganz Deutsch- land und einen grossen Theil Frankreichs durchwandert«. Dazu wurden die Jahre 1835 und 1836 verwendet, in denen er u. a. das Rheinland, Nassau (besonders die Dillenburger Gre- gend), Luxemburg und den Elsass durchforschte, grossentheils in (Gemeinschaft mit dem ihm befreundeten Bergingenieur MAx BRAUN, späteren in bergmännischen Kreisen hochgeschätzten Oberingenieur der Zinkwerksgesellschaft Vieille Montagne, Bruder des Botanikers ALEXANDER BRAUN. Im Herbste 1834 besuchte BEYRICH die Versammlung der französischen Geologen in Strassburg. Bei einer sich daran an- schliessenden Excursion in’s Breusch - Thal fand er bei Framant ein neues Vorkommen des Phenakits auf. Eine Beschreibung desselben, die ın POGGENDORF’s Annalen Bd. 34 (1835), S. 519 sich findet, war seine erste wissenschaftliche Publication. Dieselbe bildet mit einem Nachtrag im 41. Bande (1841), S. 323 derselben Annalen zugleich seinen Abschied von der Beschäftigung mit mineralogischen Dingen im engeren Sinne. Im Herbste 1836 kehrte er nach Berlin zurück und begann sich der Bearbeitung der Ergebnisse seiner Forschungsreisen zu widmen. Dabei entstand zugleich die Arbeit zu seiner Doctor- Promotion, welche am 12. April 1837 stattfand. Die Dissertation behandelte die Goniatiten des Rheinischen Uebergangsgebirges. In erweiterter Form und mit einer eingehenden Charakteristik des Rheinischen Uebergangsgebirges eingeleitet, erschien sie in demselben Jahre, LEOPOLD von BucH gewidmet, unter der Be- nennung »Beiträge zur Kenntniss der Versteinerungen des Rhei- nischen Uebergangsgebirges« in den Schriften der Akademie der ‚OV Wissenschaften, welcher sie vermuthlich von Weıss vorgelegt worden ist. Professor W. DAaMES, der nur zu bald nach seinem väter- lichen Freunde von uns geschiedene Nachfolger BEYRICH’s, be- urtheilt die Dissertation in einer ın der Akademie der W issen- schaften gehaltenen Gedächtnissrede in folgenden treffenden Worten: »Diese Erstlingsarbeit gleicht weder nach Inhalt noch nach Umfang der Mehrzahl der Dissertationen, wie sie zur Erlangung der Doctorwürde verfasst zu werden pflegen, sondern sie stellt sich Arbeiten gereifter und erfahrener Gelehrter an die Seite, welche aus sich heraus eine bewusste und durchdachte Forschungs- methode befolgen. Inhaltlich lässt sie schon die beiden Arbeits- richtungen erkennen, welche BEYRICH nicht mehr verlassen hat, in geognostischer Beziehung: das Bestreben, durch gewissenhafteste Beobachtungen und den Vergleich mit verwandten Gebieten zu einer naturgemässen Gliederung der Formationsgruppen zu ge- langen, in palaeontologischer: auf Grund bestimmter, ihrer Wichtig- keit nach zu begründender Merkinale eine Gruppe von Organismen in ein natürliches System zu bringen, das auch thunlichst die geo- logische Aufeinanderfolge erläutert. Letzteres hat er hier mit solcher Schärfe erreicht, dass seine Eintheilung der Groniatiten allgemein angenommen wurde und auch trotz der heute verbrei- teten Sucht der Zersplitterung in zahllose Gattungen und Arten nicht beseitigt, sondern gewissermaassen als Werth höherer Ord- nung beibehalten ist.« Die Vorrede enthält Aussprüche, welche für BEYRICH’s wissen- schaftlichen Standpunkt so bezeichnend sind, dass ich sie hier wiederzugeben, nicht unterlassen möchte. »Theils als Einleitung, theils als Rechtfertisung der von mir unternommenen Arbeit möge man die Abhandlung betrachten, welche unter dem Titel: »Allgemeine Bemerkungen über die Petre- facten-führenden Gesteine des Rheinischen Uebergangsgebirges« vorangeschickt ist. Wer darin lange Verzeichnisse der an ein- zelnen Liocalitäten vorkommenden Versteinerungen sucht, welche zu liefern ich wohl im Stande gewesen wäre, wird sich getäuscht CVI finden; solche Verzeichnisse betrachte ich als ganz unfruchtbar und selbst als nachtheilig für die Wissenschaft, wenn sie nichts als Namen geben. Am wenigsten war ich geneigt, das Verfahren mancher ausgezeichneten und verdienten Gelehrten nachzuahmen, welche in den ihnen zu Gebot stehenden Sammlungen alles ihnen Unbekannte mit Namen zu belegen und diese Namen nur zur Vermehrung und Verwirrung der Synonymik ohne weiteres zu publiciren pflegen. Bei Aufstellung neuer Arten werde ich stets mit der grössten Vorsicht verfahren. Weit entfernt bin ich da- von, die Autorschaft möglichst vieler Arten als etwas Ruhmvolles oder Beneidenswerthes zu betrachten. Viel verdienstlicher scheint es mir, unnütz Getrenntes zu vereinigen und schon Bekanntes durch genauere Beobachtungen fester zu begründen. Gern be- kenne ich, dass mir bei diesen meinen ersten Versuchen im Gre- biet der Versteinerungskunde die geistvollen Arbeiten LEOPOLD von Buch’s vorschwebten«. Wenn man bedenkt, dass BEYRICH zur Zeit dieser Arbeit 22 Jahre alt war, so wırd man dem hohen Grad der Reife sowohl der Arbeit selbst als der in der Vorrede niedergelegten Anschau- ungsweise unbeschränkte Bewunderung zollen. Im Frühjahr 1838 trat BEYRicH mit seinem Freunde JULIUS EwaLn eine Studienreise nach dem‘, Schweizer Jura, dem süd- lichen Frankreich und Italien an. Von Basel, wo sie MERIAN, MEISSNER, SCHÖNLEIN begegneten, gingen sie über Genf, Grenoble, Avignon nach Cannes und Montpellier, dann über Lyon und Nancy nach Paris. Hier verweilten sie im Verkehr mit ELIE DE BEAUMONT, DESHAYES, VOLTZ, BROGNIART u. A. und trafen auch mit A. von HUMBOLDT zusammen, der sie mit Empfehlungsbriefen an die Pariser Gelehrten versehen hatte. Ein Bericht an WeıIss vom 29. December 1838 aus Parıs, in welchem sie ihre Beobachtungen über die Kreideformation im südlichen Frankreich mittheilen, ist in KARSTEN’s Archiv Bd. 12 (1839) veröffentlicht. Im Februar 1839 setzten sie ihre Studienreise fort und ver- wendeten das ganze. Jahr auf die Durchforschung Südfrankreichs, zogen im Januar 1840 nach Italien hinüber, nach Nizza, Genua, CVII Florenz, Siena; dann heimwärts über Turin, Col dı Tenda nach Nizza, durch die Provence und die Schweiz. Im September 1840 kehrten sie nach mehr als 21/, jähriger Reisezeit mit einem reichen Schatz von Erfahrung und nicht minder von gesammeltem palae- ontologischem und geologischem Material nach Berlin zurück. Neben der nun folgenden Beschäftigung mit den Ergebnissen der Reisen begann Beyrıch schon im folgenden Frühjahr seine akademische Thätigkeit, indem er sich am 18. Mai 1841 als Privatdocent bei der Berliner Universität habilitirte. Schon bald nachher traten neue Anregungen an ihn heran, welche für die Gestaltung seiner weiteren wissenschaftlichen Thätig- keit und seiner ganzen Lebensverhältnisse von entscheidendem und dauerndem Einfluss geworden sind. Die Preussische Bergverwaltung, an deren Spitze damals der Oberberghauptmann Graf von BEuSsT stand, hatte sich schon seit langer Zeit die Förderung der mineralogischen und geologischen Erforschung der preussischen Bergreviere als eine ihrer wichtigsten Aufgaben angelegen sein lassen. Nicht nur Specialarbeiten über die meisten wichtigeren Vorkommnisse, Gruben und Grubenreviere des Kohlen- und Erzbergbaus lagen in grosser Anzahl vor, es waren vereinzelt auch zusammenfassende Untersuchungen grösserer Gebiete in rein wissenschaftlichem, geognostischem Sinne veran- lasst worden. Es bedeutete aber gegenüber den bisherigen immer- hin mehr oder minder örtlichen Unternehmungen einen ausser- ordentlichen Fortschritt, als durch einen Ministerialerlass vom 3. Mai 1541 ausgesprochen wurde: »Es ist die Absicht, die geognostischen Verhältnisse der Preussischen Staaten einer näheren Untersuchung zu unterwerfen, als bisher auf dieselben verwendet worden ist, vorzugsweise um die Verbreitung der Gebirgsarten auf Karten in grösserem Maass- stabe mit der erforderlichen Genauigkeit auftragen zu können«. Hiernach wurde die geologische Kartirung des ganzen Landes in einheitlicher Weise in’s Auge gefasst. Als Grundlage wurde für die östlichen Landestheile die Generalstabs-Karte im Maass- stabe 1:100000 gewählt, welche im Vergleich zu der vorher mehrfach benutzten REYMANnN’schen Karte in 1:200000 eine 4fach CVINI grössere und damit bei weitem ausführlichere Flächendarstellung des geologischen Bildes gestattete. In der Oberberghauptmann- schaft bearbeitete damals HEINRICH von DECHEN die geologische Untersuchung und seinem Einflusse ist besonders jene für die geologische Durchforschung Deutschlands so segensreich gewordene Entschliessung zu verdanken. Zunächst war es die Provinz Schlesien, deren Aufnahme in Angriff genommen wurde, und zwar gleichzeitig in Ober- und Niederschlesien. Mit der Untersuchung Oberschlesiens wurde der damalige Bergmeister von CARNALL beauftragt. Für Nieder- schlesien wurde dem Professor GusTav RosE die Untersuchung der krystallinischen Gebirgsarten, insbesondere des Granits des Riesengebirges und der denselben umgebenden Gesteine aufge- tragen, während sleichzeitig der Markscheider BockscH in Wal- denburg mit der Herstellung einer Karte des Waldenburger und Neuroder Steinkohlengebirges betraut wurde. RosE begann seine Untersuchungen bereits im Sommer 1841 und blieb seitdem bei denselben in Thätigkeit bis zum Abschluss der Arbeiten in Niederschlesien. Einen ersten ausführlichen Be- richt über seine Forschungsergebnisse in den Jahren 1841/42 legte er am 12. Februar 1843 vor. Derselbe ist in den Monatsberichten der Berliner Akademie der Wissenschaften und in POGGENDORF’S Annalen Bd. 56 veröffentlicht. Ueber die geologischen Verhältnisse Niederschlesiens lagen zur Zeit der Beauftragung RoseE’s schon wichtige Untersuchungen vor. Von den in den Acten der Bergverwaltung aufbewahrten und sonstigen Arbeiten seien hier nur folgende erwähnt: Versuch einer Geographia subterranea von einigen Provinzen Sr. Majestät des Königs, 1755, vom Bergrath JOHANN GOTTLOB LEHMANN. Methode zur Erlangung einer richtigen Kenntniss der Natur- geschichte des Mineral-Reiches in Schlesien 1780, von ABT. Versuch einer mineralogischen Beschreibung von Landeck, 1797, LEOPOLD von Buch. Entwurf einer geognostischen Beschreibung von Schlesien 1802, LEoroLp von BucH, im ersten Bande der »Beobachtungen auf Reisen«, CIX Das Gebirge Niederschlesiens, der Grafschaft Glatz u. s. f. 1819, K. von RAUMER. Geognostische Beschreibung von eimem Theile des Nieder- schlesischen, Glätzischen und Böhmischen Gebirges 1831, ZOBEL u. VON CARNALL. In KARsSTEN’s Archiv Bd. 3. Das Flötzgebirge am nördlichen Abfall des Riesengebirges 1838, H. von DECHEN, in KARSTEN’s Arch. Bd. 11. Zur Zeit des Beginns der geologischen Aufnahme Nieder- schlesiens waren diese Arbeiten veraltet, insofern insbesondere, als in ihnen die eben jetzt erst durch die Fortschritte der Versteine- rungskunde möglich gewordene Berücksichtigung des Auftretens der Versteinerungen bei der Altersbestimmung der Gebirgsglieder gänzlich fehlte. Es galt daher, für die Neuaufnahme des Flötz- gebirges im Anschluss an die Rose’schen Arbeiten in den krystal- linischen Gebirgskernen einen in dieser Hinsicht auf der Höhe stehenden Geologen zu wählen. Die Wahl fiel auf BEYRICH, wohl auf Grund seiner hervorragenden, oben erwähnten Arbeit über das Rheinische Uebergangsgebirge und mit Rücksicht auf die überaus reiche Erfahrung, die er bei seinen ausgedehnten Reisen za sammeln Grelegenheit gehabt hatte. Am 23. Juni 1842 schon wurde ihm von der Oberberghaupt- mannschaft der Auftrag ertheilt, »die Provinz Schlesien in geog- nostisch-petrefactologischer Hinsicht zu bereisen«, das Vorkommen der Versteinerungen ın den verschiedenen Grebirgsformationen Schlesiens an Ort und Stelle genau zu beobachten, wissenschaft- lich zu untersuchen und für die Oberberghauptmannschaftliche Mineralien-Sammlung die in Schlesien vorkommenden Versteine- rungen möglichst vollständig zu sammeln. So wurde ihm die erste amtliche und remuneratorische" Be- schäftigung von der Bergverwaltung geboten. Es wurde” damit eine Verbindung geknüpft, die ihm bis zu seinem letzten Tage 54 Jahre hindurch eine mit seinen rein wissenschaftlichen Arbeiten und seinem Lehramte bei der Universität in nützlichster Weise Hand in Hand gehende Thätigkeit geschaffen, die ihm hohe Be- friedigung gewährt, und die der Wissenschaft ebenso wie dem Staate unschätzbare Dienste geleistet hat. CX Die Anerkennung der grossen wissenschaftlichen wie prak- tischen Wichtigkeit des Unternehmens der geologischen Landes- aufnahme, an welcher in Schlesien mitzuwirken BEYRICH nunmehr berufen war, bethätigte die Bergbehörde wie bei der Inangriff- nahme so auch fernerhin in wirksamster Weise dadurch, dass sie den Arbeiten fortgesetzt eine weitgehende Unterstützung gewährte. Hohe Theilnahme fand dieses Unternehmen aber auch im Kreise der Vertreter der geologischen Wissenschaft selbst. Derhalben giebt nachfolgender, bisher in den Acten verborgen gebliebener Brief LEoPoL» von BucH’s einen beredten Ausdruck, mit welchem dieser dem Oberberghauptmann Grafen BEuST den ihm als frühe- rem Forscher im Riesengebirge mitgetheilten ersten Bericht GUSTAV Rosr’s über seine dortigen Forschungen in den Jahren 1841/42 zurückgiebt: | »Euer Hochgeboren danke ich sehr für den mir gütigst mit- getheilten Bericht des Herrn Gustav RosE über Granit im Hirsch- berger Thal, welcher hierbei zurückerfolgt. Es ist ein Glück, wenn man solche Untersuchungen einem so erfahrenen Mineralogen auftragen kann, dessen Genauigkeit und Aufrichtigkeit schon lange Muster gewesen sind. Die Grenzen der Gebirgsarten würden kaum von anderen mit dieser Bestimmtheit ausgemittelt worden sein. Ein reiner, an gründliche Mineralogie weniger gewöhnter Geognost würde sich nicht haben enthalten können, über Ent- stehung der Gebirgsarten, über Ursachen des Beisammenseins ihrer Greemengtheile, über Verbreitung unter bedeckenden Gesteinen, da wo sie nicht sichtbar sind, und über ähnliche speculative Fragen, Betrachtungen anzustellen und durch sie verleitet, über die wirk- lich sichtbaren und vorhandenen Grenzen wegzuspringen. Hier aber erhalten wir wirklich eine Copie, eine Daguerrotypie der Natur. Dem Abbilde mehr Seele einzuhauchen, einem HoLBEIn, einem VAN DYcK, der es zu ıidealisiren weiss, es in die Hände zu geben, würde höchst erregende, vielleicht auch höchst nützliche Kunstwerke hervorbringen, allein der grossen und sprechenden Aehnlichkeit ohwerachtet wäre es dann doch nicht mehr das Abbild der Natur. — Und somit wäre der vorgesetzte Zweck nicht erreicht, wie er doch jetzt so vortrefflich durch Gustav RosE erreicht ist. CXI Wie sehr gut, gründlich und wichtig sind nicht die Unter- suchungen über den Lauf und die Richtung, auch über die Wir- kung der sogenannten Porphyrgänge im Hirschberger Becken und am Riesengebirge herauf!! Diese Untersuchungen sind neu, und wenn man auch ihre Porphyr-Natur bezweifeln und sie von der Granitformation nicht wesentlich trennen möchte, so ist doch ihr Einfluss auf Form und Erhebung des Gebirges unverkennbar. Wie begierig müssen wir nicht sein, wenn die merkwürdigen Ketten von Liebenthal, Schönwald, die rothen Porphyre von Schönau, die Hyperite von Muchenwald, die sonderbaren Conglomerate von Flachenseiffen auf solche Art untersucht sind. Wie sehr müssen wir nicht wünschen, von solchen Untersuchungen Belehrung zu schöpfen. Ist es doch nicht gesagt, ob nicht das Schönwalder Gebirge oder der Muchenwald und ähnliche Gesteine die Träger und Beherberger des Goldberger Goldbergbaus sind! In welchem anderen Gestein würden wir Hyacinthe, Spinell, Saphir suchen wollen? — Euer Hochgeboren erwerben sich durch Veranstaltung solcher Untersuchungen und durch so treffliche Beobachter, als Rose ist, ein bleibendes Verdienst, eben so gross für die Wissenschaft im All- gemeinen als für den preussischen Staat, wofür auch ich, als Bürger in Beiden, Ihnen meinen verbindlichsten Dank darbringen darf. Berlin, 26. April 1843. Mit Verehrung Euer Hochgeboren gehorsamster Diener LEoPoLD von BuchH.« Beyrica begann seine Arbeiten für die geologische Karte von Niederschlesien mit einer ausführlichen Bereisung von Nieder- und Oberschlesien, welche er emerseits bis in das Schlesisch-Mährische Uebergangsgebirge, andrerseits bis in die Karpathen ausdehnte. Dieselbe nahm je 3 Herbstmonate der Jahre 1842 und 1843 in Anspruch. Der im März 1844 über die Ergebnisse dieser Reise erstattete Bericht ist mit der Bezeichnung: »Ueber die Entwicke- lung des Flötzgebirges in Schlesien« in KARSTEN’s Archiv Bd. 18, S. 3 ff. veröffentlicht, ein Meisterwerk an Klarheit der zusammen- CXII fassenden Darstellung des gesammten Gebirgsbaus wie an scharfer und überzeugender Gründlichkeit der Beobachtung im Einzelnen. In dem”zweiten, Oberschlesien behandelnden Theil ist dem ober- schlesisch-polnischen Jura und den westkarpathischen Kreide- und Tertiärbildungen, den letzteren mit Bezug auf Aufsuchung etwaiger Steinsalzvorkommnisse in Oberschlesien, besondere Aufmerksamkeit zugewendet. | In den folgenden Jahren wurden die Aufnahmearbeiten für die 100000 theilige Karte von Niederschlesien in 9 neu gezeichneten Blättern von BEYRICH im Verein mit RosE und (seit 1852) unter Hülfeleistung für einzelne kleinere Gebiete durch Justus ROTH und den damaligen Bergeleven RunGE mit Eifer fortgesetzt, von BEyYrRIcH seit 1849 in 4 Monaten jeden Jahres. Dennoch er- forderte die Vollendung lange Zeit. Erst im Jahre 1861 wurden die ersten Blätter Hirschberg und Waldenburg und das Titelblatt im Druck vollendet, 1862 die Blätter Liegnitz und Löwenberg, 1863 die Blätter Strehlen, Breslau, Glatz und Reinerz. Von dem Gesammtinhalt des umfangreichen Kartenwerkes verdanken wir bei weitem den grösseren Antheil BEYRıcH. Von Rose wurden die Granite des Riesen- und Iser-Gebirges und der nördlich davon gelegene (ineiss, die Thonschiefer von Tiefhart- mannsdorf-Bolkenhayn, der Granit von Striegau, Zobten und Strehlen und die krystallinischen Schiefer zwischen Glatz und Reichenstein bearbeitet. RuNnGE kartirte das Gebiet von Schweid- nitz, Reichenbach, Frankenstein, Ottmachau bis an die öster- reichische Grenze. ROTH untersuchte die krystallinischen Schiefer südlich des Riesengebirgsgranites ostwärts bis an die Elbe und arbeitete in der Gegend von Landeck. Alles Uebrige des ge- sammten (Gebietes ist von BEYRICH aufgenommen, welcher auch die Revision der Ro’rr#’schen und Runge’schen Arbeiten, sowie die Redaction und Reinzeichnung der ganzen Karte in ausge- zeichneter Weise durchgeführt hat. Aus den Aufnahmen ist eine Anzahl von Abhandlungen und Mittheilungen BEYRICH’s hervorgegangen, welche in den Jahres- berichten an die Oberberghauptmanuschaft niedergelegt und zum Theil veröffentlicht sind. Von Letzteren seien genannt: CXIII Ueber das sogenannte südliche oder Glätzer Uebergangsge- birge. Zeitschr. d. Deutsch. geol. Ges. Bd. 1, 5. 68. Ueber das Quadersandsteingebirge ın Schlesien. Ebenda. P., S. 390. Die geognostischen Verhältnisse der Gegend südlich von Reinerz. . Ebenda Bd. 3. P. S. 376. Ueber das Vorkommen von Graptolithen im schlesischen Ge- birge. Ebenda Bd.6. P. S. 650. Ueber das Alter der Niederschlesischen Braunkohle, der Fauna von Schossnitz und des Bernsteins. Ebenda Bd. 7. P. S. 300. Die geologischen Verhältnisse des böhmischen Landestheils der Section Waldenburg. Ebenda Bd. 8. P. S. 14. Die Lagerung der Kreideformation im Schlesischen Gebirge. Abhandl. d. Königl. Akad. d. Wiss. zu Berlin Bd. 26. Mit Karte. Die Untersuchungen über die Gliederung der Kreideformation an der Nordseite des Riesengebirges mit ihren charakteristischen Quadersandsteinbildungen, deren Ergebnisse in der letzteren Ar- beit niedergelegt sind, gaben Anlass zu vergleichenden Studien in ähnlichen Kreidebildungen und damit zu den Abhandlungen: »Ueber die Zusammensetzung und Lagerung der Kreideformation in der Gegend zwischen Halberstadt, Blankenburg und Quedlin- burg (Zeitschr. d. Deutsch. geol. (tes. Bd. 1), Erläuterungen zu der geognostischen Karte der Umgegend von Regensburg, nebst Karte (ibid.) und »Ueber die Beziehungen der Kreideformation bei Kegensburg zum Quadergebirge« (ibid. Bd. 2). Nach dem Abschluss der grossen und verdienstvollen Arbeit der geologischen Karte von Niederschlesien wurde von der Oberberg- hauptmannschaft gegen Ende des Jahres 1861 die Inangriffnahme einer gleichartigen Karte Oberschlesiens beschlossen. Die Unter- suchungen VON ÜARNALL's waren nur in Uebersichtsblättern im Maassstabe 1:200000 zusammengestellt worden. Es sollte nun- mehr eine Karte im Maassstabe 1:100000, wie für Niederschlesien, bearbeitet werden. Die Leitung auch dieses wichtigen Unter- nehmens wurde in einer am 27. December 1861 stattgehabten Ver- handlung BEYRICH angetragen und von ihm angenommen. Da Jahrbuch 1896. h CXIV jedoch zu gleicher Zeit das Bedürfniss hervortrat, seine Kraft für die Leitung der geologischen Aufnahmen in der Provinz Sachsen in Anspruch zu nehmen, so wurde er von der Leitung der ober- schlesischen Aufnahmen entbunden. Dieselbe ist darauf dem Pro- fessor FERDINAND RÖMER in Breslau übertragen worden, welcher die Arbeiten im Jahre 1869 zu Ende geführt hat. Von der Provinz Sachsen lagen zu der Zeit, als die geolo- gische Landesaufnahme nach dem Plane von 1841 in derselben begonnen wurde, schon zahlreiche Vorarbeiten vor. FRIEDRICH HOFFMANN s geognostische Karte des nordwestlichen Deutsch- lands im Maassstabe 1:200000 aus dem Jahre 1830 gewährte eine zum grossen Theil auf den Beobachtungen VON VELTHEIM’s beruhende Uebersicht. Von einzelnen namentlich für den Berg- bau wichtigen Revieren mit verwickelteren Verhältnissen hatte das Oberbergamt in Halle sogenannte petrographische Karten in weit grösserem Maassstabe herstellen lassen, selbst schon bis zu demjenigen der Messtischblätter in 1:25000 (Wettiner Revier), welche auch schon für die Aufnahme des Riesengebirges durch G. RosE seit 1842 in Copieen nach den Originalblättern des (seneralstabes benutzt wurden. Im Jahre 1843 wurde nun zunächst Dr. GIRARD, der vorher schon in der Mark Brandenburg und in den Provinzen Pommern, Posen und Westpreussen gearbeitet hatte, mit der Untersuchung des Fläming, der Gegend von Magdeburg und Umgebung des Harzes mit besonderer Berücksichtigung der Braunkohlenformation beauftragt. Sein letzter Bericht über die Lagerungsverhältnisse zwischen Quedlinburg und dem Harze ist vom 3. August 1844. In einem Erlass vom 1. September 1848 wird sodann schon BEYRICH für das Gebiet zwischen der Magdeburger Grauwacke und dem Harze in’s Auge gefasst, da diese Aufgabe nur durch einen geübten Geognosten mit Erfolg und der nöthigen Sicher- heit gelöst werden könne und BEYRICH das Flötzgebirge jener Gegend bereits mehrfach (anlässlich der Untersuchungen über die dortigen Kreidebildungen) besucht habe. Da BEYRICH indessen durch die Niederschlesische Karte noch in Anspruch genommen war, erhielt am 17. Juni 1852 statt seiner CXV Dr. JuLıus EwALp den Auftrag, diesen das subhereynische Flötz- gebirge umfassenden Theil der geologischen Karte der Provinz Sachsen im Anschluss an die v. STROMBECK’sche geologische Karte von Braunschweig unter besonderer Berücksichtigung von Braun- kohlen- und Salz-Lagerstätten zu bearbeiten. Zu den Original- aufnahmen wurden ihm Copieen der Messtischblätter zu Verfügung gestellt, auf Grund deren anfänglich eine Uebersichtskarte im Maassstab 1:200000, dann aber die vorzügliche »Greologische Karte der Provinz Sachsen von Magdeburg bis zum Harz« in 4 Blättern im Maassstabe 1: 100000 entstand, deren letztes im Jahre 1868 ausgegeben worden ist. BEYRICH konnte sich der Betheiligung an der geologischen Aufnahme der Provinz Sachsen Hand in Hand mit seinem Freunde EwALpD, wozu er durch einen besonderen, ihn von den beabsich- tigten Aufnahmen in Oberschlesien entbindenden Erlass vom 8. April 1862 berufen wurde, erst nach Beendigung der Nieder- schlesischen Karte zuwenden. Für die Organisation der Arbeiten, welche die ganze Provinz Sachsen und die eingeschlossenen kleineren nicht preussischen Enclaven umfassen sollten, schlug BEYRICH vor, dass zur Herbei- führung einer möglichsten Beschleunigung der Kartirungsarbeiten jüngere Kräfte herangezogen werden möchten, während ihm selbst die Aufgabe zufallen würde, »deren Arbeiten zu revidiren, die- selben in Zusammenhang zu bringen und selbstthätig in der Be- arbeitung namentlich da einzugreifen, wo schwierigere Probleme zu lösen oder ungleichartige Auffassungen in Einklang zu bringen wären«. Diesem Vorschlage stimmte die Oberberghauptmannschaft zu und schon im Herbst 1862 begann BEYRICH seine Thätigkeit mit einer Orientirungsreise. Dieselbe sollte ihm insbesondere dazu dienen, sich genauer mit den Principien vertraut zu machen, nach welchen EwALD in seinem Gebiete die Formationsabtheilungen durchgeführt hatte, da unabweisbar die gleichen Abtheilungen für dieselben Formationen auch in den übrigen Theilen der Provinz Sachsen angenommen werden mussten, wenn die Karte ein gleich- artig und gleichwerthig durchgearbeitetes Ganzes werden solle. h* CXVI Als Grundlage für die Herstellung der 100 000 theiligen Karte wur- den auch hier Messtischblatt-Copieen gewählt. Bryrich behielt sich als sein eigenes specielles Aufnahmegebiet die Gegend von Ifeld und Nordhausen vor. Noch im Sommer 1862 wurde als erster der Hülfsarbeiter der Bergexpectant ECK beauftragt, unter BEYRIcH’s Leitung mit zu arbeiten, der ıhm die Kartirung der Trias in der Hainleite und Schmücke auftrug. Im April 1863 trat der Bergreferendar BERENDT zu vorübergehender Hülfeleistung in der Gegend von Eisleben, im Juli desselben Jahres in gleicher Weise Dr. KunrtH hinzu. Als dauernde Mitarbeiter wurden dann später Bergassessor Dr. StEIn und Bergreferendar GIEBELHAUSEN im Jahre 1865, Bergreferendar Dr. LASPEYRES und Stud. phil. CARL LossEn 1866, Professor VON SEEBACH und Dr. F. MozstA 1867 und Dr. E. KAYSER 1571 gewonnen, um an der grossen Aufgabe der von oO BEYRICH geleiteten Aufnahme des Harzes und des südlich desselben gelegenen Theils der Provinz Sachsen mitzuwirken, welches an sich schon sehr umfangreiche Unternehmen durch den Beitritt der Thüringischen Staaten demnächst noch weiter bis an die Sächsische und Bayrische Grenze ausgedehnt worden ist. Auch die Auf- nabmearbeiten der ın Thüringen bereits thätig gewesenen Geologen Prof. E. E. ScHmIp in Jena, Prof. K. Ta. LIEBE in Gera, Prof. EMmMRICH in Meiningen und Prof. RıicHTER in Saalfeld wurden der wissenschaftlichen Oberleitung BEYRICHs unterstellt. Bei den Arbeiten BEYRIcH’s und seiner Assistenten wie bei denjenigen SCHMID s in Jena wurden von vornherein die General- stabskarten in 1: 100000 (die sog. Gradabtheilungskarten) für die Veröftentlichung, für die Aufnahmen aber die Messtischblätter bestimmt, welche für die Weimar’schen Landestheile in Litho- graphien, für die Preussischen nur in Oelpapier-Pausen zu Ge- bote standen. Im Laufe der Aufnahmearbeiten stellte sich in unzweifelhafter Weise heraus, dass die Benutzung des grossen Maassstabes von 1:25000 für die Herstellung der geologischen Karten diesen in allen Beziehungen, sowohl für den wissenschaftlichen Inhalt wie für die Interessen des praktischen Lebens, einen unvergleichlich CXVII höheren Werth verleiht, als Uebersichtskarten im Maassstabe 1:100000 zu erlangen vermögen. Schon in seinem Berichte über die Aufnahmearbeiten im Jahre 1863 machte BEYRICH auf diese Erfahrung aufmerksam und empfahl dringend, lithographirte Copieen der Messtischblätter für die Aufnahmen anfertigen zu lassen, indem er zugleich darauf hindeutete, dass dieselben eventuell sogar zur Veröffentlichung als geologische Specialkarten in Aussicht zu nehmen sein dürften. Diese Anträge wurden indessen durch Rescript vom 18. Mai 1864 im Hinblick auf den durch sie bedingten allzu hohen Kostenauf- wand abgelehnt. Im Herbst 1866 konnte auf diese wichtige Frage unter ver- änderten Verhältnissen zurückgekommen werden. Es lag eine Anzahl inzwischen vollendeter, auf Messtischeopieen gezeichneter Originalaufnahmen vor, insbesondere über die Gegend von Ilfeld und Nordhausen, welche die grossen Vorzüge der Darstellung geologischer Verhältnisse in diesem Maassstabe klar veranschau- lichten. Auch war ım Frühjahr 1866 ım Hinblick auf den Nutzen, welchen das Vorhandensein lithographirter Vervielfältigungen der Messtischblätter nicht nur für die Zwecke der geologischen Landes- untersuchung, sondern auch für das Bau- und insbesondere für das Eisenbahnwesen gewähren würde, im Ministerium für Handel etc. auf Betreiben der Bergwerksabtheilung der Beschluss gefasst wor- den, die Lithographirung der Messtischblätter über die sächsischen Landestheile nach erlangter Genehmigung des Chefs des grossen Generalstabes auf eigene Kosten in's Werk zu setzen. Unter diesen günstigen Umständen wurde von BEYRICH in einem Berichte vom 22. November 1866 über die ım Laufe des Jahres ausgeführten Aufnahmearbeiten die Benutzung der Mess- tischblätter nicht nur, wie bereits auch im Riesengebirge, im Ewarp’schen Gebiete nördlich des Harzes und im Wettiner Re- vier geschehen, für die Aufnahmen, sondern auch für die Ver- öffentlichung nochmals beantragt und in folgender Weise befür- wortet: »Als ich im Herbst des Jahres 1862 zuerst begann, mich über den Umfang der yon mir übernommenen Arbeit zu orientiren, und CXVIII darauf einen Theil des südlichen Harzrandes, die Gegend von II- feld, mit besonderer Berücksichtigung der in ihren Detail-Verhält- nissen auf älteren geognostischen Karten;überaus mangelhaft be- handelten Zechsteinformation unter Zugrundelegung der publicirten Karten des Generalstabes in 1: 100000 zu bearbeiten, stellte sich alsbald das Bedürfniss der Benutzung von Karten in grösserem Maassstabe heraus, indem es nicht nur äusserst schwierig und zum Theil selbst unmöglich war, die zahlreichen Unterscheidungen, die erforderlich wurden, ım Maassstabe von 1:100000 deutlich zur Anschauung zu bringen, sondern auch die Unterscheidung selbst nicht mit der nothwendigen Correctheit ausgeführt werden konnte, weil die benutzten Karten nicht die hinreichenden Hülfsmittel zur genauen ÖOrientirung in dem zu bearbeitenden Giebiet darboten. Ich begann deshalb schon im Jahre 1863 mich bei meinen eigenen Aufnahmen der Messtischblätter im Maassstabe 1:25000 zu be- dienen, welche Ew. Excellenz mir in Copieen auf Oelpapier zu diesem Behuf zur Disposition stellten. Meine Aufnahmen erstreckten sich ın jenem Jahre über die Messtischblätter Zorge, Walkenried und Nordhausen. Im Jahre 1864 fuhr ich fort Special-Aufnahmen auf den Blättern Heringen, Kelbra und Frankenhausen auszuführen, dann folgten 1865 Auf- nahmen auf den Blättern Sangerhausen, Artern, Stolberg und Harzgerode. Meine diesjährigen Arbeiten dehnen sich über die Blätter Zorge, Bennekenstein, Hasselfelde, Nordhausen und Stol- berg aus, und umfassen insbesondere auch das zuerst im Jahre 1862 mit unvollkommneren Hülfsmitteln in kleinerem Massstabe aufge- nommene Gebiet von Ilfeld und Neustadt am Hohenstein. Eine Vergleichung meiner diesjährigen mit der älteren unvollkommneren Aufnahme von 1862 dürfte zeigen, wie durch die im grösseren Maassstabe ausführbar gewesenen Verbesserungen und durch grössere Uebersichtlichkeit des Umnterschiedenen das geognostische Bild der Gegend wesentlich gewonnen hat. Von den Mitarbeitern be- nutzten zuerst Herr Dr. STEIN im vergangenen Jahre, dann die Herren LASPEYRES und L.ossENn in diesem Jahre für ihre Arbeiten gleichfalls Copieen oder lithographirte Blätter im Maassstabe von 1; 25000, während die Arbeiten der Herren ECK und GIEBELHAUSEN CXIX ebenso wie die früheren des Herrn Dr. BERENDT leider nur im Maassstabe von 1: 100000 ausgeführt werden konnten. Auch bei den Arbeiten der Erstgenannten hat sich herausgestellt, dass sie nur durch die Benutzung der Karten 1:25000 ihren Aufgaben zu genügen in den Stand gesetzt wurden, und dass wahrscheinlich eine vollständige Umarbeitung des Gelieferten erforderlich gewor- den wäre, wenn sie genöthigt gewesen wären, nur mit dem un- zureichenden Hülfsmittel der Karten in 1:1000C0 zu arbeiten. Der Umfang, welchen die Aufnahmen im Maassstabe von 1:25000 jetzt erlangt haben, und die Erfahrungen, welche ich darüber gemacht habe, ein wie grosses Gebiet tüchtige Mitarbeiter in diesem Maassstabe im Laufe eines Sommers zu verarbeiten im Stande sind, gestattet nunmehr die Frage in’s Auge zu fassen, ob eine Publication der geognostischen Aufnahmen im Maassstabe von 1:25000 wünschenswerth oder ausführbar sein könnte, und in welcher Schnelligkeit eine solche Publication vorschreiten könnte, wenn die Aufnahmen planmässig für diesen Zweck in Zukunft weiter zur Ausführung kommen. Dass eine mit möglichster Schärfe ausgeführte geognostische Aufnahme des Landes in dem grossen Maassstabe von 1: 25000 alle rein wissenschaftlichen Fragen, welche bei diesen Aufnahmen in Betracht zu ziehen und zu lösen sind, in viel eingehenderer und gründlicherer Weise zu fördern im Stande ist, als eine Auf- nahme, die sich auf die Benutzung der Karten in 1: 100000 be- schränken müsste, dürfte nach den gemachten Erfahrungen kaum in Frage zu ziehen sein. Theils durch die in neuerer Zeit so ausserordentlich vorgeschrittene Kenntniss von der gesetzmässigen specielleren Gliederung der sedimentären Formationen, theils durch die in gleicher Weise vorgeschrittenen schärferen Unterscheidungen plutonischer Gesteine nach ihreın Alter und ihrer Zusammensetzung haben sich die Anforderungen, welche die Wissenschaft jetzt an geognostische Karten zu machen hat, gegen früher so sehr ver- rückt, dass dem veränderten und vorgerückten Stande der Wissen- schaft auch der Maassstab der Karte folgen muss, wenn das Gleiche erzielt werden soll. Wenn geognmostische Karten, wie die des Königreiches Sachsen und die von Thüringen, welche von NAu- CXX MANN und CoTTaA bearbeitet wurden, als erste geognostische Karten deutscher Länder im Maassstabe von 1:100000 für ihre Zeit als mustergültige Arbeiten betrachtet werden konnten, so erscheinen sie jetzt als veraltete und unzureichende Darstellungen, aus welchen der Geognost über viele wichtigen Fragen, welche die Wissen- schaft jetzt behandelt, keine Aufklärungen erhält. Der Maassstab, welchen die sächsischen Geologen damals für ausreichend halten konnten, um alle in der Wissenschaft eingeführten geognostischen Scheidungen zur Anschauung zu bringen, würde jetzt nicht aus- reichen, wenn es darauf ankäme, die jetzt geforderte mindestens dreifache Zahl von Abtheilungen in allen Formationen durchzu- führen und in correcter Begrenzung darzustellen. Aber auch für technische und andere praktische Gesichtspunkte bietet eine geognostische Special- Aufnahme in grösserem Maass- stabe Vortheile dar, welche bei einer Aufnahme in kleinerem Maass- stabe nicht zu erreichen sind. Auf geognostischen Karten im Maassstabe von 1:25000 würde es möglich sein, mit Schärfe zu- gleich alle wichtigeren den Bergbau betreffenden Verhältnisse auf- zunehmen, so dass sie zugleich als übersichtliche Flötz- und Gang- karten dienen könnten. Es würde möglich sein, den Lauf der grösseren Stollen, und die Lage der wichtigeren Betriebsorte an- zuzeigen, die Grenzen der Grubenfelder, die Ausdehnung des in Abbau Befindlichen, des Abgebauten und des Unbauwürdigen, ebenso die Lage der Bohrlöcher, durch welche über die geognos- tischen Verhältnisse in grösserer Tiefe Aufschlüsse gewonnen sind. Ferner köunen geognostische Karten in diesem grossen Maassstabe mit ihren zahlreichen Unterscheidungen schon als Anhalt benutzt werden, wo die Aufsuchung nutzbarer Baumaterialien in Betracht zu ziehen ist; sie können dem Landwirthe, der geognostische Karten in kleinerem Maassstabe gleichgültig betrachtet, für die Beurtheilung der Bodenverhältnisse von Nutzen werden, weil es erst in diesem grossen Maassstabe möglich wird, überall den be- deckenden diluvialen und alluvialen, gleichmässig wie den älteren Gebilden, die auch unter wissenschaftlichem Gesichtspunkte erfor- derliche Sorgfalt zu widmen. Dieselben Gründe, welche die Aus- arbeitung geognostischer Special-Karten in dem grösseren Maass- CXXI stabe von 1:25000 nothwendig und nützlich erscheinen lassen, dürften selbstverständlich auch dafür sprechen, dass die Publication solcher Karten nicht nur wünschenswerth ist, sondern verdiente, als das eigentliche Ziel für die jetzt in Ausführung begriffenen geognostischen Arbeiten in der Provinz Sachsen hingestellt zu werden. Die Aufgabe, welche alsdann vorläge, würde sich wesent- lich unterscheiden von derjenigen, welche bisher für die Bearbeitung der geognostischen Karten im preussischen Staate und auch ander- wärts in Deutschland aufgefasst war.« Unmittelbar nachher wurden dem Oberberghauptmann KRUG von NıppA die in dem Berichte erwähnten Messtischblätter von BeyrRıcn und dem seit dem 1. Januar 1866 mit der Bearbeitung der Geschäfte der geologischen Landesaufnahme in der Ministerial- bergwerksabtheilung beauftragten Bergratı HAUCHECORNE vorge- legst und die Vortheile ihrer Veröffentlichung begründet. Schon am 12. December 1866 erfolgte dann die Genehmigung der Anträge in folgendem Erlass des Ministers für Handel etc. Grafen von ITZENPLITZ: »Ich bin damit einverstanden, dass für die herauszugebende Karte der Maassstab 1:25000 gewählt wird, da dieselbe aller- dings durch die Ausführung in so grossem Maassstabe neben einem höheren wissenschaftlichen Werthe zugleich eine allgemeinere Ver- wendung für technische und landwirthschaftliche Zwecke erlangen wird.« Diese Entscheidung war von weittragendstem Einfluss auf die Ziele und die fernere Grestaltung der geologischen Landes- aufnahme. Neben ihrem Werthe für die Wissenschaft und ihrem nie bezweifelten Nutzen für den Bergbau wurde ihre Bedeutung tür die wichtigsten Zwecke des wirthschaftlicheu Lebens anerkannt, und wurde sie hierdurch in die Reihe der für das Gemeinwohl nothwendigen Staatsaufgaben gestellt. Die ausserordentliche Erweiterung der Arbeiten durch die Einführung derjenigen Beobachtungs- und Kartirungsweise, welche der grosse Maassstab der Messtischlätter ermöglicht, sowie die Ausdehnung der Aufnahmen auf das ganze Land bedingten noth- wendig die Errichtung einer dieser grossen Aufgabe gewidmeten CXXLH besonderen Staatsanstalt, welche unter Erhaltung des alten Ver- bandes mit der Bergverwaltung am 1. Januar 1873 als Königliche geologische Landesanstalt und Bergakademie in’s Leben ge- treten ist. Diese Umgestaltung der Verhältnisse übte auch auf BEYRıcH’s weitere wissenschaftliche Thätigkeit und Lebensstellung einen sehr grossen Einfluss aus. Seine Beziehungen zu der Bergverwaltung waren seit seiner ersten Berufung für die schlesische Karte im Juni 1842 immer engere geworden. Schon durch einen Erlass vom 7. December desselben Jahres wurde ihm ein Arbeitszimmer in der Oberberghauptmannschaftlichen geognostisch-mineralogischen Sammlung eingerichtet und er beauftragt, zugleich mit der Unter- suchung der von ihm aus den Aufnahmen mitgebrachten Versteine- rungen und Gresteinen auch die der genannten Sammlungen zu übernehmen. Im Jahre 1545 war ihm sodann die Ordnung und Katalogi- sirung der Sammlungen aufgetragen worden, welcher er sich mit zewohnter Sorgfalt unterzog. Am 11. Mai 1855 wurde er zum Custos der Sammlungen ernannt. Nach einer anderen Richtung hin wurde BEYrRIcH’s Thätig- keit für die Bergverwaltung dadurch in Anspruch genommen, dass ihm am 18. April 1857 die Ertheilung des Unterrichts in der (Greognosie und Versteinerungskunde an die in der Ausbildung für den Staatsdienst der Bergbehörden begriffenen Studirenden übertragen wurde. Seit der am 1. September 1860 erfolgten Gründung der Königlichen Bergakademie in Berlin pflegte er die Vorlesung über Geognosie in dieser Lehranstalt gleichzeitig für die Studirenden der Universität und diejenige über Versteinerungs- kunde in letzterer gleichzeitig für die Bergakademie zu halten. Erst seit dem Einzuge in das Museum für Naturkunde hat er beide Vorlesungen in dessen Hörsaal abgehalten. In Verbindung mit seinem Lehramte wurde er im Jahre 1864 zum Mitgliede der Prüfungs-Commission für die Bergreferendarien- Prüfung ernannt, welcher er bis zu seinem Lebensende seine Thätigkeit mit Vorliebe widmete. In seinem Verhältniss zur Universität wurde BEYRICH am COXXII 26. Juli 1846 zum ausserordentlichen Professor ernannt. Erst am 20. November 1857 erlangte er eine feste Anstellung am mine- ralogischen Museum der Universität. Bis zum October 1856 hatte die ganze Leitung desselben in den Händen von CHR. Sam. WEISS gelegen. Nach dessen Tode wurden Gustav Rose die Direction des Museums, BEYRICH die Stelle des zweiten Beamten und die Leitung der paläontologischen Abtheilung übertragen. Nachdem er am 22. Februar 1865 zum ordentlichen Professor ernannt worden, fiel ihm nach G. Rose’s Tode ım Juli 1873 die Stelle des ersten Directors des Museums zu. Als gegen Ende des Jahres 1866 die oben erwähnten Ent- schliessungen über die Neugestaltung der geologischen Landes- untersuchung gefasst waren, handelte es sich darum, BEYRICH’s Stellung gegenüber dieser auf der einen und der Universität auf der anderen Seite in definitiver Weise zu ordnen. Dies geschah nach einer im Mai 1867 herbeigeführten Verständigung der Mi- nister für Handel und für das Unterrichtswesen in der Weise, dass nach dem Wunsche des Ersteren BEYRICH die wissenschaft- liche Leitung der geologischen Aufnahme und Kartirung des Preussischen Staates übertragen wurde und Letzterer sich damit einverstanden erklärte, dass derselbe von der Abhaltung von Vor- lesungen für die Sommersemester entbunden wurde, um sich während der Sommermonate ganz der Landesuntersuchung widmen zu können. Ein Abkommen hierüber wurde mit BEYRICH am 12. März 1868 abgeschlossen. Nach der Errichtung der geolo- gischen Landesanstalt änderte sich dies dahin, dass BEYRICH am 5. Juli 1875 unter Verleihung des durch deren Statut für den Leiter der wissenschaftlichen Arbeiten der geologischen Landes- aufnahme vorgesehenen Amtes des zweiten Directors der Anstalt bei dieser etatsmässig angestellt wurde. Er ist in diesem Amte bis zu seinem Lebensende thätig ge- wesen. Seine Wirksamkeit in demselben war eine überaus segens- reiche. Während er früher bei der Herstellung der Uebersichtskarte von Niederschlesien den bei weitem grössten Theil des geologischen CXXIV Bildes ganz nach eigenen Aufnahmen geschaffen hatte, musste er sich als Leiter der Arbeiten für die geologische Specialkarte von Preussen und den Thüringischen Staaten darauf beschränken, die geologischen Verhältnisse der verschiedenen Arbeitsgebiete durch eigene Untersuchungen und durch Bearbeitung von einzelnen Theilen des Kartenwerkes genau festzustellen, die Mitarbeiter in seine Auffassung und Darstellungsweise einzuführen, ihre Arbeiten, für welche bei schwierigeren Verhältnissen besondere Instructionen ausgearbeitet wurden, zu überwachen und zu revidiren und sie der Vereinigung zu einem einheitlichen Ganzen entgegen zu führen. Diese Aufgabe war bei der immer zunehmenden Anzahl der mitwirkenden Arbeitskräfte eine sehr schwierige. Die ausser- ordentliche Erfahrung BEYRICH's, das Ergebniss seiner Forschungs- reisen und Arbeiten in allen Theilen Deutschlands, insbesondere auch seiner Untersuchungen für die Niederschlesische Karte, ver- lieh zwar seiner Beurtheilung oder Entscheidung in den Augen der Mitarbeiter eine sehr hohe Autorität. Es würde ihm aber mit dieser allein kaum eine so glückliche und erfolgreiche Lösung seiner Aufgabe gelungen sein, wie er sie erreicht hat. Zu der- selben trugen in hohem Maasse seine Charaktereigenschaften bei. Seine Kritik war eine scharfe und strenge, aber stets sachlich und festbegründet. Sein freundliches Wesen im persönlichen Ver- kehr erleichterte ihm die Vermittelung abweichender Auffassungen und gewann ıhm das Vertrauen seiner Mitarbeiter, welche ihn als ihren untrüglichen Berather anerkannten und ihm ausnahms- los auf's wärmste zugethan waren. So entstand ım Kreise der Geologen der Anstalt eine freudige Gemeinsamkeit der wissen- schaftlichen Arbeit, welche für deren Ergebnisse von günstigstem Einfluss war und den Erfolg sicherte. Die erste Lieferung der geologischen Specialkarte über die Gegend von Nordhausen am Südrande des Harzes, wurde im Jahre 1870 veröffentlicht. Von ihren 6 Blättern sind Zorge und Ellrıch von BEYRICH alleın bearbeitet, Bennekenstein und Stol- "berg von ihm in Gemeinschaft mit Cart Lossen, Nordhausen von BEYRICH und Eck, Hasselfelde von Lossen allein. Von den 1876 erschienenen 6 Blättern der 8. Lieferung über die Gegend CXXV von Sontra hat Beyrıch das Blatt Sontra mıt MoESTA bearbeitet, von den 1880 erschienenen 6 Blättern der 16. Lieferung über die Gegend von Harzgerode die Blätter Harzgerode, Wippra und Schwenda mit Lossen, MOoESTA und WEISS, von den 1884 aus- gegebenen 9 Blättern über das Kyffhäuser-Gebiet die Blätter Frankenhausen, Sangerhausen, Kelbra und Heringen mit MoESTA, Blatt Artern mit E. KAYser. Der ausserordentliche Fortschritt, welcher für die geologische Wissenschaft wie für deren Nutzanwendung für das praktische Leben durch die von der geologischen Landesanstalt eingeführte Methode der Landesaufnahme gewonnen worden ist, hat sehr bald allgemeine Anerkennung gefunden. In den meisten der deutschen Länder ist man dem Beispiele Preussens gefolgt und hat die Her- stellung einer geologischen Specialkarte im Maassstabe 1 :25000 als eine ım Interesse der Landescultur ebenso sehr wie der Wissenschaft zu erfüllende Aufgabe in Angriff genommen. Neben den bisher besprochenen Verdiensten BEYRICH's um die geologische Erforschung des vaterländischen Bodens ist ın gleich anerkennender Weise derjenigen Erwähnung zu thun, welche er sich auf rein wissenschaftlichem (Gebiete erworben hat. Ueber dieselben sagt DAMES, der ohne Zweifel mit den wissenschaft- lichen Arbeiten Breyricns am meisten Vertraute, in der bereits oben erwähnten Gedächtnissrede in der Berliner Akademie: »In der am 6. ‚Juli 1854 an dieser Stelle gehaltenen Antritts- rede hebt BEYRICH hervor, dass er mehr an den engeren Boden Deutschlands gebunden sei, und die Akademie namentlich Arbeiten auf diesem Grebiet, von denen er hoffe, dass sie brauchbar sein würden, zu erwarten habe. Das hat er, soweit es Geologie betrifft, getreulich innegehalten, denn in der That bezieht sich seine geo- logische Thätigkeit lediglich hierauf. Als Palaeontologe dagegen hat er sich keine Grenzen irgend welcher Art gesteckt und ist über das in derselben Rede ausgesprochene Ziel, die Palaeontologie als eine geologische Geschichte der Organismen zu behandeln, hinausgegangen, indem er auch die rein zoologisch-systematische Seite stets im Auge behielt. (remeinsam allen seinen palaeontologischen Arbeiten ıst die CXXVI eingehendste Berücksichtigung der Literatur, die historische Ent- wickelung der verschiedenen Systeme und Auffassungen und im engsten Zusammenhang damit die Ausübung mitunter scharfer, doch stets gerechtfertigter und wohl begründeter Kritik. F. ROEMER hat einst ausgesprochen, dass für ıhn die Vielseitigkeit und Sorg- falt der Beyrich’schen Thätigkeit erst in zweiter Reihe stünde hinter seiner Kritik. Durch sie sei so manches Schiefe und Irrige in der Geologie und Palaeontologie im Keime erstickt worden, was sich ohne sie lange Zeit darin breit gemacht haben würde. Freilich hat diese Neigung zur Kritik ihm auch manchen Fach- genossen entfremdet und mehrfach zu unrichtiger Beurtheilung seines Charakters geführt. Die Wahl des zu untersuchenden Materials wurde wesentlich beeinflusst durch die Zugänge der palaeontologischen Sammlung des Königl. Mineralienkabinets, welche unter ıhm aus sehr be- scheidenen Anfängen zu einer der bedeutendsten, wenigstens auf dem Gebiete der Wirbellosen, herangewachsen ist. So erklärt sich die bunte Vielseitigkeit der Arbeiten, aus der zwei Gruppen von allgemeinerer Bedeutung hervorragen. Die eine ist die über Ammoniten der Trias, in denen er, abgesehen von der Aufstellung mancher neuer Arten, zuerst den Zusammenhang mit denen der Juraformation nachwies und so die Kluft überbrückte, welche bis dahin bestanden hatte. Vor allem verdanken wir ihm auch auf diesem Gebiet die genaueste Bearbeitung unserer heimischen Muschelkalk-Ammoniten, deren Beziehungen zu alpinen Formen er zuerst darlegte. — Ein anderes Capitel der Palaeontologie, auf das er wahrscheinlich durch -JJOHANNES MÜLLER gelenkt wurde, sind die Crinoiden, namentlich seine Untersuchungen über deren Basis, welche zu wichtigen, bis in die neueste Zeit fortgesetzten Studien Anregung gaben. Seine Arbeit über die Urinoiden des Muschelkalks kann für alle Zeit an Gründlichkeit und Klarheit als Muster einer palaeontologischen Monographie gelten. Diese grösseren Arbeiten über Wirbellose haben die kleineren über Wirbelthiere, so über Orthacanthus und Xenacanthus, über Ceratodus u. a., über Semnopithecus etwas in den Hintergrund CXXVI sedrängt, doch mit Unrecht, denn keine von ihnen entbehrt eines interessanten Ergebnisses. Neben allen diesen Untersuchungen zieht sich durch BEYRICH’s ganze lange wissenschaftliche Thätigkeit die Beschäftigung mit der norddeutschen Tertiärformation hin. Seit L. von Buch in den vierziger Jahren die ersten marinen Oonchylien von Hernis- dorf bei Berlin heimbrachte und BEYRICH zur Bearbeitung über- liess, ıst sein Interesse an dieser Formation nie mehr erkaltet. Zunächst begann er auf längeren Reisen die einzelnen Aufschlüsse zu studiren und möglichst reiches Material an Petrefacten zu- sammen zu bringen. Eingehende Bearbeitung desselben, auch durch seine Schüler, und Vergleiche mit benachbarten Tertiär- gebieten, wie Belgien und Frankreich, liessen ıhn zu der Ueber- zeugung kommen, dass die von UHARLES LYELL vorgeschlagene Eintheilung der Tertiärformation ın die drei Abtheilungen des Eocän, Miocän und Pliocän in unserer norddeutschen Tiefebene undurchführbar sei, und dass zu einer naturgemässen Gliederung die Einfügung eines vierten Horizontes, der zwischen Eocän und Miocän einzuschieben sei, erforderlich wäre. Er nannte ıhn Oli- gocän und wies das Vorhandensein desselben auch für ganz Nord- west-Europa nach. Man hat sich ausserhalb Deutschlands Jahr- . zehnte lang gegen die Annahme des ÖOligocän gesträubt, heute fehlt das Oligocän in keiner Uebersicht der Tertiärformation, von welchem Lande auch die Rede sein mag. Weitere Untersuchungen der Oligocän-Fauna liessen erkennen, dass eine weitere Einthei- lung wohl durchführbar sei, und so konnte er ın seiner bedeutend- sten Abhandlung, welche er in den Schriften der Akademie ver- öffentlicht hat, 1855 eine Dreitheilung in Unter-, Mittel- und Ober-Oligocän auf einer Uebersichtskarte zur Darstellung bringen, welche von der Ostgrenze Preussens bis nach Belgien und Holland reicht. Um diese seine geologischen Untersuchungen auch palae- ontologisch zu begründen, begann er noch vor Aufstellung des Oligocän eine Monographie der in ihnen enthaltenen Mollusken, zunächst der Gastropoden. Neben der gewissenhaftesten Beschrei- bung der vielen neuen Arten und ihrer Abgrenzung von ver- CXxVII wandten hat er hierin auf die Wichtigkeit mancher bisher kaum beachteter Merkmale hingewiesen, wie auf die Embryonalwindungen. Leider ist diese Monographie, wie so manches andere, unvollendet geblieben. Diejenigen Arbeiten endlich, die aus Beobachtungen auf Studienreisen entsprangen, beziehen sich zumeist auf die Alpen. In den sechziger Jahren beschäftigte ihn die Gegend von Vils und Füssen in den Algäuer Alpen, in welchen er zuerst das Auf- treten eines bis dahin nur aus Südtirol bekannten Horizontes der alpinen Trias, der Cassianer Schichten, nachzuweisen und eine weitere Gliederung der Lias- und Juraformation unter Zugrunde- legung der Deutung ihrer äusserst verwickelten Lagerungsverhält- nisse durchzuführen vermochte, Arbeiten, die für das \-erständniss des geologischen Baues der Ostalpen überhaupt von dauernder Bedeutung geblieben sind. Später besuchte er alljährlich die Süd- alpen in der Gegend von Vicenza und Recoaro. Hier hat er grössere Gebiete geologisch genau aufgenommen und namentlich die vicentinische Tertiärformation in Zusammenhang und VUeber- einstimmung mit der nordeuropäischen zu bringen versucht. Leider ist hierüber nichts veröffentlicht, und nur der, welchem Gelegen- heit geboten ist seine hinterlassenen Manuscripte und Karten ein- zusehen, sieht mit Staunen und Betrübniss, welcher reiche Schatz an Beobachtungen hier begraben, aber nicht mehr zu heben ist.« Noch in einer anderen Richtung hat BEYRICH sich um die geologische Wissenschaft und insbesondere um deren Förderung und Verbreitung in unserem deutschen Vaterlande in erfolgreichster Weise verdient gemacht. Ihm zumeist verdanken wir die Grün- dung der Deutschen geologischen Gesellschaft, die er im Verein mit dem Grafen von BEUST, L. von BUCH, VON CARNALL, EHREN- BERG, EWALD, GHIRARD, A. von HUMBOLDT, KARSTEN, MITSCHER- LICH, J. MÜLLER, G. RosE und UHR. Sam. WeIss im Sommer 1848 in’s Leben gerufen hat. Von dem Tage ihrer Constituirung, dem 29. December 1848, an bis zu seinem Lebensende hat er der Gesellschaft eine eifrige und thatkräftige Fürsorge gewidmet und ihrem Vorstande angehört, in welchem er von 1874 bis 1896, 23 Jahre hindurch als Erster Vorsitzender gewirkt hat. Eine OXxIX Reihe seiner wichtigsten Arbeiten sind ın der Zeitschrift ver- öffentlicht, welche weiter in den Sitzungsberichten eine sehr grosse Anzahl von Mittheilungen (165) über die mannichfaltigsten Gegen- stände aus allen Zweigen der geologischen Wissenschaften erwähnt. Wenn so, wie wir sagen, ERNST BEYRICH sich in allen Zweigen seiner erfolgreichen Thätigkeit durch die hervorragendsten Leistungen ausgezeichnet hat, so ist ihm dafür schon früh und in seiner ganzen Lebensdauer die höchste Anerkennung sowohl in den Kreisen der Wissenschaft als seitens der Staatsverwaltung zu Theil geworden. Schon am 15. August 1853 wurde er zugleich mit seinem Freunde JuLıus EwALp zum Mitglied der Akademie der Wissen- schaften gewählt, in welcher er im folgenden Jahre am 6. Juli, dem LeıisnITz’schen Jahrestage, seine Antrittsrede hielt. EHREN- BERG begrüsste ihn danach mit den Worten: »Sie, Herr BEYRICH, haben schon neue geologische Glieder in dem norddeutschen, scheinbar wenig gegliederten Flachlande aufsefunden und in reicher Ausdehnung auch in der Nähe Berlins festgestellt. Die gründ- liche, ernste und anspruchslose, aber kräftige Art Ihrer For- schungen hat die Aufmerksameit der Akademie Ihnen längst zu- sewendet. Ein schöner, die jungen Kräfte mitentwickelnder ‚Verein für Geologie ist von Ihnen in Berlin hauptsächlich ge- gründet.« Von der Staatsregierung wurde er in Anerkennung seiner Thätigkeit bei der geologischen Landesaufnahme am 29. Sep- tember 1876 zum (Greheimen Bergrath ernannt. Am 22. Januar 1882 wurde ıhm der Rothe Adlerorden Ill. Classe mit der Schleife. am 23. Januar 1887 der Kronenorden I. Classe verliehen. Bei der Feier seines 50 jährigen Doctor-Jubiläums am 12. April 1887 wurde ihm die hohe Auszeichnung der Verleihung der Grossen goldenen Medaille für Wissenschaft zu Theil, die ihm eine besondere grosse Freude und Befriedigung gewährt hat. Der Seiner Majestät dem Kaiser vorgelegte Bericht der Minister der öffentlichen Arbeiten und der Unterrichts- Angelegenheiten be- gründet den Verleihungsantrag u. a. in folgenden Worten: »In allen seinen Stellungen ist er durch treue und erfolgreiche Jahrbuch 1896. 1 CXXX Pflichterfüllung stets bewährt befunden. Von der anregenden Wirkung seiner akademischen Vorträge legen zahlreiche Zuhörer dankbares Zeugniss ab; die Begründung und das Aufblühen der Geologischen Landesanstalt ist zum Theil sein Werk; und die palaeontologische Sammlung der Universität ist durch ihn von un- scheinbaren Anfängen zu europäischer Bedeutung erhoben worden. Ganz besonders hervorragend aber sind seine Verdienste um die Förderung der Geologie, indem es ihm beschieden war, zuerst die geologischen Verhältnisse der Provinzen Schlesien, Sachsen und der Mark Brandenburg wissenschaftlich zu erschliessen und durch die darauf bezüglichen mustergültigen Publikationen einen fruchtbaren und bahnbrechenden Einfluss weit über die Grenzen seines Vaterlandes hinaus auszuüben.« Als ein Zeichen des hohen Ansehens bei den Geologen nicht nur Deutschlands sondern aller Länder, dessen BEYRICH sich er- freute, ist zu erwähnen, dass ihm von dem internationalen Geo- logen-Congress zu Bologna im September 1881 die Leitung der Arbeiten für eine internationale geologische Karte von Europa an erster Stelle mit übertragen wurde. Bei einer späteren Versammlung des internationalen Geologen- Uongresses, welche zu Zürich im Spätsommer 1894 stattfand, ist ihm dann eine letzte Ehrung durch diese Vertretung der geolo- gischen Forschung in allen Ländern der Erde bereitet worden, welche sein Herz sicherlich freudiger bewegt hat als alle früheren Auszeichnungen. Die Sitzung vom 31. August fiel auf den 80. Geburtstag Beyrıc#’s. In derselben ergriff der Professor ALBERT HEIM das Wort zu folgender Ansprache: »Meine geehrten Herren und lieben Collegen! Erlauben Sie mir für einen kurzen Augenblick den Verlauf unserer Verhand- lungen zu unterbrechen und die Erwähnung einer Thatsache ein- zuschalten, welche allerdings privater Natur ist, uns aber alle leb- haft bewegt! Heute stehen wir am 80. Jahrestage, da ein neugeborenes Knäblein im der Wiege lag, aus dem ein grosser Geologe voll Hingebung an seine Wissenschaft geworden ist. Mehr als ein CXXXI halbes Jahrhundert lang haben seine gediegenen Arbeiten den Gang unserer Wissenschaft beeinflusst. Eine grosse Zahl der Anwesen- den nennen sich stolz seine Schüler. Im Jahre 1885 war er der Präsident des III. Internationalen Geologencongresses ın Berlin. Unser ErNnsT BEYRICH feiert heute in unserer Mitte seinen 80. Ge- burtstag! Hochverehrter Jubilar! Im Namen der in Zürich versammelten Geologen aus allen Theilen der Erde, spreche ich Ihnen unseren Dank aus für alles, was Sie unserer geliebten Wissenschaft ge- leistet haben. Empfangen Sie unsere herzlichsten Glückwünsche zu Ihrem Geburtstage! Mögen Sie die schönen Früchte Ihrer Arbeit noch viele Jahre in bestem Wohlsein und Glück geniessen! Zum Zeugniss dessen, dass diese Gefühle und Wünsche zu dieser Stunde uns allen gemeinsam sind, ersuche ich sie, meine Collegen, sich von Ihren Sitzen zu erheben!« Die Versammlung erhob sich zu Ehren BeyrıcH's. Dann wurde ıhm von dem Töchterchen des Schweizerischen Vice-Präsi- denten HEIM ein schöner Kranz von Alpenblumen überreicht. BEYRICH antwortete darauf etwa in folgenden Worten: »Ich bin erfreut, dass ich den heutigen Tag in dem Lande feiern darf, wo ich meine ersten geologischen Reisen gemacht ‚habe. Es war ım Jahre 1839, dass ich mit meinem Freunde EwALp, empfohlen durch LEoroLD von Buch, nach der Schweiz kam, wo uns PETER MERIAN in St. Johann mit »Schweizerblut« bewirthete und uns dann den damals so berühmt werdenden Keuper zeigte. Dann sahen wir den Jura, besuchten AGassız, DesoR und seine Freunde ın Neuchätel, und wurden durch die- selben mit dem Glacialphänomen bekannt gemacht. Unsere Reise führte uns weiter nach Zürich, zu STUDER, nach Süd- Frankreich und Paris, und, obwohl es nur eine Schulreise sein sollte, so haben wir doch damals Manches mit nach Hause gebracht, was von grosser Bedeutung für unsere späteren Studien sein sollte. In- dem ich Ihnen meinen tiefgerührten Dank ausspreche für die mir erwiesene Aufmerksamkeit, rathe ich Ihnen: gehen Sie auch, wie ich es gethan habe, alle paar Jahre in die Berge der Alpen. Sie CXXXII werden sich körperlich und geistig erfrischen und werden sich selbst im hohen Alter jung erhalten.« Eine erfreulichere und ergreifendere Feier des Geburtsfestes am späten Abend eines reichen und glücklichen Lebens ist wohl nie begangen worden. Wie ın seinem Berufsleben, so ist BEYRICH auch in seinem menschlichen Leben eines reichen und reinen Glückes theilhaftig geworden. Seine Gemahlin, welche er am 14. Juni 1848 heim- führte, war die Nichte seines geliebten Lehrers UHR. SAM. WEISS, ÜLEMENTINE HELM, die bekannte Verfasserin zahlreicher, sehr be- liebter Erzählungen für die weibliche Jugend. Voller Verehrung und Liebe für ihren Gatten hat die geist- reiche und liebenswürdige Frau es verstanden, ihm eine verständ- nissvolle, beglückende Lebensgefährtin zu sein und ihm eine Häus- lichkeit zu bereiten, deren wohlthuender Eindruck den Freunden des Hauses unvergesslich ist. Nicht ganz zwei Jahre nach der Züricher Geburtstagsfeier ist ERNST BEYRICH aus unserer Mitte abberufen worden. - Wir trauern, dass wir ıhn verloren haben, aber wir preisen uns glücklich, dass wir ihn so lange haben besitzen dürfen. Schriftenverzeichniss. 1. In den »Abhandlungen« der Akademie der Wissenschaften in Berlin: Jahrg. 1837. Beiträge zur Kenntniss der Versteinerungen des Rheinischen Ueber- gangsgebirges. Heft 1 mit 2 lithogr. Tafeln. » 1845. Ueber einige böhmische Trilobiten. » 1846. Untersuchungen über Trilobiten. Als Fortsetzung zu der Abh. Ueber einige böhm. Tril. Mit 4 Tafeln. » 1854. Ueber die Lagerung der Kreideform. im Schles. Gebirge, gel. am 8./3. 54. Mit Karte. » 1855. Ueber den Zusammenhang der norddeutschen Tertiärbildungen, zur Erläuterung einer geol. Uebersichtskarte. S. 1—20. Maass- stab 1: 2200000. » 1857. Ueber die Crinoiden des Muschelkalks.. Mit 2 Tafeln. » 1860. Ueber Semnopithecus pentelicus. Mit 1 Tafel. CXXXII Jahrg. 1864. Ueber eine Kohlenkalk-Fauna von Timor. Mit 3 Tafeln. 1866. Ueber einige Cephalopoden aus dem Muschelkalk der Alpen und über verwandte Arten. Mit 5 Tafeln. Jahrg. 1847, $. 160. » D&D 2. In den »Verhandlungen« der Akademie der Wissenschaften zu Berlin: 1863, 1862, » 647. 1864, » 59, 1865, » 660. 1371, 1854, » 358. 1854, » 640. 1838, >». 54. 1860, » 349. 1861.20, 719. DD. In nn 2033. 187, >» 96: 1878, » 767. 1882, » 163. Ueber Auffindung alttertiärer Fossilien in den Thonlagern bei Berlin. (Von G. Rosz gelesen.) Antrittsrede als Mitgliod. Ueber die Stellung der hessischen Tertiärbildungen. Ueber die Abgrenzung der oligocänen Tertiärzeit. Ueber Semnopithecus pentelicus. Ueber Lias- und Jura-Bildungen in der Gegend von Füssen. Ueber das Vorkommen von St. Cassianer Versteinerungen bei Füssen. Ueber die Lagerung der Lias- und Jura-Bildunzen bei Vils. Ueber einige Trias-Ammoniten aus Asien. Ueber einige Oephalopoden aus dem Muschelkalk der Alpen und über verwandte Arten. Ueber die Basis der Urinoidea brachiata. Ueber jurassische Ammoniten von Mombassa. Hırvesranvr’s geologische Sammlungen von Mombassa. Ueber geognostische Beobachtungen G. Schweisrurrm’s in der Wüste zwischen Oairo und Su£z. der Zeitschrift der Deutschen geologischen Gesellschaft. » 103. » 153. » 567. 149. 210. I. Abhandlungen (A.). Nachricht von dem Erscheinen einer geologischen Karte Schlesiens. Ueber das sogenannte südliche oder Glätzer Uebergangs- gebirge. Ueber die Zusammensetzung und Lagerung der Kreide- formation in der Gegend zwischen Halberstadt, Blankenburg und Quedlinburg. Nachtrag dazu ibid. 5. 386. Mit Karte. Erläuterungen zu der geognostischen Karte der Umgegend von Regensburg. Mit Karte. Ueber die Beziehungen der Kreideformation bei Regensburg zum (Juadergebirge. Ueber einige organische Reste der Lettenkohlenbildung in Thüringen. Bemerkungen zu einer geognostischen Karte des nördl. Harz- randes von Langelsheim bis Blankenburg. Mit Karte. Bericht über die von Overwee auf der Reise von Tripolis nach Murzuk und von Murzuk nach Ghat gefundenen Ver- steinerungen. Mit 3 Tafeln. Die Conchylien des nordd, Tertiärgebirges. I. Stück. Mit 5 Tafeln, 10. 12. CXXXIV 1l. Bd. 6, 8.408. 726. Die Conchylien des nordd. Tertiärgebirges. II. und III. Stück. Mit 10 Tafeln. 13. » 8, » 21. 553. Die Conchylien des nordd. Tertiärgebirges. IV. und V. Stück. Mit 13 Tafeln. . Bd. 10, $.208. Ueber Ammoniten des unteren Muschelkalks. Mit 1 Tafel. .26, Anlage. Ansprache zam Gedenken des 25jährigen Bestehens der Deut- schen geologischen Gesellschaft (1848 — 1873). 29, S. 751. Ueber einen Pterichthys von Gerolstein. Mit 1 Tafel. 36, » 203. Erläuterungen zu den Goniatiten L. v. Buc#’s. II. Mittheilungen in den Sitzungsberichten (P.). ‚yRicH, über die geognostische Karte von Schlesien. P. — I. 400. über versteinerungsführende Thonlagen bei Fürstenwalde und Pietzpuhl. P. — 1.285. über eine geognostische Karte von Quedlinburg. P. — I. 247. über das Quadersandsteingebirge in Schlesien. P. — I. 390. - Labyrinthodonten aus der Lettenkohle von Neudietendorf. P. — II. 5. über mitteltertiäre Reste von Miechowitz bei Beuthen. P. — Il. 8. über Arthrophyllum, nov. gen. P. — II 10. Tertiärversteinerungen von Sylt. P. — II. 70. über Rıcurer’s Entdeekung von Nereiten u. Myrianiten bei Saalfeld. P. — II.70. über die pflanzenführenden Grauwacken Schlesiens. P. — II. 74. Bernstein bei Lemberg und Königsberg. P. — II. 75. e über Blattabdrücke und Braunkohlen im Mansfeldschen. P. — II. 170. über Gerölle des Wealden bei Berlin. P. — II. 170. über den Gyps bei Gernrode. P. — II. 174. Sigillaria Sternbergi aus Buntsandstein. P. — LI. 175. Petrefacten aus’ oberschlesischem Muschelkalke. P. — Il. 253. über eine geologische Karte von Salzbrunn. P. — Il. 266. marine Tertiärbildungen im nordöstlichen Deutschland. P. — II. 286. Sphenkrystalle und Beryll aus Schlesien. P. — II. 290. über Sanpeerser’s Anordnung der paläozoischen Cephalopoden. P. — III. 115. über Rıcnrer’s Phycodes. P. — II. 116. über Overwes’s geognostische Sammlung von Tripolis. P. — II. 117. über Tertiärbildung des nordöstlichen Deutschlands. P. — II. 211. neues Vorkommen des Magdeburger Sandes. P. — III. 216. Geognosie der Gegend südlich von Reinerz. P. — III. 376. Gerölle nördlich des Harzes. P. — Ill. 382. über die von Overwec zwischen Tripolis und Ghat gesammelten Gesteine und Versteinerungen. P. — IV. 8. Korallen und Schwämme im Muschelkalke ausserhalb der Alpen. P.— IV. 216, Ablagerungen mit lebenden Conchylienarten in Holstein. P. — IV. 498. über den Zechstein am nördlichen Harzrande. P. — IV. 505. Sternberger Kuchen bei Kunitz. P. — V. 7. Quader zwischen Goslar und Hildesheim. P. — V. 12. Jurageschiebe der Mark. P. — V. 618. marines Tertiärlager bei Leipzig. P, — VE: CXXXV Beyrıch, Faxökalkgerölle. P. — VI. 15. Schnecken im Kalktuff bei Canth. P. — VI. 253. Ammoniten von Rüdersdorf. P. — VI. 513. Graptolithen im schlesischen Gebirge. P. — VI. 258. 650. Anthracotherium von der Grube Ooncordia im Siegenschen. P. — VI. 7. tertiäre Conchylien aus einem Bohrloche bei Xanten. P. — VII. 300. Alter der schlesischen Braunkohlenbildungen. P. — VII. 300. Paludina in Diluvialbildungen bei Magdeburg. P. — VII. 449. tertiäre Conchylien von Neuss bei Düsseldorf. P. — VII. 452 und VIII. 10. Enerinus Carnalli von Rüdersdorf. P. — VII. 9. über die geologische Karte von Niederschlesien. P. — VIII. 14. 518. Alter der tertiären Rotheisensteine von Rothenburg a.d.S. P. — VIII. 309. 317. über Palaechinus rhenanus n.sp. P. — IX. 4. über Rhinoceros Schleiermacheri bei Ebsdorf. P. — IX. 16. tertiäre Gesteine von Ystadt im südlichen Schweden. P. — IX. 185. über paläontologische Vorkommnisse in der Trias der Provinz Sachsen. P. — 18.7376. tertiäre Oyprina bei Torgau. P. — IX. 379. über die Kalktufffauna von Parchwitz. P. — IX. 534. Rothliegendes, Melaphyre und Porphyre von Hirschberg. P. — X. 12. Encrinus gracilis von Krappitz. P. — X. 91. über einen Labyrinthodontenschädel. P. — X. 226. Ammonites dus von Rüdersdorf. P. — X. 229. Ammonites antecedens bei Rüdersdorf. P. — XI. 3. tertiäre Conchylien bei Berlin. P. — XI. 9. Unterscheidung von Goniatiten und Clymenien. P. — XI. 139. über Podocrates in der norddeutschen Kreide. P. — XI. 197. über Ammonites dux. P. — XI. 346. Tertiärblock östlich der Oder. P. — XII. 170. Tholodus Schmidi von Rüdersdorf. P. — XII. 183. Ennerinus Carnalli von Rüdersdorf. P. — XII. 563. Posidonien in baltischen Juragesteinen. P. — XIII. 143. Bivalven aus dem westphälischen Kohlengebirge. P. — XIII. 146. über Ammonites Jason. P. — XIII. 353. zwei aus dem deutschen Muschelkalke noch nicht bekannte Avicula-artige Muscheln. P. — XIV. 9. Gebirgsarten und Versteinerungen von Koepang auf Timor. P. — XIV. 537. rother quarzführender Porphyr westlich von Ilfeld am Harz. P. — XV. 16. Lagerungsverhältnisse des Melaphyrs und Porphyrits am Netzberg bei Ilfeld. P. - XV. 458. über Rüdersdorfer Ammoniten. P. — XVI. 181. Fauna des productiven Steinkohlengebirges. P. — XVI. 5. Schaumspath am Harz. P. — XVI. S. über Crinoiden. P. — XV]. 359. über Leaia Leidyi. P. — XVI. 363. alpiner Muschelkalk. P. — XV. 7. CXXXVI Bzyrıcn, über den Kyffhäuser. P. — XVII. 263. Zusammensetzung des Rothliegenden am Harz und Kyffhäuser. P. — XVII. 445. Nekrolog auf Panper und Hagenow. P. — XV 1. marine Diluvial-Fauna im Weichselgebiet und devonisches System bei Mägde- sprung. P. — XVII. 16. Carcharodonzahn von Freienwalde P. — XVII. 388. Rauchwacken des südlichen Harzrandes.. P. — XVII. 391. Alter der Kalksteine von Zorge und Wieda am Harz. P. — XIX. 247. marine Öonchylien im Diluvium von Meve in Preussen. P. — XIX. 251. geologische Karte der Provinz Preussen. P. — XX, 213. Stringocephalenkalk bei Elbingerode. P. — XX. 216. Neritina fluviatilis im Diluviallehm von Rixdorf bei Berlin. P. — XX. 647. Oypridinenschiefer bei Elbingerode. — XX. 650. Säugethierreste aus der Quartär-Formation des Hochthales von Mexico. P. — AXT. 749: über den Muschelkalk in der Gegend von Saarbrücken. P. — XXI. 489. Zusammenvorkommen von Calceola sandalina und Stringocephalus Burtini in Nassau und über die geologische Karte der Provinz Preussen. P. — XXI. 707. Graptolithen im Harz. P. — XXI. 832. über Pugeniacrinus. P. — XXI. 835. über Rhizocrinus lofotensis Sars. P. — XXII. 186. über in ein glimmeriges Mineral umgewandelte Feldspathkrystalle in Por- phyrgeröllen aus dem Rothliegenden bei Ilfeld. P. — XXI. 767. Zechstein im Harz und Thüringen. P. — XXI. 775. Geologische Karten. P. — XXIU. 777. Graptolithenschiefer in Thüringen. P. — XXIII. 782. über Ammoniten von Lothringen. P. — XXIV. 597. über Janassa von Mansfeld. P. — XXIV. 597. über Graptolithenschiefer bei Saalfeld. P. — XXIV. 597. über Stollenproflle von Sangerhausen. P. — XXIV. 596. Stollenprofile von der Segen-Gottes-Grube bei Sangerhausen. P. — XXV. 115. Echinosphaerites von Gräfenthal. P. — XXV. 115. über spanische Posidonomyen. P. — XXV. 115. Brief G. Sınpsercer’s über spanische Posidonomyen. P. — XXV. 353. geognostische Beobachtungen bei Reeoaro.. P. — XXV. 577. über die geologische Aufnahme Norddeutschlands. P. — XXV. 768. über Schichtenentwickelung bei Schwadowitz und Radovenz. P. — XXVl. 369. über Kohlen und paläozoische Ablagerungen auf Bornholm. P. — XXVI. 614. über Pterichthys. P. — XXVI. 943. über Haver’s Geologie von Oesterreich. P. — XXVII. 252. über die Parallelisirung der Muschelkalk- Ablagerungen von Ampezzo und Recoaro. P. — XVII. 470. über das tertiäre Alter der Bernstein-führenden Schicht zu Neustadt-Ebers- walde. BD. EX TE2G: über Ammoniten in der vicentinischen Trias. P. — XXVI. 727. über vordevonische Schichten im rheinischen Schiefergebirge. P. — XXVI. 732, CXXXVU Beyrıcn, über Cyrena aus dem Mergel bei Teutschenthal. P. — XXVIl. 958. über polirte und gefurchte Oberflächen an Gesteinen aus den afrikanischen Wüsten. P. — XXVIL. 160. über glaukonitische Schichten im norddeutschen Tertiär. P. — XXVII. 163. über die Tertiärbildungen der Gegend von Fulda. P. — XXVI. 418. über die jurassischen Schichten von Schonen und Bornholm. P. — XX VIII. 424. über die geognostischen Verhältnisse der Umgegend von Kissingen. P. — XXVOI 628. über Aufschlüsse des Lias im Bohrloch bei Cammin. P. — XXXVIII. 647. über Coccosteus-Reste aus dem Goniatitenkalk von Bicken. P. — XXXVIIT. 668. über die sog. Wissenbacher Schiefer im Harz. P. — XXXVII. 668. über Geschiebe von pyramidaler Gestalt. P. — XXIX. 206. über Zechstein und Devon im Bohrloch bei Purmallen. P. — XXIX. 423. über die Gliederung der Schichten zwischen dem grauen Kalk und dem rothen .\mmonitenkalk im westlichen Süd-Tirol. P. — XXIX. 655. über jurassische Ammoniten von der Ostküste Afrikas. P. — XXIX. 636. über die geognostische Karte vom Kyffhäuser und dessen weiterer Um- gebung. P. — XXIX. 638. über Mastodon-Arten von Fulda. P. — XXIX. 858. über Ammoniten (Planulaten) von Mombassa an der Ostküste von Afrika. BE RRX: 919: geologische Erläuterung der Gegend von Glitschdorf am Queiss. P. — XXX. 221. über Ammonites iphicerus und das Wesen des Aptychus. P. — XXX. 370. über die Tertiärbildungen von Belluno und Serravalle.. P. — XXX. 532. Nekrolog auf Dr. L. Mern. P. — XXX. 682. Vorlage der von Herrn Dr. Reyer angefertigten Modelle zur Erläuterung seiner vulcanologischen Theorien. P. — XXXT. 208. die Entwickelung der Kreideformation in Ost-Aegypten. P. — XXXI. 435. die Jura-Formation in den Central-Apenninen. P. — XXXI. 635. über das Braunkohlenlager von Wienrode am Nordrande des Harzes. P. — XXXI. 639. Vorlage eines Exemplars Zncrinus Carnalli von Meiningen. P. — XXXI. 654. über die Zurechnung der Wealden-Bildungen zur Kreideformation. P. — XXXIL 663. über das Vorkommen von Homalonotus in den Wissenbacher Schiefern des Harzes. P. — XXXIIE 518. genereller Bericht über den internationalen geologischen Congress in Bo- lona pP. — XXX 699. über das Vorkommen von Zinkblende im oberen Muschelkalk bei Thale. P. — XXXII. 700. Dolomit im Wellenkalk bei Kissingen. P. — XXXIV. 073. die allgemeine Versammlung in Meiningen. P. — XXXIV. 814. die Versammlung französischer Geologen in Foix. P. — XXXIV. 814. Schwerspathkugeln im Gault von Vils. P. — XXXV. 398. Krone von Encrinus Carnalli von Kösen. P. — XXXV. 8372. gekritzte Geschiebe aus dem Mansfelder Rothliegenden. P. — XXXVI. 185. CXXXVII Beykıch, jurassisches Geschiebe bei Stettin. P. — XXXVI. 404. Bd Bd. Bd. über junge Individuen von Posidonomya Becheri. P. = XXX VI 404 über Placuna (?) miocenica von der Oase des Jupiter Ammon. P. — XXXVI. 404. über Pecten multicostatus. P. — XXXVI. 8%. über das Diluvium am Nord- und Südrande des Harzes. P. — XXXVII. 1035. über Geschiebe von Mittenwalde, ähnlich dem »grauen Sternberger Gestein« P. — XXXVIO. 245. über Zlephas antiguus und Rhinoceros leptorrhinus von Rixdorf. P. — XXXVIHO. 462. über Ammonites planicosta von Swinerhöft (Wollin). P. — XXXVIH. 481. über die Gliederung des Rothliegenden. P. — XXXVII. 699. 4. In Karsten’s Archiv: 12 (1839). Ueber die Kreideformation im südlichen Frankreich. (Aus einem Schreiben des Herrn J. EwauLp und E. Berrıcn an Herrn Weiss. Paris, 29. December 1838.) 18 (1844), S.3. Ueber die Entwickelung des Flötzgebirges in Schlesien. (Fussnote des Verf.: Enthält das allgemeine Resultat von Beob- achtungen, welche der Verf. auf zwei im Spätsommer und Herbst der Jahre 1542 u. 1843 ausgeführten Reisen durch Schlesien und die nächst angrenzenden Gebirgsdistrikte Mährens, Galiziens und des Königreichs Polen zu machen Gelegenheit hatte.) 22, S. 3. Zur Kenntniss des tertiären Bodens der Mark Brandenburg. 22, » 646. Ueber zwei Fische (Xenacanthus Decheni u. Holacanthıodes gracilis) aus der Formation des Rothliegenden in Norddeutschland. (Aus den Monatsberichten der Berliner Akademie. Januar 1848.) [IS n se au ae Personal-Verhältnisse bei der Königl. Preuss. geologischen Landesanstalt und Bergakademie am 1. October 1897. Kuratorium. FREUND, Oberberghauptmann, Director der Abtheilung für das Dr. Berg-, Hütten- und Salinenwesen im Ministerium für Handel und Gewerbe. BAMMELSBERG, Professor, Geheimer Regierungsrath. LEUSCHNER, Geheimer Bergrath. W. HAUCHECORNE, Dr. phil., Geheimer Oberbergrath. Vorstand. . HAUCHECORNE, Dr. phil., Geheimer Oberbergrath, Director der Gresammtanstalt. Bei der geologischen Landesaufnahme. A. Landesgeologen. . BERENDT, Dr. phil., Geheimer Bergrath, ausserordentl. Professor an der Universität, mit der speciellen Leitung der Flachlandsaufnahmen beauftragt. . GREBE in Trier. . LoRETZ, Dr. phil. . WAHNSCHAFFE, Dr. phil., Professor, Privatdocent an der Universität, zugleich Lehrer der Geologie bei der Berg- akademie, 6. E. I K. OXL DATHE, Dr. phil. BEYSCHLAG, Dr. phil., Professor, zugleich beauftragt mit Vorträgen über Geognosie und Lagerstättenlehre bei der Bergakademie. KEILHACK, Dr. phil. Tr. EBERT, Dr. phil., Professor, zugleich beauftragt mit Ab- S 2 Rx SREHAEHWOOP haltung palaeontologischer Repetitorien und Uebungen bei der Bergakademie. B.. Bezirksgeolooen:. . KocH, Dr. phil., zugleich beauftragt mit Vorträgen über Petrographie und mikroskopische Physiographie der Mine- ralien bei der Bergakademie. . SCHRÖDER, Dr. phil. ZIMMERMANN, Dr. phil. BPPEA, Dr, phul: . BEUSHAUSEN, Dr. phil. . MÜLLER, Dr. phil. C. Hülfsgeologen. JENTZSCH, Dr. phil., Professor, Privatdocent an der Uni- versität in Königsberg ı. Pr. KLegs, Dr. phil., in Königsberg ı. Pr. . Poronik, Dr. phil., zugleich beauftragt mit Vorträgen über Pflanzenversteinerungskunde bei der Bergakademie. . DENCKMANN, Dr. phil. GAGEL, Dr. phil. . AEISE, Dr. phil. Künn, Dr. phil. . SCHULTE, Dr. phil. . KruscH, Dr. phil. KAUNHOWEN, Dr. phil. . SCHMIDT, Dr. phil. MICHAEL, Dr. phil. . MAAS, Dre phil, OVXLI D. Assistenten. 1. J. Korn, Dr. phil. 2. W. Worurr, Dr. phil. E. Nicht angestellte Mitarbeiter. 1. K. von FRITScH, Dr. phil., Geheimer Regierungsrath, ordentl. Professor an der Universität ın Halle a. 8. 2. A. von KoENEnN, Dr. phil., Geheimer Bergrath, ordentl. Pro- fessor an der Universität in Göttingen. 3. E. Kayser, Dr. phil., ordentl. Professor an der Universität in Marburg. 4. H. Bückine, Dr. phil., ordentl. Professor an der Universität in Strassburg ı. E. 5. H. GRUNER, Dr. phil., Professor an der landwirthschaftlichen Hochschule in Berlin. 6. E. HoLZAPFEL, Dr. phil., Professor an der technischen Hoch- schule in Aachen. =] W. FRANTZEN, Bergrath, Bergingenieur ın Meiningen. 8. F. KLocKMANN, Dr. phil., Professor an der Bergakademie in Clausthal. F. Vorsteher des Zeichnerbüreaus für die Flachlands- aufnahmen. TH. WÖLFER, Dr. phil., Kulturtechniker. Bei der Bergakademie. A. Lehrer. 1. R. FINKENER, Dr. phil., Geheimer Bergrath, Professor, Lehrer der Öhemie, Vorsteher des Laboratoriums für Mineral- analyse. 2. B. KeERL, Professor, Geheimer Bergrath, Lehrer der allge- meinen Hüttenkunde, der chemischen Technologie und der Löthrohrprobirkunst. 3. H. Wenping, Dr. phil., Professor, Geheimer Bergrath, Lehrer der Eisenhüttenkunde und Eisenprobirkunst. 10. LT. Su en u. PRO CXLII . Hörmann, Professor, Lehrer der Mechanik, der Maschinen- lehre und der metallurgischen Technologie. . SCHNEIDER, Professor, Lehrer der Markscheide- und Mess- kunst. . FRANKE, Professor, Lehrer der Bergbau- und Salinenkunde und der Aufbereitungskunde. . SCHEIBE, Dr. phil., Professor, Lehrer der Mineralogie, zugleich betheiligt bei den geologischen Aufnahmearbeiten . in Thüringen. . KÖrTTeEr, Dr. phil., Professor, Lehrer der höheren Mathe- matik. (1-- 8 etatsmässig angestellt.) . EskEns, Geheimer Oberbergrath, Lehrer des Bergrechts. . GEBAUER, Geheimer Bergrath, Lehrer der Bauconstructions- lehre. . BRELOW, Regierungsrath, Lehrer der darstellenden Geo metrie, des Zeichnens und Üonstruirens. . PurAaHL, Dr. phil., Lehrer der Probirkunst, der- Gas- analyse und der Elektrometallurgie. (9 — 12 nicht etatsmässig angestellt.) B. Chemiker. . ToussAaıInT, erster Assistent in dem Laboratorium für Mineralanalyse. . WÖLBLING, zweiter Assistent daselbst. . Gans, Dr. phil., . Krüss, Dr. phil., . LINDNER, Dr. phil., | | für Analysen ım Interesse der Landes- \ untersuchung. Bei der Chemisch -technischen Versuchsanstalt. Director: FINKENER, Professor Dr., s. o. Chemiker: | J. ROTHE (Erster Chemiker und Stellvertreter des Directors). TH. FIscHER, Dr. phil., 5. R. WAchE, Dr. phil., 1 2 3. 4 K. C. Haack, Dr. phil., 6. M. HOoHENSEE, VIRCHOw, Dr. phil., 7. C. Rapatv, Dr. phil. SS Sue an . So CXLHI Bibliothek. Vorstand: HAUCHECORNE, Ss. 0. Bibliothekar: O. EBERDT, Dr. phil. Verwaltung. R. WERNICKE, Rechnungsrath, Secretär und Rendant. E. OHmann, Zeichner. H. BRUCHMÜLLER, Secretär und Kalkulator. W. Pürz, Zeichner. K. BOENECKE, Secretär, Verwalter des Kartenarchivs. W. BOTTMER, Secretär und Registrator. TH. WÖLFER, Dr. phil., Kulturtechniker. de ng Tee T r Lu Eee 1» Abhandlungen von Mitarbeitern ‚der Königlichen geologischen Landesanstalt. Neue Gesteins-Aufschlüsse in Ost- und Westpreussen 13895 — 1395. Von Herrn Alfred Jentzsch in Königsberg i. Pr. (Hierzu Taf. I— IV.) I. Einleitung. In dem weiten Gebiete Ost- und Westpreussens treten, wie fast überall im norddeutschen Flachlande, vordiluviale Schichten nur an sehr wenigen Punkten und auf verschwindend kleinen Flächenräumen zu Tage. Die Kenntniss dieser vordiluvialen Schichten ist daher ganz vorwiegend auf künstliche Aufschlüsse angewiesen. Letztere entstehen gelegentlich beim Ausheben des Untergrundes grösserer Gebäude, Durchstichen für Eisenbahnen, Strassen und Canäle, Bohrungen zur Untersuchung des Baugrundes, zur Aufsuchung von Thon, Braunkohlen, Bernstein und Salz, vor Allem aber von Wasser, des nächst der Ackererde wichtigsten Bestandtheiles unseres Untergrundes. Seitdem Verf. im März 1875 die Provinzialsammlungen der Physikalisch- Oekonomischen Gesellschaft zu Königsberg über- nommen, hat er stets ein besonderes Gewicht darauf gelegt, die kleinen, von seinem Vorgänger, Herrn Professor Dr. BERENDT, begründete Sammlung von Bohrprofilen kräftig zu vermehren und zu einer für die beiden Schwesterprovinzen thunlichst vollständigen zu gestalten. | Jahrbuch 1896, 1 > Anrrep Jentzsch, Neue Gesteins-Aufschlüsse In immer steigendem Maasse hatte dieses Bestreben Erfolg, sodass seit einer Reihe von Jahren durchschnittlich jährlich über 3000 fallende Meter an Bohrprofilen dem Provinzialmuseum zuge- gangen sind, über deren geologische Ergebnisse derselbe in den Ver- waltungsberichten des Provinzialmuseums (Sitzungsberichted. Physik. Oek. Ges.) kurz berichtet hat. Im Allgemeinen gehen die Proben in den vom Museum gelieferten Pappkästchen von 300 bis 450 Cubikcentimeter Inhalt und von Meter zu Meter Tiefe ein; wo das nicht der Fall war, ist die Zahl der Proben vermerkt. Dieselben werden ım Museum von mir untersucht, und dann von jeder geologisch unterscheidbaren Schicht mindestens eine Probe in einer verkorkten, mit aufgeklebtem Zettel bezeichneten, an einer Seite zugeschmolzenen Glasröhre aufbewahrt. Der Rest der Proben wird auf Versteinerungen untersucht, und aus den Geschiebemergeln und Granden werden sämmtliche 4 Millimeter Durchmesser über- steigende Geschiebe ausgesiebt bezw. ausgewaschen, um in deren Ansammlung dereinst Anhaltspunkte für die Feststellung der Eis- bewegungen bezw. des Geschiebetransportes zu gewinnen 2). Von den geologisch wichtigsten Profilen werden Proben der Samm- lung der Königl. geol. Landesanstalt übergeben. Verschiedene Umstände mussten sich vereinen, um dieses Aufschlussmaterial zu sammeln. Wir verdanken dasselbe einerseits den Verfügungen der hohen Civil- und Militärbehörden beider Provinzen, anderseits dem Interesse der Herren Baubeamten und Bohrunternehmer zu der von uns vertretenen Sache. Verfasser belebte dies Interesse nach Kräften durch Ertheilung von Auskünften über die Aussichten der einzelnen Bohrversuche, wobei das immer dichter werdende Netz der vorliegenden Bohr- profile von Jahr zu Jahr sicherere Unterlagen bot, sodass das N) Die im Jahrb. d. geol. Landesanstalt für 1894, 8. 1— 66 abgedruckte Abhandlung von Korn über diluviale Geschiebe der Königsberger Tiefbohrungen ist die erste Frucht dieser langjährigen planmässigen Aufsammlungen des Verfassers. Aus der grossen Zahl der in gleicher Weise vorgearbeiteten Profile mussten speciell die Königsberger ausgewählt werden, weil deren geologische Gesammtgliederung bisher am besten bekannt geworden ist. Verfasser glaubt, dass diese Art von statistischer Geschiebesammlung die einzige ist, welche über die älteren Bewegungsrichtungen der Diluvialzeit Aufschluss gewähren kann, in Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. 3 Ergebniss der Prognose wiederholt durch die thatsächlich erzielten Aufschlüsse genau bestätigt wurde. Die erhöhten hygienischen Anforderungen und der Neubau zahlreicher grosser Institute, Kasernen, Bahnhöfe u. s. w., wie der Fortschritt der Bohrtechnik — all dies wirkte fördernd auf unsere Arbeit ein, sodass zahlreiche Aufschlüsse des tieferen Untergrundes in fast allen Theilen beider Provinzen festgestellt werden konnten. Diese Aufschlüsse betreffen sowohl die vordiluvialen Schichten (Miocän, Oligocän, Kreide, Jura und ? Trias), als auch die tieferen Glieder der Diluvialbildungen, deren Reihenfolge zumeist nur durch Bohrungen festgestellt werden kann, während einzelne derselben überhaupt nur durch Bohrungen bekannt geworden sind. Auch über tiefere Alluvialschichten sind einige Resultate erzielt. Aus dem umfangreichen vorliegenden Materiale sollen hier zunächst die Aufschlüsse der letzten drei Jahre mitgetheilt worden. Dabei beschränken wir uns im Allgemeinen auf die Angaben der Lage des Bohrpunktes bezw. sonstigen Aufschlusses und eine summarische Zusammenfassung des Bohrprofls. Im Diluvium geben wir zumeist nur die ermittelte Gesammtmächtigkeit, be- schreiben dagegen ausführlich diejenigen Profile, welche Interglacial- bildungen enthalten oder durch ihre Verknüpfung mit (neuen oder älteren) anderen eine Gewähr dafür bieten, dass sie für ihren weiteren Umkreis als Typus gelten können. Solche Typen be- schreibt der Bericht insbesondere für die Gegenden von Memel, von Königsberg bis Insterburg und von Dirschau bis Marienburg. Für die vordiluvialen Schichten soll die Gliederung etwas eingehender beschrieben werden. Da es sich indess hier zunächst um den Nachweis der Verbreitung und Lagerung dieser Schichten handelt, so musste auf eingehendere petrographische und palä- ontologische Charakteristik verzichtet und davon (vorbehaltlich einer beabsichtigten zusammenfassenden Darstellung) zunächst nur das für die stratigraphische Stellung Entscheidende kurz mitgetheilt werden. Die früher publicirten Profile werden als bekannt vorausgesetzt und auf dieselben nur soweit zurückgegriffen, als zur Würdigung der neuen Aufschlüsse unbedingt erforderlich ist. iz 4 Aurkep JentzscH, Neue Gesteins- Aufschlüsse Da der Verfasser beabsichtigt, von jetzt ab alljährlich Fort- setzungen dieses Berichtes zu veröffentlichen, mussten die Einzel- aufschlüsse nach einem festen System aufgezählt werden, in welches spätere Aufschlüsse von Jedermann ohne Weiteres eingereiht werden können. Zu diesem Zwecke sind sie nach den Grad- abtheilungen und innerhalb jeder derselben nach den stets von 1—60 laufenden Nummern der Messtischblätter der geologischen Specialkarte geordnet. Diese Anordnung gestattet zugleich auch Fernstehenden, den Bohrpunkt angenähert auf jeder Uebersichts- karte zu finden. Zur leichteren Örientirung wurden noch die Landraths-Kreise beigesetzt und bei sehr kleinen Orten die Post- stationen. 2. Kritik der Beobachtungsfehler. Jede, noch so gewissenhafte Naturbeobachtung ist mit Fehlern behaftet. Wer aus Beobachtungen zur Wahrheit vordringen will, muss sich zunächst klar werden über die Art und den Um- fang der möglichen und der wahrscheinlichen Fehler. Zu den grössten Fehlern bei Bohrpofilen gehört es, wenn Bauern die Tiefe ihrer Brunnen nach Fussen messen, aber später in ihrer Erinnerung die erhaltene Zahl auf Meter beziehen. Dieser bei Erkundigungen während der Kartenaufnahme unter Umständen drohende Fehler kommt für die hier zu berichtenden Bohrungen nicht ın Betracht, weil dieselben sämmtlich von vorn herein nach Metern gemessen und unmittelbar nach ihrer Beendigung eingeliefert sind. Ebenso wenig ist ein Fehler wegen Umrechnung möglich, wie er früher denkbar war, wo selbst in Westpreussen einzelne Bohrungen nach sächsischen Fussen (statt nach preussischen) bemessen wor- den waren. Falsche Angaben der gesammten Bohrtiefe seitens des Bohr- obmanns scheinen in einem (unten besonders hervorgehobenen) Falle vorgekommen zu sein; der Bohrunternehmer ist in diesem Falle schuldlos, weil er währenddessen erkrankte und starb. In allen andern Fällen dürften Fälschung und selbst grober Irrthum ausge- schlossen sein, weil die Bezahlung der Bohrarbeit an den Unter- - in Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. 5 nehmer fast überall nach der Tiefe erfolgt, und deshalb die Herren Bohrunternehmer ihre Vorarbeiter in Bezug auf die Tiefen zu con- troliren pflegen, während die Herren Baubeamten oder Bauherren ihrerseits an der richtigen Feststellung der Gesammttiefen interessirt sind. Eine kleine Differenz zwischen officieller und privater Tiefen- angabe kann eintreten, wenn vertragsmässig nur eine bestimmte Tiefe erreicht werden soll, der Bohrunternehmer aber etwas tiefer arbeitet, um auf eigenes Risiko bessere Wasserzuflüsse zu er- schliessen. Die Tiefenmessung beim Gestängebohren wie beim Wasser- spülverfahren dürfte bis auf wenige Oentimeter genau ausgeführt werden; beim Seilbohren wird sie bei hinreichender Vorsicht fast ebenso genau. Ueber den Genauigkeitsgrad mögen drei an der- selben Seilbohrung in Memel im November 1892 ausgeführte Messungen Anhaltspunkte geben. Der Bohrobmann maass vor meinen Augen am 7. November: 111,69 Meter; bei sofortiger Wiederholung unter be- sonders scharfer Controlle fand ich: 111,17 » ; und am folgenden Tage maass Herr Stadtbaumeister WERNER: 111.187 7 > Hieraus folgt, dass selbst bei Seilbohrung der Messungsfehler sehr unbedeutend ist. Er lässt sich bei grosser Aufmerksamkeit wohl bis auf wenige Uentimeter (schätzungsweise kaum 1/, Promille) herabdrücken; bei geringerer Aufmerksamkeit beträgt er im vor- liegenden Falle etwa 1/, Procent und dürfte 1 volles Procent der Bohrtiefe schwerlich je erreichen. Der Bohrobmann vermerkt ın der Regel in seinem Notitzbuch an Ort und Stelle die Tiefen der einzelnen Schichten bis auf Centimeter, liefert aber meist nur von Meter zu Meter Gresteins- proben. Da man als Wahrscheinlichkeit anzunehmen hat, dass die Probe aus der Mitte des »Meters« entnommen ist, während sie ebenso wohl aus dessen oberem oder unteren Ende stammen kann, hat man zu der obigen Ungenauigkeit von 1/a Procent der Bohrtiefe noch etwa 0,5 Meter hinzuzunehmen, und erhält somit bis zu etwa 100 Meter Tiefe als mittleren Fehler für die Tiefen- 6 Aurren Jentzsch, Neue Gesteins-Aufschlüsse bezeichnung der Bohrproben + 1 Meter. In einzelnen Fällen, wo im Bohrregister des Technikers gewisse dünne Schichten genau vermerkt sind, wird dieser mittlere Fehler entsprechend geringer. Erheblich grösser wird er in solchen Fällen, wo Bohrtechniker aus 20 und mehr Meter ‚mächtigen Sanden, Thonen u. s. w., in welchen sie selbst keine Unterschiede bemerken, nur eine einzige Probe entnehmen zu sollen glauben. Ein solches Verfahren ist durchaus zu verwerfen und wird vom Verfasser nach Kräften bekämpft. Wo es dennoch stattgefunden hat, ist auf die Lücken- haftigkeit des Profils im Einzelfalle besonders hingewiesen worden. Bei einzelnen kleineren Brunnenmachern ist es früher vor- gekommen, dass zwar von Geschiebemergeln und anderen thonigen Gesteinen vollständige Probenfolgen entnommen, von eingeschal- teten dünnen, keine erhebliche Wassermenge führenden Sanden oder Granden aber keine Proben eingeliefert wurden. Dieser grobe Fehler scheint in den unten beschriebenen Profilen indess — wie Verfasser hofft — durchweg vermieden zu sein. Ein grober Fehler kann selbst den gewissenhaftesten - Bohr- technikern ausnahmsweise einmal begegnen: Verwechselung von Bohrproben. Die zu Tage geförderten Bohrproben werden in der Regel zunächst auf ein Brett und dann nach wenigen Stunden oder Tagen in einen in prismatische Fächer getheilten flachen Holzkasten geschüttet, wo sie langsam trocknen. Die Tiefe wird gewöhnlich mit Blei oder Farbstift auf den Rand geschrieben. Erst nach längerer Zeit werden die Proben in die einzelnen Pappkästchen (oder auch Papierbeutel) gebracht, in denen sie nach dem Museum verschickt werden. Hierbei können durch Schreibfehler oder durch Ver- wechselung zweier Proben letztere zu einer völlig falschen Tiefen- zahl kommen. Ein solcher, an sich seltener Irrthum wird bei der geognostischen Untersuchung des Profils fast immer erkannt; in der Regel werden die verwechselten Proben vernichtet und als nicht vorhanden betrachtet; in einzelnen Fällen konnten Zweifel über die Zuverlässigkeit der Tiefenangabe durch Zurückgreifen auf das Bohrregister des Bohrobmanns beseitigt werden. Ein solches Zurückgreifen empfiehlt sich namentlich dann, wenn Ge- in Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. 7 schiebemergel oder einzelne Geschiebe scheinbar unter Tertiär- oder mesozoischen Gesteinen oder inmitten mächtiger geschiebefreier Diluvialsedimente liegen. Ergiebt das ursprüngliche Bohrregister dann gleichfalls »Steine« (welche der Bohrobmann wohl stets vermerkt), so liegt keine Verwechselung vor, sondern es ist eine Verschleppung, Umlagerung oder Ueberschiebung anzunehmen. Wenngleich selten, ist doch diese abnorm tiefe Wiederkehr von Geschieben in den letzten 40 Jahren wiederholt beobachtet worden. Zu erwägen bleibt natürlich in jedem Einzelfalle, ob nicht Nach- fall vorliegt oder ob die Geschiebe etwa schon früher (tertiär oder mesozoisch) hier abgelagert sınd. Der Nachfall verdient überhaupt ernste Würdigung. Zumeist erstreckt er sich nur auf wenige Meter Tiefe. Liegt z. B. Geschiebe- mergel über Sand, so findet man im letzteren, auch wenn er ge- schiebefrei ist, wohl noch vereinzelte Geschiebe oder einzelne Stück- chen Geschiebemergel. Sand macht sich besonders breit. Dünne Thonbänke finden sich oft nur als kleine Stückchen in einer Sand- probe, zeigen aber selbst in kleinen Proben noch ihre, oft geschichtete Structur, sodass sie in solchen Fällen als Thonschicht mit Sicherheit erkannt werden können. Tertiärschichten, die bei uns meist kalkfreı sind, erscheinen in ihren obersten Proben, unmittelbar unter dem Diluvium, oft noch kalkhaltig, wenngleich kalkarın, oder auch mit rothen Feldspäthen vermischt. Dann nehmen aber Kalk- und Feld- spathgehalt nach der Tiefe hin allmählich bis zur Unmerklichkeit ab, und die Formationsgrenze ist dann trotzdem über den kalkarmen Sanden an derjenigen Stelle zu ziehen, wo der schroffste Wechsel der Gesteinsbeschaftenheit eintritt. Wo Geschiebemergel — der bekanntlich an seiner Sohle gern Material der nächsten Unterlage in seine Masse aufnimmt — über Tertiär liegt, wird es bisweilen unmöglich, aus den Bohrproben zu entscheiden, ob eine natürliche Mischung oder eine durch das Bohrverfahren bedingte Verunreinigung vorliegt. Diese Ungewiss- heit erstreckt sich indess stets nur auf wenige Meter und ist an den betreffenden Stellen hervorgehoben. Schrammung von Geschieben aus Bohrlöchern beweist natürlich 8: Aurren JentzscHh, Neue Gesteins-Aufschlüsse nichts für Gletscherarbeit, da dieselbe durch den Bohrmeissel ent- entstanden sein könnte, wenngleich sie in vielen Fällen zweifellos natürlichen Ursprungs ist. Grobe Veruneinigungen der Proben kamen zwar häufig vor: Eisentheile und daraus entstandener Rost, Fetzen des zum Ein- wickeln der Probe verwandten Papiers, Holzsplitter, Blätter, Stroh, Heu, Haferkörner, Häringsschuppen und sonstige Reste von Mahl- zeiten, bisweilen auch Pilzmycelien; alle diese Verunreinigungen werden aber leicht und zweifellos erkannt, sodass sie gar keine Schä- digung des Gesammtergebnisses herbeiführen. Mehr Schwierig- keiten entstehen durch die Veränderung, welche die Gesteine im Bohrverfahren erleiden. Letztere werden nicht nur zerbrochen und im Kleinen gestaucht und gewunden, sondern auch ausgewaschen. Etwas Wasser steht fast immer im Bohrloch. Wo artesisches Wasser empordringt oder wo mit Wasserspülung gebohrt wird, entführt das abfliessende Wasser namentlich Thon und Kalkstaub. Gleichmässig gekörnte Sedimente, wie die meisten Tertiärbildungen und wie im Diluvium die Thonmergel, Mergelsande und Sande werden wenig verändert. Ungleichmässig gekörnte Gesteine, ins- besondere Geschiebemergel und Grande werden dagegen unter Umständen in der Weise verändert, das nur die gröberen Be- standtheile zurückbleiben. Umgekehrt können dünne Grand-Bänke durch Nachfall aus überlagerndem Geschiebemergel etwas lehmig werden, sodass es ın manchen Fällen — welche besonders her- vorgehoben werden — unmöglich ist, zu entscheiden, ob Grand oder sandiger Geschiebemergel vorliegt. In gewissen Horizonten der Kreideformation finden sich in weichen Grünsandmergeln härtere Gesteine eingebettet. Obwohl diese meist vom Bohrmeissel zerbrochen oder von Dynamitpatronen zersprengt werden, wird es doch meist möglich, durch die Gesteins- structur und durch die Reste scharfgebogener Oberflächen zu erkennen, dass keine Schichtenbänke, sondern nach Art der Feuer- steine eingelagerte Uoncretionen vorlagen. Die Meereshöhe der Bohrpunkte ist nur in vereinzelten Fällen angegeben worden, wo besondere Umstände dies wünschenswerth erscheinen liessen. Sie gestattet meist keine Schlüsse auf die in Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. 9 ursprüngliche Schichtenlage, weil örtliche und allgemeinere Vertical- bewegungen auch in diluvialer und letztere auch in alluvialer Zeit stattgefunden haben. Wo die Meereshöhe angegeben, ist dieselbe theils von den Herren Baubeamten mitgetheilt, theils (bei Bahn- höfen) aus den autographirten Längenprofilen der Eisenbahnen vom Verfasser entnommen. In den übrigen Fällen ist sie aus den im Provinzialmuseum vorhandenen photographischen Copien der Mess- tischaufnahmen des Generalstabes vom Verfasser entnommen und danach in Meter umgerechnet worden. Da die Hängebank des Bohrschachtes, auf welche sich alle Tiefenangaben der Profile beziehen, nirgends annivellirt ist, ergiebt sich für deren Höhen- lage eine Unsicherheit von mindestens 1 Meter, welche zu der aus der Art der Proben-Entnahme abgeleiteten Ungenauigkeit sich addirt. Diese absolute Höhe ist aber — wie hervorgehoben — nur von secundärer Bedeutung. In erster Linie stehen vielmehr die Nachweise der Gesteine an sich und ihrer verticalen Reihenfolge, und in dieser Hinsicht glaube ich die hier mitgetheilten Profile als zuverlässig bezeichnen zu dürfen. 3. Aufzählung der Bohrprofile und sonstigen Aufschlüsse. Gradabtheilung 3. Memel. Vergl. Geologische Karte der Provinz Preussen in 1: 100000 Seetion 2. Memel und 3. Rossitten. Blatt 12: Bahnhof Bajohren. Von Herrn Bissk£E 19 Proben aus 4 kleinen Bohrungen von 5—7 Meter Tiefe: Diluvium. Dieselben ergänzen glücklich das in seinen obersten Metern lücken- hafte Profil einer früher dort ausgeführten Bohrung, von welcher 1. J. 1891 durch Herrn Regierungsbaumeister VIERECK 35 Proben ein- gesandt wurden, die gleichfalls von Herrn BIESKE erbohrt sind. Dieses nördlichste Bohrprofil des deutschen Reiches lautet nunmehr; 10 Aurren Jentzscnh, Neue Gesteins- Aufschlüsse 3 Meter lehmiger Sand mit nordischen Ge- B schieben 03 7... 2... bis. ogbleı, 00,5...» Grand BL 34 » grauer Geschiebemergel; in den ober- sten 7 Meter thonig, in den unteren 27 Meter von gewöhnlicher typi- scher Ausbildune- 2.7.2. 0 ge 2034 > 4...» BellgrauerPhonmeree. . - ... 2 n223 > 9» grauer Greschiebemergel; etwas thonig, spnst typisch... vaun.m. v2 0... a oe 2. ».» ) „Proben dehlem ya ner an ar > 2 » . thoniger Geschiebemergel „_. .... » sa 2 », . broben fehlen nen > 13 » _ Geschiebemergel; etwas thonig, sonst typisch I 0 Sa re no > 2 » .„.hellgrauer Thonmersl 2. 7.2.,.2.5770 » 4," 1». ‚Proben,itehlen Da 222, 2,1 2,5 » typischer Geschiebemergel. . . . » TS » 10 » dunkelbrauner Jurathon mit irisiren- den Schalstückchen, dem Oberen Kelloway von Memel (s. u.) ent- sprechend, Lan... Me au. 7 Nach dem Bohrregister reicht derselbe Thon bis 94,4 Meter Tiefe, ist mithin bei 16,9 Meter Mächtigkeit noch nicht durch- sunken. Es sind hier also sowohl der Untergrund des Diluviums: Jura, und das Fehlen von Tertiär und Kreide nachgewiesen, als auch ein nahezu vollständiges Profil des Diluviums an der Nord- spitze Preussens erzielt. Die Verbindung der einzelnen Diluvial- schichten mit südlicheren Profilen ist, wenngleich bestimmte Paral- lelen naheliegen, z. Z. noch nicht mit Sicherheit zu ermitteln. Die Meereshöhe des Bohrpunktes schätze ich nach dem Messtischblatte 1) Nach dem Bohrregister »blauer Thon«. in Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. li auf etwa 28 Meter; Die Oberfläche des Jura liegt mithin etwa 50 Meter unter dem Meere. Blatt 17: Memel, Neues Postgebäude, auf der süd- östlichen Seite der parallel der Dange, nördlich der letzteren SW.— NO. laufenden Lindenstrasse, wenige Meter von der Strassen - front, südwestlich des Hauptgebäudes der Post, etwa 200 — 230 Meter von der Ecke der Libauer Strasse: 120 Proben von Herrn BIESKE 1894. Da vom letzteren bereits 1891 ein kleineres Profil desselben Grundstückes in 28 Proben mitgetheilt wurde, stellen wir beide unmittelbar neben einander, wodurch sich die kleinen Schwankungen _ der Mächtigkeit wie auch die Zuverlässigkeit der Probenentnahme _ leicht beurtheilen lassen. Mächtigkeit Bis zur Tiefe in Meter von Meter 1891 | 1894 1894 3 3 IC ne a a Re ee rd ii u 3 3 Geschiebemergel, oben gelb und entkalkt, unten Erausundekalkhalie vw. ale ee 6 5 ) ' Spathsand mit grandigen Lgn . . .... 10 Da Land ee ee ee 12 1 De Grauer» Ihonmergele.. un rn a 2) 8 6 Grauer Geschiebemergel . . 2 2 2 2200. 27 — 2 Sandiger Geschiebemergel, im frischen Zustande DIEUHLICHE Be en 29 — 2 Keschiebemersel' „I. u Gare re 31 = 2 TEIBerF Sande ee ee ee © 33 — R) Geschisbemergel se 7.7 Su, ade 36 — 1 thoniger Geschiebemergel . . . . 2 2.2.2. 837 2 5 grauer Lhonmergel, „a... ...- a... 2. 42 4 grauer Geschiebemergel (in einer Probe grünlich) 46 14 2 grauer feinsandiger Geschiebemergel . . . . . 48 | 1,5 | grauer Geschiebemergel . . . 2 2.22... | 49,5 0,5, 5,5 | ziegelrother Geschiebemergel. - . . 2.2.2. | 55 — 1 rotners Inonmersen mr en 56 — 3) iluysalsand Sr ne one 65 — 5) schwarzer glimmerreicher Jura-Thon . . . . . 70 12 Aurrep Jentzscn, Neue Gesteins -Aufschlüsse Mächtigkeit Bis zur Tiefe in Meter von Meter 1891 | 1894 1894 hl brauner glimmerreicher Jura-Thn . .... 71 le schwarzer glimmerreicher Jura-Thon . . . . 75 — | 1 Probe fehlt (nach dem Bohrregister schwarzer Thon) RE — | 2 braunschwarzer Thon, ganz wie oben, doch etwas | | brauner, härter und steinartig . . . .» .. 78 — 19 desgl. etwas heller und nicht ganz so reich an Gimme N 87 a desgl. grau, mit vorigen durch Uebergänge ver- bunden Pa en na Be 96 — 9%.) grauer ‚Ihon, reich an Bivalven - =... 2. „2. 98 = 1 Grauer Dhone a ae 99 — |.9 | grauer, staubartig feiner u Sand mit artesischem Wasser, . u. SORTE 108 — 1 hellgrünlicher Thon « der 2 Trias . A I <- 109 — | 2 ziegelrother Thonmergel der ? Trias . . . . . EN g Mithin zusammengefasst: 30. |. 289 Al kuyaumedee Da DAR Vak al As mul? 3 41,5. 1X62- Diem ae, iu 65 SB; Sl eTura ee ML N 108 _ | 3 Pelriası Er a er Ma era aaa RN ol Die Postbohrung bestätigt und ergänzt in trefflichster Weise das im Jahre 1892 erbohrte Profil vom Neuen Markte (so- genannten Theaterplatze) in Memel. Dasselbe liegt etwa 520 Meter südwestlich der Post, auf dem linken (südlichen) Ufer der Dange in der Thalsohle, schätzungsweise etwa 2 Meter tiefer als die Post. Dort wurde bei einer auf Kosten des Maseistrats durch Herrn BIESKE ausgeführten, 80 Meter tiefen Brunnenbohrung unmittelbar unter Diluvium bei 65—- 80 Meter Tiefe ein Thon durchbohrt, welcher petrographisch offenbar sowohl dem Jurathon von Bajohren als insbesondere den oberen Schichten des Jura von Purmallen entsprach. Aus demselben lagen auch einzelne be- stimmbare Versteinerungen vor, darunter Cardioceras (Quenstedti- h in Öst- und Westpreussen 1893 — 1895. 13 ceras) Lamberti. Hierdurch war also nicht allein die Stufe des Ammonites Lamberti, welche bisher ın Nordostdeutschland nur aus Geschieben bekannt war, für Östpreussen zum ersten Male an- stehend nachgewiesen, sondern es ergab sich auch der Schluss, dass die gleichen Thone von Purmallen und Bajohren, aus welchen bisher specifisch sicher bestimmte Vesteinerungen nicht vorlagen, der gleichen Stufe (Oberes Kelloway) angehören, während die bei Purmallen darunter angetroffenen Sandkalke nach ihren Ver- steinerungen dem bekannten Astarte pulla-Gestein, mithin dem mittleren (und unteren) Kelloway entsprechen. Für die geognostische Erforschung Ostpreussens erschien es dem Verfasser wichtig, dass an dieser ungewöhnlich günstig ge- legenen Stelle der Jura völlig durchbohrt werde, bis zur Erreichung der von Purmallen bekannten rothbunten, wahrscheinlich triassischen Schichten. Wie ın Memel der zu Purmallen nur 7 Meter mächtige Lamberti-Thon bereits 15 Meter mächtig getroffen worden war, ohne durchsunken zu sein, so erschien auch die Einschaltung weiterer, von Purmallen her nicht bekannt gewordener Juraschich- ten keineswegs ausgeschlossen. Selbst wenn solche nicht gefunden werden sollten, musste doch die erneute Feststellung der Schich- tenfolge und ihrer Versteinerungen sowohl an sich, wie im Ver- gleich mit Purmallen zur Bestimmung des Einfallens der Jura- schichten von Interesse sein. Leider wollte der Magistrat, welcher die Bohrung behufs Wassererschliessung ausführen liess, dieselbe nicht weiter fort- setzen. Dagegen erklärte sich der Bohrunternehmer Herr BIESKE dem Verf. gegenüber im Interesse der Wissenschaft freundlichst bereit, die Bohrung gegen einfache Erstattung der Arbeitslöhne fortzusetzen, falls er den Auftrag dazu vor Abbruch der Bohr- arbeiten erhielte. Der Verf. erbat die hierzu erforderlichen Mittel am 24. August 1892 bei der Direction der Königl. geol. Landes- anstalt, und auf Antrag derselben wurden sie von dem Herrn Minister für Handel und Gewerbe hochgeneigtest bewilligt und die Bohrung bis 111,17 Meter Tiefe fortgesetzt. Da hierbei eine für Ostpreussen neue wasserführende Schicht erschlossen wurde, 14 Aurren Jentzscn, Neue Gesteins-Aufschlüsse übernahm der Magistrat zu Memel nachträglich die Kosten bis 103 Meter Tiefe, so dass dem Staate nur der geringe Betrag für die letzten 8 Meter zur Last fiel, für welchen der littauische Jura in grösserer Vollständigkeit, als bisher bekannt, nachgewiesen und dessen Liegendes, der Triasthon, angeschnitten wurde. Das Profil vom Neuen Markte (sogen. Theaterplatze) zu Memel lautet: Tiefe | 5 Meter Schutt und Alluvüom . . . . .. . bewssahlee 5 » dunkelgrauer Schlick . . . . . Selle 2 » igrauer'Schlek weler ,. . 20 ep ; 35 » Gerölle; als alluvial aufbereitetes 3 Diluvium, mithin als Grenzschicht : zwischen Alluvium und Diluvium | zu betrachten . . .».: 2.20...» Tale 1,575: Dilurialsand wo ae 2 > 1 » 'hellgrauer "Thonmergel. . .- .. „Sara 1 ». ' geschiebefreier Sand °. . . » BA 3 » ebensolcher Sand mit Diluvialkohle 3. 1 DEE Letztere glüht, auf Platinblech erhitzt, auch ohne Wärmezufuhr von Aussen eine Zeitlang fort und zerfällt dabei zu einer hellbraunen Asche. Sie ist sehr aschenreich und praktisch nicht verwerthbar, aber wissenschaftlich merkwürdig als Vertreter der 6—7 Kilometer nördlich zu Tage tretenden Inter- glacialkohlle von Purmallen und Gwilden. Selbstredend soll nicht behauptet werden, dass alle 3 Vor- kommnisse einem und demselben Koöhlenflötze angehören; aber dass sie im Grossen und Ganzen der- selben Stufe, nehmlich einem Ab- schnitte des ostpreussischen Inter- in Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. glacıal entsprechen, dürfte nicht zu bestreiten sein. 5 Meter grauer Thonmergel . 4 » thoniger Geschiebemergel . Ye 21,5 » grauer Geschiebemergel, bei 44,5 bis 56,0 Meter und bei 50 — 52 Meter „ sehr sandig . 4 Sa spathsand won. nl hr. ; 0,5 » nordische und heimische Geschiebe 3 » Greeschiebemergel, reich an heimischem Material 19 » schwarzbrauner fester Jurathon mit Glimmer, mit irisirenden Schalen von Quenstedticeras Lamberti, und zahl- reichen andern , meist zarten Ver- steinerungen, z. B. Cosmoceras, Be- lemnites, vielen Gastropoden (am häufigsten Dentalium, Cerithium), vielen Bivalven (Nucula, Astarte etc.), Einzel-Korallen und Foraminiferen. Oberes Kelloway . 10 » ebensolcher, doch "braungrauer (zu unterst grauer) Thon, etwas ärmer an Glimmer, mit denselben Ver- steinerungen, darunter Qu. Lamberti Darin in verschiedenen Tiefen Thoneisensteinkugeln, z. Th. mit Schwefelkies auf den Klüften und mit Ammoniteneinschlüssen. 0,1 » grauer Thon voll Muscheln, mit ooli- lithischem Kalksteın und Markasit; vom Bohrobmann als »grüner Thon« bezeichnet een. a 1,4 » schwärzlicher thoniger Sand bezw. mürber Sandstein . Tiefe 32 84 94 15 Meter » » » » 16 Aurrep JentzscHn, Neue Gesteins-Aufschlüsse 0,5 Meter desgl. dunkelgrau 7 0,25 0,25 5,67 » » » hellgrauer feiner loser Sand mit arte- sischem Wasser. Diese Sandstufe von 94 — 103 Meter unterscheidet sich von ihrem Hangenden palaeontolo- gisch durch das relative Zurück- treten der Ammoniten und Gastro- poden, das massenhafte Auftreten von Bivalven, insbesondere Astarte und Nueula; als Leitfossil mögen Serpula tetragona und Pentacrinus pentago- nalis genannt sein. Einzelne Echi- noidenstacheln fehlen nicht. Neben Markasitknollen, welche z.B. Bival- ven verkitten, fanden sich bei 97 bis 100 Meter feste Kalkconcretionen von Kugelgestalt, (auch Doppelkugeln); dieselben ähneln den von mir 1881 beschriebenen Kugelsandsteinen, un- terscheiden sich aber durch den Mangel an durchgehenden Spaltungs- richtungen dunkelgrauer, noch feinerer, daher Ki diger Sand mit Pentacrinus pentago- nalis, Pseudomonotis echinata, vielen Bivalven, namentlich Astarte und Nucula, auch verschiedenen kleinen Gastropoden PLN schwarzbrauner Jurathon voll NE stückchen A \ E hellgrauer Thonmergel alla? Trias). N: a. rother Thonmergel mit einzelnen den hellgrauen Lagen . mithin zusammengefasst: bis Tiefe 96,0 Meter 103,0 105,0 105,25 105,5 111,17 » » » » » in Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. 7 Tiefe DaMleter: Aluvium . ». .:. 2 2.20% 20. bis. 12 Meter 53 » Dilıvaum ara a Tan aleres 265 » 40,25 » Ta er er 5,92 » 2 ya RE N Se er ur ee a | 1.17 > Die als ? Trias bezeichneten Mergel- Thone gleichen genau denjenigen, welche in Purmallen unter Jura, über Unterem Zech- stein liegen. Ueber ihre Stellung ist vorläufig wenig Neues zu sagen. Wir bezeichnen sie der Kürze halber fernerhin als »Pur- mallener Mergel.« Dagegen ist das Juraprofil von vielseitigem Interesse. Durch Herrn BIESKE erhielt das Museum insbesondere aus dem Postbrunnen mehrere Uentner jurassischen Bohrschlammes, aus denen Tausende, meist zarter und kleiner, aber wohlerhaltener Versteinerungen ausgelesen werden konnten. Die specielle Be- arbeitung dieser Fauna behält Verf. sich vor. Schon jetzt aber ist ein Vergleich der 4 ostpreussischen Juraprofile möglich, welche letztere wir — von S. nach N. geordnet — hier neben einander- stellen, blos die Hauptglieder in’s Auge fassend: Memel | 3 si 3 314 aalaıa Meter Meter| Meter| Meter Schwarzbrauner bis dunkelgrauer Thon mit Thoneisenstein und mit Quenstedticeras Lambert. (Cephalopodenfacies) bambera-Thon . . . u... 2 22 200. [29 | 3831| 7 |169 Schwarzer bis dunkelgrauer thoniger Sand und Thon mit oolithischem Kalkstein .' . . . 2 2 2 2 2 2 02. 2 3 45|1 — Hellgrauer Sand mit Pentacrinus, Serpula tetragona, Astarte und vorwiegend Bivalven: Astarte-Sand . . . . .. 9° 15,5 Dunkelgrauer Sand mit Pseudomonotis echinata . . . . 2a —ı— Schwarzbrauner Thon (Muschelbreeeie) . . . » . . . 1035 — | 2 | — Zusammengefasst: Oberes Kelloway . . . . . . 831 Meter Unteres Kelloway. . . ..10. » Oberes Bath (Cornbrash ee . 2,25 —4 Meter. Die unter dem Lamberti- Thon liegenden Juraschichten zu- sammengenommen sind mithin in Purmallen 10 Meter, in Memel Jahrbuch 1896. 2 18 ALFRED JentzscHn, Neue Gesteins-Aufschlüsse 11— 12 Meter mächtig, haben also an allen 3 Bohrpunkten fast gleiche Stärke. Dagegen kommt die grössere Mächtigkeit des Memeler Jura (gegenüber dem Purmallener) fast ausschliesslich dem Lamberti- Thon zu gute, welcher in Purmallen nur 7 Meter, in Memel aber 31 Meter Mächtigkeit erreicht. In dem nördlich von Purmallen gelegenen Bajohren ist er mit 16,9 Meter nicht durch- sunken worden. Hieraus dürfen wir folgern, dass er auch in Purmallen einst mächtiger war, dass aber hier die obersten Schichten vor Ablage- rung des (wahrscheinlich oligocänen) Grünsandes zerstört wurden. Und da Verfasser nachgewiesen hat, dass D’ORBIGNY’s, EICHWALD’s und NIKITIN’s, von GREWINGK und SIEMIRADZKI ignorirte Angaben des Ammonites cordatus für Popiliani und Niegranden nach dem Vorkommen dieses Ammoniten in den preussischen Greschieben auf eine gesonderte den Lamberti-Thon überlagernde Stufe be- zogen werden müssen, so haben wir anzunehmen, dass der Untere Oxford-!) (Cordatus-) Thon ursprünglich über Memel, Purmallen und Bajohren gelegen hat, hier aber durch eine erhebliche, auch die Ausläufer der Kreide zerstörende vortertiäre oder tertiäre Abrasion verschwunden ist. Wahrscheinlich geht der Lamberti- Thon im Hangenden in einen petrographisch ähnlichen Cordatus- Thon über. Dass auch sandig-kalkiges Oberes Oxford darüber ge- legen habe, erscheint denkbar, doch durch nichts erwiesen oder angedeutet. Irgendwo zwischen Memel und Tilsit muss es aber wegen seines Vorkommens als Geschiebe entwickelt sein und un- mittelbar unter Diluvium liegen, wenn auch nur in einer schmalen Zone. Das Rhynchonella varians-Gestein (dessen Geschiebe that- sächlich erfüllt von Rhynchonellen sind) fehlt in den Memeler Profilen, ebenso wie in Purmallen, und wird durch die, den Lamberti-Thon unterteufende Bivalvenfacies vertreten. Wichtig ist selbstredend auch die Pseudomonotis-Stufe, durch deren Auffindung an der ihr zukommenden stratigraphischen Stelle die Uebereinstimmung des Profils mit den ostpreussischen 1) Oxford in Ostpreussen. Dieses Jahrbuch für 1888, Seite 378 bis 389. Bes in Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. 19 Geschieben noch vollständiger und meine Auffassung dieser Ge- schiebe als Bath bezw. Cornbrash (welche auch SCHELLWIEN be- fürwortet) bestätigt wird. Denn wenngleich diese Muschel nach unten bis in den Thon mit Ostrea Knorri, nach oben bis in die Maecrocephalenschichten der Porta fortsetzt, genügt ihr Vorkommen ausschliesslich im untersten Theile des Memeler Astarte - Sandes doch wohl, um diesem unteren Theile eine gesonderte Stellung zu- zuweisen. Eine absolute Gleichzeitigkeit mit dem Oornbrash kann natürlich z. Z. noch nicht behauptet werden. Von den bekannten Lamberti- Geschieben Norddeutschlands ist nunmehr endgiltig er- wiesen, dass sie aus Concretionen in dem Lamberti-Thon stammen, welcher von Memel bis Kurland sichtlich den grössten Theil des diluvialen Untergrundes bildet. Wenn Verfasser (1888, S. 380) den Satz aussprach: »So dürfen wir mit Recht vermuthen, dass zwischen Purmallen und Ibenhorst ein Juraband an das Diluvıum herantritt, vielleicht in der Gegend des kurischen Haffs den Untergrund der Diluvial- schichten bildet und nach Westen in der Ostsee fortsetzt. So entstammen also unsere ostpreussischen Jurageschiebe einem ver- hältnissmässig beschränkten Gebiete: dem nördlichsten Ostpreussen ‚und den benachbarten Theilen der Ostsee und Russlands. Der Jura von Popilianı, den wir mit dem ostpreussischen unter dem Namen des »littauisschen« zusammenfassen können, kann nunmehr an der Hand der Geschiebe Östpreussens studirt und ergänzt werden« — so ist dieser Satz durch die Memeler Bohrungen wörtlich bestätigt worden. Die Memeler Bohrungen sind aber auch für die Gliederung des Diluviums von Interesse; denn sie beweisen, dass das von mir!) veröffentlichte Interglacialprofil von Gwilden und Purmallen (6—8 Kilometer nördlich von Memel) in Memel wiederkehrt. Ausser der Diluvialkohle und den sie im Hangenden und Liegenden begleitenden Spathsanden sind auch der darunter folgende Thon- mergel und dessen Liegendes, ein mächtiger Geschiebemergel, in gleicher Reihenfolge und vergleichbarer Mächtigkeit erbohrt. !) Beiträge zum Ausbau der Glacialhypothese. Dieses Jahrbuch für 1884, Seite 438—524, insbesondere Seite 509—514. J2# 30 ALFRED Jentzsch, Neue Gesteins-Aufschlüsse Auch nördlich von Gwilden ist bei der Dange-Brücke von Ekitten derselbe Thonmergel wieder getroffen. Von 8 zur Unter- suchung des Baugrundes der Strassenbrücke abgeteuften kleinen Bohrungen, deren Proben Herr BIESKE 1891 übersandte, zeigt die tiefste (No. VIII) folgendes Profil: Tiefe 3 Meter schwach lehmigen Sand. . . . . . . bis 3 Meter 4 ». Grandigen Sand und Grand . . . .; vo 2 » . Geschiebemergel . . ... ....2.2 Go 7. ». grauen Ihonmergel... . ..... er... Seelen 4 «& Geschiebemergel 777... 2... 2... cp a Die Meereshöhe des Bohrpunktes dürfte 5—8 Meter betragen. Ob die obersten Schichten alluvial oder diluvial sind, lässt sich aus den Bohrproben nicht entscheiden, weshalb für die Vergleichung der Diluvialprofile vorläufig nur die tieferen Proben heranzuziehen sind. Die Verbindung der Einzelprofle von Memel Markt, Memel Post, Purmallen, Gwilden und Ekitten ergiebt das Sammel- profil (Taf. IV, Fig. 1). Die ausgezeichneten Verbindungslinien hält Verfasser für richtig, die gestrichelten für möglich, aber noch zweifel- haft. Das zweite Sammelprofil (Fig. 2) zeigt dieselben Profile in kleinerem Maassstabe, noch vereinigt mit dem Profil Bajohren und ergänzt durch die tieferen Aufschlüsse der bekannten Tiefbohrung Purmallen, deren Schichten-Neigungen nach den Beziehungen zu russischen Tagesaufschlüssen construirt sind. Das Profil erklärt sich von selbst; es erläutert einerseits die fast ebene Schichtenlage der sanft nach $. einfallenden Sediment- mulde, anderseits die Mächtigkeitsverhältnisse. Die tiefe Lage der Diluvialschichten am Markt ım Vergleich zur Post könnte man zwar auf tektonische Thalbildung beziehen; doch dürfen sie nicht als Beweis für solche gelten solange, bis sie durch weitere Boh- rungen ergänzt sind. In Fig., 1 tritt die Interglacialstufe, welcher die Kohle vom Dange-Ufer bei Gwilden angehört, wohl für Jedermann deutlich und mächtig hervor. Bemerkenswerth ist, dass sie im nördlichen Theile Deutsch- lands, nahe der hangenden Grenze des dortigen Diluviums auftritt, in Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. 21 mithin muthmaasslich die jüngste der deutschen Interglacialstufen vertritt. Wir fassen die mit der Kohle von Gwilden verbundenen Sande und Thonmergel, nebst den Kohlen von Purmallen und Memel als »Gwildener Schichten« zusammen, welche Schich- tengruppe z. Z. in 21,6 Meter Mächtigkeit und auf circa 9 Kilo- meter nordsüdlicher Erstreckung bekannt ist. Blatt 60. Klein-Inse, Kreis Niederung (Memeldelta). För- sterei-Gehöft 400 Meter vom Ostufer des Kurischen Haffs. 52 Proben 1894 von Herrn E. BIESKE; Bohrregister von dem König- lichen Kreisbauinspektor Herrn ScHuLz in Kaukehmen. Tiefe 9 Meter Süsswasser-Alluvium mit Thier- und Pflanzenresten. . . ..... 2 «0. bis’ 9 Meter 16 » geschiebefreier Sand (zweifelhaften PNLELSO NE ee Auen a 20 Dr Diluvaum u... a. rt >60 Im Diluvium bei 31—39 Meter Tiefe eine Sandschicht mit schwach salzhaltigem Wasser. Gradabtheilung 4. Tilsit. Vergl. Geologische Karte der Provinz Preussen in 1:100000, Sektion 2. Memel, 2iuleit, 9. Jura. Blatt 55. Am Tawellefliess, Kastaunen bei Tawellningken, Kreis Niederung (Memeldelta). 1894 vom Königlichen Oberförster Herrn SCHALL einige Notizen und 2 Bohrproben Geschiebemergel. Letztere sollen nach Angabe des Bohrobmannes aus 95 — 103 Meter Tiefe stammen, was eine für das Memeldelta ungewöhnlich grosse Mächtigkeit des Diluviums bezeichnen würde. Da der Herr Öberförster selbst die Angaben des Bohrobmannes als un- zuverlässig bezeichnet, müssen die Proben leider vorläufig als werthlos betrachtet werden. Blatt 57. Försterei Reussenhof bei Heinrichswalde, Kreis Niederung. 52 Proben von Herrn BiEskE 1895, 22 Aurren Jentzscn, Neue Gesteins-Aufschlüsse Tiefe 3 Meter Süsswasser-Alluium. . - . . ..... bis 3 Meter 21, 2.1. Dilımum Re een 2 Erna. 0 on 13 » grauer Kreidemergel mit harter Kreide und mit. Koraminsferen 7. 00, 2.. 02 2... wos 1 » Desgl. weisslieb-grau .. "2.1... ln Mas > 2.12 Ta a an 9» grauer Kreidemergel ohne harte Kreide; bei 43—50 Meter bröcklich, bei 50—52 Meter zusammenhängend; in allen darauf- hin untersuchten Proben mit Foramini- feren „nen an u Zusammengefasst also: 19 Meter Kreidemergel mit harter Kreide (a8 Meter Kreidemergel. 9 » » ohne » Di Ausser den Foraminiferen wurden auch ein paar unbestimm- bare Bivalvenstückchen ausgeschlämmt. Nach dem petrogra- phischen Verhalten dürften die bei 24—52 Meter Tiefe durch- sunkenen Kreidemergel zum Senon zu stellen sein. Sie verbinden die Kreidebohrung der nur 5 Kilometer westlich gelegenen Ober- försterei Schnecken mit den drei Kreidebohrungen in der 12—14 Kilometer nordöstlich gelegenen Stadt Tilsit. Bemerkenswerth ist das Fehlen des Tertiärs und die geringe Mächtigkeit des Diluviums, was Beides für die dortige Gegend bezeichnend ist. | Gradabtheilung 14. Stolp in Pommern. Vergl. Keısack, Geologische Uebersichtskarte der Gegend zw. Kolberg und Danzig. In 1:100000. Dieses Jahrbuch für 1889. Taf. XXVI. Blatt 35. Stolp, Invalidenhaus; 1894 von der West- preussischen Bohrgesellschaft ein Bohrregister und 5 Bohrproben. Da in weitem Umkreise (bis Rügenwalde bezw. Zeblin b. Bublitz) keine Bohrung bekannt ist, möge das Profil, trotz seiner Lücken- haftigkeit, hier mitgetheilt worden, wobei wir die nicht auf eigener Untersuchung beruhenden Benennungen zwischen » « beifügen: in Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. 23 Tiefe 3 Meter »Mauerwerk mit Menschenknochen« bis 3 Meter 3 » SSandKa ea. ds eainnmeid 6 » 14 » »Thon mit Steinen« (also vermuthlich Geschiebemersel) . . . .....'» 20 > 1 -» Grauer fetter Thonmergel. . . . » 21 > 13 = Spathsand und Brandes un. h, 22,0 2.1 84 > 0,5 » Geschiebearmer Diluvialmergel . . » 345 » 222548 ‚Geschiebemergel .. .... ... ra. »2. 66,75. » 2,5 8: »Sand ‚mit. Riese... una muy. m. 6925 1,11 » _Nordischer Grand mit Wasser, wel- ches mit kräftigem Auftriebe über Tasesansiliesst , 2... a em 0,30% > Gradabtheilung 15. Lauenburg — Neustadt — Berent. Vergl. Keınnack, geolog. Uebersichtskarte in 1:100000, dieses Jahrbuch für 1889, Taf. XX VI. Blatt 16/17: Wierschutzin, Kreis Lauenburg in Pommern, 25 Proben von Herrn OTrTo BEscH 1894: Tiefe 5 Meter Alluvium und Diluvium . . . . .. bis 5 Meter 43,8 » Miocäne Braunkohlenbildung . . . » 488 » Letztere ist mit der nur 21 Kilometer östlich bei Rixhöft zu Tage tretenden, durch HEEr palaeontologisch, durch MENGE, ZAD- DACH und KLEBs stratigraphisch studirten zu verbinden und er- gänzt somit deren bisher keineswegs klares Profil in erwünschter Weise durch ihre in 43,8 Meter Mächtigkeit klargelegte Schichten- reihe. Diese Verbindung wird Verf. thunlichst bald herzustellen trachten. Vorläufig sei das Wierschutziner Tertiärprofil nach seiner petrographischen Gliederung hier kurz aufgezählt: Tiefe 5 Meter Alluvium und Diluvium . . . . ... bis 5 Meter 05815», ziemlich grober Quarzsand . ..2.....»,59 » D05> .:: hellgrauer; Betten „=, 4. min... Da 8 80.2 =0:1:3.: ‚Braunkohle ... : ae Bu 95,0 » sehr feiner Glimmersand (fast Formsand) » 12,0 » 24 Aurrep Jentzsch, Neue Gesteins-Aufschlüsse Tiefe 3,0 Meter ziemlich grober Quarzsand . . . . . bis 15,0 Meter 2,0: » Glimmersand we a a 30° » grauer, bLetitemiir cr a, 1 DO 1,0 » _ formsandähnlicher eand Sue» De 0,25 » grober Quarzsand! el. au mn. 22a 4,75 » kohlenartig schwarzer Letten . . . . » 26,0 » 1,5 » Quarzkies und grober Quarzzand . . » 275 » 6,3: »%' Glimmersand 2 rau Jena 1,0: »..\:grober Quarzsand u, san 2) nen Pole 3.04» -Kohle . =: RU ER 2 HR LE 1 A a 0,16 » ziemlich grober a TEN DR 3,5: »".„brauner Letten 7.3 u N > Ale 8,9..» Mormsand. © .„ mes. Sa 0,3.» ‚brauner Dettene 2 7 ».. Ad.3 0W 1,3 » Quarzsand mittel und eh @ De) » 46,6 » 1,0.» . weisser.Formsand "Im Ten 0,46 .». grauer Letten., . u: 2 0» ASUREr — mittelkörniger Quarzsand (Kohlensand) von 48,06 »ab Blatt 24. Von Pelzau bei Rheda, Kreis Neustadt/ West- preussen, sandte der Geschäftsführer der Fischereivereine Ost- und Westpreussens, Herr Dr. SELIGO 1895 eine Probe von Süss- wasserkalk, dessen Lager sich in einem der etwa 100 Meter über den Seespiegel ragenden Hügel südlich von Pelzau befindet, an der Grenze der fiskalischen Forst, unter deren Waldboden das Lager fortsetzt. Es ist 10 Meter tief aufgeschlossen, und soll durch den Besitzer, Herrn ALRUTZ, im Grossen ausgebeutet werden. Blatt 47. Von dem Gute Ober-Brodnitz (ca. 11/5; Meilen südwestlich von Carthaus, zwischen Radaune- und Gr. Brodnitz- See) sandte noch im December 1892 Se. Excellenz Herr Ober- präsident Staatsminister Dr. von GossLER Braunkohlenproben, welche »angeblich in einer Tiefe von 6—7 Fuss und in circa 1 Meter Mächtigkeit« gefunden seien. Se. Excellenz bezeichnet die Zahlen als fraglich. Die Stücke erwiesen sich theils als wirkliche Braunkohle, theils als ein mit Braunkohlenstaub reich- in Öst- und Westpreussen 1893 — 1895. 25 lich durchmengter Letten von braunkohlenartigem Aussehen. Irgend welche Bauwürdigkeit ist vorläufig nicht nachgewiesen; auch muss es dahin gestellt bleiben, ob die Proben einem an- stehenden Lager oder etwa einem grossen Diluvialgeschiebe ent- stammen. Bisher waren im Carthäuser Kreise weder Braunkohle noch andere vordiluviale Schichten bekannt. In Carthaus selbst ist bekanntlich bei 83 Meter Tiefe das Diluvium ebenso wenig durchsunken worden, wie am Thurmberge bei 89,48 Meter. Ober- Brodnitz hat 160 — 240 Meter Meereshöhe. Gradabtheilung 16. Danzig. Vergleiche geologische Karte der Provinz Preussen in 1:100000, Sectionen: 12. Danzig, 13. Frauenburg, 20. Dirschau, 21. Elbing. Blatt 57. Gluckau bei Oliva, Kreis Danziger Höhe; von Herrn Bohrunternehmer OTTo BescHh; 41 Meter Diluvium bis 43 Meter Tiefe. Das Profil ist insofern von Interesse, als früher bei Gluckau Bernstein auf diluvialer Lagerstätte in Schächten von 12—22 Meter Tiefe abgebaut wurde. Es zeigt sich nun, dass jener Bergbau nicht etwa unmittelbar über Tertiär, sondern mitten im Diluvium umging. Blatt 38. Stadt Danzig und nächste Umgebung. Hier, wie überhaupt im Weichseldelta, fällt es stellenweise schwer, die Grenze zwischen Alluvium und Diluvium zu ziehen. Es kann dies mit einiger Zuverlässigkeit nur durch den eingehenden und zusammenfassenden Vergleich aller Bohrungen dieses Gebietes ge- schehen, welchen Verf. in einer besonderen Arbeit zu geben hofft. Die Entwickelung des Alluviums mit seinem Wechsel von Meeres- und Süsswasserschichten, wie auch die Ausbildungsweise des Di- luviums bieten theoretisch manches Beachtenswerthe. Von der Westpreussischen Bohrgesellschaft in Danzig erhielten wir 1894 die 2 Profile: Hundegasse No. 115: 5 Proben. 5 Meter Alluvium . . . . . bis 5 Meter Tiefe Del Diluvaums..:0 02435 °%,.1.:% 10 » » (Das Grundwasser reicht bis 0,56 Meter u. d. Oberfläche.) 26 Aurrep Jentzsch, Neue Gesteins-Aufschlüsse Städtische Gasanstalt 9 Proben: 0—38 Meter Alluvium und Diluvium; (die Wasserergiebigkeit des Bohrbrunnens beträgt etwa 260 Liter pro Minute). Von Herrn Orro BescH in Danzig 1893: TEscHnEr’sche Mühle, 6 Proben: 0—36 Meter Kohlensäure-Fabrik am Grünen Wege, 6 Pro- ben 0—32,5 Meter. Fort Kalkreuth, 22 Proben aus 6—92 Meter Tiefe sind di- luvial; aus 92—109 Meter Tiefe liegt nur eine, durch das arte- sische Wasser veränderte Probe vor, welche wohl sicher vordilu- vial ist und vielleicht ausgewaschener Grünerdemergel der Kreide- Alluviunm und Diluviıum. formation sein könnte. Lünette Wobeser (auf dem Holm zwischen Schutenlaak und todter Weichsel) 19 Proben: 49,5 Meter Alluvium und Diluvium . . . bis 49,5 Meter Tiefe. 36 » Miocäne Braunkohlenbildung . » 85,5 » » Von Legan, chemische Fabrik (links der todten Weichsel, dicht westlich des Holms) 12 Proben, derselbe 1894: 26 Meter Alluvium und Diluvium . . . . bis 26 Meter Tiefe. 34 » Miocäne Braunkohlenbildung . . » 60 » N Von Herrn E. BıEskeE in Königsberg 1894: Städtisches Schlachthaus I., 31 Proben: 10 Meter Alluvium . . bıs 10 Meter Tiefe 21, 3 Diuyiamn. nes,» 815.» » II., 28 Proben: 10 Meter Alluvium . . bis 10 Meter Tiefe. 20 >». . -Diluvaums 2 ».30 -» » Traindepot in Langfuhr, 22 Proben: 22 Meter Alluvium und Diluvium . . . . bis 22 Meter Tiefe. Von Herrn CARL SIEDE in Danzig 1893: »Am kleinen Holländer.< Mehrere Bohrproben: 19 Meter Alluvium und Diluvium . . . . bis 19 Meter Tiefe. Aus der Vergleichung dieser Profile untereinander und mit den in früheren Jahren eingegangenen ergiebt sich unter Anderem, in Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. 27 dass eine vordiluviale Untiefe in Legan liegt, wo das Diluvium minder mächtig ist als in der Stadt Danzig und deren nächster Umgebung. Es stimmt dies vortrefflich zu dem Bilde der geolo- gischen Karte, welche von der Nordgrenze des Blattes Danzig südwärts am ÖOst-Absturze des Danziger Hochlandes zahlreiche Tertiäraufschlüsse verzeichnet, die aber mit dem Krähenberge bei Danzig plötzlich enden. Eine vom Krähenberge (Miocän) nach SW. bis zu dem (als Oligocän aufzufassenden) Grünthon von Nenkau gezogene Linie begrenzt das Danziger Tertiär, und trennt in ihrer Verlängerung die Stadt Danzig von dem Miocän von Legan. Diese Linie ist, wie zum Ueberfluss hier bemerkt sei, keine ursprüngliche Verbreitungsgrenze, da südöstlich derselben Tertiär auch weiterhin noch getroffen wird. Die nun zunächst aufzuzählenden Bohrungen des Kreises Danziger Niederung stehen in einem ursächlichen Zusammenhange: Bei dem Anrücken der Choleragefahr veranlasste der Königliche Oberpräsident der Provinz Westpreussen, Herr Staatsminister Dr. VON GOSSLER, Exellenz, eine gründliche Reform der bisher fast durchweg schlechten Grundwasserverhältnisse der Weichselniede- rung durch Anlage artesischer Brunnen, deren Ergiebigkeit durch die Bohrungen bei Plehnendorf und Einlage!) nachgewiesen war. Der Kreisausschuss bezw. das Landrathsamt verfügten demzufolge die Ausführung mehrerer Tiefbohrungen und die Zusendung sämmtlicher Bohrproben. Blatt 32, 33, 39. Neufahrwasser, Schleussenstrasse No. 4: 6 Proben von Herrn Orro BescHh 1894: 3—26,7 Meter Alluvium. So tief reichte also früher hier der Meeresgrund, um in der er- heblichen Mächtigkeit von 26,7 Meter zumeist natürlich (zuletzt noch künstlich) aufgeschüttet zu werden. Blatt 39. Weichselmünde, am Nordende des Dorfes, Kreu- zung der Mittel- und Badestrasse; Profilzeichnung und 52 Proben ‚von Herrn August PFTERS in Neufahrwasser 1895: !) Jenzzscn, Bericht über die Verwaltung des Provinzialmuseums im Jahre 1892. Sitzungsber. Physikal.-Oekon. Gesellsch, 1892 S. (66). 928 ALFRED Jentzsch, Neue Gesteins -Aufschlüsse Tiefe 87 Meter Alluvium und Diluvium . . . . 2... bis 87 Meter 5 » Letten der miocänen Braunkohlenbildung » 92 » 8 » Grünsand uud Grünerde, bei 96—98 Me- i ter mit vielen N mit- hin Oligoein. 20 . a OD 4 » Kalkreicher Grünsand mit Härter eh und beı 101—104 Meter mit einem Be- lemnitenstück, mithin zweifellos als se- none Kreide aufzufassen . . . . .». 104 » Bei 104 Meter Tiefe war der Wasserstand 1,5 Meter unter der Oberfläche. Wegen der getroffenen »harten Kreide« wurde die Bohrung aufgegeben und die Röhren auf 40 Meter unter die Oberfläche zurückgezogen, wo gutes Trinkwasser vorhanden ist, welches bis 2,5 Meter unter Terrain steht. An der Schule zu Bürgerwiesen bei Danzig. Profilzeichnung und 9 Bohrproben von Herrn A. BARDUHN in Danzig, übermittelt durch Herrn ©. A. Fast in Danzig 1895. Tiefe 83,5 Meter Alluvium und Diluvrium . . . . bis 83,5 Meter 6,5 » »schwarzgrüne Steine«, deren einzige Probe aus 2 Phosphoritknollen be- steht; es ist anzunehmen, dass die- selben eine oder mehrere Bänke in Grünerde oder Grünsand des Oligocän erfüllten . : . ee > 9 » glaukonitreicher sandiger Hehöide er. gel mit Knollen harter Kreide . » 99 > Wesslinken bei Plehnendorf; 13 Bohrproben von Herrn Orro BescH 1893: 0 — 100 Meter Alluvium und Diluvium. Blatt 40. Schönrohr. Profilzeichnung und 91 Bohrproben von Herrn E. Horrmann in Nassenhuben 1895. Tiefe 30 Meter Alluyium .. ..: seen nie DIS. 30'Meber 48. :»-.. .Diluvium. uns. ee lee Bunde in Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. 39 Tiefe 5 Meter glaukonitreicher feiner Sand mit Fora- miıniteren a ee. u Meter 8 » glaukonitische Kreide, abwechselnd thonig und sandig, mit harter Kreide, beı 84—85 Meter fast weiss . . . » 91 » Enthält Foraminiferen und Belem- niten, einen kleinen Echinidenstachel, sowie einzelne unbestimmbare Mu- schelstückchen. Aus 85— 90 Meter Tiefe steigt bis 5 Meter über Tage eine freilaufende Wasserquelle, welche im zweizölligen Rohr 140 Liter pro Minute liefert. Wir haben hier 13 Meter senone Kreide anzunehmen, über welcher das Tertiär örtlich vollständig fehlt. Wahrschemlich ist es, ebenso wie die obersten Senonschichten, durch diluviale oder vordiluviale Erosion zerstört. Nickelswalde, 240 Meter rechts von Kilometer 219 + 830 des Weichseldurchstichs. 18 Proben von Herrn CARL SIEDE in Danzig 1893. Tiefe 82,25 Meter Alluvium und Diluvium.. . . . bis 82,25 Meter 0,5 » Grünsand ? Oligocän 1,0» grober Quarzsand ) 1,75 Meter . » 84 > 13,15 » Grünsandmergel, . mithin obere Ireidesekaa et Dr ale ee OH, >» Aus dem bereits im Vorjahre fertiggestellten Bohrloche sah Verfasser am 9. October 1892, gelegentlich der im Auftrage der Geologischen Landesanstalt ausgeführten Begehung des Weichsel- durchstichs das Wasser über Tage austreten. Nach gefälliger Mittheilung des Herrn Ingenieur BECK lieferte das 3 Zoll weite Bohrrohr durch das zweizöllige Anschlussrohr in 24 Stunden 734 Kubikmeter, oder 510 Liter pro Minute. Es wurde u. A. zum Lokomotivspeisen benutzt, erwies sich dabei zwar als hart, aber sonst selbst für diesen Zweck geeignet, insbesondere als reines Trinkwasser. 30 Aurrep Jentzsch, Neue Gesteins-Aufschlüsse Seit dem Frühjahr 1895 strömt die Weichsel bei Hochwasser über diesen Bohrpunkt. Ob der Plan, das erbohrte Wasser unter dem Stromdeiche nach der eingedeichten Niederung zu leiten, ausgeführt worden, ist dem Verfasser unbekannt !). Blatt 40/46 ist der grosse Weichseldurchstich (über dessen Aufschlüsse besonders berichtet werden soll), genau planmässig ausgeführt und mit dem Frühjahrshochwasser am 31. März 1895 Nachmittags 3 Uhr 45 Minuten eröffnet. Der Weichsel wurde dadurch eine neue Mündung in die Ostsee gegeben, 10 Kilometer östlich der im Frühjahr 1840 durch einen Dünendurchbruch ent- standenen Mündung von Neufähr, und 20 Kilometer östlich der jahrhundertelang bis zum Frühjahr 1840 bestandenen Mündung von Weichselmünde-Neufahrwasser, deren ruhiges Wasser jetzt die Einfahrt des Danziger Hafens bildet. Blatt 44. Bölkau bei Kahlbude, Kreis Danziger Höhe; Bohrproben von Herrn CARL SIEDE in Danzig 1893: 3— 45 Meter Diluvium. Marienthal bei Kahlbude; von Demselben 1893: 0 — 17,1 Meter Diluvium. Blatt 45. Gottswalde bei Wotzlaff. Kreis Danziger Niede- rung. Leider nur 6 Bohrproben von Herrn OTTo BescH: 75,5 Meter Alluvium und Diluvium . . bis 75,5 Meter Tiefe 17,5 » glaukonitisch-sandiger Kreide- mergel .ı 7 nr 93 » » Wotzlaff, Kreis Danziger Niederung; von Demselben, leider gleichfalls nur 6 Bohrproben: 82 Meter Alluvium und Diluvrium . . bis 82 Meter Tiefe 11,5 » anscheinend Kreidemergel . » 955 » > Blatt 46. Aus Letzkauer Weide, Kreis Danziger Niederung, sandte 1894 Herr OrTo BescH 11 Bohrproben: 1) Nachschrift während des Druckes: Wie Se. Excellenz Herr Oberpräsident, Staatsminister Dr. von GossLer am 22. September 1896 mir gütigst mittheilt, ist der in Nickelwalder Aussendeich gelegene Brunnen in den Besitz des Fiskus übergegangen und dient zum Tränken der Pferde und des Viehes, welche als Pachtvieh eingestellt werden. in Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. 31 79 Meter Alluvium und Diluvium . . bis 79 Meter Tiefe 2,5 » harte Kreide . . . .... » 81,5 » » Schmerblock, Kreis Danziger Niederung; Von einem 1894 erbohrten Dorfbrunnen sandte Herr Bauunternehmer E. HOFFMANN in Nassenhuben Profilzeichnung und 50 Bohrproben: Tiefe 6 Meter Alluvium .° . .- 2°. 22 2 02002 0. bis 6 Meter 68 » Diluvium, in den untersten 20 Meter reich an Miocän-Materal . . . . >». Tk » 20 » Grünsandmergel .-. ... . . ger 15. > weısse Kreide mit Knollen harter Kreide » 109 » Aus 74 Meter Tiefe stieg eine Wasserquelle 2 Meter über die Erdoberfläche, und aus 97—109 Meter Tiefe bis 5 Meter über Tage; dieselbe liefert 135 Liter pro Minute. Die mit 35 Meter Mächtigkeit nicht durchsunkene Kreide stellt neben Tiegenhof das mächtigste Kreideprofil des nördlichen Westpreussens vor. Käsemark, Kreis Danziger Niederung, Dorfbrunnen. Profil- zeichnung und 50 Bohrproben von Herrn E. HorrMmAann 1895: Tiefe 10 Meter Alluvium . . 2 2 2202020202... bis 10 Meter 54°». =.Diluvium.-. . Me NT 12 » _miocäne Be etlenkildine er 10°» sollgoeäner Grünsand . . ». 2 .2..».86 » 8 » Grünsandmergel \ Obere Kreide, 12 » Weisse Kreide mit wahrscheinlich Knollen von harter Senon. Kreide 20 Meter . . » 106 » Aus 95 — 105 Meter Tiefe steigt eine Wasserquelle bis 3,5 Meter über Tage und liefert 26 Liter pro Minute. Blatt 50. Sobbowitz, Hausbrunnen des Herrn Director HAGEN. DBohrregister und 2 Bohrproben von der Westpreussischen Bohrgesellschaft 1894: 0— 38 Meter Diluvium. 32 Aurrep Jentzson, Neue Gesteins-Aufschlüsse Blatt 57. Dirschau Die wichtigsten Diluvialprofile dieser Blatt 59. Marienburg ) Blätter hat Verfasser in einem be- sonderen Aufsatze !) beschrieben. Von vordiluvialen Schichten bleibt noch hervorzuheben das von Herrn Dr. HennıG, Oberlehrer an der Landwirthschaftsschule in Marienburg 1895 in 16 Schichtenproben übersandte Profil vom Gymnasium zu Marienburg: Tiefe 6: Meter Schutt‘ .- . „ee... Dis Were 93 » + „Diluvium: ;)..) Open Po » 14,5 » glaukonitreicher, kalkhaltiger Quarz- sand mit Nodosaria, vielen kleinen Echinidenstacheln, 1 Stückchen Ino- ceramus und unbestimmbaren Bi- ‘ valvenresten . . . el. > 10,5 » kalkreicher feiner Grünsand mit Fora- miniferen und einzelnen kleinen Echinidenstacheln "wer... >». 2a 6,5 » glaukonitischer Kreidemergel mit Feuersteinen und Phosphoriten, unbestimmbaren Bivalvenstücken und einer deutlichen Belemnitella mueronata, welcher eine sSerpula aufgewachsen ist '. . 2 Wan 7.2: » 20 Die Stellung der drei tiefsten Proben zur Kreideformation hatte schon Herr Dr. HennıG sofort erkannt. Obwohl nur diese drei Proben vorliegen, ist dies 31,5 Meter mächtige, typisch ober- senone Kreideprofil wegen seiner Versteinerungsführung das wichtigste Kreideprofil des nördlichen Westpreussens. An Mäch- tigkeit steht es zwar hinter den ostpreussischen Profilen (264 Meter, ohne das Liegende zu erreichen!) noch weit zurück, wird aber im nördlichen Westpreussen nur von Schmerblock (35 Meter) und Tiegenhof, im südlichen Westpreussen nur von Thorn (83 Meter) !) Das Interglacial bei Marienburg u. Dirschau. Dieses Jahrbuch für 1895, S. 165 — 208, in Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. 33 und Czernewitz (78,5 Meter) übertroffen. Unser Nachweis von Belemnitella mucronata stellt das Alter endgiltig fest, und wird gestatten, die im Weichsel-Nogatdelta und dessen Umgebung an zahlreichen Stellen unter Tertiär oder unmittelbar unter Diluvium auf wenige Meter angebohrten Kreideschichten wenigstens theil- weise zu einem Idealprofile zu verbinden. Da Mucronatenkreide 13 Kilometer südöstlich von hier bei Kalwe, Kreis Stuhm (Section XXI, Elbing d. geol. Karte d. Pro- vinz Preussen) in etwa 50 Meter Meereshöhe zu Tage ansteht, fällt ihre Oberfläche auf diese Strecke etwa 140 Meter, oder 1:90 im Durchschnitt. Da ein völlig gleichmässiges Einfallen wohl nicht anzunehmen ist, dürfte sie also ım Einzelnen noch stärker in dieser Richtung einfallen. Gradabtheilung 17. Elbing. Vergl. Geologische Karte d. Provinz Preussen 1: 100000, Section 6. Königsberg, 13. Frauenburg, 14. Heiligenbeil, 21. Elbing u. 22. Wormditt. Blatt 4. DBrüsterort. In dieser wogenumbrausten Nord- westecke des bernsteinreichen Samlandes liegen die Schichten des 'Tertiärs und des Diluviums z. Th. gestört. Zu den (in d. Schriften d. Physik.-Oekon. Ges.) von ZADDACH 1860 u. 1867, BERENDT 1866 und dem Verfasser 1875 beschriebenen und abgebildeten Strandprofilen und den (im Bericht über das Provinzialmuseum 1892) erwähnten drei Bohrungen von Dirschkeim kamen 1893 noch durch Herrn BiIESKE hinzu: Feldmark Gr. Dirschkeim, Kreis Fischhausen, Bohrloch No. 4, 58 Proben: Tiefe 45 Meter Diluvium, meist reich an Tertiärmaterial bis 45 Meter ll » _ Unteroligocän (sogenannte Bernsteinfor- mation), bei 46—50 Meter mit Phos- PROEIGEH m ee au 8, 564-0 Grutshof Gr. Dirschkeim, Bohrloch No. 5, in einem 16 Meter tiefen Kesselbrunnen, 16 Proben aus 16— 32 Meter Tiefe. Unter 2 Meter Schutt mit Miocänsand traf die Bohrung von 18—32 Meter Miocän und Öligocän, und bei 31—32 Meter Tiefe Jahrbuch 1896. 3 34 ALFRED JENTZSscH, Neue Gesteins -Aufschlüsse Thoneisenstein. Die Oberkante dieser für ZApDDAcH’s »Krant« bezeichnenden Gesteinsschicht liegt somit, da der Gutshof nach Angabe des Messtischblattes 90 Decimalfuss = rund 34 Meter Meereshöhe besitzt, etwa 2—3 Meter über dem Meeresspiegel. Hierdurch ist ein neuer Festpunkt für die Construction der von BERENDT auf der geologischen Karte eingetragenen Streichlinien des Tertiärs gegeben. Denn die Grenze zwischen Miocän und Oligocän ergiebt sich nunmehr, übereinstimmend mit der Glau- konitführung der Bohrproben, zu 21 Meter unter Tage oder 13 Meter über dem Meere: nur 3 Meter tiefer, als die hypothetische Horizontale der Karte besagt. Diese Differenz, welche wegen der unvermeidlichen Fehler der Bohrtiefen und der Höhenschätzung noch mit einer Unsicherheit von etwa + 2 Meter behaftet er- scheint, ist sehr geringfügig und deshalb eine neue Stütze dafür, dass ungeachtet gewisser örtlicher Störungen doch im Grossen und Ganzen die von ZADDACH und BERENDT construirten Streichlinien dem Thatbestande entsprechen. | Blatt 5. Gutshof Warnicken, Kreis Fischhausen ; etwa 49 Meter über dem nur etwa 400 Meter entfernten Meeresspiegel. 120 von Herrn BIESKE eingesandte Proben einer 120 Meter tiefen, leider erfolglos gebliebenen Brunnenbohrung ergaben 1895, dass die von ZADDACH an der Steilküste beobachtete Unterbrechung der Tertiärschichten durch eine, mit complicirt gelagertem Diluvium erfüllte, bis zum Meeresspiegel hinabreichende Auswaschung auch in genannter Entfernung und bis tief unter den Meeresspiegel noch in gleicher Weise fortsetzt. Von 15— 120 Meter Tiefe gleichen die meisten Bohrproben den aus dem Senon Königsbergs und des Samlandes bekannten Schichten. Doch fanden sich in verschiedenen Tiefen Geschiebe; beispielsweise -solche in Haselnussgrösse aus Granit, Quarzit und silurischem Kalk bei 95— 99 Meter Tiefe; und Hühnerei- grosse Granite (neben harter Kreide) bei 116— 117 Meter Tiefe unter Tage, mithin‘ noch bei 67—68 Meter unter dem Meeresspiegel. Ein schon im Jahre 1892 von Herrn E. Quick in Königs- berg eingesandtes 109,4 Meter tiefes Bohrprofil des Gutes War- nicken zeigt bis 36 Meter Tiefe entschiedenes Diluvium, von da in Öst- und Westpreussen 1893 — 1895. 35 ab aber gleichfalls vorwiegend Senon - ähnliche Schichten mit zwischengelagerten Bänken von Geschiebemergel und Tertiär, so- wie mit Geschieben bis 97 Meter Tiefe, beispielsweise mit Wesen- berger Kalk bei 90— 91 Meter Tiefe. Aehnliche Diluvialfetzen sind zwischen Tertiär und Kreide auch in mehreren anderen Boh- rungen Östpreussens getroffen worden. Es liegen also hier nicht etwa zufällige Ungenauigkeiten einer Bohrprobenfolge, sondern thatsächlich Störungen anstehender Ge- steine vor, zu deren speciellerem Studium die Warnicker Profile werthvolles Material bieten. Ob dieselben in dem durch von KoENEN und den Verfasser seit Jahren vertretenen Sinne zu deuten sind, bleibe dahingestellt. Blatt 10. In Nodems, hart am Strande, unmittelbar über dem Meeresspiegel, liess 1892 — 94 Herr Rittergutsbesitzer SEM- BRITZKI drei Bohrungen abteufen, deren Proben theils von ıhm, theils von Herrn BiEsKE, theils von der Firma R. QuÄck’s Wittwe eingesandt wurden: Ne. 1. 50 Meter tief. » I. 1250 » nordnordwestlich von No. I. » II 500 » nordwestlich von I. Alle drei Bohrungen trafen unter dem jüngstalluvialen Ostsee- sande Miocän und Oligocän und erreichten die Bernstein-führende Blaue Erde ın I bei circa 28 Meter. s2 11 v5 Dear » SSTLE > ER Y, » Etwa 1000 Meter nördlich von Il, 350 Meter südlich der Flurgrenze zwischen Nodems und Lesnicken traf eine vierte Boh- rung nach Mittheilung des Herrn SEMBRITZKI »nur sandiges Zeug«. Eine von demselben mir vorgelegte Probe aus 18 Meter Tiefe er- wies sich als nordischer Spathsand, mithin Diluvium. Es scheint mithin hier vielleicht eine ähnliche Lücke wie bei Warnicken im Tertiär aufzutreten. Auch sind wohl tiefgreifende Störungen im Tertiär vorhanden. Denn während zwischen II und III die blaue Erde (im Ganzen betrachtet) mit 1:28 nach N. fällt, steht zwi- 3* 36 Aurkep Jentzsch, Neue Gesteins-Aufschlüsse schen beiden Punkten (circa 200 Meter südlich von II) ein etwa 1 Meter mächtiges Braunkohlenflötz (Fundpunkt der Muthung »Rudolph«) unter und über je 1,5 Meter Miocänsand an, und fällt auf 90 Meter Längserstreckung um etwa 5,5 Meter, mithin 1:16 nach S., also entgegengesetzt. Schon 1875 sah Verfasser bei Nodems am Strande ein steilgestelltes Braunkohlenflötz. Es ist also auch hier das Tertiär zwar im Grossen regel- mässig gelagert, aber im Kleinen nicht frei von Störungen. | Die Bohrungen von Nodems bezeichnen den südlichsten Auf- schluss der »blauen Erde«, deren Verbreitung bisher an der West- küste nur von Rosenort (nahe Samlands Nordwestspitze), süd- wärts bis Palmnicken auf 11000 Meter Länge, sowie im Binnen- lande noch 2700 Meter südlicher (fiskalische Bohrung Markehnen) bekannt war, nun aber bis 6500 Meter südlich von Palmnicken, also auf 17,5 Kilometer Gesammterstreckung von N. nach S. nach- gewiesen ist. Das marine Oligocän (die sogenannte Bernsteinformation) ist zwar noch fast 20 Kilometer südlicher ın Pillau erbohrt, doch ist ‘ die bernsteinreiche »blaue Erde« bisher dort ebenso wenig ge- troffen, wie seiner Zeit in der fiskalischen Tiefbohrung Geidau, welche 8 Kilometer südöstlich von Nodems liegt. Die Bohrungen in Nodems haben einen praktischen Erfolg gehabt: Die Zeitungen berichten, dass das Gut von der Bernstein- Firma Stantien & Becker behufs Errichtung eines Bernstein- Bergbaues angekauft worden sei; dieselben berichten auch, dass die »Alte Grube« in Palmnicken am 1. April 1896 aufgegeben, dagegen die »Neue Grube« der Firma in Kraxtepellen fortgeführt werden soll. Bei dieser Gelegenheit sei noch mitgetheilt, dass am 27. No- vember 1893 in der Bernsteingrube ein bisher unerhörtes Ereigniss stattfand: eine kleine Explosion schlagender Wetter, welcher ein Menschenleben zum Opfer fiel. Da selbst in Braunkohlengruben schlagende Wetter selten vorkommen, ist der Fall merkwürdig genug. Verfasser möchte ihn auf die Zersetzung der ın ziemlichen Mengen in der blauen Erde vorkommenden Hölzer und der sonstigen eingebetteten organischen Reste zurückführen. Herr in Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. 37 Medicinalassessor Prof. Dr. SEYDEL hat den Vorfall kurz be- schrieben ). Königsberger Zeitungen berichteten darüber u. A. am 29. November 1893. Blatt 22. Seebad Neuhäuser, Kreis Fischhausen. Eine vom Badecomite durch Herrn BıEskE 1895 abgeteufte Brunnenbohrung ergab O— 1 Meter Alluvium, 1— 40 Meter Diluvium (40 Proben). Schäferei bei Neuhäuser; 68 Proben von Herrn BıEskE 1894: 16 Meter unbekannt (Kesselbrunnen) bis 16 Meter Tiefe Den .Diluvaum. —) 2umoun. u san n 84, » Fort Stiehle bei Pillau; zwei Profile mit 25 bezw. 34 Proben von Herrn BıEskE 1893 bezw. 1894 ergaben: I. 0—25 Meter Diluvium ll. 0-34 » » Blatt 30. Perwilten, Kreis Heiligenbeil. 42 Proben von Herrn BıEsKE 1894. 11 Meter Diluvum . !. . . . 2... bis 11 Meter Tiefe 3l » _ Miocäne Braunkohlenbildung . . » 42 » » Das Profil bezeichnet den nordöstlichsten Punkt des seit langem durch THoMAs, SEYDLER, BERENDT, JENTZSCH bekannten, . zuletzt durch KreBs beschriebenen Heiligenbeiler Tertiärs, und verbindet letzteres mit dem samländischen einerseits, mit dem ın Natangen zu Karschau bei Königsberg erbohrten anderseits. Innerhalb dieses Heiligenbeiler Tertiärgebietes liegt es ın der NW.-Fortsetzung jenes von Tykrigehnen bis in der Nähe von Creuzburg bekannten Tertiärrückens, in welchem ausser den auf der geologischen Karte verzeichneten Aufschlüssen der Verfasser auch noch beim Neubau der Chaussee zwischen Tykrigehnen und Globuhnen Braunkohlensand aufgeschlossen fand. Durch seine Mächtigkeit von 31 Meter gewährt es einen Anhalt für die strati- graphische Anordnung der zahlreichen geringmächtigen Tagesauf- schlüsse des dortigen Tertiärs. Blatt 34. Heiligenbeil, Kreis Heiligenbeil. Herr BIESKE sandte 1893/94 drei Profile: l) Sitzungsber. d. Physik.-Oekonom, Gesellsch, 1895, S. [3] — [4]. 38 Aurren Jentzsca, Neue Gesteins -Aufschlüsse I. Aus einem 6,5 Meter tiefen Brunnen auf dem Feierabend- Platz 43 Proben: Tiefe 43,5 Meter Miocäne Braunkohlenbildung . . . bis 50 Meter II. Aus einem 9 Meter tiefen Brunnen in Penner’s Brauerei, etwa 800 Meter westsüdwestlich von I, 69 Proben: | Tiefe 4 Meter Miocänmaterial mit nordischen Ge- schieben: . .: set. 20.22. Bea Meter 63 >»: Miocäne Braunkohlenbildung . ... „U » Tb zu III. Aus der Obstverwerthungsanstalt, etwa 1300 Meter ost- nordöstlich von I, etwa 2100 Meter ostnordöstlich von II, 68 Proben: Tiefe 77 Meter Miocäne Braunkohlenbildung . . . . bis 77 Meter Da dies die grösste bis jetzt in Östpreussen beobachtete Mächtigkeit der Braunkohlenbildung ist, möge eine vorläufige Uebersicht des Schichtenprofils hier folgen: Tiefe 10 Meter Formsand . . „ „en. 2. be IOMerr 1 ee lietten u... MT, Kern 0 1 .». :. femer.Sand Tal. SuLBUeee LEN‘. Sera 5...9. ", Izetten. 2.01... VIE N Sr 2. v Teinerisandkı .....030 “De ee 2 1 ». brauner (betten_. ;. x. SUEr ERBE ER DES 4# x, 2:Kohle mit: Holz: '.. ... Zara 32 Fa 10 wii 8and. 1. 7 ann DNa Ser Dee 2 » grober Quarzsand bezw. Quarzkies . . » 46 » 13 .»: ‚hellgrauer.'ihoniger Letten . »r ea. 21930 3.23%.) !bräunlieber. Betten .ı U. 2 20 Tas 620 2!» : ‚feinsandiger Letten „7 . Were re, 6 6 Dane ei VIREN RE ER 1.2 groben /Quarzsand '. 1. Na ir ner re Wegen der voraussichtlichen Neigung der Schichten sind die wirklichen Mächtigkeiten etwas geringer anzunehmen. Immerhin scheint, nach dem Vergleiche mit anderen Heiligenbeiler Miocän- profilen, die Schichtenneigung eine so flache zu sein, dass die in, Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. 39 wirklichen Mächtigkeiten nur unwesentlich von den beobachteten abweichen dürften. Dies schöne Profil wird in Zukunft gestatten, die Gliederung der Heiligenbeiler Braunkohlenbildung vollständiger und schärfer als bisher zu begründen, und die zahlreichen bekannten flachen Tagesaufschlüsse derselben sicherer in die einzelnen Abtheilungen einzuordnen. Dies hier auszuführen, würde den Umfang dieses Berichtes übersteigen, weshalb Verfasser sich dies für eine be- sondere Mittheilung vorbehält. Blatt 35. Schneidemühle Lokehnen bei Zinten, Kreis Hei- ligenbeil. 12 Proben von Herrn BıeskE 1895: 15 — 56 Meter Diluvium. Blatt 39. Bergschlösschenbrauerei zu Braunsberg, Kreis Braunsberg. Profilzeichnung und 50 Bohrproben von Herrn BIESKE bezw. von dem Director der Brauerei Herrn CARL MÜCKENBERGER. Tiefe Zr iMeter Biluvraum .. .° 2.0. 02°. 02 5 .$bis 75: Meter 6 » Miocäne Braunkohlenbildung . . . » 81 „ 25,5 » Grünthon, mithin Unteroligocän . » 106,5 » Ein grosser Theil des Miocän, sowie der bernsteinführende Theil des Oligocän fehlen also hier. Dagegen ist der Nachweis von Grünthon wichtig für die Verbindung des samländischen mit dem: Vorkommen bei Heilsberg, Pr.-Holland, Osterode, Stuhm, Hermannshöhe und Danzig, zumal südöstlich von Braunsberg auf der Eisenbahn-Haltestelle Vogelsang (nicht zu verwechseln mit dem Diluvialaufschluss Vogelsang bei Elbing!!) früher Kreide unmittelbar unter Diluvium getroffen worden ist. Lagerung und Verbreitung des Tertiär sind offenbar bei Braunsberg sehr un- regelmässig, wie auch aus den in den 1850er Jahren ausgeführten, ohne praktischen Erfolg gebliebenen Braunkohlenbohrungen her- vorging. Blatt 43. Herr Förster Rıersch in Forsthaus Scharfenberg, Post Lenzen, Kreis Elbing, sandte 1894 Mittheilungen über einen in jener Gegend ausgeführten Abessinierbrunnen, welchem aus 12 Meter Tiefe ein brennbares Gas entströmte. Brennbare Grase 40 Aurrep JentzscHh, Neue Gesteins- Aufschlüsse sind auch anderwärts in der Provinz beobachtet, z. B. zu Tiefen- see, Kreis Stuhm ). Aus dem vom Verf. aus dem Provinzial- Museum an Dr. MADSENn in Kopenhagen zur Untersuchung auf Foraminiferen gesandten Material Cyprinen-führenden Elbinger Yoldia-Thones zwischen Reimannsfelde und Succase hat dieser Foraminiferen beschrieben ?). Im gleichen Material sind solche auch von Dr. Korn ?) und später auch vom Verf. beobachtet worden. MADpseEn fand 1) in einem Yoldia arctica-enthaltenden Stücke von Reimanns- felde: Mikiolina seminulum L., M. subrotunda MTG., Haplo- phragmium pseudospirale WILL., Rotalia beccarü var. lucida MADSEN, Nonionina depressula WALK et JAC., N. de- pressula var. orbicularis BRADY, ausserdem Ostracoden. 2) In einem Öyprina Islandica führenden Stücke von Reimanns- felde: Nonionina depressula WALK et JAc. 3) In einem Yoldia-führenden Stücke von ScHmipT’s Ziegelei, Abbau Lenzen: Truncatulina lobatula WALK et -Jac., Nonionina depressula WALK et Jac., sowie Östracoden. Alle diese Foraminiferen, mit Ausnahme von Haplophragmium sind auch im »Aelteren Yoldia-Thon« Dänemarks gefunden. Blatt 49. Hausdorf bei Pr. Mark, Kreis Elbing. Von Herrn Rittergutsbesitzer BOROwsKI erhielt Verf. Schichtenproben und Lageskizze mehrerer kleiner Bohrungen bis zu 30 Meter Tiefe, welche ein erhebliches Lager diluvialen Thonmergels aufschlossen. Ein nach Angabe des Bohrobmanns bei 25 Meter Tiefe gemachter Kohlenfund erwies sich bei der geologischen Untersuchung sofort als Steinkohle, mithin als auf Täuschung beruhend. Blatt 55. Haltestelle Marcushof bei Rückforth, Kreis Marien- burg. Von Herrn BıESKE 1894 eine Probe aus 8—12 Meter Tiefe: Alluvialer Schlick voll Süsswasserconchylien (Valvata piscinalis, Unio sp., Fischschuppen u. s. w.), Das Planum der Eisenbahn 1) Vergl. Jusızson, Erläuterungen zu Blatt Gr. Rohdau der geologischen Specialkarte von Preussen, Gradabtheilung 33, No. 12. 2) Mapsen, Note on German pleistocene Foraminifera.. Meddelelser fra Dansk Geologisk Förening No. 3. Kjöbenhavn 1893, S. 15—15. 3, Neues Jahrb. f. Mineralogie 1895, II., S. 145. in Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. 41 liegt dort inmitten der völlig ebenen rechtsseitigen Nogat-Niede- rung 0,1 Meter unter Normalnull. In mindestens 12 Meter Mäch- tigkeit ist also hier das Delta aufgebaut und bis 12 Meter unter dem Östseespiegel reichen die Süsswasserablagerungen ohne irgend welche Spuren von Meeresthieren. Dies entspricht also den Ver- hältnissen des Pregelthales, dessen alluviale Süsswasserschichten in Königsberg reichlich 20 Meter unter den Meeresspiegel hinab- tauchen. Blatt 55/56. Hohendorf bei Reichenbach, Kreis Pr. Holland; 41 Proben von Herrn Bohrunternehmer W. StupTiI in Pr. Holland 1894: 0—68 Meter Tiefe . . . Diluvium, bei 68 >» » - .. . Braunkohlenholz. Blatt 56. Neu-Kussfeld bei Hirschfeld, Kreis Pr. Holland; 43 Proben von Herrn W. Stuprı 1893: 4 Meter Alluvium . . . bis 4 Meter Tiefe. Aa ee Diluvium io, 0», 52 > » Vorwerk Sangershausen (zwischen Schönfeld und Alt-Kuss- feld), Kreis Pr. Holland. 27 Proben von Herrn Sruprı 1894: 0—-26,2 Meter Tiefe . . . Diluvium. Blatt 57. Rahnau bei Pr. Holland, Kreis Pr. Holland. Im Jahre 1893 sandte mir der Gutsbesitzer Herr E. HAAGEN aus 0 — 11,5 Meter Tiefe seines Torfmoores 22 Schichtenproben. In je 0,5 Meter Abstand entnommen, gewähren dieselben ein voll- ständiges Bild von dem Aufbau und der Entwickelung dieses Torfmoores, welches in den mittleren Schichten Trapa natans, in den unteren zahlreiche Diatomeen enthält. Herr Dr. A. LEMCKE hat die Proben botanisch untersucht und beschrieben 1). Auf dem von grandigem Sand unterteuften Wiesenmergel mit Pupa liegt ein Rasenmoor mit Birken, Kiefern, Haseln, Erlen, Farnen und Lycopodiaceen, Gräsern und Halbgräsern, Algen und Fisch- und Insectenresten. Blatt 59. Eisenbahn- Haltestelle Sporthenen, Kreis Moh- rungen. Herr BIEsKE sandte 1893 dem Provinzial - Museum ) Sitzungsbericht Physikal.-Oek. Gesellsch. 1894, S. 35 — 34. 42 Aurren Jentzsch, Neue Gesteins-Aufschlüsse 72 Proben aus 0—72,5 Meter Tiefe und der Königliche Abtheilungs- baumeister Herr KRÖBER 1893 eine gleiche Folge. Sämmtliche Proben erwiesen sich als diluvial. Gradabtheilung 18. Königsberg. Vergl. geolog. Karte der Provinz Preussen in 1: 100000, Seetionen: 6. Königs- berg, 7. Labiau, 14. Heiligenbeil, 15. Friedland, 22. Wormditt. Geologische Specialkarte von Preussen in 1:25000, Lieferung: XLVII. Heils- berg, LXI. Bartenstein, LXXV. Rössel. Blatt 2. Kleinthüringen, auf der Wurzel der Kurischen Nehrung nahe NO. von Cranz: 16 Bohrproben von Herrn BIESKE 1894: 0—16 Meter Alluvıum und Diluvium. Blatt 8. Oberförsterei Fritzen, Kreis Fischhausen. 76 Proben von Herrn BIESKE 1894: Tiefe 62,5 Meter Diluvium . . . '. „0.2 2.0.2... be 6280er 13,5 » _Obersenoner Grünsandmergel mit har- ter Kreide, bei 68 Meter Tiefe mit Belemnitenstücken . .. ... "22.2... SAT Auch hier fehlt also, wie ım ganzen nordöstlichen Ostpreussen (mit Ausnahme Purmallens), das Tertiär, welches vor Ablagerung der Diluvialschichten auf weite Flächen hin zerstört worden ist. Eine bei 64 — 68 Meter unter Tage liegende weissliche, kreideähnliche Schicht ist sichtlich die Vertreterin der vom Verf. aus dem Obersenon Königsbergs früher beschriebenen Kreidebank, deren Oberkante in Königsberg 72 — 84 Meter unter dem Meere liegt. Da der Bohrpunkt Fritzen nach dem Messtischblatte etwa 17 Meter Meereshöhe hat, so liegt diese Oberkante in Fritzen nur 47 Meter unter dem Meere, mithin 25 Meter höher als in Königsberg. Dies ergiebt als durchschnittliches Einfallen nach S. 1:540 — ein Verhältniss, welches von Neuem die schon oben unter »Memel« hervorgehobene flache Lagerung der Schichten im nördlichen Ost- preussen darthut. Auch hier fallen die Kreideschichten, wie die- jenigen des Juras auf der Strecke Bajohren-Memel, von N. nach in Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. 43 S., wie es dem Aufbau einer alten weiten Ausfüllungsmulde ent- spricht. Hätten die tiefsten der in Königsberg erbohrten Kreide- schichten ein gleich schwaches Einfallen in gleicher Richtung, so würden dieselben erst etwa 108 Kilometer nördlich von Königs- berg, d. h. 4 Kilometer südlich der Breite von Memel, bis auf 80 Meter unter dem Meeresspiegel — die durchschnittliche Tiefe des dortigen Diluviums — ansteigen. Da aber ın Memel der jurassische Lamberti-Thon bis 63 Meter unter dem Meere aufragt, so folgt: dass die Unterlage der Kreideformation von Memel bis Königsberg, d. h. von NNO. nach SSW. mindestens ebenso schnell einfällt, als die obersenone Kreidebank von Fritzen bis Königsberg in N.—S.-Richtung. Diese Unterlage ist nämlich in Königsberg bei 301 Meter unter Tage oder 280,8 Meter unter dem Meeresspiegel noch nicht erreicht. Sie fällt also von Memel bis Königsberg mehr als 217,8 Meter auf 118 Kilometer, d. h. stärker als 1:541. 56 Kilometer SSO. von Memel, ist in Ibenhorst, dem nörd- lichsten bekannten Kreidepunkte Ostpreussens, die Kreideformation mit 98,5 Meter Mächtigkeit bei 128,5 Meter unter Tage oder etwa 119 Meter unter dem Meere noch nicht durchsunken worden. In dieser Richtung fällt also die Unterlage der Kreide mindestens 56 Kilometer oder mindestens 1:1000. Aus diesen Daten in Verbindung mit den vom Verf. früher publicirten Bohrungen und dessen Beobachtungen über die Vertheilung der Oxford- und Cenoman-Geschiebe construirt sich in der Richtung NNO.—SSW., das in Taf. IV, Fig. 2 wiedergegebene Ideal-Profil des nörd- lichen Ostpreussens von Bajohren bis Königsberg. Die Verbin- dungslinie beider Punkte berührt Purmallen und Memel und führt von Ibenhorst nur 34 Kilometer westlich, von Fritzen 4 Kilometer östlich vorbei, sodass beide Punkte vorläufig mit einbezogen werden können. Die stellenweise eingeschalteten Reste einer ehemaligen Oli- gocändecke sind an willkürlichen Stellen eingezeichnet, um ein zweifellos thatsächlich stattfindendes Verhältniss wenigstens sche- matisch anzudeuten. Dasselbe gilt von dem angedeuteten Oxford- 44 Aurren JEentzscn, Neue Gesteins-Aufschlüsse rest nördlich Memel. Dagegen ist das Oligocän bei Königsberg und der stellenweise darauf liegende Rest der Miocänen Braun- kohlenbildung nach thatsächlichen, theils vom Verf. früher ver- veröffentlichten, theils unten mitzutheilenden Beobachtungen dar- gestellt. Im Uebrigen erklärt sich das Profil wohl von selbst. Blatt 11. Labiau, Kreiskrankenhaus. 65 Proben von Herrn BIESKE 1895: 34 Meter Diluvium. . . . 2... bis 34 Meter Tiefe. 31 » _ Kreidemergel vom Charakter des Königsberger Senons » 65 » > Bis hierher südwärts dehnt sich also das für den NO. Ost- preussens bezeichnende Fehlen des Tertiärs aus. Dass Letzteres ursprünglich in der Nähe vorhanden gewesen, aber in der Dilu- vialzeit zerstört worden, wird durch die Braunfärbung des Ge- schiebemergels bei 20—29 Meter Tiefe angedeutet. Aus der Cholerastation Grabenhof, dicht nördlich von Labiau, erhielt das Provinzialmuseum 1894 ein Bohrregister bis 54 Meter Tiefe von dem Herrn Regierungs - Präsidenten und auf dessen Verfügung 54 Bohrproben von Herrn BIESKE. 10 Meter Süsswasser-Alluvium . . bis 10 Meter Tiefe. 29 » Diluvium 2.22 er, » 89 » » 15: ». Kreidemergel "IT. 2 2 Un 3a 7 > Im Alluvium ist bemerkenswerth das Vorkommen von Dreissen- sia polymorpha bei 5 — 6 Meter Tiefe, wodurch Kress Beob- achtung!), dass diese angeblich erst im vorigen Jahrhundert bei uns eingewanderte Muschel schon in einem früheren Abschnitte der Jungalluvialzeit bei uns lebte, von Neuem bestätigt wird. Dass sie schon in der älteren Diluvialzeit bei uns lebte und erst während letzterer hier vorübergehend verschwand, habe ich bereits 1877/80 nachgewiesen ?). 1) Malacozoolog. Blätter. N. F. IX, S. 151—153. 2) Sitzungsber. d. Vers. deutscher Naturforscher und Aerzte in München 1877, S.165. Zeitschr. geolog. Gesellsch. XXXIH, 1880, 8. 667. in Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. 45 Von Grabenhof sandte Herr BıEsKE noch 2 Proben aus 0 bis 8,75 Meter Tiefe eines zweiten Brunnens, dessen dem Alluvium entnommenes Wasser durch Enteisenung gereinigt werden soll, da die Kreide kein Trinkwasser lieferte. Blatt 13. Königsberg, Nordwest. Genossenschafts- meierei in der Chausseegabel östlich Prowehren, Kreis Fischhausen. 11 Proben von Herrn BIESKE 1894: 0— 10,34 Meter Diluvium. Kosse, Kreis Königsberg, Ostpreussische Holzcommanditgesell- schaft ALBRECHT & LEWANDOWSKI. 65 Proben von dem Brunnen- geschäfte R. Quäck’s Wwe. 1893: 19 Meter Süsswasser - Alluvium mit Diato- meenschichten . . . . ..... bis 19 Meter Tiefe. 29 Diluvmmaaı ea TO 1 » Das Diluvium enthält bei 38 — 49 Meter Tiefe interglaciale Süsswasserschichten, welche sich durch entkalkte Bänke, sowie durch Holzstückchen, eine Fischschuppe, und ein Muschelbröckchen kundgeben. Ich enthalte mich aber hier einer speciellen Beschreibung, da eine zusammenfassende Darstellung des Königsberger Unter- grundes beabsichtigt wird. Hinter der Walzmühle bei Kosse, Kreis Königsberg. 53 Proben von Herrn BIEskE 1895: 0— 54 Meter Tiefe Alluvium und Diluvium. Mittelhufen, Kreis Königsberg, Etablissement »Flora«. 19 Proben von Herrn BIESKE: 0 —19 Meter Tiefe Diluvium. Mittelhufen, Platz der Nordostdeutschen Gewerbe- Ausstellung (jetzt des Königsberger Thiergartens) 140 Proben aus drei Boh- rungen von Herrn BIESKE 1895: I. 0— 90 Meter Diluvium | I.0.249°° N ohne Wasser. III. (im Thälchen) 0 —15 Meter Diluvium mit artesischem Wasser. 46 Aurrep JentzscH, Neue Gesteins-Aufschlüsse Blatt 14. Königsberg, Nordost (Stadt und Landkreis Königsberg.) Aus einem Brunnen am Wege Quednau-Beydritten sandte Herr BIESKE 1895 eine Probe aus 9,0 Meter Tiefe, welche Quarzsand ist, und somit einen neuen, fast zu Tage reichenden Fundpunkt für miocäne Braunkohlenbildung in der nächsten Um- gebung Königsbergs nachweist. Sudau bei Quednau, MÖLLERr’s Besitzung. 19 Proben, welche Herr BIESKE sandte, ergaben für 7 — 26 Meter Tiefe diluvialen Spathsand. Der Aufschluss ist deshalb beachtenswerth, weil er mit 19 Meter Mächtigkeit in der vorwiegend lehmigen Landschaft eine unterirdische Verbindung der Diluvialsand- Durchragungen von Quednau und Fuchsberg nachweist. Kalthof bei Königsberg, Pionierkaserne. Das vom Verf. 1891 veröffentlichte Bohrprofil wurde durch Herrn BIESKE um 20 Meter vertieft und lautet nun 67 Meter Diluvium . . . . bis 67 Meter Tiefe. 53:u°% Senonn.. au ur 21: 01201 » Kalthof, Pionierkaserne Fürst Radziwill. 19 Proben von Herrn BiIEskE 1895: 0—22 Meter Tiefe . . . . Diluvium. Fort Stein zu Lauth bei Königsberg. 87 Proben von R. QuiÄck’s WWwe. 1895: 47 Meter Diuum ....... .. 2"... bis 47T MetersJker: 54 ,» (Oligocan? und) Senon,.. .. „2 azılölı => » Königsberg, Neurossgärter Schulstrasse. 16 Proben von Herrn BIESKE 1894: 0— 16 Meter Diluvium. Königsberg, Gefängnisshof. 10 Proben von Herrn BIESKE 1894: 0— 9,5 Meter Diluvium. Königsberg, Nordstrasse, Artilleriedepot. 48 Proben von Herrn BıESKE 1895: 45 Meter Diluvium. . . . bis 45 Meter Tiefe. 3: "DEN Oliwocan) ae. u...» VA8ıE » Königsberg, Kürassierkaserne in der Wrangelstrasse. 58 Proben von Herrn BIESKE 1893: in Öst- und Westpreussen 1893 — 1895. 47 45,5 Meter Diluvium . . . bis 45,5 Meter Tiefe. 12 WO hHocam ıt: Mal rd > Königsberg, Kürassierkaserne, Bohrloch II, in der Nähe des Stalles und der Schmiede. 56 Proben von Demselben: 49 Meter Diluvium . . . bis 49 Meter Tiefe. 6,65 » Oligocän . . . » 59,65 » » Königsberg, Kürassierkaserne. 18 Proben von Demselben 2895; (III): 45 Meter Diluvium . . . bis 45 Meter Tiefe. ner -Öbkoeun ia u N Sn » Königsberg, Kürassierkaserne. Von Herrn Bohrunternehmer E. Quäck 1893; bis 50 Meter Tiefe entsprechend (IV). Königsberg, Vorder-Rossgarten bei Dumcke. 99 Proben aus 2 Bohrungen von Herrn BIESKE 1894: 46 bezw. 45 Meter Diluvium . . . bis 46 bezw. 45 Meter Tiefe. Br: 100% Oligoein . . . » 97» 55 » Königsberg, Bastion Litauen. 98 Proben auf Verfügung der Königlichen Garnison-Bauinspection I durch R. Quäck’s WWwe. 1894 — 1895: 45 Meter Diluvium . . . 2.2.2.0... bis 45 Meter Tiefe. 13 » Oligocän u, Sl Ba 08 » » 40,75 » Senon, bei 85 — 86 Meter Tiefe mit Belemnitella mucronata . » 98,75 » » Diese Bohrungen bestätigen das vom Verf. früher Gesagte betr. der im nordöstlichen Königsberg überaus gleichförmigen Mächtigkeit des Diluvium und seiner Unterlage. Ausserdem sandte Herr BIESKE noch 238 Schichtenproben aus 14 Bohrungen in der Pregelniederung dieses Blattes, welche für das Studium der dortigen Diatomeenschichten und deren etwaige Gliederung reiches Material bieten. Blatt 15. Schönwalde bei Neuhausen, Kreis Königsberg. 25 Proben von R. Quäck’s WweE. 1893: 6 Meter Diluvium bezw. umgelagertes Miocän bis 6 Meter Tiefe. 17» : miocäne Braunkohlenbildung . . . » 23 » » 48 Aurrep Jentzsch, Neue Gesteins -Aufschlüsse Der Bohrpunkt liegt reichlich 5 Kilometer östlich des im Be- richte über das Provinzialmuseum 1890 erwähnten Tertiärprofils Neuhausen und bezeichnet nunmehr den östlichsten preussischen Miocänaufschluss nördlich des Pregels. Waldau, Kreis Königsberg, im Schlossbrunnen der König- lichen Domäne. 27 Proben von Herrn BıEskE 1893: 33 Meter Diluvrium . . . bis 33 Meter Tiefe. 3: »..Grunthon. ea 500 > Blatt 15/21. Hohenrade, Kreis Königsberg, Genossenschafts- meierei, dicht südlich der Chaussee Königsberg-Tapiau. 100 Proben von Herrn BIESKE 1893: 19 Meter Diluvium . . . bis 19 Meter Tiefe. 82 » _Grünthon und Senon » 101 » > Der Grünthon dürfte hier, wie in dem nur 5 Kilometer west- lich gelegenen Waldau, dem Oligocän angehören. Doch zeigt eine aus 39 Meter Tiefe vorliegende Spongie, dass schon in dieser Tiefe Kreideformation ansteht. Die Grenze zwischen Oligocän und Senon ist aus den Gesteinsproben in diesem Falle nicht ganz scharf zu erkennen. Leider hat die Kreide hier, wie zu Graben- hof, keinen Trinkwasseraufschluss ergeben. | Blatt 19. Königsberg Südwest, Stadt- und Landkreis Königs- berg. Königsberg, Bastion Haberberg, gegenüber der neuen Artilleriekaserne im Haberberger Grund. 7 Proben von Herrn BIESKE 1893: 0— 11 Meter Diluvium. Desgl. Vor dem Brandenburger Thor. 20 Proben von Herrn BıEskE 1893: 0—20 Meter Diluvium. Desgl. Nasser Garten, auf dem Hof der Bürgerschule. 17 Proben von Herrn BIESKE 1894: 0—17 Meter Diluvium. Actienbrauerei Ponarth. 85 Proben von Herrn BIEskKE 1894: 70 Meter Diluvium, bei 20 — 24 Meter Tiefe mit Muschelresten, die auf in- terglaciale Süsswasserschichten deuten nn a. les tiibis.: 70: Mieters Tue in Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. 49 Br Net 2. Olooean 1.3.1.0. 020.0 20. bis 82 Meter Tiefe. 1#:.' » EST se NW Fe EEE Lt OR ERN » Gr. Karschau. 38 Proben von Herrn BIiEskE 1894: Samketer Diluvium . . 22 .°.2.82.. bis 33 Meter Tiefe. 5 » miocäne Braunkohlenbildung . . » 38 » N 13 » Oligocän OS ee A Rn ee dee » 51 » » Das vom Verf. 1890 veröffentlichte Profil von Karschau ist hierdurch bestätigt und betrefis der Mächtigkeit des Diluvium und Oligocän erweitert worden, während das Miocän im früheren Bohrloch vollständiger entwickelt sich zeigte. Beide Bohrungen vereint ergeben für Gr. Karschau als Sammelprofil: 33 Meter Diluvium. 8 » miocäne Braunkohlenbildung. 13 » Oligocän. Gr. Holstein am Pregel. 9 Proben von Herrn BıEskE 1895: 8—9 Meter Alluvium und Diluvium. Blatt 20. Königsberg Südost, Stadt- und Landkreis Königsberg. Bastion Pregel in der Nähe des Friedländer Thores. 90 Proben von Herrn Biesk£e 1892/93: 43 Meter Alluvium und Diluvium . . . . bis 43 Meter Tiefe. mr Olgecan ii... ea 2 49» » Ab »..'Senon . .'. >90 » » Die aus 75—76 Meter und aus 85—86 Meter Tiefe vorliegen- den beiden Proben sind zwar diluvial; es muss aber vorläufig unentschieden bleiben, ob dieselben erst beim Bohrverfahren oder schon in diluvialer Zeit in jene Tiefe gelangt sind. Die Haupt- masse der Proben aus 49—90 Meter Tiefe ist entschieden Kreide- formation, und entspricht dem bekannten Gesammtbilde ') des Königsberger Untergrundes. Unterhaberberg . 220 10 Meter Städtischer Schlachthof Rosenau 2— 7 >» Massenquartier Mühlenhof . . 0—39 » \ \58alluviale und dilu- vıale Proben aus 4 Bohrungen von Herrn BiIESKE. ).Jenzzscn, Beiträge zum Ausbau der Glacialhypothese. Dieses Jahrbuch für 1884, $. 438—524, Taf. XXVIla und XXVIIIb. Jahrbuch 1896, 4 50 Aurrep Jentzsch, Neue Gesteins-Aufschlüsse Blatt 20. Gut Schanwitz.bei Gutenfeld, Kreis Königsberg (Besitzer Herr Krauseneck). 69 Proben von Herrn BIESKE 1895: Tiefe 5,5 Meter Proben fehlen . . . . bis 5,5 Meter 9,5» _ grauer typischer Geschie- bemergel .... ... 25. 28038 > u » hellgrauer feiner Sand (fast Mergelsand) von normalem Kalkgehalt . » 26 » 36 » Geschiebemergel; bei 26 bis 28 Meter typisch, bei 23—29 Meter tho- nig, bei 41— 42 Meter sandig, bei 29 bis 41 Meter mit Grünerde- Flecken, und bei 42 bıs 62 Meter Tiefe so reich an Oligocän- und Senon-Material, dass er als Localmoräne (To- RELL) bezw. als Local- facies des Geschiebe- mergels (H. CREDNER) zu bezeichnen ist . . » 62 » >»... Grrünerde., N. » ». VGrünsand wis... 2 u ee » » feiner Grünsand (bezw. ter- tiär entkalktes Senon?) . » 72 > Diluvium 62 Meter a —— Unter- Oligocän 10 Meter Senon 1 Meter Blatt 23. Aus dem Kreise Wehlau liegen von Tapiau, jenem geologisch merkwürdigen Punkte, wo die als Thal der Deime bekannte Bifurcation des Pregelthales stattfindet, mehrere Brunnen- profile mit wichtigen Aufschlüsssen vor. Aus der in der Pregelniederung (rechts des Pregels westlich der von der Stadt zum Bahnhofe führenden Chaussee) gelegenen 1 Meter Grünsandmergell . . ..»7 > in Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. 51 Provinzial - Besserungsanstalt sandte auf Verfügung des Herrn Landeshauptmanns 1895 die westpreussische Bohrgesellschaft 2 Bohr- register und einige Bohrproben. Auch der Director der Anstalt, Herr Rittmeister VOIGT, sandte einige Mittheilungen. Der erste Brunnen traf: 3 Meter aufgefüllten Boden . . . . . bis 3 Meter Tiefe. 6 » grauen sandigen Pregelschlick, welcher sich von dem gewöhn- lichen Weichselschlick durch erheblichen Kalkgehalt unter- scheidet: „ua 2 0. 2.0 WE BUNGEN 0% » 3 » feinen grauen Alluvialsand . . » 12 » > 2 » feingrandigen Spathsand von dilu- vialem Aussehen . . . .. » 14 » > 03 3» mordischen Grand . ........2:20,5 » > Da die Meereshöhe des Bohrpunktes etwa auf 6 Meter zu schätzen sein dürfte, reicht das Süsswasseralluvium hier noch bis 6 Meter unter den Ostseespiegel, obwohl Tapiau 38 Kilometer östlich von Königsberg liegt. Die zweite Bohrung traf: Tiefe 1,5 Meter aufgefüllten Boden . . . . . . bis 1,5 Meter mon; Dregelschlick —.- .\. 0%, 0.0.0 9 > 6 » Sand 2 aa. » 15 » 1 » dünn chen Schlick ı mit : Blan- eisenpunkten und dünnblättrigen Torf mit Rindenstücken und einem Dicotylen-Blatte . . . ..» 16 » 6 » nordischen Grand mit en bis zu 70 mm Durchmesser; an der Sohle mit einem Granitblocke » 22 > Das ist also Grenzschicht zwi- schen Alluvium und Diluvium. 8 » grauen Geschiebemergel, mit einem Granithlacke . wu u ea DB > 11 » rothen festen Thonmergell . . . . » 41° » 592 Aurrep Jentzscn, Neue Gesteins-Aufschlüsse 8,5 Meter Geschiebemergel mit nordischen und Kreidegeschieben . . . . . . bis 49,5 Meter 2,5. ::'» :inordische'Geschiebe nl urult ul» 158 >» 21 » Kreidemergel von der Art des Königs- berger Senons een ale > 7,5 » »Mergel mit Geschiebe«. Es liegen nur 2 Proben vor, mit 73—76 bezw. 176—80,5 Meter Tiefe; beide ent- halten nur Geschiebe, letztere sind nordisch ‘1. \leustandh aurafdnna ao 13,15 » ‚Senonmergel . „=. . . . 2. Sılwae Oase Aus diesem Profil ergiebt sich: 1. Dass das Süsswasseralluvium bis 16 Meter unter Tage, mithin etwa 10 Meter unter Meeresspiegel, herabreicht. Da es in Königsberg 20 Meter unter dem Meere liegt, hätte die diluviale Thalsohle — falls letztere hier am tiefsten Punkte angebohrt wäre — von hier bis Königsberg ein Gefälle von 10 Meter auf 38 Kilometer oder 1: 3800; andernfalls noch weniger. Bei dem Studium der alluvialen Küstenverschiebung nach ihrem Maasse und nach ihrer Erstreckung auf Binnenpunkte wird diese Zahl von Nutzen sein. (Vergl. oben Gradabth. 17, Blatt 55.) 2. Tertiär fehlt, wie überall im nordöstlichsten Ostpreussen. 3. Für obere Kreide (Senon) ist ein neuer Aufschluss erzielt. 4. Für die Zwischenschiebung nordischer Geschiebe und Ge- schiebemergels zwischen vordiluviale Sedimente ist ein neues typisches Beispiel gegeben. Oft erstreckt sich dies nur auf 1 oder 2 fallende Meter, von deren Bohrproben man allenfalls Verwechse- lung oder Verunreinigung zugeben könnte. Hier ist die Zwischen- lagerung aber 7,5 Meter mächtig, und nach Rückfrage bei der Bohrgesellschaft hält letztere Nachfall für ausgeschlossen. Wir dürfen mithin in der darüber 21 Meter mächtig durchbohrten Kreidemasse eine losgelöste Gebirgsscholle vermuthen, nach Art derjenigen, welche ich von Osterode 1) beschrieben habe. Die !) Jenzzscn, Bericht über die Verwaltung des Provinzial-Museums im Jahre 1891. Sitzungsber. Phys. Oek. Ges. 1891, 8. 5. in Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. 53 Österoder Scholle ist durch 4 Bohrungen durchsunken worden, mindestens 350 Meter lang und mindestens 120 Meter breit, in senkrechter Richtung 27— 34 Meter mächtig und liegt in 32 bis 68 Meter Tiefe, bedeckt von 32 Meter Diluvinm und unterteuft von 30 Meter Diluvium, über welches sie demnach seitlich fort- bewegt worden sein muss. Als solche Scholle dürfen wir also den in Tapiau bei 52 bis 73 Meter Tiefe durchbohrten Kreidemergel betrachten, während der von 80,5—93,65 Meter Tiefe erbohrte als anstehend zu gelten hat. 5. Von besonderer Wichtigkeit ist das Diluvium durch das Vorkommen eines ziegelrothen fetten Thonmergels, welcher — im Wehlauer Kreise und weiterhin mehrfach erbohrt — durch seine petrographische Beschaffenheit einen leicht kenntlichen Leithorizont ım Wehlauer Diluvium bildet, und den ich deshalb als »Weh- lauer Thon« unterscheide. Aehnliche Färbungen kommen zwar in verschiedenen Horizonten des ostpreussischen Diluviums vor: So in deren obersten, dem von mir sogenannten »Deckthon«, welcher gleichfalls zumeist eine sehr fette Beschaffenheit hat. Ebenso ist der Geschiebemergel dort, wo er über rothem Thon liegt, durch Aufnahme örtlichen Materials bisweilen roth und fett. Doch kommen auch rothe Färbungen in Geschiebemergel gewöhn- lichen Thongehalts vor. Das Phänomen ziegelrother Färbung ist in gewissen Schichten des ostpreussischen Diluviums dermaassen auffällig, dass es nicht leicht übersehen werden kann. Der nahe- liegende Gedanke, dass die Färbung durch reichlich beigemischtes Material des Devon oder cambrischen Sandsteins entstanden sei, bietet keine hinreichende Erklärung für die Erscheinung, da als Hauptträger der letzteren nicht der bei uns den Prototyp des transportirten Geschiebematerials bildende Geschiebemergel, sondern zweifellos ein Thon erscheint, welcher sich überdies durch reichlichen bezw. normalen Kalkgehalt von dem cambrischen Sandstein schärf- stens unterscheidet. Der von LAUFER!) für gewisse Mergel der Mark gegebene Nachweis von Rothfärbung durch cambrische Sand- steine (deren geringe Masse übrigens ausdrücklich betont wird), ist I) Dieses Jahrbuch für 1882, S. 115—119. 54 Aurren JentzscHh, Neue Gesteins-Aufschlüsse daher auf Ostpreussen nicht übertragbar. Ich halte die Roth- färbung unserer Thone, wie ich schon 1879 aussprach, für eine selbständige Neubildung. Es ist mir leider noch nicht möglich gewesen, vom chemischen Standpunkte aus diese Frage zu be- arbeiten, wie es zunächst nöthig wäre. Aber der Gedanke an eine dem Laterit verwandte Entstehung liegt gewiss nahe. Wohl- gemerkt: Es ist nicht echter Laterit! Dazu fehlt in den rothen Geschiebemergeln die tiefgehende Zersetzung der Gesteine! Wenn aber v. RICHTHOFEN !) selbst die Rothfärbung des recenten Meeres- schlammes auf abgeschwemmten Laterit zurückführt, und diejenige des Rothliegenden und anderer auffallend rothgefärbter Gesteine als Zeichen der Abrasion von Lateritflächen betrachten möchte, so wird man auch in unseren rothen Diluvialthonen wohl die Ab- schlemmmassen von Landstrecken erblicken dürfen, auf denen eine in gewisser Hinsicht (d. h. also insbesondere betrefls der Farbenbildung) dem Laterit ähnliche Umwandlung vor sich ging. Man ist dabei keineswegs genöthigt, an ein wärmeres Klima zu denken. Ebensowohl könnten Kälte, Druck, Feuchtigkeit oder Trockenheit, in eigenartiger Weise vereint, auch eigenartige Fär- bungen hervorbringen. Auch der Kalkgehalt könnte mitgewirkt haben. So bietet unser Thon auch in chemisch - physikalischer Hinsicht ein dankbares Problem. Als Wehlauer Thon bezeichnen wir indess nur diejenigen Schichten, welche dem in Tapiau bei 30—41 Meter Tiefe erbohr- ten gleichalterig sind. Es dürfte der Wehlauer Thon wohl der Hauptperiode lateritähnlicher Färbung ÖOstpreussens entsprechen, während ähnlichen Färbungen in anderen Horizonten eine zumeist geringere Mächtigkeit zukommt. Der bekannten Flächenent- wickelung nach ist selbstredend der »Deckthon« viel allgemeiner zugänglich. Nach dem mitgetheilten Bohrprofil der Besserungs- Anstalt Tapıau wird der Wehlauer Thon von 8 Meter Unterem Geschiebe- mergel überlagert, und dieser von 6 Meter nordischem Grand. Dass der Wehlauer Thon dem »Unteren« Diluvium angehört, ist ı) Führer für Forschungsreisende. Berlin 1886, 5. 464 — 467. in Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. 55 somit ebenso zweifellos, wie anderseits seine Unterteufung durch mindestens 11 Meter mächtige Glacialablagerungen. Der Bohrpunkt liegt bei f des von mir vor Jahren veröffent- lichten »Idealprofils von Pregelswalde nach Tapiau« !). Dies konnte den Wehlauer Thon noch nicht enthalten, ebenso wenig den denselben bedeckenden Unteren Greschiebemergel. Es zeigt aber einen weit verbreiteten Unteren Diluvialsand (Spathsand a), von welchem wir annehmen müssen, dass er beide Schichten bedeckt; dieser Spathsand wird weiter südlich von Geschiebemergel d und dieser von Deckthon c überlagert. Die Stellung des Wehlauer Thones in recht tiefen Schichten des Diluviuns darf hieraus ge- folgert werden. Am Südrande des Pregelthales, zwischen d und / jenes idealen Profils, wenige hundert Meter südlich der Besserungsanstalt, un- mittelbar neben dem Bahnhofe Tapiau, wurde in Kleinhof-Tapiau 1893 gebohrt. Herr Ingenieur DosT sandte von dort 18 Proben, welche von 3—46 Meter Tiefe Diluvium ergaben. Unmittelbar auf Wehlauer Thon liegen hier 21,69 Meter mächtige geschiebefreie Sedimente von diluvialem Aussehen, welche in mehreren Horizonten Süsswasserconchylien enthalten. Abge- sehen von ihrem petrographischen Charakter sind diese Schichten auch paläontologisch als Diluvium gekennzeichnet, durch das Vor- kommen der Paludina (Vivipara) diluviana KunTH. Zu grösserer Sicherheit unterzog Herr S. Cressin in Ochsenfurt, der ausge- zeichnete Kenner der Süsswasserconchylien, die Schalreste gütigst einer Durchsicht und stellte in mindestens drei verschiedenen Tiefen Paludina (Vivipara) diluviana KuNTH fest. Hiernach muss man diese Schichten für unterdiluvial, und zwar für interglacıal halten. Kann diese Auffassung auch gewiss Fernerstehenden noch mangelhaft begründet erscheinen, da man ja an die alluviale Ausfüllung eines Seebeckens denken könnte, so wird sie doch bestätigt, durch die unten mitgetheilten Profile von Wehlau und Insterburg (Gradabtheilg. 18, No. 20 und 19, No. 21), ) Jenzzscn, Die geognostische Durchforschung der Provinz Preussen im Jahre 1876. Schriften der physikal.-ökon. Gesellsch. Königsberg XVII, 1876, S. 133, Fig. 1, 56 Aurren Jentzsch, Nene Gesteins-Aufschlüsse in denen gleichfalls Süsswasserbänke, z. Th. mit Paludina dilu- viana, unmittelbar über Wehlauer Thon und bedeckt von mäch- tigem Geschiebemergel nachgewiesen werden. Das Profil von Kleinhof-Tapiau lautet nun: Tiefe 3,0 Meter aufgefüllter Boden . . bis 3,0 Meter 3,9.» „gelber Lehm ., ....20 we ee 3,9 » gelber feiner Sand mit Schnecken, wahrschein- lich Paludina dilwiana » 10,0 » 4,0 » grauer magerer Thonmergel mit Paludina diluviana » 14,0 » 1,0» grauer Sanderfüllt mit Süss- wasserschalresten, dar- Königs- | Pal berger | unter Paludina diluviana Be und Valvatasp. . -» . .» Im, > glacial 2,0 », "gelblicher Sand... * ...., Slam 21,69 Met. 3,0 » kalkarmer grauer Diluvial- schlickı , or » 20,0 » 2,0 :.». .desgl. kalkhaltie.. . .. . »rD2nr 2,0 » feiner grauer Sand mit Pa- ludina diluviana, Sphae- rium sp. und ?Unio sp. » 24,0 » 1,5. » grauer Thonmergel. :. . » 255% 2,69 ». kalkarmer Sand . .. .„ ı» Bl 1,31 » grünlich grauer Fayence- mergel .. . .,... ..0 220 10,5 » rother fetter Thonmergel » 40,0 » Wehlauer ( Thon 5,5» grauermagerer Thonmergel » 45,5 » 0,5 » nordischer Grand mit Wasser » 46,0 » Das vom Verf. wiederholt hervorgehobene Fehlen von Meeres- thieren im Diluvium des nördlichen ÖOstpreussens, bis zur Pregel- linie einschliesslich, bestätigt sich auch hier. Das Interglacıal von Tapiau ist ausschliesslich eine Süsswasserbildung. Im enge- ren Sinne reicht es von 6,5 bis 28,19 Meter, ist also 21,69 Meter in Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. 57 mächtig. Das Interglacial im weiteren Sinne, d. h. die ganze ausserhalb des Gletschers gebildete Sedimentreihe, reicht von 3,0 bis 46,0 Meter Tiefe, ist mithin 43 Meter mächtig. Doch gehört dieser unterste Theil des Profils wohl bereits zu den Rückzugsbil- dungen der vorhergehenden Gletscherablagerungen. Vom Dienstgehöft der Königl. Wasserbauinspection Tapiau, inmitten der Pregelthal-Sohle gelegen, übergab Herr Dost 11 Bohr- proben: 12 Meter Alluvium des Pregelthales . . . bis 12 Meter Tiefe. Ze Diumialerand „u... 0 mn. ,8rld 2 > 5 » Sand mit einer ganzen Klappe von Umoesp. +... ee 2A > 7 » Diluvialgrand, z. Th. N Sand > Falls die eine Unio nicht zufällig von aussen in die Bohr- probe gelangt ist, wäre sie gleichfalls dem Königsberger Inter- glacial zuzurechnen. Doch betrachtet sie Verf. vorläufig noch als zweifelhaft, bis weitere Anhaltspunkte vorliegen werden. Eine wesentliche Ergänzung erhalten diese 3 Profile durch 2 andere, in der Gärtnerlehranstalt am Nordende der Stadt Tapıau, etwa 13 Meter über der Thalsohle abgeteufte, deren Bohrproben Herr BIESKE 1894 bezw. Anfang 1896 übersandte: Beide Bohr- punkte liegen nur etwa 20 Meter in N.—S.-Richtung von ein- ander entfernt und in annähernd gleicher Höhe. Die Bohrung I traf nach den durch die Profilzeichnung des Technikers erläuterten Bohrproben folgende Schichten: Tiefe 16 Meter Proben fehlen (Brunnenschacht) . . . bis 16 Meter 46 » Geschiebemergel . . . . RE RE x und zwar von 16—50 Mei grau und typisch. Von 50-—54 Meter roth und thonig, » 54—56 » grau und typisch, » 56—59 » grau mit röthlichen Flammen, » 59—60 » röthlich und thonig, '» 60—62 » grau. 58 Aurkep JentzscH, Neue Gesteins-Aufschlüsse Tiefe 1 Meter ziegelrothen Thonmergel . . . . ..„ ... bis 63 Meter 3.» Geschiebemergel, oben bräunlich, unten grau,.,. ne | 2 » grandigen Send ee | 1 :»... Grand. .0...00R ee > 12 ».,. grauen Thonmergel . ... =». 0 2.2. 0er 10 >». "nordischen Grand... .... 3 Die Bohrung II traf nach den ee Bohrpann Tiefe 1 Meter aufgefüllten Boden ee Schutt-haltige Erae'n. u. ee le er Dies hie 2 lben Geschieb | bi | De 7 Meter‘. su "sul 9 DL» » » mergel 31» 9 grauenGeschiebemereet . . . m. Sr l 2». Vhellgrauen’ TPhonntergelr“. ı'. 0 Eı Pe 4 » mittelkörnigen, mit Staub vermengten Sand von normalem Kalkgehalt; doch von grauer, auf organische se deutender Farbe . . . . re » 4 » 2 » dünnschiefrigen ziegelrothen ee » 46 » 6...» grauen Geschiebemergel . . ... .v.: SMazEr | 2 » hellgrauen, magerem Thonmergel ähn- lichen Geschiebemergel . . . . ....m d4 » 4 » Geschiebemergel, unten sandig . . » . » 58 » 1.» Jlehmigen' Sand u, meistens: 2 na mo 6° 2... Geschiebemergel!. «2.1... ne 2 0 8...» rothen Thonmergel » » 2 7. Min WS Ar 2 » Geschiebemergel . . . . > 10: 0 2 » eigrosse, sichtlich durch Wa abzerole Geschiebe 4. . 0.02 u... 9. » . hellgrauen‘Ehonmergel. %' wu 2.2 Wer SE 1 » desgl. mit kleinen, bis haselnussgrossen (eröllen! 11:2. : Eee ze 2 » schwach lehmigen miligen a AUG. 0 BA 2.» Geröllepackımg ı. nun. Kun oe 1.» :Spathand , >. u 000 7: "Grand... a wu. oo in Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. 59 Nach der von BERENDT aufgenommenen geologischen Karte tritt am Rande der Geschiebemergelplatte, auf welcher die Gärt- nerlehranstalt liegt, Diluvialsand fast überall hervor. Wir dürfen wohl annehmen, dass derselbe im Brunnen der Bohrung I etwa zwischen 10 und 15 Meter Tiefe getroffen worden, und dass er im Profil II örtlich fehlt, aber durch die in den Proben recht scharfe Grenze zwischen gelbem und grauem Geschiebemergel angedeutet wird. Beide Bohrprofile bestätigen und ergänzen sich gegenseitig. Die Art, wie Verf. sich die Verbindung ihrer Schichten denkt, ist aus folgendem Schema ersichtlich: ee De Mächtigkeit in an in Bohrung | Bohrung Täter I I al a. Gelber Geschiebemergel . . 1— ca. 10 1—-8 |7 (oder etwas mehr?) Basandie 2... =". I(ea 10-15?) (8?) 0 bis wenige Meter c. Grauer Geschiebemergel . . 16-50 er d. Geschiebemergel mit wech- selnden Einlagerungen von Thonmergeln und Sanden, welche entweder als Schutt- ‚46—57 kegel oscillirender Gletscher oder als glacial verschleppte Schollen und Schlieren der Gletscherunterlagen gedeutet | werden können . . . .. 50—62 | 39—65 12—26 / @:\Wehlauer Thon. .. . .». 6263 | 65-68 | 1— 3 f. Geschiebemergel . . . . 63-66 | 6870 5) g. Grand und Gerölle . . . 66-69 | 70-72 92—3 h. Hellgrauer Thonmergel . . 69-31 | R-832 | 10-12 i. Nordischer Grand und Ge- | | rölle RE N a er Die 83-91 | 2-94 | 10—12 Die Uebereinstimmung beider Profile ist mithin eine recht gute, und nur in Stufe d. ergeben sich einige Abweichungen, die der Aufklärung durch spätere Bohrungen noch bedürfen. Besonders gut ist die Uebereinstimmung im Liegenden des Wehlauer Thones, welche eine Verbindung mit den anderen Tapiauer Profilen zulässt. Danach ist der Geschiebemergel f. in der Besserungs-Anstalt 60 Aurrken Jentzsch, Neue Gesteins-Aufschlüsse bei 41—49,5 Meter wieder getroffen; in Kleinhof fehlt er, ebenso wie der als zugehöriger Vorläufer des Geschiebemergels auftretende Grand. Dafür liegt in Kleinhof unmittelbar unter dem Wehlauer Thon der graue Thonmergel h. und unter diesem liegt auch dort wasserreicher, daher wohl mächtiger und weit verbreiteter Grand, den wir somit nicht mit g., sondern mit i. zu parallelisiren haben. Wir sehen nun u. A. Folgendes: 1) Der Wehlauer Thon wird von 64 Meter mächtigen Dilu- vialmassen überlagert, nimmt also eine ziemlich tiefe Stufe im ost- preussischen Diluvium ein; 2) derselbe liegt, der BERENDT’schen Regel entsprechend, in der Thalsohle höher als unter der Diluvialplatte. Seine Ober- kante liegt in der Besserungs-Anstalt etwa 24 Meter, ın der Gärtnerlehranstalt etwa 46 Meter unter dem Meere. Er fällt also von der Thalmitte nach N. (genauer nach NNW.) 22 Meter. 3) In der Thalsohle sind anscheinend anstehende Kreide bei ca. 74,5 Meter unter dem Meere, eine mächtige Kreidescholle bei ca. 46 Meter unter dem Meere erreicht; dagegen ist in der Gärt- nerlehranstalt bis ca. 75 Meter unter dem Meere keine Spur von anstehender Kreide oder grösseren Kreideschollen getroffen. Die. Kreideoberfläche fällt also, da die Scholle doch vor ihrer Los- trennung der Kreidemasse aufgelagert haben dürfte, in demselben Sinne wie die auflagernden Diluvialschichten nach N. ein! Dies lässt sich entweder als eine mantelförmige Kernumlagerung deuten, oder als eine Schichtenstörung, welche dann erst nach Ablagerung des Wehlauer Thones erfolgt wäre und bis tief unter diesen in die Kreide hinabgreifen müsste. Das vorliegende Material genügt noch nicht, um diese Frage zu entscheiden. Nach vielleicht noch langem Sammeln und Untersuchen von Bohrproben wird eines Tages irgend ein Bohraufschluss die noch offenen Fragen ent- scheiden. Bis dahin müssen wir uns begnügen, durch Sammeln und Sichten des Materials jener Entscheidung vorzuarbeiten. Taf. IV, Fig. 3 mag eine ungefähre Vorstellung geben, wie man sich den Schichtenverband denken könnte. Doch dürfen wir nie vergessen, dass auch eine andere Verbindungsweise zulässig wäre. Deshalb soll eben das Bild nur einen schnellen Ueberblick der F Ä R % * R ” ji £ { i ın Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. 61 drei Hauptbohrprofile und einen Einblick in die Fülle der hier offenen Fragen, wie überhaupt in die Schwierigkeiten gewähren, welche das Studium der Diluvialgliederung bietet. Zur Erklärung dienen die oben genannten Buchstaben a—i; ausserdem bedeutet: k = Sand, thoniger Sand und Thonmergel mit Süsswasser-Versteinerungen, 1— Grand und Gerölle, m = Torf, n — Alluvialsand, o = Schlick und Abschlemmmassen, p — Senon. Blatt 24. Vom Bezirkskommando ın Wehlau, nur 10 bis 11 Kilometer östlich von Tapiau, erhielten wir 1893 auf Ver- anlassung des Herrn Garnison - Bauinspectors SONNENBERG in Königsberg von Herrn E. Quäck in Königsberg 64 Proben: 17 Meter Alluvrium . . . . . bis 17 Meter Tiefe. 48,33 » Diluvrum TEAM ea » 65,33 » » Aus der Provinzial - Irrenanstalt Allenberg (am linken Ufer der Alle, 2 Kilometer oberhalb deren Mündung in den Pregel) 2 Profile von Herrn BiEsKE: Tiefe I. 1894, 21 Proben: 2 Meter Alluvium . . bis 2 Meter 18,25. ».:; Diluvium .. . »: 20,25 » il. 18395, 69 » fl » unbekannt . . » 7 » 2 Meter Grand, vermuthlich alluaal . . . ..»2.%9 » 0, Dilumum nee aaa a ae 769 » 32 » Grünerdemergel, bei 77—79 Meter und 91—93 Meter Tiefe mit harter Kreide; nach petrographischer Bestimmung SEHOD Er rn re 10T » Es ist also wiederum ein neuer Kreidepunkt in Östpreussen aufgefunden, und nachgewiesen, dass auch bei Wehlau das Tertiär fehlt bezw. zerstört ist. Von höherem Interesse ist aber wohl das Diluvium, weil dieses interglaciale Süsswasserschichten enthält und hierdurch die Profile von Tapiau bestätigt und ergänzt. 62 Aureen Jentzsun, Neue Gesteins-Aufschlüsse Im Diluvium wurden durchsunken: Tiefe 16 Meter röthlicher Geschiebemergel, reich an nordischem Mate- | rial vn . . . 9 Meter bis 25 Meter 1 » rotherfetter Thonmergel(ähn- lich dem Wehlauer Thon) » 26 » 3.» magerer hellgrauer, zuoberst fast weisslicher, kalkreicher Ihonmergel „!. . .. . on Zama 8 » grauer Thonmergel mit ein- zelnen bis haselnussgrossen Geschieben; ım obersten Meter kalkarm, unten von normalem Kalkgehalt . . » 32 » ı 1 » grüner, mitSalzsäure nurspu- renhaft brausender Lehm mit dünnen Kohlenbänk- chen‘ STE" 2... 2 Nam ee? 4 » grauer, mittelkörniger Sand; mit Salzsäure brausend und mit einzelnen Pflan- zen-, Grastropoden- und Königs- Bivalvenresten; drei dünne berger Gastropodendeckel könn- Inter- ( ten zu Valvata gehören . » 37» glacial \ 3» kalkreicherer staubiger Sand 15 Meter. mit Navicula und anderen Diatomeen, sowie mit son- stigen Pflanzenresten . . » 40 » 7 » grauer Diluvialschlick mit Blaueisenpunkten, Pflan- zenresten, und Stücken grosser, glatter Bivalven, | deren Epidermis erhalten \ ist, wahrscheinl. Anodonta » 47 » ın Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. 63 Tiefe Wehlauer Thon 10 Meter rother, fetter Thonmergel . bis 57 Meter 10 Meter. 2 » gemeiner grauer Greschiebe- mergel, dessen Greschiebe Geschiebe- meist nordisch (d. h. prä- mergel carbonisch) sind . . . . » 59 » 10 Meter. | 7 _ » rother Geschiebemergel mit meist nordischen Geschieben » 66 » 1.» desgl. röthlichgrau . . . » 67 » 2 Meter Sand mit normalem Kalkgehalt, sowie mit nordischen und Kreide-Geschieben » 68 » Die Grenze zwischen Wehlauer Thon und dem Interglacial ist hier durchaus scharf. Letzteres habe ich vorläufig aufwärts nur bis 32 Meter Tiefe gerechnet; doch sind wegen der bezeich- nenden Vertheilung des Kalkgehaltes !) die Schichten von 26 bis 32 Meter wahrscheinlich noch damit zu verbinden. Je nachdem diese Frage entschieden wird, ist das Interglacial hier zu 15 Meter oder zu 21 Meter Mächtigkeit anzunehmen. Es wird von 16 Meter Geschiebemergel überlagert, und sein Liegendes, der Wehlauer Thon, hier von 10 Meter Greschiebemergel unterteuft. Die inter- glacıale Stellung ist demnach zweifellos; Mächtigkeit und Ver- breitung, wie die Mannichfaltigkeit der in ihm vertretenen ver- steinerungsführenden Schichten sprechen deutlich genug dafür, dass zwischen beiden Vergletscherungen hier ein sehr langer Zeitraum gelegen haben muss. Blatt 25. Domäne Kobbelbude, Kreis Königsberg, 8 Proben von Herrn BiIEskE: | 0 — 8 Meter Tiefe Alluvium und Diluvium. Blatt 28. Försterei Langhöfel, Kreis Wehlau. Auf Ver- fügung der Königlichen Regierung zu Königsberg ein Bohrregister und 68 Proben von Herrn BiIEskE 1894: !) Vergl. Jentzsch, Ueber die kalkfreien Einlagerungen des Diluviums. Zeitschr. d. Deutschen geolog. Gesellsch. XLVI, 1894,‘S. 111 — 115. 64 ALrrep Jentzscn, Neue Gesteins-Aufschlüsse 6 Meter gelber Geschiebelehm (ent- kalkt). 2... ta anıbıs "Aemlferer 2 » grauer, gemeiner Geschiebe- Mmergel.'.. - 2, nen A ee 3 » grauer, magerer Thonmergel » 11 » 47 » grauer, gemeiner Greschiebe- mergel (bei36,5— 37,0 Meter Tiefe ‚grünlich)-- .. . .. 5 mas» 2 » lehmiger Grand mit wenig Wasser, welches bis 18 Met. unter Tage stieg. ...., 3... SoDEEE» 95» grauer, gemeiner Greschiebe- / mergel . .'. ie lan. Dia Diluvium / / 65 Meter. Oligocän 6 » glaukonitischer grober Quarz- 6 Meter Sand... U. nn. ee Man hat das Oligocän mit dem in Schanwitz (Gradabthlg. 18, No. 20) bei 62—65 Meter Tiefe und dem auf Bahnhof Gutenfeld (Gradabthlg. 18, No. 20, vergl. Museumsbericht für 1889, Sitzungs- ber. Ph.-Oek. G.) bei 62—67 Meter Tiefe zu verbinden, und findet somit für das Oligocän hier in Langhöfel den östlichsten bekannten Aufschluss Ostpreussens, 22 Kilometer östlich von Schanwitz oder 30 Kilometer östlich von Königsberg. Bemerkenswerth ist auch die fast gleiche Mächtigkeit des Diluviums in allen drei Profilen. Blatt 31. Bomben bei Zinten, Kreis Heiligenbeil, auf der Besitzung des Herrn TEUBNER, 7 Proben durch Herrn Bohr- obmann NIKoLAUSs 1893: 75 Meter Proben fehlen (offenbar Diluvium) bis 75 Meter Tiefe. 3,5 >» Dilumiumf!. lu sauna, Hal won @78 3» » Blatt 33. Domnau, Kreis Friedland, in der Meierei, d. h. dort, wo die Pr. Eylauer Chaussee aus der Stadt nach S. abbiegt. Bohrregister und eine Probe Geschiebemergel aus 43 Meter Tiefe von Herrn DosT, mithin 0 —43 Meter Tiefe Diluvium. in Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. 65 Blatt 35. Friedland, Magistrats-Brunnen auf dem Markt- platze, 39 Proben von Herrn BiEskE 1895: 0 — 55 Meter Tiefe Diluvium. Blatt 44. Siesslack bei Landsberg, Kreis Pr. Eylau, 4 Proben von Herrn J. Dost 1893: 11,5 — 41,5 Meter Tiefe Diluvium. Blatt 45. Bartenstein, Kreis Friedland, 76 Proben von Hern BıEskE 1893: Tiefe 1 Meter feiner grauer Sand. . . . 2.2... bis 1 Meter 23 mittelkörniger gelber Sand . . . ..».2 » 28 » grauer Geschiebemergel, bei 8—9 Meter Tiefe mit Einschluss von rothem Thon- mergel, welcher dem Wehlauer Thon Altnlichwiet En ne 330 » wer. Grande... ER ee 3l » .. grauer Bao ebemergel u nn Earl 65 Be Tayencemergel .-. » . nv 09 63,5 » 6,5 » Mergelsand . . . . Su 1023 6 » feiner Sand (mit dem Niekselana ei Fayencemergel durch u ver- bunden) . sera He ze . » 76 » Blatt 48. Versuchsbohrung III an der Guberbrücke auf Vorwerk Stallen bei Dönhofstädt, Kreis Rastenburg, 10 Proben von Herrn BIESKE 1894: 4 Meter Süsswasseralluvium . . . bis 4 Meter Tiefe. Dr Dilumum. 02.8 0, u 8 100, > » Blatt 53. Meierei Korschen am Bahnhofe Korschen, Kreis Rastenburg, 25 Proben von Herrn BissKkE 1893: 0—25 Meter Tiefe Diluvium. Glaubitten bei Korschen, Kreis Rastenburg, 43 Proben von Herrn BiıEskE 1893: 50 Meter Diluvium . . . bis 50 Meter Tiefe. Blatt 59. Meierei Rössel, Kreis Hössel; 88 Proben von Herrn BIEskE 1893. Jahrbuch 1896, d 66 Aurkep JentzscH, Neue Gesteins- Aufschlüsse Tiefe A 1 Meter alsnch humoser, lehmig- | a sandiger Schutt. . . . bis 1 Meter [1 0»; Waesenkalk 2. we 0.00 ons 24 Meter gemeiner Geschiebemergel, von 2—7 Met. grau, von 7— 26 Meter Tiefe röthlich- 2rauı ee N 023° Srother Te nn 10 » röthlich-grauer Geschiebemergel . . . » 37 » 2.2»: sehr femer Sand. . . 1. km 2 »‘ Grand, Material meist 'nordisch ...: on» Aus l » röthlich-grauer Geschiebemergel . . . » 42 » 3 » rother Thonmergel . . . . » ‚Asus 21 Meter röthlich-grauer Alone Be | schiebemergel. .. :.: ‚Han insbe 390 | 8». gemeiner Geschiebemergel . » 69 » 3 >» thoniger » red 8,5 » gemeiner > ..x 80,55 7,5 » Spathsand mit Grandbänken . . ...»88 » Das Profil bietet ein treffendes Beispiel für die gewaltigen Mächtigkeiten, welche die Geschiebemergelbänke in manchen Ge- genden Ostpreussens erlangen und somit (in Verbindung mit den weiten Flächenräumen) eine leise Andeutung jener erheblichen Zeiträume, welche zu ihrer Bildung erforderlich waren. Gradabtheilung 19. Insterburg. Vergl. Geologische Karte der Prov. Preussen, in 1: 100000, Sectionen: 8. Inster- burg, 9. Pillkallen, 16. Nordenburg, 17. Gumbinnen. Aus Blatt 5, Kreis Ragnit, liegen zwar keine Gesteinsproben, wohl aber einige Nachrichten. vor, welche der Königl. Abtheilungs- baumeister Herr Kramer am 7. December 1893 auf meine Bitte einsandte. Da dieselben die Aufschlüsse der Eisenbahn-Erdarbeiten an einer geologisch besonders merkwürdigen Stelle betreffen, näm- lich an der Wasserscheide in der Sohle jenes todten Thales, in in Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. 67 welchem einst der Memelstrom südwärts zum jetzigen Pregelthale abfloss 1), so möge der Bericht unverkürzt hier folgen. »Bei den zur Ermittelung der Baustelle für den im Zuge des Hauptgrabens zwischen den Dörfern Laskowethen und Kallehnen erbauten Durchlass angestellten Bodenuntersuchungen ergab sich, dass die Moorschicht ım mittleren, ca. 500 Meter breiten Theile des Thales eine Stärke von rund 3,00 Meter hat und unter dem Moor sich durchgängig blauer Thon vorfindet«. »An der Baustelle für den vorgenannten Durchlass wurde festgestellt, dass die Schicht blauen Thones eine Stärke von 0,9 bis 1,10 Meter hat, und dass unter dieser sich feinkörnigster reiner Sand vorfindet bis auf 10 Meter unter Oberkante Moor, d. ı. die Tiefe, bis zu welcher die Bodenuntersuchungen überhaupt ausge- dehnt wurden. Oberkante Moor liegt im Mittel auf + 20,60 NN«. »Beim Ausheben der Baugrube für den Durchlass, dessen Fundamente bis in die Sandschicht hinabgeführt wurden, zeigte es sich, dass der Thon bis zur Sandschicht hinab mit vegetabi- lischen Bestandtheilen durchsetzt war«. »Der Damm, der zur Ueberschreitung des Moores zu schütten ist, hat eine Höhe von 7,6 — 11,70 Meter über Oberkante Moor, sodass bei der Moortiefe von 3,0 Meter sicher zu erwarten war, dass das Schüttmaterial von vornherein an der Baustelle nach Verdrängung der Moorschicht den festen Untergrund erreichen würde. Die Verhältnisse lagen demnach für die Durchquerung des Moores günstig, wenn nur guter, d. h. sandiger oder kiesiger Schüttungsboden zur Verfügung gestanden hätte. Dies war aber nicht der Fall. Es mussten vielmehr circa 200000 Kubikmeter Boden aus dem westlich das Moor begrenzenden Höhenzuge, durch welchen ein Einschnitt von 2 Kilometer Länge und bis zu 9,6 Meter Tiefe anzulegen war, nach dem Moor geschafft werden, und dieser Boden zeigte sich für den vorliegenden Zweck von denkbar schlechtester Beschaffenheit... Der Boden besteht der Hauptsache nach aus Thon mit allen möglichen Beimischungen ; !) Vergl. Berenpr, Geognostische Blicke in Altpreussens Urzeit. Berlin 1871, 8.70 ff. H* 68 Aurren Jentzscn, Neue Gesteins- Aufschlüsse nesterweise trat auch Sand und Torf auf. Der Thon weist den Beimischungen entsprechend die verschiedensten Färbungen auf, und zwar treten die verschiedenst gefärbten Bodenarten dicht neben einander auf«. Blatt 21. Insterburg.. Von den neuen Ulanenställen der ‚Kavalleriekaserne, zwischen der Chaussee nach Königsberg und dem Wege nach Althof, sandte 1893 Herr BIEskE 37 Proben: 0— 37,5 Meter Diluvium. Merkwürdig ist hier eine bei 34,5 — 34,75 Meter Tiefe auf- tretende, also nur 0,25 Meter mächtige Kiesschicht, welche mit Süsswasserschnecken erfüllt ist, insbesondere mit Paludina (Vivi- para) diluviana, Valvata sp., Pisidium sp. Gleiche Schalreste ın geringerer Anzahl finden sich in den Proben verschiedener Tiefen zwischen 32,0 — 37,5 Meter. Die bedeckenden Schichten enthalten hier typischen Geschiebe- mergel.e Könnte Jemand noch etwa an ein Vorkommen auf secun- därer Lagerstätte denken, so würde dieser Zweifel beseitigt durch den Umstand, dass unter der Haupt-Schneckenbank, nämlich bei. 34,75—36 Meter Tiefe »schwarze Moorerde« erbohrt wurde. Die Probe derselben erinnert im Aussehen an die »Gyttja« der schwe- dischen Geologen, und lieferte ausser einigen Fischresten auch Pflanzenreste. Herr Dr. ALFRED LEMCKE, welcher letztere gütigst bota- nisch untersuchte, fand darin unbestimmbare Blätter, Gramineen- stengel, und Holz der Rothtanne, Picea excelsa. Durch eine ältere, 1884 von Herrn Pöpcke an das Provinzial- Museum eingesandte Probenfolge aus einer damals in demselben Kavalleriekasernement nordöstlich des jetzigen Bohrpunktes abge- teuften Bohrung kennen wir auch das Liegende dieser Süsswasser- schichten. Man traf damals zwar keine eigentliche Muschelbank, wohl aber vereinzelt gleichfalls Paludina diluviana bei 30 —40 Meter Tiefe, darunter von 86 — 105 Meter Kreidemergel, der im Jahre 1889 an einer anderen Stelle der Stadt, nämlich in der Schloss- kaserne, bei 65—207 Meter Tiefe angetroffen wurde, mithin in Insterburg mindestens 142 Meter mächtig ist. in Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. 69 Der speciellere Vergleich sämmtlicher älterer und neuerer Bohrprofile Insterburgs würde hier zu weit führen und mag gelegent- lich später mitgetheilt worden. Die in Insterburg erbohrten Schich- ten mit Paludina und Picea sind dem Königsberger Interglacial zuzurechnen. Insterburg liegt 37 Kilometer östlich von Wehlau, 47 Kilo- meter östlich von Tapıau. Auf diese Entfernung sind also die den Wehlauer Thon bedeckenden Süsswasserschichten als inter- glaciale Schichtenreihe zu verfolgen. Da auch Beziehungen zu der von mir für Königsberg beschriebenen Diluvialgliederung vor- handen sind, lässt sich wenigstens für einzelne Schichten der Ver- gleich auf 83 Kilometer ost- westlicher Erstreckung ausdehnen. Aus Insterburg und Umgegend sandte Herr BIESKE noch folgende kleine Profile: 1894: Bahnhof, 28 Proben 0— 28 Meter Tiefe. 1895: Artilleriekaserne, 27° » 0—27 » » — bei Hagemann, 27 » 0-27 » > — Bahnwärterhaus No. 185, 17 Proben 0 — 17 Meter Tiefe. » » 402, 16 » 5,6 — 21,5 » » Keine dieser kleinen Bohrungen hat das Liegende des Dilu- viums erreicht. Blatt 30. Gumbinnen, Kindermann’s (bezw. Penske’s) Massenquartier, 15 Proben von Herrn BıESKE 1893: 0—61,5 Meter Tiefe . . . . Diluvium. Gumbinnen, Kavalleriekaserne, Bohrung 1., 203 Proben von Herrn BIEsKE 1894: Tiefe 82 Meter Diluium . . 2. 2 20202020. 0. . bis 82 Meter 118,5 » glaukonitischer Kreidemergel mit ein- zelnen weisslichen, kreide-ähnlichen Schichten, und in verschiedenen Hori- zonten mit Feuerstein oder harter Kyeides as EN 200,5: > Die früher ) ın Gumbinnen bei 80 — 94 Meter Tiefe er- !) Vergl. Bericht über das Provinzialmuseum für 1889, Sitzungsber. Physik, Oekon. Gesellsch. 1889. 70 ALFRED JentzscHh, Neue Gesteins -Aufschlüsse schlossene Kreideformation ist also wiederum in fast gleicher Tiefe angetroffen und nunmehr mit 118,5 Meter Mächtigkeit nicht durch- sunken worden. Vielmehr spricht alles dafür, dass bis zu dieser Tiefe noch das Senon reicht. Die petrographische Ausbildung ist ähnlich wie in Königsberg; doch treten die kreideartigen, sand- armen Schichten etwas reichlicher auf als dort. Hiermit hängt offenbar das reichlichere Vorkommen feuer- stein-ähnlicher Concretionen zusammen: Die kieseligen Concre- tionen des Senons wurden in der Kreide zu Flint, im feinsandigen Kreidemergel zur sogenannten »harten Kreide«. Letztere ist also eine sandige Abart bezw. ein sandiges Aequivalent des echten Feuersteins.. Damit mag es wohl zusammenhängen, dass Verf. in Masuren (also südlich von Gumbinnen) Diluvialgeschiebe von Feuerstein häufiger fand, als im westlichen Östpreussen. Weiter westlich (in der Weichselgegend Westpreussens) nehmen die Feuer- steine wieder zu, wie auch unter den Westpreussischen Kreide- geschieben Einzelkorallen etwas häufiger als in Ostpreussen vor- kommen, was auf etwas grössere Tiefe des Kreidemeeres für Westpreussen (und Gumbinnen) deuten dürfte. Da das Diluvium in Gumbinnen durchsunken ist, möge sein Profil, als Beispiel für die weitere Umgegend, hier folgen: 2 Meter gelber Diluvialmergel, anscheinend ge- Be schiebefrei u 2 We sy: . .. bis 2 Meter 3,5 » grauer, gemeiner Be hiehemergel Sa 5,9 » 1,5 » ».+: Bayencemergel! 2 2. ums 1. 3 » geschiebereicher er 0 3 » Geröllepackung . . . Nr Ne 3 » schwach-lehmiger Bl en SO ‚ 2 Meter grauer gemeiner Geschiebe- mersel.; „2% . bis 18 Meter 3 » röthlich - gelbbrauner, er 98 Meter. thoniger Geschiebemergel » 21 » 23 » _ gemeiner Geschiebemergel, von 21—28 Meter grau, von 28— 37 Meter gelb- in Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. 7 Tiefe lich-braun, von 37 bis 44 Meter grau mit aonieter- schwachem Schein in’s Gelbliche. . . . . .. bis 44 Meter eneterlehmiger Grand... » „2.02... 0..».46 » Br, sramer Geschiebemergel . . » . » . ». 50 » 2 Meter darunter mit scharfer Grenze Vermuthl. abschneidend, lebhaft brau- »Local- ner (röthlich-gelbbrauner) moräne« Geschiebemergel . . . » 52 » vom zer- l » grauer Geschiebemergel . » 53 » störten 9 » rothbrauner, ziemlich tho- Wehlauer niger Geschiebemergel . » 62 » Thon. l » _ ziegelrother Geschiebemergel » 63 » 5 » rothbrauner » ».68 » 1 Meter grauer Geschiebemergel . . . ....».69 » 8 » rothgelbbrauner Geschiebemergel . . » 72 » 10 » gelblich-grauer » ee 218.9.» Kreideformation, . > :.- ‘- ». =. 2.2.7» 200,5 » Vom Proviantamte Gumbinnen sandte der Königl. Garnison- bauinspector Herr REIMER 1893 das Bohrregister eines Brunnens, nach welchem von 0—80 Meter Tiefe Diluvium durchsunken zu sein scheint. Blatt 31. Nagurren, Kreis Wehlau, 33 Proben von Herrn BıEskE 1893: 0— 43 Meter Diluvium. Blatt 34. Eiondruschen (früher Parragawischken genannt) b. Gudwallen, Kreis Darkehmen, 72 Proben von Herrn BIESKE 1895: 0 — 77 Meter Diluvium. Blatt 35. Domäne Grasgirren bei Dinglauken, Kreis Dar- kehmen, 36 Proben von dem Königlichen Kreisbauinspector Herrn A». ScHuLtz 1893: 0— 36 Meter Diluvium. Domäne Dinglauken, Kreis Darkehmen. Bohrproben von 22 Aurrep JentzscHh, Neue Gesteins -Aufschlüsse dem Königlichen Kreisbauinspector Herrn Ap. ScHULTz in Gum- binnen 1893: 0—150 Meter Diluvium. Es ist dies neben Weedern bei Darkehmen !), wo 151 Meter Diluvium getroffen wurde, die grösste bekannte Mächtigkeit des Diluviums in Ost- und Westpreussen. Und es ist bemerkens- werth, dass Weedern nur etwa 4 Kilometer südwestlich von Ding- lauken liegt. Wenn die Leser dieses Berichtes zweifellos bemerkt haben, dass die Mächtigkeiten des Diluviums regional verschieden sınd, so haben wir also hier nordöstlich von Darkehmen eine Region besonders grosser Mächtigkeit erkannt. Dinglauken liegt etwa 95 Meter über der Ostsee, sodass also das Diluvium dort 55 Meter unter den Meeresspiegel hinabreicht. Bemerkenswerth ist, dass in Dinglauken sich zwischen Geschiebe- mergeln bei 16 — 63 Meter Tiefe eine 47 Meter mächtige, aus Grand, Sand und Thonmergel zusammengesetzte Sedimentstufe aufbaut, welche die Vermuthung interglacialen Alters gewiss nahe- legt. Anderseits erfordert die Deutung gerade dieses Profils Vor- sicht, weil Schichtenstörungen hier sehr wohl vorhanden sein können. Blatt 36. Domäne Buylien, Post Buylien, Kreis Gumbinnen, 68 Proben von dem Königlichen Kreisbauinspektor Herrn SCHULTZ 1893: 0—78 Meter Tiefe Diluvium. Der Ort liegt nach dem Messtischblatte etwa 59 Meter über der Ostsee, sodass auch hier das Diluvium mindestens 19 Meter unter den Meeresspiegel hinabreicht, dessen Ufer heute 110 Kilo- meter entfernt ist. Blatt 44. Drengfurt, Kreis Rastenburg, 78 Proben von Herrn BIESKE 1893: 0—78 Meter Diluvium. I) Vergl. Jentzscu, Museumsbericht für 1888. Sitzungsber. Physik. Oekon. Gesellsch. für 1889, S.4. Die Bohrproben aus Weedern sind bis 151 Meter Tiefe sicher diluvial; von 151-175 Meter Tiefe sind sie leider von minder guter Beschaffenheit; wahrscheinlich gehören 151—175 Meter Tiefe bereits der Kreide- formation an; doch liess sich dies nicht ganz sicher entscheiden, in Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. 13 Blatt 45. Ueber den Untergrund der Stadt Angerburg hat Verfasser die bisherigen Nachrichten und Aufschlüsse zu- sammengestellt ). Auf dem dortigen Markte findet sich für die Braunkohlenbildung der z. Z. nordöstlichste Punkt des deutschen Reiches: Tiefe 202 Meter Dilumum. 2.» 2100.00. 4° . bis .104 Meter 3 » feiner Quarzsand der Braunkohlenbil- Huneset a hm Aue ER ee Se |) er > Blatt 55. Georgenberg bei Rastenburg, Kreis Rastenburg. 138 Proben von Herrn BıEskE 1893/94: 0—138 Meter Tiefe Diluvium. Dies ist eine für Ostpreussen recht erhebliche und in dieser Provinz bisher nur von den oben erwähnten beiden Bohrungen Weedern und Dinglauken (Gradabtheilung 19, No. 35) um 13 bez. 12 Meter übertroffene Mächtigkeit. Da Georgenberg nach dem Messtischblatt 287,5 Dezimalfuss, also 108 Meter Meereshöhe hat, so reicht hier das Diluvium min- destens 30 Meter unter den Meeresspiegel. Die tiefste Probe ist nordischer Grand. Krausendorf bei Rastenburg, Kreis Rastenburg (1 Kilometer nordöstlich von Georgenberg), 96 Proben von Herrn BIESKE 1894: 0— 96 Meter Diluvium. Blatt 57. Bahnhof Lötzen, Kreis Lötzen. 18 Proben von Herrn BIESKE 1894: 0—18 Meter Alluvium und Diluvium. Gradabtheilung 20. Goldap. Vergl. Geologische Karte der Provinz Preussen in 1: 100000, Section 9 Pillkallen, 17 Gumbinnen-Goldap. Blatt 2. Neuhof-Lasdehnen, Kreis Pillkallen. 40 Proben von Herrn BıEskE 1894. An der Oberfläche giebt die geologische Karte Geschiebemergel an. !) Zeitschrift für praktische Geologie 1894, Heft 7, 8. 279-281. 74 Aureen Jentzsch, Neue Gesteins-Aufschlüsse Tiefe O9 Metek 15 Meter Proben fehlen . . . . . bis 15 Meter Dis » » " Gresehiebemergel . ,.... u sein 2er U. ,» ‚“nordischeriGrand . ..|. 2 aRNE 38 » hellgrauer kalkreicher Mergel vom Aussehen des Kreide- mergels und mit Foramini- feren, kleinen Seeigelsta- cheln und einem Fischzahn » 60 » Drei von Herrn BIESKE 1895 gesandte Proben einer zweiten Bohrung ergaben: Tiefe 22,5 Meter( 21 Meter Proben fehlen . . . . bis 21 Meter Diluvium. € °1,5 » nordischen Grand. . .. "sr 22 9,5 » Kreidemergel gleicher At » 32 » Diese nordöstlichste Bohrung Ostpreussens, welehe am rechten Ufer der Szeszuppe, 38—40 Kilometer OSO. von Tilsit, nur 9 bis 10 Kilometer von der Reichsgrenze entfernt liegt, bestätigt auf’s Neue die schon von Tilsit bekannte geringe Mächtigkeit der Diluvialbildungen dieser Gegend. In Tilsit 23—30 Meter mächtig, sinken dieselben in Lasdehnen auf 22 Meter, und lassen wenige Meilen jenseits der russischen Grenze bei Georgenburg (Iurborg) und Tauroggen !) Kreidebildungen unmittelbar zu Tage treten. Letzterer Umstand bestätigte auch die Deutung des Mergels als !) Nach der Carte geologique de l’Europe. Auf der neuesten von Fürst Geproıtz bearbeiteten 25-Werst-Karte der Gouvernements Wilna, Kowno, Su- walki, Grodno und Minsk (Materialien zur Geologie Russlands, herausgegeben von d. Kaiserl. Mineralog. Gesellsch. Bd. XVII, St. Petersburg 1895) ist ein ‚Aufschluss bei Iurborg nicht verzeichnet (Tauroggen liegt ausserhalb der Karte), dagegen zeigt diese Karte von der anstehenden Kreide bei Kowno westwärts bis zum Rande des Kartenblattes, also bis auf preussisches Gebiet, einen Streifen muthmaasslicher Verbreitung der Kreideformation, dessen Nordrand durchweg dem Memelstrome parallel, wenige Kilometer nördlich dieses Stromes gezeichnet ist, somit IJurborg mit umschliesst. Vom Standpunkte der preussischen Auf- schlüsse aus kann man dieser Darstellung ohne Weiteres beipflichten, nur dürfte im Meridian von Tilsit die Kreidegrenze erheblich nördlich vom Memelstrom liegen. in Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. 75 Kreidemergel, dessen zusammenhängende Verbreitung unmittelbar unter Diluvium, also ohne zwischengelagertes Tertiär, wir nun vom Ufer des kurischen Haffs ostwärts bis Kowno, nordwärts bis Tauroggen, und südwärts bis Fritzen, Tapiau, Wehlau, Inster- burg und Gumbinnen kennen. Die Kreide der Gegend von Tilsit und Lasdehnen dürfte älter als der Mucronatenmergel sein, und vorläufig am wahrschein- lichsten dem Untersenon (Emscher) zu parallelisiren sein. Blatt 7. Aus der Oberförstereı Schorellen, Kreis Pillkallen, erhielten wir 1894 auf Verfügung der Königlichen Regierung zu Gumbinnen durch den Königlichen Kreisbauinspektor Herrn SCHNEIDER Mittheilung über eine Brunnenbohrung, und in dessen Auftrag von dem Brunnenmacher Herrn KAPISCHKE in Osterode 51 Proben: 0,3 Meter Alluvium . . bis 0,3 Meter Tiefe 4957 =». Diuaumm. 2. =»2500° » > Blatt 14. Pillkallen, 15 Proben von Herrn BıEskE 1893: 16—30 Meter Diluvium. Blatt 9—15. Anhangsweise möge hier erwähnt werden, dass nach einer Zeitungsnachricht im Dezember 1892 auf einer Bruchwiese unweit Lindicken, Kreis Pillkallen, ein Steinlager von mehreren hundert Kubikmeter Steinen aufgefunden worden sein soll, unter denen sich Blöcke von 10 und mehr Kubikmeter be- fanden. Für jene steinarme Gegend ist ein solcher Fund sehr nützlich. Blatt 26. Cassuben (Post Cassuben), Kreis Stallupönen. Der inzwischen verstorbene Bohrunternehmer Herr SCHIEBOR in Rosenberg Wpr. theilte ein kurzes Bohrregister mit, nach welchem bis 84 Meter Tiefe Diluvium durchbohrt worden wäre. Gradabtheilung 31. Schneidemühl. Blatt 51. Schneidemühl, Provinz Posen. Aus dem Un- glücksbrunnen, dessen artesische Quelle gefährliche Erdsenkungen inmitten der Stadt verursachte, worüber zahlreiche Berichte vor- 76 ALFRED Jentzsch, Neue Gesteins- Aufschlüsse liegen, erhielten wir vom Magistrat einige Proben); später sammelte Verf. an Ort und Stelle einige Nachrichten über andere Bohrprofile der Stadt. Gradabtheilung 32. Bromberg. Blatt 4. Der Geschäftsführer der Fischerei-Vereine West- und Östpreussens, Herr Dr. SELIGO übergab 1893 Ädem Verf. zwei Proben einer Kalkablagerung von Neu-Laska bei Dzimianen, Kreis Berent, welche sich dort vom Seespiegel bis zu der 20 Meter und mehr darüber aufragenden Diluvialplatte bemerkbar macht. Aehnliche Kalkbildungen umkleiden auch, wie schon J. SCHUMANN beschrieb, die Gehänge über den Radauneseen und bezeichnen eine wesentliche, noch nach verschiedenen Richtungen hin unter- suchungswürdige Bildung des Danziger Hochlandes. Blatt 20. Lipinice bei Konitz, Kreis Konitz, 36 Bohrproben von Herrn BIESKE in Königsberg 1893: Tiefe Diluvium ) 31 Meter Proben fehlen (Kesselbrunnen) bis 31 Meter 60: Meter.) 29° °» "Diluvum mo nn Ra 7” » SandderBraunkohlenformation » 67 » Lipinice liegt reichlich 3 Kilometer OSO. von der Oorri- gendenanstalt Konitz, deren Brunnenprofil Verf. früher?) beschrieben hat. Damals wurde Braunkohlensand bei 54,4 Meter Tiefe, jetzt bei 60 Meter Tiefe gefunden. Darnach scheint es, als ob in der Gegend von Konitz (der höchsten Schnellzugs-Station des deutschen Flachlandes!) die Mächtigkeit des Diluviums verhältnissmässig gering wäre oder doch hinter dem provinziellen Mittel zurück- bliebe. Blätter 20, 26, 32, 37, 38, 43, 44, 50 (Kreise Konitz, Flatow, Wirsitz) beging Verf. die Eisenbahn-Baustrecke Konitz- ı) Beschrieben vom Verf. in Zeitschr. f. praktische Geologie 1893, 8. 347 bis 554. Die vom Verf. daran geknüpfte Theorie des artesischen Druckes wurde von Starrr (daselbst 1893, S. 381) angegriffen, aber von WırneLm Kress (da- selbst 1894, S. 19-25) vertheidigt und ergänzt. ®) Dieses Jahrbuch für 1883, S. 354 und 1884, S. CI. in Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. In Camin-Zempelburg-Vandsburg-Nakel und stellte deren Tages- aufschlüsse, sowie Nachrichten über einige Brunnenbohrungen fest). Blatt 28 besuchte Verf. wiederholt die Braunkohlengrube »Buko« zu Gostoczyn (Liebenau) bei Tuchel, welche neuerdings — Zeitungsnachrichten zufolge — leider auflässig geworden sein soll, und in Verbindung damit Aufschlüsse feinen Quarzsandes der Braunkohlenbildung am rechten Ufer der Brahe bei Plaskau nördlich von Tuchel (Blatt 22 — 28). Auf dem Werke Buko sind 12 Versuchsbohrungen von 35 bis 100 Meter Tiefe ausgeführt worden, von denen Verf. einige Bohr- proben und Bohrregister erhielt. Doch haben dieselben für die Beurtheilung der dortigen Lagerungsverhältnisse, wie für die Kenntniss des westpreussischen Tertiärs überhaupt, leider nicht den Werth, den sie haben könnten, weil die Bohrungen zumeist ohne Verrohrung (letztere reichte nur 20 —30 Meter tief) und mit Wasserspülung ausgeführt wurden, und weil die Reihe der Bohrproben viel zu lückenhaft ist. Immerhin mögen die vorliegenden Beobachtungen hier folgen, als Fortsetzung meiner 1883 gegebenen spärlichen Mittheilungen ?) über das Tertiär an der Brahe. Wir kannten daselbst bisher von Liskowo (Lieskau) aufwärts bis zur Mühle Hosianna die all- gemeine Angabe »Braunkohlen«; ferner an der Eisenbahnbrücke, rechts der Brahe, 5 Meter über der Letzteren, erbohrten Tertiär- letten; und ca. 300 Meter oberhalb dieser Brücke, dicht am linken Ufer der Brahe einen vom Verf. an Ort und Stelle untersuchten Aufschluss, in welchem Tertiärschichten ın 10,5 Meter senkrechter Mächtigkeit etwa 45° nach NO. fallen, mithin 7,4 Meter wirkliche Mächtigkeit zeigen, und ein Streichen von NW-— SO. besitzen. Später wurden bei Pillamühl (am linken Ufer der Brahe) Ver- suche auf Kohlen unternommen. Verf. sah 1891 die Reste eines Versuchsstollens, welcher dicht nördlich Pillamühl eine hufeisen- förmige Windung des Flusses abschnitt und die Richtung NW. bis SO. hatte, mithin dasselbe Streichen wie obengenannter, 6— 7 Kilometer nördlich liegender Aufschluss! Nach eingezogener !) Vergl. die vorläufige Mittheilung in diesem Jahrbuch für 1893, S. CVI. ?) Dieses Jahrbuch für 1883, S. 572, 591 — 593. 78 Aurren Jentzson, Neue Gesteins Aufschlüsse Erkundigung war die Kohle 2,5 Meter mächtig und fiel 320 nach NO., mithin in gleichem Sinne wie dort. In dem aufwärts führenden Hohlwege sah Verf. 1,5 Meter Diluvialsand mit Grand- lagen über 1,2 Meter Geschiebemergel; die Grenze erschien hori- zontal. Zunächst über der Kohle liegt Tertiärthon, gleich dem von kudabrück, mit einem 0,3 Meter starken Kohlenbänkchen. Auf der Halde sah Verf. auch Alaunerde, in welcher — nach Aussage des Herrn Mühlenbesitzers RoGER — früher Gyps- krystalle gefunden sind. Vor vielen Jahren sei in diesen Ge- hängen Glassand gegraben worden, auch haben Töpfer sich solchen hier geholt. Nach gefälliger Auskunft des Herrn Landrath DELBRÜCK ist auch in Gr. Klonia, Kreis Tuchel (Gr.-A. 32 Blatt 33) Kohle erbohrt, und zwar nach dessen Schätzung in etwa gleicher Meeres- höhe mit Pillamühl. Nach Mittheilung des Herrn Brunnenmacher ROHDE in Pol- nisch-Oekzin (Gr. A. 33, No. 29) fand dieser in Polnisch-Oekzin, 9—10 Kilometer östlich von Tuchel, 7 Kilometer östlich der Eisenbahn-Brahebrücke: Sand N MAI RER I Lehm (voraussichtlich Geschiebemergel) ) 14 Meter Sand mit Wasser . Eee ca. 2 Meter Braunkohllen . . . . .. . 14-16 » Tiefe. Endlich erzählte Herr BUKOFZER, dass er auch an der Ra- kuwka bei Summin mächtige Braunkohlen gefunden habe. An der Brahe von Norden nach Süden sind bisher folgende Tertiärvorkommen mir bekannt geworden: Rechts (also westlich): Mühle Hosianna, augeblich Braunkohle. Rechts, 400 Meter OSO. dieser Mühle sah Verf. 1891 in der Baugrube der über den Fluss führenden Strassenbrücke: ‘ Diluvialsand, flächenhaft weit verbreitet, und bedeckt von dünner Geschiebesand - Decke, durchzogen von Verwerfungen, welche bis 1 Meter Sprung- höhe zeigen . . ..abwärts bis 1 Meter unter Mittelwasser, in Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. 719 0,5—1,5 Meter Gemeinen Ge- schiebemergel, welcher auch 500 Meter weiter westlich, also SSW. der Mühle Hosianna, südlich der Chaussee, in einer Grube unter 0,2 Meter Ge- schiebesand, 1,5 Meter mächtig aufgeschlossen ist. . . bis 1,5-2,5 Mtr. unter Mittelwasser Darunter ca. 1 Meter tertiären feinen Quarzsand mit dünnen Kohlen-ähnlichen Lagen bis 20 > 1000 Meter SW. von hier salı Verf. 1893 am rechten Thal- gehänge die Grube einer von den Herren Gebr. BUKOFZER an- gelegten Quarzsand-Schlämmerei: 0 —0,5 Meter Geschiebesand, 0—1,0 » diluvialen Spathsand, 5 » feinen weissen Quarzsand, in der Mitte mit einer 0,2—0,6 Meter starken Lage choko- ladenbraunen feinen Sandes. Die Schichten streichen N. 40—50° W. und fallen 20—50° nach NO. Das Streichen ist also wiederum gleich demjenigen von Pillamühl und an der Eisenbahnbrücke, obwohl letztere 2 Kilo- meter, erstere 9 Kilometer entfernt liegen! Das Fallen ist gleich- falls im selben Sinne gerichtet, doch der Steilheit nach wechselnd. Tertiäre Sande stehen auch westlich der Grube an der con- caven scharfen Thalecke an; ebenso ziehen sie sich, durch kleine Schürfe aufgeschlossen, von der Oberkante der Grube in derselben Streichrichtung NW.— SO. 140 Meter weit in das Land, als Kern eines flachen Rückens, welcher auf dem Messtischblatte 107 Meter Meereshöhe hat. Das Tertiär ragt also hier etwa 103 Meter über das Meer oder etwa 13 Meter über den Brahespiegel. Offenbar von hier stammt ein feiner weisser, unter der Lupe schwarze Körnchen zeigender Quarzsand, welcher im September 1893 auf der Konitzer Gewerbeausstellung ausgestellt war, unter Beifügung einer Abschrift des folgenden Gutachtens: 80 Aurrep Jentzsch, Neue Gesteins-Aufschlüsse »Die beiden vom Landrathsamt Tuchel eingesandten und mit B. I. bezw. P. II. bezeichneten Proben desselben Sandlagers sind feinkörnige, gelblichweisse Materialien. Mit Wasser angemacht, sind sie völlig unbildsam, also frei von thonigen Beimengungen. Im schärfsten Porcellanfeuer, beim Schmelzpunkt vom Kegel 18 der SEGER’schen Reihe (d. h. etwa 1550°C.) geglüht, bleibt die Probe B. I. ein lockeres Pulver, P. II. backt zu einem leicht zer- bröckelnden Kuchen zusammen. B. I. brennt sich bei diesem Hitzegrad gelblichweiss, einzelne Klümpchen desselben hell ocker- farbig, P. II. mit rein weisser Farbe. Demnach ist die Probe P. II. an Eisensilikaten ärmer als die Probe B. I.« »In Schwefelsäure löslich sind von dem Sand B.1.: 0,60 Pro- cent, von dem Sand P. II. 0,42 Procent kieselsaure Thonerde; die rationelle Analyse ergab für B. I. bezw. P. II. einen Gehalt von: | B. 1. P.I. Thonsubstanz‘. .. . 2.5 0,60 pCt. 0,42 pCt. Quarz as ee 98,72 » 97,09 >» Feldspath“ 4... haus) 1 „Ray 0,68 » 1,93 » Summa 100,00 pCt. 100,00 pCt. »Auf Grund dieser Zusammensetzung wurden mit diesen beiden geglühten und feingemahlenen Sanden 2 Hartporcellan- massen mit einem Gehalt von: 50 Procent Thonsubstanz, d. h. kieselsaure Thonerde, 200003 Quarz, 25... 09 Feldspath hergestellt, und zwar in der Weise, dass die Thonsubstanz zu 35 Thl. einem reinen Kaolin, und zu 15 Thl. einem plastischen, quarzführenden Thon entnommen wurde. Die beiden den Sanden entsprechend B. I. und P. II. benannten Porcellanmassen bestehen bei obigem Gehalt an Thonsubstanz, Quarz und Feldspath in 100 Gramm-Thl. aus: in Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. 81 Masse B.I. | Masse P. II. 35,00 35,00 Kaolin von Zettlitz in Böhmen 20,46 20,46 Löthainer Thon von Cölln-Meissen an der Elbe 20,06 B. I. 20,23 P.H.|' Sand 24,48 24,26 Norwegischer Feldspath 1 E URBERER IAHENIRRENEENRENEEN EEREREREE 100,00 100,00 | »Die Massen lassen sich auf der Töpferscheibe gut verarbeiten. Kleine aus demselben angefertigte Schälchen wurden nach dem Verglühen bei Silberschmelzhitze (ca. 960° C©.) in mittlerem und schärfstem Porcellanfeuer bis zum Schmelzpunkt von Kegel 18 der SEGER’schen Reihe (ca. 1550° C.) unglasirt und glasirt gebrannt. Die Schälchen sind nach dem Brennen weiss und ohne Flecken. Die in den Sanden enthaltenen geringen Mengen von Eisensilicaten sind also für die Herstellung von Porcellanmassen ohne nach- theiligen Einfluss, die in der Königl. Porcellan-Manufactur ver- wendete, entprechend der Formel: 0,1 K, OÖ 0,2 Mg&O ) 0,9 AlOz;.9SiO, zusammengesetzte farblose Glasur 0,6 CaO schmilzt auf den Massen B. I. und P. II. platt und ohne Haarrisse auf«. »Aus vorstehenden Versuchen ist ersichtlich, dass die Tucheler Sande B. I. und P.1I., zur Mehlfeinheit gemahlen, für die Herstellung von weissem Porcellan unter Zugrundelegen ihrer durch die rationelle Analyse gefundenen Zusammensetzung geeignet sind. Mit gleichem Vortheil sind sie zur Anfertigung von weissem Steingut und feinem Steingut, d. h. für alle diejenigen Thonwaaren - Erzeugnisse zu verwenden, für welche die Erzielung eines weissen, fleckenlosen Scherbens erforderlich ist. Ebenso sind sie zur Bereitung der in der Thonwaaren-Industrie gebräuchlichen Farben und Glasuren 1 brauchbar). Der Director der Königl. Porcellan-Manufactur (Gez.) Dr. HEINECKE«. !) Anmerkung während des Druckes. Einer von Sr. Excellenz dem Königlichen Ober-Präsidenten der Provinz Westpreussen, Herrn Staatsminister Jahrbuch 1896. 6 89 Aurren Juxtzson, Neue Gesteins-Aufschlüsse Zwei Kilometer südlicher liegt links der Brahe der vom Verf. früher beschriebene Aufschluss (von welchem mir 1891 berichtet wurde, dass Töpfer dort feinen Sand holen), und 300 Meter süd- licher rechts der erbohrte Tertiärletten der Eisenbahnbrücke. Bei der Unterförsterei hudabrück (1 Kilometer südlich der Eisenbahn unweit der Chausseebrücke) sah ich 1 Meter sandigen Diluvialgrand über 0,5 Meter hellgrauem Tertiärthon. Am Schiessstand bei Rudabrück sollen Thon und schwarz- grauer Sand vorkommen. Unterhalb der Oberförsterei Schwiedt (ca. 3 Kilometer südlich von Rudabrück) ist am linken Braheufer früher Thon gegraben Dr. von GossLer am 3. Januar 1897 herausgegebenen Druckschrift: »Ueber die Fabrikation von Glas und Porcellan in der Provinz Westpreussen« entnehmen wir noch folgende Analyse des Plaskauer Sandes: »Die beiden Sande B und P wurden mit Wasser gewaschen, durch starkes Durchkneten und Reiben die darin aufschwemmbaren Theile im Wasser suspen- dirt und die Trübe abgegossen. Es wurde dies so lange wiederholt, als sich noch etwas im Wasser aufschwemmte. Darauf wurden die Sande der chemischen Analyse unterworfen. Diese ergab Folgendes: B P Glühyerlustas.. 2 anne 0,16 0,18 Kieselsäure 1.0... 1. 98,95 99,25 Thonerde’ ...:2197.3., u... 0,63 0,17 Bisenowydı 2. sera a 0,17 0,21 Kallı an Me 0,12 0,05 100,08 | 99,86 Beide Sande können als ganz gute Sande für die Glas-, Porcellan- und Steingut-Fabrikation erachtet werden. Ein Brennversuch bei hoher Temperatur ergab, dass dieselben reinweiss, ohne schwarze Punkte sich brennen. Die Feuer- festigkeit wurde nicht bestimmt, weil die Sande zu feinkörnig sind, um für feuer- feste Fabrikate Verwendung zu finden. Berlin, den 16. Mai 189. (Gez.) Dr. H. Secer.« Daraus ergiebt sich, dass der Tucheler Sand an Reinheit dem bekannten Quarzsand von Hohenbocka in der Lausitz wenig nachgiebt. Ein ganz ähnlicher Sand ist nach derselben Druckschrift auch zu Kelpin gefunden worden. Dieser Ort (Gradabthlg. 32, Blatt 22) liegt etwa 4 Kilometer nordwestlich von Mühle Hosianna, 4 Kilometer nördlich von Tuchel. in Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. 83 worden zum Walken der gewöhnlichen Tuche ın der Mühle Ernstthal; auch holen Tucheler Töpfer dort Thon. MERTENS Ziegelei in Tuchel holt zur Herstellung der feineren Waaren (Dachsteine, Drainröhren) Tertiärthon vom Braheufer dicht nördlich der Eisenbahn. Nach Aussage des Königlichen Försters Herrn Könıg in Döbelsheide kommen Braunkohlen auch zwischen der Oberförsterei Schwiedt und Pillamühl an mehreren Stellen des Braheufers vor; Holzschläger haben davon gebrannt; landeinwärts sei keine Kohle bekannt. 21/, Kilometer südlich von Schwiedt liegt das oben beschriebene Vorkommen von Pillamühl, und unmittelbar südlich auf dem rechten Braheufer das Feld der Grube Buko. Taf. III, Fig. 2 giebt deren Lage (mit Einschluss der Bohr- punkte) im Maassstabe 1: 24000 nach einer Pause, die Verf. mit freundlicher Genehmigung des Bergwerksbesitzers Herrn BUKOFZER von dem Grubenriss entnehmen durfte. Verf. konnte die Bohrproben der Profile L, M, N und OÖ untersuchen, von denen die ersteren 3 in einer Geraden liegen. Die Entfernungen betragen: LM = 10 Meter, MN = 11 Meter, NO = 10 Meter. Ueber die Richtung der Linie NÖ ist der Verf. leider im Zweifel, weshalb er dieses Profil OÖ betreffs der Tertiärschichten nicht anzugliedern versuchen will, während es zur Ergänzung des Diluvialprofils ohne Weiteres herangezogen werden kann. Die Schichtenangaben bei M beruhen nur für 0 — 37 Meter auf eigener Untersuchung, für 37—85 Meter Tiefe auf den An- gaben des vom Markscheider Herrn ©. SCHULTZE im Mai 1894 ge- zeichneten Profils; ebenso bei Profil L:0 —54 Meter nach Verf., 54—83 Meter nach Herrn SCHULTZE. So ergiebt sich für die Schichtenfolge das Profil, Taf. III, Fig. 3 im Maassstabe 1: 1000 der Höhen und Längen, also unverzerrt. Nach den Angaben des Markscheiders habe ich noch die Lage der Kohle in A und C auf die Bildebene projieirt, und dadurch eine Ergänzung und Präcisirung des Bildes gewonnen. G* 84 Aurrep Jentzscn, Neue Gesteins- Aufschlüsse Für das Diluvium ergiebt sich darnach folgende Gliederung: 975 — 4,5 Mtr., im Mittel 2,5 Mtr. grandiger Sand, 10 —25 » » » 13 » geschichteter Thon, 6,0 — 95 » » » 76 » Geschiebemergel, Diluvium |0 — 15 » » » 0,4 » gelber Thon, 15,5:bis 2,5 —100 » :» :».2%89..% Band Koken tem: 29,5 Meter, | unten grob, z. Th. im Mittel unten mit Rost, 21 Meter. Kohlenstaub oder Geschieben. 0 — 59) » » » 1,4 » grünlicher Geschie- \ bemergel. Dies stimmt sehr wohl zu den vom Verf. früher 1) mitgetheilten Profilen für om 42 ds 20 — 50 ds | Konitz: _ dm 315 und Tuchel: dm) 170 (Decimeter). ds 10. dh dm 210 Im Tertiär ergiebt sich für das Hauptflötz III von C bis M (senkrecht zum Schichtenstreichen gemessen) ein Fallen von 41 Meter auf 110 Meter, d.h. 1: 2,7 oder 20025. Reducirt man die verticalen, in den Bohrprofilen zum Aus- druck kommenden Mächtigkeiten auf die normalen und gewährt im Hinblick auf die Art des Bohrverfahrens für die Mächtigkeiten, insbesondere der Kohlenflötze, einen gewissen Spielraum, so findet man zunächst als Tertiärprofil: 4 Meter grauen Sand, l » Kohle, 3 » schwarzen Sand, 1—4 » Kohle, 8 » dunkelgrauen fast mittelkörnigen Quarzsand, in N mit einem dünnen Kohlenbänkchen, ) Das Profil der Eisenbahn Konitz - Tuchel-Laskowitz, dieses Jahrbuch für 1883, 8. 555 und 567. in Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. 85 0,3 Meter chokoladefarbigen staubigen Letten vom Charakter der Formsandgruppe, 0,4 » mittelkörnigen Quarzsand, dunkel, hellgrauen Thon (dünne Bank), 21 » Quarzsand, 2—3 » Kohle (Hauptflötz = II). Dass letzteres Flötz mehr als 3 Meter Mächtigkeit erreicht, halte ich noch nicht für erwiesen, da die in L und M gefundene grosse Mächtigkeit wohl auf Irrthum durch Nachfall, oder auch auf örtlicher Schichtenstauchung beruhen könnte. Von den Bohrungen DEFGHJK hat Verf. keine Gesteins- proben gesehen. Für diese Bohrungen konnte er nur die mark- scheiderischen Profile in 1:1000 copiren, welche in Taf. III, Fig. 4 im halben Maassstabe (also 1 :2000 für Höhen und Längen) soweit wiedergegeben sind, als die Schichtenangaben eine geognostische Deutung zuliessen. Leithorizont ist das Hauptflötz III. Man sieht, dass unter diesem in K noch (normal gemessen) 26 Meter Thon über 15 » Sand über mehreren Metern Kohle vom erheblich besserer Beschaffenheit liegen sollen. Wie das Profil mit Fig. 3 und den Aufschlüssen des Stollns III zu vereinen, vermag der Verf. z. Z. nicht zu sagen. Diese Bilder Fig. 3 und 4 sind deshalb nur als vor- läufige zu betrachten. Der bei K abgeteufte Schacht war bei des Verf.’s Besuch unter Wasser. Die 59 Meter tiefe Bohrung P hat Kohle nur bei 32—33 Meter und 37—40 Meter Tiefe getroffen. Letzteres entspricht wohl Flötz II. Ueber dem Hauptflötz sind in E noch 4 durch Formsand ge- trennte Flötzchen, und über denselben Letten gefunden worden. Auch die in den Versuchsstolln I und II anstehenden Kohlen lagen unter Letten. Letzteren mit dem »Posener Septarienthon« zu parallelisiren, ist gewiss ein naheliegender und natürlicher Gedanke, der indess noch des Beweises bedarf. 86 Aurkep JextzscHh, Neue Gesteins- Aufschlüsse Der aufgelassene Versuchsstolln I hatte 50 Meter Länge; der ebenfalls auflässige Versuchsstolln II nur ca. 20 Meter. Der Hauptstolln III ist 250 Meter lang und sein Mundloch liegt hart am Braheufer, 760 Meter vom linken Braheufer der bei Pilla- mühl über die Brahe führenden Brücke entfernt. Alle drei Stolln streichen genau gleich, nach des Verf.’s Messung N. 330W. (magnetisch), daher N.42°W. (astronomisch). In allen drei Stolln fallen die Schichten nach NO., durchschnitt- lich etwa 30 — 45°. Am Hauptstolln ist der Fallwinkel der Schichten an 4 Stellen zu 30—35°, im Durchschnitt 31° in Fig. 2 angegeben. Der Schacht L liegt im Streichen des Stollns I. Beim Befahren des Stollns III sah Verf., dass derselbe in seiner ganzen Länge in mindestens 1,0—1,5 Meter starker, dichter und holzreicher Kohle von guter Beschaffenheit steht; kurz vor Ort wurde letztere auf ca. 50 Meter Länge durch ein sandig-lettiges, 0,2 bis 0,3 Meter starkes Zwischenmittel zertheilt; Schwefelkies wurde nicht bemerkt, dagegen sehr viel Holz (Lignit), welches durchweg zerbrochen und in liegender Stellung eingebettet be- obachtet wurde. Ein Querschlag in’s Liegende zeigte mir unter der Kohle zunächst mit 40° Einfallen geschichteten Formsand, darunter mit nur 100 Einfallen mittelkörnigen Quarzsand; es schien dem Verf., dass vor Ort, 47 Meter vom Hauptstolln, nahezu ein Sattel er- reicht war. Ein 18 Meter langer Querschlag in’s Hangende zeigte dem Verf. 0,5 Meter feinen Sand, darüber Thon und sandigen Thon, darüber feinen Sand. Ausser Holz sind keine Versteinerungen gefunden. Als geognostische Ergebnisse der Tucheler Aufschlüsse können wir somit betrachten: 1) Das 21 bezw. 30 Meter mächtige Profil des Diluviums; 2) den Nachweis zahlreicher Tertiäraufschlüsse innerhalb des Gebietes von Buko bis Hosianna; 3) die leider wenig zuverlässige Gliederung der dortigen Braunkohlenformation in ca. 45 bezw. 86 Meter Mächtigkeit, ohne dass Oligocän oder mesozoische Bildungen erreicht wären. in Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. 87 Selbst die groben Quarzsande und Quarzkiese scheinen nicht getroffen worden zu sein. 4) Den wirklichen Nachweis durch Augenschein eines höchst bemerkenswerthen gleichartigen NW. — SO.-Streichens im Tertiär innerhalb des ganzen, von N. nach S. 11 Kilometer langen Tertiär- gebietes an der Brahe. Diese Beobachtung ist praktisch wie theoretisch von gleich hoher Bedeutung: Dieses Streichen setzt durch das Brahethal quer hindurch, und wir dürfen bis auf Weiteres annehmen, dass auch in grösserem Umkreise um Tuchel dasselbe Streichen herrscht. Dasselbe Streichen NW.— SO. beobachtete von ROSENBERG!) in der Braunkohle von Stopka, Kreis Bromberg, 33 Kilometer süd- lich von Tuchel. Es beherrscht mithin eine Strecke von 34 Kilo- metern. Es ist damit endlich ein Anhaltspunkt für unsere Vor- stellungen über den Bau des pommerellischen Rückens gegeben, und ein Ausgangspunkt für spätere Versuche. Die Lage aller genannten Punk tezeigt das Kärtchen, Taf. III. Fig. 1 ım Maassstabe 1: 100000. Blatt 28/29. In Bislaw, auf MeyeEr’s Gehöft, 8 Fuss über dem See, bohrte Herr RoHupE 38 Fuss (12 Met.) in »blauer Lette mit Steinen«, mithin Geschiebemergel, dann kam plötzlich reich- liches Wasser, welches bis zur Höhe des Sees ansteigt, aber salzig sein soll. Es lösche nicht den Durst, sei aber gut für das Vieh. Jetzt (1891) gehöre der Brunnen dem Schneider MuszoL. Wenngleich diese Nachricht nicht eindeutig ist, mag sie doch vielleicht später einen Wink geben. Gradabtheilung 35. Graudenz. Vergl. Geologische Karte der Provinz Preussen in 1:100000, Section 20. Dirschau, 21. Elbing. Geologische Specialkarte von Preussen in 1:25000, Lieferung XLIII Marienwerder, LXV Riesenburg. Blatt 2. Pr. Stargard. Grestütsplatz. 68 Proben von Herrn BiıEskE 1894. 0 Meter Dıluvaım. Pr. Stargard. Von der Westpreussischen Bohrgesellschaft ein Bohrregister, aus welchem hervorgeht, dass bis 69 Meter Tiefe !) Dieses Jahrb. f. 1890, S. 64, 88 ALrrep JentzscHh, Neue Gesteins-Aufschlüsse Diluvium, von 69— 71 Meter Tiefe aber »Sand mit Braunkohlen- stückchen« getroffen wurde. Da Proben fehlen, ist eine Alters- bestimmung leider nicht möglich. Aus der Provinzial-Irrenanstalt Conradstein bei Pr. Stargard sandte Herr BIESKE 5 Diluvialprofile: Il. 1895: 31 Proben von 0 — 47 Meter. II. 1894: 52 » wu) a2 II. — 50 » >= 10-550: 08 Ivan 91 Du 0 91 v1895:721 » » 1 — 37,5 » Das tiefste dieser Profile (No. IV) ergab folgende Schichten: Tiefe 3 Meter gelber Geschiebemergel . . . . . . bis 3 Meter 3 >» feiner Grand . BT 2 DO 5 » grauer Geschiebemergel . . . . BE NE. 6 Meter feiner geschiebefreier » 100» Sedimente | 6. » ' Mergelsand ;. ..:..... „ir 22 1208 20 Meter. ) 8 » Thonmergel, oben mager, unten fett... .., er...) Bomsa 8 Meter Geschiebemergel . . 2... 2-2 u 0m Ad 4: »,,. Thonmergel u ne. 0. u 19. » .’Geschiebemergel..:. ... „u... 0... 002m d. 53.3.2 Grand. VL ea ee Bee ee Me ee u 12 .»,: ‚Geschiebemersel‘.. 2, 2.2. 200. Ve en, 1. Meter, Sand 2 2 2 ee 87 da 117797 eorau: ee Sahn- lich, doch vielleicht Sedi- mente ana sn a une De oe Lues u Mereelsand "22.20 0 3 TE '10 » feiner, loser, geschiebefreier AN \ Sand von normalem Kalk- ehalt a, 22 Ser »,80©>» 3 » reichlich mittelkörniger ge- i schiebefreier Sand von nor- malem Kalkgehalt . . . » 90 » Inu desgl, mittelkörnig ANREISE & 3. En Ber TE Er in Öst- und Westpreussen 1895 — 1895. 89 Die anderen Bohrungen stimmen mit IV. im Allgemeinen zumeist recht wohl überein; insbesondere ist ın I., II., III. und IV. durchweg die in IV. besonders hervorgehobene 20 Meter mächtige Sedimentgruppe in 17—24 Meter Gesammtmächtigkeit getroffen worden. In V. ist sie erbohrt, doch nicht durchsunken. Ihre hangende Grenze streicht W.— OÖ. oder SW.— NO. und fällt 25 Meter auf 150 Meter, also 1:6 nach Norden, d.h. 91/5%. Sie streicht mithin parallel dem nahen Fersethal und fällt von dem- _ selben weg in den Berg hinein — eine neue Bestätigung der BEREnDT’schen Regel. Wegen der schwach geneigten Schichten- | stellung sind die wahren Mächtigkeiten nur um 1/79 kleiner als ihre im Bohrprofil gefundenen Verticalmaasse und kann demnach voraussichtlich das mitgetheilte Profil als Typus für die Diluvial- gliederung der Umgegend vorläufig betrachtet werden. Blatt 6. Ramten bei Waplitz, Kreis Stuhm. 45 Proben von Herrn BıEsKkE 1894: 0— 50 Meter Diluvium. Blatt 9. Im Gebiete des bereits veröffentlichten geologischen Messtischblattes Mewe wurde 1895 beim Neubau der Chaussee Pestlin-Mewe angeblich eine kreideartige Schicht getroffen, was sehr merkwürdig gewesen wäre. Auf Bitte des Verf.s sandte Herr Kreisbaumeister FREYER in Marienwerder drei Proben der- jenigen Schichten bei Kurstein, welche wahrscheinlich jenes Ge- rücht veranlasst hatten. Dieselben erwiesen sich als diluvial, und genau den Angaben der geologischen Karte entsprechend. Blatt 14. Unterförsterei Scharnow bei Skurz, Kreis Pr. Star- gard. 4 Proben von Herrn Orro BeEsch 1894: 0 — 19 Meter Diluvium. Blatt 15. Gr. Wessel, Blatt Münsterwalde der geol. Special- karte. 3 Proben von der Königlichen Kreisbauinspektion zu Marienwerder 1894: 0— 27 Meter Diluvium. Blatt 16. Marienwerder, neue Artilleriekaserne (dicht süd- westlich des Bahnhofes). 116 Proben aus drei 71 — 75,5 Meter tiefen Bohrbrunnen von Herrn Bıeske 1895 ergaben sämmtlich Diluvium. Der erste dieser Brunnen zeigte folgendes Profil: 90 ALFRED JentzscHh, Neue Gesteins-Aufschlüsse Tiefe 2 Meter ziemlich feiner, geschiebe- freier Sand, fast völlig ent- Kalk... ul, bis "2 Meter noch feinerer, mer artiger gelber Sand von 4,25 Meter. u 99 p) normalem Kalkgehalte. . » 4,25 » 2675 » ® ‚#3 » gelber Geschiebemergll. . » 6 » » grauer » ae » " grauer Thonmergel . ... was 231.» N » fetter, dünngeschichteter Thonmerzel!4 \.v. „TS 10 Meter Geschiebemergel . . . a 4 Meter grober Spatleaan Na 3. 2 » sandiger Grand, Material 7 Meter. meist. nordiseh, 2: .! SU, Krone > l » _ geschiebefreier Sand von normalem Kalkgehalt . . » 73 » Verf. behält sich vor, die hieraus in Verbindung mit seinen früheren Aufnahmen für die Lagerung des dortigen Diluviums zu ziehenden Folgerungen in besonderer Mittheilung zu begründen. Die aus den Blättern 23, 24, 27, 28, 29, 30, 33, 36 ge- wonnenen Profile folgen in den Erläuterungen der daselbst auf- genommenen Kartenblätter bezw. in den Aufnahmeberichten. Blatt 31. Schwetz, Neubau der evangelischen Kirche. 22 Proben von Herrn Regierungsbaumeister Bock 1893: 0— 21 Meter Diluvium. Schwetz, Provinzial-Irrenanstalt. Von der Westpreussischen Bohrgesellschaft erhielten wir die Bohrregister zweier in den Jahren 1894/95 abgeteufter Bohrungen, und aus der zweiten dieser Bohrungen 26 Gesteinsproben, nach deren Untersuchung sich für Bohrung II folgendes Profil ergiebt: Tiefe 3 Meter Diluvialsand mit einzelnen über erb- sengrossen Geschieben (wohl Ge- schiebesand).. : ... ...... ..%...6bis Vorne in Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. 9] Tiefe 2 Meter gelber, geschiebearmer Geschiebemergel bis 5 Meter 5 » -Spathsand mit einer Grandlage . . . » 10 » 4 » sandiger Grand, Material meist nordisch » 14 » Bes feimgrandiger Spathsand. .. . . . .ı» 20 » 4 Meter dunkelgrauer tertiärer | Formsand.&) - u...» 24 9» | 5 » Greschiebemergel mit ei- grossen Silurkalken . . » 29 » 3.» Diluvialgrand; Material viel Silur, nächst- dem krystallinische Silicatgesteine und drei Phosphoritknollen . . . ol 4 » kalkfreier, heller, fetter Tertiärthon” ae > 2 » thonige Braunkohle mit Holzresten. . » 38. » Bir, 1 Meter Geschiebemergel (y) . . » 39 » (3 » grauer Formsand . . . » 4 » Dee brsunlich-grauer Thon 2 .„ „.. 0. 0 50 > 12 » Bormsand . 2.05 >». .02 » 4 » dunkler feinsandiger Me mit on » 66 » Pe Normsand .. I... 2.2. % ...>».69 » 4 » sehr feiner Quarzsand, wenig Böber als der Mormsand .... we... un ».0108 >» 7 » desgl. mit einem Kohlenflötz. . . . » 80» 2 » »grauer sandig. Lehm mit Steinchen«; die Probe ist hellgrauer, a Letten ohne Steine. . . ME 4 » staubiger feiner Quarzsand mit ne » 86 » 8 » feiner heller Sand mit Glimmer. . . » 9 » 3l » brauner Letten (nur 1 Probe!) . . . » 125 » 15,25» weisslicher erdiger Kalkstein (nur erobern. eur Br 3 140,25 >» Aus dem Kalk stieg salzhaltiges Wasser bis 7 Meter unter Tage, von welchem Herr OTTo HELM in Danzig dem Verf. gütigst am 21. März 1895 folgende Analyse mittheilte: »Das Wasser ist klar, hat weder Farbe noch Geruch; es schmeckt ein wenig salzig und besitzt eine Härte von 42,5 Graden. 92 ALFRED JentzscHh, Neue Gesteins-Aufschlüsse Gegen Lackmus reagirt es neutral. 100000 Theile des Wassers hinterlassen nach dein Verdunsten einen gelblich-weissen Rück- stand, welcher, bei 17000. ausgetrocknet, 358 Gramm wiegt. Von organischen Substanzen enthalten 100000 Theile des Wassers so viel, dass 0,48 Theile Sauerstoff erforderlich waren, diese Substanzen zu oxydiren. Von anorganischen Bestandtheilen sind in 100000 Theilen des Wassers enthalten: 28,23 Kalkerde, 12,34 Magnesia (davon 9,90 an Chlor gebunden, 2,44 an Kohlensäure), 2,40 Kieselerde, 0,04 Eisenoxyd, 1,09 Schwefelsäure, 181,77 Chlor (davon 164,20 an Alkalien gebunden, 17,57 an Magnesia), | 141,91 Natron, 2,24 Kalı, 24,26 Kohlensäure. Sa. 394,28 40,96 ab für den, dem Chlorgehalte entsprechenden Sauerstoff, 353,92.« Danach enthält das Wasser 0,27 pCt. NaCl und 0,026 pCt. MsCl, oder rund 0,3 pCt. Chloride. Dieser Chlorgehalt ist nicht stärker als derjenige mehrerer anderer, der Kreide entspringender Brunnenwässer Ost- und West- preussens. Es ergiebt sich also, dass schwache Soolquellen von etwa 1/; pCt. in beiden Provinzen recht verbreitet sind. In der Reihe der petrographisch untersuchten Bohrproben fällt die stratigraphische Stellung der von mir mit x und y be- zeichneten Schichten auf. Ist schon das Vorkommen von Ge- schiebemergel inmitten tertiärer Schichten nichts Unmögliches, wie ja dergleichen oben wiederholt berichtet werden musste, so ist es doch immerhin auffallend und darf nur mit Vorsicht aufgenommen werden. Weit auffallender wäre aber das Vorkommen einer in Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. 93 4 Meter mächtigen Formsandscholle inmitten des Diluviums über Geschiebemergel und unter Spathsand. Verf. glaubt eine einfache Lösung des Räthsels gefunden zu haben, indem er eine Verwechse- lung der Proben x und y annimmt. x ist nämlich die 6. und y die 11. Probe. War also der am Bohrort befindliche hölzerne Fächerkasten in 5 x 5 Fächer (ein sehr gewöhnliches Format) ge- theilt, so kam Fach 6 unmittelbar neben Fach 11 zu liegen, und beide bildeten den Anfang einer keihe, konnten mithin leicht ver- tauscht werden; ebenso konnte beim Umpacken in einzelne Papp- kästen die Tiefenangabe, welche auf der Brettkante zwischen bei- den Fächern stand, sowohl auf das obere wie auf das untere Fach bezogen werden. Der Irrthum — welcher selbstredend vor Auf- stellung des erhaltenen Bohrregisters erfolgt sein musste — wäre also begreiflich. Bei dieser Voraussetzung war mit 5 xX5—= 25 Fächern der Kasten gefüllt; es wäre somit auch ersichtlich, warum aus der grossen Mächtigkeit von 31 Meter bei 94 — 125 Meter Tiefe leider nur eine Probe, nämlich die 25., genommen worden ist, und nur nachher, als der Kalkstein etwas völlig anderes bot, von diesem eine 26. Probe aufbewahrt wurde. Vertauscht man x und y, so passt y vorzüglich zu dem nun angrenzenden Geschiebemergel, und x nicht minder zu dem nun unmittelbar darunter liegenden Formsand, von dem es nur durch die dunklere Farbe verschieden ist, welche sehr naturgemäss den Uebergang zu den darüber liegenden feinsandigen Letten mit Kohle andeutet. Verf. glaubt, dass diese Annahme viel Wahrscheinlichkeit hat, und wird sie daher weiteren Vergleichen dieses wichtigen Profiles so lange zu Grunde legen, bis ihre Unrichtigkeit nachgewiesen werden sollte. Demnach fasst er das Schwetzer Profil kurz so auf: Tiefe 82 Meter Diluvium - . ..... . bis 32 Meter, Braun- ; 37 » Formsandgruppe . . ». » 69 » kohlen- 25 » Gruppe des feinen Quarz- bildung sandesı eu cu 20m gr 8 93 Meter. \ 31 » 2 Brauner leiten. 2... =, +8..128. ,» 19.25.» Kalkstem‘ 2... 2 140,25 » 94 Aursrn Jentzsch, Neue Gesteins-Aufschlüsse Eine aus 135 Meter Tiefe übersandte Probe ist harter, ge- steinsartig fester Kreidemergel mit einigen kleinen, unbestimmbaren Schalresten. Beim Auflösen mit Salzsäure bleibt eine ziemlich erhebliche Menge grauen feinen Schlammes zurück, der unter dem Mikroskop sich vorwiegend als feiner Quarzstaub erweist mit einigen Procenten echter Glaukonitkörnchen von gleichfalls staub- artiger Feinheit. Diese Umstände sprechen dafür, dass er zur Kreideformation (mindestens vorläufig) zu stellen, und mit dem ähnlichen in Thorn (siehe unten) erbohrten Gestein zu ver- binden ist. Blatt 5l. Vom Vorwerke Friedenau bei Ostrometzko theilte der inzwischen verstorbene Bohrunternehmer Herr SCHIEBOR dem Verf. mündlich mit, dass er dort 142 Meter tief gebohrt habe, ohne Kohle zu finden. Blatt 56. Thorn. Der in den Jahren 1848 —1851 im Brückenkopf zu Thorn ausgeführte Brunnenbohrversuch (welcher salzhaltiges, zum Trinken ungeeignetes Wasser ergeben hatte) war bis zum Jahre 1875 in Ost- und Westpreussen der einzige, aus welchem vortertiäre Gesteinsproben in die Hände eines Natur- forschers gelangt waren. 4 Gesteinsproben kamen an J. SCHU- MANN), welcher dieselben mikroskopisch untersuchte, auf Grund der von ihm nach EHRENBERG bestimmten Foraminiferen (neben denen er Hexactinelliden-Nadeln und andere Mikro-Formen fand) als Kreideformation erkannte, wegen des Fehlens der Feuersteine für älter als Rügener Kreide hielt und deshalb mit dem »mittleren Quadermergel Geinitz« parallelisirte.e Für die höheren Schichten der 4121/, Fuss (129,6 Meter) tiefen Bohrung konnte derselbe nur die Bohrregister des Schlossröhrenmeisters HILDEBRANDT mit- theilen. Seitdem ist dies Profil ein oft citirter Fixpunkt in der ostdeutschen Greognosie gewesen, und mit Recht, denn SCHUMANN’S Mittheilungen, Beobachtungen und Deutungen sind gut und zu- verlässig gewesen. ZADDACH’s Umdeutung und Höhenangabe, nach denen in neuerer Zeit meistens citirt wird, haben sich dagegen in I) Preussische Provinzialblätter 1858. Wiederabgedruckt in ScHumann, Wanderungen durch Altpreussen. Königsberg 1869, S. 137—141. in Öst- und Westpreussen 1893 — 1895. 95 diesem Falle nicht bewährt. Bemerkt sei hier, dass dieser Bohr- punkt links der Weichsel lag, unmittelbar südlich der jetzigen Eisenbahn, dicht am jetzigen Bahnhofe. In der rechts der Weichsel liegenden Stadt war seitdem Kreide einmal erbohrt worden, aber ohne Probebelag geblieben. Tertiär war ın und um Thorn durch BERENDT anstehend be- obachtet, und nachher auch vom Verf., welcher auch einige gute Bohrprofile aus dem dortigen Tertiär feststellen konnte. Nunmehr ist ein gutes Profil bis hinab in die Kreide erlangt, und damit ein für die geognostische Kenntniss einer weiteren Umgegend entscheidender Aufschluss gewonnen. Aus dem im der nordöstlichen Stadterweiterung gelegenen Bauviertel E. sandte 1893/94 Herr BıEskE 147 Schichtenproben, nach denen Verf. folgendes Profil feststellen konnte, welches er als »Thorn E. 1l.« bezeichnet: Tiefe Beeren sehutt ....=. . © u 2 era bis 1 Meter, ei Diluyıum. i EL e Ds 11 » _ Posener (Septarien- Thon, Bene > 216223 lee despl. etwas dunkler: . . . was...» 17 » Pu rothbunter Thon. 2... all: 2» .19 > Zu hellsrauer Thon ,.. . .. 2% ae m...» 28 » 17°» schwärzlicher Thon . . ...:. 2. ».24 » Kor» .hellerauer Thon . . » .:. Be ee 3.» grauer, staubiger Thon mit einem han streifen bei 35 —36 Meter . . . » 37T 92 2 » mittelkörniger, durch beigemengten Staub bindiger Sand . . . .. aa 3 » schwarzgrauer Thon mit Biken » ..42 » le 7 Srauer Dhon in, zutun. 022.48 > le» brauner, sandiger Leiten . 2...» 4 » Er srambrauner Betten... 2.0.0» 31 » 2 » brauner Letten mit Glimmer . . . . » 98 » l » bräunlicher fester Letten mit Glimmer und mit einzelnen, bis 10 Millimeter : Fr langen gerollten Quarzen . . . . » 94 » 96 Aurrep JEentzscH, Neue Gesteins -Aufschlüsse Tiefe 13 Meter ebeuso, doch ohne Quarzgerölle, z. Th. thonähnlich, bei 63 — 67 Meter ganz besonders fest, .... '. . - 2... „olcbis 67 Meter 58 » Weisse Schreibkreide . . . . . » aD 5 » Bryozoensand, d.h. ein loser Kalksand voll Bryozoen und Cidaritenstacheln » 130 » 4 » Weisser, doch härterer (nicht schrei- bender) Kreidekalk mit Feuerstein- ähnlielien Knollen . ..... . 20 Zar oA 1 » desgl. abfärbend, nur undeutlich schrei- | bend. ae ne Sa 15 .». Schreibkeeider . ... ... au an. no Trinkwasser wurde nicht erreicht. Nur 200 Meter entfernt wurde in demselben Bauviertel ein zweites Bohrloch (Thorn E. II.) abgeteuft, von welchem Herr BIESKE 54 Proben sandte: Tiefe 1 Meter Schutt . wen. nel. el, urn Diane 16 » Diluvium. . . » 17.0 15 » _ Posener Thon, meist hellgrau, bei 20 bis 22 Meter ziemlich dunkel, 17 bis 23 Meter fett, 23—32 Meter staubig » 32 » 5 .» ziemlich feiner grauer Sand . . ı Zr smazee 1: ». :desgl. mt AIBiemit 200 Han A ra 2...» 5 feiner’graueri Sand... ... „02 ve er] A 3 .». Braunkohle, und brauner Thon... 27.7: „mas 6.» neramer-Bhonr 7.2 Kemmer ey A l » brauner fester Letten mit Glimmer und mit übererbsen grossen gerollten Quarzen 2 er lee ar 4 » dunkelbraun gestreifter, glimmerreicher, | meist, thoniger Betten :'. .. ne. a - Eine dritte Bohrung in dem an E. östlich angrenzenden Bau- viertel L., von welcher 1893 Herr BıEskE 60 Schichtenproben sandte, ergab: in Ost- und Westpreussen 1895 — 1895. 97 Tiefe 6 Meter Schutt und verändertes Diluvium . . . bis 6 Meter, 28,°'3 Diva el » 3 » schwarzer Thon bis thonige Kohle mit Holz 7 » hellgrauer Thon; bei 39 — 40 und 40 bis 41 Meter Tiefe mit ın Markasit versteinertem Holze - . . .. .» 4 » 2\ » brauner staubiger Sand mit Quarzkies » 46 » 4 » brauner Letten mit Glimmer . . ..»60 » Das Gelände der Bauviertel E. und L. liegt ungefähr 20 Meter über dem Nullpunkte des Thorner Pegels; letzterer liegt + 33,8 Meter über Normal-Null. Der alte Bohrpunkt im Brückenkopf liegt 34 Fuss (10,7 Meter) über dem Pegel, mithin —+ 45,5 Meter über NN. und rund 9 Meter tiefer als die Bohrungen E.1., E. Il und L. Hiernach sind die älteren Angaben, wie sie nach ZADDACH von LOSSEN und WAHNSCHAFFE übernommen worden sind, zu berichtigen. HiıLvE- BRAND-SCHUMANN’S altes Bohrregister lässt sich nun besser ver- stehen. Sehen wir betr. der diluvialen und tertiären Schichten desselben vorläufig von einer Vergleichung ab, so ist doch so viel klar, dass im Brückenkopf Tertiär bis 140 Fuss (44 Meter) Tiefe herabreicht, und Kreide bis 182 Fuss (57 Meter) Tiefe unter Tage aufragt. Die Stellung der Schichten aus 140—182 Fuss mag vor- läufig unentschieden bleiben. Dann ergiebt sich im Grossen folgender Vergleich, dessen Zahlen durchweg auf volle Meter abgerundet sind. Dabei ist zu berücksichtigen, dass den Höhenlagen von E. und L. ein Fehler von + 2 Meter, vielleicht auch + 3 Meter anhaften kann. Aus umstehender kleinen Tabelle sind folgende Schlüsse zu ziehen: 1. Die neueren und älteren Bohrproben und Bohrregister erweisen sich als zuverlässig, da sie unter einander sehr wohl übereinstimmen. 2. Die tieferen Schichten gehen gleichmässig durch alle Bohrungen, insbesondere der Quarzkies und der darunter liegende braune Letten mit Glimmer (Thorner Thon). Jahrbuch 1896. 7 I8 Aurren Jentzscn, Neue Gesteins- Aufschlüsse G — — — q — —— —— 88-81 — — 88 1 -T vl v &l g ° I I OL Mi 61 = <1 <1 Ni — £ Br = = 8 So 9 | jdoquognig | 7 ea TH ga _ | ae — aga— | — _ ve — II —- 10 — 18 — r— |6&8-— 71 — |a- — | + Pe 0°+ ON zdoyuoyonug | ai | IA | IH 10% W NONSTUORN E PM [9394 Turoy] weop ıoqu SYuegIOgO Aop oyof SNPPAYSS pun USTEFLUIWEIOT WI puesunid) 5 OU], A9UNEIqg-ZIeMyoGg "Msn Puwsu9ozoÄig yoıssoryosum “opraryy (UOU] AOUIOU]) JOWWILH) FI uoNorT Jouneig De ra Tarzan Sunpfiquopyoyuneig Aouosog Sunjeygqy 91ejun “uoy], AEUosoT uoy]L doyunqygoy Sunoygy 91990 "UOU L(-UOWULE] T IOPO -ueLLeIdeg) ouosog er 7 unmngg pamaınyos — ee 5 in Ost- und Westpreussen 1593 — 1895. 99 3. Aus diesen Leithorizonten folgt, dass die Tertiärschichten in E.I., E. II. und Brückenkopf annähernd gleich hoch, in L. etwas tiefer liegen. Das Bauviertel L. liest südöstlich dicht neben E.; die Tertiärschichten fallen also schwach östlich; zur Be- stimmung einer Streichrichtung reicht indess das Material z. Z. noch nicht aus. 4. Die Tertiärschichten werden — wie zu erwarten — vom Diluvium abgeschnitten. Das vollständigste Tertiärprofil (ins- gesammt 61 Meter) hat E.I. In E. II. fehlen der rothbunte Thon und die obere Abtheilung des Posener Thones; in L. sind nicht nur diese beiden zerstört, sondern auch die untere Abtheilung des Posener Thones und die hangendsten Schichten der Posener Braunkohlenbildung. 5. Ob die Oberfläche der Kreide in E. I. oder im Brücken- kopf höher liegt, ist vorläufig nicht zu entscheiden. 6. Der im Brückenkopf bei 123 Meter getroffene schwarz- braune Thon ist in E. I. bei etwa —130 Meter (unter Thorner Pegel) nicht erreicht. Seine Oberfläche fällt also vom Brücken- kopf nach E. I. (etwa 1800 Meter), also von Süd nach Nord mindestens um etwa 7 Meter. Dieser Betrag, welchem noch eine Ungenauigkeit von mehreren Metern anhaftet, ist sehr gering. Ein erhebliches Fallen der Kreideschichten ist also für Thorn z. Z. nicht nachweisbar. Es bleibt nun noch übrig, die Bezeichnung der erbohrten Kalke, deren petrographische Verwandtschaft mit Kreidegesteinen nicht zu verkennen ist, auch paläontologisch als Kreide zu erweisen. SCHUMANN bestimmte nach EHRENBERG’s Mikrogeologie an Fora- miniferen 15 Arten: Cenchridium dactylus, Nodosaria monile, Planu- larıa depressa, turgida, ampla; Rotalia globulosa, umbrlicata; Guttu- lina turrita; Testularia globosa, linearis, leptotheca, aciculata, dilatata, Pachyaulax; Grammostomum Polytrema. Alle diese Arten kommen ın der Kreide vor. Besonders entscheidend war für SCHUMANN der Umstand, dass die ganzen Gattungen Guttulina und Textularia erst in der Kreideformation auftreten. Nun wissen wir aber heute, dass @uttulina (= Polymorphina WILLIAMSON = Globigerina D’ORB.) in den verschiedensten Schichten Fi 100 Aurrep JentzscHn, Neue Gesteins- Aufschlüsse von der Trias bis zur Jetztzeit verbreitet ist, und dass Textularien sens. propr.!) sogar schon im Kohlenkalk auftreten und noch heute leben. Auch die anderen kleinen, von SCHUMANN bestimmten Gestalten: Hextactillenidennadeln, Spongilithis gigas, Coniostylis prismatica EHRENB., sowie JEHRENBERG’s »Scheibensternchen« können wohl nicht ganz scharf über das Alter entscheiden. Ein solcher Entscheid ist aber um so nöthiger, als nur 30 Kilometer SW. von Thorn der durch die Anhydritgruppe unterteufte weisse Jura von Inowraclaw fast zu Tage tritt, während 21 Kilometer südöstlich von Thorn an der russischen Salıine Ciechoezinek weisser Jura unmittelbar unter Tertiär angegeben wird und zwischen diesen drei Punkten Kreideaufschlüsse bisher nicht bekannt sind (abgesehen von dem neuen Funde in Üzernewice, siehe unten Gr.-A. 50 No. 3). Die aus den Bohrproben von E.I. aus- gewaschenen Versteinerungen bieten glücklicherweise neben den auch hier nicht fehlenden Foraminiferen einen festeren Anhalts- punkt. Zwar fehlen Belemniten völlig und von anderen grösseren Versteinerungen sind nur einige Bivalven und Seeigelstacheln (Cidaris) gefunden, welche meist zerbrochen sind. Dagegen ist das Auftreten der Bryozoen, welche in allen Schichten der Thorner Kreide (E. I.) vorkommen, und inmitten derselben eine Bank von mehreren Metern Dicke fast ausschliesslich (neben Seeigelstacheln) aufbauen, schon an sich sehr bezeichnend und bestärkt die Ver- muthung auf Kreide, welche zur Gewissheit durch das Auftreten von Cheilostomen wird, die bekanntlich erst im Cenoman beginnen. Die Untersuchung des reichen Materials durch einen Specialisten wird hoffentlich in den specifischen Bestimmungen genauere An- haltspunkte gewähren. Endlich fanden sich bei 124—125 Meter Tiefe zwei Terebratulina. Beides sind ganz jugendliche Exem- plare, aber von trefflicher Erhaltung. Nach Zeichnung, länglichem Umriss und eleicher (flacher) Wölbung beider Klappen gehören beide Stücke zu Terebratulina chrysalis ScHLoTH. (T. striata WAHLENB.). Das kleinere stimmt in Grösse, Gestalt und Zeich- nung mit DAvIDson, British Cretaceus Brachiopoda, Taf. II, Fig. 23; das grössere stimmt in der Grösse mit Davıpson, Taf. II, Fig. 22, ist jedoch noch etwas länglicher und hat dichtere, gekörnte Rippen, in Ost- und Westpreussen 1895 — 1895. 101 so dass .es in Umriss und Rippung zu SCHLÖNBACH, Palaeonto- graphica XIII, Taf. XXXVII, Fig. 3a stimmt. Die Art ist in den Obersenon-Geschieben (Mucronatenstufe) Ostpreussens, sowie in dem anstehenden Senon Schonens (Mamillaten- und Mucronaten- Stufe) gefunden, kommt indess in Norddeutschland vom Cenoman und Turon bis zu den Mucronatenschichten des Senons vor. Sie bestätigt mithin die durch die Foraminiferen und Cheilo- stomen gewonnene Bestimmung als obere Kreide (d.h. Cenoman bis Senon), giebt aber gleich diesen keinen specielleren Entscheid. Bemerkenswerth ist, dass ın der Kreide von Broniewo bei Radziejewo gleichfalls Terebratulinen und zwar »viele« erbohrt sind, welche F. KöMER!) als T. gracilis bestimmte. Da beide Arten die gleiche verticale Verbreitung haben, darf man wohl beide Aufschlüsse für parallel halten. Drei bei Radziejewo in Russisch-Polen in den Jahren 1874—76 ausgeführte Bohrungen ?) trafen (aus russischen Fussen vom Verf. in Meter umgerechnet): Broniewo | Kobielice Koneko | Bemerkung Nordisches Diluvium 45,7 45,1 35,0 | | | Thone d. Braunkoh- | | lenbildung . ,:.... 49,4 106,7 | 75,3" |*bei91 Meter Tiefe mit einem | ' 6 Meter mächtigen Braun- | ' kohlenflötz Kreidemergel .... 118,2 60,9 103,0 Diese drei Punkte liegen südlich von Thorn, und südlich der Verbindungslinie Inowraclaw-Üiechocinek. Es ist dem Verf. deshalb nicht unwahrscheinlich, dass auch zu Ciechocinek, dessen tiefere Salzquellen zweifellos im oberen Jura stehen, in den oberen Teufen etwas Kreide durchbohrt sein könnte, was schon PuscH ®) als möglich hingestellt hat. Da indess dort in dem 1806 vom preussischen Staat ausgeführten Bohrloch I. 1) 54. Jahresber. Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur, Jahrg. 1876, 8. 33. 2) Nach handschriftlichen Nachrichten von Kasınsky, mitgetheilt von Jentzscn, der Untergrund des norddeutschen Flachlandes. Schriften physik.-ökon. Gesellsch. XXI, 1881, S. 46—47 und Karte Taf. I. 3) Pusch, geognostische Beschreibung von Polen 1836, II, S. 271. 102 Ärrrep Jentzscn, Neue Gesteins- Aufschlüsse schon bei 83 Fuss »oolithischer Kalkstein« getroffen wurde, so könnte höchstens der über diesem liegende, 7 Meter mächtige »milde weisse Kalkstein« des alten preussischen Bohrregisters als Kreide gedeutet werden. Indess kann sehr wohl die Kreide dort ganz fehlen. Jedenfalls ist es völlig sicher, dass von Thorn bis Ciechocinek, also auf 21 Kilometer südöstlicher Entfernung, die Unterlage der Kreide erheblich ansteigt. Denn das Bohrprofil E. I. reicht bis —130 Meter unter Thorner Pegel; mindestens 7 Meter liegendere Kreideschichten sind am Brückenkopf nach- gewiesen; mithin reicht Kreide in Thorn mindestens bis —137 Meter unter Thorner Pegel. Der Bohrpunkt Ciechocinek I. muss min- destens 3 Meter über dem Thorner Pegel liegen; und da bei 26 Meter Tiefe dort bereits Oolith erbohrt wurde, so kann dieser nicht tiefer als 23 Meter unter Thorner Pegel liegen. Dies ergiebt in der Richtung SO.— NW. ein Gefälle von mindestens 115 Meter auf 21000 Meter oder mindestens 1:183 für die Unterlage der Kreide. Die Differenz ist, als Schichteneinfallen betrachtet, verschwindend klein; sie wird aber nennenswerth, wenn man sie auf Kernumlagerung zurückführt. Da die in der Kreide Ost- und Westpreussens gemeine Belemnitella mueronata, welche wiederhoit in Bohrlöchern getroffen und auch südlich von Thorn in der anstossenden Kreide von Zaborowo in Russisch-Polen beobachtet ist, in Thorn nicht ge- funden wurde, wie denn Belemnitenstückchen überhaupt der Thorner Kreide fehlen, so muss man annehmen, dass letztere älter als die Mucronatenschichten sind. Anderseits macht die aus- gesprochen kalkige Facies ein cenomanes Alter recht unwahr- scheinlich. Wir dürfen deshalb vermuthen, dass innerhalb der »Oberen Kreide«, welcher die Thorner angehört, letztere wahr- scheinlich Untersenon, Emscher oder Turon sein dürfte. Nahe liegt es nunmehr, den in Schwetz (Gr.-A. 33 No. 31) erbohrten Kalkstein, unter welchem gleichfalls Salzquellen hervor- drangen, der nämlichen Kalkstufe zuzurechnen. Hier wie dort wird die Kreide zunächst von braunen Letten überlagert. Nahe liegt es ferner, das 63 Kilometer NO. von Thorn gelegene Kreideprofil von Hermannshöhe bei Bischofswerder zu vergleichen, in Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. 103 welches bei nur 20,1 Meter Mächtigkeit manches Aehnliche dar- bietet. Es ist gleichfalls reich an Echinodermen und enthält ausser den von BERENDT genannten Versteinerungen: Asteriden, Ananchytes, Galerites, Cyphosoma, Cidaris, Lamna und unbestimmbaren Korallen und Brachiopoden nach dem s. Z. vom Verf. gesammelten, ‚Im Königsberger Provinzialmuseum befindlichen Material auch Bry- ozoen (durch welche wie durch die Cidariten die Facies-Aehn- lichkeit angedeutet wird), ferner Pentacrinus Agassizi, Bohrschwämme und ein kleines glattes Dentalium. Gradabtheilung 54. Osterode. Vergl. Geologische Karte der Provinz Preussen in 1: 100000, Section 21. Elbing, 22. Wormditt. Blatt 1. Schlossbrauerei Christburg, Kreis Stuhm. Von der Westpreussischen Bohrgesellschaft erhielten wir 5, leider sehr lückenhafte Proben und ein Bohrregister, nach welchem von 6,2 bis 43,06 Meter Diluvium durchbohrt wurde. Für 21,3— 27,3 Meter Tiefe besagt das Register: »Sand mit Muscheln (Cardium edule?)«. Obwohl von den Muscheln leider keine Probe vorliegt, hat die Westpreussische Bohrgesellschaft von der Meierei Christburg aus 21— 21,5 Meter Tiefe vier Klappen von Cardium edule ein- gesandt. Vermuthlich liegt hier ein Schreibfehler vor. Umgelagert, auf jungglacialer Lagerstätte, hatte Verf. diese Art schon längst bei Christburg gefunden. Wichtig wäre ihre Er- bohrung auf ursprünglicher Lagerstätte. Bei künftigen Bohrungen in Christburg und Umgegend wäre daher die Entnahme der Bohr- proben von Meter zu Meter Tiefe besonders erwünscht, da auf diese Weise vielleicht das vom Verfasser nachgewiesene marine Interglacial geprüft und ergänzt werden könnte. Blatt 2. Draulitten bei Grünhagen, Kreis Pr. Holland. 8 Proben von Herrn BiEsKE 1894: 0 — 7,5 Meter Diluvium. Blatt 4 Mohrungen, Marktplatz. 47 Proben von Herrn BIESKE 1893: 0— 2 Meter Schutt, 22247 >. Diluyıum; 104 Aurrep Jentzscn, Neue Gesteins- Aufschlüsse Mohrungen, Bahnhof. 27 Proben von Herrn BıEskeE 1895: 10 — 35 Meter Diluvium. Blatt 8. Bündtken bei Saalfeld, Kreis Mohrungen. Proben von Herrn OrTrTo Besc#H: 0,5—-38,6 Meter Diluvium. Blatt 16/22. Stadt Osterode und nächste Umgebung. Herr Bohrunternehmer KAPISCHKE in Osterode sandte 202 Proben aus 16 dortigen Brunnen- und Baugrund-Bohrungen von 5 — 48 Meter Tiefe. Keine derselben hat das Diluvium durchsunken. Die Westpreussische Bohrgesellschaft zu Danzig sandte ein 100 Meter hinabreichendes Bohrregister mit (leider nur!) 9 Bohr- proben vom Marktplatz zu Österode: 0 —100 Meter Diluvium. Blatt 17/23. Gut Lubainen bei Osterode 6 bis \ 18 Meter. | Eisenbahn-Wärterbude 303a bei Lubainen0— 17 Meter. IE Blatt 18. Bahnhof Biessellen, Kreis Ostirene ke Ee 0—12 und 18 — 51 Meter. KAPISCHKE Blatt 21. Bergfriede, Kreis Osterode. 2 Molkerei . . . 0—12 Meter. Alluvium Rittergut . . . 0-15 » und Blatt 22. Röschken b. Bergfriede, Schulgrund- Dildeinue stück 0— 41 Meter. Blatt 23. Hirschberg b. Osterode. Von der Westpreussischen Bohrgesellschaft ein Bohrregister bis 78 Meter Tiefe, leider ohne Proben. Letzterer Umstand ist um so bedauerlicher, als bei 73 bis 76 Meter »harter grüner Sand« verzeichnet ist, welcher wohl mit dem tertiären, in der Kaserne zu Osterode als Scholle er- bohrten und von der Eisenbahn bei Lichteinen (auf demselben Messtischblatte, 4 Kilometer südwestl. von Hirschberg) als Scholle im Diluvium angeschnittenen !) Grünsand zusammenhängen und dem Marinen Unteroligocän zuzurechnen sein dürfte. Es bestätigt sich also die vom Verf. ausgesprochene Anschauung, dass das !) Jexızscn, Aufnahmebericht. Dieses Jahrbuch für 1893, S. LIIT — LVI. in Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. 105 Unteroligocän bei Osterode in. der Tiefe ansteht; denn dies ist nun auf kleinem Raume der dritte Aufschluss. \ Kreis Blatt 24. Gut Wilken bei Hohenstein O bis | Osterode: 22 Meter. \ Diluvium. von Herrn Blatt 30. Bahnhof Mühlen 0— 12 Meter. / 42 Proben Blatt 35. Grünfelde bei Frögenau 0O—12 Met. \ ’ KAPIscHKe. Blatt 43. Strassburg Westpr., Kreis Strassburg. Schon früher !) war auf Horrmann’s Bauplatz bei 7—19,7 Tiefe und am Garnisonlazareth bei 10,0 — 86,5 Meter Tertiär, zumeist »Posener Septarienthon« getroffen worden. Das Tertiär hat also dort nur eine verhältnissmässig dünne Diluvialdecke und ist mindestens 76,5 Meter mächtig. 1894 sandte Herr Brunnenmacher KArIscHKE Bohrproben vom Kreislazareth: unfeter Alluvum . =: . .. 2.0.2.2 bis 1 Meter Tiefe. 22 » Diluvaume u... want zen 09 » » 57 » Tertiär, mit Kohlen (bezw. Alaun- erde) bei 36— 38 Meter und 65 bis-66 Meter Tiefe .-.-- . : » 80. » » 1895 sandte der Magistrat mit dem Ersuchen um Begut- achtung ein sehr summarisches, wenig brauchbares Bohrregister nebst 2 ganz kleinen Bohrproben: »No. 6 aus 140 Meter Tiefe« erwies sich als feiner, weisser Quarzsand mit Glimmerschüppchen, und »No. 7 von 140 Meter Tiefe« erwies sich als ein sehr feiner, thoniger Formsand bezw. Braunkohlenletten. Man darf wohl die letzten Schichten noch der Braunkohlen- formation zurechnen, und erhält daun für diese, einschliesslich des sie bedeckenden »Posener Thons« und angesichts der aus der Aehnlichkeit der 3 früheren Bohrprofile hervorgehenden flachen Lagerung eine Mächtigkeit von mindestens 80 Meter, wahrscheinlich aber 117 Meter für das dortige Tertiär. !) Jextzscn, Museumsberichte für 1887 und für 1888, 106 Aurken Jentzsch, Neue Gesteins- Aufschlüsse Jedenfalls ıst es lebhaft zu bedauern, dass von diesem Auf- schlusse, der für die Kenntniss des westpreussischen Tertiärs hätte wichtig werden können, trotz aller Bemühungen fast keine Proben zu erlangen gewesen sind. Gradabtheilung 35. Allenstein. Vergl. Geolog. Karte der Provinz Preussen in 1: 100000, Section 22. Wormditt. Blatt 5. Domäne Voigtshof bei Seeburg, Kreis hössel. 42 Proben sandte auf Verfügung der Königlichen Regierung zu Königsberg 1895 Herr BIESKE. 4 Meter Alluvium und verwittertes Diluvium bis 4 Meter Tiefe. 88.» .- Diluyıım 9 re a EN DD > » Blatt 12. Sensburg, Kreis Sensburg. 13 Proben von Herrn BiEsKE 1894: 13 —27 Meter Diluvium. Blatt 14. Klein-Trinkhaus b. Klaukendorf, Kreis Allenstein. I. 4,3— 25,0 Meter ) Diluvium. II. 5,5—27,0 » )46 Proben von Herrn Bızskr. Blatt 21. Passenheim, Kreis Ortelsburg, Magistratsbrunnen auf dem Markte: 25 Proben von Herrn KAPIScCHKE: 12— 37 Meter Diluvium. Blatt 4 bis Gradabtheilung 36, Blatt 20 wird die Eisen- bahn Rothfliess--Rudezanny gebaut, von welcher 150 alluviale und diluviale Gesteinsproben aus kleinen Bohrungen durch Herrn BıeskE 1895 dem Provinzialmuseum zugingen. Gradabtheilung 36. Johannisburg. Blatt 2. Meierei Rhein, Kreis Lötzen. 22 Proben von Herrn BiıEskE 1895: 5— 26,5 Meter Diluvium. Blatt 5. Bahnhof Widminnen, Kreis Lötzen: 96 Proben von Herrn BıEskE 1895: 5 Meter Alluvium. . . . bis 3 Meter Tiefe. 93. » . Diluviamilı Non. u WERODHLS » in Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. 107 Das Diluvium enthält eine aus massenhaften Moosresten aufgebaute Kohlenschicht. Der ausgezeichnete Kenner europäischer Moose, Herr WARNSTORF in Neuruppin, hatte die Güte, die über- sandten Moosproben zu untersuchen. Er stellte darin 2 Hypnum- Arten fest: »Von denen die eine mit ovalen stumpfen Blättern, deren Nerv bis zur Blattmitte oder darüber hinausläuft, und deren Blatt- flügelzellen deutlich goldgelb gefärbt erscheinen, sicher Hypnum trifarium WEBER et MOHR ist. Die andere gehört einem Hypnum an mit schmalen lanzettlichen Blättern, die aber schon zu sehr zerstört sind, als dass man mit Sicherheit ein Urtheil abgeben könnte«. Die Art H. trifarium ist in Östpreussen lebend bisher nur in der weiteren Umgebung von Lyck (also nicht weit von Wid- minnen) durch SAnIo gefunden. Doch ist die Moosflora des übrigen Östpreussens eben noch wenig erforscht, so dass die geographische Nachbarschaft beider, zeitlich weit getrennten Funde als eine zufällige bezeichnet werden darf, wenn man nicht etwa in Betracht ziehen will, dass die höheren Theile Masurens (zu denen die Gegend zwischen Lyck und Marggrabowa gehört) nächst der deutschen Nordspitze bei Memel das kälteste Klima des Reiches haben, mithin dem Klima der Eiszeit relativ am nächsten stehen. Es geht dies aus den phänologischen. Beobach- tungen hinreichend hervor !). Die Art fehlt bisher auch in Westpreussen und Kurland ?), kommt dagegen auch in Schweden und Norwegen vor. Sie be- wohnt tiefe Sümpfe und deutet auf ein dem jetzigen gleiches oder mässig kälteres Klima. Bei der Neuheit des Fundes möge das vollständige Bohrprofil hier folgen. Sämmtliche Diluvialschichten brausen mit Salzsäure !) Vergl. das Kärtchen Ost- und Westpreussens zu Jexrzscn, der Frühlings- einzug des Jahres 1893. Schriften physikal.-ökonom. Ges. XXXV, 1894, $.1-23, Taf. I. ?) v. Kuineerärr, Die Leber- und Laubmose West- und Ostpreussens. Danzig 1892, S. 293. Inzwischen ist die Art auch in Westpreussen durch Wannstorr und Grürrer gefunden. 108 Aurken JentzscHn, Neue Gesteins- Aufschlüsse | 3 merklich ebenso stark, wie andere normale Grlacialschichten Ost- | preussens. | Tiefe | 3 Meter Alluvium (geschiebefreier Sand) . . . bis 3 Meter 2.= 9%. nordischer Grand u. ur, te 16 » _ geschiebefreier Sand, zu unterst sche fein a ee 3%. Mergelsand‘. :... ul 72 022 Ei 4 '».. geschichteter Thonmergel:.-. '. .. aan 2 » Mergel mit nordischen und Kreide- geschieben; ob echter Geschiebemergel? » 30 » 1,5 » dünngeschichteter Thonmergel . . . . » 319 » 4.5 » Mergelsand DE a a a RE » 86 au 10022 Geschiebemergel mit meist nordischen Geschieben . . . . i nn as A 4 » Mergelsandähnlicher er Sand it 3 Re DO 6 » Thonmergel, bei 53 — 54 Meter mit einer Bank feinsandigen Thonmergels . . . » 56 » l » Geschiebemergel mit nordischen Geschieben » 57 » 2 32, honmernel wenn: > So m l » dünnplattige Kohle mit Mes und ea | stückchen, sowie mit kleinen, gebleich- ten Diluvialgeschieben; daher nicht etwa verschlepptes Tertiär, sondern di- luviah a ME 5 » röthlicher Geschiebemergel mit meist nordischen Geschieben '.. . ... „1. DeNos 27,5 » grauer typischer Geschiebemergel . . . » 92,5 » 2.5.» „nordischer Grand 2 rar. Be 3 l » geschiebefreier, feiner aldnd IE TER Es ist klar, dass die Mooskohle einer für Widminnen unter- glacialen Zeit angehört. Ob aber diese Zeit einer der bekannten erossen Interglacialperioden entspricht, darf vorläufig bezweifelt werden oder mindestens als unentschieden gelten, da man nach der Mächtigkeit geschiebefreier, also extraglacialer Bildungen weit eher geneigt sein dürfte, die bei 5—28 Meter Tiefe durchsunkenen, also 23 Meter mächtigen, geschiebefreien Sande, Mergelsande und in Öst- und Westpreussen 1893 — 1895. 109 Thonmergel für interglacial im engeren Sinne zu halten, und nächst diesen die bei 46—56 Meter Tiefe, also 10 Meter mächtig durchteuften. Unter der Annahme, dass die Tiefenangaben aller Bohrproben richtig, und natürliche Faltungen oder Ueberschiebungen nicht vorliegen, möchte Verf. das Profil vorläufig so deuten, dass es für die Schichten von 46-60 Meter Tiefe, also 14 Meter Gesammt- mächtigkeit, einen nicht unerheblichen Rückzug der Gletscher an- deutet, während dessen der geschiebeführende Mergel von 56 bis 57 Meter einen örtlichen nochmaligen Vorstoss der Gletscher (oder doch der Gletscherwässer) bezeichnet. Darnach würde also die Widminner Mooskohle den Rückzugsbildungen eines älteren, mäch- tigen Inlandeises angehören. Bemerkenswerth sind die Reste des Holzes, welches für die in Frage kommende Zeit jedenfalls ein hochnordisches Klima ausschliesst. Es ist, wie gesagt, heute noch nicht möglich, das Widminner Profil in die allgemeine Schichtenreihe einzuordnen. Dereinst aber wird dies gewiss möglich werden; und schon heute ist es von hohem Interesse. Blatt 6. Von der Domäne Röbel (Kreis Oletzko) bei Gos- lowken (Kreis Lyck) sandte der Königl. Landrath Herr DANNEN- BERG in Lyck 5 kleine Bohrregister und 1 Probe Geschiebemersgel, aus denen hervorgeht, dass dort 0-— 2 Meter Sand über 14,8 » grauem Geschiebemergel liest. Blatt 10. Arys, Baracken -Kasernement. 17 Proben von Herrn BiEskE 1894: 0 — 16,5 Meter Diluvium. Blatt$11. Neuhof (Kreis Lötzen) bei Alt-Krzywen (Kreis Lyck). Aus einer für Herrn Rittergutsbesitzer PRANGE ausge- führten Brunnenbohrung sandte 1895 Herr BıEsKkE 84 Schichten- proben. + 6 Meter unbekannt . . . bis 6 Meter Tiefe. Ser Diluviam Smart .870 2 » 110 Aurren JentzscHh, Neue Gesteins- Aufschlüsse "Blatt 29. Ozyborren bei Schwiddern unweit Bialla, Kreis Johannisburg. 33 Proben von Herrn BiıeskeE 1894: 68 101° Meter "Dieten wre Diluyinm: Das wenig über 1 Kilometer von der Reichsgrenze entfernte Bohrprofil erbringt für diese, bisher wenig erforschte Gegend den Nachweis, dass auch hier im südlichen Ostpreussen das Diluvium mehr als 100 Meter Mächtigkeit erreicht. Gradabtheilung 37. Lyck. Blatt 7. Lyck, Stadtbrunnen an der Hauptstrasse 28 Proben von R. QuÄäck’s Wwe. in Königsberg 1895: 1 — 46,5 Meter Diluvium. Jenseits der Reichsgrenze auf russischem Gebiete: Knischin bei Grajewo. 10 Proben von Herrn BıEsKE 1893: 0—28 Meter Diluvium. (G«radabtheilung 47. Filehne. Blatt 12. Von dem Neubau der Nebenbahn Rogasen-Dratzig sandte 1895 der Königliche Abtheilungsbaumeister Herr ORTMANN je 2 Bohrregister von Bahnhof Filehne 12,0 bezw. 91,8 Meter und von Haltestelle Kosko 23,8 bezw. 27,5 Meter. Dieselben scheinen theilweise in die Braunkohlenbildung hinabzureichen. Gradabtheilung 49. Gnesen. Blatt 26. Aus der Stadt Gnesen gingen in den 3 letzten Jahren mehr als 500 Bohrproben ein. Die betreffenden Profile sollen, zusammen mit einigen älteren, gesondert bearbeitet werden. Vorläufig sei nur mitgetheilt, dass das Diluvium, welches eine interessante Gliederung erkennen lässt, 31—78 Meter mächtig be- funden wurde. Ueber sein Liegendes ergaben sich neuerdings folgende Aufschlüsse: Schlachthof I, am Östende der Stadt, südlich der Chaussee nach Morgenau, etwa 117 Meter hoch: in Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. 111 Tiefe 46 Meter Diluvium. . . bis 46 Meter ‚10 » _Posener Thon, Sets AR: theilung; grau oder gelb- Bellamamb, u le arha la Den 00 1 1l » rothbunter Thon, 56 —58 Meter und 60 — 67 Meter "ea stark rothgeflammt, bei 58 aan \ bis 60 Meter gelbgeflanmt » 67 » er. 35 » Posener Thon, untere Ab- theilung; heller od. dunke- ler grau, oft gelbgeflammt; | bei 8&—85 Meter gelbroth- rellammt sie 0. nn, 9,102, % Posener , 10 » gelbbraunerthonig.Feinsand » 112 » Braun- Brauer. I honss. seo. 4. = 115 “> kohlenbil- (© 2 » hellgrauer Thon . . . Sa dung 4 » feiner Quarzsand (Kohlen- 19 Meter. SE DR a ee er In der Zuckerfabrik, welche am Südende der Stadt, westlich der nach Wreschen führenden Chausee in fast gleicher Meeres- höhe liegt, traf eine Bohrung 33 Meter Diluvium bis 38 Meter Tiefe; eine zweite aber Tiefe Meter Alluvıum "49. ara, ner 2 vbis. 5 Meter ae 2 Diluyium.. 020. ne. te, 336. > So mothen Kerhiärthon u, 2... 2289. Vom Schlachthofe zur Zuckerfabrik (etwa 14 — 15 Meter) steigt mithin der Untergrund des Diluviums um 8 bis 10 Meter, die Oberkante des rothen Tertiärthones um ca. 20 Meter. Dies giebt für letzteren ein Einfallen von 1:75 nach NO. Die Wiederkehr des höchst auffälligen rothbunten Thones in beiden Tertiärbohrungen bietet Anlass, denselben als einen be- zeichnenden Horizont innerhalb des Posener Septarienthones zu betrachten, welcher durch ihn in eine obere und untere Abtheilung 132 Aurken Jentzsch, Neue Gesteins- Aufschlüsse gegliedert wird. Die Färbung in Verbindung mit der offenbar tiefgehenden, z. Th. fast an Kaolın erinnernden Zersetzung legt die Vermuthung nahe, dass wir hier eine dem Laterit verwandte Bildung vor uns sehen. Mögen chemische-petrographische Studien in Zukunft allerhand Unterschiede in der Beschaffenheit und den Bildungsbedingungen beider nachweisen, so dürfte sich doch nicht verkennen lassen, dass die Rothfärbung gewisser Schichten im Posener Thon nicht etwa auf einer Beimengung triassischen oder sonstigen älteren Materials, sondern auf einer tertiären Neubildung beruht, welche in weiter Verbreitung auftrat und demnach der Ausfluss besonderer, einem gewissen Gebiete gemeinsamer Be- dingungen gewesen sein muss. Die ım Posener Thon weit verbreitete gelbe Flammung erscheint gewissermaassen wie eine schwächere Vorstufe des roth- bunten Thones. Deshalb dürfen wir letzteren nicht als etwas dem Posener Septarienthon fremdes betrachten, sondern vielmehr als Endglied einer Reihe von Gesteinsvarietäten, deren Laterit- ähnlichste er ist. Deshalb darf es auch nicht überraschen, rothe Thone in verschiedenen Horizonten des Posener Septarienthones zu finden; wir dürfen aber doch wohl — bis auf Weiteres — den mächtigsten und typischsten dieser Horizonte als provinziell leitend betrachten, sobald er innerhalb eines im Uebrigen unver- kennbaren »Posener Thones«, oder unmittelbar über solchem auftritt. Auch in der Provinzial-Irrenanstalt Dschekanka (1 Kilometer westlich der Stadt, dicht südlich der Chaussee nach Posen), ist rothbunter Thon bereits 1892 erbohrt. Demnach verbinde ich die rothbunten Thone von Gnesen Schlachthof I, 56 — 57 Meter mit den in der Rathsziegelei Thorn zu Tage tretenden und den in Thorn E I, 17— 19 Meter (siehe oben Gradabtheilg. 33, No. 56) erbohrten, sowie mit den in Pleschen, Provinz Posen (Gradabth. 63 No. 3/9) früher 1) bei 34,5 — 35,0 Meter Tiefe unmittelbar "unter Diluvium, über 59 Meter Posener Thon, über 3 Meter Braunkohlen- I) Jextzscn, Ueber die neueren Fortschritte der Geologie Westpreussens, S.15. Leipzig 1888: Sonderabdruck aus Schriften Naturf. Gesellsch. zu Danzig INSER Na seele in Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. a® sand erbohrten zu einem Horizont und bezeichne die darunter, aber über der Posener Braunkohlenbildung liegenden Thone als »Untere Abtheilung des Posener Thones«, die über dem rothen Thon liegenden als »obere Abtheilung« desselben. Für die Mächtig- keiten dieser drei Abtheilungen ergeben sich dann in Metern: Thorn | Gnesen Gnesen EI |Pschekanka | s HIachthof| Zuckerfabrik Fleschen Posener Thon, Obere | | &biheilung . : . 11 3 | 10 | _ Ben Rothbunter Thon . . 2 18 | I | 3 0,5 Posener Thon, Untere Abtheilung . ...| 15 7 35 — 59 Posener Braunkohlen- bildung. . . . . 33 — 19 = 1 Die bekannt gewordene Gresammtmächtigkeit des »Posener Thones« (diese Abkürzung für »Posener Septarienthon« scheint mir angezeigt, um Verwechselungen mit dem Marinen Mittel- oligocän von vorn herein abzuschneiden) ist grösser als die Summe obiger Glieder und beträgt z. B. die Mächtigkeit in: | Sypniewo Lindenwald Bromberg | Elsenau | Glogau Posener Thon . . . 115 60 53 ca. 85 10 Posener Braunkohlen- Bldung .... .- 2 14 30 | ca. 33 60 In Gnesen wurde Posener Thon ferner noch in der Infanterie- kaserne (dicht südlich des Schlachthofes, nördlich des Bahnhofes) bei 37,0 — 38,5 Meter und bei 37,5 — 38,5 Meter Tiefe erbohrt. Dagegen wurde er südlich der Stadt, 1 Kilometer südlich der Zuckerfabrik, dicht östlich der nach Wreschen führenden Chaussee, in der etwa 125 Meter hoch gelegenen Kavalleriekaserne in zwei Bohrungen von 38 und 78 Meter Tiefe noch nicht erreicht. Das Diluvium ist also dort mindestens 42 Meter mächtiger als in der Zuckerfabrik, und seine Unterlage liegt circa 34 Meter tiefer als dort, 24 Meter tiefer als am Schlachthofe, 34—37 Meter tiefer als Jahrbuch 1896. Ss 114 Aurren Jentzson, Neue Gesteins- Aufschlüsse in der Provinzial-Irrenanstalt Dschekanka, welche 2,4 Kilometer nordwestlich von der Kaserne liegt. Der hier aufgestellte Horizont des rothbunten Thones (dessen Grenze übrigens nach unten verschwommen zu sein pflegt), ist nicht zu verwechseln mit jenen viel älteren, im Uebrigen petro- graphisch ähnlichen, daher wohl gleichfalls als Laterit-ähnlich zu bezeichnenden rothbunten Thonen, welche ich »Bromberger Schichten« genannt habe, und welche im Liegenden der Posener Braunkohlenbildung, aber im Hangenden des weissen Juras bei Inowraclaw auftreten. Gradabtheilung 50. Argenau. Blatt 3. Zu Özernewitz, Kreis Thorn (6 Kilometer SO. von Thorn) war seit GUMPRECHT und GIRARD in der linksseitigen Weichselniederung eine schwache Soolquelle bekannt. Von einer auf Veranlassung des Gutsbesitzers Herrn J. MoDR- ZEJEWSKI ausgeführten 126,5 Meter tiefen Brunnenbohrung sandte die Westpreussische Bohrgesellschaft eine Bohrprobe aus 50 Meter Tiefe, und ein sehr summarisches Bohrregister. Se. Excellenz Herr Oberpräsident Staatsminister Dr. von GOSSLER, welcher seit Langem lebhaftes Interesse an der Auffindung nutzbarer Sool- quellen bei Thorn nimmt, übersandte dem Verf. eine Abschrift desselben Registers und 13 Gesteinsproben. Eine im Wesent- lichen gleiche Probenfolge, welche an das Westpreussische Pro- vinzialmuseum in Danzig gelangt war, wurde später von dessen Director, Herrn Professor Dr. CONWENTZ, auf kurze Zeit zur Vergleichung überlassen. Beide Probenfolgen ergänzen und be- richtigen sich gegenseitig. Aus der Vereinigung dieser immer noch lückenhaften Materialien ergiebt sich folgendes Profil: Tiefe 2 Meter geschiebefreier, ziemlich feiner Sand : .. „v1. ©bıs“ 2 Meter) 10...» grauer sandiger Geschiebe- mergel.... 3:41 0 uuly 2212 > 18 » hellgrauer, kalkeeicher Ge- schiebemergel : .; „u. 80 9 28 Meter. Bi A ai B r Gr in Ost- und Westpreussen 1893 —1895. 115 Tiefe 6 Meter grober Spathsand mit 8,5 Meter. | Schichten feinenGrandes bis 36 Meter 2.9.» mordischer’Grand °. .... 2.:385 >» 6 » gemeiner grauer Geschie- bemergell . . .....» .444 » 2 » Spathsand mit nordischem Grand er I a U RE. 46,9 » 0,5 » emeiner Geschiebemergel » 47,0 » ar ieter, 1,5 » ae Gesahichemergsl » 48,0 » 77,5 » weisser weicher Kalkstein von kreideartigem Aus- Sehens as er 0.0 „02 92126 » 0,5 » grober Quarzsand und Quarzkies mit Geröllen bis zu 16 Millimeter Durchmesser und mit harten, phosphoritisch- kalkigen Concretionen . » 126,5 >» Jedenfalls ist bei 48,5 Meter Tiefe Obere Kreide getroffen; und diese dürfte wohl die gleiche Gliederung, wie die in dem nahen Thorn erbohrte, gehabt haben. Doch liegen leider von dem Kreidekalk nur eine Probe »aus 50 Meter Tiefe« und eine solche »aus 48—126 Meter Tiefe« vor. Nach einer von der Bohrgesellschaft mitgetheilten Analyse der Herren Dr. STÖvER und Dr. BRINKMANN in Danzig enthielt das Gestein: 90,8 Procent Kohlensauren Kalk, Spuren von Eisen, Thonerde und Magnesia, und 8,8 Procent Unlösliche Theile. Bemerkenswerth ist das völlige Fehlen der in dem nahen Thorn 62 Meter mächtigen, in dieser Stadt und deren Umgebung vielfach getroffenen Tertiärbildungen. Nach gefälliger Auskunft des Herrn MODRZEJEWSKI liegt der Bohrpunkt Czernewitz im Garten, 19 Meter SW. vom Wohn- hause und 4,5 Meter über O0 des Weichselpegels; demnach liegt 8* 116 ALFRED Jentzscn, Neue Gesteins- Aufschlüsse hier die Oberfläche der Kreide 43,5.Meter unter dem Weichsel- spiegel oder 8 bis 9 Meter unter dem Östseespiegel, d.h. 3 bis 4 Meter höher als ım Bohrloch EI zu Thorn — ein verschwindend geringer Höhenunterschied. | | Wir sehen hiernach in Uzernewitz nicht etwa ein örtliches Aufragen der Kreide, sondern eine örtliche Auswaschung des in Thorn bis 61 Meter mächtigen Tertiärs bis herab zur Kreide. Die weisse Kreide fanden wir in Thorn 83 Meter, in Czernewitz 78 Meter mächtig. Die Aehnlichkeit auch der Mächtigkeit liegt auf der Hand. Der im Brückenkopf unter der Kreide liegende schwarzbraune Thon (5 Meter) fehlt in Czernewitz; dagegen ist der dessen Liegendes bildende, eine Soolquelle führende Quarz- sand auch hier erreicht, und zwar als ein grober Quarzkies, von dem man petrographisch vermuthen möchte, dass er der Sohle der transgredirenden oberen Kreide hier nicht fern liegen möchte, dass er also — wenn auch nur um Decimeter — den Thorner Grün- sand noch unterteuft. Darnach wäre dies die tiefste in West- preussen erreichte Schicht. Ob ihr der in Hermannshöhe zuletzt erbohrte Grünsand entspricht, oder nicht, bleibt vorläufig eine offene Frage. Aus dem tiefsten Quarzkiese von Üzernewitz fliesst unter natürlichem Drucke eine Soole zu Tage, deren Salzgehalt von den Interessenten auf etwa 2 pÜt. geschätzt wurde. Eine Analyse hat Verf. leider nicht zu erlangen vermocht. Nachschrift: Eine im Laboratorium der Geologischen Landesanstalt durch Herrn Dr. A. LINDNER im August 1896 aus- geführte Analyse ergab jedoch nur wenig über 1 pCt. Salzgehalt. Das von Herrn MODRZEJEWSKI eingesandte Wasser hat ein spec. Gew. von 1,0113 und ergab, bei 1250 ©. getrocknet, 11,648 Gramm Abdampfrückstand im Liter, nämlich an gelösten Stoffen: Chlornatrium . . . 10,194 Chlorkalium . . . 0,718 Kieselsäure . . . 0,048 Eisenoxydul . . . 0,022 Latus 10,982 in Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. 117 Transport 10,982 Ihonerdei. 2. 7..0:2 0,004 Kalkerde; nr zın.# 1 0,238 Magnesia s... 2.012.2005140 Kohlensäure . . . 0,243 Schwefelsäure . . 0,036 11,643 Ausserdem wurden 0,8744 Gramm Bodensatz der Flasche gefunden, welcher, berechnet pro Liter, enthielt: Kieselsäure . . . 0,024 Eisenoxydul . . . 0,026 Thonerde . . . . 0,005 Kalkerde . . . . 0,385 Magnesia . . . . 0,014 Kalı Ba a 0.004 Natron er 2.2 20.007 Schwefelsäure . . 0,009 0,474 Gramm. Die Kohlensäure ging verloren. 4. Zusammenstellung der Ergebnisse. Im Vorstehenden sind 274 Bohrprofile und sonstige neue Ge- steinsaufschlüsse aufgezählt worden, welche sich auf 116 Mess- tischblätter vertheilen. Von diesen liegen in den Provinzen ‘ Pommern 2, Posen 10, Westpreussen 85 und Ostpreussen 177. Die Mehrzahl dieser Bohrungen ist — wie alljährlich — im Diluvium stehen geblieben; in einer ganzen Anzahl aber ist letzteres durchsunken worden und dadurch für zahlreiche Punkte Aufschluss über die örtliche Mächtigkeit des Diluviums, über dessen Unter- grund und über die Gliederung und Lagerung auch der vordilu- vialen Schichten gewonnen. Bei denjenigen Bohrungen, welche Vergleiche mit benach- barten gestatten, sind überall im Einzelfalle die vergleichenden Bemerkungen eingeschaltet worden. Allgemein aber war Verf. be- 118 Aurren Jentzsch, Neue Gesteins- Aufschlüsse strebt, den objectiven Thatbestand von den daraus gezogenen sub- jectiven Urtheilen scharf gesondert hervortreten zu lassen. Er hofft, dass auf diese Weise die objectiven Beschreibungen der Schichtenfolge noch brauchbar sein werden, wenn die darauf ge- bauten Schlüsse, welche den Fortschritt unserer geognostischen Kenntniss für heute kennzeichnen und für die nächste Zukunft anregen sollen, längst durch neue Fortschritte überholt sein werden. Im Alluvium wurden Süsswasserschichten bis 12 Meter unter dem Ostseespiegel im innersten Winkel des Weichseldeltas zu Markushof (17,55) und bis 10 Meter unter der Ostsee im Pregel- thale zu Tapiau (18,23) nachgewiesen, nachdem solche weit näher dem heutigen Meeresufer schon früher durch SCHUMANN in Königs- berg bis 20 Meter Tiefe und in Pillau durch den Verf. bis 31 Met. Tiefe aufgefunden worden waren. Dies beweist eine dem Jungalluvium zugehörige erhebliche Senkung, welche sich nicht auf die Küstenlinie beschränkte, sondern tief in das Land erstreckte. Gegenüber den von E. Süss (Antlitz der Erde) vertretenen Anschauungen möge diese Thatsache betont werden. Uebrigens hat Verf.!) nachgewiesen, dass seit der in die neolithische Zeit fallenden Ankunft des Menschen im Weich- seldelta sich letzteres um mindestens 2—3 Meter gesenkt hat, und schon BERENDT?) hatte ähnliches vom Memeldelta berichtet. Neu ist mithin nicht die Thatsache an sich, sondern nur deren Maass. Bestätigt wurde ferner die vor das vorige Jahrhundert zurück- zuversetzende Anwesenheit der Dreissensia polymorpha für Ost- preussen, und zwar im Memeldelta zu Grabenhof. bei Labiau (18,11). Im Diluvium wurden ziegelrothe, an Lateritbildungen er- innernde Färbungen in mehreren Horizonten nachgewiesen; der mächtigste rothe Thon wurde als »Wehlauer Thon« unter- schieden und im Wehlauer Kreise als Leithorizont erkannt. Interglacial wurde zu Memel (3,17), Kosse bei Königsberg (18,13), Ponarth bei Königsberg (18,19), Tapiau (18,23), Allenberg bei Wehlau (18,24), Widminnen (36,66), in Ostpreussen, Dirschau 1) Geologische Skizze des Weichseldeltas, Schriften physikal, ökon. Ges. XXI], 1880, S. 186. 2) Geologie des Kurischen Haffs. Ebenda IX, 1868. in Ost- und Westpreussen 1893 — 1895. 719 (16,57) und Marienburg (16,59) in Westpreussen erbohrt, und ausserdem konnten für mehrere Gegenden Ost- und Westpreussens, deren Schichtenbau bisher fast völlig unbekannt war, vollständige oder doch tief hinabreichende Schichtenfolgen des Diluviums mit- getheilt werden. Die Mächtigkeit des Diluviums erwies sich als regional verschieden. Vordiluviale Schichten wurden an 70 Punkten erschlossen, welche umstehende Tabelle zeigt, die gewissermaassen als Index der Formationsnachweise dienen kann. In der Tabelle sind diejenigen Diluvialprofile mit aufge- nommen worden, deren Mächtigkeit für die betreffende Gegend bemerkenswerth erschien. Die Taf. I. und II. gewähren im Bilde einen raschen Ueber- blick. Sie sind in über einander liegende west-östliche Zonen ge- sondert, und innerhalb jeder Zone die Einzelprofile möglichst von W. nach O. geordnet. Für Posener Thon (wie Verf. den bisher sogenannten Posener Septarienthon zu nennen vorschlägt), wurden ziegelrothe, laterit-ähnliche Schichten wiederum aufgefunden, deren mächtigste Verf. als örtlichen Leithorizont zu benutzen versucht hat, durch ‘welchen eine obere und untere Abtheilung des Posener Thones unterschieden werden kann. Ostwärts wurde der Posener Thon bis Strassburg ı/Westpr. verfolgt; nordwärts scheinen gewisse Thone bei Tuchel ihm zu entsprechen. Damit ist seine Verbrei- tungsgrenze nach N. und OÖ. vorläufig bezeichnet. Braunkohlenbildungen, welche zumeist dem Miocän an- gehören, wurden an zahlreichen Stellen aufgefunden und für sie eine Anzahl von Schichtenprofilen gegeben. Durch die Bohrung in Heiligenbeil wuchs die Mächtigkeit der in Ostpreussen durchs sunkenen Schichten auf 77 Meter. Die Nordostgrenze ihrer Ver- breitung wird in Ostpreussen durch die Linie Angerburg—Schön- walde—Quednau bezeichnet. Nordöstlich dieser Linie liegen unter dem Diluvium unmittelbar Oligocän, Kreide oder Jura. Im Weichseldelta ist das Miocän von sehr geringer Mächtigkeit oder fehlt ganz, während es dicht am Rande des Deltas bei Danzig zu Aurren Jentzscn, Neue Gesteins- Aufschlüsse 120 zL — Fe = — — = = gel uouoyuodg 69 89 x = Eu _ x = 89 Jopusyoy 9G/ge ‘901 gg — = — 4.00% 9 = GL Sıoqsuneig 68 = LL > = — — EI 7 ) IM < — £9 — — — —_ 89 = eI II « = g’er = — — — | — c‘9 I [equosuH ve or IE — — = _ IE = TI uoyTmIog 08 89 3 = 2 = — = = 89 gosnyynoN 6% GG 9I9Iy9W ae — — 9I9IU9WI — _— III « 83 87 = = = 83 — == es 8% 83 = — = 88 7: = I] swopoN TI 0@1 g — — g = — = (21T) 8681 « 7601 vol — are = = = (16) 268T UOyDrure G GE 9I — _ = IT g — &91 A « 96 II — — == II = — CF AT WIONYDSI v LI sg | 8% | — | —_ | 83 | z | = | == | 17 | joyquossnoy | LS | F ET 97 & 97 >= = == — c9 9504 « LrTıT | 29 |z6e || — = = — 69 Ye Tonoy ‘wem LI cı8 O1 —— Or — = = “7 ueryoleg s1 g uossne1dIsgQ | Sunayog |vonenos er zop Se SELL] 2) emp jopraıy |u@0ITO en = a I AgITen?) „IQ pun zumoIg ‘on |'yay oJo1} ION ugdolN : yeIg | -peıg -JuLmBSaH se er ne Ze ee UM ur NoyoLyoem 1895. 121 in Ost- und Westpreussen 1893 — 9 GE — sTel a T 07 | Ir 9 =. 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Die oben angegebene Grenz- linie ist orographisch von erheblichem Interesse. Bei Tuchel zeigt die Braunkohlenbildung auf weite Erstreckung ein gleichmässiges Streichen NW.—SO., an welches tektonische Be- trachtungen über den Bau des pommerellischen Rückens anzu- knüpfen haben dürften. Oligocän wurde im Weichseldelta mehrfach erschlossen. Es hängt von dort über Braunsberg mit dem Samlande zusammen. Sein Gebiet wird — soweit bekannt — begrenzt durch die Linie Nenkau bei Danzig— Swaroschin — Stuhm (— Graudenz — Bischofs- werder) — Osterode — Heilsberg — Langhöfel — Hohenraden — Neu- hausen—Rantau. Südwärts dieser Linie liegt Braunkohlenbildung direkt auf Kreide, nordwärts des Gebietes tritt Kreide unmittelbar an das Diluvium heran. Kreideformation wurde in den Berichtsjahren 32 mal erbohrt. Theils sind es sandige oder thonige Mukronatenmergel, theils belemnitenfreie, kalkreiche Mergel mit Foraminiferen, in Thorn mit Bryozoensand. In ÖOstpreussen wurde sie bis 118,5 mächtig erschlossen, somit ihre früher bekannt gewordene dortige Mächtigkeit (268 Meter) nicht wieder erreicht. Im Westpreussen wurde die bisher bekannte Mächtigkeit von 27 auf 90 Meter erhöht. In Schwetz und Özernewitz wurden darin Salzquellen erbohrt. Jura wurde in Memel in grösserer Mächtigkeit als bisher nachgewiesen und über seine dortige Verbreitung und Gliederung neues Material gewonnen. Zur Trias gehören höchst wahrscheinlich die Purmallener Mergel, welche, bisher nur von Purmallen bekannt, nunmehr auch in der Stadt Memel zweimal angeschnitten wurden. Ihre schon früher gemuthmaasste flache Lagerung bestätigte sich. Königsberg i/Pr., den 31. Mai 1896. Ueber Aufschlüsse im Diluvium bei Halbe. Von Herrn Felix Wahnschaffe in Berlin. Auf Anregung des Herrn Geheimen Oberbergrath Dr. HAucHE- CORNE besuchte ich vor Kurzem die Thongruben der Vereinigten Halber Dampfziegeleien Actien-Gesellschaft, die unmittelbar bei der Station Halbe westlich von der Berlin-Görlitzer Eisenbahn gelegen sind. Die Gegend von Halbe, die sich südlich an das von mir im Jahre 1879 geologisch aufgenommene Blatt Mittenwalde anschliesst, befindet sich nördlich von dem grossen Baruther Haupt- thale, und das Dorf Halbe selbst liegt in einer der zahlreichen Thalrinnen, die dıe Diluvialhochfläche hier durchschneiden und sie in mehr oder weniger grosse inselförmige Abschnitte gliedern. Die’zum Theil mit Thalsand, zum Theil mit jüngeren Moorbildungen erfüllten Thalfurchen sind als nordwärts gerichtete Durchbrüche des Wassers aus dem Baruther nach dem Berliner Hauptthale anzusehen, welche in der letzten Abschmelzperiode, z. Th. unter Benutzung schon früher vorhandener nord-südlicher Schmelzwasser- rinnen, entstanden. Von den drei den Halber Dampfziegeleien gehörigen Thon- gruben liegen die mit I und II bezeichneten im Thalsandgebiete unmittelbar an der Görlitzer Bahn, während die Grube III, 1,5 Kilometer vom Bahnhofe entfernt, südlich der von Halbe nach Teupitz führenden Chaussee am Ostabhange der dort als Weinberg bezeichneten Diluvialhochfläche angelegt worden ist. Diese Grube bietet einen Anhalt zur Beurtheilung des Alters der dort auf- BL, ER Feuıx WannscHArrs, Ueber Aufschlüsse im Diluvium bei Halbe. 127 tretenden Thone. Die oberste Deckschicht, 6—10 Meter mächtig, wird hier durch ännähernd horizontal-geschichteten, mit Drift- structur versehenen, ım Allgemeinen ziemlich feinkörnig ent- wickelten Diluvialsand gebildet, der an seiner Oberfläche eine ganz dünne Bestreuung von wallnuss- bis eigrossen Geschieben besitzt. Darunter folgt sehr fein geschichteter graublauer Diluvialthonmergel mit hohem Kalkgehalt, der unmittelbar an der Grenze gegen den durchlässigen Sand eine 3—5 Decimeter mächtige bräunlich-gelbe Oxydationszone zeigt. Bei einer durch Auskochen der bei 110°C. getrockneten Substanzen mit Ammoniumnitrat bewerkstelligten Analyse von zwei aus verschiedenen Tiefen der Grube III ent- nommenen Thonproben erhielt ich: in Probe I: CaCO; — 14,16 pCt. MsCO,; = 2,63 » Summa 16-9. p Gt. in Probe II: CaCO; = 14,34 pCt. MsCO; = 2,19 » Summa 16,53 pCt. In einer Entfernung von 2,5 Meter von der Oberkante des Thones findet sich in demselben eingelagert ein 65 Centimeter mächtiges Bänkchen von sehr feinkörnigem, grauen, glimmer- führenden kalkhaltigen Sand. Derselbe enthält 3,33 pCt. COs, was 7,57 pOt. CaCO; entsprechen würde. Der Thon zeigt hier ein ganz schwaches Einfallen nach Nordwest; er ist in der Grube in einer Mächtigkeit von 7 Meter aufgeschlossen. Nur im süd- östlichen Theile der Grube ist das Liegende des Thonlagers zu beobachten. Es besteht aus kalkfreien, zum Theil durch Braun- kohle gefärbten glimmerhaltigen Quarzsanden, denen ein kleines 10 — 20 Oentimeter mächtiges Flötz sehr holziger Braunkohle ein- gelagert ist. Die Thonablagerung gehört demnach zu den unter- sten Schichten des Quartärs und wurde beim Herannahen der ersten Vereisung in ruhigen Seebecken als feinstes Sediment der Gletscherschmelzwasser abgesetzt. Auf der Oberfläche des Thones bemerkt man nach Abdeckung der Sandschicht vereinzelte, oft über 0,5 Meter grosse Geschiebe, die als letzter Rest des hier 128 Ferıx WannscHArre, Ueber Aufschlüsse im Diluvium bei Halbe. völlig zerstörten Unteren Greschiebemergels angesehen werden müssen. Unter Berücksichtigung der auf Blatt Mittenwalde nach- gewiesenen Lagerungsverhältnisse würde der über dem Thon liegende Sand dem Niveau zwischen den beiden Grundmoränen angehören. Die verschiedenen inselförmigen Diluvialabschnitte der Um- gebung von Mittenwalde, welche z. Th. durch breite Thalflächen von einander getrennt sind, zeigen in der Nordhälfte des genannten Blattes meist eine Decke von Oberem Geschiebemergel, unter welchem überall an den Rändern der Hochflächen der interglaciale Diluvialsand hervortritt. Letzterer wird unterlagert von dem Unteren Geschiebemergel, der sowohl an den Thalrändern als auch in den innerhalb der Thalflächen gelegenen Thongruben mehrfach aufgeschlossen ist. Er bedeckt hier entweder den Dilu- vialthon unmittelbar oder ist durch glimmerführende, oft mit Braunkohlengeröllen versehene Diluvialsande noch von demselben getrennt. Unter dem Thon finden sich feine glimmerhaltige Sande, die dort, wo sie noch Feldspath und Calciumcarbonat enthalten, zum Quartär, wo sie jedoch frei davon sind, zum Tertiär gerechnet werden müssen. Diese Lagerungsverhältnisse waren in der Ziegeleigrube an dem Notte-Canal und östlich von Mittenwalde, sowie in den Gruben im Schöneicher Plan und am Motzener See früher deutlich zu beobachten. Die Gruben I und II der Halber Dampfziegeleien liegen innerhalb der Thalfläche, und es lässt sich hier nicht entscheiden, in wieweit der den Thon in 5—6 Meter Mächtigkeit bedeckende Sand zum Thalsand oder zum interglacialen Sande zu rechnen ist. Ein Umstand scheint jedoch dafür zu sprechen, dass die untersten Schichten dieser Sanddecke älter sind als der Thalsand. Es finden sich nämlich darin zahlreiche Einlagerungen von zerriebener Braun- kohle und Grandlager mit Lignitgeröllen, und an diesen Stellen kommen ziemlich häufig haselnuss- bis wallnussgrosse Stücke von Bernstein vor. Von Herrn Director GIECHE erhielt ich für die Sammlung der geologischen Landesanstalt eine grosse Anzahl Bernsteinstücke, die in den Monaten Januar und Februar 1897 Ferıx WannscHArre, Ueber Aufschlüsse im Diluvium bei Halbe. 199 in der Thongrube II in 5,3 Meter Tiefe unter der Oberfläche ge- sammelt wurden. Einige der Stücke besitzen Durchmesser von 54— 103 Millimeter. Darunter befand sich eins in schön ausge- bildeter Tropfen-Form. Mehrere Stücke zeigen deutliche Glacial- schrammung. Das Auftreten der vielen Bernsteinstückchen kann ich mir nur dadurch erklären, dass eine Scholle Bernsteinerde in die Grundmoräne der ersten Vereisung aufgenommen, bis hierher trans- portirt und nachher durch einen Ausschlämmungsprosses zerstört wurde. Der Thon, dessen Liegendes im südöstlichen Theile der Grube III in 6 Meter Tiefe, von der Oberkante des Thones an gerechnet, erreicht wurde, nimmt nach Norden bedeutend an Mächtigkeit zu. In Grube II bildet er einen nach Nordost und Südwest zu einfallenden Sattel und wurde bei einer in der Sohle angesetzten Bohrung bei 30 Meter Tiefe noch nicht durchbohrt, ' sodass man, die in der Grube aufgeschlossenen 5 Meter hinzuge- rechnet, seine Mächtigkeit hier bis auf 35 Meter kennt. In den Gruben I und II zeigt sich zwischen dem Thon und Sande eine deutlich entwickelte Steinsohle, die aus grossen und kleinen Geschieben besteht und zuweilen die Mächtigkeit von 0,5 Meter erreicht. Dass diese Steinsohle, ebenso wie die vereinzelt vor- kommenden Geschiebe in Grube III, den Rückstand eines aus- geschlämmten Geschiebemergels darstellt, unterliegt keinem Zweifel, denn die Geschiebe sind zum Theil zu gross, um durch Wasser hierher transportirt sein zu können. So beobachtete ich beispiels- weise in Grube II einen Kalkblock von obersilurischem Korallen- kalk von 1 Meter Durchmesser. Einige Geschiebe zeigten ausser- dem noch sehr deutliche Schliffflächen und Schrammen, ein Zeichen, dass sie nicht sehr stark vom Wasser bearbeitet sein können. In Grube I wurde in einer Tiefe von 5 Meter unter der Ober- fläche in der Steinsohle die sehr gut erhaltene rechte Stange eines Renthiergeweihs am 2. December 1896 aufgefunden, und Herr Director GIECHE hatte die Güte, mir dieselbe für die Sammlung der geologischen Landesanstalt zu überlassen. Die Geweihstange zeigt fast gar keine Spuren von Abrollung und kann daher keinem weiten Transport unterworfen gewesen sein. Die Augensprosse ist abgebrochen, die darauf. folgende Jahrbuch 1896. I 130 Feuix WaAnnscuArre, Ueber Aufschlüsse im Diluvium bei Halbe. Eissprosse dagegen ist vollständig erhalten und gabelt sich oben in drei scharfe Zacken. Das obere Ende der Hauptstange scheint fast vollständig erhalten gewesen zu sein, denn nach Aussage der Arbeiter ist diese Stange etwa 30 Centimeter länger gewesen, aber beim Ausgraben abgebrochen. Das abgebrochene Stück ge- rieth nachher in den Abraum, sodass es nicht mehr aufzufinden war. Diese in Halbe gefundene, durch die beigefügte Abbildung veranschaulichte Geweihstange zeichnet sich durch eine bedeutende Grösse aus, wie dies aus nachstehenden Messungen hervorgeht: Der Umfang der Stange unmittelbar über der Augensprosse beträgt 138 Millimeter, 100 Millimeter oberhalb der Eissprosse 130 Millimeter, 40 Millimeter oberhalb der kleinen Sprosse an der inneren Seite der Stange 128 Millimeter und am oberen Ende der Stange dicht unterhalb des Beginns der Bruchstelle 127 Milli- meter. | | 7 ' Die Länge der Stange von unten bis zum abgebrochenen . Ende beträgt 850 Millimeter, die Länge der Eissprosse FAR ARE Er SE Ta r Mr y Ds L FeLıx WaunscHArre, Ueber Aufschlüsse im Diluvium bei Halbe. 131 oberhalb der Augensprosse, von ihrer Abzweigung von der Stange ab gerechnet, 482 Millimeter, der Umfang dieser Sprosse, 100 Millimeter von der Abzweigung von der Stange gemessen, 98 Millimeter. Am besten ersieht man die Grösse des Halber Renthier- geweihs durch einem Vergleich mit anderen fossilen Geweih- stücken des Renthiers. Umfang der Stange in Millimeter, gemessen 100 Millimeter under: unmittelbar über der , oberhalb der auf die Augensprosse Augensprosse folgenden Eissprosse Halbe') (interglacial) 138 130 Britz bei Berlin!) (interglacial) 122 109 Müggelsheim bei Berlin !) 116 B (interglacial) Rixdorf bei Berlin?) (interglacial) 136 121 Rixdorf bei Berlin?) (interglacial) 99 98 Westeregeln!) (aus dem Löss) 133 _ Körbisdorf bei Querfurt !) (aus Diluvialschotter) Wärterstation 49 bei Cöthen der 107 106 ‚Eisenbahn Magdeburg-Halle?) Weskeim (Blatt Peisten) !) “ (aus alluvialem Wiesenkalk) Remboschewo (Kreis Karthaus) ?) linke Stange (1!/a Meter tief 154 130 unter Torf) Fundort unbekannt ?) 115 103 112 82 rechte Stange je un Kokoschken (Kreis Danziger Höhe)?) rechte Stange 140 125 Grabau (Kreis Schlochau)?) 2 linke Stange I 2 Dubelno (Kreis Schwetz)?) _ 129 109 (10 Meter tief in Torf) linke Stange | !) In der Sammlung der Kgl. preuss. geolog. Landesanstalt. 2) In der palaeontolog. Sammlung: des Museums für Naturkunde der Uni- versität Berlin. | %) In dem Westpreussischen Provinzial-Museum zu Danzig. Die Maass- angaben verdanke ich der Güte des Herrn Professor Dr. Conwentz. 9* 132 Ferıx WannscHArre, Ueber Aufschlüsse im Diluvium bei Halbe. Umfang der Stange in Millimeter, gemessen 100 Millimeter Hundert unmittelbar über der | oberhalb der auf die Augensprosse Augensprosse folgenden Eissprosse Steinberg bei Gdingen (Kreis Neustadt) ®) (6 Meter tiefim Thon) 125 112 rechte Stange . . 3 Czernikau (Kreis Berent)?) 102 77 (aus Wiesenmergel) linke Stange Gluckau (Kreis Danziger Höhe) ) (mehrere Fuss im Mergellager) 66 68 rechte Stange Sulmin (Kreis Danziger Höhe) ?) linke Stange 19 an Kaiserliche Werft in Danzig?) 90 _ rechte Stange Weichsel bei Fordon) 121 ke (Bruchstück) Gross-Kleschkau (Kreis Danziger 53 144 Höhe)3) rechte Stange Steinort (Kreis Elbing)?) 99 69 (aus dem Elbinger Yoldia-Thon) Kreis Kulm?) (Bruchstück) 132 = Aus der Zusammenstellung geht hervor, dass sehr grosse Renthiergeweihe sowohl im Diluvium als auch im Alluvium vor- kommen. Die im Westpreussischen Provinzialmuseum befindliche linke Geweihstange von Remboschewo (Kreis Karthaus), welche 1,5 Meter tief unter Torf wahrscheinlich in der Schicht der Glacialpflanzen gefunden wurde, stimmt in der Grösse ziemlich genau mit dem Halber Funde überein. Jene bis auf die Augensprosse und die Spitzen einiger wenigen Zacken des Hauptblattes vollständig er- haltene Stange ist 1100 Millimeter lang. Die Eissprosse hat eine Länge von 480 Millimeter 1). 1) Coxwentz, XVI. Amtlicher Bericht über die Verwaltung der naturhisto- rischen, archäologischen und ethnologischen Sammlungen des Westpreussischen Provinzial-Museums für das Jahr 1895, S. 22 mit Abbildung. Ferıx WannscHArre, Ueber Aufschlüsse im Diluvium bei Halbe. 133 Bedeutende Dimensionen besitzen auch die in der Sammlung der geologischen Landesanstalt zu Berlin befindlichen Geweih- bruchstücke aus der Rösenbecker Höhle. Messungen liessen sich jedoch an diesen Stücken nicht gut ausführen, da von der äusse- ren Schicht ziemlich viel abgebröckelt ist. Die ersten Funde diluvialer Renthierreste aus der Berliner Gegend, zwei rechten und einer linken Stange angehörend, wurden von G. BERENDT !) im Jahre 1880 der deutschen geologischen Gesellschaft vorgelegt. Sie entstammten der Grandbank über dem Unteren Geschiebemergel. Eine in Rixdorf aufgefundene, in der paläontologischen Sammlung der Berliner Universität befindliche Geweihhälfte von bedeutender Grösse und vortrefflicher Erhaltung gewährte W. Damzs ?) die Möglichkeit, festzustellen, »dass die diluvialen Renthierfunde der Umgegend von Berlin sämmtlich — soweit ihre Erhaltung ein bestimmteres Urtheil gestattet — der kleineren Art mit dem grossen Geweih, also dem Rangifer grön- landicus (»Barren-ground Oarıbou«) auf das nächste verwandt sind und zwar so nahe, dass man sie zu einer und derselben Art zu rechnen hat«. Diese hocharktische Art, welche zusammen mit dem Moschusochsen die waldfreien Tundrengebiete des nörd- lichsten Theiles von Nordamerika bewohnt, wird in den südlicher liegenden Waldgebieten im N. von Amerika, Europa und Asien durch die grössere Art mit dem kleineren Geweih, Rangifer ta- randus (Woodland Caribou) abgelöst. Die in Halbe aufgefundene Geweihhälfte gehört dem hocharktischen Renthier (Rangifer grön- landicus BAıRD), der kleinen Art mit dem grossen Geweih an. Wenn man die von OATon ®) gegebenen Abbildungen vergleicht, so scheint das vorliegende Stück einem weiblichen Individuum anzugehören, denn beim Männchen ist die Hauptstange stärker gekrümmt und die Enden der Augen- und Eissprosse, sowie der Hauptstange sind handförmig weit ausgebreitet und mit zahl- reichen Zacken versehen. An demselben Fundorte ist auch be- 1) Zeitschr. der Deutsch. geol. Ges. Bd. XXXII, S. 651. 2) Sitzungsberichte der Ges. Naturforsch.- Freunde zu Berlin. Jahrg. 1884, S.49— 51. %) J. D. Caron, The Antelope and Deer of America, New-York 1881, $. 104. 134 Feuıx WanxscHArre, Ueber Aufschlüsse im Diluvium bei Halbe. reits ein Stosszahn vom Mammuth und ein grosser Wirbel, ver- muthlich ebenfalls vom Mammuth, ausgegraben worden, die in Privatbesitz übergegangen sind. Vor Kurzem erhielt ich Dank der Freundlichkeit des Herrn Director GIECHE für die Sammlung der geologischen Landesanstalt aus den Gruben von Halbe fol- gende fossile Knochenreste: 1. Ein Fragment von dem untersten proximalen Ende eines Stosszahnes von Elephas, gefunden in der Thongrube I in ungefähr 5 Meter Tiefe unter der Oberfläche. | 2. Ein Schädelfragment bestehend in dem Hinterhaupt von Ursus sp., gefunden am 6. März 1897 in der Thon- grube II in ungefähr 6,5 Meter Tiefe unter der Oberfläche. Aller Wahrscheinlichkeit nach liegt hier das interglaciale Rixdorfer Niveau der Säugethierfauna vor, welches nach meiner Ansicht auch in den von E. LAUFER beschriebenen Auf- schlüssen bei Korbiskrug (Blatt Mittenwalde) !) vorhanden zu sein scheint. LAUFER hat allerdings angenommen, dass die dort auf- &eschlossene 1—1,5 Meter mächtige obere Bank eines geschiebe- armen Thonmergels eine Grenzausbildung des Diluvialthones zum Unteren Geschiebemergel darstelle, jedoch dem Thonmergel weit näher stehe. In dieser oberen Bank, die von dem mächtigeren, unteren fossilienfreien Thonlager im Liegenden durch eine 0,2 bis 0,5 Meter starke Sandschicht getrennt wird, fanden sich fol- gende Gonchylienschalen: Valvata piscinalis var. contorta, Bythinva tentaculata, Pisidium pusillum, P. amnicum, Planorbis laevis, Lim- naeus auricularius und Paludina diluwviana, letztere in einem Exem- plare und dieses vermuthlich auf secundärer Lagerstätte. Ausser- dem kamen Pflanzenreste, Fischschuppen und -Wirbel nebst einem Theil der Kinnlade von Cervus elaphus darin vor. KEILHACK ?) hat diese Ablagerungen seiner Zeit mit den Süsswasserkalklagern bei Belzig parallelisirt und zu den präglacialen Bildungen ge- rechnet. 1) Vergl. dieses Jahrbuch für 1881, Berlin 1882, 496—500. 2) K. Keıtnack, Ueber präglaciale Süsswasserbildungen im Diluvium Nord- deutschlands. (Dieses Jahrh. f. 1882, Berlin 1883, S, 156—158.) Ferıx WannscHArre, Ueber Aufschlüsse im Diluvium bei Halbe. 135 Es verdient noch erwähnt zu werden, dass in der Grube I bei Halbe in 3 Meter Tiefe unter der Oberfläche sich im Sande eine Torfscholle von 1,5 Meter Länge und 0,5 Meter Dicke ein- gelagert vorfand. Dieser Torf stellt eine hellbraune blättrige Masse von verfilzten, wenig humificirten Pflanzenresten dar, die zum grössten Theil Gräsern anzugehören scheinen. Nach der freundlichen Mittheilung des Herrn Dr. M. Scumipr sind keine Diatomeenreste in dem Torf vorhanden. Die Scholle nımmt hier die Stelle eines Geschiebes ein und dürfte diluvialen Alters sein. Ueber Abhangsschutt und Diluvium. Von Herrn A. von Koenen in Göttingen. Auf den geologischen Specialkarten herrscht eine gewisse Unsicherheit der Bezeichnung der jüngsten Bildungen, indem auf den einen sogenannte Abschwemm-Massen unterschieden werden, während auf anderen Gehängeschutt und Gehängelehm als jüngste, noch jetzt in Bewegung befindliche Bildungen gar nicht ange- geben werden, wohl aber das sogenannte basaltische Diluvium, welches doch eigentlich nur Gehänge-Schutt und Lehm ist. Diese Frage ist bei uns bisher nicht recht in den Vorder- grund getreten, weil von mesozoischen Schichten fast nur Trias zu kartiren war, von welcher Buntsandsteinschutt auf den langen Gehängen des ca. 400 Meter mächtigen Buntsandsteins nicht leicht auf einzelne Zonen oder Lagen des Buntsandsteins zurückzuführen ist; Röth und Keuper stehen immer an flacheren Gehängen und liefern nicht leicht nennenswerthe Mengen von Abhangsschutt. Dasselbe gilt vom mittleren Muschelkalk, und der obere Muschel- kalk liefert doch immer nur isolirte, wenn schon zuweilen sehr zahlreiche Blöcke und Brocken auf den Gehängen von mittlerem Muschelkalk. Der Wellenkalk dagegen bedeckt oft mit seinem Schutt die unter ihm folgenden Gehänge des Röth in solcher Ausdehnung und Mächtigkeit, dass von diesem auf Kilometer- grossen Flächen keine Spur zu sehen ist, und die Grenze zwischen Röth und Wellenkalk unter Berücksichtigung der Böschung, der Vegetation, der Feuchtigkeit oder alter Kalktuff-Lager bestimmt werden muss. ec A - A. von Kornen, Ueber Abhangsschutt und Diluvium. 137 Es finden sich jedoch zwischen ausgedehnten, von Muschelkalk- Schutt vollständig verhüllten Flächen oft grössere oder kleinere Stellen, an welchen der Röth zu Tage tritt, oder in geringer Tiefe ansteht und dem Muschelkalkschutt beigemengt ist. Auf den Karten besonders angegeben wird aber nur »ge- rutschter Muschelkalk«, also grössere Schollen, welche zusammen- hängend von oben herabgerutscht sind und als kleine Rücken . oder Kuppen auf dem Röth liegen, bisweilen auch noch von solchem bedeckt. Es ist diese Behandlung jedenfalls ganz abweichend von der des sogenannten basaltischen Diluviums, welches zunächst unter- halb des anstehenden Basaltes aus grossen Blöcken oder auch wohl förmlichen Block-Halden besteht, auf längeren, flacheren Gehängen sich aber auch wohl weithin erstreckt, dann aber schliesslich kleinere Brocken und Verwitterungsproducte, sogenannten basaltischen Lehm, enthält, auf vorspringenden Rücken und steileren Abhängen sehr zurücktritt, durch Schluchten und Thäler sich aber hinab- zieht zu den Wasserläufen, wie ich dies namentlich in den Er- läuterungen zu Blatt Lengsfeld ausgeführt habe; erst in den Thal- sohlen tritt dann basaltischer Lehm frei von Basaltbrocken auf. Auf den paläozoischen Schichten Norddeutschlands hat wohl zuerst ÜHELIUS (Verh. Naturhist. Verein zu Bonn. Band 38, 1881, S. 21) im Text und auf der beigegebenen Karte »diluviale und alluviale Gebilde« unterschieden, welche zum Theil — sein Quarzitschotter, und auch sein »steiniger, unreiner Lehm« — im Wesentlichen als Gehängeschutt gelten müssen und mit Recht von ihm mit dem basaltischen Diluvium verglichen wurden. LeprpLaA (dieses Jahrbuch für 1894, S. 38) hat dann in neuester Zeit die Bildung und Verbreitung des Quarzit-Schuttes im Taunus besprochen, den er der Hauptsache nach als eine alluviale Erschei- nung ansah, da die Oberflächenformen der Jetztzeit im Allgemeinen bereits in der jüngsten Diluvialzeit vorhanden waren. Für andere Schuttströme auf längeren, weniger geneigten Flächen hielt er es für nicht unwahrscheinlich, dass sie nicht zum Abhangsschutt ge- rechnet werden dürfen. Ich möchte freilich annehmen, dass in Gegenden, welche nicht zur Diluvialzeit von Gletschern bedeckt 138 A. von Koenen, Ueber Abhangsschutt und Diluvium. worden sind, die jetzigen Oberflächenformen auch schon in der älteren Diluvialzeit, ja selbst in der jüngsten Tertiärzeit im Wesent- lichen ausgebildet waren. Bei der geologischen Kartirung von Blatt Jühnde, zwischen Münden und Dransfeld, hatte ich nun in den letzten Jahren ge- funden, dass dort ein »tertiäres Diluvium« unterschieden werden müsste, welches aus mehr oder minder grossen Blöcken von Tertiär-Quarzit und dazwischen und darüber liegenden Sanden besteht, während in dem in höherem Niveau anstehenden Tertiär- gebirge der Quarzit ein Lager im obersten Theile der Sande bildet. Dieser Tertiärschutt bedeckt oft in grösserer Mächtigkeit besonders ‘Schichten des Muschelkalk und des Röth, sowie des mittleren Buntsandsteins, ist aber auch oft in Folge stärkerer Erosion auf mehr oder minder vereinzelte Blöcke von Quarzit reducirt, welche ja in grosser Verbreitung schon längst beobachtet und auf den geologischen Specialkarten von Preussen und den Thüringischen Staaten mit rothen Kreuzen angegeben worden sind als Reste einer ausgedehnten ehemaligen Decke von Tertiärgebirge. Bei der geologischen Aufnahme von Blatt Gandersheim waren ferner vom Südfusse des Kahlberges, nördlich von dem Dorfe Dögerode auf den Thonen des braunen Jura grössere Mengen von Korallen-Dolomit beobachtet worden, welche indessen aus einzelnen Brocken und wenn auch zum Theil Meter-grossen Blöcken bestanden und deshalb, entsprechend dem für den Muschelkalk-Schutt üblichen Verfahren, auf der inzwischen veröffentlichten Karte nicht be- sonders angegeben wurden. In den beiden letzten Jahren ist nun die geologische Kartirung der Messtischblätter Einbeck und Freden ausgeführt worden, welche ausser Trias- Schichten einerseits den südöstlichen Theil des aus Jura-Bildungen bestehenden »Selter« enthalten und andrerseits die südliche Hälfte der »Gronauer Kreidemulde« und den SO.-Hang des Hils. Es ergab sich hierbei, dass der NO.-Hang des Selter, dessen Steilrand und Klippen aus Korallen-Oolith und Dolomit und zum Theil auch aus Kimmeridge-Kalk bestehen, in grosser Ausdehnung von Dolomit und Kalkschutt bedeckt ist bis unterhalb des Niveaus, bis zu welchem der Lehm hinaufreicht, und dieser liegt nicht selten A. vos Koxnen, Ueber Abhangsschutt und Diluvium. 139 noch über grösseren Blöcken von Dolomit etc., ist also nach deren Absturz oder Abrutschung abgelagert. Ganz ähnlich, wie dies an Basaltkegeln und hücken mit Basaltblöcken der Fall ist, liegen ferner zunächst unterhalb des anstehenden Dolomits und Ooliths gewöhnlich grosse Blöcke oder selbst Blockhalden von Dolomit ete., zuweilen aber auch bis zu 1 Kilometer weiter nach unten noch in solcher Menge und Grösse, meist untermischt mit Dolo- mitbrocken und Grus, dass sie das anstehende Gestein, braunen Jura und Lias, vollständig verhüllen und vielfach in kleinen Stein- brüchen als Baumaterial ausgebeutet werden. Anhäufungen solcher Blöcke sind sicher die Veranlassung, dass der Wald sich mehr- ‘fach weit tiefer hinabzıeht, als dies sonst meist der Fall ıst, und auch im Felde treten oft auffällige Köpfe auf, welche immer wieder aus grösseren Anhäufungen und Blöcken von Dolomit etc. be- stehen. Um daher ein möglichst klares geologisches Bild dieses Gebietes zu erhalten, erschien es geboten, über den sicher oder muthmaasslich anstehenden Schichten das Auftreten des Dolomit- etc. Schuttes oder »dolomitischen Diluviums« durch Punkte von der für den Dolomit selbst benutzten Farbe anzugeben. Im Gebiete der Gronauer Kreidemulde und rings um die ganze Hilsmulde sind aber besonders von dem ganz oder fast ganz zum Gault gehörigen sogenannten Hilssandstein grössere ‘Schuttmassen geliefert worden, welche freilich meist nur aus kleineren Stücken ‚von Sandstein, aber aus grossen Mengen von lockerem, gelblichem bis bräunlichem Sand bestehen, welcher die Sandsteinbrocken und ' Blöcke umschliesst und sich ganz gewöhnlich noch zwei und mehr Kilometer weit von dem anstehenden Hilssandstein in recht mäch- tigen, alles anstehende Gestein verhüllenden Massen findet. Das ist namentlich der Fall am Süd- und Nordostende der Hilsmulde, also im Duinger Walde und Weentzer Bruch, sowie am Süd- und Nordostrande der sogenannten Gronauer Kreidemulde. Im Dorfe Eyershausen war über eckigen Hilssandsteinbrocken über 1 Meter brauner, wie Lehm aussehender, feiner Sand aufgeschlossen, und von hier nach S., nach Dankelsheim zu, ist dieser sehr schwer gegen den dort auftretenden Lehm durch besondere Merkmale abzugrenzen, wenn nicht in erster Linie die Neigung der Tages- 140 A. von Koenen, Ueber Abhangsschutt und Diluvium. oberfläche hierbei zu Hülfe genommen wird, und recht schwierig wird eine solche Abgrenzung von hier nach N. bis zu dem Do- mänen-Vorwerk Hornsen. Ziemlich gleichmässig sind ferner auch im Duinger und Weentzer Walde die ebenen oder mässig geneigten Flächen des Wealden, des Tertiärgebirges etc. von feinem Sand und kleine- ren Brocken des Hilssandsteins bedeckt, so dass das anstehende Gestein verhältnissmässig selten beobachtet werden kann. Von grösserem Interesse ist aber vor Allem das Auftreten und die Verbreitung des Hilssandstein-Schuttes am Südende des Hils, wo Hilsthon, Wealden und alle älteren, dort auftretenden Bildungen von einer mehr oder minder mächtigen Decke von Hilssandstein- Schutt mehr oder minder vollständig verhüllt sind und zwar nament- lich im Gebiete von Stroit, Brunsen, Wenzen, Eime, Mainzholzen und Vorwohle an den meist über 2 Kilometer langen Gehängen vom Hils bis zu den nächsten Thalsohlen. Abgesehen von den tieferen, leider fast ganz von Dornbüschen und Gestrüpp erfüllten Gräben und von vereinzelten steileren Gehängen geben hier eigent- lich nur die Eisenbahneinschnitte der Strecke von Kreiensen nach Holzminden Aufschluss über die Schichten des Lias und braunen Jura, deren Fauna durch BRAUNS, K. vVoN SEEBACH und Andere be- kannt gemacht worden ist. Nur ausnahmsweise wird bei der Be- arbeitung der Felder auf dem unteren Theile der Gehänge unter dem lockeren, hellen Sande auch dunkler Thon herausgepflügt, während an anderen Stellen wohl auch Binsen oder kleine, bald wieder versickernde Quellen auf thonigen, undurchlässigen Unter- grund schliessen lassen. Von diesem Gebiete liegen nun die Gemarkungen von Stroit, Brunsen und theilweise die von Wenzen auf dem Messtischblatt Einbeck und wurden im letzten Jahre geologisch aufgenommen. Das Thalbecken von Brunsen hat besonders nach N. und NW. recht flache, wenn auch wellige Gehänge und hat seinen Abfluss über Voldagsen ‚und, gemeinsam mit dem Becken von Wenzen- Eimen etc. durch die enge Schlucht von Kuventhal, welche augen- scheinlich durch das »krumme Wasser« ausgewaschen ist. Aus- gedehnte Lehmlager finden sich auch auf beiden Seiten der Schlucht A. vow Kornen, Ueber Abhangsschutt und Diluvium. 141 bis zu mehr als 100 Meter über ihrer jetzigen Sohle in ähnlichem Niveau, wie am nördlichen, östlichen und westlichen Rande des ganzen Thalbeckens, welches augenscheinlich einst ein Wasser- becken war, in welchem der Lösslehm zur Ablagerung gelangte. Dieser wurde später durch einzelne Wasserläufe wieder fortgespült, am ausgedehntesten am jetzigen Ausgange des Beckens, zwischen Brunsen und Voldagsen und weiter über Kuventhal hinaus. Eigentlicher Schotter ist recht wenig vorhanden, obwohl nörd- lich und östlich von Brunsen solcher noch gegen 30 Meter über diesem Orte auftritt. Als Schotter können kaum die zahlreichen Hilssandstein-Blöcke und -Brocken gedeutet werden, welche sich auf dem Windmühlenberge bei Wenzen, etwas über die westliche Grenze des Blattes hinaus, finden, doch können sie füglich nicht bei den jetzigen Böschungsverhältnissen als Abhangsschutt oder durch einen Wasserlauf vom Hils herab dorthin gelangt sein, sondern ich möchte annehmen, dass es sich hier um einen min- destens alt-alluvialen oder diluvialen Abhangsschutt handelt, dessen feinere Materialien später fortgespült worden sind. Ueber die Vertheilung der feinen Bestandtheile in diesem ganzen Becken ist nun zu bemerken. dass am unteren Theile des Gehänges unter dem Hils oft nur Sand sichtbar wird, falls nicht durch Gräben etc. darunter oder dazwischen auch Sandsteinbrocken aufgeschlossen sind, dass aber der Lehm, den man nach den Terrainverhältnissen, also wenn er nicht mehr an dem Gehänge liegt, als Diluviallehm ansehen könnte, in seiner Zusammensetzung dem Sandstein-Detritus recht ähnlich ist und sich dann haupt- sächlich durch grössere Mächtigkeit und das Fehlen von Sand- steinbrocken auch im Untergrunde von jenem unterscheidet, wenn auch solcher Lehm öfters aus noch feinerem Quarzsand besteht, als der helle Hilssandstein - Abhangsschutt. Es gilt dies aber nicht nur für den Lehm, welcher sich westlich von Stroit bis zu über 240 Meter über dem Meere hinaufzieht, sondern auch für die grossen Lehmmassen, welche nordwestlich von Brunsen liegen und noch über den Rand des Blattes hinausreichen, so dass augen- scheinlich das Material für diese Lehmmassen von der Abspülung von Hilssandsteinschutt herrührt. Dass die Trennung von beiden 142 A. von Konsens, Ueber Abhangsschutt und Diluvium. nur nach petrographischen Merkmalen eine recht missliche sein würde, liegt auf der Hand. Weiter nach S., in der Gegend von Voldagsen und Kuventhal wird aber der Lehm weit mehr dem gewöhnlichen Lehm oder Lösslehm ähnlich, und ich möchte dies erklären theils durch die hier weiter fortgeschrittene Schlämmung des Hilssandstein - Detritus, theils aber auch durch Beimengung anderen, von W. herbeigeführten Materials aus anderen Schichten. Der Lehm besteht eben in der Nähe des anstehenden Gesteins, von dessen Zertrümmerung und Zersetzung sein Material herstammt, zunächst aus dessen weniger feinen Bestandtheilen, namentlich, da Sande und Sandsteine ganz vorwaltend das Material für den Lehm geliefert haben, zunächst aus rundlichen Quarzkörnern, also Sand. Weiterhin können sich eckige Quarzsplitterchen beimengen, welche von der Zertrümmerung der Quarzkörner auf der Ober- fläche von Sandsteingeröllen herrühren, während die schwereren und dickeren Körner allmählich seltener werden und nach länge- rem Transport in ruhig fliessendem Wasser sich schliesslich zu Boden gesetzt haben dürften, so dass dann nur noch Quarz- splitterchen zur Ablagerung gelangen können, als eigentlicher Löss. Es ist aber nicht wohl durchführbar, derartige verschiedene Ausbildungen des Lehms etwa auf geologischen Karten zu unter- scheiden, und es war unter Anderem geboten, lockere, ziemlich grobe Sande im Weser-Thal mit Lehm zu verzeichnen, die am westlichen Rande des Blattes Jühnde an der mit »Sandgrube« bezeichneten Stelle wirklich als Sand gewonnen werden. Aehn- liches ist aber auch sonst auf unseren neueren geologischen Karten &eschehen. Wie nun oben ausgeführt, ist es oft sehr misslich, den Ab- hangsschutt mit genügender Sicherheit von diluvialem Lehm zu unterscheiden; noch misslicher ist es aber oft festzustellen, ob der Abhangsschutt aus jüngerer oder älterer Zeit, etwa aus der Dilu- vialzeit herrührt. Es würde aber dem Zweck der Karten schlech- terdings nicht entsprechen, mächtigere, namentlich auch weiter verbreitete Schuttmassen einfach als Abhangsschutt jüngsten Alters zu behandeln und auf den Karten gar nicht zu verzeichnen. Ich habe deshalb auf den Blättern - Jühnde, Einbeck und Freden A. vox Korxen, Ueber Abhangsschutt und Diluvium. 143 grössere Schuttmassen durch Punkte von der Farbe der Schichten, aus welchen der Schutt besteht, auf den Farben der anstehenden Gesteine eingetragen, ganz ähnlich, wie dies mit dem sogenannten basaltischen Diluvium geschehen ist, so dass durch dichter oder entfernter stehende Punkte die mehr oder minder grosse Menge des Schuttes anschaulich gemacht wird, aber freilich durch dichte Punkte sowohl Mengen sehr feinen Schuttes, als auch grosse Blöcke. Letztere treten aber besonders in der Nähe des anstehen- den Gesteins auf, so dass ein Jeder, der eine geologische Special- karte versteht, auch über die Deutung der Bezeichnung nicht im Unklaren sein wird, während ersterer sich an den unteren Ge- hängen in der Nähe des Lehmes findet, dem er, wie oben aus- geführt, ganz ähnlich sein kann, falls er von Sandsteinen herrührt. Es dürfte sich aber empfehlen, eingehend zu prüfen, in wie weit derartige Signaturen auch in anderen Grebieten und bei Schutt anderer Gesteine und anderer Formationen, wie z. B. des unteren Muschelkalks, in Anwendung gebracht werden könnten. Sılur und Unterdevon im Kellerwalde. Von Herrn A. Denckmann in Berlin. Die Auffindung von Silur in einem relativ hohen Niveau der ältesten paläozoischen Bildungen des Kellerwaldes lässt es zweck- mässig erscheinen, thunlichst früh einen Ueberblick über die neue Gestaltung zu geben, welche die Gruppirung der betreffenden Sedimente nunmehr erfahren muss. Diesen Ueberblick hätte ich als Anhang zu dem ausführlichen Berichte über meine Aufnahmen im Jahre 1895 gebracht, wäre nicht der Druck dieses Berichtes so weit vorangeschritten gewesen, dass eine Einschiebung grösserer Abschnitte in dessen Text nicht mehr thunlich erschien. Das Auftreten von Silur im Kellerwalde hat mich keineswegs überrascht. Nachdem ich mehrfach Gelegenheit genommen hatte, mich mit der Gesteinsentwickelung von typischem Rheinischen Unterdevon im Taunus, im unteren Lahnthale und am Rhein ver- traut zu machen, war ich zu der Ueberzeugung gekommen, dass diese Bildungen mit den ältesten Gesteinen des Kellerwaldes nicht zu identificiren sind, und dass daher das Auftreten von Gesteinen ım Kellerwalde, die älter sind als die Devonformation, keineswegs ausgeschlossen seil). Bei der scheinbaren Armuth der ältesten Schichten des Kellerwaldes an Versteinerungen hatte ich indess die Hoffnung aufgegeben, meine durch Kartirung gewonnenen Auf- !) Siehe hierüber meinen wissenschaftlichen Bericht für das Jahr 1895 (Dieses Jahrb. für 1895, p. 32f.) Der betreffende Satz ist wörtlich meinem im Januar 1896 eingereichten amtlichen Berichte entnommen. A. DesckmAnn, Silur und Unterdevon im Kellerwalde. 145 fassungen über die gegenseitigen Lagerungsverhältnisse dieser Ge- steine auch durch die Auffindung leitender Faunen bestätigt zu sehen. A. Silur. I. Urfer Schichten. Der Beschreibung der Urfer Schichten wende ich eine be- sondere Sorgfalt zu. Die Mannichfaltigkeit ihrer petrographischen Entwickelung bereitet in kleineren Aufschlüssen namentlich des- halb leicht Schwierigkeiten, weil die Urfer Schichten im ein- zelnen, aus dem stratigraphischen Zusammenhange gerissenen Ge- steins-Handstücke schwer von culmischen Gesteinen einerseits und von unterdevonischen Gesteinen andrerseits zu unterscheiden sind. Die stets plattigen Thonschiefer der Urfer Schichten zeichnen sich wie ihre Grauwackenschiefer durch papierdünne Lagen von grösseren Glimmerblättchen, sowie durch Bänderung aus. Die oft ziemlich rauhen Grauwackenschiefer gehen gern in bestimmt : festere Gesteinsvarietäten mit wulstigen Ober- flächen über, wie solche in der Gegend von Löhlbach für einen an der Basis des mittleren Culm gelegenen Horizont bezeichnend sind. Lediglich durch die Art ihres Auftretens im Schichten- Verbande unterscheidet man in diesem Falle das silurische Gestein von dem culmischen. Die Grauwacken der Urfer Schichten sind meist sehr feld- spathreich und können Culmgrauwacken ähnlich werden. Zur Bildung von Linsenkörpern neigende Grauwacken und Grau- wackensandsteine, mit dunklen, Pflanzenreste führenden Grau- wackenschiefern vergesellschaftet, treten häufig im nächsten Contact des unten ausführlicher zu besprechenden Densberger Kalkes auf. Die Beobachtung von Kieselschiefern in den Urfer Schichten ist ein Ergebniss meiner Untersuchungen im vorigen Sommer. Sie treten entweder in den Densberger Kalken auf, dünne Schichten und einzelne Banklagen bildend, oder aber man findet sie als zusammenhängende Packete in den schiefrigen Ge- steinen der Urfer Schichten zu Tage tretend. Wie weit die ein- zelnen Vorkommen von Kieselschiefer in den Urfer Schichten Jahrbuch 1896, 10 146 A. Dencxmann, Silur und Unterdevon im Kellerwalde. verschiedenen Horizonten angehören, lässt sich noch nicht ent- scheiden; ebenso wenig ist für einige Kieselschiefer-Vorkommen in den Urfer Schichten die Frage entschieden, ob sie etwa als Mulden von Schiffelborner Schichten aufzufassen sind. Sicher den Urfer Schichten, speciell dem Niveau des Densberger Kalkes in weiterer Begrenzung gehören, abgesehen von den Kieselschiefern des Densberger Kalkes selbst, die Kieselschiefer der Hammerdelle im Bernbachthale an. Sie sind über der Rechtsbiegung des alten Fahrweges, welcher vom unteren Bernbachthale aus nach Schönau führt, anstehend zu beobachten. Die Kieselschiefer selbst bestehen hier aus dünnen Lagen. Sie werden überlagert von Thonschiefern, Grauwackenschiefern, Kieselgallenschiefern, kalkigen Schiefern mit zwei eisenschüssig verwitterten dünnen Kalklagen, und wieder von normalen Urfer Schichten in schiefriger Ausbildung. In den kalkigen Schiefern dieses Aufschlusses beobachtete ich zahlreiche Graptolithen (Monograptus); in einer der dünnen Kalklagen fanden sich u. A. Cardiola cf. gibbosa BARR. und (. cf. migrans BARR. Alle diese Gesteine sind im Einzelnen und insgesammt wenig mächtig. Ein ähnliches Vorkommen beobachtete ich unter der Rechtsbiegung des Weges, welcher von Densberg nach Sebbete- rode führt, im Forstorte Erlensüttengraben. Hier sind die Kiesel- schiefer etwas mächtiger, als in der Hammerdelle.. Die kal- kigen Schiefer sind so verruschelt, dass die Erhaltung etwa in ihnen vorhanden gewesener Graptolithen nicht zu erhoffen ist. Ich fand in ihnen verkieste Orthoceraten. Der Densberger Kalk besteht aus dunklen bis hellfarbigen, feinkörnig bis dicht erscheinenden Kalken, die in dünnen Platten oder in Linsenlagen zwischen kalkigen Schiefern auftreten. An den Oberflächen und an den das Gestein durchsetzenden Klüften sind die Kalke meist eisenschüssig verwittert. In gleicher Weise verwittern die kalkigen, plattigen Schiefer und sind im verwitterten Zustande lederbraun gefärbt. Neben kalkigen Gesteinen enthält nun der Densberger Kalk, zumeist nur in dünnen Lagen von wenigen Centimetern Stärke, kieselige Kalke, Kieselschiefer, W etz- schiefer, Thonschiefer vom Typus der normalen Thonschiefer der Urfer Schichten, Kieselgallen-führende Thonschiefer, Grauwacken- schiefer, Grauwacken und Grauwackensandsteine, letztere linsen- A. Denokmann, Silur und Unterdevon im Kellerwalde. 147 förmig. Versteinerungen thierischen Ursprungs beobachtete ich nur in den kalkigen Thonschiefern und in den Kieselgallen des Dens- berger Kalks, und zwar Graptolithen (Monograptus), Ortho- ceraten, vereinzelte Reste von Discina, ungenügend erhaltene Pelecypodenreste und eine Oystidee. Die Fundstelle dieser Petre- facten liegt in der Gabel der beiden oberen Forstwege des Schlossberges bei Schönstein, unweit der Ruine Schönstein. Ein Schurfgraben, mit dem ich am Küppel bei Densberg den Dens- berger Kalk aufschloss, lässt auf mindestens 20 Meter Mächtig- keit des Densberger Kalks an dieser Stelle schliessen. Gesteine des Schieferreinsgrabens. Am Schieferreinsgraben, oberhalb des Gutes Brünchenhain, treten zähe, rauhe dachschieferartige Thonschiefer!) mit zähen Grauwacken-Sandsteinen und Grauwacken auf, welche letztere undeutliche Spuren von Fauna und kohlige Pflanzenreste führen. Wegen ihrer Aehnlichkeit mit den Grauwackensandsteinen des Ortberges war ich ursprünglich geneigt, sie diesem Horizonte bei- zugesellen, der weiter oben am Schieferreinsgraben mit den in seinem Hangenden auftretenden Rückling-Schiefern aufgeschlossen ist. Je mehr jedoch im Laufe der Untersuchung die petrogra- phische Eigenart der einzelnen Sedimente hervortritt, umsomehr zeigt es sich, dass die fraglichen Gesteine des Schieferreins- grabens (Brünchenhainer Schichten) von den Ortberg - Grau- wackensandsteinen leicht zu unterscheiden sind, schon durch ihren erheblich geringeren Glimmergehalt. Zudem ist es bei genauer Untersuchung der Aufschlüsse im Schieferreinsgraben nicht möglich, zwischen den Brünchenhainer Schichten und den in ihrem Hangenden auftretenden plattigen Thonschiefern der Urfer Schichten irgend welche Discontinuität zu finden, durch welche die Annahme einer Verwerfung zwischen beiden Bil- dungen eine Stütze fände. Es findet vielmehr nach oben hin eine allmählicher petrographischer Uebergang aus den zähen 1) Zu vergleichen mit den Plattenschiefern der Gegend von Mägdesprung im Unterharze, 10* 148 A. Denckmann, Silur und Unterdevon im Kellerwalde. Thonschiefern der Brünchenhainer Schichten in die milden Thon- schiefer der Urfer Schichten statt. Sedimentfolge in den Urfer Schichten. Für die ganze Untersuchung würde es von grosser Wichtig- keit sein, dass die gegenseitige stratigraphische Stellung der ein- zelnen Glieder der Urfer Schichten erkannt wird. Nach den bis- herigen Beobachtungen hat es den Anschein, als ob die Dens- berger Kalke, die Kieselschieferr und die zähen Grauwacken, sowie die Brünchenhainer Schichten tiefer liegen, als die vor- wiegend Thonschiefer, Grauwacken - Schiefer und milde Grau- wacken führenden Gesteinsfolgen der Urfer Schichten. Bezüglich dieser Frage sind jedoch die Untersuchungen noch nicht ab- geschlossen. II. Schiffelborner Schichten. Die einzige Stelle, welche die Grenzschichten der mit Quar- zıtbänken wechsellagernden Kieselschieferr der Schiffelborner Schichten im Contact mit ihrer Unterlage von Urfer Schichten im Aufschlusse beobachten lässt, findet sich am linken Ufer des Lauterbaches über dessen Einfluss ın die Gilsa. Unter den schwarzen Kieselschiefern und Alaunschiefern der Schiffelborner Schichten stellen sich zunächst milde, feinschiefrige Thonschiefer, dann Thonschiefer mit Pflanzenresten, und schliesslich milde Grauwacken und Grauwacken-Schiefer ein. Il. Wüstegarten-Quarzit. Bezüglich des Wüstegarten-Quarzits verweise ich auf meine _ älteren Publicationen über den Kellerwald. Wichtig wäre es, in den conglomeratischen Einlagerungen des Quarzits solche Ver- steinerungen zu finden, die für die Bestimmung des Niveaus leitend sind. IV. Grauwackensandstein des Ortberges. _ In den Grauwackensandsteinen des Ortberges finden sich am linken Urfe-Ufer, gegenüber dem Dachschieferbruche, ziemlich A. Dexormann, Silur und Unterdevon im Kellerwalde. 149 grosse Linsen unreinen Kalkes. _Versteinerungen sind von mir in diesen Kalken, mit Ausnahme von Pflanzenresten, nicht beob- achtet worden. V. Rückling-Schiefer. Ueber dem leicht kenntlichen Grauwackensandstein des Ort- berges folgen zunächst grosse Linsen von Grauwacke und grauer, quarzitischer Grauwacke, die mit rauhen Thonschiefern wechsel- lagern. Sie bilden die untere Grenze des neu aufzustellenden Horizontes, aus dessen Gesteinen vorwiegend der nach der Forst- karte als »Rückling« zu bezeichnende SW.-Abfall des Keller zu- sammengesetzt ist. In der Nähe dieser unteren Grenze werden am Jeust und am Rückling local rothe Thonschiefer mit Kieselschiefern und Wetz- schiefern beobachtet, die übrigens mit den Oypridinenschiefern des obersten Oberdevon nicht gut zu verwechseln sind. Im Urfe- Thale, an der Densberger Kirche und am Schmitteberge bei Densberg folgen in den Rückling-Schiefern zunächst rauhe, dach- schieferartige Thonschiefer, die im Urfe-Thale zu einem grösseren Versuche auf Dachschiefer Veranlassung gegeben haben. Es folgen Thonschiefer und Wetzschiefer, welche in zahlreichen Ge- steinsvariationen wechsellagern. Ein Leitgestein dieser Schiefer bilden die Knollen eines grauen bis bläulichen, flintartigen Kiesel- schiefers, welche in ihrer äusseren Form den Kieselgallen ähn- lich sind. In den Schiefern treten ferner Knollenlagen eines zu Eisen- stein zersetzten unreinen, Glimmerblättchen führenden Kalkes, sowie Linsen von Grauwackensandstein auf. Undeutliche Spuren von Versteinerungen wurden von mir in den Rückling-Schiefern nörd- lich der Strasse, oberhalb der Schmittemühle bei Densberg, an einem schmalen Feldwege gefunden. Die Rückling-Schiefer treten auf der NW.- Seite des Quarzitzuges zwischen Braunau und Schönstein, sowie in dem Gebiete zwischen Dodenhausen, Dens- berg und Schönstein in weiter Verbreitung auf. Wahrscheinlich sind sie auch am Hohelohr vorhanden. Wie weit in den Rück- ling-Schiefern Diabase mit Contactgesteinen sowie Tuffe vorhanden 150 A. Denckmann, Silur und Unterdevon im Kellerwalde. sind, muss noch festgestellt werden. Anzeichen für derartige Vor- kommen sind mehrfach von mir beobachtet worden. VI. Cardiola-Schichten des Steinhornes. Pyritknollen-führende, dunkel gefärbte, kalkhaltige Thon- schiefer, welche nicht sehr zähe sind, im frischen Aufschlusse dünne Platten bilden, an der Luft aber theilweise zerfallen und im Uebrigen viel Glimmer führen, enthalten lagenweise Linsen und dünne Platten eines meist dicht bis feinkörnig erscheinenden Kalkes, der im frischeren Zustande dunkel gefärbt ist, zumeist aber in stark eisenschüssigen oder manganoxydischen Mulm um- gewandelt wurde. Das Verhalten des frischeren Kalkes gegen verdünnte Salzsäure lässt auf einen grösseren Magnesia-Gehalt schliessen. Die mitunter ziemlich rauhen Thonschiefer sowohl, wie die Kalke dieses Horizontes enthalten zahlreiche Versteine- rungen, namentlich Orthoceraten, Pelecypoden der Böhmischen Stufe E, Crinoiden und Graptolithen. Die reiche Fauna, welche ich in den beiden Schurfgräben des Steinhornes gesammelt habe, entstammt nur zum Theil dem anstehenden Gestein. Eine grosse Anzahl von Kalkknollen entnahm ich dem das Gehänge des Driesches bedeckenden Abhangsschutte. Die Thonschiefer und die Kalkknollen der Cardiola-Schichten erschürfte ich in beiden Schurfgräben. Weiterhin beobachtete ich sie im nordöstlichen Fortstreichen des Steinhornes am Humbach bei Schönau in einem kurzen Schurfgraben. An den sämmtlichen drei Stellen sind Ver- steinerungen in den Cardiola-Schichten keineswegs selten. Ueber- lagert werden die Cardiola-Schichten am Steinhorn im unteren Schurfgraben durch eisenschüssig zersetzten Kalk, im oberen Schurfe des Steinhornes durch Kieselschiefer der unteren Stein- kohlenformation, im Humbache gleichfalls durch Culm-Kieselschiefer. Aus der Verschiedenheit der von mir theils im anstehenden Ge- stein, theils im Schutte aufgefundenen Kalkknollen scheint hervor- zugehen, dass die betreffenden Schichten eine grössere Mächtig- keit besitzen, als solche lediglich aus den bisher gewonnenen Auf- schlüssen zu deduciren ist. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass RR N Bi IR “ A. Denckmann, Silur und Unterdevon im Kellerwalde. 151 die Mächtigkeit des bei den Schurfarbeiten zu bewältigenden Ab- raumes stellenweise zwei Meter übersteigt. Wichtige Versteinerungen der Oardiola-Schichten des Stein- hornes sind die Graptolithen (Monograptus) und die Pelecypoden. Von den Letzteren sind die Gattungen Cardviola BROD., Praecar- dium BARR., Patrocardium FISCHER, Lunulicardium MSsTk., Lepty- noconcha FRECH (= Tenka BARR.), Praelucina BARR., Avicula KLEIN und Aviculopecten M’CoY sicher vertreten. Zweifelhaft ist die Be- stimmung der Gattungen Antipleura BARR., Myalina DE Kon., Deeruska BARR., Posidonia BRONN. — Cardiola interrupta SOW. und verwandte Formen sind in den Öardiola-Schichten des Steinhornes keineswegs selten. Besonders häufig sind ferner Orthoceraten und Crinoiden, in manchen Gesteinen auch Cypridinen-ähnliche Schalenkrebse. Dagegen habe ich in den eigentlichen Graptolithen-führenden Cardiola-Schichten von Trilo- biten keine Spur gefunden. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass gewisse Kalkknollen mit Dalmaniten etc., welche im oberen Schurfe unter den Graptolithen-führenden Schichten auftreten, als Einlagerungen in letzteren aufgefasst werden müssen. VII. Zweifelhafte Gesteine im Sılur des Kellerwaldes. l. 6Graptolithen-Schiefer des Steinboss bei Möscheid. Am Steinboss bei Möscheid erschürfte ich einen Graptolithen- Schiefer, welcher zum Theil dem obersilurischen Schiefer des Steinhornes entspricht, zum Theil jedoch mehr an die Graptolithen- Schiefer des Selkethales im Unterharze erinnert. Er enthält ausser Monograptus ein mit Retiolites Geinitzianus bei HoLm (Gotlands Graptoliter. Bihang till K. Svenska Vet.-Akad. Handlingar Bd. 16, Afd. IV, No. 7, Taf. 2, Fig. 2) zu vergleichendes Fossil, ferner Pelecypoden (Patrocardium, Puella, Deeruska) und Crinoiden. Die Lagerungsverhältnisse dieses Schiefers sind nicht klar genug, dass sie erkennen liessen, ob er zum System der höchsten Silurschichten des Kellerwaldes, oder zum System der Urfer Schichten gehört. Sollte sich ersteres erweisen lassen, so dürften die im Contact mit dem Graptolithen-Schiefer zu beobachtenden 152 A. Denckmann, Silur und Unterdevon im Kellerwalde. Kieselschiefer und Wetzschiefer als Rückling-Schiefer aufzufassen sein, denen sie petrographisch ausserordentlich ähnlich sind. 2. Kieselgallenschiefer des nordwestlichen Steinhornes. In sehr unklaren Lagerungsverhältnissen treten am nordwest- lichen Steinhorn mächtig entwickelte Kieselgallenschiefer mit einer sehr reichen Fauna auf. Ein abschliessendes Urtheil über die Stellung dieses Gesteins kann erst eine sorgfältige paläontologische Unter- suchung seiner Fauna gestatten. Ich erwähne seiner hier, weil ich in seinen tiefer gelegenen, kalkigen Gesteinen eine der Cardiola interrupta Sow. sehr ähnliche Muschel gefunden habe. Möglicher Weise liegt zwischen dem kalkigen, eisenschüssig verwitterten Ge- stein mit Cardiola interrupta und dem eigentlichen Kieselgallen- schiefer eine Schichtengrenze. VII. Allgemeine Bemerkungen über das Silur des Kellerwaldes. Wie weit durch die paläontologische Durcharbeitung der reichen Petrefactenausbeute Anhaltspunkte für die specielle Deu- tung der petrographisch von einander scharf zu unterscheidenden silurischen Sedimentfolgen des Kellerwaldes gewonnen werden können, lässt sich noch nicht übersehen. Ich glaube im Interesse des Fortschrittes der Untersuchung zu handeln, indem ich mit meinem Urtheil und mit vorschneller Identification zurückhalte. Gleichwohl sind einige allgemeine Gesichtspunkte hervorzuheben, welche für die Auffassung der Silur-Entwickelung im Kellerwalde von Wichtigkeit sind. Zunächst ist die Aehnlichkeit der dunklen, Kalklinsen führen- den mergeligen Thonschiefer des Steinhornes mit den auf der Grenze von E, gegen Ey in Böhmen auftretenden Oephalopoden- reichen dunklen Schiefern und Kalken unverkennbar. Die Aehnlichkeit der im Gestein frischen Kalkeinlagerungen des Steinhornes mit den entsprechenden böhmischen Vorkommen würde noch mehr in die Augen fallen, wenn sie nicht in dolomi- tisirtem und ferronisirtem Zustande erhalten wären. Auch aus A. Desormann, Silur und Unterdevon im Kellerwalde. 153 der oben besprochenen Zusammensetzung der Fauna geht eine nahe Beziehung der Cardiola-Schichten des Steinhornes mit den Bildungen der Stufe E3, bezw. mit den Grenzschichten von Eı gegen Ez in Böhmen hervor. Sicher aber gehören die Oar- diola-Schiefer des Steinhornes der Böhmischen Stufe E an. Weiterhin muss eine gewisse Analogie in der Gresteinsfolge der Silurschichten des Kellerwaldes mit derjenigen des Böhmischen Silurs auffallen. Dem entsprechend könnten die Cardiola-Schichten mit den sie unterlagernden Rückling-Schiefern dem Böhmischen E, die glimmerreichen Grauwackensandsteine des Ortberges und der Wüstegarten-Quarzit plus Schiffelborner Schichten mit ihrer vor- wiegend schiefrigen Unterlage (Urfer Schichten) der böhmischen Stufe D angehören. Andererseits ist zu berücksichtigen, dass im tiefsten Sılur des Kellerwaldes, in den Urfer Schichten, lediglich einzeilige Graptolithen vertreten sind, und dass in ihnen Cardöola-Formen aus der Ver- wandtschaft der Cardiola interrupta (C. cf. migrans und cf. gibbosa) auftreten. Es erscheint nicht rathsam, einer viel- leicht durch bevorstehende neue Faunenfunde ohne Schwierigkeit zu lösenden Entwickelung der Altersfrage des tieferen Kellerwald- Silur vorzugreifen. Nur auf eine Beobachtung muss ich noch aufmerksam machen, deren Bedeutung für die Beurtheilung des Alters der Silur- schichten des Kellerwaldes einleuchten wird. Den im Palaeozoicum gewonnenen Erfahrungen entsprechend nehmen wir an, dass Graptolithen führende Kalke und Oephalo- podenkalke, Graptolithenschiefer, Kieselschiefer und reinere Thon- schiefer Absätze aus tieferen Meeren, dass dagegen Grauwacken- schiefer, Grauwacken, Grauwackensandsteine, Quarzite, nament- lich, wenn sie an Pflanzenresten reich sind, Bildungen aus seich- teren Meeren seien. Von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet, zeigen sich uns die Silurschichten des Kellerwaldes in einer äusserst merkwürdigen Erscheinungsweise. 1. Die Cardiola-Schichten des Steinhornes und die Rückling- Schiefer stellen dem Obigen entsprechend in ihren Kalken, Thon- schiefern, Dachschiefern, Wetzschiefern und Kieselschiefern vor- 154 A. Desormann, Silur und Unterdevon im Kellerwalde. wiegend Tiefseebildungen dar. Gleichwohl ist in den Cardiola- Schichten und in den Rückling-Schiefern das Auftreten Pflanzen- reste führender Grauwacken, bezw. quarzitischer Grauwacke in dünnen Zwischenlagen nicht selten zu beobachten, wie denn auch der Glimmerreichthum der in diesen Abtheilungen auftreten- den Thonschiefer, selbst mancher Lagen der Graptolithenschiefer bemerkenswerth ist. 2. Die glimmerreichen Grauwackensandsteine des Ortberges und der Wüstegarten-Quarzit enthalten keine Zwischenlagen, welche auf Absätze aus tieferen Meeren hinweisen, wohl aber sind beide reich an kohligen Pflanzenresten. Der Wüstegarten-Quarzit führt ausserdem Gesteine von conglomeratischer Beschaffenheit. 3. Die Schiffelborner Schichten bestehen aus einer merk- würdigen Wechselfolge von Quarziten, welche petrographisch dem Wüstegarten - Quarzit entsprechen, mit schwarzen Kieselschiefern und Alaunschiefern. Hierbei ist allerdings zu. berücksichtigen, dass die reineren Kieselschiefer der Schiffelborner Schichten in grösseren Packeten ohne Quarzit-Einlagerungen beobachtet werden, und dass die zwischen den Quarziten gelagerten Kieselschiefer- Bänkchen in ihrem Gestein mitunter durch Glimmerblättchen ver- unreinigt sind. Jedenfalls ist die Wechsellagerung faciell so ver- schiedenartiger Gesteine, wie es Pflanzenreste führender Quarzit und Radiolarien führender Kieselschiefer sind, ausserordentlich auf- fällig. 4. Die Urfer Schichten bestehen aus Pflanzenreste führenden Thonschiefern, Grauwackenschiefern, Grauwacken, Grauwacken- sandsteinen, Gesteinen, die man nicht als Tiefseebildungen auf- fassen wird. Eingelagert in diese Gesteine beobachten wir den in seinen schiefrigen Lagen Graptolithen führenden Densberger Kalk sowie Graptolithenschiefer und Kieselschiefer. Diese Ein- lagerungen der Urfer Schichten bilden nicht etwa faciell durch- weg heterogen entwickelte, in sich gleichartige Massen, sondern sie sind im Einzelnen wiederum merkwürdig verschiedenartig zu- sammengesetzt. So enthalten die Densberger Kalke des Schloss- berges bei vorwiegenden Kalk-Sedimenten im Durchschnitt nicht A. Denckmann, Silur und Unterdevon im Kellerwalde. 155 über 10 Centimeter starke Lagen von Kalk, Kalkschiefer, Mergel- schiefer, kalkigem Thonschiefer, Kieselschiefer, W etzschiefer, Grau- wackenschiefer, Grauwacke, Orthoceraten führendem Kieselgallen- schiefer, quarzitische Grauwacke. Eine ähnliche Wechselfolge zeigen, wie oben ausgeführt, die Graptolithenschiefer der Hammer- delle und anderer Beobachtungspunkte, nur dass in ihnen die Kalk- sedimente zurücktreten. Etwas gleichmässiger gestaltet sich die Gresteinsbeschaffenheit der in den Urfer Schichten als Einlagerungen auftretenden Kieselschiefer. Durch die oben beschriebenen Eigenthümlichkeiten nähern sich die tieferen Silurbildungen des Kellerwaldes in auffallender Weise den Silurbildungen Frankreichs. Es war mir interessant, in der Arbeit von CH. BARROIS über die Vertheilung der Grapto- lithen in Frankreich !), namentlich im sechsten Oapitel eine An- zahl von Aeusserungen zu finden, die sich fast wörtlich auf den Kellerwald übertragen lassen. Schliesslich sei es mir gestattet, mit wenigen Worten auf die Consequenzen hinzuweisen, die sich durch die Feststellung von Sılur ım Kellerwalde für die nächst verwandten paläozoischen Gebiete, den Unterharz und das Gebiet zwischen Marburg und dem Westerwalde ergeben. Nach E. Kayser und nach M. Koch entsprechen die älteren Quarzite des Kellerwaldes (Wüstegartenquarzit und Schiffelborner Schichten) den Quarziten vom Bruchberge einerseits, vom W ollen- berge und von der Gegend von Offenbach im Dill-Gebiete anderer- seits. Hierzu kommt das Auftreten von Gesteinen, welche den Urfer Schichten mit den Densberger Kalken petrographisch ent- sprechen, zwischen Greifenstein und der Dill-Bahn und auf der Westseite des Wollenberges. Es wird daher nicht überraschen, wenn in beiden Gebieten gelegentlich silurische Versteinerungen gefunden werden. 1) Memoire sur la distribution des graptolithes en France par CnArues Barroıs. Annales de la societe geologique du Nord T. XX, p. 75 ff. 156 A. Denckmann, Silur und Unterdevon im Kellerwalde. B. Unterdevon. I. Hercynisches Unterdevon. In einer vor Kurzem erschienenen Publication !) erklärt E. Kayser die Dalmanitensandsteine von Kleinlinden bei Giessen für unteres Mitteldevon. Es könnte hiernach die Frage entstehen, ob etwa unter den von mir zum hercynischen Unterdevon gerech- neten Schichten des Kellerwaldes Glieder vorhanden sind, welche eine ähnliche Auffassung gestatten. Dagegen ist zu bemerken, dass weder die Lagerungsverhältnisse dieser Schichten, noch ihre Faunen zu einer Lostrennung einzelner Glieder berechtigen, dass aber für einige dieser Sedimentabtheilungen auf Grund der in ihnen beobachteten Versteinerungen ihr unterdevonisches Alter über jeden Zweifel erhaben sein dürfte. So lange nicht bestimmte Anhaltspunkte für die speciellere Altersstellung des hercynischen Unterdevon vorhanden sind, halte ich es für zweckmässig, den neuer- dings nicht mehr beliebten Namen Hercyn in zweckentsprechender Modification für Unterdevon böhmischer Facies beizubehal- ten. Da die reichen neuen Vorkommen von hercynischem Unter- devon im Kellerwalde auf eine wesentlich complicirtere Stratigraphie dieser Schichtenabtheilung schliessen lassen, als sich solche nach den Funden des Sommers 1895?) voraussehen liess, so beschränke ich mich zunächst auf eine blosse Aufzählung der von mir beobachte- ten hercynisch-unterdevonischen Sedimente und Faunen. DBetreffs ihrer gegenseitigen stratigraphischen Beziehungen ist in erster Linie das Ergebniss der paläontologischen Untersuchung des ge- sammelten Materials abzuwarten. Auch sind noch weitere wichtige Aufschlüsse durch Schürfarbeiten zu erhoffen. l. Die hereynischen Schichten des Erbsloches im Forstorte Kahlenberg bei Densberg. Eine rund 10 Meter mächtige kalkige Grauwacke steht im Erbsloche bei Densberg als Klippe zu Tage. Sie wird von wenige ) E. 'Kayser, die Fauna des Dalmanitensandsteins von Kleinlinden bei Giessen, Marburg 1896. 2) Protocoll der Februar- Sitzung der Deutsch. geol. Ges. 1895, A. Denckmann, Silur und Unterdevon im Kellerwalde. 157 Meter mächtigen, rauhen Thonschiefern überlagert, deren Dach Kieselschiefer culmischen Alters bilden. Unter der kalkigen Grau- ‘ wacke erschloss mein Profil-Schurf 8 Meter mächtige, dunkle, kalkige Thonschiefer, unter denen dann Gesteine folgen, welche als Rückling- Schiefer aufzufassen sind. Die kalkige Grauwacke enthält als merkwürdige Einlagerung lagenweise auftretende grosse, dunkle Kieselconcretionen, in denen Pflanzenreste und andere Versteinerungen, namentlich eine Loxwo- nema-Art auftreten. Merkwürdig ist für die kalkiıge Grauwacke der grosse Kalkreichthum ihres Bindemittels sowie ihre conglo- meratische Natur. Sie enthält ziemlich grobe Gerölle verschieden- artiger (Gresteine, unter denen ein dichter Cephalopodenkalk von heller Farbe und ein gleichfalls hellfarbiger körniger Brachiopoden- und Urinoidenkalk besonders unser Interesse beanspruchen. Die vorwiegend aus Brachiopoden und Korallen bestehende reiche Fauna der kalkigen Grauwacke tritt in relativ gut erhaltenen Einzelschalen auf, die im verwitterten Gestein oft sehr deutliche Steinkerne hinterlassen. Seltener werden beide Schalen der Brachiopoden noch im ursprünglichen Zusammenhange gefunden. Unter den Brachiopoden, die durchweg in riesigen Exemplaren auftreten, sind besonders Einzelklappen von Spirsfer Decheni KAYSER und von verwandten Arten häufig vertreten. Weitere häufige und wichtige Versteinerungen der kalkigen Grauwacke sind: Pleurodietyum Petrii MAauR. Pl. Selcanum GIEBEL. Stropho- mena rhomboidalis WAHLENB. Streptorhynchus cf. umbraculum SCHLOTH. Chonetes sarcinulata SCHLOTH. Ch. dilatata F. RoEM. Atrypa reticularis L. var. aspera. Spirifer Nerei BARR. Sp. Ilsae A. RoEM. Sp. Hercyniae GIEBEL. Rhynchonella bifida A. RoEM. Rh. daleidensis F. RoEm. Pterinea-Arten, Bellerophon-Arten, Loxo- nema-Arten, Orthoceraten, Trilobiten, namentlich Phacops und Dal- manites. Die sehr reiche Fauna bedarf noch einer genaueren Unter- suchung. Für die Zwecke dieses Aufsatzes mag es genügen, fest- gestellt zu haben, dass die kalkige Grauwacke des Erbsloches bei Densberg unterdevonischen Alters ist. 158 A. Dencamann, Sılur und Unterdevon ım Kellerwalde. Die im Liegenden der kalkigen Grauwacke auftretenden Thon- schiefer enthalten eine wesentlich andere Fauna, als die Grauwacken selbst. Es fehlen die grossen Brachiopoden, dafür sind Segmente von Dalmaniten von einer Acidaspis- Art, Orthoceraten, ferner eine Loxonema-Art und eine Cardiola-Art neben Pleurodietyum cf. Petri MAUR. ausserordentlich häufig. Interessant ist das Auf- treten von Beyrichia sp. sp. in diesen Schiefern. 2. Hercynisches Unterdevon des oberen Bernbachthales bei Dens- berg. Im Fortstreichen des Vorkommens am Erbsloche sind die liegen- den Schiefer der kalkigen Grauwacke im oberen Bernbachthale da aufgeschlossen, wo der im Thale verlaufende Holzabfuhrweg von der rechten Thalseite her auf die linke hinüberführt. Von der kalkigen Grauwacke sind hier nur noch Spuren vorhanden, die man im Liegenden des das Dach des Ganzen bildenden Culm- Kieselschiefers beobachtet. Die Unterlage der Schiefer, deren Fauna derjenigen der gleichen Thonschiefer des Erbsloches ent- spricht, ist ungenügend erschlossen. d. Hereynisches Unterdevon am Silberstollen bei Densberg. Bezüglich des hereynischen Unterdevons haben die Schurf- gräben, welche ich am Silberstollen in der Nähe der alten Schacht- pingen angesetzt habe, keinen Erfolg gehabt. Ich kann daher vorläufig zu den 1. c. publicirten Beobachtungen nichts Wesentliches hinzufügen. Dagegen wurden in diesen Schürfen in schwer zu deutenden tektonischen Verhältnissen Adorfer Kalk (mit Cardiola angulifera) und ÜOlymenienkalk (mit Olymenia laevigata und mit Posidonia venusta) angetroffen. Vermuthlich ist das Auftreten von hohem Öberdevon an dieser Stelle auf die Nachbarschaft der grossen Verwerfung zurückzuführen, welche am Silberstollen die Urfer Schichten von jüngerem Silur und von den in dieses eingemul- deten Bildungen trennt. A. Denormann, Silur und Unterdevon im Kellerwalde. 159 4. Hereynisches Unterdevon am Steinhorn bei Schönau. Die stratigraphischen und tektonischen Verhältnisse des Stein- hornes bei Schönau sind so complicirter Art, dass ich mich vor- läufig mit der Darstellung ihrer allgemeinsten Umrisse begnügen muss. Es sind dort von älteren Schichten vertreten: Unteres Mitteldevon (Thonschiefer mit Styliola laevis). Unterdevon: a) Grauwacken und Sandsteine vom Typus der Michelbacher Schichten. b) Hercynisches Unterdevon. Obersilur (Cardiola-Schichten). Ueber diesen Schichten liegt Culm, welcher mit seinen Kiesel- schiefern bis auf das Silur übergreift. In dem von mir durch Schurfgräben am Steinhorn auf- geschlossenen Profile wurde die aus den devonischen Kalken des Kellerwaldes sattsam bekannte Schuppenstructur des Faltenbaues im Kellerwalde in mehrmaliger Wiederholung von Schuppen fest- gestellt. Schwierigkeiten bereitet u. A. noch der Umstand, dass der Schönauer (Goniatiten-) Kalk, welcher im oberen Schurfgraben des Steinhorns in einer Mächtigkeit von 5 Metern erschlossen ist, im unteren Schurfgraben fehlt. Es muss vorläufig unentschieden bleiben, ob hier Schichtenstörungen vorliegen, oder ob das Fehlen des Schönauer Kalks an der betreffenden Stelle auf stratigra- phische Ursachen zurückzuführen ist. Für erstere Deutung scheint der Umstand zu sprechen, dass meine Schurfgräben im Hangen- den der Kalke auf theils noch klaffende, theils mit schlechten Eisenerzen und mit Kalkspath ausgefüllte Spalten stiessen. a) Die unreinen hercynischen Knollenkalke des Steinhorns enthalten im unteren Schurfe eine nicht sehr indivi- duenreiche Fauna. Von besser erhaltenen Resten fand ich Rahyn- chonella princeps BARR., Spirifer Hercyniae GIEBEL, Streptorhyn- chus umbraculum SCHL., Strophomena rhomboidalis WAHL., Cy- phaspis hydrocephala A. RoEMm., Dalmanites, Phacops. 160 A. Denckmann, Silur und Unterdevon im Kellerwalde. Bemerkenswerth ist eine dünne Lage grob-krystallinischen Brachiopodenkalkes, welche in der obersten Lage des unreinen Knollenkalkes auftritt, und welche an ein ähnliches Vorkommen aus dem Hangenden des körnigen Kalkes am Schneckenberge bei Harzgerode im Unterharze erinnert. Das Dach des unreinen Kalkes bilden im untersten der beiden Schurfgräben des Stein- hornes wenig mächtige, kalkreiche Thonschiefer ohne charakte- ristische Fauna. Ä b) Der Schönauer Kalk bildet nach dem Liegenden zu Flaserplatten von körnigem Kalk, nach dem Hangenden zu solche von dichtem Kalk. Nach oben hin stellen sich in ihm Lagen von mergeligem Thonschiefer ein. Diese bilden den Uebergang zu den: c) Hangenden Thonschiefern des Schönauer Kalkes. Die betreffenden Schiefer treten in einer Mächtigkeit von wenigen Metern derb-plattig auf. Sie sind sehr kalkreich und führen nach unten hin flache Linsen eines unreinen Kalkes, der bräunlich-ockrig verwittert. Sie enthalten namentlich zahlreiche Trilobiten (Pha- cops, Dalmanites). Ein besonders merkwürdiger Fund ist der eines Ammonitiden mit internem Sipho. Schliesslich ist noch vom Steinhorn eines unreinen, merge- ligen Kalkes Erwähnung zu thun, dessen Schichtenköpfe von mir im unmittelbar Hangenden der obersilurischen Schichten im unteren Schurfe des Steinhornes angehauen wurden. Der Kalk lieferte u. A. zahlreiche Trilobiten (Dalmanites, Phacops, Proetus) und Pe- lecypoden (Aviculiden, Praecardium, Chaenocardiola), sowie ver- einzelte Brachiopoden, darunter einen Sperifer aus der Verwandt- schaft des Sp. Hercyniae. Man kann darüber streiten, ob der be- treffende, stark eisenschüssig und manganisch verwitterte Kalk als faciell abweichende Einlagerung in den Cephalopoden- und Grap- tolithen-Schichten des Obersilur, oder als tiefstes Hercyn über Sılur aufzufassen ist. — Herr M. Koch machte mich darauf auf- merksam, dass der fragliche Kalk gewisse charakteristische Fu- coiden-artige Einschlüsse mit den hercynischen Gesteinen des Klosterholzes bei Ilsenburg gemein hat. A. Denckmann, Silur und Unterdevon im Kellerwalde. 161 5. Hundshäuser Grauwacke. Ueber dem Dorfe Wieda ım Unterharze beobachtete ich mit M. Koch und L. BEUSHAUSEN gemeinsam auf der rechten Thal- seite im Zugange des dort betriebenen Kalksteinbruches eigenthüm- liche, sehr feldspathreiche, hellfarbige Grauwacken, die zu den durch reiche Fauna ausgezeichneten hercynischen Kalken des Steinbruches hinzuzugehören scheinen. Petrographisch ähnliche Grauwacken und Grauwackensandsteine habe ich im Kellerwalde nordöstlich und südwestlich des Dorfes Hundshausen, sowie im oberen Lindenborn bei Möscheid aufgefunden. Die betreffenden Gesteine zeigen eine gewisse Aehnlichkeit mit den oberdevo- nischen Aschkuppengesteinen, gehen aber in rauhe Gesteine von unterdevonischem Habitus über. In den Hohlwegen, welche nordöstlich des Dorfes Hundshausen liegen, fand ich Spuren von Fauna, die zu undeutlich sind, um über die sie einschliessen- den Sedimente Aufschluss zu geben, die aber weiter zu ver- folgen sind. Auch über die stratigraphische Stellung dieses Ge- steins sind die Untersuchungen keineswegs beendet. Ihrer geo- logischen Umgebung nach — sie werden von Culmkieselschiefer überlagert — könnten sie sowohl hohes Oberdevon (Auenberger Schichten), wie Hercyn oder Silur sein. II. Rheinisches Unterdevon. Michelbacher Schichten. Ursprünglich hatte ich von denjenigen Gesteinen, welche im Kellerwalde über den leicht kenntlichen glimmerreichen Grau- wackensandsteinen des Ortberges auftreten, solche Gesteine aus- geschieden, welche sich von den Obercoblenz-Fauna führenden Gesteinen des Kellerwaldes petrographisch gut unterscheiden lassen. Es zeigte sich indess, dass diese Gesteine, die ım ersten Ab- schnitt behandelten Rückling-Schiefer, stratigraphisch mit den Grauwackensandsteinen des Ortberges eng verknüpft sind. Ferner treten in ihnen glimmerreiche Grauwacken bezw. Grauwacken- sandsteine linsenförmig auf, welche an entsprechende Gesteine der echten Michelbacher Schichten erinnern. Da es nicht mög- lich gewesen war, ausser den kümmerlichen Resten von Ober- Jahrbuch 1896. 11 162 A. Denckmann, Silur und Unterdevon im Kellerwalde. coblenz-Fauna in der gesammten Gesteinsfolge irgend welche leitenden Versteinerungen nachzuweisen, so hielt ich es nicht für angezeigt, die an sich schon grosse Reihe von Localnamen für Sedimente incertae sedis im Kellerwalde ohne zwingenden Grund zu vermehren. Ich bin sicher, hierdurch den Dank der Gegner von Localnamen verdient zu haben. Der Erfolg zeigt aber, dass das Abweichen von dem Princip einer möglichst in’s Einzelne eingreifenden petrographischen Gliede- rung bei der Untersuchung von unbekannten Gesteinsfolgen sich schwer rächen kann. Ich fasste alle Sedimente, welche unter den Kieselgallen-Schiefern und über den Gesteinen des Ortberges im Kellerwalde auftreten, unter dem Namen »Michelbacher Schichten« zusammen. Mitte vorigen Sommers versetzten mich in Folge dessen die neuen Funde vor die Aufgabe, innerhalb der so begrenzten Michelbacher Schichten das Obercoblenz von dem hercynischen Unterdevon und von dem Silur zu trennen, nachdem das Auftreten von hercynischem Unterdevon im Kellerwalde schon im Sommer des Vorjahres von mir beobachtet war. Der Begriff »Michel- bacher Schichten« als Schichten vom Alter des ÖOber- coblenz erleidet somit keine Modification. Die im Erscheinen begriffene Uebersichtskarte des Keller- waldes im Maassstabe 1: 100000 wird die erheblichen Aende- rungen zu erkennen geben, welche die Auffindung von Silur im Hangenden des Wüstegarten-Quarzits in der Farbengebung der ältesten Schichten nach sich zieht. Gleichwohl darf ich wohl darauf hinweisen, dass an den wesentlichen Resultaten der Special- aufnahme, wie sie für den Kellerwald im Mai des Jahres 1896 vorlagen, nichts geändert wird. Eine neue Probe werden die wieder und wieder durch sämmtliche Aufschlüsse geprüften Auf- fassungen der ältesten Schichtenfolge des Kellerwaldes erst dann zu bestehen zu haben, wenn die zwischen dem Westerwalde und dem Ostrande des Rheinischen Schiefergebirges, bei Marburg, so- wie im Harze im Zuge des Bruchberges bis Ilsenburg hin auf- tretenden Quarzite vom Typus des Wüstegarten-Quarzits mit den sie begleitenden Gesteinen im Kartenbilde festgelegt und gegliedert worden sind, Die Drumlinlandschaft ın Norddeutschland. Von Herrn K. Keilhack in Berlin. (Hierzu Taf. VII.) Ueberaus gross ist die Uebereinstimmung zwischen den glaci- alen Ablagerungen und Landschaftsformen in der Alten und Neuen Welt. Um so auffälliger ist es, dass eine in Kanada und den Vereinigten Staaten weit verbreitete Form glacialer Aufschüttung ‘im continentalen Europa so lange der Beobachtung sich entziehen konnte. Ich meine die Drumlinlandschaft. Mit dem ırisch-kel- tischen Worte Drum, in der Diminutivform Drumlin, werden lang gestreckte, rückenartige Hügel bezeichnet. In die geologische Nomenclatur von englischen und nordamerikanischen Geologen schon im ersten Viertel unseres Jahrhunderts aufgenommen, wurde dieser Name für gesellig auftretende, mehr oder weniger elliptisch gestaltete, niedrige Hügel verwendet, die in ihrer Schaarung einen eigenthümlichen, als Drumlinlandschaft bezeichneten Typus bilden. Diese Landschaftsform ist auf Gebiete ehemaliger Vergletscherung, wie es scheint sogar auf die Flächen beschränkt, die von den Eismassen der letzten Eiszeit überzogen waren. Schon dadurch erweist sie auf das Deutlichste ihren glacialen Ursprung. Die Form der einzelnen Hügel ist eine elliptische und nur ausnahms- weise eine rundliche; die Böschungen sind sehr flache, lassen aber einen Unterschied wahrnehmen, indem sie parallel den Längsaxen etwas steiler sind, als rechtwinklig zu denselben. Häutig wird 1je 164 K. Keıvaack, Die Drumlinlandschaft in Norddeutschland. ein unsymmetrischer Bau beobachtet, indem die beiden parallelen Seiten verschiedene Höhe besitzen. Die Grösse der einzelnen Drums ist ausserordentlichen Schwankungen unterworfen; während die Länge zwischen 100 Metern und mehreren Kilometern beträgt, erreicht die Breite 10 — 100 pCt. der Länge; in letzterem Falle wird der Hügel also kreisförmig. Die Höhe der Drumlins ist im Verhältniss zu ihrer Flächenausdehnung eine unbedeutende und beträgt selten über 30 Meter, in den meisten Fällen aber nur 10—20. An ihrer oberflächlichen Zusammensetzung hat die Grund- moräne des Inlandeises den Hauptantheil; ob ein Kern von älteren, festen Gesteinen oder von älteren glacialen Bildungen als Regel oder als Ausnahme zu betrachten ist, dürfte sich bei der geringen Zahl tiefer Aufschlüsse noch nicht feststellen lassen. Beobachtet sind Drumlins, die in ihrer ganzen Masse aus Grundmoräne be- stehen und solche, die geschichtete fluvioglaciale Bildungen oder ältere feste Gesteine als Kern enthalten. Das Bemerkenswertheste ist die gesetzmässige Orientirung dieser Hügel. Wo, wie in Nord- amerika, Irland und Schottland, das ältere, feste Gebirge so flach liegt, dass an zahlreichen Stellen aus dem Verlaufe und der Richtung von Rundhöckern und Schrammen und Kritzen auf dem Anstehenden die Richtung festgestellt werden kann, in der das Inlandeis in dem betreffenden Gebiete sich bewegte, da zeigt es sich, dass diese Richtung mit der Lage der Hauptaxe der Drumlins zusainmenfällt. Infolgedessen besitzen die Längsaxen dieser Hügel innerhalb kleiner Flächen einen ausgesprochenen Parallelismus, der besonders beim Betrachten einer guten Karte sofort in die Augen springt. Wie oben bereits bemerkt, ıst die Drumlinlandschaft in Irland, Schottland und Nordamerika seit langen Zeiten bekannt und oft beschrieben; im continentalen Europa aber fällt ihre Entdeckung erst in unser Jahrzehnt. Als erster fand sie R. SIEGER in dem Gebiete des diluvialen Rheingletschers nördlich vom Bodensee, und beschrieb sie 18931). Im Herbste desselben Jahres fand ich in der Provinz Posen bei Gelegenheit der Untersuchung der Süd- posener Endmoräne ein kleines Gebiet mit auffallend parallelen I) Rıcuruoren-Festschrift. K. Keıwmack, Die Drumlinlandschaft in Norddeutschland. 165 Geschiebemergelhügeln, ohne damals zu ahnen, dass ıch eine Drumlinlandschaft vor mir hatte. Im darauf folgenden Frühjahr entdeckte ich bei Untersuchung der Eisenbahneinschnitte der Linie Stargard-Callies zwei ausgezeichnete Asar und kam bei deren Verfolgung in das Gebiet der hinterpommerschen Drumlin- landschaft. In einem bald darauf erschienenen Aufsatze im Jahr- buche der Königl. geologischen Landesanstalt für 18931) habe ich anhangsweise das Auftreten der Drumlinlandschaft kurz erwähnt und ihre Verbreitung in der beigegebenen Karte oberflächlich angedeutet. 1895 fand DE GEER Drumlins in Schweden?) und 1896 beschrieb sie FRÜH aus der Nordschweiz ?®) und Doss aus Livland®). Als im Jahre 1896 mir ein neues Arbeitsgebiet im vorderen Hinterpommern übertragen wurde, welches den grössten Theil der Drumlinlandschaft einschliesst, beschäftigten mich in erster Reihe die zum Theil ziemlich schwierigen Fragen, die an alte Stauseen und ausgedehnte Terrassen im ehemaligen Ausbreitungsgebiete des Grossen Haffes anknüpfen, und erst im Herbste des genannten Jahres kam ich dazu, einige Excursionen in das Grebiet der Drumlins auszuführen und ihre Lage, Grösse, Zahl, Verbreitung und gesetzmässige ÖOrientirung genauer festzustellen. Es erwies sich dabei als sehr werthvoll, dass die in den Jahren 1889 und 1890 ausgeführte topographische Aufnahme dieses Gebietes im Maassstabe 1:25000 die Darstellung des Terrains durch Höhen- linien von 11/4 zu 11/4 Meter in so vollendet schöner Weise giebt, dass es mir möglich war, nachdem ich mich mit dem topographischen Bilde der Drums vertraut gemacht hatte, ihre weitere Verbreitung und ihre Grössenverhältnisse ohne Weiteres aus der Karte zu erkennen. Auf diese Weise ist die beigegebene Uebersichtskarte durch Reduction der auf den Messtischblättern eingezeichneten einzelnen Drumlins entstanden. ) Das Profil der Eisenbahnen Arnswalde-Callies und Callies-Stargard. Dieses Jahrb. f. 1893, S. 190. ?) Geol. Fören i Stockholm Förhandlinger XVII, Heft 2, 1895. 3) Jahresbericht d. naturwiss. Ver. v. St. Gallen 1896. #) Zeitschr. der Deutsch. geol. Ges. 1896, 8.1. 166 K. Kritsack, Die Drumlinlandschaft in Norddeutschland. Dre Drumlinlandschaft ın Posen. Das mir bis jetzt in der Provinz Posen bekannt gewordene Gebiet der Drumlinlandschaft ist räumlich ausserordentlich be- schränkt und liegt innerhalb der Messtischblätter Weine, Luschwitz und Polnisch- Wilke. Dieselben liegen nordwestlich von Lissa, und die Drumlins finden sich hier am Nordrande der an das Obra- bruch angrenzenden Hochfläche. Ihre Zahl beträgt gegen 35, ihre Länge schwankt zwischen 5 Kilometern und 300 Metern, die Breite zwischen 1300 und 200, die Höhe zwischen 21/, und 25 Metern. Die grössten Längen, Breiten und Höhen und das Verhältniss der beiden ersten bei den Drums des Blattes Polnisch- Wilke ist folgendes: Verhältniss Baal Lange une der Breite zur Länge Ik 350 1350 18 1: 4 2. 400 1150 25 1208 d. 200 600. 7 1 4. 300 1500 5) 1.209 5 650 4200 13 I = 082 6. 590 5900 16 1.40 T. 300 1900 16 1,0 Re) 400 4000 11 12.10 2 990 1500 B) RE: 10. 400 1300 10 1.2428 IM 600 1650 25 EEE) 12. 400 1750 I Ile. 13. 600 900 9 , 14. 300 600 3 Lee 15. 1100 2200 25 12 6: 500 1850 8 1. 177% 500 1400 10 1:78 Die Mehrzahl der Drumlins dieses Gebietes hat einen Verlauf von N. nach S. mit einer östlichen Abweichung, die zwischen 6 und 600 schwankt und im Mittel 350 beträgt. Die Abweichung von der Nordsüdlinie ist am geringsten bei den Drums am West- K. Kertrack, Die Drumlinlandschaft in Norddeutschland. 167 rande des Blattes bei Kluczewo und nimmt von da aus nach O,, besonders aber nach NO. ganz bedeutend zu. Das Nähere über ihre gegenseitige Lage ist aus der beigedruckten Karte 1:100000 zu ersehen (Fig. 1). Ein einziger flacher Hügel zwischen Kluczewo 19.1. NN ; N Ei (7 III DER, D% ‚u had SLH6 eK älihe BRUT ÄRA A Nein URN SEHE] SAH EiRe LEER VRR INN un. IK 1 1% Rh lt. Mt. ah \ EN Na htlhı nn EHEN. JAFERBN 2 ES 50R. Maassstab 1: 100000. 168 K. Keıwmack, Die Drumlinlandschaft in Norddeutschland. und Sniaty stimmt in seinem Verlaufe nicht mit den übrigen Drums überein, da seine Längsaxe von WNW. nach OSO. verläuft. Durch dieses Drumlingebiet hindurch verläuft die Posensche Endmoräne!). Wie aus der am angeführten Orte gegebenen Karte zu ersehen ist, hat dieselbe hier eine ostwestliche Richtung mit einer Abweichung nach SO. um etwa 250 also N. 650 W. Hält man dies zusammen mit der mittleren Richtung der Drumlins, N. 350 O., so ist leicht einzusehen, dass dieselben mit ihrer Längsaxe fast genau rechtwinklich zur Endmoräne liegen, also auch hier höchst wahrscheinlich durch ihre Lage die Bewegungsrichtung des Eises verrathen. Ueber die Zusammensetzung der Posenschen Drumlins ist mir nicht viel bekannt. Was ich bei Gelegenheit eines Besuches der grossartigen Endmoränenaufschlüsse bei Bucz und Blotnik von Drums gesehen habe, bestand aus Geschiebemergel, der auch in dem schönen Endmoränenaufschluss westlich vom Gute Bucz die oberste Decke bildet. | Die Provinz Posen enthält sicherlich noch weitere Gebiete vom Iypus der Drumlinlandschaft, und ich kann schon jetzt aut zwei solche hinweisen, deren eines nördlich von Fraustadt, deren anderes östlich von Wollstein liegt. 2. Drumlins in Hinterpommern. Lage. Unvergleichlich viel ausgedehnter als in der Provinz Posen ist die Drumlinlandschaft im vorderen Hinterpommern ent- wickelt. In den Kreisen Naugard, Regenwalde, Saatzig, Pyritz und Greifenhagen beherrscht sie den Charakter der Hochflächen mit Ausschluss der südlichen resp. westlichsten Theile der ge- nannten Kreise, die bereits den Charakter der unregelmässig bewegten Moränenlandschaft tragen. Die natürlichen Grenzen der Drumlinlandschaft sind im W. das ÖOderthal und die weiten Sandebenen, die die Ostseite der Oder und das Grosse Haff von Stettin an in einer Breite von 12—20 Kilometern begleiten; im S. und SO. die die Endmoräne begleitende Moränenlandschaft; im N. I) Dieses Jahrb. für 1894, S. 235 ff. K. Keıtnack, Die Drumlinlandschäft in Norddeutschland. 169 das flache, von zahlreichen breiten Thälern durchzogene Gebiet der Küstenebene; nach O©. hin fehlt eine ausgesprochene natürliche Grenze, und die Drumlinlandschaft geht nach dieser Richtung durch allmählichen Verlust ihrer Regelmässigkeit in andere Land- schaftsformen über. Das gesammte von Drumlins erfüllte Gebiet hat eine Grösse von etwa 80 Quadratmeilen (4500 Quadrat-Kilo- meter); die genauere Lage ergiebt die Uebersichtskarte 1:1250000, Fig. 7, und die grosse, dieser Abhandlung beigegebene Karte 1:200000. In hydrographischer Beziehung gehört die Drumlin- landschaft im nördlichen Theile zum Flussgebiete der Rega, im südlichen zu dem der Ihna und in dem westlich der Stargard- Küstriner Bahn liegenden Gebiete entwässert sie direct zur Oder. Man kann in der Drumlinlandschaft einen inneren, der Ostsee bezw. dem Haff zugekehrten Theil und einen äusseren, der an die Moränenlandschaft angrenzt, unterscheiden. Prüft man das gegenseitige Verhalten beider in Bezug auf die Höhenlage der Drumlinlandschaft über dem Meeresspiegel, so ergiebt sich als erste Regel die, dass sie am Innenrande am niedrigsten liegt und nach der Moränenlandschaft hin ansteigt, und als zweite Regel, dass der Betrag dieses Anstieges im N. am höchsten, im S. am niedrigsten ist und nach W. hin wieder ein wenig zunimmt. So erhebt sich die die Drumlins tragende Hochfläche von Greifenberg bis Labes von 50 auf 100 Meter, von Naugard bis Freienwalde von 40 auf 90 Meter, von Gollnow bis Jakobshagen von 30 auf 70 Meter, von Stargard bis Arnswalde von 25 auf 50 Meter, von Stargard bis Pyritz von 25 auf 40 und endlich entlang der Oder von 30 auf 60 Meter. Die Drums sind also ausnahmslos auf schwach ansteigenden Flächen zur Ausbildung gelangt. Zahlund Vertheilung der Drumlins. Die Gesammtzahl der im vorderem Hinterpommern auftretenden Drumlins über- schreitet wahrscheinlich die Zahl 3000. Auf der grossen Karte 1:200000 sind ihrer ungefähr 2200 eingetragen, wobei zu bemerken ist, dass eine grosse Zahl kleiner, weniger hervortretender Drums nicht zur Darstellung gelangt ist. Ihre Vertheilung in dem Gesammtgebiete ergiebt sich aus der Karte; dieselbe lehrt, dass am inneren Rande die Drums vereinzelt einsetzen, dass in der 170 K. Keımmacr, Die Drumlinlandschaft in Norddeutschland. Mitte ihre Zahl sich vermehrt und sie sich so eng zusammen drängen, dass auf ein Blatt ihrer bis 170 (Bl. Daber) entfallen können, und dass nach aussen, in der Richtung auf die Endmoräne zu, wieder eine Vereinzelung, eine Auflösung in einzelne kleinere Gruppen, sich einstellt. Grössenverhältnisse. Bei der grossen Zahl der einzelnen Drums darf man von vornherein erwarten, eine sehr grosse Mannichfaltigkeit der Gestalt und Grössenverhältnisse anzutreffen, und in der That begegnen uns in diesen parallel geordneten Hügeln grosse und kleine, zierliche und plumpe, rundliche und lang gestreckte, hohe und niedrige, lange und kurze Formen. Es verdient aber bemerkt zu werden, dass innerhalb desselben Gebietes die einzelnen Typen sich gruppenweise anzuordnen und andere ihnen sehr unähnliche auszuschliessen pflegen. Den näheren Nachweis dafür erbringt die folgende Tabelle, in der die Grössen- verhältnisse sämmtlicher Drums einzelner solcher charakteristischer Gruppen zusammengestellt sind. Zu jeder Zahlenreihe gehört ein Kartenausschnitt, welcher zeigt, wie die Drumlins des betreffenden Typus in dem durch 5 Meter-Höhenlinien mit Hülfslinien von 1!/4 zu 11/4 Meter gegebenen Kartenbilde der Messtischblätter sich ausdrücken: 1. Plumpe gedrungene Drums von mittlerer Grösse (Fig. 2 Blatt Kollin, Nordrand). Breite Länge Breite : Länge vr 400 1000 1: 21, 2. 400 1000 1: 21), 8. 350 1000 1,8 4. 400 1100 1: 2 52:00 800 1:08, 6... ° 850 600 198 L. 400 850 10:2 8.5 100 950 (00, 9,8600 1000 112, Durchschnitt 1: 21/4 Dieser Typus findet sich auf den Blättern Kollin, Werben, Priemhausen, Speck, Naugard. aat inlandschaft in Norddeutschland, Die Druml K. Keıtnack, mittlerer Grösse (Fig. 3, Blatt schlanke Drums ud. z Ak] ' Lass: ur ‘ ig. 2 Ben N 7% Dr r | r ' F l 1 TI II IS s $ 7 EN # IE LS 2 SE 2 Er Nm i ‚e 2 = a en 5 5 3353 h En : i E Age SIIN ae E — nn Be > unsern, - = — ... Danı« Se rl 1 ng Bene ame LITT 7 a Ä 7 a} .— . Ei m SS Fig. \ HN EST Keıtnack, Die Drumlinlandschaft in Norddeutschland. 3% KR. 172 K. Keıtuack, Die Drumlinlandschaft in Norddeutschland. 173 Breite Länge Verhältniss ır 400 1150 12:43 2. 390 1650 1:20 3. 400 2100 I) 4, 400 . 1100 en 9. 300 2600 I, 6. 400 950 1: 21% 500 800 1: 22; 8.300 800 1.2702, 9. 400 950 1: 21), 10. 390 1350 1:4 11. 390 1100 er 1225772300 1200 1:4 13. 390 1100 17:23 Durchschnitt 1: 3%, Die meisten Drumlins auf den Blättern Farbezin, Gr. Sabow, Basenthin und Eichenwalde gehören diesem Typus an. 3. Sehr lange, schlanke Drums (Fig. 4, Blatt Kublank, Nordostecke). Breite Länge . Verhältniss 1. 900 2000 2-24 Di 450 4200 1 9 3. 325 1600 1 h) 4. 500 3200 1 6 5. 390 3700 1 : 101/, 6. 250 2200 l ) [> 250 | 1200 1 d 8. 300 2200 ers, WW or 300 1400 l: 42 10: 400 6400 12:18 IR. 550 1800 | 3 12: 900 1900 1 4 13. 400 3100 1 8 14. 300 2300 1 72/3 Durchschnitt 1 7 K. Keivaack, Die Drumlinlandschaft in Norddeutschland. 174 4 ig. F ------ IR. K. Kerwvack, Die Drumlinlandschaft in Norddeutschland. 175 Das mit 10 bezeichnete Drum dieser Reihe ist das längste überhaupt beobachtete und zeichnet sich durch seinen schnur- graden Verlauf aus. Nur wenn man die Drums 6, 11 und 13, wozu man berechtigt wäre, als ein Ganzes auffasst, erhält man ein Drum von etwas über 8 Kilometer Länge bei einer mittleren Breite von 550 Metern und einem Längenbreitenindex 14,5 = Dieser Typus findet sich nördlich von Massow und auf den Blättern Stargard und Kublank. 4. Kleine Drums von mässig gestreckter Form (Fig. 5, Blatt Daber, Westrand). Breite 1. 425 2. 250 3. 350 4. 200 9: Da) 6. 225 - 200 8. 250 2. 150 10. 150 ER 100 12. 450 13. 250 14. 250 Länge 650 990 700 325 650 650 350 750 350 325 400 750 750 700 Durchschnitt Verhältniss . 1!/o | ah —\ jaeh I — RN nd N ei ua) jeuunh [5 fm = .. .. .. 0) .. .. .. .. .. .. m (U) a ‚> I: 21, Verbreitet auf den Blättern Daber, Massow, hagen, Schöneberg, Marienfliess, Fiddichow u. a. Gr. Borcken- 5. Sehr schmale, lang gestreckte Drums von mässiger Grösse (Fig. 6, Blatt Schöneberg, Gegend von Beweringen) I Mare rn Fie. 5. : Pr Ze ISIS Re io SH A RK. Keıvnack, Die Drumlinlandschaft in Norddeutschland. 176 7 17 Keitoacr, Die Drumlinlandschaft in Norddeutschland K . 6 ig. F x EN N NAN Jahrbuch 1896. 178 K. Keitsacr, Die Drumlinlandschaft in Norddeutschland. Breite Länge Verhältniss nr 75 800 1:1] 2. 75 1100 1. 14 9. 275 2900 1.2 10%, 4. 200 1300 er all 9. 200 1700 1::..84o 6. 250 750 1.2.3 1, 200 800 08 8. 200 750 120 a 2 150 850 1.: 825 10. 150 1600 1: 309. 11: 200 1800 1.2.9 12. 150 950 1.2. ; 64a 13. 150 950 1: Bl 14. 125 2000 15.18 Durchschnitt 1: 8 In diesem in ausgezeichneter Weise auf Blatt Schönebeck entwickelten Typus sehen wir die schlanksten Drumlinformen vor uns. Diese 5 Typen nun sind durch allmähliche Uebergänge mit einander verbunden und in allen oben nicht genannten Gebieten finden sich zahlreiche solcher Uebergangsformen, die weder dem einen noch dem andern sich zuzählen lassen. Die Höhe der Drumlins. Die Höhe der Drumlins lässt sich nicht ın allen Fällen ohne Weiteres bestimmen; man muss sich vielmehr klar werden über die Methode, nach der man ver- fahren will und dieselbe in allen Fällen bei der Höhenbestimmung anwenden. Man kann nun entweder so verfahren, dass man die Höhe bestimmt aus der Differenz zwischen dem höchsten Punkte eines Drumlins und der tiefsten Stelle der ihn von seinen näch- sten Nachbarn trennenden Einsenkungen, oder aus dem Unterschiede der Höhen seines vorderen Randes und seiner bedeutendsten Erhebung. Ich halte die erste Methode für die richtigere und bin danach verfahren. Es ergiebt sich dabei, dass die Höhe weder von der Länge, noch von der Breite irgendwie abhängig ist, und dass die Höhenwerthe überhaupt sich nur innerhalb sehr enger K. Keivuack. Die Drumlinlandschaft in Norddeutschland. 179 Grenzen bewegen. Die ungeheure Mehrzahl aller beobachteten Drums besitzt Höhen zwischen 5 und 15 Metern. Vereinzelt sind die Fälle, in denen weniger als 5 Meter beobachtet wurden. Besonders im westlichsten Theile des Gebietes am Ostrande des Blattes Fiddichow kommen Drums von 25—30 Meter mehrfach vor. Symmetrie der Gestalt. Die weit überwiegende Zahl der Drumlins ist parallel der Längsaxe steiler abgeböscht, als an den schmalen Seiten, wie ein Blick auf die Höhenlinien jedes der fünf beigegebenen Ausschnitte aus den Messtischblättern lehrt. Dazu kommt eine in zweifacher Weise sich äussernde Asymmetrie der äusseren Form: in sehr vielen Fällen besitzen die beiden Längsseiten desselben Drum ganz verschiedene Höhe. Besonders deutlich wird diese Verschiedenheit der Form, wenn die eine Längsseite des Drums von einem See, Moor oder Thal begrenzt wird, während die andere auf der anstossenden Hochfläche liegt und von dem nächstfolgenden Drum durch eine viel flachere Einsenkung getrennt wird. Die zweite Art unsymmetrischen Baues kommt dadurch zu Stande, dass die eine Schmalseite des Hügels steiler abgeböscht ist, als die andere. Diese nach FrÜH in anderen Drumlingebieten sehr stark hervortretende Eigenthümlich- keit ist in Hinterpommern weniger charakteristisch. FRÜH unter- scheidet direct eine der Endmoräne abgewandte Stoss- und eine ihr zugewandte Leeseite der Hügel und führt aus, dass die erstere gewöhnlich steiler ansteigt, als die letztere. Ganz fehlt diese Er- scheinung auch in Pommern nicht: ich beobachtete sie an einigen Drums auf der Osthälfte von Blatt Daber bei Weitenhagen und Breitenfelde, an den langgestreckten Hügeln auf Blatt Gr. Schöne- beck (Fig. 6) und an zahlreichen einzelnen Hügeln anderer Blätter. Zusammensetzung. Der innere Bau der hinterpommer- schen Drums ist noch recht wenig bekannt, auch gehören grössere Aufschlüsse in ihnen zu den Seltenheiten. Ueber die Schichten, die sich an ihrem oberflächlichen Aufbau betheiligen, sind wir etwas besser unterrichtet, da 5—6 der von Drumlins bedeckten Messtischblätter bereits geologisch aufgenommen sind. Es sind das die Blätter Plathe und Schwessow im N., die der Verfasser und 12* 180 K. Keıwnack, Die Drumlinlandschaft in Norddeutschland. Dr. ScHmIDT, und die Blätter Fiddichow, Bahn und Woltin im SW., die Dr. G. MÜLLER bearbeitet hat. Auf Blatt Schwessow und Plathe entwickeln sich aus der Grundmoränenebene der Küstenzone die ersten Anfänge der Drum- linlandschaft und zwar sogleich in Form von Hügeln von sehr ansehnlicher Grösse und Höhe (Hellberg 28 Meter, Ihlenberg 20 Meter). Sie sind oberflächlich weit überwiegend mit oberem Greschiebemergel bekleidet und treten im geologischen Kartenbilde vielfach als Lehmkuppen und Rücken aus den z. Th. mit Sand überkleideten, die einzelnen Drums von einander trennendem Ein- senkungen heraus. Eine ganze Anzahl Hügel aber verrathen deutlich, dass sie nicht in ihrer ganzen Masse aus Grundmoräne zusammengesetzt sind, sondern einen anders beschaffenen Kern enthalten. Zum Theil konnte dieser Kern durch Handbohrungen unter dünner Geschiebelehmdecke festgestellt werden, z. Th. aber stösst er auch als sogenannte Durchragung durch die Lehmdecke hindurch und bildet dann gewöhnlich eine kleine, frei zu Tage liegende Fläche auf der flachen Kuppe des Drum. Dieser Kern nun besteht aus fluvioglacialen Bildungen, die zwar unter dem oberen Geschiebemergel liegen, von denen es aber keineswegs aus- gemacht ist, dass sie einer älteren Vergletscherung ihre Entstehung verdanken. Das Material dieser fluvioglacialen Bildungen ist von sehr verschiedener Korngrösse und schwankt zwischen groben Granden und äusserst feinkörnigen Schluff- oder Mergelsanden; fette Thone wurden nicht beobachtet. Bisweilen, so in der Durch- ragung des Schwessower Mühlberges, kommen alle diese ver- schiedenartigen Bildungen neben einander vor, gewöhnlich aber ist dieser Kern einheitlicher Natur. Bei Trieglaff, sowie zwischen Trutzlatz und Kardemin spielen Mergelsande eine hervorragende Rolle als Kern von Durchragungen, während bei Rensin und Kukahn gewöhnliche Spathsande das Innere der Drums einnehmen. Bei denjenigen des Blattes Plathe wird die Oberfläche fast ganz aus oberem Mergel gebildet und nur dünne, kaum 1 Meter mächtige Schichten von Sand bilden auf ihm noch eine schwache, oberfläch- liche Decke; ältere Kerne wurden kaum beobachtet. K. KeituAck, Die Drumlinlandschaft in Norddeutschland. 181 Auf den Blättern Kölpin, Plathe, Schwessow und Gülzow finden sich eine Anzahl bedeutender Berge, die ganz und gar aus Mergelsand oder wenigstens aus äusserst feinkörnigen Spathsanden zusammengesetzt sind und in ihrer äusseren Form eine gewisse Aehnlichkeit mit den Drums besitzen; ich möchte sie diesen aber nicht zurechnen, weil diese Berge zusammen auf einer bogen- förmigen Linie angeordnet sind, die rechtwinklig zur voraus- gesetzten Bewegung des Eises in diesen Gebieten steht. Dadurch nehmen diese Mergelsandberge aber den Charakter der als Stau- moränen aufgefassten Durchragungszüge der Uckermark an. Im nordwestlichen Theile ihres Verbreitungsgebietes grenzt die Drumlinlandschaft an die weiten Thalsandflächen an, die das Grosse Haff umsäumen. Die Geschiebemergelplatte und mit ihr die Drums tauchen unter die mächtigen Thalsande unter und treten nur noch in Form flacher Rücken oder völlig eingeebneter elliptischer Flächen darunter hervor. Auch in diesem Falle er- weisen sich die Drums als Grundmoränengebilde, die z. Th. einen Kern von Sand besitzen. Auf den von Herrn Dr. MÜLLER bearbeiteten Blättern Fid- dichow, Woltin und Bahn liegen die Verhältnisse ganz ähnlich. Die Drums im östlichen Theile des Blattes Fiddichow sind fast ausnahmslos von Oberem Geschiebemergel gebildet, der nur hier eine zusammenhängende Decke bilde. Nur wenige der Parallel- hügel bestehen aus Sand, der keine, oder wenigstens nur eine ganz dünne Lehmdecke mehr trägt. Auf Blatt Bahn liegen am Nord- rande eine Anzahl von Drums ım Oberen Sande, aber die im übrigen Theile des Blattes zur Beobachtung gelangten tragen wieder eine volle Geschiebemergeldecke; und auf dem Blatte Woltin besteht der grössere Theil ebenfalls oberflächlich aus Ge- schiebemergel, während eine ziemlich grosse Zahl anderer Drums den Unteren Sand entweder frei zu Tage treten lässt, oder ıhn als Kern unter einer dünnen Lehmdecke verbirgt. Lagerungsverhältnisse. In welcher Weise die den Kern vieler Drumlins offenbar bildenden geschichteten Bildungen mit einander verknüpft sind und ob ihre Lagerungsverhältnisse ein- facher oder verwickelter Natur sind — das sind Fragen, die sich 182 K. Keıtuack, Die Drumlinlandschaft in Norddeutschland. erst dann werden entscheiden lassen, wenn ein grösseres Gebiet geologisch aufgenommen sein wird. In einem grossen Aufschlusse im Schwessower Mühlenberge, den ich als zu Tage tretenden Kern eines Drum ansehen möchte, sind Geschiebemergel, Mergelsand, Sand und Grand in jener auf- fälligen Weise mit einander verknüpft, gefaltet und aufgerichtet, die man so vielfach in Durchragungen beobachtet. Der Untere Grand nimmt mit senkrechter Schichtenstellung auf mehr als 100 Meter Länge die Axe des Rückens ein, an die sich die übrigen Schichten mit allmählich sich verflachendem Einfallen anlegen. Südlich von Massow beobachtete ich in einem quer- durchschnittenen Drum eine sattelförmige Lagerung grandiger Sande unter 2 Meter mächtiger Geschiebelehmdecke. In einigen Jahren werden wir wohl vom inneren Baue der Drumlins mehr wissen. Örientirung der Drumlins. Es war bereits oben bemerkt worden, dass ein hoher Grad von Parallelismus in der Anord- nung der Längsaxen der Drumlins innerhalb grösserer Gebiete zu den charakteristischen Eigenthümlichkeiten dieser Hügel gehört. Diese Erscheinung ist auch, wie ein Blick auf die beigegebene Karte lehrt, unserem Gebiete in hohem Maasse eigen. Im ganzen inneren Theile der Drumlinlandschaft sehen wir ein Vorwalten der nordsüdlichen Richtung und erst nach dem Aussenrande zu nehmen wir wahr, wie die einzelnen Drumlingruppen mehr oder weniger diese Richtung verlassen und nach SO., OSO., in der Nähe der Oder auch nach SW. umschwenken. Natürlich sind nicht alle Drumlins einer und derselben Fläche in annäherndem Parallelismus angeordnet, vielmehr finden sich überall Ausnahmen und Abweichungen, und es kommen selbst solche vor, deren Axe rechtwinklig zur vorherrschenden Richtung steht. Niemals aber kann man in Zweifel gerathen, welches die herrschende Richtung einer Gruppe sei, so überwiegend ist die Zahl der gleichsinnig verlaufenden Hügelaxen. Auch davon kann man sich durch ge- nauere Betrachtung der Karte leicht überzeugen. Ich habe be- reits in der Einleitung darauf hingewiesen, dass in allen Gebieten, in denen Rundhöcker und eisgeschliffene, mit Schrammen bedeckte K. Keituack, Die Drumlinlandschaft in Norddeutschland. 183 Flächen anstehenden Gesteins innerhalb der Drumlinlandschaft auftreten, eine vollständige Uebereinstimmung in der Richtung der Gletscherschliffe und der Drumlinaxen festgestellt werden konnte. Die Anordnung der Drumlins spiegelt also, und das scheint mir in wissenschaftlicher Beziehung ihre wichtigste und werthvollste Eigenschaft sein, für ausgedehnte Gebiete die Be- wegung der Inlandeismassen wieder, und wir vermögen mit ihrer Hülfe mit viel grösserer Sicherheit und über viel weitere Flächen- räume hin uns die Bewegung und den Verlauf des nordischen In- landeises wieder vor Augen zu führen, als dies mıt Hülfe der geschrammten anstehenden Felsflächen möglich war. Diese näm- lich verrathen uns die Richtung, in der das Eis sich bewegte, nur für sehr kleine Flächen und sind offenbar recht unzuverlässige Wegweiser; ist es doch von vornherein wahrscheinlich, dass das Eis an solchen isolirten Kuppen älteren festen Gresteins einen Widerstand fand, der es zu Ablenkungen, zum Abweichen von seiner Richtung in höherem oder niederem Grade zwang, so dass die Richtung der Schrammen nur in sehr bedingter Weise zu Schlüssen auf die Bewegungsrichtung des Eises Verwendung finden darf. Ich habe nun versucht, die Bewegung des Eises im Gebiete der hinterpommerschen Drumlinlandschaft auf einem Uebersichts- kärtchen (Fig. 7) auszudrücken, in welchem durch Pfeile die in den einzelnen Gebieten herrschende Drumlinaxenrichtung ausge- drückt ist. Um möglichst objectiv zu sein, verfuhr ich in der Weise, dass ich in ein. Quadratnetz ohne Namen die durch die Drumlinaxen gegebenen Richtungen in ganz willkürlicher Reihen- folge der einzelnen Blätter eintrug und erst nach vollständiger Beendigung dieser Arbeit die neumärkisch-hinterpommersche End- moräne hinzufügte. So entstand das harmonische Bild von der Eisbewegung, welches Fig. 7 uns zeigt. Es lehrt uns, dass von dem grossen, nordsüdlich fliessenden »Oderarme« des Inlandeises die randlichen Theile abschwenkten und mehr oder weniger senk- recht auf die Endmoräne zu verliefen. Besser als Worte es zu sagen vermögen, zeigt eine Betrachtung der Fig. 7 die Einzel- heiten dieser Bewegung. 184 K. Kzıunack, Die Drumlinlandschaft in Norddeutschland. Pig. 7. >, CITTITIELE. [7 LI TRATTIT N h } N Rt a NN N IS DN u Endmoranen. Hloränentandschaft, bewequngsrichtung östlich derOder: des Jnlarndeises. 1:1250000. Äsar. Aus der Drumlinlandschaft heraus entwickeln sich in der Gegend östlich von Stargard zwei Äsar von ausgezeichneter. Ausbildung. Ich habe bereits in dem S. 165 citirten Aufsatze kurz auf ihr Vorhandensein hingewiesen, auch ihre Lage auf der da- K. Keıunack, Die Drumlinlandschaft in Norddeutschland. 185 mals gegebenen Uebersichtskarte eingetragen. Inzwischen habe ich beide Äsar einer eingehenderen Untersuchung unterzogen und bin in der Lage, auf der grossen Drumlinkarte eine genauere Dar- stellung ihres Verlaufes zu geben. Das nördlichere beginnt im nördlichen Theile von Kolonie Marienfliess und wendet sich von dort in südöstlicher Richtung auf Kempendorf. Von hier läuft es, immer in derselben Richtung, auf den Saatziger See zu, den es westlich von Jakobshagen erreicht, setzt südlich dieses Ortes wieder ein und biegt am Nordende von Stolzenhagen in die Ost- West-Richtung um. Im südlichsten Theile der Königl. Forst Jakobshagen erreicht es die Moränenlandschaft und verschwindet. Dies ist das Jakobshagener Äs. Dasjenige von Goldbeck beginnt 1 Kilometer westlich von Trampke, verläuft in flachem, nach SW. convexen Bogen bis 2 Kilometer südlich Büche, macht dann einen Knick nach S. bis an die gestohlene Ihna und verläuft nun in ostsüdöstlicher Richtung ungefähr parallel der Eisenbahn Wulkow- Callies auf den Zirke-See zu. Hier biegt es nach NO. um und endet bei Jakobsdorf. Beide Äsar setzen sich aus einer Anzahl von Theilstücken zu- sammen, beide bestehen theils aus schmalen, wallartigen Kämmen (Feuerberge bei Stolzenhagen) tneils aus massigeren Hügeln, beide grenzen auf langen Strecken auf einer oder zwei Längsseiten an alluviale Rinnen an, kurz, beide zeigen, was das Aeussere ihrer Er- scheinung betrifft, grosse Uebereinstimmung. Sehr verschieden aber ist ihre Zusammensetzung. Das 20 Kilometer lange Jakobshagener Äs zeigte an 12 Aufschlüssen, die ich an den verschiedensten Stellen gesehen habe, dass es ausschliesslich aus groben Bildungen, aus steinreichen Granden und grobgrandigen Sanden zusammengesetzt ist. Das 24 Kilometer lange Goldbecker Äs dagegen, dessen inneren Bau ich an 8 Stellen zu sehen Gelegenheit hatte, zeigte sich ganz und gar aus Sanden aufgebaut, denen nur hier und da Schmitzen grandigen Sandes beigesellt sind. Der innere Bau beider Äsar ist an so zahlreichen Stellen aufgeschlossen, dass die darüber gemachten Beobachtungen allgemeine Gültigkeit beanspruchen können. Dieselben ergaben zwei Momente von Bedeutung: 1) nir- gends konnte, wie das bei den sogenannten Durchragungen etwas 186 K. Keıtnack, Die Drumlinlandschaft in Norddeutschland. ganz gewöhnliches ist, eine Einpressung, Einlagerung oder Auf- lagerung von Grundmoräne oder den Verwitterungs- oder Rück- standsbildungen derselben (grossen Blöcken) beobachtet werden; 2) nirgends konnte die in den Durchragungen so gewöhnliche Zusammenstauchung, Faltung, Aufpressung, Zerreissung der Schichten, kurz, die durchaus gestörte Lagerung erkannt werden. Es ergab sich vielmehr, dass beide Äsar eine horizontale Schich- tung besitzen, die selbst dann noch sehr schön zum Ausdrucke gelangt, wenn die Schichten die sogenannte discordante Parallel- structur besitzen. In diesem Falle besitzen nämlich die einzelnen, in sich gleichsinnig geschichteten, linsenförmigen Körper eine horizontale Lage ihrer beiden Hauptaxen (sehr schön zu beob- achten in der gewaltigen Kiesgrube am Fusse des Saatziger Berges am Ufer des Saatziger Sees bei Jakobshagen). In der grossen Kiesgrube in der Nähe des Linsenbaches nördlich von Büche war bei schön paralleler Anordnung der einzelnen Kies- bänke ein flaches Einfallen der Schichten nach N. wahrzunehmen. Beide Züge von »Wallbergen« erweisen sich durch diesen ihren Bau als typische Äsar und sie haben auch das mit ihnen gemeinsam, dass sie in der Richtung der Eisbewegung verlaufen. Beide stimmen in ihrer Richtung mit derjenigen der wenigen, hier noch vorkommenden Drumlins überein und laufen direct auf die Endmoräne resp. die Moränenlandschaft zu, an deren innerem Rande sie verschwinden. Sie können uns ebenfalls als werthvolles Hilfs- mittel für die Kenntniss der ehemaligen Eisbewegungen dienen. Zu einem dritten grossen Äs von 22 Kilometern Länge scheinen sich eine Reihe von Wallbergen zusammenzuschliessen, die auf den Blättern Kublank und Kollin liegen. Sie treten durch die Höhen- linien so deutlich aus der Karte heraus, dass ich, auch ohne sie gesehen zu haben, mit grosser Sicherheit die Vermuthung, dass ein echter Äszug vorliegt, aussprechen kann. Die einzelnen Stücke folgen in ihrer Orientirung so auffällig den Drumlinaxen, dass auch sie in der Richtung der Eisbewegung angeordnet sein werden. Lage und Länge der einzelnen Stücke dieses Äs sind aus der beigegebenen Karte zu ersehen. Weitere Verbreitung von Drumlins im Odergebiete. K. Keıtnack, Die Drumlinlandschaft in Norddeutschland. 187 Die grosse Gleichförmigkeit des geologischen Baues der Gebiete beiderseits der Unteren Oder musste naturgemäss zu der Frage führen, ob nicht ım Hinterlande des uckermärkisch - mecklen- burgischen Bogens der Endmoräne gleichfalls Drumlinlandschaft anzutreffen sei. Eine daraufhin vorgenommene Prüfung der in Frage kommenden, ebenfalls erst vor wenigen Jahren vorzüglich aufgenommenen Messtischblätter hat es mir in hohem Grade wahr- scheinlich gemacht, dass auch auf den Blättern Brüssow, Fürsten- werder, Dedelow, Wallmow, Hohenholz, Polssen, Passow, Greifen- berg, Angermünde und Schwedt kleinere Flächen vom Charakter der Drumlinlandschaft auftreten. Da alle diese Blätter bereits geologisch aufgenommen sind, so muss ich es den betreffenden Herren überlassen, zu meiner Vermuthung Stellung zu nehmen. Ich habe mich darauf beschränkt, die aus den vermutheten Drums sich ergebenden Bewegungsrichtungen in das Uebersichtskärtchen Fig. 7 einzutragen. Weiter nach N. zurück glaube ich auf Blatt Lossau (z. Th. zur Insel Usedom gehörig) ebenfalls eine Anzahl Drumlins er- kannt zu haben. Zu der ÜREDNER-GEIKIE’schen Streitfrage 1), ob die Hügel der Stubnitz auf Rügen Kreidehorste oder Drumlins sind, möchte ich ohne genaue örtliche Untersuchung nicht Stellung nehmen. Die durch Grundmoränen- Ablagerung entstandenen Land- schaftsformen lassen sich in Norddeutschland nunmehr auf drei Typen zurückführen: 1. Ausgedehnte Ebenen, entweder ganz horizontal und unge- gliedert oder eine schwach -wellenförmige Bewegung der Ober- fläche zeigend; hierher gehört der grösste Theil des baltischen Küstengebietes (in Hinterpommern der von mir als »Küstenzone« bezeichnete Strich), ein ungeheuer ausgedehntes Gebiet in der Pro- vinz Posen, viele Theile der Mark, die südlichen Randgebiete des Diluviums vom Typus der Leipziger Ebene u. v. a. 2. Die oben eingehend beschriebene Drumlinlandschaft. I) Crepser, R. Insel Rügen, in Kirchhoff, Forschungen VII, 1893 und in Herrxer, geogr. Zeitschr. I, 1895, S. 549. — Geixıe, J. The Great Ice Age, d. Aufl., S. 428 ff. 188 K. Keınaack, Die Drumlinlandschaft in Norddeutschland. 3. Die stark hügelige, unregelmässig bewegte, an geschlosse- nen Depressionen reiche »Moränenlandschaft« im engeren Sinne. Alle drei Typen, die durch Uebergänge mit einander ver- bunden sind, gehören nach ihrer Entstehung unter den gemein- samen Begriff »Grundmoränenlandschaft«. Die Bezeichnung »Mo- ränenlandschaft« für den Typus 3 hat sich so eingebürgert, dass sie bestehen bleiben muss. Für den Typus 1 möchte ich die Be- zeichnung »Grundmoränenebene« vorschlagen. Der Name Drum- linlandschaft ist in der deutschen geologischen Litteratur schon viel benutzt worden; trotzdem empfiehlt sich vielleicht sein Ersatz durch ein deutsches Wort, welches an die Eigenthümlichkeit der Form anknüpft. Bis etwas Besseres geboten wird, schlage ich den Namen »Rückenlandschaft« vor. Das Profil der Eisenbahn Sechivelbein-Polzin. Von Herrn K. Keilhack in Berlin. Die Eisenbahn Schivelbein-Polzin, deren frische Einschnitte ich ım Auftrage der kgl. geologischen Landesanstalt Ende Oc- tober 1896 untersuchte, verläuft in der Richtung von W. nach O. durch die hinterpommersche Küstenzone unter spitzem Winkel auf die Moränenlandschaft zu, deren Nordrand sie von Ziezeneff an begleitet. Bei Gr. Dewsberg tritt sie in die Moränenlandschaft selbst ein. Sie beginnt bei etwa 90 Meter Meereshöhe am Bahu- hofe Schivelbein, schneidet die grosse, nach S. geöffnete Schleife des Regathales zwischen Schivelbein und Alt-Schlage ab, wobei sie sich bis 118 Meter erhebt, überschreitet das Regathal in 100 Meter Höhe, folgt dann einem alten Trockenthale, wobei sie bis 135 Meter steigt, fällt dann in dem gleichen Thale bis Gr. Dewsberg auf 125 Meter, tritt in die Moränenlandschaft ein und senkt sich in dieser bis Bahnhof Polzin auf 85 Meter. Nördlich vom Bahnhof Schivelbein verlässt die Bahn das Regathal und hebt sich auf die ganz und gar von Oberem Ge- schiebemergel überkleidete Hochfläche. Die beiden Einschnitte westlich vom Bahnhofe Simmatzig waren bei meinem Besuche bereits wieder abgedeckt und erst östlich vom letztgenannten Bahn- hofe, zwischen den Wegen Simmatzig-Klützkow und Alt-Schlage- Klützkow konnte in einem von Station 75—82 sich erstreckenden, also 700 Meter langen, 7 Meter tiefen Einschnitte die Lagerung 190 K. Keiwnack, Das Profil der Eisenbahn Schivelbein-Polzin. der Schichten beobachtet werden. Die westlichen 350 Meter zeigen nur Oberen Geschiebemergel, der auf etwa 2 Meter Tiefe entkalkt ist. Dann hebt sich der Untere Sand mit einer der Ober- fläche parallelen oberen Grenze über die Sohle des Einschnittes und tritt schliesslich am östlichen Ende des Einschnittes, wo das Gelände sich zum Regathale hin abdacht, im Abschnittsprofile zu Tage. Der Untere Sand ist verworren geschichtet und enthält zahlreiche dünne Grandbänkchen eingelagert. Nach dem Verlassen dieses Einschnittes befindet sich die Bahn auf dem höheren diluvialen Thalboden des Regathales, der sich etwa 10 Meter über die torferfüllten Niederungen erhebt, in denen der Fluss heute fliesst. Zwei Einschnitte (Station 86 und 89—91) gewährten einen Einblick in das Material, mit welchem dieser höhere Thalboden aufgeschüttet ist. Im ersten Einschnitt zeigt sich Thalgrand mit bis faustgrossen Steinen, im zweiten (Fig. 1) eine horizontal geschichtete Thalgrandmasse mit einer Einlagerung von grandfreiem Thalsande in einer Mächtigkeit von etwa 1] Meter. Nach dem Ueberschreiten des Regathales hat die Bahn einen schmalen Riegel zu durchqueren, um in ein bis Polzin sich hin- ziehendes schmales, diluviales Trockenthal zu gelangen. Dieser Riegel wird nordwestlich von Ziezeneff von der Bahn mit dem in Fig. 2 dargestellten Einschnitte durchbrochen. Bis Station 103 zeigt derselbe nur Oberen Geschiebelehm, gleich darauf aber, während zugleich seine Tiefe von 3 auf 7%/; Meter zunimmt, hebt sich parallel der Oberfläche horizontal geschichteter Sand heraus; die östlichen 75 Meter des Einschnittes zeigen eine innig durch- knetete Mengung von Unterem Sande und Oberem Lehme. Das Trockenthal selbst, ın welches die Bahn beı der Halte- stelle Ziezeneff eintritt, verläuft in annähernd ostwestlicher Richtung zwischen Polzin und der Rega am Nordrande der Moränenland- schaft. Es hat eine durchschnittliche Breite von 1000 Metern und scheint zum grossen Theil mit groben, steinreichen Granden erfüllt zu sein. In nächster Nähe der Haltestelle Ziezeneff sah ich, wie beim Graben sehr grosse Mengen von Geschieben von Kopfgrösse und darüber zu Tage gefördert wurden, und einen sehr schönen Be Zu S. 190. LEGE, mn SH REIT SIuX ER LTERERE FT } ro IIIIÜUIIIEF DH 20 200 30 NM RA N EEE Bel Pre? 1] OD Oberer dm mit ds Unterer Steiniger Grand Grosse Blöcke Anhäufung Steiniger Unterer Sand Unterer Unterer Unterer Geschiebemergel verknetet und Thal-Grand kleiner Steine grandiger Sand Mergelsand Thonmergel Geschiebemergel 1—4 und 5—8: Längen 1:2000 Höhen 1:1000. — 3: Höhe und Länge 1: 500. K. Keıtuaor, Das Profil der Eisenbahn Schivelbein-Polzin. 191 Einblick in die Zusammensetzung der Thalbildungen gewann ich in einer grossen Kiesgrube im »Langen Grunde« nördlich von Hohenwardin, wo der für die Schwellenbettung erforderliche Kies gewonnen wird. Die bis 6 Meter tiefe Grube, in welcher an ver- schiedenen Stellen kleine Bohrungen ausgeführt sind, ergab das in Fig. 3 dargestellte Profil, welches rechtwinklig zum Thalrande liegt. Auf einer vom Thalrande nach der Mitte zu sich senken- den Unterlage von Unterem Geschiebemergel liegt eine an der nördlichsten Stelle der Grube bis zu 8,5 Meter Mächtigkeit steigende Folge von groben Bildungen in dieser Reihenfolge: Zu oberst liegt 1 Meter Grand mit zahlreichen kleinen und einer ansehnlichen Menge grosser Geschiebe; darunter folgt von 1—1,5 Meter eine Lage, die durch ihren ausserordentlichen Reich- thum an kleinen bis kopfgrossen Geröllen und Geschieben aus- gezeichnet ist. Von 1,5—3 Meter folgt Grand mit wenig Ge- schieben und darunter ein Horizont mit ausserordentlich zahlreichen grossen und sehr grossen Geschieben; darunter kommen dann bis zum Unteren Geschiebemergel steinfreie, im Korn ziemlich gleichmässige Grande. Man geht wohl nicht fehl mit der An- nahme, dass diese im Thalsande liegenden, massenhaft auftretenden grossen Blöcke nicht als Flussgerölle hierher gebracht sind, son- dern dass sie die an Ort und Stelle liegen gebliebenen gröbsten Gremengtheile ehemals hier lagernder Unterer und Oberer Ge- schiebemergel bildeten. Ich habe mehrfach in kleinen Thälern Hinterpommerns diesen Reichthum des Thaldiluviums an z. Th. sehr grossen Geschieben beobachtet und kann als Beispiel die grossen Kiesgruben im Regathale an der Bahn südlich von Schivel- bein, das Molstowthal nordöstlich von Greifenberg ı. P., das Persantethal zwischen Gramenz und Persanzig, das Zirchower Trockenthal südwestlich von Schlawe und das sogenannte Flachs- land, ein diluviales Ostwestthal südöstlich von Belgard anführen. Die Ränder aller dieser Thäler zeigen Abschnittsprofile mit dem Oberen Geschiebemergel, und man geht wohl nicht fehl in der Annahme, dass die in ihnen aufgespeicherten Geschiebemengen den auf eine Ebene gewissermaassen projicirten Greschiebeinhalt des an der Stelle des Thales gänzlich ausgewaschenen und zer- 192 K. Keıtnack, Das Profil der Eisenbahn Schivelbein-Polzin. störten Geschiebemergels darstellen. Es wäre grundfalsch, derart entstandene Greschiebeanhäufungen als Endmoränen-artige Bildungen aufzufassen. | Wir kehren zu unserer Bahnlinie zurück. Dieselbe schneidet zwischen Ziezeneff und Redel den südlichen Thalrand des Trocken- thales mit zwei kurzen Einschnitten an, die die unter dem Oberen Geschiebemergel liegenden geschichteten Bildungen entblösst haben. Der erste dieser Einschnitte, zwischen Station 122 und 124, zeigt einen sehr lehmigen Grand mit grossen und kleinen Blöcken, der zweite (Station 128—132) die in Fig. 4 dargestellte Schichtenfolge. Die westliche Hälfte des Einschnittes wird von horizontal ge- schichtetem Grande gebildet, der nach unten hin sandstreifig wird; nach Orten hin steigt diese grandige Schichtenfolge schwach an, bei Station 131 schneidet ihre Basis die Oberfläche und es er- scheint darunter horizontal-geschichteter Sand, der eine dünne Kappe von Geschiebelehm trägt. Die nächsten 7 Kilometer folgt die Bahn ohne Einschnitt dem mehrerwähnten Trockenthale, bis sie bei Gr. Dewsberg in die Moränenlandschaft eintritt. Die bekannte, unregelmässig-kurz- wellige Oberfläche derselben zwingt auf der nur 3,6 Kilometer langen Strecke von Gr. Dewsberg bis Bahnhof Polzin zu 5 ziemlich bedeutenden Einschnitten. Der erste derselben (Station 207—212) ist in Fig. 5 abgebildet. Er zeigt uns den bis 7 Meter mächtigen Oberen Geschiebemergel von Unterem Thone und Mergelsande unterlagert, der im östlichen Theile des Einschnittes durch aus- keilende Wechsellagerung in Sand übergeht und in Form einer Durchragung an die Oberfläche tritt. Der Einschnitt war leider zum grossen Theile bereits abgedeckt, so dass die Beobachtungen sich auf die in einer Anzahl von Kegenwasserrinnen eben wieder entblössten Schichten beschränken mussten. Der Einschnitt zwischen Station 220 und 224 (Fig. 6) war - besser aufgeschlossen. Unter einer bis zu 8 Meter mächtigen, im unteren Theile eine gewisse Schichtung zeigenden Masse Oberen Geschiebemergels lagern Untere Sande, die nach Osten hin in Mergelsande und sandige Thone übergehen. Bei Station 223 liegt eine prächtige Schichtenstörung: der Sand ist aufgerollt zu einer K. Keıtnaor, Das Profil der Eisenbahn Schivelbein-Polzin. 193 liegenden Falte, die nach Osten geöffnet ist; weiter unterhalb besitzt der Sand eine verworrene Schichtung; der Uebergang vom Sande zu den thonigen Bildungen war nicht gut aufgeschlossen. Es war mir keinen Augenblick zweifelhaft, dass hier eine sehr schöne glaciale Störung des Untergrundes vorlag und ebenso wenig war daran zu zweifeln, dass der Eisstoss, der diese Zu- sammenfaltung bewirkte, von Nordwesten her kam. Der kleine Einschnitt an der Chaussee (Station 226—228) zeigte Oberen Geschiebelehm, bis zu 3 Meter mächtig, im untersten Meter grau gefärbt, unterlagert von Unterem Sande. Der lange, aber nirgends über 4,5 Meter tiefe Einschnitt zwischen Station 231 und 236 (Fig. 7) besteht in der Hauptsache aus geschichteten oberdiluvialen Bildungen. Nur bei Station 233 hebt sich in einer Länge von etwa 70 Meter ein blauer Geschiebe- mergel bis nahe an die Oberfläche, dessen Alter sich nicht fest- stellen liess. Der ganze übrige Einschnitt besteht aus grandigen und sandigen Bildungen. Im Osten überwiegen steinige Grande, im unteren Theile mit Sandstreifen, dann folgen nach Westen hin grandstreifige Sande und schliesslich Geschiebesande, deren gran- dige und Steinbeimengungen je weiter nach Westen um so seltener werden. Diese ganze Ablagerung ist möglicherweise ein der Erosion entgangenes Stück eines alten, hoch über den heutigen Grewässern gelegenen Thalbodens. — Auf der Grenze gegen den Geschiebemergel sind reichliche Wassermengen im Grande vor- handen. Der letzte Einschnitt schliesslich, an der Stelle des Bahnhofes Polzin (Fig. 8), zeigt einen quer durchschnittenen Hügel mit einem Kerne von feinkönigem Unteren Sande unter einem Mantel von Öberem Geschiebemergel. Der Kern erreicht die Oberfläche nicht. Jahrbuch 1896. 113% Beobachtungen | | über die Bewegungsgeschwindigkeit zweier Wanderdünen zwischen Rügenwalde und Stolpmünde. Von Herrn K. Keilhack in Berlin. Wie über die Wanderdünen der Ostseeküste überhaupt, so lagen auch über diejenigen des von mir bearbeiteten Gebietes westlich von Stolpmünde im hinteren Hinterpommern keine directen Beobachtungen bezüglich der Geschwindigkeit vor, mit der sie sich vorwärts bewegen. Nur auf indirectem Wege waren bisher für einzelne Dünen östlich vom Neuen Strande Mindestwerthe für die Vorwärtsbewegung gewonnen und zwar einmal aus der Vege- tation in den Wanderbahnen und sodann durch Vergleich der heutigen Verhältnisse mit den auf den Generalstabskarten der vier- ziger Jahre dargestellten. Beide Beobachtungen sind von F. W. P. LEHMANN !) angestellt und ich will hier in Kürze darüber be- richten. In den »Lötschen« auf der Nehrung des GArpE’schen Sees fand er in 62 Schritt Entfernung von der Dünenböschung die ersten winzigen Weiden und zwischen ihnen nach weiteren ) Das Küstengebiet Hinterpommerns. Zeitschr. d. Ges. f. Erdk. XIX. 1884, S. 332 — 404. K. Keıtnack, Beobachtungen über die Bewegungsgeschwindigkeit ete. 195 53 Schritten, also 115 Schritte vom Fusse der Düne, eine kleine 7jährige Kiefer. Eine 15 jährige Kiefer fand er weiterhin 221 Schritte vom Fusse der Düne entfernt. Es hatte die Düne also mindestens 8 Jahre gebraucht, um 115, und 16 Jahre, um. 225 Schritte zurückzulegen. Es ergiebt sich daraus im günstigsten Falle ein jährliches Vorrücken von 14—15 Schritten oder 9 Meter. Diese Düne hat eine Höhe von ca. 30 Meter. Bei der Gensdarmendüne westlich von Leba wurde auf Grund eines zwei Jahre früher hinter der Düne stehen gebliebenen Sand- pfeilers die jährliche Bewegung auf 10 Meter geschätzt. — Nach den Unterschieden der Entfernungen der einzelnen Wanderdünen von dem Meridian 350 30’, wie sie auf der alten 100000 theiligen Generalstabskarte und auf den 40 Jahre später aufgenommenen Mess- tischblättern sich zeigen, konnte Folgendes festgestellt werden. Bei der 32 Meter hohen Lübtower Düne östlich von Leba erhält man für den Westrand 375 Meter, für den Ostrand 400 Meter und für den ıhr zur Rechten gelegenen Absturz gegen das Schnittbruch 300 Meter. Man erlangt damit für 40 Jahre (1837 — 1877) eine jährliche Geschwindigkeit von 9,3 resp. 10 und 7,5 Meter, im Mittel also 8,9 Meter. Ein annähernd ähnliches Resultat, ergeben auch die vergleichenden Messungen für den »Weissen Berg« öst- lich von Wittenberg, nämlich 350 Meter in 40 Jahren, das sind durchschnittlich 8,75 Meter. Die Unsicherheit der Grundlagen für diese Bestimmungen der Fortbewegungsgeschwindigkeit der Wanderdünen veranlasste mich, Maassregeln zur Gewinnung sicherer Werthe in dem von mir be- arbeiteten Dühengebiete bei Schlackow westlich von Stolpmünde zu treffen. Ich wählte dazu eine 25 Meter hohe Wanderdüne, 1 Kilometer nordwestlich vom Salesker Bruch, die durch eine ältere Düne, über die sie hinweggeht, in 2 Theile zerlegt wird, im Folgenden als I nördl. Theil und I südl. Theil bezeichnet. Es ist diejenige Wanderdüne, die in dem Textbilde der Erläute- rung des Blattes Saleske dargestellt und hier nach ihrem Aussehen im Jahre 1893 wiedergegeben ist. Eine zweite Beobachtungsreihe wurde an einer niedrigen, 4—6 Meter hohen Düne gewonnen, _ die etwas westlich von der erstgenannten liegt (unter den Buch- 13° 196 K. Keıwnack, Beobachtungen über die Bewegungsgeschwindigkeit zweier Wanderdünen zwischen Rügenwalde und Stolpmünde. 197 staben »hag« des Wortes Görshagener auf dem Messtischblatte Saleske). Sie ist im Folgenden als II bezeichnet. I. Vor den beiden Steilabfällen der Düne I legte ich im Juli 1893 6 Meter lange Stangen rechtwinklig zum Steilrande nieder, in einer Lage, die sie den Blicken der etwa in dieses Ge- biet kommenden Hütejungen möglichst entzog. Ausserdem machte ich in derselben Zeit von jedem der beiden Abstürze eine photo- graphische Aufnahme. Als ich im Oktober 1894 die Dünen wieder besuchte, waren die beiden gelegten Stangen vollständig ver- schüttet, und nach Ausweis der photographischen Aufnahmen war die Doppelstirn der grossen Wanderdüne noch beträchtlich über ihr Ende hinweggegangen, ohne dass ich den genauen Betrag fest- stellen konnte. Ich wählte nun meine Merkzeichen in etwas grösserem Abstande von der Stirn der Düne. 12 Meter vor der Mitte von I südl. Theil stand eine Kiefer, die durch Ringelung des Stammes leicht kenntlich gemacht wurde. 17 Meter vor I nördl. Theil wurden 2 nahe bei einander stehende Kiefern notirt. Im Juli 1895 war I südl. Theil 6 Meter, I nördl. Theil 8 Meter vorgerückt. Ich notirte neue Merkzeichen für den Fall, dass die bisherigen bei meinem nächsten Besuche bereits ver- schüttet sein sollten und besuchte erst nach 15 Monaten im Oktober 1896 die Dünen wieder. I südl. Theil war in dieser Zeit 15 Meter vorgerückt, I nördl. Theil 13,50 Meter. Auch hatte sich während dieser letzten 2 Jahre die ganze Dünenstirn einen ausgesprochen halbkreisförmigen Bau zugelegt. Il. 1893 — 1894. Die Bewegungsgrösse konnte nicht fest- gestellt werden, da in Folge Unterschätzung der Bewegung die angebrachten Messstangen verschwunden waren. 20 Meter vor dem Südflügel der Düne wurde eine Kiefer geringelt. Oktober 1894— Juli 1895 betrug das Vorrücken mindestens 14 — 15 Meter. Eine der Düne entragende Birkengruppe war 80 Meter vom Rande entfernt. Oktober 1896 war der Rand der Düne wieder um volle 20 bis 21 Meter vorgerückt, 198 K. Keıtuack, Beobachtungen über die Bewegungsgeschwindigkeit etc. Zusammenstellung: Oktober 1894—Juli 1895 Juli 1895— Oktober 1896 (9 Monate) (15 Monate) I nördl.. Theil.‘ ..: 8 Meter 13,5 Meter I südl. DI BER 6 -» 1973 II: :» RE aa 20» Das Plus der zweiten Messung fällt auf 2 Quartale Juli- Oktober, so dass die Hälfte dieser Differenz, der Zahl für das Vorrücken in der Zeit vom Oktober 1894 — Juli 1895 zugezählt, das Vorrücken in einem Jahre ergiebt. Dasselbe beträgt darnach bei I.s:nördl. Theil 222722°10°/, Meter Ir südl: >» ae» Il » » ET » Diese Beobachtungen zeigen zugleich, dass die Hauptbewe- gung in die Zeit vom Juli bis Oktober fällt. Das ist auch ganz natürlich, denn die Herbststürme, die in diese Zeit hineinfallen, finden den Sand ohne schützende Schneedecke, durch welche die Dünenwanderung während des grössten Theiles des Winters ge- hemmt wird. Die hier mitgetheilten Beobachtungen erstrecken sich zwar nur auf einen verhältnissmässig kurzen Zeitraum, doch wollte ich dieselben nicht zurückhalten, einmal, weil ich voraussichtlich für längere Zeit nicht wieder in diese Gebiete komme, und sodann, weil es die ersten auf Messungen beruhenden Bestimmungen der Wandergeschwindigkeit hinterpommerscher Dünen sind. 4 8 ; = Cedarit, ein neues bernsteinähnliches fossiles Harz Canada’s und sein Vergleich mit anderen fossilen Harzen. Von Herrn R. Klebs in Königsberg ı/Pr. Vor einigen Jahren erhielt ich die vertrauliche Mittheilung, dass in Canada Bernsteinlager von sehr grosser Ausdehnung m funden seien. Wenn auch in allen vorhergehenden Fällen, in denen von abbauwürdigen neuen Bernsteinlagern die Rede war, sich die Gerüchte stets als übertrieben, die Lager selbst als werth- los für die Grossindustrie gezeigt hatten, so verdiente das Cana- dische Bernsteinlager doch von vorneherein mehr Beachtung, da es ın dem officiellen Bericht für 18901) erwähnt wurde, dass Pacht- Anträge auf Abbau des Lagers bei der Canadischen Regierung eingelaufen waren, und dieselbe für den Arbeitsplan 1891 be- schlossen hatte, eine genaue topographische Aufnahme der in Frage kommenden Gegenden vornehmen und das Gebiet in Pachtpar- zellen eintheilen zu lassen. Nach den Maassnahmen konnte man nicht daran zweifeln, dass es sich in diesem Falle um viel mehr, als um eine phantasiereiche Laienansicht handelt, so dass ich beschloss, dem Vorkommen des fossilen Harzes in Oanada grössere Aufmerksamkeit zu schenken und Material zu sammeln, um die Verhältnisse desselben möglichst klar zu stellen. Ich glaubte mich 1) Annal. Report of the Department of the Interior for the year 1890. Ottawa 1891. 200 R. Kress, Cedarit, ein neues bernsteinähnliches zu diesem Versuch um so mehr berechtigt, als mir in dem Bernstein- Museum von STANTIEN und BECKER eine grosse Menge Vergleichs- material sowohl von Bernstein, als auch von fossilen Harzen über- haupt zur Verfügung stand. Besonders regte mich das hohe wissenschaftliche Interesse zu dieser Arbeit an, denn das Vor- kommen eines Materials wie der Bernstein in Canada, als dessen einziges Ablagerungsgebiet man bis jetzt die ostbaltischen und damit direct oder indirect zusammenhängende Bezirke angesehen hatte, würde ganz neue Gesichtspunkte für die Beurtheilung der klimatologischen und phytopalaeontologischen Verhältnisse der Tertiärzeit eröffnet haben. Sodann aber war mir auch die Klar- stellung dieser Angelegenheit in praktischer Beziehung von der grössten Wichtigkeit, lag doch die Gefahr nahe, dass eine Deutschland durchaus eigenthümliche Industrie, deren inter- nationale Bedeutung nicht zu unterschätzen ist, sehr geschädigt, wenn nicht ganz ruinirt würde. In erster Reihe verdanke ich das Zustandekommen dieser Arbeit der freundlichen Unterstützung des Ministers des Innern von Oanada, Herrn EpGAR DEWDNEY-Öttawa, der mir das noth- wendige Kartenmaterial zugänglich machte und Herrn Orro JuLıus KrLorz, Beamter bei der topographischen Landesaufnahme von Canada, der mir in reichem Maasse Proben des fossilen Harzes, Gesteinsproben und schätzenswerthe Mittheilungen überschickte. Herr Professor Dr. Lossen-Königsberg hatte die Güte, mir in dem Kgl. chemischen Universitäts-Laboratorium die vergleichende Untersuchung der fossilen Harze zu gestatten. Er und Herr Professor Dr. BLOCHMANnN haben mich vielfach mit freundlichem Rath unterstützt, letzterer führte auch die mir für vorliegende Arbeit nöthig erscheinenden Elementaranalysen selber aus. Herr Professor Dr. JAFFE gestattete mir die Benutzung der ehemaligen HenschHe’schen Droguen-Sammlung, welche jetzt im pharmako- logischen Institut zu Königsberg aufgestellt ist, und die Entnahme von Vergleichsproben zur chemischen und physikalischen Unter- suchung einiger recenter und subfossiler Harze. Allen Herren sage ich an dieser Stelle meinen besten Dank. Das fossile Harz in Canada wurde von dem Herrn W. C. fossiles Harz Canada’s ete. 201 KınG, Beamter bei der Hudson-Bai-Company zu Chemahawin 1889 am Oedar-Lake entdeckt. Er und Herr R. Mac FArLAvVE, Haupt- geschäftsführer zu Cumberlandhouse, haben dann gemeinsam die Buchten des Cedar Lake und dessen Umgebung untersucht und einem Beamten der topographischen Landesuntersuchung gelegent- lich von ihrem Funde Mittheilung gemacht. Die dort bis jetzt in grosser Menge gefundenen Harzstückchen erreichen im Durch- schnitt kaum die Grösse einer Erbse.. Die Hauptmasse besteht aus viel kleineren Stückchen, etwa 60 pÜt.; ganz vereinzelt finden sich auch solche bis zur Grösse einer kleinen Wallnuss, noch grössere habe ich in dem mir vorliegenden Material (etwa 4 Kilogramm) nicht gefunden, sollen auch nach eingezogenen Nach- richten!) bis jetzt überhaupt nicht gefunden sein. In Bezug auf die äussere Form sind die meisten Stücke kleine, nicht scharf- kantige Bruchstücke, deren Ecken und Bruchflächen abgerieben und matt geschliffen sind; recht zahlreich finden sich auch solche Stückchen, bei denen deutlich die Form des ursprünglich rundlich geflossenen Tropfen schön erhalten ist, auch zapfenförmig ge- flossene Stücke mit lamellöser Struktur, ähnlich denen des schlau- bigen Bernsteins, sind nicht selten. Bei sehr vielen Stücken sind die Ecken und Flächen jedenfalls durch die Einwirkung der Wellen auf secundärer (recenter) Lagerstätte so abgeschliffen, dass die Stücke rundlich bis unregelmässig linsenförmig sind. Bei anderen wiederum ist die eigentliche Verwitterungsrinde, welche das Stück auf primärer Lagerstätte einst erhalten hat, wenn auch etwas abgerieben, so doch deutlich erhalten und hebt sich von den verwitterten, beziehungsweise abgeriebenen jüngeren Bruch- flächen deutlich ab. Bei ganz vereinzelten Stücken ist die alte Verwitterungsrinde an geschützten Partieen noch unabgerieben er- halten und ist dann selbst auf klaren Stücken schmutzig-weisslich, undurchsichtig. Bezüglich der Färbung der Stücke ist zu be- merken, dass die Mehrzahl derselben klar ist, nächstdem sind !) Briefliche und mündliche Mittheilungen von den Entdeckern an Herrn KLorz. 2) Vergleiche hierüber auch den Artikel von Krorz in der Manitoba Daily free Press. Winepeg, 13. April 1892. 202 R. Kıees, Cedarit, ein neues bernsteinähnliches zahlreiche Stücke, welche durch Beimengungen organischer und unorganischer Substanzen sprenglich und durch eigenthümliche, schwärzlich-dunkelbraune Wolken im Innern der Stücke gelb- braun erscheinen, sodann trübe Stücke und endlich weisse, zer- setzte Stücke, ähnlich dem schaumig-knochigen Bernstein!). Die klaren Stücke sind gelb, zeigen aber fast stets im Innern schwach bräunliche Trübungen, welche häufig allerdings nicht deutlich sind, aber doch das geschliffene Stück in seiner Farbe stumpfer er- scheinen lassen, als bei reinem klaren Bernstein, der dieses Harz an Feuer übertrifft. Röthlich-gelbe Stücke sind selten. Beim trüben Harz ist die Trübung, wie beim Bernstein, durch kleine Bläschen verursacht?), doch kommen wirklich satte Trübungen, die beim Bernstein Bastard heissen, gar nicht vor. Bei allen ist die Trübung als feine staubartige Bläschen im Innern häufig zonenartig vertheilt, ähnlich wie wir sie bei den schlechtesten Varietäten des sogenannten flohmigen Bernsteins kennen. Aus diesem Grunde erscheinen die trüben Stücke bei durchfallendem Licht oft schwach röthlich getrübt, ähnlich wie dieses bei den trüben, wolkigen Varietäten hydraulisch gepressten Bernsteins der Fall ist. An trüben Stücken enthält das Harz . etwa 5 pOt. an klaren, gelb und röthlich-gelben. . » 39°» an dunkel-schwärzlich-braunen . . . » 38 >» an gänzlich verwitterten, knochigen . » 178 Auch bei den schlaubigen Stücken, d. h. solchen, bei welchen die Cohäsion parallel der einstigen Flussrichtung geringer ist, als senkrecht zu derselben, sind die Trübungen im Innern sehr dunkel. Im Dünnschliff erweist sich die röthliche Färbung der klaren Stücke als von Verwitterung herrührend, ähnlich wie sie beim sogenannten rubinrothen Bernstein bekannt ist. In dem Ton der Färbung stehen die Stücke in den meisten Fällen zwischen dem Blass des Zanzibar- Copal und dem Gelb hellerer Bernstein- varietäten. 1) Kress, Dieses Jahrbuch für 1882, S. 404—435. 2) Kırss, Ueber Farbe und Imitation des Bernsteins. Schriften d. phys.- ökon. Gesellsch. zu Königsberg 1887, 5. 20—25. fossiles Harz Canada’s etc. 203 Das specifische Gewicht schwankt etwas und ist ebenso gross wie bei den entsprechenden Varietäten des Bernsteins. Die Härte ist etwas geringer als die des Bernsteins. Die elementare Zusammensetzung des gepulverten, gebeutelten und im Exsiccator getrockneten Harzes ist: I. Untersuchung . . . C 78,29 > 159,59 II. Untersuchung . . . C 78,00 > ae Mantelz 2082 1.00227,226778,15 y ee 1989 S . 0,319 Asche. 7.2 21.04 0,45 DBilferenze 2 7.1222: 121.20 Summa: 100,00 In allen von mir angewandten Lösungsmitteln (Alkohol, Kalı- alkohol, Aether, Aceton, Chloroform, Schwefelkohlenstoft, Terpen- tinöl, Lavendelöl, Benzol) ist das Harz nur zum Theil löslich). Alkohol löst 20,3 pCt. eines hellbraunen Harzes auf, welches bei 116—124°C. schmilzt und aus 2 Harzen besteht, von denen das eine sich nur im Alkohol, das andere in Alkohol und Aether löst. Aether löst aus dem alkoholischen Rest 10 pCt. Harz auf, welches sich nicht in Alkohol löst und bei 150—160° C. schmilzt. Benzol zog aus dem Aetherrest noch 0,25 pCt. Harz aus; 69,43 pCt. blieben als unlöslich zurück. Alkoholische Kalilösung löste 18,25 pÜt. eines Harzes auf, welches sich durch Salzsäure als Pulver niederschlug und bei 155—160° C. schmolz. | In Essigsäure (glaciale) färbte sich das schmutzig-gelbe Pulver des canadischen Harzes schmutzig-bräunlich-gelb. Das !) Durch Oxydation mit Salpetersäure im zusammengeschmolzenen Glasrohr bestimmt als BaS0,. ?) Bei der Vergleichung der verschiedenen fossilen Harze, weiter unten, komme ich näher darauf zu sprechen, in welcher Weise die Lösung der einzelnen Bestandtheile bewirkt wurde. 204 R. Kress, Cedarit, ein neues bernsteinähnliches Pulver blieb vollständig pulvrig und färbte die Säure klar bräunlich- gelb. Nach Verdunstung erwiesen sich 18,34 pÜt. Harz gelöst. In Schwefelkohlenstoff wurde das Harz schmutzig-braun, war etwas gequollen, schwamm auf dem Schwefelkohlenstoff, der sich weingelb färbte. Gelöst wurden 13,04 pÜt. In Aceton färbt sich das Pulver schmutzig-gelb, die Flüssig- keit ist satt hellgelb, wobei 14,53 pCt. Harz gelöst wurden. Bei der trockenen Destillation verhielt sich das Harz folgen- dermaassen: Bei 140° entwickeln sich schwache Wasserdämpfe, die sich in der Vorlage zu einer neutralen Flüssigkeit verdichten. Bei 335° C. beginnt ohne eine merkliche Veränderung des fossilen Harzes die Destillation eines hellfarbigen Oeles. Bei 3400 C. wird die Schmelzung deutlich, bei über 390° C. fängt die Masse an zu schäumen und die Destillation des Oeles wird reichlicher. Wenn die Masse ruhig fliesst, geht ein dunkles theerartiges Oel über. In keinem Stadium der Destillation war eine Entwickelung weisser Dämpfe sichtbar, so dass während der ganzen Zeit Re- torte und Vorlage klar blieben, abgesehen von der Entwickelung der Wasserdämpfe. Nach der Abkühlung sind Retortenhals und Vorlage mit einem dünnen Beschlag von Wassertröpfchen und spärlichen, scheinbar mikrokrystallinischen Flocken bedeckt. Der ganze Beschlag reagirt sauer und enthält, mit kochendem Wasser aufgenommen, eingedampft und bei 100° C. getrocknet 0,132 pCt. fester, sauer reagirender Substanz, welche wohl ganz aus empy- reumatischen Producten besteht, vielleicht auch Spuren einer krystallinischen Säure enthält. Es gelang mir jedoch nicht, die- selbe einigermaassen rein darzustellen, trotzdem ich die Destillation mit 200 & Substanz vorgenommen habe. Durch die Destillation wurden gewonnen: Colophon ARE 86,8 plt. klares, dünnflüssiges hellfarbiges Oel . 9,6 » dickflüssiges, dunkelbraunes Oel . . 2,4 » Blasenbeschlam... u. 3 such el at 00,18% Wasserverlastn. m ea. ]200> 100,0 pCt. fossiles Harz Canada’s etc. 205 Ebenso wie bei der trockenen Destillation, gelang es mir auch auf nassem Wege nicht, Bernsteinsäure in dem canadischen Harz nachzuweisen, dasselbe ıst sonach frei von Bernsteinsäure. Wir haben es daher auch bei dem canadischen Harze nicht mit Bernstein, von dem es sich übrigens noch in verschiedener Weise unterscheidet, zu thun, sondern mit einem fossilen Harz, das, wie auch aus nachstehenden vergleichenden Analysen sich ergiebt, bis jetzt noch nicht bekannt war. Ich halte es daher für meine Pflicht, dasselbe auch mit einem neuen Namen zu belegen, und schlage dafür die Bezeichnung »Cedarit« vor, nach dem See, in welchem es in grösseren Massen gefunden wird. Cedarit im Vergleich mit anderen fossilen Harzen. Entsprechend der Farbe des Oedarit wurden sowohl Bernstein, als auch Gedanit und harter Zanzibar-Copal nur in den klaren, schwach flohmigen Varietäten zur Analyse verwendet, auch der Farbenton des Gelb möglichst berücksichtigt. Sämmtliche fossile Harze wurden von der Rinde befreit, d. h. die drei letzteren aus grösseren Stücken herausgehackt und bei allen nur solche Theile verbraucht, die absolut frei von Schwefelkies waren. Auf diese Weise wurde die grösstmöglichste Uebereinstimmung in dem Material zu den Analysen erzielt. Von Stantienit sind die glas- artigen, von Beckerit die dunkelbraunen, noch schwach harzartig glänzenden inneren Theile in Arbeit genommen, ebenso von Walcho- wit. Von Rumänit kenne ich keine flohmigen Varietäten, ich glaube auch nicht, dass solche vorkommen. Grössere Stücke Rumänit wurden zerhackt, die erdigen Infiltrationen entfernt, und das Harz möglichst rein hergestellt. Siegburgit konnte nur im Ganzen, nach Entfernung der äusseren Schicht, verarbeitet werden. Zu den Destillationen gebrauchte ich möglichst gleichmässig grosse Stücke von der Grösse eines kleinen Reiskornes, zu den anderen Analysen wurden die Harze gepulvert und durch den feinsten Batist gebeutelt. R. Kress, Cedarit, ein neues bernsteinähnliches 206 "9EF—CEF 'S ']IAX PA PmewIeyg Inf Alyoaıy 'wazazsaıg (z ‘ıynjodsne Moqıy osolp ıny 4sdtud NNvmHOoIg "IL 10SS9J01J ULH UoA (I ‚ u N gs aeansı c“oß RER udepen) Mo 87 s'gıl q[93 yaıpunıd yoeayos cc), ware moisuzag, 80 gel uneıq[foy gs spe a 2 plepod) 97pnpoId ysnpIoA e1oPu® pum oumwsursgsurag Po sıoAjnduoydojon sep aqıe 7 | woydojon ‘YUA9JJU9 9JOUld T Sofe pun “Yyoeigsd 9SSQ1OSIOY EMO U0A LWIOY wu NZ USGgEIS yaanp »gqfessep “u9wuouss [ersumm; wwean) 00, Uopınm Sunyonsasgun nz TOLYELFIISOlT UEU9N90oL) 1ap 192g uarTeyaaernz m („e8°08 | CrT8 c0‘IL | G8F'0G II R 10'8 6269 “0 uoluRIg gsges | 9C8 98°,9 66% OLG R 90°8 0689 ee GrOoIT | 9107 |, 08'L,.| 2071 9702) 00 | FOL | 9EOB. 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Es schmelzen: Cedarit bei 3450 (bei 337 Bernstein bei 3750, Gedanit!) bei 3480 (bei 320° sicher nicht), Rumänit bei 359°, Siegburgit, verflüchtigt sich, ohne deutlich zu schmelzen 338° gesintert), unter Zurücklassung von viel Asche, Walchowit bei 308° (bei 301° gesintert), Copal bei 3300 (280° gesintert). !) Herm, welcher für den spröden Bernstein den Namen Gedanit einführt, sagt über den Schmelzpunkt: »Bei 180° C., bei einigen Stücken bei 140° C. fängt er an, blasig aufzugehen, bald darauf schmilzt er und wird dünnflüssig.« An einer anderen Stelle desselben Aufsatzes: »In hochgradigem Glycerin bis auf eirca 2000 C. erhitzt, tritt das Aufquellen noch besser in Erscheinung.« (Archiv für Pharmacie, X. Bd., 6. Heft, 1878). Jentzscn giebt danach eine bestimmte Bernsteinprobe an (Bericht über die geologische Durchforschung der Provinz Preussen. Schriften der physikal.-ökon. Gesellschaft zu Königsberg 1879), nach welcher Gedanit, auf Zinnfolie gelegt und erhitzt, früher als diese schmelzen soll, während Bernstein später schmilzt. Da Zinn bei 228% ©. schmilzt, muss der Schmelzpunkt des Gedanites niedriger liegen. Ich habe eine ganze Reihe des sprödesten, Bernsteinsäure-freien Bernsteins (Gedanites) untersucht und nirgend den Schmelzpunkt unter 300° gefunden. Mögen auch Varietäten, die ich noch nicht kenne, vorkommen, mit einem Schmelzpunkt, der unter dem des Zinnes liegt, so ist entweder die Probe nicht stichhaltig, da sie nur das seltenere Vor- kommen kennzeichnet, oder Hkım will unter Gedanit nur dieses seltene, leicht- schmelzende Harz verstehen. Das letztere ist nicht der Fall. Gedanit ist charakterisirt durch seine Sprödigkeit, seinen Mangel an Bernsteinsäure, seinen eigenthümlichen, sehr typischen Fettglanz. Ich fand, wie ich weiter unten angebe, als beste Probe für sein Erkennen, das Verhalten in Kalialkohol. Immerhin aber fasse ich Gedanit als eine Gruppe fossiler Harze auf und komme auf die- selbe gelegentlich einer anderen Arbeit eingehender zu sprechen. Einen Schmelz- punkt unter 230° fand ich auch nicht bei dem sogenannten Ambra von Scandello, dem fossilen Harz von Ajka, dem sogenannten Bernstein aus der Braunkohle von Aschersleben und dem aus der Braunkohlengrube bei Seeben. 208 R. Kress, Cedarit, ein neues bernsteinähnliches IV. Die Bestimmung der Bernsteinsäure. Die Bestimmung der Bernsteinsäure wurde auf nassem Wege ausgeführt. Das zu feinstem Pulver zerriebene Harz (etwa 4 Gramm) wurde mit einer Normallösung von Aetzkali in Alkohol im Rückfluss- kühler 24 Stunden digerirt und 2 Stunden gekocht, abfiltrirt und zuerst mit Alkohol, dann mit kochendem Wasser ausgespült, Filter- und Harzmasse nochmals in Wasser gekocht und abfiltrirt. Die Filtrate wurden frei von Alkohol gedampft, mit verdünnter Salzsäure mehrfach gekocht, die Flüssigkeit der vorhergehenden zugefügt und die Bernsteinsäure durch Chlorbaryumlösung nieder- geschlagen. Die abgesetzte Flüssigkeit !) wurde abfiltrirt. Der Niederschlag auf dem Filtrum mit 6 ccm Salzsäure gelöst und das Filtrat in das Absatzglas gelassen, in welchem die noch haftenden Reste sich auch lösten. Dann kam es nochmals auf dasselbe Filter und wurde mit 24ccm Wasser und Alkohol zu gleichen Theilen kochend nachgewaschen. Die Flüssigkeit wurde, um jede Spur Kohlensäure zu vertreiben, gekocht, ıhr erkaltet 30 ccm Alkohol zugesetzt, mit Ammoniak bis zur Reaction neu- tralisirt und 24 Stunden in eine Ammoniakatmosphäre zum Ab- setzen hingestellt. Es bildeten sich beim: Cedarit: hellbraune Wolken am Boden, Bernstein: reichlich weisses krystallinisches Pulver am Boden und an der Wandung, Gedanit: schwach gelbliche gelatinöse Flocken, die zum Theil oben schwammen, Rumänit: wenige bräunliche Wolken am Boden, Beckerit: reichlich bräunliche Wolken am Boden, Stantienit: dunkelbraune Wolken am Boden. Ich lasse es dahin gestellt, ob die Niederschläge ausser bei Bernstein, wirklich Bernsteinsäure enthalten, die Quantitäten waren zu gering, um entscheidende Reactionen vorzunehmen. Da es mir !) Leider konnte ich die von Herm vorgeschlagene endgültige Bernstein- säurebestimmung nicht anwenden; da er im Archiv für Pharmacie Bd. VIII, Jahrg. IV, 1877 seine Methode nicht genau angiebt, sondern sagt, der zweifach bernsteinsaure Baryt »wird in geeigneter Weise durch Schwefelsäure zersetzt.« Die von mir angewandte Methode verdanke ich Herrn Professor Dr. Br.ocHumann. fossiles Harz Canada’s etc, 309 aber nach der Geruchsprobe in einzelnen Fällen schien, wurden die bei 100°C. getrockneten Niederschläge auf Bernsteinsäure be- rechnet. Immerhin aber ergab dieses doch nur so kleine Mengen, dass man für die Praxis die fraglichen Harze, ausser Bernstein, als frei von Bernsteinsäure bezeichnen wird. Es enthielten: Gedartt 2 .#20,0155 pOt. Bernstein . . 71 » Gedantt . -: :. 0,0015" » Rumänit:." +. *...0,0001 » Beckerit . . . 0,0005 » Stantienit . . 0,0003 » Ich befinde mich beim Rumänit im Gegensatz zu HELM, der angiebt 1), dass der Rumänit sich nicht wesentlich von gewissen Sorten Ostsee-Bernstein unterscheidet, und dass er 5,2 pOt. Bern- steinsäure enthalte. In einer neueren Arbeit giebt HELM?) den Säuregehalt als wechselnd auf 0,3 — 0,9 — 1,35 und 3,2 pCt. an, stellt auch den rumänischen Bernstein in physikalischer und che- mischer Beziehung als ein selbständiges Mineral, den Rumänit, auf, hält es aber dennoch für ein, dem Bernstein sehr ähnliches Harz. Ich habe 6 verschiedene Stücke rumänischen Bernsteins untersucht und sie alle nahezu frei von Bernsteinsäure gefunden und kenne nur den im ganzen Stück mehr oder weniger dunklen und stets rissigen Stein, der sich nicht nur im Aussehen, sondern auch in seinem Verhalten sehr vom Bernstein unterscheidet und ihm entschieden ferner steht, als beispielsweise der von HELM auf- gestellte Gedanit, der Glessit oder der sogenannte libanonische und chinesische Bernstein. Es ist mir über jeden Zweifel erhaben, dass der rumänische Bernstein auf primärer Lagerstätte die verschiedensten Oscillationen der Erdrinde mitgemacht hat, worauf ich an anderen Orten zu 1) Schriften der naturforschenden Gesellschaft, Danzig 1881, S. 6. Referat. Archiv für Pharmacie, Jahrg. VIII, Bd. 15, S. 307. 2) Schriften derselben Gesellschaft, Bd. 7, Heft 4. Mittheilungen über Bern- stein XIV, Jahrbuch 1896. 14 310 R. Kress, Cedarit, ein neues bernsteinähnliches sprechen komme. Da er in festem Gestein lag, konnte er bei diesen Verschiebungen nicht unversehrt bleiben. Er besass zu wenig Elasticität um nachzugeben,, sondern wurde mit einer Un- zahl von kleinen Verwerfungen und Spalten durchsetzt, die später bei Gebirgsdruck wieder einigermaassen zusammenheilten. Oft ist dieser Bernstein so voll von Sprüngen, dass er, geschliffen, einen fast seidenartigen, goldigen Glanz besitzt. Diese Stücke sind be- sonders geschätzt und werden zu den feinsten Rauchkolben ver- arbeitet. Unter den vielen hundert Stücken rumänischen Bern- steins, die mir roh und verarbeitet durch die Hände gingen, habe ich noch nie ein Stück gesehen, das nicht auf den ersten Blick sich vom baltischen Bernstein unterschieden hätte. Der rumä- nische Bernstein wird von Sammlern viel höher bezahlt als der baltische; weshalb sollte da nicht auch die Fälscherkunst mit im Spiele sein. Für sicilianischen Bernstein ist mir mehrfach schon baltischer eingeschickt worden. Bei der Lackfabrikation bleiben die grössten Stücke schliesslich ungeschmolzen in dem heissen Colophon schwimmend. Erkaltet sind sie aussen dunkelrothbraun, besitzen eine sehr hohe Fluorescenz und starkes Feuer. Der äusseren Rinde beraubt oder in der bekannten Form des sicilianischen Bern- steins geschliffen, wurden sie mir mehrfach für diesen angeboten. Sollten nicht auch ähnliche Fälle beim rumänischen Bernstein vorkommen, dass dunkle Varietäten baltischen Bernsteins als Ru- mänit verkauft werden. Ob bei einem Theil des Hrerm’schen Materials ein äbnlicher Irrthum vorgekommen ist, wage ich nicht zu entscheiden, er giebt aber selbst in seiner jüngeren Arbeit zu: »Doch lag mir damals — vielleicht auch nicht ganz zuverlässiges Material vor«. Möglich auch, dass verschiedene Harze in Rumänien vorkommen. V. Köttstorfer- und Säure-Zahl. M. v. ScHMIDT und F. ErsBan !) geben eine Methode zur Ausmittelung einiger Harze an, die mir geeignet erschien, auch !) Monatsschrift für Chemie und verwandte Theile anderer Wissenschaften, Bd. 7, Jahrg. 1886, Wien 1857, S. 655. fossiles Harz Canada’s etc. 21l auf fossile Harze angewendet zu werden, da namentlich von v. SCHMIDT und ERBAN auch bereits Bernstein in dieser Beziehung untersucht worden ist. Die Köttstorfer-Zahl!) ist die in Milligramm ausgedrückte Menge Aetzkali, die von 1 g Harz beim Kochen in überschüssiger alkoholischer Kalilauge gebunden wird. Säurezahl ist die Menge Aetzkalı in Milligramm ausgedrückt, welche I & Harz in alkoho- lischer Lösung zur Absättigung gebraucht. Bei meiner Untersuchung habe ich im Wesentlichen den von v. SCHMIDT und ERBAN angegebenen Weg eingehalten. Etwa 1g Harz wurde mit 25 ccm halbnormaler Kalilauge in alkoholischer Lösung 15 Minuten im Rückflusskühler gekocht, mit Alkohol auf 100 ccm verdünnt, mit Phenol-Phtalein versetzt und mit Salzsäure der Alkaliüberschuss zurücktitrirt. Die verbrauchte Menge Aetz- kalı auf Permillen des Harzes umgerechnet, giebt die Kötts- torfer Zahl. Etwa 1 g Harz wurde mit 95 procentigem Alkohol im Rückflusskühler 1 Stunde gekocht, erkaltet mit Phenol-Phtalein versetzt und mit Natronlauge bis zur bleibenden Rothfärbung titrirt. Nach 24 Stunden wurde bei verschwundener Rothfärbung noch- mals nachtitrirt. Der Titer ist auf Aetzkalı gestellt und giebt, mit der Anzahl der verbrauchten Oubikcentimeter multiplicirt, die Menge gebundenen Alkalis an. Wird diese in Permillen der an- gegebenen Harzsubstanz ausgedrückt, so erhält man die Säure- zahl. Köttstorfer-Zahl Säure-Zahl] Cedarıt ©. 0... 202.070 39,2 Bernstein . . . »- 1372 42,06 eredamit ei .. ...., .112 36,4 Kumanıt x „2... 21,2 8,4 beckerit + .... „812 19,6 Stantienit 4... 128,8 28,6 Copal von Zanzibar . 109,2 37,7 Sıerburaltiı . 2. 602 DIU Wäalchowit: . . ': .- 84,0 52,96 1) Zeitschr. für analyt. Chem. 18, 199. Dingl. polyt. Journ. 259, 281. 14 * 212 R. Krers, Cedarit, ein neues bernsteinähnliches VI. Zusammensetzung der fossilen Harze. Die fein gepulverten fossilen Harze wurden mit dem 15 fachen Gewicht Alkohol (absoluten) übergegossen, anfangs digerirt, dann 2 Stunden im Rückflusskühler gekocht und noch 24 Stunden dige- rirt, nach dem Erkalten filtrirt, gut ausgewaschen, abgedampft und das Harz bei 50° bis zum constanten Gewicht getrocknet. Der Rückstand wurde dann mit Aether und endlich mit Benzol in der- selben Weise behandelt. Cedarit Bernstein Gedanit Rumänit Stantienit Beckerit holischen Farbe der alko- Harz- lösung weingelb hellgelb schwach gelblich schwach gelblich gelb heller gelb als bei Stantienit Farbe des trockenen alkohol- löslichen Harzes hellbraun gelb hellgelb gelblich braun braun hellbraun In Alkohol lösliches Harz 20,3 20,8 26,9 5,4 In Aether lösliches Harz 10,0 5,04 8,8 In Benzol lösliches Harz 0,25 1,82 0,1 2,0 0,24 0,26 In Alkohol, Aether und Benzol unlös- liches Harz 69,425 72,20 63,18 719,99 95,92 92,26 Bestand- theile 99,975 95,86 98,98 98,59 99,18 99,58 "uros NZ WOSTISLIOINEIEUD AYES AURP9H AnF IIW FUIOUDS UOINWEA SOLL (j = | S 8 gro yprmga 2 = _ = Sızynuuyds ydemy9s q193 uneig = == == — Zızmmwyos yoıyyoa [98 yoryungaq qpp8 12'0 61'89 1’9€ — ypemyos zued | yorjyyoa Gco BIEGG ez0 uneIgzieMyos uneIgfoyunp uneIg S E eo 0296 cHE uneigfoyunp uneuIqffoy uneig a SSIOMNELO 5 eco F9'88 2801 uneiqy}ol Zızmwyas | umeıq]fey Ss oO 5 . © vs | a8 | vo q7277ey sstoM gqr3Trey E SSIHM y9LTq[a3 i: un era core qre8 "oemyps aroStrey q[93 LE°O Ta K® Ges uneıgjoyunp yoıyungıq Ä uneıg Sııamd OpugIoAun SSIoM yorungig |YTmMoysTe N yITeq93 ssToMm -UOWWESNZ Fy9Tof | -neId Atzynuyos | yaamazarg usdunpue up ue yyoru Jogqe yqopg “Sısgy pıum | ssToMm yorqfeo 1edoy Sand 119pugIoAun uneıgqjoyunp yIUOTTueIS Sııapad OpugIoAun uneıgfjoy UIOND9g Sand SSIoM yol] J19pugIoaun -ungıgq Fızynuyos yugumy usdunpue 1 Sp u@ 9807 IqoI2 yaırqo? 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Kress, Gedarit, ein neues bernsteinähnliches 216 LEO LETL 90°87 qrodurm | unerg 3110Aynd “ NMogope Mm SSIIMNEID AU0Z 91ayunm 290 09°I6 8 aeg odueıo Iyeyg9l neıdqjes ZSızynuryos Z1L19Apnd " ydangaeig Ho v'g8 st9T | Tepi qrpsurm qrosıroy uoponbed yreys ' Tedog-"zuez a & Ä | aeg ‘god yoıpunzaıq zIeMy9S yaıfungıq S119Ajnd ° yruoryuegg 790 LING cg‘), | ae qfpdumm ZIEMUOS yaıfunzıq S1I0AInd “yo 0og | uU0zZ oneıd . yqn.ı903 YIITZIRMYOS HUT 9punın) 120 cc'z6 79 ‚+goro ‘qe3 yoıpumeıq | we neröqjed Itzynuyos Z11oAjnd ° * yugunyg a) 68°LL or | a iz | ss[PM Srzynugos Stroapnd Huspsn) 190 26°08 zu ST Teig Sofqıe} Ise} sSsIoM yoıqjoa Ztzynuyos Zuroapnd - + ulogsulog 970 gg ve'sl | zepg ‘qposuneıg q[e3 yaryunyaq Srzynuryos ZuroAjnd ; 4EIEpa0) | zıef zxepf joyyu „ Iıssosiqy u 999 ISnJIoA soyorpsofug | seyorso] SOISSOSIT] SOp uoqre Tg | -SZUnsoT wI SoZIef] sOp | sIeAmndzıeg sop uogqudeT uoeydoA VıngsdIssq Iefeloe]3 ur uoyjeyıoy pun YIEyNy9ITsoT °p fossiles Harz Canada’s etc. 217 | VII. Schmelzpunkt der einzelnen Bestandtheile. Derselbe wurde in Glycerin oder in Luftbädern bestimmt. DR Dr Das durch Salzsäure Alkohol lösliche Harz Aether lösliche Harz nn schmilzt bei: schmilzt bei: Ba che Cedarit . . 116—124° C. 150—160° C. 155 —160°C. Bernstein . 95— 1120 C. | 135 —140° C. 125 —130° C. Gedanit.. . 85— 9500. | 140-1450C. 110—115° C. Rumänit . 96-1020. | 125-1350C. 100— 105° C. Beckerit . klebrig — _ Stantienit . 124—126° C. = —_ Das Vorkommen des Cedarits. Das für das Vorkommen des Harzes in Betracht kommende Gebiet liegt in den Bezirken Manitoba, Assırıbaiı, Sasketchewan und Alberta. Von 100—115° westlich von Greenwich und von 50—55° nördlicher Breite. | Der ganze Landstrich gehört dem Flussgebiet des Sasket- chewan River an, welcher aus dem North- und dem South-Sasket- chewan, entsteht, die östlich Prince Albert zusammenfliessen. Die Quellgebiete des North-Sasketchewan liegen am Ostab- hange der Rocky Mountains zwischen 117—118° westlicher Länge und 52-—-53° nördlicher Breite. Anfangs durchschneidet er pa- läozoische Schichten, Cambro-Silur, Silur und Devon, sodann einen schmalen Streifen Kreide und tritt in das ausgedehnte Gebiet der eocänen Laramie-Gruppe mit den darüber lagernden jüngeren tertiären Bildungen. So durchschneidet er die Lignit- und Kohlen- reichen Gebiete zwischen 113—115° westlicher Länge und 53 bis 54° nördlicher Breite. Es durchfliesst der North- Sasketchewan tertiäres Gebiet in einer Länge von etwa 300 englischen Meilen. Etwa 30 englische Meilen westlich St. Paul tritt der Fluss in das 218 R. Kress, Öedarit, ein neues bernsteinähnliches Gebiet der Kreide, welcher er bis zu seiner Vereinigung mit dem South-Sasketchewan, d. h. in einer Länge von circa 340 eng- lischen Meilen angehört. 150 englische Meilen vor dieser Ver- einigung nimmt er an seinem rechten Ufer den Battle River bei Battleford auf, welcher in den Gebieten der jüngeren tertiären Kohlen entspringt und weitere 130 englische Meilen diesen und dem Laramien und in etwa 170 englische Meilen der Kreide an- gehört. Auch der South-Sasketchewan River entspringt aus mehreren Quellflüssen in dem Palaeozoicum der Rocky Mountains. Der wich- tigste davon durchschneidet nach seinem Austritt aus den älteren (febieten in etwa 40 englischen Meilen Flusslänge Kreideformation, in etwa 180 englischen Meilen jüngeres Tertiär mit Laramien und in etwa 640 englischen Meilen wiederum Kreide bis zu seiner Vereinigung mit dem North-Sasketchewan River. Etwa 40 eng- lische Meilen nach seiner Vereinigung tritt der Sasketchewan wiederum in paläozoisches Gebiet. Mit den zahlreichen Nebenflüssen, von seiner Mündung bis zu Fort & la Corone, entwässert er rund 41200 englische Quadrat- meilen, welche den Laramien und dem Tertiär, und 56700 eng- lische Quadratmeilen, welche der Kreide angehören. _ Die kolossalen Wassermassen des Hauptstromes und der Nebenflüsse haben sich tief in den Boden hineingewaschen und sind beiderseits von hohen, zum Theil recht steilen Ufern umgeben. Zahlreiche Wasserfälle und Stromschnellen zeigen die gewaltige erodirende Wirkung noch gegenwärtig an. Der COharakter des Stromthales ändert sich auch nicht, nachdem der Sasketchewan bei Fort a la Corone in die paläozoische Formation eingetreten ist. Erst nachdem er diese etwa 150 englische Meilen durch- flossen hat, stürzt er in die Tobin’s Rapids, Squaw Rapids aus dem Prairie-Plateau in eine ausgedehnte Flussniederung, welche einige Meilen südlich des Pasquitinow Hill beginnt, etwa da, wo der Seepanock Chamel des Sasketchewan sich mit dem des Carrat River verbindet. Von hier bis zu dem Eintritt des Sasketchewan in den Cedar-See ın einer Länge von etwa 200 englischen Meilen treten die festen Ufer weit zurück und sandige oder moorige fossiles Harz Canada’s ete. 319 Flussanschwemmungen bedecken ausgedehnte Landstriche. Die bis jetzt fertiggestellten Karten von Canada enthalten über die Gegend noch wenig Einzelheiten. Im Norden treten die Kalk- steinufer am Pine Island Lake bereits wieder auf, ebenso ist der Cedar Lake selber ein Kalksteinbecken. Den Moos Lake River hinab nach Norden gelangt man bald in ein verwirrendes La- byrinth von Strömen, Kanälen, seeartigen Flusserweiterungen und Seen, in eine Landschaft von ausserordentlich trübseligem Eindruck — Wasser, Binsen, Weidengestrüpp. Es ist dieses das Triebsandgebiet des Sasketchewan, welches mehrere tausend Quadratmeilen einnimmt; dasselbe ist von J. Krortz eingehend beschrieben worden !). Auch an dem Südufer des Sasketchewan haben die Alluvionen eine ausgedehnte Verbreitung. Eine Ueber- sichtskarte von 18912) giebt sie auf etwa 5 englische. Meilen Breite an, doch ist es sehr wahrscheinlich, dass sich die alluvialen Bildungen, vielleicht von einzelnen Hügeln unterbrochen, bis nach dem Nordufer des Lake Winipegosis hinziehen, wenigstens giebt eine Waldkarte ?) von Manitoba auf grossen Flächen zwischen dem Överflowing River der Daroson-Bay des Lake Winipegosis und dem Westufer des Cedar Lake »Low and Swampy« an. Auch der schmale Landstreifen ım Süden des Cedar Lake, zwischen diesem und dem Lake Winipegosis ist wohl zum Theil aus Alluvium gebildet. Beide Seen haben ehemals eine be- deutend grössere Ausdehnung gehabt und sind jetzt an den Ufern breit versandet, aus diesen Flächen steigt das Ufer bald bis 90 Fuss über den ehemaligen See empor. Beiläufig bemerkt, ist dieser Landstrich sehr interessant dadurch, dass in ihm die Nord- westgrenze der Verbreitung der Oedar (Thuja-occidentalis) liegt®), von welcher der See auch den Namen erhalten hat. Nachdem !) Annal. Report of the Depart of the Interior Ottawa 1884, Orro J. Krorz. Exploratory Survey to Hudsons Bay. 2) Map of the Province of Manitoba and part of the Northwest Territories of the Dominion of Canada ete. Deport of the Interior, 30. Juni 1891. Ottawa. 3) Map showing forest Distribution in North-Western-Manitoba. Geological Survey, Department Canada 1891. #) Map showing forest Distribution ete. Note 6. 220 R. Kress, Cedarit, ein neues bernsteinähnliches der Sasketchewan den Cedar Lake und den mit ihm zusammen- hängenden Cross Lake durchflossen, ergiesst er sich in den Lake Winipeg. Da der Cedar Lake 828 Fuss, der Lake Winipeg nur 710 Fuss über dem Meeresspiegel liegt und die Entfernung zwischen beiden Seen keine grosse (40 englische Meilen) ist, so ist die Strömung auch hier sehr reissend und voller Stromschnellen. Die für den kolossalen Zufluss durch den Sasketchewan verhältniss- mässig kleine Mündung war die Veranlassung, dass sich die Wasser seeartig ausbreiteten. Ehe das jetzige Thal am Lake Winipeg bis zum gegenwärtigen Stand sich vertieft hatte, schafften sich die Wasser in verschiedenen Strombetten den Abfluss, die dann bei veränderter Mündung wieder eingingen. So entstand das System der verschiedenen alten Strombetten und zum Theil jetzt einge- gangenen Wasserläufe in dem oben besprochenen Gebiete. In diesem Gebiete aber setzten sich auch die Sinkstoffe nieder, welche der Fluss mit sich führte und gaben die Veranlassung zur Bildung weit ausgedehnter Alluvionen. In diesen Alluvionen findet sich aber auch das neu entdeckte fossile Harz. Es ist anzunehmen, dass dasselbe dort eine grosse Verbreitung hat, aber meist vereinzelt in den ausgedehnten Fluss- absätzen vorkommen wird. Nur an Stellen, bei denen die Wind- richtung oder die Oonfiguration des Ufers und des Untergrundes zufällig besonders günstig waren, konnte der Üedarit, dessen specifisches Gewicht wenig höher als das des Wassers selbst ist, zu grösseren Lagern zusammengeschlemmt worden und sich zum Theil für die Dauer absetzen. Aehnlich bildeten sich ja in den baltischen Landen die post- glacialen Ablagerungen des Bernsteins, für deren Verbreitung man nach dem heutigen Stande der wissenschaftlichen Untersuchung auch meist kaum mehr als den Zufall zu Hilfe nehmen kann. Das Gebiet der Alluvionen des Sasketchewan ist von der Canadischen Regierung durch Herrn J. OÖ. KLoTz vom 25. Juni bis 11. Oktober 1891 eingehend untersucht und die harzführen- Gegenden behufs Ansiedelung zur Gewinnung des fossilen Harzes in Parzellen getheilt worden. Die nachstehende kurze Schilderung über die Verbreitung fossiles Harz Canada’s etc. 221 grösserer Lager des fossilen Harzes ıst seinem Berichte im Wesent- lichen entnommen. Er gebraucht bei der Charakteristik der harz- führenden Schichten den Ausdruck »Debris«, ein Wort, das sich bezeichnend deutsch schwer wiedergeben lässt. Die mir über- schickten Quantitäten davon bestehen aus mehr oder weniger ab- gerollten, feucht schwarzen, trocken braunen, langen, schmalen Splittern meist recenter, aber auch fossiler Hölzer in 1/,—4 Oentimeter Länge, nach der Mikrostruktur von Nadel- und Laubhölzern stammend , untermischt mit kalkigem Sand, Thonstaub und vereinzelt ganzen, meist aber zerbrochenen Süsswasserschnecken, allerleı Pflanzenresten, als Fruchtschalen, Samen u. s. w. und mit oder ohne fossiles Harz. Diese nur stellenweise rein vorkommende Schicht ist meist mit Schlamm und Sand zu einem Schlick gemischt, ähnlich wie die Bildungen, welche man an einzelnen postglacialen Fundstellen des Bernsteins im norddeutschen Flach- land mit »Sprockholz führende Ablagerungen« bezeichnet. Aller- dings sind jene in ihrer Beschaffenheit von diesen ganz ver- schieden. Die Sprockhölzer bestehen aus grösseren, über zoll- langen Astfragmenten und Holzstücken und enthalten oft Reste von Fucus vesiculosus, Zapfen von Coniferen, Braunkohlenstückchen, alles mehr oder weniger abgerollt 1). Die Holzbrockenschicht hat sich in dem Cedar-See haupt- sächlich an dessen Südufer abgesetzt. Hier hat der einströmende Sasketchewan an seiner Südseite den Grund des Sees, dessen grösste Tiefe ich nach Analogien mit Davsonbay, dem Lake Winipegosis, Lake Manitoba und Lake Dauphin auf höchstens 30 Fuss schätzen möchte, wallartig, parallel mit der Richtung seines Laufes durch mitgeführte, zum Theil gröbere Schuttmassen erhöht. Diese unterseeischen Wälle, deren Sättel etwa 4—5 Meter unter dem Wasserspiegel liegen, sind mit kaum durchdringbarem Schilf bedeckt, die das trübe, gelbe Wasser abgrenzen. Westlich dieser Schilfzone hat sich zwischen ihr und dem Ufer des Cedar Lake ein Strich klaren, ruhigeren Wassers gebildet, in welchem in erster Reihe die holzbrockenführenden Schichten abgesetzt sind. ') Nicht zu verwechseln sind diese Ablagerungen mit ähnlichen in Nord- deutschland vorkommenden, deren Rollhölzer nur aus tertiärem Material bestehen. 233 R. Kress, Cedarit, ein neues bernsteinähnliches Dicht südlich der Mündung des Sasketchewan in den Cedar-See liegt die Indian Reserve Chemahawin, nach Südosten durch eine Bucht des Cedar-See begrenzt. An der Ostseite dieser Bucht, am äussersten Ende des Steinriffs zwischen Pesim-Creek und dem Cedar-See begann die Eintheilung in die Abbaubezirke, deren jeder 1500 Meter lang und 600 breit sein sollte. Als erste muth- maassliche Stelle für Baggerversuche auf das fossile Harz dürfte die westlich des Schilfes liegende Bucht und der Untergrund des Schilfes selber anzusehen sein. Von der Bucht zieht sich eine Senkung an der Südgrenze des Indianerbezirkes hin, entschieden ein alter Mündungsarm des Sasketchewan, welcher den Cedar Lake mit dem Muddy Lake verbindet. Sowohl in dieser Senke als auch in der Bucht werden vereinzelte kleine Stücke des fossilen Harzes und holzführender Schlick gefunden. Etwa 1/, Meile vom Aus- gangspunkt der Untersuchung lagert in einer flachen Bucht eine Ablagerung von fossilem Harz in holzführendem Schlick, in einer Ausdehnung von 175 Fuss Länge, 100 Fuss Breite und 9 Zoll Tiefe. Inwieweit der umgebende Boden zum Abbau genügend harzführend sein wird, müssen erst grössere Baggerungen ergeben. Der Schlick liegt hier auf einem weisslichen geschiebeführendem Mergel, dessen Geschiebe aus rundlichem Granit und Gneis und aus eckigen paläozoischen Gesteinen besteht. Ausser dieser Stelle ist von Pesim-Creek bis nach Point Charlotte kein weiteres Harzvor- kommen constatirt worden, allerdings findet sich holzführender Schlick in 1—2 Fuss Mächtigkeit in grosser Ausdehnung, doch meist unter Wasser, so dass fossiles Harz in ihm bis jetzt nicht nachgewiesen worden ist. Bei Point Charlotte lagert in einer kleinen Bucht von 180 Fuss Länge und 60 Fuss Breite direkt auf den anstehenden Felsen 21/3 Fuss harzführender Schlick, dessen Gehalt an fossilem Harz recht hoch ist. Auch an den nächsten 30 Meilen Strand südlich tritt das fossile Harz nur sporadisch auf, auch finden sich stellenweise hier Ablagerungen von holzführendem Schlick, die bis zu 1000 Fuss Länge, 100 Fuss Breite und 2 Fuss durchschnittlicher Tiefe vorkommen und Ufer und Seegrund bis über 500 Fuss vom Ufer bedecken. Kırortz hat an einer Stelle 60 Fuss nordöstlich vom 4. zum 3. Grenzpfahl einen Querschnitt in den Schlick fossiles Harz Canada’s etc. 223 gemacht. Die oberen 14 Zoll bestanden aus sandigem, holzführen- dem Schlick, dann folgten 2 Zoll schwarzer humoser Sand, dann 16 Zoll holzführender Schlick, von oben bis unten durchsetzt mit kleinen Bernsteinstückchen. Die Basis bildet wiederum der weisse geschiebeführende Mergel mit den oben genannten Greschieben. Etwa eine halbe Meile östlich von dieser Stelle ist die grösste Ablagerung von holzführendem Schlick mit fossilem Harz, die überhaupt am Cedar Lake nachgewiesen ist. Diese Stelle ist 3000 Fuss lang, über 100 Fuss breit und zieht sich noch min- destens 350 Fuss tief in den See hinein. Wenigstens ist der Schlick bei flüchtiger Untersuchung noch soweit nachgewiesen, weiter aber nicht mehr untersucht. Parallel dem Ufer sind die harzführenden Holztheile fast im der ganzen Ausdehnung des Lagers durch Wind und Wellen bis zu 2 Fuss Höhe zusammen- geschoben und bilden einen Wall, dessen Gestalt und Ausdeh- nung sich fast täglich ändert. Der Schlick steigt sanft nach Westen zu an, ist an seinen höchsten Stellen mit Weiden- gestrüpp bewachsen und mindestens 31/, Fuss mächtig. Ein- dringendes Wasser verhindert eine tiefere Untersuchung. Die Holzbrocken sind mehr oder weniger geschichtet und enthalten stellenweise dünne Sandeinlagerungen. Sind die Holzstückchen trocken, so sind sie leichter als das Wasser und werden von Regen, Wind und Wellen leicht fortgeführt, während das Harz liegen bleibt. So entstehen am Ufer grössere Ablagerungen von fast reinen Harzkörnern. Namentlich in den Rinnen sammeln sich diese zu fast reinem Lager bis zu 2 Centimeter Stärke an. Auch die nächste, südlich von dieser wichtigsten Stelle gelegene Bucht enthält noch Holzbrockenschlick mit vereinzelten Harzkörnern. Allerdings hat hier der Schlick schon eine andere Zusammen- setzung, die Holzbrocken treten zurück, dafür aber walten abge- waschene und abgerollte Binsen und Schilfstücke vor. Eine Meile südlich der letzten Stelle endigt die Parzelle 12, und damit das Land, welches bis jetzt in erster Reihe von der Canadischen Re- gierung zum Abbau des fossilen Harzes in Aussicht genommen ist. Die Untersuchung des Herrn KLoTz hat sich allerdings noch 2 resp. 3 Meilen südlicher ausgedehnt. Die Holzbrocken treten 234 R. Kress, Cedarit, ein neues, bernsteinähnliches auf dieser Strecke nur noch vereinzelt auf, der Gehalt an Harz verschwindet gänzlich und der Cedar Lake wird ausserordentlich seicht und voll von Riffen. Wenden wir uns jetzt aus diesem Hauptverbreitungsgebiet des fossilen Harzes stromauf, um, soweit die Uebersichtsunter- suchungen bis jetzt reichen, das weitere Vorkommen desselben kennen zu lernen. In dem Indianerbezirk zu Chemahawin, in der Bucht zwischen den Abrisspunkten 24 und D1), lagert eine Schicht, die nach der Beschaffenheit und dem Ansehen des Holzbrockenschlicks zu schliessen, recht harzreich sein muss, von 300 Fuss Länge, 25 Fuss Breite und 10 Zoll Tiefe. Ebenso findet man an der nördlichen Seite des Sasketchewan in Chemahawin und auf den Inseln vor der Sasketchewan-Mündung überall verstreut Harz- stückchen und Holzbrocken. Der Muddy Lake ist frei davon. Interessant ist es, dass dıe Indianer durch Ausstreuen der am Oedar- Lake gesammelten Harzkörnchen neue Fundstellen fingiren wollen, in der Hoffnung, durch Nachweis derselben Entschädigung von Speck und Tabak zu erhalten. In dem Gebiet des Moos Lake River wurde der Holzbrocken- schlick in Buchten des Dewdney-Lake an dessen nordwestlicher Seite auch mehrfach gefunden. Eine Bucht, welche von MR. W. C.Kına?) entdeckt wurde, ist 1/g Meile breit und 70 Meilen lang. Die Ufer und das angrenzende Wasser sind äusserst reich an Holz- brocken und enthalten stellenweise so hohe Beimengungen an Cedarit, dass derselbe mit der Hand gewonnen werden kann. Im Durchschnitt konnte man den Gehalt des Schlicks in diesem Gebiet auf etwa. 25 Procent von dem der besten Stelle an dem Cedar Lake schätzen. An dem Macdonald-See finden sich derartige Ab- lagerungen ebenfalls, und wohl auch noch an mehreren, bis jetzt noch nicht untersuchten anderen Stellen; wenigstens behaupten die Indianer, noch Kenntniss von mehreren harzreichen Plätzen zu haben. '") Indian Reserve Map. 21ce, | „AN Le fossiles Harz Canada’s ete. 295 Ist deren Aussage auch nicht ohne Weiteres als sicher anzu- nehmen, so folgt doch daraus, dass das Vorkommen des Harzes überhaupt auch ihnen wohlbekannt ist. Den Strom weiter hinauf, etwa 1 Meile südöstlich von Battle- Island liegt durch ein Gewirr von Wassern und Canälen verbunden mit dem Sasketchewan der Muddy Lake; etwa 1/, Meile westlich Chemahawin lagert ein Harzbrockenlager, dessen Gehalt an fos- sılem Harz recht erheblich ist. Ja bis zum Pine Island Lake lässt sich dasselbe verfolgen. An der Station der Hudson Bay Com- pany zu Cumberland House sind die Körnchen gar nicht selten. Soviel aber ist durch die Krorz’schen Untersuchungen nach- gewiesen, dass keine Stelle bis jetzt dem oben beschriebenen Uedar Lake in Bezug auf Gehalt an fossilem Harz gleichkommt. Im ganzen ist die Verbreitung des fossilen Harzes auf einer Fläche nachgewiesen, deren Radius etwa die Länge von 20 englischen Meilen hat). Ist uns das Ablagerungsgebiet des Cedarites auch im Wesent- lichen bekannt, so sehen wir doch, dass dieses nur ein secundäres ist und wir das primäre ganz wo anders zu suchen haben. Hier- bei kommen nur zwei Formationen in Betracht, in welchen die Flüsse, wie ich oben erwähnte, ihren Lauf haben, das Tertiär und die Kreide. Am nächsten liegt es, dass der Cedarit aus dem Tertiär stammt. Ich habe mir viele Mühe gegeben und bin mit fast allen Braunkohlengruben der dortigen Gegend in schriftlichen Verkehr getreten, habe aber nur die sichere Nachricht erhalten, dass in den Ligniten kleine Harzstücke vorkommen sollen, und leider nur eine Probe erhalten können, und zwar ein Stückchen Lignit mit einem kleinen Harzeinfluss. Dieses Harz erwies sich aber bei oberflächlicher Untersuchung, so klein das Partikelchen auch war, doch als vollständig abweichend von dem Uedarit. Dagegen fand ich in einer Vertiefung eines Cedaritstückchens den Rest eines sandigen Kalksteins, den ich für Kreide halten möchte. Herr Geheimrath Professor Dr. BEYRICH, dem ich den kleinen Rest zeigte, meinte jedoch, dass es tertiärer Sandstein sein könne, !) Manitoba Daily-Free-Press. Winipeg, 13. April 1892. Jahrbuch 1896. 15 2926 R. Kress, Oedarit, ein neues, bernsteinähnliches, wenigstens mit derselben Sicherheit wie Kreide. Das Stückchen war so klein und wenig charakteristisch, dass jeder sichere Anhalt fehlt. Da nun auch die Gerölle, mit denen der Cedarit zusammen vorkommt, wie mir übersandte Proben zeigen, keine Anhaltspunkte geben, so muss die eigentliche Heimath dieses Harzes als vor- läufig unbestimmt hingestellt bleiben. Nur so viel scheint mir festzustehen, dass der Cedarit in einem kalkigen Sandstein an pri- märer Lagerstätte auftritt, dass diese Lagerstätte stromaufwärts im Grebiet des Sasketchewan liegen muss und dass sie nach dem ausgedehnten, zum Theil recht reichen Harzvorkommen im Ge- biet des Cedar Lake auch recht reich an Cedarit sein muss. Die Bedeutung des Cedarits für den Handel und die Industrie. Es ist nicht zu leugnen, dass der Üedarit eine grössere Be- deutung für Handel und Industrie haben kann, als irgend ein anderes bekanntes fossiles oder subfossiles Harz, ausser Bernstein und Copal. Die in den besprochenen Gebieten lagernden Quanti- täten scheinen dafür zu sprechen. O. Krorz hat in seinem Be- richt an E. DevirLe, Esq. Surveyor General, Ottawa vom 4. November 1891 (l. c. Seite 18) versucht, zahlenmässig den Reichthum des Cedar Lake-Gebietes festzustellen. Er sagt darüber: Harzbrockenschicht Gehalt an in Cubikfuss. Oedarit. »PointÜharlotte lagern 180% 60Fussx2—= 21600 25920lbs. Station 15—16 » 1000x100 » »<2= 200000 240000 » Amber Beach » 3000xX100 » ><4=1200000 1440000 » Der Umfang kann leicht verdoppelt und verdreifacht werden durch den Sprock, der in der Bernsteinbucht auf dem Seegrund lagert. Durch das gegenwärtige, ganz primitive Verfahren kann ein Mann, vorausgesetzt, dass das Wetter schön und der Schlick trocken ist, an einem Tage 8—10 lbs Harz herausfördern, welche einen Werth von etwa 1 Dollar haben.« Ueberträgt man diese Schätzungen auf das ganze Ablagerungs- gebiet, so ergeben sich recht ansehnliche Mengen Üedarit. fossiles Harz Canada’s etc. 297 Die Regierung hat natürlich ein sehr grosses Interesse daran, in dem Lande der Bisamfelle, eine Industrie in’s Leben zu rufen. Einmal erhält sie dadurch neue directe Einnahmen, sodann aber würde auch die Unterhaltung einzelner Indianer fortfallen, die bei der Gewinnung thätig sein könnten. Sıe thut also alles Mögliche, um den Abbau des fossilen Harzes zu ermöglichen und zu erleichtern. Aber trotz alledem, glaube ich, wird man die Hoffnungen sehr herabstimmen müssen, selbst wenn die von allem Verkehr so ent- fernte Lage der fraglichen Gebiete gar nicht berücksichtigt wird. Nach KrLoTz kann man die Gegend von Ottawa aus so erreichen, dass man entweder die Bahn bis Prince Albert benutzt und dann den Sasketchewan 400.Meilen mit einem Boot hinabfährt, oder man nimmt einen Fischerdampfer von Selkirk nach Grand Rapids und legt dann die übrigen 60 Meilen mit einem kleinen Boot zurück. Von vorne herein steht der Einführung des Oedarites entgegen, dass er kein Bernstein ist. Wenn auch die Manitoba Daily Free Press (13. Aprıl 1892) ausruft: »As an article of commerce, the Cedar Lake fossil resin can with propriety be callet amber, the chemist may designate it by any other name,« — so hat sie damit nur zum Theil recht. So- weit der Cedarit zu Lack verschmolzen wird, mag es gleichgültig sein, ob er wirklich Bernstein sei oder nicht, wenn er nur brauch- bare Fabrikate liefert, sobald aber aus ihm werthvollere Rauch- und Schmuckgegenstände hergestellt werden, verlangt der Con- sument auch wirklichen Bernstein, und der Oedarit müsste sich erst unter eigener Flagge sein Verbrauchsgebiet erobern. Doch hierzu wird es nach meiner Ansicht nicht kommen. Die Möglichkeit des Cedaritverbrauches wäre, wie beim Bernstein, nach vier Richtungen gegeben: Verarbeitung als Ge- brauchsgegenstände zum Rauchen, als Schmuck, zum Pressen und zu Lack. Als Rauchrequisiten werden nur grosse und schön farbige Stücke verlangt. Das grösste gefundene Cedaritstück hat nur Wallnussgrösse. Bei genauer Durchsicht der Üedaritkörnchen findet man recente Bruchflächen, die auf grössere, beim Transport 15* 228 R. Kress, Oedarit, ein neues, bernsteinähnliches, zerbrochene Stücke schliessen lassen, gar nicht. Alle zeigen, ausser kleinen Absplitterungen, in der rund um die Stücke liegenden Verwitterungsrinde, dass sie ihre Grösse von der primären bis zur secundären Lagerstätte im Wesentlichen beibehalten haben. Die Mittheilungen einzelner Indianerhäuptlinge, wonach beispielsweise im Moos Lake und Macdonald Lake auch Stücke von der Grösse eines Pfeifenkopfes bis zu der einer Faust vorkommen sollen, wurden zum Theil von KroTz an Ort und Stelle widerlegt, zum Theil haben sie sich später als unwahr herausgestellt, wie Herr W. T. Kıng, Chief Astronomer, gelegentlich seines Orientirungs- besuches über den Bernstein in OÖstpreussen, mündlich mittheilte. Sollte es einmal gelingen, die Heimath dieser Oedaritablagerungen aufzufinden, so wird man auch kaum grosse Stücke finden. Ob dann überhaupt der Cedarit in abbauwürdigen Lagern, oder wie es sehr wahrscheinlich ist, nur in einem bestimmten Horizont sporadisch auf grosse Flächen vertheilt, auftritt, muss die Zukunft zeigen. Sollte sich meine Annahme bestätigen, dass er im Kalksandstein vorkommt, so ist an einen Abbau grösserer Stücke überhaupt nicht zu denken. Dieselben werden meist beim Herausheben zerfallen. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Oedarit irgend eine nennens- werthe Rolle in der Fabrikation von Rauchrequisiten spielen wird, ist daber gleich Null. Als Schmuck zu Perlen verarbeitet, möchte ich dem Cedarit nicht jede Aussicht nehmen. Allerdings entsprechen die aus ihm hergestellten Fabrikate nicht unserem heutigen Geschmack, da sie selbst bei möglichst reinem, d. h. wolkenfreiem Stein zu gelb sind, während alle zarten, jetzt. so sehr geschätzten Farbentöne des Bernsteins, ihm fehlen. Ausserdem sind die Stücke sehr klein, müssen auch, damit sie nicht zu viel bräunliche Wolken enthalten, noch so tief abgearbeitet werden, dass es mir mehr als fraglich erscheint, ob die Kosten für Rohmaterial und Herstellung durch den Verkaufswerth der fertigen, sehr kleinen Perlen gedeckt werden. Auch zu Pressbernstein, ambroid oder, wie ihn die ameri- kanischen Fabrikanten nennen, amberine, ist der Cedarit nicht ge- eignet. Schon die Reinigung der kleinen Stücke, die nur mit der Hand ausgeführt werden kann und die beim Bernstein etwa fossiles Harz Canada’s etc.‘ 329 75 Procent, beim Cedarit aber einen noch viel höheren Verlust bedingt, macht die Rentabilität unsicher. Ausserdem aber lassen sich die röthlichen Wolken nicht entfernen. Die aus Cedarit zu- sammengepresste amberine wird daher so missfarbig, dunkelbraun, fleckig sein, wie ich mich durch directe Probepressungen überzeugt habe, dass sie nach unserm heutigen Geschmack vollständig un- brauchbar ist. Wollte man den Cedarit beim Pressen färben, so ‚wäre am geeignetsten das Schwarz als Ersatz für Jet. Jet ist aber in den entsprechenden Stücken am englischen Markt so billig (ein Kilogramm etwa 18—20 Mark), dass bei diesem Preise garnicht an Cedarit zu denken ist, da die Selbstkosten bei der Fabrikation des Pressbernsteins viel höher sind. Ausserdem ist die Liebhaberei für Jet gegenwärtig sehr in der Abnahme. Die in neuerer Zeit hergestellten buntfleckigen Pressbernsteine sind im Grunde ge- nommen mehr eine interessante Spielerei und haben nur ganz ge- ringen Werth für Handel und Industrie. Auch ist noch zu be- denken, dass selbst hierbei alle zarten Farben durch die braunen Wolken des Cedarites leiden werden. Zur Lackfabrikation ist der Cedarit geeignet; doch auch hier ist eine Concurrenz von Bedeutung mit Bernstein und Zan- zibarcopal nur sehr fraglich. Wie bekannt werden beide erst durch Schmelzen in lösliches Colophon übergeführt, dasselbe müsste auch mit Uedarit geschehen. Von geschmolzenem Bernstein unterscheidet man je nach der Farbennüance, die eine 1 Millimeter starke Platte bei durchfallen- dem Licht zeigt, 6 verschiedene Sorten im Grosshandel: No. 0, Prima, 1, 2, 3, 4, von welchen No. 0 die hellste, No. 4, aus so_ genanntem Schwarzfirniss hergestellt, die dunkelste ist. Der ge- schmolzene Cedarit stellt sich, wie mir mehrere Versuche gezeigt haben, selbst bei vorsichtigem Schmelzen in Porzellan- oder Silber- gefässen in dieser Skala zwischen 3 und 4, kann also nach seiner Farbe nur bei den billigeren, dunkeln Lacken Verwendung finden. In Bezug auf seine Härte steht er unter dem geschmolzenen Bern- ‚stein und ist etwa so weich wie Zanzibar-Copal. Doch dürfte sein Einfluss auch auf diesen nicht wesentlich sein; der Üopal giebt im Vergleich zum Bernstein zwar weichere, aber hellere 230 R. Kress, Cedarit, ein neues, berusteinähnliches etc. Lacke, und wird, wenn es auf letzteres ankommt, entweder allein oder mit Zusatz von Bernsteincolophon verarbeitet. Ein Roh- material, das dunkle und weiche Lacke liefert, kann daher wenig Aussicht auf eine nennenswerthe Rolle in der Industrie und im Grosshandel haben. Schluss. Cedarit ist ein neues fossiles Harz, das sich vom Bernstein und von einer Anzahl anderer fossiler’ Harze unterscheidet. Er findet sich in den Triebsandgebieten des Sasketchewan, beson- ders am Cedar Lake, in zusammengeschlemmten, zum Theil recht ansehnlichen Lagern, auf secundärer Lagerstätte, während die primäre, die noch nicht bekannt ist, vielleicht der Kreide angehört. Die Kleinheit seiner Stücke, seine Farbe und sein chemisches Verhalten machen es höchst unwahrscheinlich, dass er eine grössere Bedeutung im Handel und in der Industrie erlangen wird. Jeden- falls aber ist er, soweit diese den Bernstein betreffen, ohne jeden Einfluss. Die diluvialen Wälle in der Umgegend von Nechlin. Von Herrn R. Klebs in Königsberg ı/Pr. Auf den Blättern Nechlin, Prenzlau und den benachbarten kommen eigenthümliche wallartige Erhebungen vor, welche sich durch verschiedene Theile der Blätter hinziehen. Wer unbefangen die Gegend durchwandert und in dem verhältnissmässig ebenen Gelände plötzlich einen über Kilometer langen, stellenweise bis über 8 Meter hohen, schmalen Wall vor sich sieht, der beider- seits steil ansteigt, glaubt unwillkürlich eine künstliche Anlage vor sich zu haben und vor irgend einem Vertheidigungswall der Vorzeit zu stehen. Wenigstens auf mich hat es den Eindruck gemacht, und es bedurfte erst eines ganz genauen Studiums des Verlaufes und des Materials dieser Wälle, bis ich mich davon überzeugte, dass sie ursprünglich sind und ihre Entstehung nicht der menschlichen Kunst, sondern der Inlandseisdecke des Dilu- vıum verdanken. Bild 1a und 1b, die einen Querschnitt durch das Blatt Nechlin von O. nach W. bei Wilsickow (in der auf der Karte!) bezeichneten Linie A, B, C) geben, zeigen auch an drei Stellen einen Querschnitt durch die Wälle und wie dieselben sich an diesen Stellen scheinbar unvermittelt aus der Umgebung erheben. | Die Wälle verlaufen in nord-südlicher Richtung, meist von NNO. nach SSW., oder von NNW. nach SSO., wie im nord- westlichen Theile des Blattes. Sie treten oft als hohe, steile 1) Geolog. Karte von Pr. u. d. Th. St. 1:25000. Herausgegeben von der Königl. Preuss. geolog. Landesanstalt und Bergakademie zu Berlin. ‘000F::[ uoyog 9ıp any 00085: I uadur] 9ıp amy qeisssee Prrmsypwig-sp |: Punspbopy sup ZI. ae Er We Eee TEEN ; ran NER, x Beer} ” 77227. RE miyg ir RE Z ER EN, (9y>3 99) N 2 Ey MAP | a; DSSZSa1JU2IIN N ud 1777 \ 43 RITELZETTS swamoyısjly Sep Pyl 2 u en = - = en /PY443Y2N R. Kress, Die diluvialen Wälle in der Umgegend von Nechlin. Sep 232 R. Kress, Die diluvialen Wälle in der Umgegend von Nechlin. 233 Wälle auf, bei denen stellenweise der östliche Böschungswinkel kleiner ist als der westliche; stellenweise aber trıtt auch der um- gekehrte Fall ein, bisweilen sind sie beiderseits annähernd gleich- mässig geneigt. Oft verflachen sie so, dass sie als sanfte Er- hebungen — und sogar kaum als solche — sich aus dem Ter- rain abheben und nur durch ihre Lage und durch ihr Material in eine Zusammengehörigkeit mit den hohen Wällen gebracht werden können, wie dieses beispielsweise westlich von Trebenow der Fall ist. Die Wälle verlaufen entweder als zusammenhängende Kämme oder sie lösen sich in einzelne Hügel auf, die reihenförmig hinter- einander liegen. In den meisten Fällen sind die Wälle bedeckt mit Blöcken und Geschieben, die stellenweise in dünne Bänke von Gesteinspackungnn übergehen. Des Weiteren bestehen sie aus den verschiedensten diluvialen Erdarten, als: Grand, Geschiebe- mergel, Sand, Mergelsand, Fayencemergel, Thon und unterdilu- vialem Greschiebemergel, so dass sie in ihrem Bau eine grosse Mannichfaltigkeit aufweisen. Meist treten sie in den Geländen auf, in welchen der Obere Geschiebemergel nur als dünne Decke vorhanden ist, so dass er sich beiderseits nach den Wällen zu ganz verflacht. Dieses aber ist nicht immer der Fall, wie in den von NNW. nach SSO. verlaufenden Wällen bei Wilsickow, die sich unmittelbar aus einem Oberen Geschiebemergel von über 2 Meter Mächtigkeit erheben. Allen gemeinsam ist es, dass sie nicht einmal örtlich ein- heitlich aus einer Schicht bestehen, sondern dass überall ver- schiedene Schichten an ihrem Aufbau betheiligt sind, und zwar solche, welche auch in unmittelbarer Nähe der Wälle nach- gewiesen sind, oder deren Vorkommen man mit Sicherheit dort annehmen kann. Ferner sind an ihrem Aufbau stets Bildungen des Oberen und des Unteren Diluviums betheiligt, d. h. Oberer Geschiebemergel und Schichten, die über ihm und solche, die unter ihm liegen. Bemerkenswerth ist ferner, dass die Schichten des Unteren Diluviums in der mannichfachsten Weise geknickt und gefaltet sind. R. Kress, Die diluvialen Wälle in der Umgegend von Nechlin. 234 Jim EECTE DEE SE ENRIEBEER ı VALHSEL, ‘009 :I ueyog 2ıp any ‘CZIE: IT uadur oLp Anz qejsssee sa}yonsIojunyyoIN pun puesjpeZiroW 1319WIqaLUISI%) (puesaqaryosog) SAUISYILAOF ‘yasmnıqy Pues 1910}uf] pueıg ı9ıs4un a91ajuf] 11940 pues 191990 EEG ME De RER ee NER ne NEE re Se a TS ER NO EN EEE Se RSTERET ERERTZEL: LEE UL BRILLE EEE sehe BETTER ELEEEAZIEETEIEEREL re ee fer KIN EEE >= NEID SEEN > gi DET TR BE RE LLIE, DERDRRZZDANDDEDSIDEEND? 2 iR LL TE : Z BEZZE EL ZZ ZIELT rn FIRE : ! oZıaquazuegyag ALP yoınp YyuyossdurT] ' PIId R. Kress, Die diluvialen Wälle in der Umgegend von Nechlin. 235 Bevor ich auf die Art der Entstehung dieser Wälle eingehe, möchte ich die Lage der Wälle und einige der interessantesten Aufschlüsse näher beschreiben. Der Zug westlich der Uecker hat seinen Anfang halbwegs der Landstrasse Wilsickow—Papendorf, streicht dann unter’'m N. 300 OÖ. mit mehrfachen Unterbrechungen durch das Blatt und endet südwestlich von Trebenow an einer Alluvion.e Am schönsten tritt die Wallform im nördlichen Theile dieses Zuges hervor, der dann auch den Namen »die Schanzberge« hat, da er eine fast zu- sammenhängende 2800 Meter lange Schanze bildet, die fast grad- linig, jedenfalls nur mit ganz flachen Windungen vom Wilsicko- wer Weg bis zum Fliess verläuft. Annähernd in der Mitte des Walles der Schanzberge zweigt sich von ihnen fast rechtwinklig ein zweiter Zug ab, der anfangs steil nach W., dann nach NW. und endlich nach N. 30° W. hinzieht und eine Länge von etwa 2200 Meter hat. Die Schanzberge mit ihrer Fortsetzung nach Trebenow messen mit den Unterbrechungen (die zusammen ge- nommen 2500 Meter betragen) 9000 Meter. Der ganze Zug er- streckt sich in einer Entfernung von etwa 2,3—3,0 Kilometer vom Ueckerthal diesem annähernd parallel. Oestlich von der Uecker beginnen die Wallberge nordöstlich von Niden, und ziehen sich in schwachen Schlangenwindungen, stellenweise unterbrochen, bis an die Grenze von Blatt Prenzlau hin, dort wenden sie sich fast rechtwinklig von bisheriger Rich- tung nach W. 300 S. und folgen, als einzelne Hügel, dem Nordufer des Donnergrabens unmittelbar an diesem gelegen. Die Gesammtlänge dieses Zuges beträgt etwa 9,5 Kilometer. Ich habe versucht, aus einer grossen Anzahl von Bohrungen und Aufschlüssen (22 Bohrungen und 10 Aufschlüssen) einen Längs- schnitt durch den Wall der Schanzberge zu construiren. Ich weiss wohl, dass dieses seine Schwierigkeiten hat. Jedoch sind nur solche Bohrungen berücksichtigt, welche auf dem Kamme des Walles liegen und von Aufschlüssen das Profil, welches annähernd dem Kamme entspricht. Die geringen Schwankungen in den Öberflächenformen des Walles sind nicht berücksichtigt, sondern in eine Ebene verlegt. Die vollen Linien sind directe Beobach- 236 R. Kress, Die diluvialen Wälle in der Umgegend von Nechlin. tung, die punktirten Construction. (Die Zeichen-Erklärung gilt für alle Abbildungen.) Einen Querschnitt durch diesen Wall zeigt Bild 3. Er liegt an der in Bild 2 mit @ bezeichneten Stelle. 7 ? Jr DE ö a MAN KDMpz i ER Reyr SU, WIR UNNA ! Zeichenerklärung s. $. 234. Maassstab 1: 300. a ist ein grandiger Sand mit zahlreichen Geschieben, die zum Theil aus ihm hervorragen und die Oberfläche reich an grösseren Blöcken machen. 5 ist ein normaler Oberer Geschiebe- mergcl. c Mergelsand. Der letztere ist, wie es die punktirten Linien angeben, in schöner Weise gefaltet. Dadurch, dass ın diesem Mergelsande dünne Einlagerungen von Braunkohlenstäub- chen vorkommen, die ihm fast das Ansehen braungestreifter Sande des Tertiärs geben, sind die Faltungen meist bis in die kleinsten Details sichtbar und sehr schön in ihrem Verlaufe zu verfolgen. Der Obere Geschiebemergel umlagert mantelförmig den Mergelsand, doch nicht auf eine weite Strecke, da ihn Bild 4, Bild 4. Zeichenerklärung s. $. 234. Maassstab 1: 300. welches die westliche Grubenwand des Aufschlusses Bild 3 dar- stellt, bereits als zugerundete‘ Scholle zeigt, die sich in den Unteren Sand bezw. Grand hineingepresst hat. Auch dieser ist geschichtet und sehr stark gefaltet, wenn auch die Faltung nicht R. Krers, Die diluvialen Wälle in der Umgegend von Nechlin. 9237 so schön sichtbar ist, als in dem braunkohlenstreifigen Mergel- sand. Da, wo der von den Schanzbergen nach W. abgehende Wall die Strasse Wilsickow--Papendorf schneidet, liegt 200 Meter von dieser Stelle an einem Wege der Aufschluss, den Bild 5 wieder- giebt. Bild 5. Zeichenerklärung s. S. 234. Maassstab 1:300. Öberflächlich ragen einzelne grössere Blöcke aus dem Boden, die am Westabhange unmittelbar in eine Gerölle- und Geschiebe- packung übergehen. Der Obere Greschiebemergel streckt sich nur am Fusse des Ostabhanges als dünne Schicht über den Unteren Mergelsand. Dieser und der unter ihm liegende Grand sind steil aufgerichtet und mannichfach in ihren Schichten ge- faltet. Im Grand ist eine deutliche Schichtung, deren Verlauf und Richtung die Schraffur des Bildes zeigen soll, an den Stellen g wahrnehmbar. In A lagern Geröllepackungen im Grand, die, wie es die Zeichnung wiedergiebt, gefaltet sind. Grequetschte und durch Kalksinter »geheilte« Geschiebe sind in ihnen nicht selten. | Die von Werbelow nach Milow führende Landstrasse schnei- det einen Wall etwa 200 Schritte vom Dorfe. Hier liegt hundert Schritte nach S. an einem Wege der Aufschluss, den Bild 6 wiedergiebt und 220 Schritte an der Westabdachung des Walles der aus Bild 7. Bild 6. Zeichenerklärung s. $. 234. Maassstab 1: 300. 238 R. Kıess, Die diluvialen Wälle in der Umgegend von Nechlin. Bild 6 zeigt den Wall in einem Theile des Querschnittes. Die grandige Gerölle führende Schicht erreicht hier eine Mäch- tigkeit von stellenweise über 2 Meter, der Obere Greschiebe- mergel tritt von O. her, als über 6 Meter mächtige Bank heran, der Grand ist in mannichfachen Schichtenstörungen zusammen- geschoben. | Bild 7 giebt einen Längsschnitt eines Walltheiles und einen Querschnitt durch den nördlichen Flügel der Grube. In ihr ist Bild 7. Zeichenerklärung s. S. 234. Maassstab 1: 300. der unterdiluviale Thon in die Höhe gehoben. Oberflächlich ist derselbe von einem Mantel vollständiger Thon- Breccien (t;) um- geben, etwas tiefer steht geschichteter Thon an, der aber in der mannichfachsten Weise in seinen Schichten gefaltet und von Ver- werfungen durchsetzt ist, wie ich es durch die Linien darzustellen versucht habe. Am nördlichsten Ende des Malchower Walles, östlich des NB 38,50 ıst der Untere Geschiebemergel, als Flötz mit fast scharf- kantigem Ende, in die Höhe gepresst. Sand und Grand sind in der oben beschriebenen Weise gefaltet. Den Aufschluss zeigt Bild 8: Bild 8. TZITTITIIN) | = ln A teschtebermergel\:: Maassstab :1 : 300. R. Kıess, Die diluvialen Wälle in der Umgegend von Nechlin. 239 In dem Aufschluss (Bild 9), welcher 260 Meter südlich des letzten (Bild 8). am Westabhange desselben Walles liegt, hat sich der Obere Geschiebemergel apophysenartig zwischen den Sand und Grand geschoben, welcher erstere an den bezeichneten Stellen äusserst klar eine gewundene Schichtung zeigt. Bild 9. 7772 Zeichenerklärung s. S. 234. Maassstab 1: 300. Den oberdiluvialen, Gerölle und Geschiebe führenden Grand beobachtete ich am mächtigsten in einem Aufschlusse, welcher in dem die Nordwestgrenze des sogenannten Wolfswinkel bildenden Walle liegt, d.h. südöstlich des Schnittpunktes der Wege Mal- chow—Rollwitz und Niden— Damerow. Bild 10. 0:0 4 /) ng: & . ....h Zeichenerklärung s. S. 234. Maassstab 1: 300. Zum Schluss gebe ich in Bild 11 den Anschnitt eines hierher gehörigen Hügels auf Blatt Prenzlau. Der Aufschluss liegt am Nordufer des Dauergrabens westlich des Landweges (nicht der Chaussee) von Dauer nach Goeritz. 2 0 ERS - = „oo. --.er.0o = - = - om NO, me Zeichenerklärung s. S. 234. Maassstab 1: 400. 240 R. Kress, Die diluvialen Wälle in der Umgegend von Nechlin. Der emporgepresste Untere Sand und Grand zeigt die mannig- fachsten Faltungen, wie sie durch die Striche angedeutet sind. Leider ist der Verlauf der Schichtung nicht überall deutlich zu verfolgen. Bei x geht eine kleine Verwerfung durch den Grand, die sich schön in bräunlicher Färbung, soweit der Strich sie an- giebt, abhebt. Noch eine ganze Anzahl ähnlicher Durchschnitte habe ich be- obachtet und gezeichnet, die aber im Wesentlichen nichts Anderes zeigen, als die beschriebenen. Auch BERENDT und SCHRÖDER führen an den weiter unten citirten Orten eine Reihe von Durchschnitten von ähnlicher Beschaffenheit an. Wenn wir aus der Zusammensetzung dieser Wälle ihre Ent- stehung herleiten wollen, so sehen wir, dass zweierlei Kräfte bei diesen Bildungen thätig waren: die aufpressende und die auf- schüttende. Aufgepresst sind zunächst die Schichten unter dem Oberen Geschiebemergel, die wir aus practischen Gründen durch- weg mit unterdiluvial bezeichnen, ohne dabei bestimmt behaupten zu wollen, dass nicht manche dieser Ablagerungen ihre Entstehung der jüngsten Vergletscherung verdankt. Denn der vorschreitende Gletscher hat sicher seine Endmoränen und seine Abschmelz-Bil- dungen vor sich hergeschickt, die er allerdings bei seinem Weeiter- rücken mit der Grundmoräne überdeckte, oder z. Th. derselben einverleibte. Diese Vorläufer — Thon, Fayencemergel, Mergel- sand, Sand, Grand, Gerölle — lagerten sich auf die petrogra- phisch wohl vollständig gleichen Bildungen der Abschmelzperiode der älteren Vereisung. Ein sicheres Auseinanderhalten dieser beiden Bildungen ist in der Praxis für die meisten Fälle bis jetzt uumöglich. Selbst das Auftreten zoo- oder phytogener Intergla- cialschichten, sowie entkalkte Horizonte können nur bedingungs- weise das Ober- vom Unterdiluvium trennen. Ausserdem finden sich derartige Ablagerungen verhältnissmässig so selten, lassen auch bei dem ungemeinen Wechsel der diluvialen Bildungen nur Schlüsse für ganz örtlich begrenzte Gebiete zu, dass sie in den allermeisten Fällen nur eine Bedeutung für die nächste Umgebung ihres Vorkommens haben können. Auch ist nicht ausgeschlossen, dass vielfach Umlagerungen R. Kıees, Die diluvialen Wälle in der Umgegend von Nechlin. 241 während der Interglacialzeit ohne directen und indirecten Einfluss der Gletscher stattgefunden haben, so dass namentlich viele gleich- körnige Sande zu Dünen, viele feine Fayencemergel in derselben Weise, wie der Löss aufgeweht und dann nicht unterdiluvial, son- dern interglacial sind. Aber auch dieses ist in den seltensten Fällen an Ort und Stelle mit Sicherheit zu beweisen, da man es auch hier nur mit ähnlichen Varianten der Korngrösse des Sandes zu thun hat, wie sie im Unterdiluvium vorkommen und die Formen ihrer Ablagerung, insoweit sie charakteristisch sein könnte, durch den Gletscher verändert wurde. Etwaige Bedenken gegen das unterdiluviale Alter eines Theiles des Kernmaterials der Diluvial- wälle, wie des Mergelsandes und des Gerölle führenden Grandes, die mir während der Kartirung aufstiegen, muss ich daher auch unterdrücken. Es sind doch nicht Beweise genug vorhanden, um hier die Obergrenze des Unterdiluvium tiefer zu legen, als im Liegenden des Oberen Geschiebemergels, ein Horizont, der sich für die Praxis und die gleichwerthige Kartirung so sehr bewährt hat. Aus diesen Gründen müssen wir alle emporgepressten unter dem Geschiebemergel lagernden Schichten mit unterdiluvial be- zeichnen. Aber auch der oberdiluviale Geschiebemergel lagert so, dass man seine Aufpressung annehmen muss, d.h., nicht er ist die Ursache gewesen, sondern er ist mitgehoben. Allerdings ist dieses schwerer nachzuweisen, als bei den geschichteten Ab- lagerungen. Es kommen, wie die vorhergehenden Abbildungen zeigen, Bänke und Schichten Oberen Geschiebemergels in den : mannigfachsten Lagerungsverhältnissen vor, aber alle gestatten verschiedene Deutungen. Unter den vielen Profilen scheinen mir nur zwei einwandsfrei, welche Bilder 12 und 13 wiedergeben; der Aufschluss Bild 12 liegt an der Strasse Niden — Damerow. Bild 12. ey = N) Zeichenerklärung s. S. 234. Maassstab 1: 300. Jahrbuch 1896, 16 242 R. Kress, Die diluvialen Wälle in der Umgegend von Nechlin. Der Obere Geschiebemergel liegt hier in 3 Bänken auf einem feinen Sand, den ich als Fayencemergel dargestellt habe. Wenn man den Aufschluss sieht, macht es den Eindruck, als ob bei einer Hebung die Mergelbank zerrissen sei, zwischen deren Fetzen sich der feine Sand hineingepresst hat. Noch deutlicher scheint mir dieses der Aufschluss Bild 13 zu zeigen, der die gegenüberliegende Seite des unter Bild 8 beschrie- benen Profils ist. Bild 13. ei TI EN) N & Zeichenerklärung s. S. 234. Maassstab 1: 300. Die Geschiebe-Mergelbank ist hier zerrissen und in den Riss hat sich apophysenartig der Untere Sand gedrängt, in der mannig- faltigsten Weise gefaltet und geknickt. In ihm aber liegen noch 3 Schollen Geschiebemergel, welche losgerissen von den Bruch- flächen die Verbindung zwischen beiden herstellen. Eine andere Deutung ohne Zwang als die, dass die Hebung erst nach dem Absatz des Oberen Mergels stattfand, lassen die Aufschlüsse wohl nicht zu. Die Ablagerungen durch Aufschüttung, wobei ich dahin ge- stellt lassen muss, ob es directe Aufschüttung oder Rückstand einer Auswaschung älterer Schichten an Ort und Stelle ist, überlagert, wenn sie vorkommt, discordant die anderen Bildungen. Sie ist stellenweise nur Gerölle und Blockbestreuung, stellenweise aber auch ein schwachlehmiger Grand von geringer Mächtigkeit, geht aber local in Geschiebe führende Grande, ja selbst in Gesteins- packung über. Als Schicht ist sie nur nesterweise ausgebildet, während sie als Bestreuung oder als Beschüttung früher wohl die Wälle in ihrer ganzen Ausdehnung bedeckt hat. Gegenwärtig ist allerdings ein grosser Theil der Blöcke abgeräumt und zu Bau- zwecken verarbeitet. II NS N R. Krers, Die diluvialen Wälle in der Umgegend von Nechlin. 243 Solche auffallende Erscheinungen wie diese Wälle, mussten natürlicher Weise jedem Geologen und auch Laien sofort auffallen. Es ist daher auch eine ganze ansehnliche Litteratur über diese Gegend und derartige Bildungen vorhanden, bezüglich welcher ich auf 1. G. BERENDT in Zeitschrift der Deutschen Geologischen Ge- sellschaft 1888, S. 483—489; 2. H. SCHRÖDER, ebendaselbst, 1894 S. 2933—301; 3. H. SCHRÖDER, Jahrbuch der Königl. Preuss. geolog. Landesanstalt und Bergakademie, 1888 S. 166—211, ver- weise. SCHRÖDER bezeichnete diese Wälle mit Durchragungszüge, allerdings wie er l.c. 3, pag. 285, sagt: »lediglich um damit, un- abhängig von allen theoretischen Vorstellungen das reine Lage- rungsverhältniss der an dem Aufbau der kücken theilnehmenden Schichten zu kennzeichnen«. So richtig, wie diese Bezeichnung auch ist, erscheint sie mir zur Charakterisirung dieser Wälle doch nicht genügend. Alle zu Tage tretenden älteren Schichten sind, wenn nicht gerade Erosion sie blossgelegt hat, Durchragungen, die ihrer Entstehung nach sehr leicht in reihenförmige Anordnung gebracht werden können. Auch auf Blatt Nechlin und Prenzlau kommen Durchragungen von Unteren Sand vor, die kuppenartig aus dem Oberen Geschiebe- mergel herausragen, so beispielsweise bei Schmarsow und Dame- row, die Hügel südöstlich von Tornow. Dieselben können aber nicht mit den Wällen zusammengezogen werden und sind einfach durch den vorrückenden Gletscher zusammengeschobene Sande, wie sie an unzähligen Stellen im Gebiete des Oberen Geschiebemergels vorkommen. Die Wälle dagegen sind in ihrer Form so eigen- thümlich und unterscheiden sich in den meisten Fällen auf den ersten Blick von allen diesen Aufpressungen, selbst auch von denen der Endmoräne. Für eine solche hält ScHRÖDER diese Wälle und zwar erzeugt durch Aufpressung des Bodens während einer Stillstandsperiode des sich zurückziehenden Eises der letzten Vergletscherung. Wäh- rend die erste Etappe durch die Neu-Strelitz-Joachimsthaler, die ‚zweite durch die Boitzenburg-Angermünder Endmoräne bezeichnet wird, gehören die Nechliner Wälle der dritten an, 1. c. 1, pag. 298. 16° 244 R. Kıess, Die diluvialen Wälle in der Umgegend von Nechlin. Ich stimme darin mit SCHRÖDER nicht ganz überein und halte diese Wälle nicht für die eigentlichen Aufpressungen der Endmoräne. Wenn es nach seiner Karte (l. c. 2, S. 294) auch den Anschein hat, als ob diese Wälle sich so ordnen lassen, dass der nachfolgende annähernd in der Längsrichtung des vorhergehenden liegt, und dass dann schliesslich eine bogenförmige Anordnung herauskommt, wie wir sie bei den Endmoränen finden, so liegt das wohl in erster Reihe an dem kleinen Maassstabe seiner Karte 1:250000. Bei einem grösseren Maassstabe weichen die einzelnen Wälle stets von der bereits gefundenen Richtung ab, so dass man einen doch zu complicirten Verlauf herausbekommt. Die Wälle treten z. Th. so klar aus der Ebene heraus nnd so schmal, dass man in ihrer Fortsetzung eine grössere Uebereinstimmung verlangen kann. Meist sind sie so scharf nach beiden Seiten hin gleichmässig profilirt, dass ich sie mir unmöglich durch einseitigen Druck ent- standen denken kann. Die Art und die Lagerung des Materials, aus dem sie bestehen, schliesst eine spätere gleichmässige Um- formung durch Abrutsch gänzlich aus. Auch ihr Auftreten (Bild 1a) gerade in den niedrigen Partien der Diluviallandschaft scheint mir gegen Endmoränen zu sprechen, die wir sonst gerade in den höchsten Lagen, wenigstens in ihrem Hauptverlaufe, zu finden gewohnt sind. Ich denke mir das Abthauen des Eises nicht an eine bestimmte Grenze gebunden, sondern durch Veränderung des Klimas über- haupt bedingt. Es wurde von oben her immer schwächer und mag sich schliesslich nach vorn ganz verflacht haben. Selbst wenn der Rückzug nicht allmählich, sondern ruckweise sich vollzog, kann eine Endmoränen-Aufpressung nur so lange stattgefunden haben, als die Stirnseite des Gletschers die nöthige Schwere besass, da ja die vorstossende Kraft aufgehört hatte. Ich bin fest davon über- zeugt, dass, je mehr sich das Auge für das Phänomen schärft, wir auch noch eine Anzahl von hintereinander liegenden Endmoränen finden werden, aber schliesslich müssen sie aufhören, wenn das Eis so dünn geworden war, dass es gar keine oder sehr geringe Aufpressungen und ganz verwischte Endmoränen erzeugen konnte. R. Kress, Die diluvialen Wälle in der Umgegend von Nechlin. 245 Ich erkläre mir die Entstehung der diluvialen Wälle ın folgender Weise: Die ganze Zone vor dem Ende des Gletschers war durch- furcht und zerrissen von Spalten, in denen Giessbäche die Schmelz- wasser abführten und sich allmählich bis auf den Grund durch- frassen, oft auch in diesen sich hineinbohrten und dann Strudel- löcher erzeugten. In den Gebieten des schwachen Eises ging dieses ohne Veränderung des Untergrundes vor sich, wo aber das Eis mäch- tiger und die Spalten enger wurden, fand eine Aufpressung, ähn- lich der Endmoräne, statt. Je mächtiger die Eismassen, desto höher war auch die Aufpressung. Aus diesem Grunde bemerken wir bei den Wällen auf Nechlin und Umgegend, dass sie ın südlicher Richtung allmählich an Höhe abnehmen und schliess- lich scheinbar unter dem Oberen Geschiebemergel verschwinden. Ausser der Veränderung der Thalsoble durch die Aufpressung, wurde sie auch durch herabstürzende Erdmassen aus den Glet- schern und namentlich durch die Bäche selbst verändert. Theile wurden unter Zurücklassung des groben Materials fortgespült, andere neu umgelagert. Wie die Bäche weiter verliefen und zur Bildung unserer heutigen Thäler und Thälchen die Veranlassung wurden, darüber haben sich WAHNSCHAFFE, Jahrbuch der Kgl. Preuss. geolog. Landesanstalt und Bergakademie 1887, S. 150 bis 164 und BERENDT |. c. 1 in überzeugender Weise ausge- sprochen. Diese Aufpressungen, bedeckt mit Resten der ehemaligen Wasserläufe, bildeten nach dem Ab- thauen des Eises die oben besprochenen Diluvial- wälle, wie wir sie bei Nechlin und Umgegend finden. _ Aber nur so lange die Spalten eng waren, konnten derartige Wälle entstehen. Während des Schmelzens des Eises verbrei- terten sich die Spalten schnell, ihre Ufer wurden flacher und breitere Betten boten sich den Thauwassern. Während dieser Zeit mögen sie Theile der Wälle fortgewaschen, bestimmte Thal- rinnen ausgespült und überhaupt die vorhandenen Ablagerungen unter Zurücklassung der Blöcke und Gerölle oberflächlich an- genagt haben. So wurden sie die Veranlassung zu massenhaftem Auftreten der Blöcke in jener Gegend, über welche ältere Fach- 246 NR. Kıess, Die diluvialen Wälle in der Umgegend von Nechlin. genossen, wie KLÖDEN und BorL, berichten, und die erst in neuerer Zeit nach vielfachen Mittheilungen der dortigen Ein- wohner und nach dem Material der ländlichen Gebäude zu ur- theilen, abgebaut sind. Immerhin aber sind die Wirkungen dieser Bäche im Ein- zelnen nicht sehr gross gewesen, da es mir nicht gelang, Obere Sande und Grande in der Ebene mit Sicherheit nachzuweisen. Man findet zwar in der Nähe der Wälle die oberen Partien des Geschiebemergels oft sandiger bezw. grandiger, wie dieses das nachstehende Schema als Beispiel zeigen soll. (Die Punkte be- deuten die Lage der Bohrungen in der Entfernung von der Mitte des Walles im Maassstab 1:25000.) Wall Nidden 1 2 3 Malchow 4 5551 67° Des Göritz . N. 11 en 15 DIS5 »HLS3 YSL3 a LS 6 L4 M LS4a+ M HISs4 H»ı85 BMıcsk DLIsı Suse S M S L86 123 La S M M inEs5 weist MS ML: Dan SL 2 SL 8 L 8 18 L6 sm M4 M M M S R. Kress, Die diluvialen Wälle in der Umgegend von Nechlin. 9247 Jedoch ist dieses Verhältniss nicht allgemein nachzuweisen und der Uebergang in den unzersetzten Mergel meist so allmäh- lich, dass ich diese sandigeren Partien erwähne, ohne besonderen Werth. auf ihr Vorkommen zu legen. Wenn SCHRÖDER aus diesen Wällen eine Endmoräne con- struirt, die genau parallel der südlicheren (Chorin) Endmoräne streicht (1. c. 2, S. 301), so gebe ich ihm darin z. Th. vollständig recht. Durch diese Wälle wird im Wesentlichen die Lage des ehemaligen Gletscherrandes gegeben, weil sich diese Spalten hinter demselben gebildet haben. Aufpressungen und Aufschüttungen der Endmoräne aber sind sie nicht. Alle diese diluvialen Wälle liegen in einer breiten Zone (wie auch SCHRÖDER |. c. 2, S. 301 sagt). Der Südrand dieser Zone würde dem ehemaligen Gletscherrand entsprechen, gegen welchen die Wälle als Zeugen einstiger Bäche, welche in Spalten die Thauwasser abführten, in einem wechseln- den Winkel herantreten. Ob aber wirkliche Endmoränen am Südrande der Zonen vor- kommen, kann ich nicht entscheiden. Auf den Blättern Nechlin und Prenzlau kommen sie nicht vor, oder sind so wenig ins Auge fallende Aufpressungen, dass ich sie übersehen habe. Es ist auch möglich, dass sich unter den Hügelreihen, wie beispielsweise am Dauergraben, die in ihrer Längsrichtung winklig zu dem Südende der Malchower Diluvialwälle stehen, und auch nicht mehr so deut- lich den Oharakter eines langen schmalen Walles zeigen, wirk- liche Endmoränen verbergen. Es bliebe späteren Untersuchungen überlassen, dieses und namentlich auch die Fortsetzung dieser Hügel auf den Nachbarblättern zu verfolgen. Erkennt man die Entstehung dieser diluvialen Wälle in ehemaligen Gletscherspalten an, so erklärt es sich auch leicht, dass eigentliche Sandablage- rungen, wie sie sonst vor den Endmoränen vorkommen, hier fehlen. Die Bäche haben eben keine so weitgehenden Umlagerungen er- zeugt. Das, was sie an feinerem Material mit sich führten, liessen sie in den später mit Alluvionen gefüllten Thälern und Thälchen und entzogen es so unserer geologischen Beurtheilung, z. Th. auch bei stärkeren Torf- und Moordecken unserer Beobachtung. Die gröberen Sande, Grande und Blöcke blieben überhaupt in den 948 R. Kress, Die diluvialen Wälle in der Umgegend von Nechlin. Bachbetten liegen. Es erklärt sich auch leicht, weshalb wir nicht weiter südlich im Zusammenhang mit den grossartigen Endmoränen- bildungen ähnliche diluviale Wälle finden. Als die Gletscherwand noch hoch und stark war, wie z. Z. der Entstehung der bis jetzt bekannten Hauptendmoräne von Neu-Strelitz-Joachimsthal, werden die Bäche weniger Grelegenheit gehabt haben, sich bis auf den Grund durchzunagen. Es konnten daher auch hier nicht Auf- pressungen in der Art der Wälle entstehen. Wir werden sie überhaupt nur in weiter von der Hauptendmoräne zurückliegen- den Gebieten zu suchen haben. Meine Ansicht üher diese Diluvialwälle deckt sich daher zum Theil mit dem, was BERENDT ]. c. 1 über die Art ihrer Entstehung, nicht aber über ihr Alter gesagt hat. BERENDT erklärt 1. c. 1 diese Wälle für Äsarbildungen und bringt sie in volle Uebereinstimmung mit den Äsar Skandinaviens. Die hiesigen wie die dortigen hält er für unterdiluvial. Aus dem Vorhergehenden aber glaube ich es zur Genüge erörtert zu haben, dass ein Theil des Materials dieser Wälle auf Nechlin und Um- gegend zwar unterdiluvial ist, dass aber ihre Entstehung, d. h. ihre Aufpressung nach Ablagerung des Oberen Geschiebemergels, d.h. in die Abschmelzperiode der letzten Vergletscherung fällt, dass sie selbst mithin oberdiluvial sind. Bei Durchsicht der Beschreibungen von Asar aus Skandinavien findet man, dass unter dieselben eine ganze Anzahl von Bildungen zusammengefasst werden, deren Entstehung und Zusammensetzung ganz verschieden ist. Soweit ich die Litteratur kenne, bezeichnet man dort mit Äsar Ablagerungen, die ich in folgender Weise aus- einander halten möchte: 1. Diluviale Grandrücken, d.h. über dem Geschiebemergel liegende. Sie verdanken ihre Entstehung Gletscherbächen, deren Sohle mit ihren Sanden und Geröllen im Eise lag, welche nach dem Abthauen desselben auf die Unterlage niedersanken und wall- artige Erhöhungen erzeugten. 2. Bildungen, wohl analog unseren Diluvialwällen, von ähn- licher Beschaffenheit wie die vorigen, doch lagern sie nicht auf Oberem Geschiebemergel, sondern gehen unter denselben herunter. R. Kress, Die diluvialen Wälle in der Umgegend von Nechlin. 249 Mit diesen vergleicht auch BERENDT |]. c. 1, 8.485, die Wälle von Nechlin, Prenzlau etc. 3. Wie BERENDT |]. c. 1, S. 485, mittheilt, die breiten unter- diluvialen Sandrücken, die wir als einfache Zusammenschiebungen, Durchragungen aufzufassen berechtigt sind. Wenn BERENDT unter diesen Sammelnamen Äsar die Di- luvialwälle von Nechlin und Umgegend einreihen will, so hat er darın Recht. Allein unsere Wälle sind ın ıhrer Form und in ihrem Baue so scharf charakterisirt, dass ich es vermieden habe, für sie den Namen Äsar zu gebrauchen, und im Vorgehenden sie stets als »diluviale Wälle« bezeichnete, welche Sonderbenen- nung, wie mir scheint, die besprochenen Bildungen beanspruchen können. Die Entwickelung der ostpreussischen End- moränen in den Kreisen Ortelsburg und Neidenbureg. Von den Herren C. Gagel und G. Müller in Berlin. (Hierzu Taf. V1.) Seitdem durch die Untersuchungen BERENDTs, WAHN- SCHAFFE’s, KEILHACK’s und SCHRÖDER’s die Endmoränenzüge in der Mark, Pommern, Posen und in einem Theil Westpreussens bekannt geworden, zu denen sich die Arbeiten von GEINITZ, GOoTTSCHE und Haas über die Gebiete Mecklenburgs und Schles- wig-Holsteins gesellen, fehlt zum Abschluss des Gesammtbildes nach ©. hin nur noch die Festlegung der Endmoränen im grössten Theile Westpreussens und in Östpreussen. Die Kartenaufnahme in dem masurischen Arbeitsgebiet gab uns in den letzten Jahren Gelegenheit, Theilstücke der ostpreussischen Endmoräne auf den Blättern: Jedwabno, Passenheim, Gross-Bartelsdorf und Mensguth genauer kennen zu lernen. Es war uns jedoch leider versagt, die- selben weiter als auf den uns zur Specialkartirung übertragenen Blättern zu verfolgen, so dass wir nur das auf diesen Beobachtete der Oeffentlichkeit übergeben können. Obwohl wir uns bewusst sind, dass wir nichts Abgeschlossenes bieten können, veranlasst uns, schon jetzt unsere Beobachtungen zu veröffentlichen, die Erwägung, dass die Festlegung der gesammten Endmoränen noch länger auf sich warten lassen dürfte, da dieselbe meist nur durch die exacte Kartenaufnahme bewirkt werden kann. C. GAceu und G. MüLter, Die Entwickelung der ostpreussischen etc. 351 Durch Verfolgung der »Greschiebewälle«, wie es in der Uckermark und Pommern anfänglich angängig war, würde in Östpreussen kein Bild der Moränenzüge zu erlangen sein, da vielfach auf grosse Strecken hin bemerkenswerthe und auffällige Anhäufungen von Geschieben im Endmoränen-Gebiet nicht anzu- treffen sind. Andererseits tritt auch die Endmoräne orographisch mannigfach gar nicht aus der übrigen Diluviallandschaft heraus, so dass hier auch dieses, besonders von SCHRÖDER stets betonte Charakteristikum, versagt und dem unbefangenen Beobachter der- artige Grebiete oft als nicht weiter auffällige Flächen Oberen Sandes und Grandes erscheinen, bei denen die zugartige Anordnung der Aufschüttung erst bei sorgfältiger Kartirung hervortritt. Es ist daher leicht die Gefahr vorhanden, dass dem solche Flächen kar- tirenden Greologen, insofern ihm nur ein beschränktes Aufnahme- gebiet zugewiesen ist, das Vorhandensein der Endmoräne ent- gehen kann. In dem hier speciell behandelten Gebiet gestaltet sich die Sachlage noch besonders schwierig dadurch, dass hier nicht eine einzige Endmoräne gebildet ist, sondern dass der alte Eisrand hier augenscheinlich verhältnissmässig sehr lange gelegen und wiederholte Vorstösse und Rückzugsbewegungen gemacht hat, die aber nicht immer gleichmässig erfolgt sind, so dass die verschie- denen Endmoränenbildungen z. Th. einander kreuzen, und es im Einzelnen nicht immer möglich ist, noch den genauen Zusammen- hang der einzelnen Stücke festzustellen und für jede Etappe die Lage des alten Eisrandes zu construiren. Besonders die ältesten hierher gehörigen Bildungen sind später grösstentheils übersandet bezw. auch wieder zerstört und so nur noch als isolirte Bruch- stücke vorhanden; andere als Stücke der Endmoräne erkannte Bildungen stossen zwar an einander, gehören aber augenschein- lich nicht der gleichen Rückzugsetappe an; Bildungen, die nach Entstehung einer Endmoräne beim Rückzug des Eisrandes ab- gesetzt sind, sind beim erneuten Vordringen des Eisrandes auf- gepresst und zusammengeschoben, event. sogar noch mit kleinen Fetzen Geschiebemergels überdeckt, so dass sie so beim ersten Anblick den Anschein unterdiluvialen Alters erwecken. 252 C.GuaAcer und G. Mürter, Die Entwickelung der ostpreussischen Die Erkenntniss der Thatsache, dass der längere Stillstand des Eises den Aufbau solcher Gebiete geschaffen hat, wirkt ge- rade in diesen Fällen wie »die Auffindung eines verwach- senen, grossen Hauptlängsgestells in meilenweiter Forst, mit dessen Hilfe es endlich möglich wird, sich überhaupt zurecht zu finden, und namentlich be- stimmte Anhaltspunkte für richtige Eintragung seiner mannigfachen Beobachtungen zu gewinnen«. Wenn man mit der Bahn von Allenstein über Passenheim nach Ortelsburg fährt, sieht man zunächst rechts und links eine ausgedehnte, typische Geschiebemergel-Landschaft. Hinter Klau- kendorf hat der Bahnbau vielfach Sande angeschnitten, die sich als oberdiluviale Sande erweisen. Gleichzeitig nähert man sich einem Höhenrücken, der bei der Haltestelle Mertinsdorf bis auf 1 Kilometer an den Bahnkörper herantritt, um 2,5 Kilometer weiter östlich bei Klein-Purden von demselben durchschnitten zu werden. Sucht man nun von einem nordöstlich von Alt-Mertins- dorf gelegenen höheren Punkte, etwa vom Kosakenberg aus einen Ueberblick zu gewinnen, so sieht man, wie der Höhenrücken nach NO. umbiegt, und über die Ortschaften Saborrowen, Gon- schorrowen durch die Feldmarken von Rauschken, Samplatten nach Raschung und von hier nach Bottowen sich hinzieht. Süd- westlich Gross-Rauschken stösst dieser Endmoränenzug mit einem zweiten Zuge zusammen, der in SSW.-Richtung über Passenheim nach Jedwabno verläuft, wo mehrere Bogenstücke hinter einander entwickelt sind. Ausserdem zieht sich südwestlich Jedwabno ein Endmoränenbogen zum Dluczeksee hinüber, dessen Erforschung mit dem Kartenrande abschloss. Die Entwickelung dieser etwa 60 Kilometer langen Endmoränenstücke ist auch in ihrem Ver- lauf eine so verschiedenartige, dass man eine Reihe von Einzel- beschreibungen liefern muss, um ein anschauliches Bild geben zu können. Bei dem Dorfe Bottowen tritt die masurische Endmoräne auf das Blatt Mensguth über. Sie bildet hier, wie auch in ihrem weiteren Verlauf, die Grenze zwischen Ermland und Masuren. Sucht man Bottowen von Mensguth aus zu erreichen, so durch- Endmoränen in den Kreisen Ortelsburg und Neidenburg. 953 fährt man eine typische Grundmoränenlandschaft, wie sie von WAHNSCHAFFE und KEILHACK anschaulich beschrieben worden ist. »Eine ausgedehnte Oberflächen -Verbreitung des Geschiebe- mergels, sowie ein rascher Wechsel der Höhenunterschiede inner- halb der Diluvialhochfläche, hervorgerufen durch das Auftreten zahlreicher Sölle oder Pfuhle und grösserer Bodeneinsenkungen, sind für dieses Gebiet bezeichnend«. Je mehr man sich Bottowen nähert, umsomehr erheben sich die Geschiebemergelrücken über den Spiegel der Ostsee. Während von Mensguth bis Wappen- dorf die Hügel durchschnittlich 516—520 Fuss hoch sind, er- 254 C.Gacer und G. Münster, Die Entwiekelung der ostpreussischen reichen sie bei Rummy schon eine Meereshöhe von 550 Fuss und hinter diesem Ort eine Höhe von über 600 Fuss. - Die höchste Höhe erreichen jedoch die Kuppen, die an ihrer Oberfläche mit grobem Kies bedeckt sind. Die Kiesberge schnei- den gegen die Lehmkuppen mit einer ziemlich scharfen Grenze bis westlich von Rummy ab. Ersteigt man einen dominirenden Punkt des Höhenrückens, so gewinnt man einen weit besseren Ueberblick nach N., als nach S. bezw. SO., da nach dort der Rücken rascher abfällt. Blickt man in der Streichrichtung des Höhenrückens, so sieht man ein Gewirr von zahllosen, bald dom- förmigen, bald lang gestreckten oder auch kegelförmigen Anhöhen, die, da sie nur sehr vereinzelt in mangelhafte Cultur genommen sind, dem Grebiet einen wild romantischen Charakter verleihen. Die ehemalige Waldbedeckung ist in Folge des bäuerlichen Un- verstandes gefallen, so dass jetzt nur vereinzelte »Kusseln« hier und da noch fortkommen. Ausser dem stark bewegten Gelände ist für den Höhenrücken an dieser Stelle die mehr oder weniger dichte Anhäufung von Geschieben charakteristisch, die, falls sie leicht zu bewegen waren, in wirren Haufen die Hügel dort krönen, wo man versucht hat, Feldfrüchte zu bauen. In der Regel liegen die grossen Geschiebe noch an ursprünglicher Lager- stätte, jedoch auch dann vielfach den Eindruck erweckend, als ob Menschenhände sie zu wirren Haufen zusammengetragen hätten. Wer die typischen Endmoränenzüge der Uckermark nur einmal genauer gesehen hat, muss bei dem Anblick dieses Gebietes so- fort die Ueberzeugung gewinnen, dass dasselbe durch den länge- ren Stillstand des Inlandeises erzeugt ist. Der Ausbau des alten Communikationsweges von Bischofs- burg nach Passenheim hat nun südlich Raschung eine Reihe von Einschnitten geliefert, die uns einen interessanten Einblick in den Aufbau der Endmoräne gewähren. Unmittelbar südlich von dem Punkt, wo sich die Wege nach Derenthal und nach dem öst- lichen Ende von Rummy trennen, hat der Chausseebau oberen Geschiebemergel angeschnitten, auf den sich bei dem Feldwege nach den rechts von der Chaussee liegenden Abbauen ein ge- schichteter grandiger Sand legt, der oberflächlich mit faust- bis Endmoränen in den Kreisen Ortelsburg und Neidenburg. 255 kopfgrossen Geschieben bedeckt ist. Der Geschiebemergel keilt sich jedoch bald aus, indem der unterlagernde grandige Sand mit dem Hangenden sich vereinigt. In den geschichteten Granden, die mit feineren Sanden wechsellagern, steckten wie im Geschiebe- mergel die grösseren Greschiebe regellos vertheilt. Oberfläch- lich war die angeschnittene Anhöhe mit zahllosen, meist faust- grossen Geschieben bedeckt. Diese sind verschieden mächtig ab- gelagert, selten mehr als 0,5 Meter stark, so dass man bald von einer richtigen Geröllepackung, bald jedoch nur von einer äusserst dichten Geschiebebestreuung sprechen kann. Unter dem Grand bezw. grandigen Sand folgt ein feiner Spathsand, unter welchem in einem Profil auf der Höhe selbst nochmals eine Geschiebe- packung über Grand erschlossen war. Von dem Normalprofl: Grand mit mehr oder weniger dichter und mächtiger Geschiebebedeckung über Spathsand, kommen jedoch noch mannigfache Abweichungen vor. So findet man die grossen Geschiebe dicht auf dem feinen Sand lagernd; andererseits können die Grande durch Geschiebelehm-Fetzen ver- treten sein, durch die der feine Sand durchstösst, Alles von einer Decke gelben Sandes umhüllt. Ist diese Decke besonders mäch- tig, so schaut die Blockpackung nur an den Rändern und auf den Kuppen selbst gelegentlich heraus, namentlich wenn die Sande dem Spiel des Windes preisgegeben sind. Unter der Sanddecke ist die ursprüngliche Geschiebepackung am besten erhalten geblieben. Ebenso unberührt sind in der Regel die Geschiebe-Anhäufungen in der Königl. Forst, wo, wie z. B. in Alt-Jagen, 25 und 53 einzelne Hügel oberflächlich dicht mit grossen Blöcken bepackt sind, so dass Spaten und Bohrer nicht Eingang finden. In Bezug auf die Geschiebeführung des bisher besprochenen Gebietes ist besonders auffällig das überaus häufige Auftreten von silurischen Kalkgeschieben, so dass vielfach die Grandlager und die Geschiebepackung darnach umgegraben werden und das ge- wonnene Material mit den auf dem Acker aufgelesenen Kalkge- schieben in Feldöfen gebrannt wird. Um die Endmoräne in grossen Zügen zu verfolgen, kann dieser Umstand als guter Anhaltspunkt 256 €C.Gacer und G. MürLer, Die Entwickelung der ostpreussischen dienen. Ausser den silurischen Kalken sind von sedimentären Ge- schieben die »todten Kalke« am zahlreichsten, die von Kalkbrennern irrthümlicher Weise immer mitgebrannt werden. Danach dürften devonische Geschiebe am häufigsten vorkommen, unter diesen sind wiederum die sogen. Kugelsandsteine sehr häufig zu finden. Als grössere Seltenheit trifft man ab und zu Feuersteingeschiebe, in der Regel in »Wallsteine« umgewandelt. Tertiäre Quarzite sind ziemlich zahlreich. In der runzeligen grünlichen Oberfläche stecken vielfach noch Phosphoritknollen. Auch lose Phosphorit- knollen kann man in den Granden vielfach auflesen. Ob die- selben dem Oligocän oder der Kreide entstammen, ist nicht fest- zustellen. | Die oben erwähnte scharfe Grenze zwischen Grand und Lehmboden kehrt sich an keine Höhenlinie.e Nur westlich Rumniy verläuft sie in einem Trockenthal bis zu einem Punkte, wo Alles von Decksand überschüttet ist, aus welchem vereinzelt die Block- und Geröllepackung herausragt. Von hier an ge- staltet sich naturgemäss die Grenze complicirter, da der Ge- schiebemergel randlich mit überschüttet ist und auch seinerseits durch den Oberen Sand durchragt. Diese Ueberschüttung mit Decksand hält jedoch nur an bis zum Wege von Samplatten nach Gross-Bartelsdorf. Hier tritt auch ein Sand bezw. Grandzug an die Endmoräne heran, der in einer Entfernung von 1 Kilometer östlich vom Hauptmoränenzuge diesem annähernd parallel verläuft. Dasselbe gilt von einem zweiten Grandzug, der in der Haupt- sache neben dem Wege von Wappendorf nach Bottowen sich hinzieht. Beide Grandzüge sind dem Oberen Greschiebemergel auf- oder angelagert und verlaufen in einer bestimmten Zugrich- tung über Berg und Thal der Grundmoränen-Landschaft hinweg. Es sind in der Regel grobe, geschichtete, kalkhaltige Sande bis Grande, in denen vielfach grosse Blöcke eingelagert sind. Die grossen Blöcke sind meistens aus dem Ackerboden herausgeholt und an den Weg gebracht, so dass man durch sie auf das Vor- handensein des Grandes im Acker aufmerksam gemacht wird. Der durch das westliche Ende von Rummy durchgehende Grand- zug wird an seinem nördlichen Ende durch Anhäufung von zahl- 'Endmoränen in den Kreisen Ortelsburg und Neidenburg. 957 reichen, grossen Blöcken, die auf dem Geschiebelehm liegen, mit dem Hauptzug der Endmoräne verbunden. Auch am südlichen Ende wird die Verbindung der beiden Züge mit dem Rande des Hauptzuges durch grosse Blockanhäufungen hergestellt. Südöst- lich der Gehöfte von Klein - Leid findet man eine dünne Decke von durchschnittlich faustgrossen Geröllen auf der Grundmoräne ausgebreitet, die jedoch nicht so mächtig ist, um als selbstän- diges Glied auf der Karte verzeichnet werden zu können. Die neue Chaussee hat zwischen Samplatten und Rummy auch feine Sande des westlichen Grandzuges angeschnitten. Die beigege- bene Skizze macht die Lagerungsverhältnisse an der Stelle am besten klar. AD % EIS DEZ] 06: Geschiebemergel EEE Oberer Sand, Aus der Skizze ıst aber auch ersichtlich, welche falsche Vor- stellungen über die Lagerungsverhältnisse durch etwaige Bohrun- gen hervorgerufen werden können, da auf eine kurze Entfernung hin sich folgende Bohrprofile ergeben würden: - m = S, z S Man würde deshalb geneigt gewesen sein, den unter dem Lehm folgenden Sand als Unteren Sand zu deuten und bei oberfläch- licher Untersuchung die Sande als durchragende darzustellen. Die beiden Grandzüge sind mithin getreue Abbilder des Haupt- zuges, in dem man, wie bei diesem, das Normalprofil: Grand mit grossen und kleinen Geschieben Grandigen Sand bis Grand Sand Lehm beobachten kann, während ebenso häufig nur einzelne dieser Ge- bilde in Uebereinanderfolge auftreten, oder auch jede Schicht für sich allein die Endmoräne darstellen kann. Jahrbuch 1896. 17 258 C.Gacer und G. Mürrer, Die Entwickelung der ostpreussischen Nördlich vom Samplatter See bildet die etwa 1,5 Kilometer breite Endmoräne einen einheitlichen Rücken, der hier nach vorn und hinten gleichmässig abfällt. Am hinteren Rande des Rückens walten die grossen Geschiebe in grosser Menge vor, ohne dass man von richtiger Blockpackung sprechen könnte. Diese trifft man erst wieder links vom Wege von Klein-Rauschken nach dem Kark-See. Ob die Packung sehr mächtig ist, ist fraglich, da kurz darauf weiter nach W. wohl zahllose Blöcke im Grand eingebettet liegen, jedoch erst am Gillauer See wieder über einander gepackt sind, wie durch mehrere Aufschlüsse erwiesen ist. Die in die Höhenrücken eingeschnittenen Trockenthäler haben mehrfach sehr steile Ränder. Die durch sie umgrenzten Höhen erinnern vielfach an künstliche Burgwälle bezw. an Bastionen. Das von GEINITZ in seinem Werk über die mecklenburgischen End- moränen wiedergegebene Trockenthal aus dem Kies bei Fürstenberg könnte auf der Feldmark von Klein-Rauschken aufgenommen sein. Auch sonst kehren naturgemäss aus früher bekannt gewordenen Endmoränen-Gebieten beschriebene Bergformen wieder. In den selteneren Fällen treten dieselben auf den Messtischblättern in ihrer wirklichen Gestalt heraus, wodurch man anderwärts schon vor dem Betreten der Sectionen auf dieselben als etwas Beson- deres aufmerksam werden kann. So liegt SW. von Gross-Rausch- ken ein lang gestreckter Grandrücken hinter dem andern. Die- selben sind jedoch absolut nicht in ihrer wahren Grestalt wieder- gegeben. Unmittelbar an der Grenze zum Geschiebemergel liegen zahllose grosse Blöcke auf diesen Grandrücken, die von Ferne den Eindruck von Hünengräbern erwecken. Auf dem Geschiebe- lehm selber sind hier gleichfalls eine Menge von Blöcken abge- lagert. Zwischen dem blockreichen Rand und dem Ostufer des Gillau-Sees folgt unter dem Kies ein Geschiebemergel, dessen Mächtigkeit jedoch nicht sehr stark ist. Trotzdem genügt der- selbe, um als undurchlässige Schicht für die einziehenden Regen- wässer zu dienen, so dass die an der Oberkante liegenden Gehöfte einiger Ausgebauter von Gross-Rauschken in wasserreichen Jahres- zeiten unter dem Wasserandrang zu leiden haben. Am Ostufer des Gillau-Sees wiederholen sich die Block-An- Endmoränen in den Kreisen Ortelsburg und Neidenburg. 259 häufungen, die hier jedoch mehrfach in Blocklehm eingebettet sind. Auch hier sind dieselben nicht so dicht, dass man von richtiger Blockpackung reden könnte. Dagegen findet man die typischen »Geschiebewälle«, wie sie von BERENDT zuerst aus der Uckermark und Mecklenburg-Strelitz beschrieben sind, in der Fortsetzung des Blockzuges, welcher in der Samplatter Feldmark beginnt und sich von der Westgrenze des Gebietes des Ritterguts Klein-Rauschken am Nordende des Gillauer Sees vorbei nach Saborrowen und von hier im Bogen nach dem Dluczek-See beim Forsthaus Graskau hinzieht. Namentlich gilt das von einigen An- höhen der Saborrower Feldmark, wo jedoch mehrfach die Block- packung von einer dünnen Grand-, Lehm- oder Sanddecke ver- hüllt, dem Auge anfänglich entgehen kann. Das Zwischenmittel ist dann der Decke entsprechend. Zwischen den Anhäufungen grosser Geschiebe findet man jedoch auch solche kleinerer bis hinab zu Anhäufungen faustgrosser Gerölle, welche die Bindeglieder zwischen den »Geschiebewällen« bilden. Die zwischen den Ge- schiebeanhäufungen am Ost- und Westufer des Gillau-Sees liegen- den Höhen sind die bedeutendsten Erhebungen des untersuchten Gebiets. Man findet auf diesen jedoch nur einen feinen, gelben Sand mit vereinzelten kleinen Geschieben, aus dem an mehreren Stellen Lehm und grosse Geschiebe herausragen. Man könnte nun geneigt sein, diese Erhebungen auf Druckwirkung des rück- wärts liegenden Eisrandes zurückzuführen, da der Obere Gre- schiebemergel aus den Thälern sich bis auf die Höhen hinauf- zieht. Hiergegen spricht jedoch die Thatsache, dass der unter- lagernde Sand bezw. Grund horizontal gelagert ist, wie aus einer Reihe von Aufschlüssen zu ersehen ist. Die Lage dürfte dadurch zu erklären sein, dass die vor dem Eisrande abgesetzten Sandmassen durch nochmaliges Vorrücken des Eises von der Grundmoräne umhüllt sind, auf welche der sich endgültig zu- rückziehende Gletscher Decksande ausbreitete. Obwohl nur ver- einzelt unter diesen Decksanden Blockanhäufungen herausragen, sind wir deshalb gezwungen, diese Anhöhen mit zu den End- moränenbildungen zu ziehen. Dasselbe gilt von den Höhenrücken, welche dasselbe Streichen 17: 260 C. Gacer und G. Mürrer, Die Entwickelung der ostpreussischen wie die Hügel haben, auf denen die Blockanhäufungen liegen und die sich unmittelbar hinter diesen hinziehen. Diese meist sehr steil abfallenden, durch tiefe Thäler getrennten, lang gestreckten Rücken zeigen in der Regel eine dünne Decke von Lehm über Sand, auf welcher jedoch vielfach noch Decksand liegen kann. Auf der Specialkarte 1:25000 sind die Höhen als Unterer Sand mit Resten von Oberem Lehm angegeben, obwohl man sie, wie weiter unten noch genauer ausgeführt werden wird, naturgemäss als Oberer Sand mit eingelagerten dünnen Geschiebelehmbänken auszeichnen müsste. Solche Gebiete findet man östlich vom Kark- See, südlich Gillau, und am Südufer des Servent-Sees. Dass diese mit zur Endmoräne zu rechnen sind, steht ausser Frage. In der Fortsetzung dieses Theils der Endmoräne, SW. vom Dluczek-See, hören die Geschiebepackungen vollständig auf; sie zieht weiter als gewaltiger, 1—11/, Kilometer breiter Zug in einem grossen Bogen, dessen Verlauf durch den Eupoteck-, Kalpka- und Linock-See, sowie die Oberförsterei Klein-Purden bezeichnet wird, und der etwa 1 Kilometer SSW. vom Bahnhof Mertinsdorf in NW.-Richtung den Kartenrand überschreitet. Dieser Zug mar- kirt sich als Endmoräne nur durch sein starkes topographisches Hervortreten gegenüber der dahinterliegenden Grundmoränen- Landschaft; aufgebaut ist er im Wesentlichen aus feinen Sanden mit schwacher, oft ganz fehlender Geschiebebestreuung; an einer nicht sehr grossen Stelle westlich vom Kalpka-See häufen sich die Gerölle zu einer 0,3—0,8 Meter starken Schüttung an. Auf- fällıg ist ferner an ihm die stark coupirte Oberfläche, in der oft merkwürdig steil abgeböschte Hügel und Senken schnell mit ein- ander wechseln ‚und die die hintere Grenze der Erdmoräne auch da überall deutlich erkennbar macht, wo das Geschiebemergel- Plateau noch mit mächtigen Oberen Sanden beschüttet ist, die petrographische Grenze also ganz fehlt. Dagegen lässt sich die vordere Grenze der Endmoräne in diesem ganzen Zuge nicht genau festlegen; am Kalpka-See und beim Dorfe Krummfuss stösst sie mit zwei weiteren Endmoränen- stücken zusammen, deren Verlauf später beschrieben werden wird; an den übrigen Stellen verläuft der Stirnrand ganz allmählich und Endmoränen in den Kreisen Ortelsburg und Neidenbürg. 261 untrennbar in den davorliegenden »Sandr«, der hier noch nicht die gewöhnliche und weiter nach S. auch vorhandene, ganz ebene Oberfläche zeigt, sondern deutliche Unebenheiten aufweist. Von dem eigentlichen Zuge zweigt sich westlich vom Eupo- teck-See ein am Ostufer des Purden-Sees direct nach N. ziehen- der Ast ab, der besonders stark und mächtig gegenüber dem westlich dahinter liegenden Terrain hervortritt und auch die un- ruhigsten Oberflächenformen aufweist. Dieser Theil des Zuges ist ebenfalls im Wesentlichen aus feinen Sanden aufgebaut; doch liegen auf und in ihnen noch zahlreiche isolirte Fetzen Oberen Geschiebemergels und einige z. Th. recht mächtige Kuppen unter- diluvialer Thonmergel und Mergelsande treten aus ihnen hervor; die Geschiebebestreuung ist ebenfalls meistens sehr schwach, nur auf ganz kleinen, wenige Quadratmeter grossen Flächen liegen sie etwas dichter zusammen. Fasst man noch kurz das hinter dem bis jetzt beschriebenen Endmoränenstück liegende Gebiet in’s Auge, so sieht man zunächst am hinteren Rande sich grosse Flächen Oberen Sandes ausdehnen, aus denen sich hier und da Flächen von Oberem Geschiebemergel herausheben. Auf dem dann folgenden Geschiebemergel- Plateau ist der Decksand regellos vertheilt. In grösserer Verbreitung finden wir ihn nur noch im Anschluss an die Rinnen und Becken, welche heute die Circulation der Wässer besorgen bezw. bis in die histo- rische Zeit geleitet haben. Wie schon in dem Bericht über die Aufnahmearbeiten im Jahre 1895 auf Blatt Gross-Bartelsdorf!) hervorgehoben wurde, findet man auch die Thonablagerungen durchweg an die Rinnen und Becken geschlossen, in denen die Wässer sich sammelten, als der Eisrand schon weit zurückgegangen war. Dieselben als alt-glacial bezw. interglacial aufzufassen, obwohl stets ein geschich- teter Grand bezw. Sand und nirgends Oberer Geschiebemergel als Liegendes festgestellt wurde, ist schon deshalb unmöglich, weil dieselben nahezu horizontal gelagert sind und nicht von Auf- pressungen betroffen sind, die ein vorrückender bezw. länger an I) Dieses Jahrbuch, S. CXXIL. 262 C.GAcer und G. Mürrter, Die Entwickelung der ostpreussischen einer Stelle stillstehender Gletscher im plastischen Thonmaterial hervorrufen wird. Zudem zeigen die thonigen Bildungen eine ähnliche Entwicke- lung, wie sie s. Z. Kress!) von Blatt Heilsberg beschrieben hat. Namentlich gilt dies von den Hirschberg-Odrittener Thonbildungen. Dort legt sich auf Kies oder grandigen Sand ein fetter, rother, durchschnittlieh 1—1!/a Meter mächtiger Thon, in dem fein ge- schichtete Sandeinlagerungen auftreten. Nach oben hin wird der Thongehalt immer geringer, so dass ein allmählicher Uebergang zum Sand vor sich geht. An manchen Stellen legt sich jedoch, so nordnordwestlich Podlassen, der Decksand direct auf den Thon- mergel, während die allmähliche Entwickelung zu Mergelsand am südöstlichen Rand der Hirschberg-Odrittener Thone statt hat. Wo die fetten, rothen Thone zu Tage treten, ist der unter- lagernde Grand oder Sand nicht weit. Der hierunter folgende Untere Geschiebemergel tritt an den tiefer gelegenen Stellen der Senken mehrfach heraus, so an den Ufern des Aar-Sees, am Schwentain-See u. s.f. Derselbe bildet, wie in der Regel im Norddeutschen Flachland, den Quellenhorizont, auf dem z. Th. recht bedeutende Quellen mit gleichbleibender Ausflussstärke, so bei Poludniewo, Grabowo, am Artung - See u. s. w., heraustreten. Der weitere Verlauf der Endmoräne auf Blatt Passenheim, die Fortsetzung des am Ostrande des Gillau-Sees liegenden vorher- beschriebenen Stückes wird in seiner Richtung gekennzeichnet durch die fast schnurgrade NNO.— SSW. verlaufende Grenze zwischen dem östlichen Geschiebemergelplateau und den daran angrenzenden Oberen Sanden und Granden?). Diese ganze breite Zone Oberer 1) Dieses Jahrbuch für 1883, S. 528. 2) Diese Oberen Sande und Grande wurden von Einem von uns ursprünglich als »Untere« aufgefasst (cf. dieses Jahrbuch, Band XV, S. LXXVI u. LXXVI), weil der im O. daran anstossende Geschiebemergel sich an einzelnen Stellen mit schwachen Ausläufern auf sie hinauf legt. Infolge dessen wurde auch der unter ihnen herauskommende Geschiebemergel als »Unterer« aufgefasst und es ergab sich daraus scheinbar die auffällige Thatsache, dass hier auf so grosse Strecken hin Oberer und Unterer Geschiebemergel untrennbar zusammen geschoben wären. Als sich im Verlauf der Untersuchungen die Endmoränennatur dieser Sande und Grande herausstellte, fand damit nicht nur die so auffällig erscheinende, Endmoränen in den Kreisen Ortelsburg und Neidenburg. 263 Sande und Grande, die westlich an dieses ausgedehnte zusammen- hängende Geschiebemergelplateau angrenzt, ist zum grössten Theil nichts anderes als eine wenig charakteristisch ausgebildete, sehr in die Breite gezogene Endmoräne; topographisch tritt sie im N. im Gebiete der Passenheimer Stadtforst gegen den dahinter (östlich) liegenden Geschiebemergel nicht hervor; dann aber ist die grosse Halbinsel im Kalbensee nichts anderes als ein durch die Um- rahmung durch den Wasserspiegel besonders schön hervorgehobenes Stück dieser Endmoräne. Dieser ganze eben beschriebene Theil der Endmoräne besteht im wesentlichen aus groben bis sandigen Granden, die stellenweise eine sehr starke Geschiebebestreuung aufweisen, auf grössere Erstreckung hin aber auch mit ganz feinen Sanden überschüttet sind. Etwas südlich von der Ansatzstelle der grossen Halbinsel hört nun aber jede sowohl topographische wie petrographische An- deutung der Endmoräne für einige Zeit vollständig auf; sie löst sich hier in einen ganz breiten, ziemlich flachen Streifen grober Sande mit sehr vereinzelten kleinen Grandnestern auf und erst an der Südspitze des Kalbensees tritt sie wieder hervor, diesmal als mächtiger schmaler Wall, der aber nur aus feinen Sanden ohne jede bemerkenswerthe Geschiebebestreuung aufgebaut ist und sich etwa 2 Kilometer weit nach S. erstreckt, wo er an der grossen, das Scheufelsdorfer Bruch und den Malschöwer See umgebenden Terrasse plötzlich abbricht. In der directen Verlängerung fehlt nun auf eine Entfernung von etwa 4 Kilometern jede Spur der Endmoränen und erst süd-westlich vom Dorfe Waplitz finden sich wieder die ersten Andeutungen davon; dagegen sind die süd- schnurgrade Grenze derselben gegen den Geschiebemergel ihre natürliche Er- klärung, sondern auch die scheinbare Zusammenschiebung zweier Grundmoränen. Wie sich bei Revision der Aufnahmen herausstellte, handelt es sich hier im Wesentlichen thatsächlich doch nur um einen einzigen, den Oberen Geschiebe- mergel, der hier in der Nähe der Endmoräne zahlreiche, kleine, schnell sich aus- keilende Grand- und Sandeinlagerungen enthält und sich mit vereinzelten kleinen Ausläufern auf die Sande der Endmoräne hinaufzieht, während er der Haupt- sache nach unter sie untertaucht; der Untere Geschiebemergel muss auf die kleinen Partien beschränkt werden, wo er durch Ueberlagerung durch die Fauna- führenden Fayencemergelbänkchen zweifellos festgestellt ist. 264 C.Gacer und G. Mürzer, Die Entwickelung der ostpreussischen östlich vom Dorfe Ruttken auftretenden, hohen, steilen, aus feinen Sanden aufgebauten Erhebungen vielleicht eine etwas unregel- mässig vorgelagerte, hierher gehörige Bildung. Wo dieser sehr auffällige Rücken wieder an das Geschiebemergelplateau stösst, etwa 1 Kilometer SW. von Waplitz, treten auch wieder schwache in der Hauptrichtung der Endmoräne streichende Andeutungen derselben auf. Sie bestehen aus z. Th. ziemlich mächtigen Auf- schüttungen Oberer Sande mit vereinzelten grossen Geschieben, die hier den Westrand des ım übrigen vollständig sandfreien Ge- schiebemergelplateaus begleiten, und an ihrem südlichsten Ende, wo sie an den Malschöwer See herantreten, auch einige kleinere Gerölllager enthalten. Dann ändert sich plötzlich die Richtung der Endmoräne, sie zieht von nun ab nach SSO. bis zu dem Dorfe Narthen und biegt an dessen Westende direct nach O. um, um sich längs des Südufers des Narther Sees mit einer schmalen Unterbrechung bis nach dem SW.-Ufer des ehemaligen Braynicker Sees zu erstrecken, wo sie NO. vom Dorfe Warchallen vorläufig ihr Ende erreicht. Der erste Theil des in SSO.-Richtung verlaufenden Stückes ist sehr schwach ausgebildet als ganz schmaler, die Böschung des Geschiebemergelplateaus im Dorfe Burdungen bildender Streifen grandigen Sandes. Südlich vom Dorfe am NO.-Rande des Bur- dunger Sees wird dieser Sandstreifen schon etwas breiter und ist hier oberflächlich mit kleineren und grösseren Fetzen Geschiebe- mergels bedeckt, am SO.-Rande des Burdunger Sees dagegen be- ginnt wieder die mächtige Entwickelung der Endmoräne als sehr breite, ausserordentlich stark aus der Umgebung hervortretende Erhebung. Sie ist hier im wesentlichen aus feinen Sanden auf- gebaut, aus denen mitten zwischen Burdungen und Narthen eine grössere, ziemlich mächtige Durchragung von Thonmergel hervor- tritt, die an ihrer W.-Seite von einem schmalen Grandzuge be- gleitet wird. Die Oberfläche dieses Stückes der Endmoräne ist grösstentheils ‚sehr coupirt und bildet ein wirres Durcheinander von unregelmässig geformten Hügeln und länglichen, steilrandigen Vertiefungen; stellenweise zeigt sie eine nicht grade auffällig ” Endmoränen in den Kreisen Ortelsburg und Neidenburg. 265 starke Geschiebebestreuung, die aber auf grössere Strecken hin auch ganz fehlt. Hinter ihrer Umbiegung beim Dorfe Narthen liegt der Narther See, über dessen Wasserspiegel sie sich etwa 20 Meter hoch er- hebt, und der selbst eine verhältnissmässig grosse Tiefe von min- destens 25 Meter (nach Angaben eines alten Fischers sogar an einer Stelle ca. 32 Meter) hat. Er hat, wie einige wegen der Un- gunst der Verhältnisse leider unvollständig gebliebene Lothungen ergaben, einen sehr unregelmässigen Untergrund, bei dem tiefe und flachere Stellen sehr schnell wechseln; an seinem Nordrande zieht sich der Obere Geschiebemergel direct unter den Wasser- spiegel bez. die recenten Ufersande herunter. Das hinter dieser langen Endmoräne liegende grosse Gre- schiebemergelplateau zeigt fast in seiner ganzen Ausdehnung auf- fällig schroffe und unregelmässige Terrainformen mit unzähligen, tief eingesenkten Torfbrüchen und Alluvionen; an vielen Stellen sind die Abhänge der Hügel und Vertiefungen so steil, dass dadurch die land- wirthschaftliche Ausnutzung des an und für sich guten Bodens sehr erschwert wird und unverhältnissmässig geringe Ausbeuten liefert. Parallel dieser eben beschriebenen Endmoräne zieht sich in einer Entfernung von durchschnittlich 11/3 Kilometer eine zweite vorgelagerte Endmoräne hin, die an einigen Stellen viel schwächer ausgebildet, an anderen aber noch deutlicher als diese hervortritt und sich von Narthen bis etwas westlich Milucken verfolgen lässt, wo sie am NW.-Zipfel des Kalbensees plötzlich aus ihrer bisher eingehaltenen Richtung parallel der vorherbeschriebenen Endmoräne scharf nach NW. umbiegt, um sich längs des Südufers dieses See- zipfels hinziehend an die den Purdensee umkränzende Endmoräne anzuschliessen. Sie beginnt südlich vom Dorfe Narthen, wo sie direct vor der Stirnseite der zuletzt beschriebenen Endmoräne liegt und auf etwa 1 Kilometer Länge mit diesen untrennbar zusammen läuft, zieht dann als mächtige Erhebung genau nach W. bis zur Jongowagora, von wo sie sich, in die NNW.-Richtung umbiegend und später sich wieder mehr nach NW. wendend, bis zum Süd- ende des Dorfes Malschöwen verfolgen lässt. Von hier an fehlt 266 C. Gasen und G. Möüuter, Die Entwickelung der ostpreussischen längs des Westufers des Malschöwer Sees und weiter nördlich auf eine Erstreckung von etwa 4 Kilometern jede Spur der Endmoräne, wenn man nicht etwa die aus dem Westufer des Malchöwer Sees hervortretenden kleinen Durchragungen Unteren Geschiebemergels dahin rechnen will. Erst etwas SO. von Scheufelsmühle am Westrande des Scheufelsdorfer Bruches treten wieder die ersten Andeutungen der Endmoräne in Gestalt einer Grandaufschüttung auf Oberen Ge- schiebemergel sowie eines kleinen, aber sehr auffälligen Rückens auf, worauf nach einer abermaligen kurzen Unterbrechung die zweifellose Endmoräne wieder einsetzt, die nun in NNO.-Richtung hinziehend, den vorher beschriebenen Verlauf nimmt. Der Theil dieser Endmoräne, der von Narthen bis etwa zum Wege Burdungen-Lipniken reicht und als mächtige topographische Erhebung aus dem umliegenden Terrain herauskommt, zeigt grossen- theils eine sehr coupirte Oberfläche; zahlreiche, regellos vertheilte Hügel wechseln mit länglichen, manchmal auch kreisrunden Ver- tiefungen, die meistens ziemlich steile Böschungen aufweisen. Die Geschiebebestreuung ist schwach, oft ganz fehlend. Aufgebaut ist diese Zone aus feinen Sanden, an die sich auf der Vorder- und Rückseite der Obere Geschiebemergel anlegt, ja an einzelnen kleinen Stellen östlich und nordwestlich der Jongowagora zieht sich der Geschiebemergel direct über die Endmoräne hinüber; südlich von Narthen kommen ausgedehnte Durchragungen von Thon- mergel aus den Sanden heraus, die sich, wie aus den Terrainver- hältnissen und an einer Stelle auch aus einem Aufschluss hervorgeht, nicht mehr inursprünglicher Lagerung befinden, sondern zusammen geschoben und aufgepresst sind und da an einer Stelle noch oben- ein ein kleiner Fetzen Oberen Geschiebemergels angelagert ist, müssen diese Thonmergel ebenso wie diese ganzen Sande der Endmoräne, unter denen sie herauskommen, als unterdiluvial in BERENDT’schem Sinne bezeichnet werden. Dass aber sowohl diese Thonmergel, wie die sie bedeckenden Sande der Endmoräne ihrem Alter nach entschieden oberdiluvial, d. h. gleichen Alters mit dem Oberen Geschiebemergel sind, soll später nachzuweisen versucht werden. Endmoränen in den Kreisen Ortelsburg uud Neidenburg. 267 Die Fortsetzung dieser Endmoräne nordwestlich vom Wege Lip- niken-Burdungen besteht aus ziemlich mächtigen Oberen Sanden mit eingelagerten Geröll- und Grandbänken, aus denen zahlreiche kleine Kuppen von Oberem Geschiebemergel sowie Durchragungen von Thonmergel hervortreten. Der Thonmergel liegt, wie sich an mehreren Stellen nach- weisen liess, unmittelbar unter dem Oberen Geschiebemergel; die Grand- und Gerölllager sind augenscheinlich nichts anderes als die Ueberreste des grossentheils zerstörten Oberen Geschiebe- mergels, dessen allmähliges Auskeilen sich auch an den Abhängen des auffallenden langen, SO.— NW. streichenden Rückens unter den bedeckenden Oberen Sanden überall constatiren liess, sodass die auf der Höhe dieses Rückens hervortretenden Sande ebenfalls als »unterdiluvial« im BERENDTschen Sinne zu bezeichnen wären. Nördlich von der nun auftretenden 4 Kilometer langen Lücke zeigt die Endmoräne eine sehr viel schwächere und meistens auch weniger auffallende Ausbildung; nur an ganz vereinzelten kleinen Punkten tritt sie topographisch hervor. Sie besteht aus einem schmalen Zuge von Sanden, Granden und Greröllablagerungen, in dem nur an ganz kleinen Stellen wirkliche Packungen grösserer Geschiebe auftreten; die Sande und Grande zeigen ziemlich starke Geschiebe- bestreuung, doch ist diese durch die Feldeultur an vielen Stellen schon stark gelichtet. Die Mächtigkeit der Sande und Grande ist sehr ungleich; während an einzelnen Aufschlüssen mit 4 bis 5 Metern das Liegende nicht erreicht war, bilden die Grande anderswo eine kaum 1 Meter mächtige Decke auf Oberem Geschiebe- mergel. Etwas nordwestlich von Michelsdorf wird die Geschiebebe- streuungsehr schwach; die Geröllablagerungen treten nur nochinsehr kleinen Partien auf, sodass der Verlauf der Endmoräne hier nur schwer zu verfolgen ist und erst, wo sie die plötzliche Umbiegung am NW.-Zipfel des Kalbensees macht, wird die Geschiebebestreuung wieder etwas dichter und auch das topographische Hervortreten wieder deutlicher. In der Umgebung der Dörfer Michelsdorf und Milucken weisen die zwischen dieser Endmoräne und dem Grossen Kalbensee liegenden Grand- und Gerölllager darauf hin, dass hier der Rückzug des alten Eisrandes bis zur letzten Endmoräne ein 268 C.Gacer und G. Mürzer, Die Entwiekelung der ostpreussischen sehr allmähliger und gleichmässiger war, sodass die Trennung in zwei gesonderte Endmoränen hier nur durch die tiefe Rinne des süd- westlichen Zipfels des Gr. Kalbensees bewirkt wird. Vor den südlichsten Theil dieser Endmoräne legt sich noch ein vereinzelter, scharf geschwungener Bogen, der etwa 2 Kilo- meter nordöstlich von Lipniken an ihrem Vorderrand beginnend, sich durch das Dorf Jedwabno bis nach dem Golombiksee hinzieht, wo er scharf nach N. umbiegend, sich wieder an den Hauptzug anlegt. Dieser ganze Bogen ist eine fast lückenlos geschlossene Geschiebepackung, die aber topographisch nur in der sogenannten Chorcholatka und am Schnittpunkte mit dem Wege Jedwabno- Schutschenofen hervortritt, sonst aber vollständig unauffällig in dem umgebenden Terrain liegt. Die Geschiebepackung dieses Zuges besteht zum bei weitem grössten Theil auch nur aus faust- bis höchstens kopfgrossen Geschieben, grössere Blöcke sind sehr selten; die Mächtigkeit scheint, soweit es sich nach den mangel- haften Aufschlüssen beurtheilen lässt, etwa 4 Meter zu betragen. Auffällig im Gegensatz zu den grossen Geschiebepackungen der Märkischen Endmoränen erscheint die grosse Häufigkeit der Kalk- geschiebe, die einen so bedeutenden Procentsatz des Materials ausmachen, dass ihretwegen fast der ganze Zug schon umgewühlt ist, um sie als Material zum Mörtelbrennen zu gewinnen. Da aber kein rationeller Abbau getrieben wird, sondern jeder Bauer, wo es ihm grade passt, ein Loch macht und, was er er- reichen kann, herausholt, worauf die Löcher wieder zugeworfen werden oder von selbst verrutschen, so giebt es einerseits kaum Aufschlüsse, in denen man etwas Genaues über den Bau und Mächtigkeit der Geschiebepackung sehen kann, andererseits hat der Zug durch die zahllosen, schlecht zugeworfenen Löcher an vielen Stellen eine sozusagen pockennarbige Oberfläche bekommen. Das Terrain zwischen diesem vorliegenden Bogen und der Hauptendmoräne ist grösstentheils mit Geschiebemergel bedeckt; vor diesem Bogen dagegen fehlt, abgesehen von seinem nördlichsten Theile, jede Spur des Geschiebemergels. Südwestlich von dem Wege Jedwabno-Dluczek liegt vor dem geschlossenen Bogen eine etwa 700 Meter breite Zone grober grandiger Sande vorge- Endmoränen in den Kreisen Ortelsburg und Neidenburg. 269 lagert, aus denen noch vereinzelte Kuppen von Geröll- und Ge- schiebepackung hervortreten, und die man wohl ebenso wie die entsprechenden SO. von Jedwabno gelegenen Bildungen noch direct zur Endmoräne rechnen muss; südlich vom Golombiksee legt sich dann der grosse, fast flache und aus feineren Sanden be- stehende Sandr davor. Interessant sind an diesem Bogen die kleinen, aber sehr deut- lichen, direct aus den Unterbrechungen der Geschiebepackung herauskommenden Thäler der alten Abschmelzwässer. Vom Gulbicksee etwas nordwestlich von Michelsdorf bis fast nach dem Gute Lipniken wird diese zweite Endmoräne an ihrer Westseite von einem 500 — 1500 Meter breiten Geschiebemergel- streifen begleitet, der nur südlich von Kl. Ruttken auf eine kurze Strecke vollständig unterbrochen ist. Dieser Geschiebemergelstreifen bildet den Ostrand der daran anstossenden, sehr ausgedehnten geschlossenen Sandzone, innerhalb deren auf weite Entfernung und trotz der grossen und tiefen Auf- schlüsse an den Rändern des Kosno- und Dluczeksees keine irgendwie bemerkenswerthe Geschiebemergelablagerung mehr nach- zuweisen ist. Im Süden zu beiden Seiten des Dluczeksees ist diese Sand- zone völlig eben und bildet einen höchst auffälligen Uontrast zu der mit scharfer Grenze daran anstossenden, ausserordentlich stark coupirten Geschiebemergellandschaft mit ihren schroffen Hügeln und den zahlreichen, tief eingesenkten Torfbrüchen, die unzwei- deutig darauf hinweist, dass, wenn es auch zur Ausbildung einer eigentlichen Endmoräne hier nicht gekommen ist, doch hier zeit- weise der Rand des Inlandeises gelegen haben muss, dessen stark modellirende Kraft hier besonders deutliche Spuren hinterlassen, und vor dem sich dieser ausgedehnte, mächtige Sandr gebildet hat. Nördlich vom Dluczeksee wird die Oberfläche dieser Sandzone allmählig immer unruhiger, es tritt darin die sehr auffällige steile Erhebung des Sawader Berges auf, endlich kommt der nördlichste. Theil dieser Zone südwestlich vom Dorfe Krummfuss wieder to- pographisch so auffällig gegenüber dem östlich davon liegenden Terrain heraus, dass man diese nördlichste Partie wieder als eine 270 €C.Gacer und G. Mörter, Die Entwickelung der ostpreussischen sich nach Süden hin allmählig auflösende und hier ohne erkenn- bare Grenze in den Sandr verlaufende Endmoräne betrachten muss, die eine noch frühere, den beiden vorher beschriebenen Endmoränen parallele Lage des Eisrandes andeutet. An ihrer rückseitigen Grenze gegen den Geschiebemergel zeigt diese Endmoräne mehrere kleine, aber sehr scharf herauskommende wallartige Aufpressungen; die Geschiebebestreuung ist auffallend schwach, oft ganz fehlend und nur in der Umgebung des Dorfes Krummfuss, wo sie mit den Ausläufern der zuletzt beschriebenen und der den Purdensee umziehenden Endmoräne zusammen stösst, finden sich auf ihr einige kleine schwache Geröllablagerungen. Ein weiteres Stück der Endmoräne stellt die breite Zone stark coupirter Oberer Sande mit den vereinzelten Kuppen von Grand und Oberem Geschiebemergel dar, die etwas südlich vom Gute Lipniken beginnend, sich nach W. zu um die Südspitze des Dluczek-Sees herum erstreckt; sie lehnt sich im O. unmittel- bar an den vorher beschriebenen, aus geschlossener Geschiebe- packung bestehenden Bogen an, der durch das Dorf Jedwabno zieht, ist aber nicht als dessen westliche Fortsetzung zu betrach- ten, sondern bildet jedenfalls einen Theil eines anderen, etwas älteren Zuges, der sich hier mit den vorher beschriebenen End- moränen kreuzt. Die rückseitige Grenze dieses Stückes der End- moräne gegen den nördlich davon liegenden ganz flachen Sandr ist vollständig scharf, ebenso die vordere Grenze gegen ihren eigenen davorliegenden, ebenfalls ganz flachen Sandr, der sie fast an ihrer ganzen Südgrenze begleitet, und in dem die zahlreichen langen und oft ziemlich tiefen Schmelzwasserrinnen den Beweis für die Endmoränennatur dieser dahinter liegenden, stark coupirten Sandzone vervollständigen. Nur an ihrem östlichsten Ende süd- lich von der Försterei Jedwabno wird sie nach Süden hin nicht durch den Sandr begrenzt, sondern vereinigt sich hier mit der hoch gelegenen und ebenfalls stark coupirten Sandzone, die sich vom Dorfe Neu-Borowen längs der Neidenburger Chaussee nach NO, zu erstreckt und nach S. und SW. zu allmählich in den Sandr verläuft. Aus diesem ganz flachen, nur von den Rinnen der glacialen Abschmelzwässer zerschnittenen Sandr tauchen in Endmoränen in den Kreisen Ortelsburg und Neidenburg. 27 1—11/, Kilometer Entfernung vom Südrande der eben erwähnten Endmoräne zahlreiche isolirte, z. Th. ziemlich umfangreiche Ge- röll- und Grandlager hervor, die augenscheinlich die höchsten Erhebungen einer vorliegenden, später fast vollständig eingeeb- neten und übersandeten Endmoräne darstellen. Die östlichste dieser Grandablagerungen nördlich vom Dorfe Neu-Borowen hat ein unverkennbar ostwestliches Streichen und tritt auch topogra- phisch noch etwas hervor. In ihrer östlichen Verlängerung treten kurz vor dem Dorfe Schutschen einige Geröllkuppen aus dem Sandr heraus, während östlich von Schutschen wieder eine sehr ausgedehnte Geröllablage- rung auftritt, die in NW.-SO.-Richtung sich über 2 Kilometer Länge erstreckt bei etwa 700 Meter grösster Breite. Diese Mo- räne östlich von Schutschen besteht fast nur aus grandigem, bis etwa faustgrossem Material, enthält darin aber soviel Kalkgeschiebe, dass in dem ganzen Gebiet jetzt kaum eine auch nur wenige Quadratmeter grosse Stelle mehr vorhanden ist, die noch nicht wegen der Kalkgewinnung umgegraben wäre. Ein weiteres ganz isolirtes Stück der Endmoräne endlich tritt in der mächtigen Erhebung der Maynaberge hervor; der bis jetzt untersuchte östliche Theil derselben, der sich 30—35 Meter über die umliegenden Thalsande und Oberen Sande erhebt, besteht grösstentheils aus Granden und Geschiebepackung und nur ver- hältnissmässig kleine Stellen sind mit feinen Sanden überdeckt, unter denen sich an mehreren Stellen der Obere Geschiebemergel nachweisen liess. Die Geschiebepackung scheint überwiegend, ebenso wie in der Umgebung von Jedwabno, aus kleineren Ge- schieben bis etwa zu Kopfgrösse zu bestehen und nur an verein- zelten Stellen scheinen grössere Geschiebe etwas häufiger darin vertreten zu sein, soweit sich alles dieses bei dem gänzlichen Mangel an Aufschlüssen nur aus der Oberflächen-Beschaffenheit schliessen lässt. Wie schon erwähnt, erstreckt sich vor dem geschlossenen Hauptzuge der Endmoränen südlich von den Dörfern Dluczek, Jedwabno, Narthen und Warchallen fast ununterbrochen ein grosser, oft über 5 Kilometer breiter Sandr, der im Grossen und 272 C. Gacern und G. Mütter, Die Entwickelung der ostpreussischen Ganzen vollständig flach und eben ist und nur von den sehr zahlreichen Schmelzwasser - Rinnen zerschnitten wird. Diese Schmelzwasser-Rinnen halten auf der ganzen 12 Kilometer langen Fläche mit auffallender Regelmässigkeit fast genau die NO.-SW.- Richtung ein, sie sind z. Th. sehr tief und steil eingeschnitten und dann an ihrer Sohle mit Torf ausgefüllt, z. Th. sind es auch nur ganz flache und stellenweise unterbrochene, aber doch immer un- verkennbare und leicht zu verfolgende Vertiefungen; einige von ihnen nehmen noch direct ihren Anfang in den Unterbrechungen der Geschiebepackung, andere beginnen erst in grösserer oder geringerer Entfernung vom Rande der Endmoräne; ihre Breite schwankt zwischen 30—50 Meter, ihre Längserstreckung von 1„—3 Kilometer. Abgesehen von diesen zahlreichen kleinen, jetzt trocken liegenden Schmelzwasser-Rinnen sind in diesen Sandr noch die grossen Vertiefungen des Warchaller Sees und des Korietznie-, Schrednow-, Rekowen-, Klimeck-, und Glemboczek-Sees einge- schnitten, die zwei ehemaligen Hauptabflüsse der Gletscher- wässer, von denen der erstere gar nicht, die Reihe der anderen nur im Anfang mit der Richtung der anderen Rinnen überein- stimmt. Es sind typische Rinnen-Seen mit z. Th. sehr steilen und oft bis 10 Meter hohen Ufern; der Warchaller See be- ginnt direct an der Endmoräne, die geschlossene Reihe der anderen allerdings erst in etwa 1 Kilometer Entfernung von der- selben; der Zwischenraum wird aber fast vollständig von einigen kleinen Seen und Mooren eingenommen, die den später grössten- theils versandeten Anfang dieses Schmelzwasser - Abflusses be- zeichnen. Südlich von diesem Sandr liegen die endlosen, bis über die Landesgrenze sich erstreckenden Thalsandebenen, die zu beiden Seiten den Lauf des Omulef begleiten und deren Anfänge sich z. Th. bis dicht an die Endmoränen verfolgen lassen. Die Grenze der Thalsande gegen die Oberen Sande ist stellenweise genügend kenntlich, an anderen Stellen gehen aber beide ganz unmerklich in einander über und die definitive Abtrennung beider Bildungen wird sich mit Sicherheit erst vornehmen lassen, Endmoränen in den Kreisen Ortelsburg und Neidenburg. ITa wenn ein grösserer Theil des hierher gehörigen Gebietes kartirt und eine genauere und weitere Uebersicht gewonnen sein wird; bis dahin sind die auf der Karte gegebenen Grenzen nur als pro- visorische zu betrachten. Zwischen den Ortschaften Naraythen, Ruttken, Waplitz und Malschöwen liegt in die diluviale Hochfläche eingesenkt eine grosse Depression, die z. Th. vom Malschöwer und Narayther See und den sich an diesen anschliessenden ausgedehnten Torf- brüchen, zum andern Theil von einer grossen, in 442—443 Fuss Höhe liegenden Terrasse eingenommen wird. Diese Terrasse ist aus nicht sehr grobkörnigen Sanden aufgebaut und hat eine NS.- Erstreckung von fast 5 Kilometern; auf der Westseite des Mal- schöwer Sees ist sie nicht mehr entwickelt, nur ganz im SW. liegt noch ein schmaler Streifen von ihr. Im Osten in der Um- gebung der Dörfer Naraythen und Waplitz zieht sich der obere Geschiebemergel der Plateaus ganz allmählich unter die Sande der Terrasse hinunter und taucht auch noch in kleinen Inseln aus ihnen hervor; an der Grenze ist er hier vielfach auf kleine Strecken hin einem Aufbereitungsprocess unterlegen, denn die im Uebrigen sehr gleichmässigen Sande der Terrasse zeigen da, wo sie auf dem Greschiebemergel aufliegen, vielfach kleine Ein- lagerungen von Grand, Mergelsand und Thonmergel. Unterbrochen wird die Terrasse durch den hohen steilen Rücken, der sich nordöstlich vom Malschöwer See hinzieht und vielleicht ein Stück der letzten Endmoräne darstellt; der Mal- schöwer See ist mit einem 10 Meter hohen Steilufer in diese Ter- rasse eingeschnitten. Sehr auffallend sind die 3 Thalsenken, die im NW. des grossen Scheufelsdorfer Bruches in das Greschiebemergel-Plateau eingesenkt sind, von denen die südlichste vom Mühlenbach der Scheufelsmühle, die beiden anderen vom Scheufelsdorfer Mühlen- bach durchflossen werden; sie sind trotz ihrer verhältnissmässig hohen steilen Ufer keine Erosionsrinnen, sondern werden bis unten vom Oberen Geschiebemergel ausgekleidet; nur das nordwestlichste Ende der nördlichsten zeigt am Dorfe Scheufelsdorf schwache Erosionswirkungen. Jahrbuch 1896. 18 274 C. Gasen und G. Mürrer, Die Entwickelung der ostpreussischen Was nun die Altersbezeichnung der einen so grossen Theil der Endmoräne aufbauenden feinen Sande betrifft, so bedarf diese noch einer eingehenderen Besprechung. Wo der Obere Geschiebe- mergel an diese mächtig aus dem Terrain hervortretenden Höhen- züge herantritt, legt er sich an dieselben an; in einzelnen Fällen liegen sogar kleine dünne Fetzen desselben direct auf der End- moräne auf; hiernach müssten diese Sande also als unterdiluvial im Sinne BERENDT’s bezeichnet werden. Stellt man sich aber die Entstehung dieser Bildungen vor, so ergiebt sich, dass sie vor dem Eisrande aufgeschüttet, event. auch bei Oscillationen durch den Druck desselben aufgepresst wurden zu derselben Zeit, als unter dem Eise sich die Grundmoräne bildete. Es ist klar, dass während der Zeit, ın der der Eisrand relativ stationär war und so zur Bildung der Endmoräne Anlass gab, durch das Vorrücken und Abschmelzen des Eises immer wieder neues Gesteinsmaterial herangebracht wurde, das zur Bil- dung dieser Wälle verwerthet wurde, und es ist nichts weniger als wahrscheinlich, dass das diese Wälle zusammensetzende Material ganz oder auch nur zum grösseren Theil älter als die Grund- moräne sein sollte. Wo die Grundmoräne mit der Endmoräne zusammenkommt, musste sie sich natürlich an diese anlegen; an günstigen Stellen kann sie bei kleinen Vorwärtsbewegungen des Eisrandes auch in kleinen Fetzen sich bis auf die Endmoräne hinaufziehen; ein nicht seltener Fall ist auch der, dass die Grundmoräne mit den Sanden und Granden der Endmoräne fingerartig verschränkt ist, wodurch die Gleichaltrigkeit ganz evident wird. Wo das so zugeführte Gesteinmaterial aus grossen Blöcken oder groben Geröllen besteht und sich zu Geschiebepackungen an- gehäuft hat, ist sein jungglaciales Alter auch bisher ohne Weite- res anerkannt und bei der Kartendarstellung zum Ausdruck ge- bracht worden; selbst eingelagerte Geschiebemergelbänke von 2 bis 3 Meter Mächtigkeit wurden hier, wo die Entstehungszeit so zweifellos war, nicht in Betracht gezogen und auch die darunter- liegenden Geschiebepackungen als Oberdiluviale Endmoränen aus- gezeichnet. Aber auch im vorliegenden Falle, wo die Endmoräne Endmoränen in den Kreisen Ortelsburg und Neidenburg. 2375 zum grossen Theil aus feinen Sanden besteht, die ihrem Alter und ihrer Entstehung nach offenbar mit den eigentlichen Ge- schiebepackungen identisch sind, ja, wie oben erwähnt, mit den- selben zuweilen sogar wechsellagern, wird man nicht umhin können, sie mit der Farbe des Oberen Diluviums auszuzeichnen, auch wenn sie stellenweise unter dem Oberen Geschiebemergel hervor- kommt. Dass die Methode, alle unter dem Oberen Geschiebemergel liegenden Sande gleichmässig als unterdiluvial auf den Karten aus- zuzeichnen, im Gebiete des normalen Diluvialplateaus ihre Be- ‚ rechtigung hat, ja die einzig praktisch verwerthbare ist, so lange uns die Mittel fehlen, die beim Vorrücken der letzten Vergletsche- rung gebildeten Sande von den älteren auseinanderzuhalten und abzutrennen, ist nicht zu bestreiten; dass ein Theil dieser unter dem Oberen Geschiebemergel lagernden Sande jungglacialen Alters ist, ıst auch stets sowohl von BERENDT, als auch den anderen Diluvialgeologen anerkannt, z. Th. sogar besonders betont worden und ihre gleichmässige Bezeichnung als »untere« ist immer nur mit der oben erwähnten Unmöglichkeit, sie von den wirklichen unter- diluvialen (interglacialen bezw. altglacialen) Sanden zu trennen, motivirt worden. Hier in den Endmoränengebieten aber, wo uns die Erkennt- niss der Endmoränennatur dieser Bildungen ein auf genetischer Basis beruhendes sicheres Kriterium über ıhr Alter bietet, fällt dieser für dort festgehaltene Grund, sie als »Untere Sande« zu bezeichnen, fort, und es erscheint daher auch nur als eine noth- wendige Uonsequenz der gewonnenen Erkenntniss, dass auch auf der Karte das jungglaciale Alter dieser Bildungen durch die Grundfarbe des oberen Diluviums angedeutet werde. Zu welchem Conflict andernfalls die Incongruenz zwischen der alten Gliederung des Diluviums und der neueren theoretischen Vorstellung führen kann, möge folgendes Beispiel zeigen. In und vor der Endmoräne südlich vom Dorfe Narthen liegen einige ausgedehnte Ablagerungen von Thonmergel, die sich, wie aus den Terrainverhältnissen und an einer Stelle auch aus einem Aufschluss hervorgeht, grösstentheils nicht mehr in 10: 276 C. Gacer und G. Mürrer, Die Entwickelung der ostpreussischen ihrer ursprünglichen Lagerung befinden, sondern aufgepresst und zusammengeschoben sind; sie sind stellenweise mit zum Theil ziemlich grossen Geschieben bestreut und an einer Stelle ist sogar noch ein vereinzelter Fetzen von Oberem Geschiebemergel an- gelagert; es sind also sogen. Untere Thonmergel.e Aus der Be- trachtung der südlichsten dieser Thonmergelablagerungen westlich vom Kreziwek-See, die grösstentheils noch vollständig horizontal und ungestört in gleichem Niveau mit dem flachem Sandr liegt, ergiebt sich aber augenscheinlich, dass dieser Thonmergel ein mit dem Sandr gleichaltriger Absatz, also jungglacial ist und erst bei dem späteren Vorstosse des Eisrandes, der die vorletzte End- moränenstaffel bildete, an seinem nördlichsten Ende etwas auf- gepresst wurde, während die nördlicher liegende Ablagerung, die vollständig in den Druckbereich des wieder vorrückenden Eisrandes kam, auch gänzlich in ihrer Lagerung gestört wurde. Da nun die mächtigen Sande, die die südlich von Narthen von Ost nach West streichende Endmoräne bilden, nachweislich zum grossen Theil auf diesen Thonmergeln liegen, so folgt daraus, dass sie ebenfalls jungglacial sind, trotzdem sie als so mächtige topographische Erhebungen herauskommen und sich etwas mehr westlich der Obere Geschiebemergel an sie anlegt. Würden sie nun aber deshalb als »Untere« ausgezeichnet, so ergäbe sich ausser der dadurch nothwendigen Construction einer nicht vorhandenen Grenze gegen den Sandr, dass sie auf der Karte älter erscheinen würden als der vorliegende Sandr, während sie thatsächlich jünger sind ). Es ist natürlich nicht zu bestreiten, dass auch in diesen End- moränenwällen, die ja gleichfalls nicht allein durch Aufschüttung, sondern zum Theil auch durch Aufpressung der vor dem Eisrand liegenden Schichten entstanden sind, sich unter Umständen Partien finden werden, die thatsächlich interglacialen, event. noch höheren Alters sind, d.h. noch aus der Zeit der vorletzten Vergletscherung herrühren, dass also in einem solchen Fall, wenn die ganze End- !) Ob die in der letzten Endmoräne nordwestlich von Narthen liegenden Thonmergel desselben Alters, wie die eben besprochenen sind, lässt sich nicht mehr striete beweisen, ist aber aus der ganzen Situation höchst wahrscheinlich. Endmoränen in den Kreisen Ortelsburg und Neidenburg. DM moräne als oberdiluvial ausgezeichnet wird, gewisse kleine Fehler in der Darstellung vorhanden sein können, die eben wegen des Mangels eines objectiven Alterskriteriums der Sande nicht zu ver- meiden sind. Ganz gewiss ist es aber, dass diese even- tuellen Unrichtigkeiten sehr viel unbedeutender sind, als die andernfalls sich ergebenden. Bericht der Herren L. BEUSHAUSEN, A. DENCKMANN, E. Horzarren und E. Kayser über eine gemein- schaftliche Studienreise. Nachdem wir am Abend des 4. April in Treysa zusammen- getroffen waren, wurden an den folgenden Tagen zunächst die Auf- schlüsse der verschiedenen Schichten des Silur und Unterdevon ım Gebiete des Kellerwaldes unter Führung von Herrn DENCK- MANN studirt. Wir konnten uns bei den Begehungen davon über- zeugen, dass unter dem in seinen tieferen Schichten hercynisch entwickelten Unterdevon zunächst ein System von Grapto- lithenschiefern und Kalken liegt, welches sich durch seine Fauna als obersilurisch erweist. Unter der tiefsten, als Wetz- schiefer entwickelten Zone dieses Schiefersystems, den »Rück- ling-Schiefern«, folgen die bekannten Quarzite des Keller- waldes, welche sich von oben nach unten in: a) die glimmerreichen Grauwackensandsteine des Ortberges, b) die Klippenquarzite des Wüstegartens, c) die mit Kieselschiefern wechsellagernden Quarzite von Schiffelborn sondern. Unterlagert werden diese Gesteine von der Folge der Urfer Schichten, die überwiegend aus plattigen feldspathführenden Grauwacken und Thonschiefern bestehen, in denen häufige Ein- lagerungen von dünnplattigen dichten Kalken (Densberger Bericht der Herren L. Beusmausen, A. Dencrmann, E. Horzareeı, etc. 279 Kalk) und Kieselschiefern beobachtet werden. Auch in den Ein- lagerungen dieser Schichten haben sich Graptolithen und andere silurische Versteinerungen gefunden. Die tiefsten im Kellerwalde beobachteten Schichten dieser Schichtenfolge bestehen aus rauhen, zähen, plattigen Schiefern mit zähen Grauwackensandsteinen, den sogen. Brünchenhainer Schichten, die eine überraschende Aehnlichkeit mit den Plattenschiefern der Gegend von Mägdesprung im Unter- harze haben. Besonders hervorzuheben ist noch das häufige Vorkommen von Pflanzenresten in den Grauwacken und Grauwackenschiefern des ganzen Systems. Unter Führung von Herrn KAyYsEr wurde sodann der Wollen- berg bei Wetter mit seiner Umgebung studirt. Den Hauptkörper dieses Berges bilden Quarzite, welche petrographisch durchaus denen des Wüstegartens gleichen. Unter diesen wurde am Forsthause Wollenberg in flacher Lagerung ein Wechsel von Quarziten und Kieselschiefern beobachtet, welcher völlig den Schiffelborner Schichten gleicht. Von grosser Wichtigkeit ist es, dass im Liegenden dieser Schichten nach der Lahn zu und weit über diese nach SW. hin- aus ein mächtiges Schichtensystem von plattigen pflanzenführenden Grauwacken und Schiefern, Kieselschiefern und plattigen Kalken auftritt, welches in seiner Gesammtheit den Urfer Schichten entspricht. Dieses System wurde von Caldern ın den nächsten Tagen durch das hessische Hinterland nach Gladenbach und von dort über die Dill bis über Greifenstein hinaus, also bis an die Basalt- und Tertiärbedeckung des Westerwaldes verfolgt. Diese Schichten bilden die bisher als Unterdevon gedeutete Sattelscheide zwischen Dill- und Lahn-Mulde. Sie sind als solche von Herrn KAYsER auf den Blättern Gladenbach, ÖOberscheld, Ballersbach und Herborn in ihrer Verbreitung in den letzten Jahren kartographisch festgelegt worden. An der Nordgrenze dieser mit einer grossen Ueberschiebung zusammenfallenden Scheide treten zunächst die petrographisch völlig denen des Wollenberges und Kellerwaldes entsprechenden, aber 280 Bericht der Herren L. Beusnausen, A. Desormann, E. Hotzapreı kleineren Quarzitvorkommen des Sandberges, Wildensteins etc. bei Uebernthal und Bischoffen, sowie die Klippenquarzite zwischen Dill- und Ulmthal auf. Südlich bezw. südöstlich dieser Quarzite findet man in grosser Ausdehnung Urfer Schichten. Betreffs dieser ist Folgendes zu bemerken: Typische Urfer Schichten mit Densberger Kalk wur- den besonders beobachtet auf der SO.-Seite des Wollenberges, an der Michelbacher Mühle bei Sterzhausen, ferner in der weiteren Umgebung von Sinn und Greifenstein. Gesteine vom Charakter des Plattenschiefers wurden in mehr oder minder mächtiger Entwickelung durch das ganze Gebiet beobachtet. Insbesondere gehören dazu die Gesteine am rechten Lahnufer oberhalb der Michel- bacher Mühle bei Sterzhausen, ferner die Dachschiefer und dach- schieferartigen Gesteine der Gegend von Sinn und Edingen. Diese enthalten ausser den schon von LupwıG beschriebenen Pflanzen- resten — zweifellos den ältesten in Deutschland bislang nach- gewiesenen — dieselben zahllosen Dictyodoren, sowie Nereites- und Nemertites-ähnlichen Formen, wie die Brünchenhainer Schichten. Einem noch tieferen Niveau der Urfer Schichten, als es bisher im Kellerwalde beobachtet ist, scheint eine Schichten- folge anzugehören von hellen, feinkörnigen, zuweilen Kaolin-füh- renden, eng mit Kieselschiefern und dickbankigen Plattenkalken vergesellschafteten Quarziten, wie sie auf dem rechten Lahnufer zwischen Caldern und Ellnhausen, sowie in der Gegend von Gladenbach und nach der Dill zu entwickelt sind. Die in zahlreichen Steinbrüchen aufgeschlossenen Platten- kalke dieser Gegend sind dieselben, welche von zweien von uns in einer früheren Publication als Gladenbacher Kalke bezeichnet worden sind. Die letzten beiden Tage unserer Begehungen galten dem Lahn- gebiet, wo unter Führung des Herrn HoLzArrEL besonders gewisse Grauwacken südlich der Lahn zwischen Braunfels und Giessen besichtigt wurden, welche als flachliegende Decke über verschie- denen Gliedern des Devon lagern. Nachdem somit eine breite zusammenhängende Silurzone und E. Kayser über eine gemeinschaftliche Studienreise. 281 mit ausgeprägten petrographischen Eigenthümlichkeiten auf die weite Erstreckung vom Westerwalde bis zum Kellerwalde nachgewiesen ist, erscheint es umsomehr geboten, auch das letzte Auftauchen dieser Schichtengruppe im Harze im Lichte der im Westen gewonnenen Erfahrungen einer Prüfung zu unterziehen, zumal eine Reihe schon bekannt gewordener Thatsachen deutliche Analogieen erkennen lässt. Die Fauna des Hauptquarzits am Acker- Bruchberge. Von Herrn L. Beushausen in Berlin. (Hierzu Taf. V.) Die Fauna des Unterharzer Hauptquarzits ist im Jahre 1889 der Gegenstand einer eingehenden monographischen Bearbeitung durch E. KAyYsEr gewesen (Abhandlungen der Kgl. Preuss. geo- logischen Landesanstalt. Neue Folge, Heft 1). In demselben Jahre machte Herr M. Koch bei der Aufnahme des Blattes Riefensbeek die überraschende Entdeckung, dass Schichten mit Hauptquarzit-Fauna auch mitten im Oberharze, am Südosthange des Acker-Bruchberges auftreten, und verfolgte diese im nächsten Jahre auf eine Länge von 11 Kilometern längs jenes mächtigen, den ganzen Oberharz durchquerenden Gebirgsrückens. Auf Herrn KochH’s Veranlassung hin habe ich dann im Jahre 1891 den ver- steinerungsreichsten Fundpunkt beim Lonauer Jagdhause weiter ausgebeutet, sodass durch unsere Aufsammlungen ein reichliches Material zusammengekommen ist. Der Umstand, dass die Vor- kommen am Acker räumlich getrennt sind von jenen des Unter- harzes und dass ferner ihre Fauna mehrere Elemente enthält, die wir aus dem Unterharze noch nicht kennen, werden es recht- fertigen, wenn ich die Fauna zum Gegenstande einer besonderen kurzen Darstellung mache. M. Koch hat über die Auffindung der Schichten mit Haupt- quarzit-Fauna in einem wissenschaftlichen Arbeitsberichte (dieses L. Beusnavsen, Die Fauna des Hauptquarzits am Acker-Bruchberge. 983 Jahrbuch f. 1890, S. XXXII ff.) einige kurze Mittheilungen gemacht, deren Inhalt ich im Folgenden zur allgemeinen Orien- tirung wiedergebe. Auf der oben angegebenen Strecke von etwa 11 Kilometer Länge zwischen dem Forstort Bärengarten im SW. des Blattes Riefensbeek bis zur Clausthal- Andreasberger Chaussee im NO. sind 10 einzelne, durch Querverwerfungen gegen einander verschobene Schichtenbänder mit Hauptquarzit-Fauna vorhanden, von denen die- jenigen in der Schwarzen Schluft unterhalb der Stieglitzecke, im Gelben Loche, einer Seitenschlucht des Goldenke, und am Lonauer Jagdhause eine reichere Ausbeute ergeben haben. In der Schwarzen Schluft sind glimmerreiche, stellenweise etwas kalkige Quarzite vorhanden, welche Koch mit denen des Langenberges und Ast- berges im Nordflügel der Elbingeröder Mulde vergleicht; an den beiden anderen Punkten sind es mehr schiefrige Gesteine, welche einzelne Bänke und Linsen unreiner Quarzite sowie linsenförmige Einlagerungen enthalten, welche den Kieselgallen der rheinischen oberen Coblenzschichten zu vergleichen sind. Der Fundpunkt am Lonauer Jagdhause liegt etwa 200 Meter westsüdwestlich desselben in der Böschung der Chaussee, welche sich gleich westlich des Jagdhauses von der oberen, durch den Forstort Bärengarten in das Thal der Kleinen Steinau geführten abzweigt und in das Thal der Grossen Steinau bezw. das Marien- thal (früher Düstere Thal genannt) hinabsteigt. Der zur Ge- winnung von Versteinerungsmaterial von mir s. Z. angelegte Schurf ist auf Veranlassung der Forstbehörde wieder eingeebnet worden; Versteinerungen sind daher an diesem Punkte ohne umfangreichere Aufschürfungen nicht mehr zu erlangen. — Das Einfallen der Schichten in dem Aufschlusse war flach nordwestlich, gegen den Berg gerichtet. Direkt überlagert wurden die Hauptquarzitschichten durch die von Herrn M. Koch so bezeichnete Acidaspis- Bank, ein mulmiges, bräunlichgelb gefärbtes Gestein, das wohl einen gänzlich zersetzten unreinen Kalk darstell. Auf die Fauna und die Stellung dieses Gesteins komme ich am Schlusse kurz zurück- Ein räumliches Bindeglied zwischen den Schichten mit Haupt- quarzit-Fauna am Acker-Bruchberge und dem Hauptquarzit des 284 L. Beusnausen, Die Fauna des Hauptquarzits am Acker-Bruchberge. Unterharzes bilden die gleichartigen Schichten, welche Herr M. Koch bei seinen Aufnahmearbeiten im Klosterholze bei Ilsen- burg im Hangenden der dortigen unreinen »Hercyn«-Kalke nach- gewiesen hat. Herr KocaH hat über die Verhältnisse im Kloster- holze in einem Vortrage in der Februar-Sitzung der Deutschen geologischen Gesellschaft 1897 nähere Mittheilungen gemacht und veröffentlicht im vorliegenden Bande dieses Jahrbuchs eine ein- gehende Darstellung derselben. Aus dem Hauptquarzit des Kloster- holzes stammen auch die Versteinerungen, welche A. RoEMER 1867 (Zeitschr. d. Deutsch. geol. Ges. Bd. 19, S. 254) anführte, und auf Grund deren er zutreffend das Vorhandensein von Spiriferensand- stein im Klosterholze annahm, während E. KAyser 1878 in seiner Monographie der ältesten Devonfauna des Harzes die Verstei- nerungen dieser »sandigen Schichten« des Klosterholzes als »hercynisch« mit beschrieb. In seiner Arbeit über die Fauna des Hauptquarzits S. 8 f. betont Kayser jedoch, dass der Punkt im Klosterholze vielleicht dem Niveau des Hauptquarzits angehöre. Das von Herrn M. KocH in dem Hauptquarzit des Klosterholzes gesammelte Material, dessen Durchsicht mir genannter Herr freundlichst gestattete, ergiebt das Vorkommen der nachfolgend aufgezählten Arten, mit denen die Fauna jedoch nicht erschöpft ist: Phacops Sp. Athyris undata DEFR. » macrorhyncha SCHNUR Spirifer paradozus SCHLOTH. » arduennensis SCHNUR » subcuspidatus SCHNUR » curvatus SCHLOTH. Rhynchonella Sancti Michaelis KAYSER Strophomena piligera SANDB. Orthothetes umbraculum SCHLOTH. Chonetes sarcinulata SCHLOTH. > plebeja SCHNUR Craniella cassis ZEILER. L. Beusuausen, Die Fauna des Hauptquarzits am Acker-Bruchberge. 285 Bei der Besprechung der einzelnen Arten habe ich, um un- nöthigen Citatenballast zu vermeiden, nur die KAyser’sche Mono- graphie der Hauptquarzit-Fauna angezogen, welche die Citate aus der älteren Litteratur enthält, und auch nur die Stellen ım Text dieser Abhandlung, an denen die betr. Art näher besprochen wird; die Abbildungen bei KAYSER sind dagegen vollständig angegeben. Eine Anzahl nicht sicher bestimmbarer Reste ist bei der Dar- stellung unberücksichtigt geblieben. Ebenso habe ich eine kleine Anzahl von Formen aus dem Hauptquarzit der Gegend von Michael- stein unberücksichtigt gelassen, welche sich bei der Präparation des noch vorhandenen Rohmaterials ausser den von KAYSER in seiner Monographie bereits ‚angeführten Arten gefunden haben. Erwähnen will ich nur, dass sich darunter ein Pygidium von Cryphaeus laciniatus F. RoEM. befindet, der erste Trilobitenrest aus jener Gegend, ferner ein Platyceras, eine Discina u. A. m. Avicula arduennensis STEIN.? Frech, Die devonischen Aviculiden S. 52, Taf. IV, Fig. 6. 1891. Ein Bruchstück des Steinkerns einer linken Klappe nebst Abdruck vom Jagdhause gehört vielleicht dieser in den oberen Coblenzschichten auftretenden Art an, jedenfalls aber dem Formen- kreise der Avsicula lamellosa GOLDF. Steinkern und Abdruck zeigen die charakteristische wellige Sculptur, der letztere ausserdem auf dem erhaltenen Rudiment des hinteren Flügels einige schwache Radialfalten. Zu den Abbildungen bei FRECH ist zu bemerken, dass, wie STEININGER’s Exemplare von Avicula arduennensis in der Sammlung der Kgl. geologischen Landesanstalt darthun, die Schale hinten tiefer eingebuchtet und der mehrfach vollständig erhaltene Hinterflügel länger ausgezogen ist, als die punktirten Linien es andeuten. Pterinaea costata GoLor. Kayser 8.19, Taf. VIL, Fig. 10; Taf. VIII, Fig. 3, 4. Frech, Die devonischen Aviculiden S. 81, Taf. VIII, Fig. 2; Taf. VI, Fig. 4 bis 8. 1891. Von dieser durch das ganze rheinische Unterdevon verbreiteten Art liegen sechs z. Th. unvollständige Exemplare vor, sämmtlich vom Jagdhause. 286 L. Beusnuausen, Die Fauna des Hauptquarzits am Acker-Bruchberge. Cypricardinia Kochi n. sp. Taf. V, Fig. 1, 2. Ungleichklappig, rechte Klappe stärker gewölbt als die flache linke, sehr ungleichseitig. Wirbel weit vorn gelegen, Schlossrand verlängert, gerade, Vorderrand steil abwärts ziehend, Unterrand vor der Mitte eingebuchtet, Hinterrand schwach eingebogen, in Schlossrand und Unterrand in abgerundetem Bogen übergehend. Die Schale verbreitert sich nach hinten erheblich. Vom Wirbel zieht eine scharfe Falte zum Hinterrande, einen hinteren Flügel abschnürend, eine breite, seichte Depression zum Unterrande. Beide schliessen zwischen sich eine stärker gewölbte mittlere Schalpartie ein. Die Sculptur besteht aus schuppig-dachziegeligen Anwachsbändern, die sich aus einem breiten, flachen oberen und einem schmalen, steil abfallenden unteren Theile zusammensetzen. Die Sculptur der linken Klappe ist feiner als die der rechten. Die den Cypricardinien eigenthümliche feine Radıalsculptur besteht bei unserer Art aus Stäbchen, die derart vertheilt sind, dass die- jenigen des steilen unteren Theiles eines jeden Anwachsbandes auf den Zwischenräumen derjenigen des oberen Theiles stehen, sodass die scharfe Grenzkante derselben crenelirt erscheint. Auf dem hinteren Flügel ist eine durch sich kreuzende Stäbchen her- vorgerufene Gitter- und Zickzack-Sculptur vorhanden. Von den inneren Üharakteren war an zwei Exemplaren der ei-nierenförmige vordere Adductor zu beobachten; das Schloss ist an dem in Fig. 2 abgebildeten Sculptursteinkern einer linken Klappe zum Theil erhalten und zeigt hier zwei Zahngrubenaus- füllungen; es dürfte demnach in jeder Klappe aus zwei Schloss- zähnen bestanden haben. Der hintere Seitenzahn ist nicht erhalten. Sehr ähnlich ist unserer Art C. crenistria SANDB. des rheinischen Unterdevon (vgl. BEUSHAUSEN, Lamellibranchiaten d. rhein. Devon S. 178, Taf. XVI, Fig. 9—13). Immerhin sind aber deutliche Unter- schiede vorhanden. Zunächst ist die umbono-ventrale Depression bei C. crenistria tiefer, vor Allem auch in der linken Klappe, und die mittlere gewölbte Schalpartie ist schmaler als bei C. Kochi; ferner ist die concentrische Sculptur feiner und schärfer als bei dieser Art, und L. Brusnausen, Die Fauna des Hauptquarzits am Acker-Bruchberge. 287 endlich ist bei ©. Kochi die von mir a. a. Ö., Fig. 10a, abgebildete Gittersculptur der C. cerenistria nicht vorhanden, sondern die Stäb- chen schieben sich in die Zwischenräume deutlich ein, während diese Art andererseits von den sich kreuzenden Stäbchen auf dem hinteren Flügel der ©. Kochi nichts erkennen lässt. Aus dem Klosterholze und zwar, wie die Untersuchung der im Fürst. Museum zu Wernigerode aufbewahrten Originale er- gab, aus dem unreinen »Hercyn«-Kalke, sind durch A. ROEMER bezw. E. Kayser Reste von Cypricardinien beschrieben worden unter den Namen (. crenicostata A. ROEM. und (. lamellosa HALL (?) (KAYSER, Fauna der ältesten Devon-Ablagerungen S. 129, Taf. 20, Fig. 2 bezw. S. 128, Taf. 20, Fig. 3). ©. crenicostata ist eine bis auf den Hinterflügel vollständige rechte Klappe, die abgesehen von der schärfer ausgeprägten um- bono-ventralen Depression, der Ü. lamellosa GOLDF. ähnelt. Die feine Radialsculptur besteht aus verhältnissmässig weit stehenden schwachen stäbchenförmigen Papillen, die die ganze Breite der Anwachsbänder einnehmen, aber nur am steilen unteren Theile deutlicher sind. — (. lamellosa HALL? ist eine flache linke Klappe mit ziemlich breiten flachen Anwachsbändern, auf denen noch eine feine Anwachsstreifung sichtbar ist. Nach meinen Erfahrungen bei anderen Cypricardinia- Arten glaube ich sicher annehmen zu dürfen, dass die beiden Einzel- klappen ein und derselben Art angehören, die den Namen (. ereni- costata A. RoEM. zu tragen hätte. C. Halli, wie ich wegen der Priorität von (©. lamellosa GOLDF. die amerikanische Art zu nennen vorschlage, mit der KAYSER die linke Klappe vergleicht, ist eine deutlich verschiedene Art, die in Gestalt und Sculptur an C. scalaris PHILL. und Sandbergeri Beusn. (a. a. O. S. 179, 181, Taf. XVI, Fig. 2, 3) erinnert. Des- gleichen besitzen C. planulata CONRAD und Ü. indenta CONRAD (Ha, Palaeontology of New-York V. 1, S. 484, 485, Taf. 79, Fig. 1—5 u. 6—23) abweichende Gestalt und Sculptur. C. Kochi liegt mir vom Jagdhause in fünf z. Th. unvoll- ständigen Steinkernen bezw. Abdrücken der rechten und zwei solchen der linken Klappe vor. Ein Bruchstück einer linken Klappe von Michaelstein gehört wahrscheinlich gleichfalls unserer Art an 288 L. Beusnausen, Die Fauna des Hauptquarzits am Acker- Bruchberge. und ebenso eine völlig plattgequetschte linke Klappe vom Drei- Jungfern-Holze bei Andreasberg. Goniophora Schwerdi BEusH. Taf. V, Fig. 3—5. Beusnausen, Die Lamellibranchiaten des rhein. Devon S.206, Taf. XVII, Fig. 22 bis 30. 1895. Es liegt der unvollständig erhaltene Steinkern und Abdruck einer linken Klappe vom Jagdhause vor, welcher zweifellos der im rheinischen Unterdevon von den unteren Ooblenzschichten aufwärts verbreiteten @. Schwerdi angehört, wie aus dem Verlauf und der Beschaffenheit der Sculptur, dem zusammengedrückten Kiel und der ganzen Gestalt hervorgeht. Der Steinkern lässt unter dem Wirbel deutlich die dreieckige Zahngrube nebst der darunter liegenden zahnartigen Anschwellung erkennen. Von den sonstigen inneren Charakteren ist nur die obere Hälfte der Aus- füllung des vorderen Muskeleindrucks erhalten. — Auf der Tafel sind in Fig. 4 und 5 zum Vergleiche Abdruck und Steinkern einer linken bezw. rechten Klappe aus den rheinischen unteren Coblenzschichten wiedergegeben. — Aus dem Klosterholze und zwar, wie die Untersuchung des im Berliner Museum für Naturkunde befindlichen Originalexemplars ergab, aus dem Hauptquarzit, hat E. KAyser (Fauna d. ältesten Devon-Ablagerungen, S. 129, Taf. 20, Fig. 8) eine Goniophora sp. beschrieben und abgebildet, welche sich als zu @. applanata BEusn. (a. a. OÖ. S. 207, Taf. XVII, Fig. 17—20) gehörig heraus- stellt. Die anscheinenden Unterschiede gegenüber dieser Art rühren davon her, dass das Originalexemplar KAYsEr’s, ein unvollständiger Hohldruck der rechten Klappe, in der Abbildung am Hinterende unrichtig ergänzt und der Verlauf der Anwachsrippchen nicht zu- treffend wiedergegeben ist. Athyris undata DErr. Kayser 8. 37, Taf. II, Fig. 1-5; Taf. IV, Fig. 1; Taf. XVII, Fig. 1-3. Im Gegensatze zu ihrer Häufigkeit im Unterharzer Haupt- quarzit ist Athyris undata am Acker nur durch wenige isolirte Klappen vom Jagdhause vertreten. L. Beusuausen, Die Fauna des Hauptquarzits am Acker-Bruchberge. 289 Athyris macrorhyncha Schnur. Kayser $. 41, Taf. IV, Fig. 2—4; Taf. XVII, Fig. 5, 6, 8. Diese Art der rheinischen oberen (und unteren?) Coblenz- schichten, die von KAYSER auch im Hauptquarzit von Michael- stein nachgewiesen wurde, liegt in zwei Ventralklappen vom Jagd- hause vor, die besonders auch die charakteristischen wulstigen An- wachsringe deutlich erkennen lassen. Athyris caeraesana STEIN. Kayser S. 40, Taf. III, Fig. 7—9; Taf. XVII, Fig. 4, 7. Vom Jagdhause liegt mir eine isolirte Ventralklappe vor, die durchaus mit der durch ihren abgerundet-fünfseitigen Umriss und den von zwei deutlichen gerundeten Kanten begrenzten, schmalen, bis in die Schnabelspitze verfolgbaren Sinus gekennzeichneten A. caeraesana übereinstimmt, sodass an der Identität nicht zu zweifeln ist. Nucleospira lens ScHnur var. marginata Maur. Taf. V, Fig. S—12. Spirifer lens Scaunur, Brachiopoden d. Eifel S. 211, Taf. 36, Fig. 6. 1853. Nucleospira lens Kayser, Zeitschr. d. D. geol. Ges. Bd. 23, S. 552, Taf. 10, Fig. 4. 1871. Nucleospira marginata Maurer, Fauna des rechtsrheinischen Unterdevon 8.19. 1386. Zu den häufigsten Versteinerungen beim Lonauer Jagdhause gehören ein- und zweiklappige Steinkerne und Abdrücke einer Nucleospira. Diese gleicht in Bezug auf den inneren Bau und die ganze Gestalt durchaus den Steinkernen der N. lens aus den Eifeler Calceola- und Crinoiden-Schichten und unterscheidet sich von diesen nur durch stets erheblich grössere Dimensionen. Andererseits stimmt sie völlig — auch in Bezug auf die Grösse — mit den nicht seltenen Nucleospira-Steinkernen aus den oberen Coblenzschichten überein, welche F. MAURER als N. marginata a. a. OÖ. beschrieben hat, und von denen unsere Fig. 12 den Stein- kern einer isolirten Ventralklappe wiedergiebt. Ich glaube nicht, dass eine specifische Trennung von N. lens möglich ist. MAURER giebt als Unterschied ausser der Grösse allerdings noch den kreis- Jahrbuch 1896. 19 290 L. Brusmausen, Die Fauna des Hauptquarzits am Acker-Bruchberge. runden Umriss an. Dieser ist aber nur bei dem kleineren Theile der Stücke vorhanden, die anderen sind ein wenig querverlängert, die Gestalt unterliegt also denselben Schwankungen, wie bei N. lens. Berichtigend ist zu MAurER’s Beschreibung ferner noch zu bemerken, dass die beiden Klappen nicht gleichmässig gewölbt sind, sondern dass die Ventralklappe meist deutlich etwas stärker gewölbt ist als die Dorsalklappe, wie das auch für N. Iens gilt. Da nach FrecH (Geologie der Umgegend von Haiger S. 3 sowie Z. d. D. geol. Ges. Bd. 41, S. 211) und FoLLmann (Ueber die unterdevonischen Schichten bei Coblenz S. 29) die typische N. Iens schon im oberen Unterdevon vorkommt, so kann man die grössere Form der oberen Coblenzschichten und des Hauptquarzits als var. marginata MAuR. bezeichnen. Der Name ist allerdings in- sofern nicht ganz zutreffend, als Steinkerne von N. lens aus dem Mitteldevon in genau gleicher Weise den abgeflachten Randsaum aufweisen. Scharfe Abdrücke zeigen neben sehr feinen undeut- lichen Anwachsstreifen vereinzelte schärfere Furchen, welche die Anwachszonen begrenzen. Spirifer paradoxus SCHLOTH. Kayser >. 28, Tal I Taor6, %; Taf, XV, Biol. 2. Die Art ist verhältnissmässig selten; es liegen im Ganzen nur drei Exemplare vor, zwei vom Jagdhause und eins von der Schwarzen Schluft. - Spirifer arduennensis SCHNUR. Kayser 8. 33, Taf. II, Fig. 1—4; Taf. XII, Fig. 5; Taf. XVI, Fig. 1—9. Viel häufiger als Sperifer paradowus ist Sp. arduennensis, von dem mir zahlreiche Exemplare sowohl vom Jagdhause als auch vom Gelben Loche und der Schwarzen Schluft vorliegen. Sie stimmen sowohl mit rheinischen, wie auch mit den Exemplaren aus dem Unterharzer Hauptquarzit völlig überein. Von Sp. para- dozus ist Sp. arduennensis nach den von SCHNUR und KAYSER angegebenen Merkmalen leicht zu unterscheiden; dagegen besteht eine ziemlich grosse Aehnlichkeit mit Spirifer intermedius SCHLOTH. (= Sp. speciosus auct.), der in allen Sammlungen verbreiteten Art L. Beusuausen, Die Fauna des Hauptquarzits am Acker-Bruchberge. 291 des Eifeler unteren Mitteldevon, die auch schon im obersten Unterdevon des ÖOberharzes vorkommt. Doch sind auch hier durchgreifende Unterschiede vorhanden. Mit der Schale erhaltene Exemplare von Sp. arduennensis, wie sie mir von Prüm vorliegen, zeichnen sich vor solchen von Sp. intermedius, abgesehen von den ausgeschweiften Seitenkanten, durch stärker gewölbte Klappen und mehr aufgetriebene Schnabelgegend aus; die Rippen sind schärfer, stehen gedrängter, und ihre Zwischenräume sind tiefer als bei Sp. intermedius. In der Ausbildung von Sinus und Sattel sind, abgesehen von wenig grösserer Breite bei Sp. arduennensis, wesent- liche Verschiedenheiten nicht vorhanden. Steinkerne von Sp. arduennensis unterscheiden sich von solchen des Sp. intermedius vor allem durch wesentlich stärkere Wölbung — die Umgebung des Muskelzapfens erscheint stark abgeplattet, was bei Steinkernen von Sp. intermedius nicht der Fall ist — und stärkere Entwicklung von Sinus und Sattel, sowie die Beschaffenheit des Muskelzapfens. Dieser ist bei Sp. intermedius einerseits am Grunde meist ver- hältnissmässig etwas breiter als derjenige von Sp. arduennensis, und andererseits ist seine mittlere Partie bei ersterer Art stets scharf dachförmig eingedrückt, indem der Sinus sich als scharfe Rinne bis zum Schnabel fortsetzt, während der mittlere Theil des Muskelzapfens von Sp. arduennensis meist nur abgeflacht oder flach eingedrückt ist, an keinem meiner Exemplare aber so tief eingedrückt erscheint, wie bei Sp. intermedius. Die letztere Art kann ich unter dem mir vorliegenden Material vom Acker-Bruch- berge nicht erkennen. Spirifer Mischkei Frech. Frecn, Geologie der Umgegend von Haiger (Abh. z. geol. Spec.-Karte von Preussen ete., VIII. 3). S. 34, Taf. III, Fig. 1. 1888. Vom Jagdhause liegen mir zwei kleinere und eine etwas zweifelhafte grössere Dorsalklappe eines Sperifer vor, welcher mit der FrecH’schen Art aus den obersten Coblenzschichten von Haiger ident sein dürfte. Die von FRECH angegebenen Merkmale, Aehn- lichkeit im äusseren Ansehen mit Sp. subcuspidatus, aber wesent- lich geringere Zahl der Falten, passen auch für die Harzer Stücke. 197 392 L. Berusuausen, Die Fauna des Hauptquarzits am Acker-Bruchberge. Die Zahl der Falten beträgt bei ihnen jederseits fünf. Auch den schmalen Sattel, den FRECH besonders hervorhebt, besitzen sie. Nach einigen scharfen Furchen auf den Steinkernen zu urtheilen, dürfte auch eine scharfe Anwachsstreifung, wie bei Sp. subcuspi- datus, vorhanden gewesen sein. — FOLLMANN giebt (Unter- devonische Schichten bei Coblenz S. 25) Sp. Mischkei auch aus den oberen Coblenzschichten der Ahler Hütte an. Das Stück seiner in den Besitz der geologischen Landesanstalt gelangten Sammlung, auf welches sich diese Angabe jedenfalls bezieht, ist eine nicht ganz vollständige Ventralklappe, die jederseits etwa sechs scharfe Falten trägt. Sie weicht aber von FrecH’s Beschreibung durch das Vor- handensein eines tief und rinnenförmig ausgekehlten breiten Sinus ab, der bei Sp. Mischkei dagegen flach und von geringer Breite sein soll. Dieses Stück, mit dem u. a. eine Ventralklappe vom Castelbach (MÜLLER’s Bruch) übereinstimmt, dürfte demnach einer noch unbeschriebenen, dem Sp. subcuspidatus nahestehenden Art angehören, die in der Sammlung der geologischen Landesanstalt noch durch einige weitere Stücke vertreten ist. Spirifer subeuspidatus ScHnur var. alata KAYser. Kayser S. 26, Taf. 1, Fig. 7—10. Nicht eben selten am Jagdhause. Was die Beziehungen von Sp. subcuspidatus zu den ge- wöhnlich und auch von mir (Abh. z. geol. Spec.-Karte v. Preussen VI. 1) als Sp. hystericus SCHLOTH. bezeichneten Steinkerne aus dem Unterdevon des Oberharzes betrifft!), so dürfte E. KAYsEr Recht haben, wenn er einen Theil der Steinkerne vom Rammels- berge zu unserer Art zieht. Die Hauptmasse derselben, besonders aus dem hellfarbigen Quarzitsandstein des Kahleberges und des Bocksberges, scheint mir jedoch mit Sp. subeuspidatus nicht über- einzustimmen und steht anscheinend dem Sp. carinatus näher, ohne indessen mit, dieser Art vereinigt werden zu können. 1) Der Name Sp. hystericus Schuoru. kommt nach E. Kayser nur einer Form der Siegener Grauwacke zu. L. Beusnausen, Die Fauna des Hauptquarzits am Acker-Bruchberge. 993 Spirifer carinatus Schnur. Kırser 8. 24, Taf. I, Fig. 3, 4; Taf. X, Fig.2; Taf. XIV, Fig. 4, 5. Exemplare dieser Art sind beim Jagdhause nicht selten; von der Schwarzen Schluft liegt nur eine etwas zweifelhafte Dorsal- klappe vor, die niedrigeren Sattel und etwas zahlreichere Rippen besitzt, als die Durchschnittsexemplare. — Die Lage der von den Zahnstützen herrührenden Einschnitte auf den Steinkernen der Ventralklappe ist Schwankungen unterworfen: sie können zwischen der ersten und zweiten Rippe, aber auch erst an der dritten Rippe auftreten. Spirifer undulifer KAYser. TafıV, Big.6, v7. Kayser, Zeitschr. d. Deutsch. geol. Gesellsch. Bd. XXXV, S. 310, Taf. XIII, Fig. 4. 1883. Diese durch E. Kayser von Daleiden und der Grube Braut bei Walderbach beschriebene seltene Art des rheinischen oberen Unterdevon ist auffälliger Weise am Jagdhause verhältnissmässig häufig. Es liegen mir nicht weniger als fünf Dorsalklappen und drei Ventralklappen vor, von denen die grösste Dorsalklappe und der Wachsabdruck einer Ventralklappe a. a. O. abgebildet sind. Da Kayser’s Originalexemplar einer der bekannten abgerollten Steinkerne von Daleiden ist und auch die beiden Stücke von Grube Braut nur mässig erhalten sind, so vervollständigt unser Material die Kenntniss der Art in etwas. Die von E. KAYsErR gegenüber dem mitteldevonischen Sp. undifer F. ROEM. hervorgehobenen Unterschiede treffen auch für die mir vorliegenden Exemplare durchaus zu: Stärkere Ausbildung von Sinus und Sattel, geringere Zahl der Falten auf jeder Seite (meist nur drei, seltener vier), welche zudem breiter und flacher sind als bei Sp. undifer. Die Eigenthümlichkeit, dass die Falten bei Sp. undulifer erst in der zweiten Hälfte der Schale deutlich hervortreten, gilt indessen nur für die Steinkerne und auch für diese nicht allgemein, vielmehr liegen mir mehrere Steinkerne vor, 294 NL. Beusuausen, Die Fauna des Hauptquarzits am Acker-Bruchberge. bei denen die Falten schon in der Nähe des Schnabels auftreten. Abdrücke der Aussenschale zeigen dagegen die Falten am Schnabel in völliger Deutlichkeit. — Die von den Zahnstützen herrührenden Einschnitte der Ventralklappe begrenzen einen demjenigen von Sp. curvatus SCHLOTH. sehr ähnlichen Muskelzapfen. Die Höhe der Area schwankt etwas bei den einzelnen Exemplaren. Die Aussenschale war mit regelmässigen, ein wenig schup- pigen, feinen, aber scharfen Anwachsstreifen bedeckt. Ein wenig schärfere Furchen markiren die verschiedenen Anwachszonen. Ausserdem bemerkt man unter der Lupe eine sehr feine und regel- mässige hadialstreifung. Spirifer curvatus SCHLOTH. Kazsen 9.76, Taf. X, Fig, 3; Taf.XV, Fig. 6; Taf. XV, Fig, I. Liegt vom Jagdhause in mehreren typischen Exemplaren vor, ein junges Exemplar von der Schwarzen Schluft. Rhynchonella daleidensis F. Rom. Kayser S. 43, Taf. V, Fig. 2, 3. Von dieser im rheinischen Unterdevon so verbreiteten Art liegen sechs Exemplare vor, sämmtlich vom Jagdhause stammend. — Aus dem Oberharzer Unterdevon war RA. dalerdensis bislang nicht bekannt; mit der GRUMBRECHT'schen Sammlung sind jedoch neuerdings zwei zweifellose Exemplare in den Besitz der geo- logischen Landesanstalt gelangt, die aus den ausgelaugten, mür- ben, dunkelbraunen Sandsteinen des Rammelsberges stammen, welche das Verwitterungsprodukt eines sehr zähen graublauen Kalksandsteins sind, in dem alle Versteinerungen mit der Schale erhalten sind, aber leider beim Zerklopfen nur selten vollständig herauskommen. Rhynchonella (Wilsonia) pila ScHxur. Schnur, Palaeontographica Bd. III, S. 186, Taf. XXVI, Fig. 1. 1853. Von dieser verbreiteten Art des rheinischen Unterdevon haben sich beim Jagdhause sechs Exemplare gefunden, welche mit rheinischen Exemplaren durchaus übereinstimmen. L. Beusuausen, Die Fauna des Hauptquarzits am Acker-Bruchberge. 295 Rhynchonella (Wilsonia) sp. ind. Eine isolirte, im Gestein sitzende Ventralklappe unterscheidet sich bei ähnlicher, doch etwas breiterer Gestalt sehr deutlich von den gleichen Klappen der RA. pila. Der Muskelzapfen ist wesentlich kürzer als bei dieser Art — er erreicht kaum die Schalenmitte — und von abweichender Gestalt. Der flachere Sinus trägt am Stirnrande nur 5—6 Rippen, besitzt aber keine Mittelrippe, und auch auf den Seitentheilen scheint die Berippung gröber zu sein, als bei Rh. püla. Anscheinend liegt eine Form aus der Gruppe der Rh. Henrici BARR. vor; zu Rh. Sancti Michaelis KAYsER des Unterharzer Hauptquarzits gehört das Stück aber sicher nicht. Orthis sp. ind. Der plattgedrückte Steinkern einer Ventralklappe vom Jagd- hause steht in Bezug auf die Gestalt und das anscheinende Fehlen einer schärferen Berippung der O0. dorsoplana FRECH aus den obersten Coblenzschichten von der Papiermühle bei Haiger (Geo- logie der Umgegend von Haiger, S. 34, Taf. III, Fig. 5) nahe, weicht von dieser Art aber durch den wesentlich schmaleren Schnabel ab. Von O. triangularis ZEILER (— lodanensis FRECH a. a. O. S. 32, Taf. III, Fig. 4, wie E. KAysEr nachgewiesen hat) entfernt sie sich durch ihre mindestens kreisrunde, nicht quer- ovale Gestalt. FrecH’s Angabe, dass bei seiner O. lodanensis der Schlossrand der grössten Breite der Schale entspreche, trifft übrigens nicht zu; bei dem in der Sammlung der geologischen Landesanstalt befindlichen Originalexemplar zu seiner Figur 4 von Oberlahnstein sieht man deutlich, was übrigens auch aus der Ab- bildung ersichtlich ist, dass der Schlossrand wesentlich kürzer ist als die grösste Breite der Schale. Strophomena (Leptagonia) rhomboidalis WAHLene. Kayser S. 85, Taf. X, Fig. 9. Von dieser in den oberen Coblenzschichten nicht seltenen Art liegt eine ganze Anzahl von meist grossen Exemplaren vom 296 L. Beusuausen, Die Fauna des Hauptquarzits am Acker-Bruchberge. Jagdhause vor, und zwar sowohl Steinkerne wie gute Sculptur- steinkerne. Strophomena piligera Sanne. var. hercynica KAYsEr. Kayser 8. 57, Taf. VI, Fig, 1-4; Taf. IX, Fig, 2; "Taf. XIX, wos Taf. XX, Fig. 1—5/ E. Kayser hat die Form des Unterharzer Hauptquarzits, welche er zu Str. piligera stellt, als neue Varietät hercynica be- schrieben. Die Unterschiede liegen nach ihm in der meist ge- ringeren Grösse, der gewöhnlich weniger stark in die Breite aus- gedehnten Gestalt und der meist stärker entwickelten Schleppe der rheinischen Exemplare. Die genaue Untersuchung des reich- lichen Materials, welches mir sowohl aus dem Harzer wie dem rheinischen Unterdevon vorliegt, hat mich jedoch nicht davon zu überzeugen vermocht, dass diese Abweichungen mehr als indivi- duelle Bedeutung haben; vielmehr findet man zahlreiche rheinische Exemplare, welche in Bezug auf diese Punkte den Harzer Exem- plaren völlig gleichen. Ein wesentlicherer Unterschied scheint mir jedoch darin zu liegen, dass die vom Wirbel ausstrahlenden Rippenbündel bei der Mehrzahl der Harzer Exemplare weit gröber, schärfer und durch tiefere Furchen getrennt sind, als bei den rheinischen. Exemplare, welche in dieser Hinsicht den rheinischen Durchschnittsexemplaren mit ihren ziemlich feinen Rippenbündeln entsprechen, die sich schon früh in flache Bänder auflösen, sind im Unterharzer Hauptquarzit schon ziemlich selten und am Bruchberge kaum vorhanden. Die Mehrzahl der Exem- plare aus dem Unterharze steht in Bezug auf ihre Berippung etwa der bei KAYsEr auf Taf. XIX, Fig. 3—6, abgebildeten Daleidener Form nahe, deren Originalexemplare ich vor mir habe; und vom Jagdhause habe ich eine ganze Anzahl von Stücken, deren Rippen- bündel noch gröber sind. Diese letzteren nähern sich schon ganz erheblich den Exemplaren von Str. Sedgwicki VERN. aus der Siegener Grauwacke, welche mir vorliegen. Immerhin sind aber bei dieser die erhabenen Rippenbündel noch etwas schärfer und halten länger aus als diejenigen der Oberharzer Form, welche nur in seltenen Fällen den Stirnrand erreichen, meist schon vor der knieförmigen Umbiegung sich in flache Bänder auflösen. L. Beusuausen, Die Fauna des Hauptquarzits am Acker-Bruchberge. 297 Da allmähliche Uebergänge von der Durchschnittsform deutlich vorhanden sind und auch die Exemplare vom Jagdhause unter sich individuell etwas schwanken, so liegt kein Grund vor, die schärfer berippten Stücke als besondere Art abzutrennen, aber sie stellen eine deutlich unterscheidbare Varietät dar, auf welche der Name hercynica passend übertragen werden kann. Es wären dann nur die feiner berippten Exemplare des Unterharzes, wie z. B. Fig. 1 und 3 auf Tafel VI bei KAyYsEr, davon auszuschliessen und als Str. piligera SanDe. s. str. zu bezeichnen. Am Jagdhause ist Str. peligera var. hercynica eines der häufigsten Vorkommnisse. | Orthothetes umbraculum ScHLoTH. Orthothetes hipponys Schnur bei OrnLertr, Bull. de la Soc. geol. de France, Sesor 12 24,=p. 856 fi., 1897, Streptorhynchus umbraculum Kayser 8. 100, Taf. XII, Fig. 4; Taf. X VIII, Fig. 1—5. Die von den verschiedenen Forschern bislang unter dem Namen Streptorhynchus umbraculum SCHLOTH. aufgeführte Form des Unterdevon ist von OEHLERT neuerdings von der Art des Eifeler Mitteldevon, auf welche der SCHLOTHEIM’sche Name sich bezieht und der er verbleiben muss, abgetrennt und mit dem von SCHNUR im Programm der höheren Bürgerschule zu Trier, S. 4, 1851 für sie angewandten Namen hipponyz belegt worden. In seiner 1853 erschienenen Monographie der Brachiopoden der Eifel hat SCHNUR die Art irrigerweise mit Hipparionyz prowimus V ANUXEM identifieirt und als Orthis hippariony® bezeichnet, sie aber von seiner Orthis umbraculum unterschieden. Ob die von ÖEHLERT a. a. O. angeführten Unterschiede von O. hipponya und O. umbraculum zur specifischen Trennung der Unter- und Mitteldevonform ausreichen, scheint mir nicht ganz sicher. Ein Unterschied soll darin bestehen, dass bei O. hipponyx die grösste Breite der Schale nur selten im Schlossrande liegt, sondern meist etwas hinter der Schalenmitte, während bei O. um- braculum der Schlossrand meist ein wenig länger sein soll als die grösste Schalenbreite. Das trifft im Allgemeinen zu, doch variiren die Exemplare der Unterdevonform in Bezug auf die Länge des 298 L. Beusuausen, Die Fauna des Hauptquarzits am Acker-Bruchberge. Schlossrandes nicht unbeträchtlich. Ein weiterer Unterschied, die durch die Anwachsstreifen gekerbten, »wie eine Feile« rauhen Rippen von 0. umbraculum gegenüber den nicht gekerbten von OÖ. hipponya, dürfte auf die Art der Erhaltung zurückzuführen sein; auch bei O. umbraculum geht die Kerbung an sonst recht gut erhaltenen Stücken leicht verloren, und ihr Fehlen dürfte kaum als positives Unterscheidungsmerkmal zu verwenden sein. In der Wölbung der concav-convexen Schale sind Unterschiede nicht vorhanden, die unterdevonischen Stücke sind allerdings oft plattgequetscht. Ich ziehe es daher vor, die Unterdevonform einst- weilen noch als O. umbraculum aufzuführen, zumal E. KAYseEr a. a. OÖ. S. 103 noch sagt, dass er an ein paar natürlichen und künst- lichen Steinkernen der typischen Form aus dem Mitteldevon der Eifel keine Unterschiede von der unterdevonischen habe wahr- nehmen können. Vom Jagdhause und aus der Schwarzen Schluft liegen mehrere grosse Stücke vor. Chonetes dilatata F. Ron. Kaxsur 9, 61, Taf. VI, Fig. 6; Taf. XIL, Fig. 2, 3. Chonetes gibbosa Kayser, Fauna der ältesten Devon- Ablagerungen des Harzes S. 204, Taf. XXX, Fig. 10. 1878. Von dieser Art der rheinischen oberen Coblenzschichten, deren Vorkommen jedoch auch in den unteren ÜCoblenzschichten und dem Coblenzquarzit durch FOLLMANN sicher nachgewiesen worden ist, liegen mir mehrere Exemplare vom Jagdhause und der Schwarzen Schluft vor. — Zu Ch. dilatata gehört — wie das übrigens von KaAYsEr bereits als Möglichkeit ausgesprochen worden war — auch das von E. Kayser als Ch. gibbosa beschriebene Exemplar aus den unreinen dunklen »Hercyn«-Kalken des Klosterholzes bei Ilsenburg im Liegenden des dortigen Hauptquarzits. KAYSER giebt als Unterschiede gegenüber Ch. dilatata an die aufgeblähte, den Schlossrand überragende Wirbelgegend und die nicht flügelförmig verlängerten Schlossecken. Was den ersteren Punkt betrifft, so habe ich u, a, Exemplare der Ch. dilatata vom Jagdhause und von L. Beussausen, Die Fauna des Hauptquarzits am Acker-Bruchberge. 299 Daleiden vor mir, deren Wirbelgegend in gleicher Weise auf- gebläht ist; man kann an der Hand eines zahlreichen Materials alle Uebergänge von den gewöhnlichen, weniger bauchigen Stücken zu den aufgeblähten feststellen. Der zweite Punkt erledigt sich dadurch, dass die rechte Seite des Originalexemplars von Ch. gibbosa — die linke ist z. Th. abgebrochen — theilweise noch im Gestein steckte; nach erfolgter Präparation ergiebt sich nunmehr, dass die Gestalt durchaus derjenigen von Ch. dilatata entspricht. Der Name gibbosa kann also nur als Bezeichnung für die auf- geblähten Exemplare der letzteren Art im Sinne einer Varietät beibehalten werden. Chonetes sarcinulata ScHLoTH. Kayser S. 62, Taf. VII, Fig. 4, 6—8; Taf. X, Fig. 8. Nicht gerade selten beim Jagdhause, aber nie in grösserer In- dividuenzahl beisammen, wie das im Unterharzer Hauptquarzit sowie ım rheinischen und Oberharzer Unterdevon der Fall ist, wo sie stellenweise ganze Bänke erfüllt. Chonetes plebeja Schnur. Kayser 8. 63, Taf. VII, Fig. 2—5; Taf. X, Fig. 7; Taf. XXII, Fig. 2. Liegt in wenigen Exemplaren vom Jagdhause vor. Craniellä cassis ZEILER sp. Kayser 8. 65, Taf. VI, Fig. 7-9; Taf. VII, Fig. 1; Taf. IX, Fig. 7; Taf. XXII, Fig. 9. Exemplare dieser Art sind am Jagdhause ziemlich häufig. Ein einzelnes Stück habe ıch im Jahre 1895 am Südwestfusse des Bocksberges im Oberharzer Unterdevon (Kahleberg-Sandstein) gefunden, aus dem ihr Vorkommen bislang nicht bekannt war. Von sonstigen Versteinerungen sind u. a. noch heste einer Fenestella sowie zahlreiche Crinoidenstielglieder zu erwähnen. Die Fauna der Schichten am Acker-Bruchberge besteht dem- nach zur Zeit aus den in nachstehender Tabelle aufgeführten Arten: 300 L. Beusuausen, Die Fauna des Hauptquarzits am Acker-Bruchberge. Unterharzer Hauptgnarzit Öberharzer | Rheinisches Unter- Unterdevon devon 2l4 = | =: No. Namen der Arten < 3 El r Su 5 B S 8 a8 ss Else rar aM | sl = <= = = 1.| Avicula arduennensis Stein. ? == i 2.| Pierinaea costata Gouor.. . P = 3.| Cypricardinia Kochi Bzusn. . E ? A ee - i 4.| Goniophora Schwerdi Bevsn. 3 ; In Ze 5.| Athyris undata Derr. ..... ee + — 6. » macrorhyncha Schsur | + | + un -- 1% » caeraesana Stein. + + + 8.| Nucleospira lens Schnur var. marginata Maur. ...... : Ä ehr i 9.| Spirifer paradoxus Scauom. | + | + | + = ig 10: » arduennensis Scanur | + | + +|? % Zi = DR: » Mischkei Frecn .. . a 12. » subcuspidatus SCHNUR | var. alata Kıys.. | + | + ? ? i 4 E= ar Ä 19. » carinatus SCHNUR . . + - ? + —: 14. » undulifer Kays... . ns 15, » curvatus SchLom. . | + Ä . | + + 16.| Rhynchonella daleidensis F. OEM. en a 5 ir en er ir —E 17.| Rhynchonella pila Schnur ? ar mu 18 » Sp. sind ur: 1921 2Orihıs>ep. nd en | 20.| Strophomena rhomboidalis | NVA er are 5 ; .ı +|+ . . edle: ng | 21.| Strophomena piligera SAND». | var. hercynica Kars..... | + | + s.str. + |s. str. + 22.| Orthothetes umbraculum Scar. | + Nas AR er r 23.| Chonetes dilatata F. Rorm... + \ == air + 24. » sarcinulata Soatorm. | + | + + Ar DE Ar 25. 2....plebdia: Scaxur..... + |) + Fr) + + 4 = 26.| Craniella. cassis' Zeit. 1.'.rt.h +| + | oa U ir L. Brusuausen, Die Fauna des Hauptquarzits am Acker-Bruchberge. 301 Aus dieser Tabelle sind auch zugleich die Beziehungen un- serer Fauna zu derjenigen des Unterharzer Hauptquarzits ersicht- lich, sowie zur Fauna des Öberharzer und des rheinischen Unter- devon. Die Angaben der Spalten 2—6 sind Kayser, Fauna des Hauptquarzits entnommen, diejenigen von Spalte 8 und 9 dem- selben Werke und den auf seine jetzt im Besitz der geologischen Landesanstalt befindliche Sammlung gestützten Angaben FoLr- MANN’s (Ueber die unterdevonischen Schichten bei Coblenz. 1891). Es erhellt aus der Tabelle ohne Weiteres, dass unsere Fauna derjenigen des Klosterholzes, deren bislang bekannte Arten bis auf den Phacops-Rest, Goniophora applanata und Rhynchonella Sancti Michaelis sich sämmtlich auch am Acker-Bruchberge wiederfinden, und sodann derjenigen der Gegend von Michaelstein am nächsten steht. Die letztere enthält allerdings eine ganze Reihe von Arten, nicht weniger als 20 von insgesammt 35, die am Bruchberge bislang fehlen, es sind dies jedoch grösstentheils solche, die nur in einem oder wenigen Exemplaren vorliegen und bei weiterer Ausbeutung der Fundpunkte am Bruchberge sich grösstentheils auch hier wohl noch finden würden. Von häufigeren Vorkommnissen der Gegend von Michaelstein fehlen nur Rhynchonella Sanctt Michaelis und Orthis hysterita. Die übrigen Fundpunkte des Unterharzes haben eine wesentlich artenärmere Fauna, die sich jedoch zum guten Theile aus den gewöhnlichen Elementen zusammensetzt. Von diesen hat die Fauna von Elend zu der unserigen noch die meisten Bezie- hungen. Was nun die Altersstellung der Hauptquarzit-Schichten am Acker-Bruchberge angeht, so kann ich mich nur völlig dem an- schliessen, was E. Kayser über das Alter der gleichen Schichten des Unterharzes ausgeführt hat. KAYsErR betont, dass die Fauna des Hauptquarzits überaus innige Beziehungen zu derjenigen der rheinischen oberen Coblenzschichten aufweist, und dass man daher durchaus berechtigt ist, beide Gesteinsablagerungen als wesentlich gleichalterig anzusprechen. Speciell zeigt Daleiden eine sehr grosse Aehnlichkeit mit der Hauptquarzit-Fauna. Herr F. MAURER hat nun zwar in einer kürzlich erschienenen 302 L. Brussausen, Die Fauna des Hauptquarzits am Acker-Bruchberge. Arbeit!) (Nachträge zur Fauna und Stratigraphie der Orthoceras- Schiefer des Rupbachthales, Beilagebd. X zum Neuen Jahrbuch f. Mineralogie etc. 1896, S. 736 f.) die Kayser’sche Altersbe- stimmung des Hauptquarzits anzweifeln zu können geglaubt und meint, dass »die Gesammtfauna des Hauptquarzites überhaupt gar nicht für eine sehr hohe Stufe des Unterdevon spricht«; ja, wie aus der Fussnote auf S. 737 hervorgeht, stellt er die Existenz der oberen Coblenzstufe im Unterharze in Abrede. Prüft man aber die Liste der Versteinerungen des Unterharzer Haupt- quarzits, welche E. KAysER gegeben hat, so fällt auf den ersten Blick das Fehlen der für die tieferen Schichten des rheini- schen Unterdevon bezeichnenden Arten, wie Rensselaeria strigiceps und Tropidoleptus carinatus, auf. Was ferner von Arten des Hauptquarzits in den unteren Ooblenzschichten und dem Coblenz- quarzit vorhanden ist, geht auch in die oberen Ooblenzschichten hinauf. MAURER theilt nun bekanntlich die Unterdevon-Schichten im Hangenden des Coblenzquarzits, die von den meisten Autoren als obere Ooblenzschichten nicht weiter gegliedert werden, in drei Horizonte ein, die Chondriten- Schiefer, die Hohenrheiner Stufe und als obersten Horizont die Oultrijugatus-Stufe, und betont a. a. O. besonders, dass die obersten Stufen des rheinischen Unter- devon im Unterharze durch den Hauptquarzit nicht vertreten seien. Abgesehen von der Frage, ob eine derartige weitere Gliederung der oberen Coblenzschichten überhaupt thunlich ist, können die Ausführungen MAURER’s, welche sich auf das Fehlen angeblich charakteristischer Arten dieser obersten Stufen ım Hauptquarzit be- ziehen, schon deshalb nicht eben in’s Gewicht fallen, weil die von ihm S. 736 genannten Arten nach seinen eigenen Angaben (Fauna d. rechtsrhein. Unterdevon 1886) nicht an allen Fundpunkten der betr. Stufen vorhanden sind, dagegen z. Th. schon in tieferen Schichten vorkommen (Orthis striatula z. B. im Coblenzquarzit !) Ich sehe davon ab, bei dieser Gelegenheit auf den Inhalt der Arbeit näher einzugehen, möchte aber doch nicht unerwähnt lassen, dass die die Harzer Verhältnisse betreffenden Ausführungen Herrn Maurer’s leider eine nicht un- erhebliche Zahl von Irrthümern enthalten, die z. Th. auf unzureichende Be- nutzung der Litteratur zurückzuführen sind. L. Brusuausen, Die Fauna des Hauptquarzits am Acker-Bruchberge. 303 von Oberlahnstein a. a. O. 5.43). Dagegen dürfte das häufige Vorkommen der Nucleospira lens var. marginata MAur. im Haupt- quarzit des Bruchberges, einer Form, die nach MAURER auf seine Cultrijugatus-Stufe beschränkt ist, auch für Herrn MAURER ein Grund sein, seine Bedenken gegen die Richtigkeit der KAYsEr’- schen Altersbestimmung des Hauptquarzits nunmehr fallen zu lassen, zumal wenn er dabei noch das Vorkommen von Spirifer undulifer und Sp. Mischkei berücksichtigt. Daraus, dass diese Formen aus dem Unterharze noch nicht bekannt sind, etwa den Schluss ziehen zu wollen, die Schichten des Bruchberges seien mit denen des Unterharzes nicht altersgleich, wird wohl Herr MAURER nicht beabsichtigen; es ist eine alte, stets von Neuem sich bestätigende Erfahrung, dass selbst nahe benachbarte Fundpunkte in genau gleichen Schichten doch viel- fach gewisse Unterschiede in der Zusammensetzung ihrer Fauna zeigen. Es geht dies aus MAURER’s Listen a. a. O. selbst hervor; und dass wir heute überhaupt noch nicht soweit gelangt sind, für jede Art des rheinischen Unterdevon ihre horizontale und verti- kale Verbreitung genau zu fixiren, leuchtet ohne Weiteres schon ein, wenn man FOLLmAnn’s Listen mit denjenigen von MAURER vergleicht. Es liegt somit meines Erachtens nicht der geringste Grund vor, von KAyYser’s Altersbestimmung des Hauptquarzits abzugehen, und auch der von ihm unter Reserve geäusserten Vermuthung, dass er einem der höchsten Horizonte der Obercoblenzstufe zuzu- rechnen sei, kann ich, besonders auch mit Rücksicht auf das Auf- treten von Nucleospira lens var. marginata, Spirifer undulifer und Sp. Mischkei am Bruchberge nur zustimmen, soweit unsere heutige Kenntniss von der Verbreitung der Fauna einen derartigen Schluss gestattet. — Mit Recht hat E. KAYSsEr in seiner Besprechung der Haupt- quarzit-Fauna hervorgehoben, dass die Beziehungen derselben zu den rheinischen oberen Coblenzschichten wesentlich enger sind als zum Unterdevon (Kahleberg-Sandstein) des Oberharzes, d. h. zu dem den ersteren entsprechenden oberen Theile des letzteren, etwa dem »oberen Hauptspiriferensandstein« plus den die Ueber- 304 NL. Beusnausen, Die Fauna des Hauptquarzits am Acker-Bruchberge. gangszone vom Unterdevon zum Mitteldevon bildenden »Speciosus- Schichten« (BEUSHAUSEN, Abh. z. geol. Spec.-Karte v. Preussen, VI. 1. 1884). Konnte KAysErR nur 11 Arten der (sesammtfauna des Unterharzer Hauptquarzits als mit dem Oberharzer Unterdevon gemeinsam bezeichnen, so ist es um so charakteristischer, dass auch die fünf am Bruchberge neu aufgefundenen Arten wiederum solche des rheinischen, nicht des Oberharzer Unterdevon sind. Die Hauptquarzit-Schichten des Bruchberges beherbergen nur 8 Arten, die mit Sicherheit aus dem Kahleberg-Sandstein des nord- westlichen Oberharzes bekannt sind, und dies sind allgemein ver- breitete Formen des oberen Unterdevon. Besonders muss es auf- fallen, dass Spörifer speciosus aut., die für die Grenzschichten des Unterdevon im Oberharze so bezeichnende Art, am Bruchberge nicht nachgewiesen ist. Wenn E. Kayser in der ersten Fussnote a. a. O. S. 112 übrigens bemerkt, dass »die Entwicklung als weisser quarzitischer Sandstein, wie die Schichten mit Spirifer auriculatus am Kahleberg sie zeiren, am Rhein im Niveau der Obercoblenzschichten unbekannt ist«, so möchte ich dazu bemerken, dass diese weissen quarzitischen Sandsteine des Kahleberges (und des Bocks- berges) zu meinem »Unteren Hauptspiriferensandstein« gehören. Sie entsprechen sowohl petrographisch wie faunistisch nicht den oberen Coblenzschichten, sondern dem Coblenzquarzit. Das Auftreten von Sp. auriculatus in ihnen kann um so weniger auf- fallen, als mir auch aus dem Coblenzquarzit von Rhens und dem Siechhausthale bei Coblenz diese Art vorliegt. Uebrigens ist Sp. auriculatus, wie ich in meiner Arbeit über den Oberharzer Spiri- ferensandstein schon angegeben habe, auch im »oberen Haupt- spiriferensandstein«, d. h. den Aequivalenten der oberen Coblenz- schichten, vorhanden, seine vertikale Verbreitung im Oberharze deckt sich also mit derjenigen im rheinischen Unterdevon. Die Fauna der im Eingange bereits erwähnten Acidaspis- Bank, welche im Aufschluss am Lonauer Jagdhause das unmittel- bare Hangende des Hauptquarzits bildete, setzt sich nach meinen vorläufigen Bestimmungen wie folgt zusammen: L. Beusuausen, Die Fauna des Hauptquarzits am Acker-Bruchberge. 305 Phacops sp. Proetus orbicularis ROEM. Acıidaspis horrida ROEM. Uyphaspis sp. Örthoceras Sp. Styliolina laevis RICHT. Pleurotomaria Schefjleri KAYS. Loxonema sp. Nucula cornuta SANDB. Conocardıum sp. Retzia novemplicata SANDB.? Spirifer sp. Eine feinrippige Chonetes sp. Fenestella sp. Die Zahl der Arten wird sich wahrscheinlich durch die noch ausstehende Untersuchung weiteren Kohmaterials noch etwas ver- mehren; immerhin gestattet jedoch schon diese Liste Schlüsse in einer bestimmten Richtung. Und zwar weist die Fauna trotz des bisherigen Fehlens der Goniatiten mit ziemlicher Sicherheit auf die Wissenbacher Schiefer des Oberharzes und die ihnen ım Alter gleichstehenden Schiefer vom Herzoglichen Wege bei Blankenburg hin, deren Fauna E. Kayser 1889 beschrieben hat. Lossen hatte diese Schiefer früher vorläufig als Zorger Schiefer angesehen und KAyYsER beschrieb ihre Fauna daher als »Fauna der Zorger Schiefer«e. M. Koch hat (dieses Jahrbuch f. 1894, S. 202) jedoch nachgewiesen, dass es sich um die Oberen Wieder Schiefer handelt. Wir würden somit für die Acidaspis-Bank ein entsprechendes Alter, unteres Mitteldevon, in Anspruch nehmen können, und damit würde ihre Lagerung im Hangenden des Hauptquarzits durchaus übereinstimmen. Jahrbuch 1896. 20 MN ie 7 Ze, Abhandlungen ausserhalb der Königl. geologischen Landesanstalt stehenden Personen. Jahrbuch 1896. [1] Geognostische Beschreibung des Kreuzbergs in der Rhön. Von Herrn E. von Seyfried in Strassburg ı/E. (Hierzu Taf, VIII und IX.) Einleitung. Der langen oder hohen Rhön südlich vorgelagert erscheint der Kreuzberg als eine imposante Gebirgsmasse, von welcher Seite wir ihn auch erblicken. Insbesondere von S. her, aus der Gegend von Kissingen ge- sehen, bildet er mit seinen zwei Schultern, dem Käuling ım O. und der Eisenhand im W. ein schönes Landschaftsbild. Der Kreuzberg ist 930,3 Meter hoch; in der Nachbarschaft wird diese Höhe nur von der breiten, plateauartigen Masse des Dammersfelds mit 929 Meter erreicht. Gegen S. fällt er in steilen Hängen 480 Meter bis auf die breiten Hügelzüge von Waldberg, Sandberg und Kilianshof ab. Gegen O. ladet die centrale Berg- masse mit einem etwa 1 Kilometer langen Vorsprung, dem Käuling aus, der in der Höhe von etwa 750 Meter sich rückenartig fort- setzt, um dann in den waldigen Höhen des Burgwallbacher Forstes allmählich gegen die fränkische Saale zu verflachen. . Gegen W. erstreckt sich in ähnlicher Weise, etwa 11/, Kilo- meter lang, der Bergrücken der Eisenhand, der gegen den Gruckas- sattel abfällt. Jenseits dieses Sattels, durch das Kellersbachthal scharf vom Kreuzberg getrennt, erheben sich die Schwarzen Berge als letzte El} 4 Ernst vos Seyrrızp, Geognostische Beschreibung Ausläufer der Rhön nochmals zu einzelnen Kuppen von circa 850 Meter Höhe. Gegen N. sind es die Thalschlüsse des Haselbachs und des Sinngrundes, in welche der Kreuzberg und seine Ausläufer ab- fallen. Die beiden Thalgebiete werden geschieden durch den Rücken, auf welchem die »drei Kreuze« stehen. Dieser Sattel — 700 Meter — bildet die Brücke zum Arnsberg und zur Osterburg. Die oberste Kuppe des Kreuzbergs ist von kurzem Rasen bedeckt, theilweise mit grossen Blöcken übersät. Gegen $., O. und W. deckt schöner Buchenhochwald die Flanken des Berges. Dazwischen ziehen sich Wiesenflächen hin; häufig sind grosse Blockhalden der Cultivirung hinderlich. Der vorliegende Versuch, eine geognostische Beschreibung dieses Gebiets zu geben, ist durch den Mangel einer zusammen- hängenden Darstellung des interessanten Berges berechtigt. Um die geologischen Verhältnisse besser zur Anschauung bringen zu können, als dieses auf der topographischen Karte von Bayern im Maassstabe von 1:50000 möglich ist, habe ich aus den Katasterblättern, die im Maassstabe 1:5000 und 1:2500 gehalten sind, die beifolgende Karte auf 1:25000 reducirt und gezeichnet. Als feste Höhenpunkte dienten die in der topographischen Karte gegebenen Höhenzahlen. Durch zahlreiche Messungen mit dem Aneroid wurden hinlänglich viele Zwischenpunkte hinsichtlich ihrer Höhe bestimmt und darnach die Darstellung des Reliefs mittelst Höhencurven bewirkt. In der Litteratur finden sich nur spärliche Mittheilungen über den geologischen Bau des Kreuzbergs und über die Beschaffenheit seiner Gesteine. Als die wichtigsten der mir bekannt gewordenen möchte ich anführen: 1853. E. E. Scumm, Chem.-mineralog. Mittheilungen; Ueber die basaltischen Gesteine der Rhön. Poce. Ann. Bd. 89, S. 291 und Zeitschrift d. Deutsch. geolog. Ges. V, S. 227. — (Enthält eine chemische Analyse des Basalts vom Kreuzberg.) 1874. O. Brevemann, Ueber Basalte der Rhön. Inaugural-Dissertation. Jena. (Enthält eine chemische Analyse des Basalts von der Kuppe des Kreuz- bergs.) Etwas ausführlicher sind die Mittheilungen von: des Kreuzbergs in der Rhön. 5 1887. H. Lenk, Zur geologischen Kenntniss der südlichen Rhön, (Inaugural- Dissertation, Würzburg), der besonders die verschiedenen Gesteine, Phono- lithe und Basalte untersucht hat, und von 1894. W. v. Gümger, Geologie von Bayern, II. Band, welcher über den Kreuz- berg und den geologischen Verband desselben schätzbare Angaben bringt, In geologischer Hinsicht bildet das Gebiet des Kreuzbergs einen Theil der fränkischen Triasmulde, welche zwischen Spessart und Thüringer Wald bis zum Fichtelgebirge hin sich erstreckt. Auf einer Buntsandsteinplatte lagert, durch Erosion stark zerschnitten und in einzelne Schollen getrennt, der Muschelkalk, welchen an einer Stelle noch ein Keuperrest bedeckt. Die dem triadischen Grundgebirge der Gegend zwischen Spessart und Thüringer Wald eigene schwache Neigung gegen SO. lässt sich zwar in dem kleinen Stück, das die Karte umfasst, ebenfalls erkennen, doch bewirken grössere tektonische Störungen, welche das Gebirge erfahren hat, dass diese Erscheinung nicht sehr hervortritt. Die Gebirgskuppen in unserm Gebiet sind von jungvulka- nischen Gesteinen gebildet. Diese Erscheinung, welche auch in der übrigen Rhön beinahe allgemein beobachtet wird, verleiht dem Gebirge seinen eigenartigen Charakter. Dementsprechend finden wir über den Sedimentschichten des Buntsandsteins, Muschelkalks und Keupers folgende (nach dem Alter geordnete) Eruptivgesteine: 1. Tephrit, der an der Ostseite des Berges deckenartig sich ausbreitet, 2. Feldspathbasalt am Westabhang des Kreuzbergs, an- scheinend gleichfalls deckenförmig in geringer Verbrei- tung, sowie in einzelnen kleineren Durchbrüchen an der Eisenhand, und 3. Nephelinbasalt, der die Kuppe des Kreuzbergs und der Österburg bildet. Basanit und Limburgit finden sich an verschiedenen Stellen, theils anstehend, theils in losen Blöcken. Ihre Beziehung zu den anderen Eruptivgesteinen wird später besprochen werden. 6 Ernst von Seyrrıep, Geognostische Beschreibung Unter dem Nephelinbasalt liegen tertiäre Ablagerungen, deren Ausgehendes aber in Folge der bedeutenden Verrollung mit Basalt- blöcken nur an wenigen Stellen aufgeschlossen ist. I. Die sedimentären Ablagerungen an den Gehängen des Kreuzbergs. (Siehe Profil I und II.) sm. Der mittlere Buntsandstein bildet die untersten zu Tage tretenden Schichten. Sein Liegendes ist nicht entblösst; es dürfte bei Bischofsheim, wo die tiefsten Schichten des Gebietes aufgeschlossen sind — eine Mächtigkeit des sm zu 200 Meter an- genommen — etwa 100 Meter unter der Thalsohle zu suchen sein. Die besten Aufschlüsse finden sich bei Bischofsheim an den Hängen gegen die Osterburg und gegen den Käuling hinan, wo verschiedene Hohlwege tief eingeschnitten sind. Der ziemlich grobkörnige Sandstein ist von braunrother Farbe, in Bänke von verschiedener Dicke gegliedert. Die Quarzkörner erreichen eine Grösse bis zu 2 Millimeter und lassen oft deutliche Krystallflächen erkennen, die in der Sonne aufblitzen. Zuweilen tritt das kieselige Bindemittel zurück, so dass das Gestein ın röthlichen oder weissen Sand zerfällt. Die Sandsteine des mittleren Buntsandsteins sind deshalb als Baustein nur wenig brauchbar. In den oberen Lagen stellen sich häufig Thongallen ein; auch wird das Gestein dickbankiger und erhält eine lichtere Farbe; zugleich finden sich hier Quarzgerölle oft von mehreren Centi- metern Durchmesser. Diese häufen sich in manchen Bänken so sehr, dass das Gestein ein conglomeratartiges Ansehen gewinnt. In seinen obersten Lagen wird der mittlere Buntsandstein wieder feinkörniger, er erhält eine zuckerkörnige Beschaffenheit und führt ein kieseliges Bindemittel und dadurch, sowie durch sein Auftreten in dickeren Bänken wird er als Werkstein brauchbar. Derartige Bausteine werden namentlich in dem Sinngrund ge- wonnen. Diese oberen Schichten, der sogenannte Ohirotherium- des Kreuzbergs in der Rhön. 7 sandstein, sind durch einen Gehalt an Glimmerschuppen aus- gezeichnet. Eine Abtrennung des mittleren Buntsandsteins vom Chirothe- riumsandstein war auf der Karte wegen der geringen Zahl guter Aufschlüsse nicht thunlich. s0. Der obere Buntsandstein oder Röth ist etwa 70 Meter mächtig; er besteht vorwiegend aus rothen, selten bläu- lichen Schieferthonen, welchen hier und da dünnplattige, heller gefärbte, quarzitische Bänke eingelagert sind. Im unteren Theile finden sich zwischen den Schieferthonen besonders häufig choko- ladefarbige, sehr thonreiche, feinkörnige Sandsteine. Am Käuling, wenige Schritte südlich von der Kapelle, finden sich im Röth Erdlöcher und Halden; hier wurde früher Braun- eisenstein gegraben. Es gehören diese eisenreichen Schichten dem Röth an und nicht dem Leberschiefer, wie v. GÜMBEL, loc. cit. Seite 670—71 zu vermuthen geneigt ist. LEENK vergleicht loc. cit. Seite 12 diese Eisenanreicherung im Röth des Kreuzbergs, die er für eine »ursprüngliche Concentration des Eisenoxyds« hält, mit ähnlichen Eisensteinvorkommnissen ım Bröckelschiefer su; des Spessarts. Er erwähnt die Bergbauversuche am Kreuzberg, jedoch ohne nähere Angabe der Localität, wo der Bergbau stattgefunden hat. Aus einer Analyse von eisenreichem Röthschiefer vom Käu- ling, vermuthlich von demjenigen, welcher früher als Eisenstein gewonnen wurde, von Hilger, bringt LEnK folgende Zahlen: D102 33,141 Fe?03 — 36,314 (in HCl löslich) Fe203 — 2,704 (in HCl unlöslich, Silicat) >03 72 — 0,809 P20>° -— 0,416 Als oberste Grenzschichten des Röths treten gelbe, dolomitische Kalke auf, welche gegen den auflagernden Muschelkalk einen deut- lichen Abschluss bilden. Die Undurchlässigkeit der Schieferthonschichten bewirkt das Hervortreten zahlreicher Quellen an der oberen Grenze des Röths. Diese bringen den Kalkgehalt, den sie dem Muschelkalk ent- 8 Ernst von Serrkiep, Geognostische Beschreibung nommen, in Form von Ueberzügen von Kalktuff zur Abscheidung, so bei Haselbach am Trappenbrunnen und an anderen Quellen des Kreuzberg-Gebietes; jedoch trifft man nirgends Lager von Kalk- tuff in derberen Massen. Der Muschelkalk ist in seiner ganzen Mächtigkeit an der Nordseite des Kreuzbergs erhalten. An den anderen Hängen ist nur die untere Abtheilung oder nur ein geringer Theil von dieser der Abtragung entgangen. Ueber den an recht vielen Stellen deutlich aufgeschlossenen Grenzkalken des Röths folgen zuerst dünne, plattige Kalke, dann solche mit welligen, wulstigen Schichtflächen, die den unteren Muschelkalk — mu, den Wellenkalk, einleiten. mu). Der untere Wellenkalk erreicht eine Mächtigkeit von etwa 50—60 Meter. Einzelne Bänke von gelber Farbe und oolithischer beziehungsweise feinzelliger Beschaffenheit durchziehen die gemeinhin grauen Kalke. Am auffallendsten ist die auf der Karte zur Auszeichnung gelangte Oolithbank (00). Sie findet sich etwa 37 Meter über dem Liegenden des Muschelkalks. Die Schich- ten des unteren Wellenkalks sind nicht so gut aufgeschlossen, dass das Vorhandensein und die Lagerung der von anderen Orten be- kannten, Petrefakten führenden Bänke (Dentalienbank, Crinoiden- bank etc.) sicher nachgewiesen werden könnte, Die obersten Schichten des mu, sind dicke, klotzige, blaugraue Kalkbänke, worauf der obere Wellenkalk mus folgt, mit einer durch ihren Reich- thum an Terebratula vulgaris ausgezeichneten Bank, der unteren Terebratelbank , die, etwa 1 Meter mächtig, von braungelber Färbung und meist deutlich oolithisch ausgebildet ist (7 der Karte). Etwa 3 Meter höher, und durch wulstige Wellenkalkschichten von der unteren getrennt, liegt die obere Terebratelbank, die der unteren ähnlich, meist jedoch etwas heller gefärbt und reich an Encrinitenstielgliedern ist. Ueber diesen Terebratelbänken befindet sich eine ungefähr 20 Meter mächtige Folge von mehr ebenflächigem als flaserigem, versteinerungsarmen Wellenkalk, worauf die Zone des Schaum- kalks beginnt (x der Karte). Der Schaumkalk ist lichter an Farbe als der Terebratelkalk; er zeigt häufig poröse Struktur; an des Kreuzbergs in der Rhön. 9 manchen Stellen sind die Oolithkörner noch erhalten, meist sind sie jedoch weggeführt, wodurch die schaumige Beschaffenheit zu Stande kommt. An den meisten Stellen lassen sich drei Schaumkalkbänke unterscheiden. Die untere ist etwa 1,5 bis 2 Meter mächtig und besonders reich an Encrinitenstielgliedern; die mittlere, welche etwa 3 Meter über der unteren liegt, ist höchstens 1/, Meter mächtig; in ihr wechseln Streifen von schaumiger Ausbildung mit solchen von Conglomeraten. Letztere sind durch ein kalkiges Bindemittel verkittete Kalkgeschiebe. Die obere Schaumkalkbank gleicht wieder mehr der unteren, jedoch fehlen ihr die Encrinitenstielglieder. An der Westseite des 3 Kreuze-Sattels ist der Schaumkalk schön ent- wickelt und gut aufgeschlossen. Das Hangende des eigentlichen Schaumkalks bilden die Platten mit Myophoria orbicularis. Der Schaumkalk, an anderen Orten gerne zu Bausteinen ver- wendet, ist in dem Gebiet der Karte nirgends in Steinbrüchen aufgeschlossen, offenbar wegen des Reichthums der Gegend an anderen guten Bausteinen. Der mittlere Muschelkalk mm besteht vorwiegend aus grauen, weichen Mergeln, welchen graue und gelbe, dichte, plattige Kalke und Zellenkalke eingelagert sind. Er ist etwa 20—25 Meter mächtig und bildet die Verflächung, die sich von den 3 Kreuzen bis an das Küppchen (766 Meter) südlich der Strasse erstreckt. Darauf folgt der obere Muschelkalk mo, und zwar zu- nächst der Trochitenkalk mo;; mit 10 bis 15 Meter Mächtigkeit. Es sind graue, sehr harte Kalke, in dicke Bänke abgesondert. Ausser reichlichen Stielgliedern von Encrinus lilüformis kommen in grosser Zahl Lima striata und Terebratula vulgaris vor. mo>. Die Schichten mit Ceratites nodosus besitzen eine Mäch- tigkeit von ungefähr. 40 Meter; in ihnen wechsellagern blaugraue, feste Kalkbänke mit Mergeln und Thonen. Sie sind in normaler Weise ausgebildet, aber ziemlich arm an Ceratites nodosus, von wel- chem nur wenige Exemplare, in den Kalkbänken eingewachsen,,. gefunden wurden. Der obere Muschelkalk ist gut aufgeschlossen östlich von dem Küppchen (766 Meter), in einem Karrenweg, der nach der 10 Ernsr von Seyrrısn, Geognostische Beschreibung Höhe führt, und längs der Kreuzbergstrasse. Dort ziehen sich die Schichten bis zur 840 Meter- Curve, wo sie unter auflagern- dem tertiären Thon verschwinden. Gegen O. streichen dieselben bis zur Schneegrube, wo sie an einer Verwerfung absetzen; über letztere wird weiter unten Näheres mitgetheilt werden. Ä Ueber den Nodosus-Kalken lagert oberhalb der Schneegrube noch ein kleiner Fetzen des unteren Keupers ku, oder der Lettenkohle. Es sind dünnplattige, graugelbe und schwärzliche bituminöse Schieferthone, in welchen wenige, schlecht erhaltene Petrefacten gefunden wurden. Der obere Muschelkalk bildet das Liegende der Basaltdecke nördlich des Klosters. Südwestlich davon lagern die Eruptivmassen direct auf dem mittleren Muschelkalk und an der Süd- und Ost- seite des Berges unmittelbar auf dem unteren Muschelkalk. An den steileren Hängen des Kreuzbergs sind Abstürze von Muschelkalkmassen eine häufige Erscheinung. Die bedeutendsten dieser Abstürze und Verrutschungen sind auf der Karte angegeben. Bei dem grossen Bergsturz auf der Südseite ist ein grosser Complex Röth und Muschelkalk im Zusammenhang abgerutscht. Die Abhänge des Kreuzbergs sind bis in die Thäler hinab mit Basaltblöcken überrollt; dieselben liegen an manchen Stellen so dicht und dick aufeinander gepackt, dass die unterlagernden Schichten völlig verdeckt sind. Häufig finden sich, namentlich auf der Südseite, förmliche Blockmeere; dieselben sind auf der Karte durch enge Scharung der betreffenden Signatur hervorgehoben. d. Nordöstlich von Bischofsheim ragt noch ein Theil einer diluvialen Deltabildung in das Gebiet der Karte herein. Es sind rothe Sande und Buntsandsteingerölle, mit viel Basaltgeschieben durchsetzt. a. Die Alluvialbildungen der Thäler bestehen, ent- sprechend der Beschaffenheit der Thalwände, aus Thon und Lehm mit sandigen Lagen durchsetzt. Lagerungsverhältnisse der Sedimente. Im Grundstock des Kreuzbergs sind die Schichten in beinahe horizontaler Lagerung erhalten geblieben; sie machen die ihnen in des Kreuzbergs in der Rhön, 11 ganz Thüringen und Franken eigenthümliche Neigung gegen Süd- osten mit. | | Diese normalen Verhältnisse sind in dem nördlich des Kreuz- bergs gegen die Osterburg gelegenen Gebiet gestört 1), indem insbesondere der Sattel zwischen Sinngrund und Haselbach von mehreren Verwerfungen durchschnitten ist. Betrachten wir dieselben im einzelnen: Im Westen breitet sich der mit saftigen Wiesen bedeckte Sinngrund aus. Der untere Theil bis zur Höhencurve 620 Meter gehört dem mittleren Buntsandstein an; darauf lagert sich der obere Buntsandstein, der in einem etwa 500 — 750 Meter breiten Bande rings um die Thalweitung zu Tage tritt. Die Grenze gegen den auflagernden Muschelkalk ist in mehreren, schönen Auf- schlüssen deutlich zu sehen. Während diese Grenzlinie, sowohl im N. gegen den Hohn- lich (den Südabhang des Arnsbergs), als gegen S. — den Greiss- kopf — horizontal verläuft, senkt sie sich von letzterer Oertlichkeit gegen Nordosten aus dem Niveau von 700 Meter allmählich tiefer bis zur Sinnquelle, wo sie die Höhe 667 Meter erreicht. Die Sinnquelle selbst entspringt genau auf einer Verwerfung von südöstlichem Verlauf. Diese verwirft den Röth um ca. 50 Meter gegen den ostwärts am Sattel anstehenden Wellenkalk derart, dass an der Quelle die Terebratelbank direct neben dem Röth an- steht. Wenn man diese Verwerfung weiter nach der Höhe des Kreuzbergs hin verfolgt, so sieht man, dass die Sprunghöhe all- mählich abnimmt und dass sie innerhalb der Schaumkalkregion in eine blosse Flexur übergeht. Nach der andern Seite, nach dem Arnsberg hin, nimmt da- gegen die Sprunghöhe zu, so dass 200 Schritt nordwestlich der Sinnquelle sich der Schaumkalk des Sattels direct neben den köth legt. An dieser Stelle setzt, in nordöstlicher Richtung nach der Österburg hin gewendet , eine zweite Verwerfung ein; sie trennt den Schaumkalk und den mittleren Muschelkalk des Sattels von !) Siehe Taf, IX, Profil I und II, 12 Ersst vos Sevrrred, Geognostische Beschreibung dem über dem Röth des Sinngrundes regelmässig gelagerten Wellenkalk des Hohnlich (Arnsberg). Die Sprunghöhe dieser Verwerfung, die anfänglich an der Röthgrenze an 70 Meter beträgt, nimmt nach Nordost hin so rasch ab, dass in etwa 800 Meter Entfernung an dem Bergabhang gegen Haselbach die Terebratel- bänke und die tieferen Zonen der Trias — abgesehen von etwas steilerem und öfters wechselndem Einfallen — keine weitere Störung erleiden. Etwas weiter östlich dagegen werden die Triasschichten durch eine Verwerfung, welche durch die Schneegrube herabzieht und einen nahezu nördlichen Verlauf besitzt, von der Lettenkohle an bis herab zum Röth nach O. hin scharf abgeschnitten. Die Schich- ten westlich von dieser Verwerfungsspalte sind sämmtlich etwas geschleppt; besonders deutlich ist die Schleppung an der unteren Terebratelbank an dem Wege gegen die drei Kreuze zu beob- achten. Dagegen sind die östlich gelegenen Schichten des Röths und auch wohl des Wellenkalks, der an dieser Stelle wegen starker Basaltverrollung nicht deutlich erkennbar ist, anscheinend horizontal gelagert. Die Höhe des Verwurfs ergiebt sich aus dem Abstand der oberen Röthgrenze von rechts und links der Ver- werfung; sie beträgt an 150 Meter. Ein weiteres interessantes Störungsgebiet findet sich nord- westlich von Haselbach. Zwischen der Osterburg im OÖ. und dem Arnsberg im W. ist ein schmaler Streifen von mittlerem Muschel- kalk in den Wellenkalk eingebrochen und dadurch ein Graben entstanden, der nach W. hin sich stärker vertieft, nach O. hin allmählich ausläuft, derart, dass die beiden Verwerfungen, welche ihn nördlich und südlich begrenzen, in der Richtung gegen Hasel- bach ın deutliche Flexuren übergehen. Die auffallendste dieser beiden Verwerfungen ist die südliche. Sie macht sich sowohl an der Strasse von Bischofsheim nach dem Kreuzberg, 700 Meter west- lich des Dorfes Haselbach an dem steilen Einfallen der Wellenkalk- schichten gegen die Osterburg hin bemerkbar, als weiter westlich an dem Weg von Frankenheim nach dem Kreuzberg oberhalb des Waldes an dem scharfen Absetzen des vom Arnsberg nach O. hin abfallenden Terebratelkalkes an dem nördlich vorgelegten, des Kreuzbergs in der Rhön. 13 nach der Osterburg hin schwach ansteigenden Schaumkalk. (Vergl. Profil II.) | Il. Eruptivgesteine und zugehörige Bildungen. Wie bereits oben erwähnt, gliedern sich die Eruptivgesteine des Kreuzbergs in Nephelinbasalt, Basanit, Limburgit, Feldspath- basalt und Tephrit. Von diesen gehört der Nephelinbasalt, welcher die Kuppe des Kreuzbergs bildet, der jüngsten Eruptionsphase an. Basanit und Limburgit treten als Randfacies des Nephelinbasalts am Kreuzberg selbst und als Gangfacies in einer Reihe von kleineren Durchbrüchen auf, welche im Sockel des Berges anstehen und als Apophysen des im Hauptkanal aufquellenden Magmas zu betrachten sind. | Unter dem Nephelinbasalt liegen: im W. ein Strom von Feldspathbasalt an den »Alten Schlägen« bei Veitenfeld und unter Neubert; im OÖ. am Käuling, der Schneegrube und über Hirten- wiesenbrunnen ein mächtiger Erguss von Tephrit. Feldspathbasalt und Tephrit sind also älter als Nephelin- basalt und werden von diesem durch eine etwa 10 Meter mächtige Schichtenreihe von tertiären Ablagerungen, bestehend aus Thon, Basalttuff und ähnlichen Bildungen getrennt. Ueber die Altersfolge von Feldspathbasalt und Tephrit unter sich lässt sich nichts Genaues feststellen, da die beiden Gesteins- arten nirgends am Kreuzberg zu einander in nähere Beziehung treten. Nephelinbasalt (Bn). Der die oberste Haube des Kreuzbergs bildende Nephelin- basalt steht unmittelbar bei dem Kloster in mächtigen Felsmassen an, die — allerdings nicht sehr deutlich — in meterdicke ver- tical gestellte Säulen gegliedert sind. Etwa 50 Schritt südlich von der Kirche wurde beim Graben eines Fundaments auch eine kugelige Absonderung beobachtet. . 14 Ernst von Seyeeıep, Geognostische Beschreibung Die Mächtigkeit der dem Kreuzberg aufgelagerten Nephelin- basaltdecke ergiebt sich aus der Beobachtung, dass an den Ab- hängen vom Gipfel des Berges bis zur Höhe von etwa 830 Meter herab, die Basaltblöcke ausschliesslich aus Nephelinbasalt be- stehen. Grewiss hat man bei dieser wohl 100 Meter betragenden Mächtigkeit nicht an einen einzigen Erguss zu denken, der den Nephelinbasalt geliefert hat, sondern an eine Reihe von Strömen, die sich nach und nach über einander ergossen haben. Dafür spricht auch das Auftreten von Tuffen, welche sich im Bereich des Nephelinbasalts etwa in der Mitte zwischen seinem Unter- grund und dem Gipfel des Kreuzbergs, an der Nordseite am Matzenschlag und auf den Kötzenfeldern südlich des Gipfels finden. Von diesen wird weiter unten die Rede sein. Der Nephelinbasalt ist ein dunkelgraues, dichtes Gestein, mit einer etwas helleren Verwitterungsrinde bedeckt, auf welcher häufig grünlich-braune Olivine, stellenweise auch schwarze Augite sich abheben. Der Bruch ist theils flachmuschelig mit etwas Fett- glanz, theils uneben und matt. Ausser den schon mit blossem Auge erkennbaren Einsprenglingen Olivin und Augit enthält der Nephelinbasalt, wie die mikroskopische Untersuchung lehrt, als Grundmassengemengtheile Augit, Magnetit und Nephelin; accesso- risch treten auf Biotit und Apatit. Der Augit der Grundmasse ist von braungelber Farbe; seine Krystalle besitzen eine durchschnittliche Grösse von 0,05 Milli- meter Länge zu 0,02 Millimeter Breite; sie sind grösstentheils idiomorph und zeigen die gewöhnliche Form der basaltischen Augite: oP. „Po. »Po. +P. Ganz kleine Individuen haben rundliche Umrisse; Einschlüsse wurden nicht beobachtet. Grosse Einsprenglinge von Augit finden sich in allen Blöcken; jedoch sind diejenigen Nephelinbasaltblöcke, welche mehr den obersten Theil des Berges — innerhalb der Höhenlinie 880 Meter — zusammensetzen, ärmer an solchen, als die aus dem Gürtel unterhalb dieser Linie. Ihre Grösse ist sehr wechselnd; sie geht von 0,5 Centimeter bis zu den Dimensionen der Grund- massenaugite herab. An den gut ausgebildeten, gedrungenen Kry- stallen lassen sich die Formen #P, Ps, oP&,-+ P, auch wohl des Kreuzbergs in der Rhön. 15 ein steileres mP«o erkennen. Zwillingsbildung nach dem Ortho- pinakoid, sowohl in Lamellenform als in Verwachsung zweier‘ gleich grosser Individuen, ist häufig. — Die Farbe ist im All- gemeinen gleichmässig braungelb bis braungrau, oft mit einem Stich in’s Violette.e Der Pleochroismus ist schwach, die Auslö- schungsschiefe auf Schnitten nach dem Klinopinakoid 43° gegen die Verticalaxe im stumpfen Winkel f. Manche Krystalle sind nicht durch die ganze Masse hindurch gleich gefärbt, sondern er- scheinen zonar gebaut, indem verschiedene Schalen von abwei- chender Farbe und verschiedener optischer Orientirung den Krystall zusammensetzen. Hierbei zeigt sich, dass die helleren Töne mehr dem Centrum, die dunkleren Schattirungen den äusseren Theilen ange- hören. Oft gehen die Farbentöne allmälıg in einander über, mitunter sind die Zonen scharf gegen einander abgegrenzt. Mit dieser Erschei- nung eng verbunden ist ein Wechsel der Auslöschungschiefe; bei Schnitten nach der Symmetrie-Ebene beträgt dieselbe in der dunk- leren Randzone 43° und in dem helleren centralen Theil 540 gegen die c-Achse. Sanduhrförmig gebaute Krystalle sind im Ganzen nicht selten. Ihre Verbreitung im Gestein ist aber eine recht ungleich- mässige. In manchen Präparaten zeigen mehrere Augite diese Structur, in anderen dagegen wurde sie gar nicht bemerkt. Jeden- falls findet sich der Sanduhrbau bei den Krystallen verschieden- ster Dimension bis zu den kleinsten, während zonares W achsthum fast ausschliesslich an grösseren Individuen zu beobachten ist. Eingeschlossen sind Magnetit und Glaspartikel; diese sind mit- unter sehr klein, sie finden sich sowohl central gehäuft, als auch manchmal zonar angeordnet. Olivin ist reichlich in grösseren Individuen bis zu 3 Centi-. meter Durchmesser ausgebildet; seine Dimensionen sinken aber bis auf etwa 0,06 Millimeter herab. Die Krystalle zeigen die‘ gewöhnlichen Formen. Spaltbarkeit nach den Pinakoiden ist selten deutlich, meist werden die Krystalle von regellosen Rissen durch- setzt. Einschlüsse von Magnetit, Glasfetzen und Gasporen sind häufig. Die Krystalle sind theils noch sehr frisch und farblos, theils mehr minder serpentinisirt, oder auch häufig durch Bildung 16 Ernst von Seyrriepd, Geognostische Beschreibung von Eisen-Oxydhydrat roth gefärbt. Manche Olivine sind stark corrodirt, in die oft tiefen Buchten ist Grundmasse eingedrungen. Magnetit in Oktaödern und Körnern von 0,01—0,04 Milli- meter Grösse ist durch das ganze Gestein zerstreut. Anhäufungen solcher Körner zu grösseren Ballen und Aneinanderreihung kleiner Krystalle zu gestrickten Formen werden hin und wieder beob- achtet. Der Nephelin ist theils in wasserklaren, gedrungenen, idio- morphen Kryställchen von 0,05 Millimeter durchschnittlicher Grösse eingestreut, theils ohne selbständige Krystallform als Füllmasse zwischen den Gemengtheilen der Grundmasse gelagert. Häufig sind kleine Magnetitkörnchen und Augitmikrolithen zonar oder in regelloser Vertheilung eingeschlossen. Biotit ın kleinen unregelmässig begrenzten Blättchen mit starkem Pleochroismus ist zuweilen sehr häufig. Apatit findet sich allenthalben in farblosen, etwa 0,1 Milli- meter langen, dünnen Nadeln eingestreut. Das Gestein ist durchweg feinkörnig; ich habe aber die Be- obachtung gemacht, dass die der obersten Haube des Kreuz- bergs entstammenden Handstücke sich durch ein besonders feines Korn auszeichnen und auch namentlich weniger porphyrisch eingesprengte Olivine und Augite enthalten, als diejenigen, welche einer mehr peripherischen Zone des Nephelinbasaltgebiets ent- nommen sind. Auch zeigen letztere häufig blasenartige Hohl- räume, welche mit Calcıt oder Zeolithen erfüllt sınd. Der Nephelinbasalt vom Kreuzberg ist schon vor langer Zeit chemisch analysırt worden. Ich gebe unter I. die von E. E. ScHMID mitgetheilte Analyse des Nephelinbasalts vom Kreuzberg — ohne nähere Angabe des Fundorts. (PoGG. Anal. Band 89, 1853, S. 306 u. f.) Die unter II. betrifft einen Basalt vom »Kreuzberg 930,3 oberhalb des Klosters« und ist mitgetheilt in OÖ. BREDEMANN, Ueber Basalte der Rhön 1874, S. 18. Inaug.-Diss. Jena. ‚Das Material zu der unter III!) aufgeführten Analyse wurde !) Die Zahlen dieser, wie aller folgenden von mir ausgeführten Analysen geben die Mittelwerthe aus wenigstens 2 gut übereinstimmenden Bestimmungen. des Kreuzbergs in der Rhön. IX einem der Blöcke an dem »Johannisfeuer« genannten südöstlichen Vorsprung der Kreuzbergkuppe entnommen. I: M. IH. Se . . .. 36,68 pCt. 35,77 pCt. 39,03 pCt. Be... .» 0,46 » —ı 0% APO3. . .: 14,34. >» 13,43 » 2157» Ba0%. ..,722;30 >» 10.09 03 8,98 » BO... ee 3,98» 6,82 » @2005,. 2.015,59, >» 15.04 » 12,58 » lee. sn 700.82 8.84» 4.52 » Be. 2077-3 0,71 » 2,63 » Ne200, 0.4 .38.93. °» 381 » 3,82, >» 220: — » DaR2n 3 — 9 Bew. 1.200500 >> 1,03» — .» Glühverlust . — » — » 0,59» 102,79 pCt. 100,58 pCt. 100,50 pCt. Specifisches Gewicht: 1. 1. IE 3,127 3,079 3,145. Basanit (Bs). Da der Basanit ohne mikroskopische Untersuchung nur sehr schwer von den übrigen Basaltgesteinen unterschieden werden kann, ist eine Abgrenzung gegen jene im Gelände kaum durch- zuführen. Auf Grund der mikroskopischen Untersuchung glaube ich demselben folgenden Verbreitungsbezirk zuschreiben zu dürfen: Am Kreuzberg selbst findet. er sich rings um den Berg in einer Zone, welche der unteren Grenze des Nephelinbasalts parallel geht und nicht über 830 Meter hinaufzureichen scheint. Fund- orte aus dieser Zone sind folgende: 1. Am Hochwald südwestlich vom Kloster nahe der Kohl- grube (826 Meter). Dieses Gestein wurde zur chemischen Analyse verwendet. 2. Ueber Neubert (820 Meter) südwestlich vom Kloster. Etwas oberhalb der sub 2 genannten Localität, 826 Meter. 4. In der an der Südseite des Kreuzbergs herabziehenden Schneise unterhalb Hermannsbank (785 Meter), verrollt. Jahrbuch 1896. | [2] oo 18 10. Ersst von Sevrrızpn, Geognostische Beschreibung Am Bettelmannsbrunnen (800 Meter), am Wege von Sand- berg nach dem Kreuzberg. | Ueber dem Thonbrunnen (826 Meter), direct südlich des Kreuzbergsignals. Am Bildstock (746 Meter), an der neuen Strasse nordwest- lich vom Kloster (verrollt). Am Jägersbrunnen, westlich der 3 Kreuze, vom anstehen- den Basalt des Kreuzbergs herabgerollt. Blöcke von charakteristischem Basanit liegen auch auf den Haufen am Thierleshansenbrunnen am Südwestfuss des Kreuzbergs in 660 Meter Höhe, und Westlich des Eschenbrunnens an dem Fusswege von Kilianshof nach Haselbach. Ausserdem kommt der Basanit anstehend an folgenden Oert- lichkeiten vor: l. 2: Am Käuling. — Gang im Tephrit (745 Meter circa). Etwas weiter nordöstlich von da im Walde neben der Braunhansenwiese (630 Meter). — Gang im mittleren Bunt- sandstein. In der Kuppe (771 Meter) nordwestlich vom Käuling. — Gang im Röth. In der Kuppe (766 Meter) über den 3 Kreuzen. — Gang im oberen Muschelkalk. An der Eisenhand, nordwestlich gegen Wildflecken. — Gang im Röth und unteren Wellenkalk. An dem kleinen Küppchen bei Haselbach (505 Meter). — Durchbruch im mittleren Buntsandstein. Die Absonderung ist säulig, kugelig oder plattig. Säulen- förmige Stücke finden sich beim Jägersbrunnen, kugelige Abson- derung zeigt der Gang am Käuling und an der Eisenhand; an letzterer Localität ist auch plattige Absonderung gut zu sehen. Das Gestein ist dunkelgrau bis schwarz, mit heller Verwitte- rungsrinde. Als Einsprenglinge finden sich in der dichten Ge- steinsmasse Olivin in bis 6 Oentimeter grossen Krystallen, Augite bis 0,5 Oentimeter Grösse mit muscheligem Bruch, Feldspäthe mit des Kreuzbergs in der Rhön. 19 glänzenden Spaltflächen bis zu 0,2 Centimeter Grösse und schlackiges Magneteisen. Die Menge der grösseren Einspreng- linge ist sehr wechselnd; es scheint, dass der plattig abgesonderte Basanit besonders arm an solchen ist. Die Grundmasse besteht, der mikroskopischen Untersuchung zufolge, aus Augit, Olivin, Magnetit, Nephelin und Feldspath, sowie Glas. Dazu treten noch accessorisch: dunkler Glimmer, Apatit und braune isotrope Körner, die wohl als Perowskit an- zusehen sind. Olivin, Augit, Magnetit und Apatit verhalten sich ebenso, wie die oben beschriebenen gleichen Gemengtheile des Nephelinbasalts. Auch der Nephelin kommt ebenso wie im Nephelinbasalt in zweierlei Ausbildungsweisen vor; einmal in scharf ausgebildeten Krystallen von etwa 0,06 Millimeter Durch- messer, häufig mit Einschlüssen von Augitmikrolithen, und dann als Ausfüllmasse zwischen den anderen Geemengtheilen der Grund- masse. Der Feldspath findet sich entweder in kleinen tafel- förmigen Krystallen von etwa 0,08 Millimeter Länge und 0,03 Milli- meter Dicke in der Grundmasse, oder er bildet zwischen den Grundmassegemengtheilen eine Füllmasse, welche oft auf eine Ausdehnung von 0,5 Millimeter Durchmesser einheitlich orientirt erscheint. Die Feldspäthe der ersterwähnten Ausbildungsweise sind meist nach dem Albitgesetz mehrfach verzwillingt; die unregelmässig be- grenzten (2. Art) zeigen häufig ebenfalls Zwillingsbildung und zwar neben der gewöhnlichen nach dem Albitgesetz auch doppelte Verzwillingung nach dem Albit- und Periklingesetz. Häufig giebt es zwischen den beiden Arten der Krystallaus- bildung Uebergänge in der Weise, dass die Plagioklase der 2. Art wenigstens einzelne Krystallflächen (am häufigsten in der Prismen- zone) erkennen lassen. Der restliche Raum ist dann mit Glas- masse erfüllt. Das besonders im Basanit vom Jägersbrunnen häufig auf- tretende Glas ist farblos, an manchen Stellen trichitisch entglast und schmutzig graugelb. Bei Behandlung mit HCl liefert es viel 29 30 Ersst von Sryerisn, Geognostische Beschreibung » g 8 Gelatine und UlNa-Würfel, was darauf schliessen lässt, dass es die Stelle des Nephelins einnimmt, der in diesem Gestein in kry- stallisirten Individuen ziemlich spärlich auftritt. Zum Basanit gehört auch das Gestein, welches den Gipfel der Osterburg (715,1 Meter) bildet und sich deckenförmig auf der Nordseite des Berges über dem Röth und Muschelkalk bis zum Waldrande hinunterzieht. Das Gestein ist anstehend nur am Ostabhange gegen Bischofsheim zu beobachten, wo es am Waldrande bei einem Wegebau blossgelegt wurde. Es ist dort stark verwittert und zeigt kugelig-schalige Absonderung. Im Uebrigen findet es sich nur in etwa 1 Cubikmeter grossen Blöcken, die mit einer graubraunen Verwitterungsrinde bedeckt sind. Der Bruch ist flachmuschelig mit etwas Glasglanz, oder uneben und matt. Häufig sind Olivine und Augite als Einsprenglinge in der dunkelgrauen, sehr dichten Grundmasse sichtbar. Die mikro- skopische Untersuchung zeigt durchaus die Gemengtheile des Ba- sanıts, wie sie oben beschrieben wurden. Bei einem Block vom Nordfuss des Berges tritt der Feldspath sehr zurück, wodurch das Gestein dem Nephelinbasalt nahe gebracht wird, während es an anderen Stellen mehr limburgitischen Habitus annimmt. Die chemische Zusammensetzung des Basanits ergiebt sich aus folgender Analyse IV. Das Gestein, welches zur Unter- suchung gelangte, entstammt einem Block vom Hochwald süd- westlich des Klosters (826 Meter) nahe der Kohlgrube: IV. SO 7... 2. 242,18 pCt. MO. 2.0000 > NN OP oe De... 9,81 » Meome.. .... end. 1o ne» Ban. .. in A238 Mean... le K207 2 . else N20°%. 0. Srezaslall> Glühverlust . . 2,03 » 100,26 pÜt. Specifisches Gewicht . . . 3,064. des Kreuzbergs in der Rhön. 21 Limburgit (Bl) findet sich an verschiedenen Stellen in typischer Ausbildungsweise: 1. In einem verticalstehenden, nordsüdlich streichenden, etwa l/g Meter mächtigen Gang am Nordostabhang des Kreuz- bergs über der Kniebreche, wo er die Schichten des obe- ren Wellenkalks durchbricht und auf eine Länge von etwa 2 Meter entblösst ist. 2. Am oberen Rande des Rothwaldes, südlich von der ad. genannten Stelle in 745 Meter Höhe. Hier liegen zahl- reich Cubikmeter-grosse Blöcke, aus denen man auf einen hier erfolgten Durchbruch schliessen kann. 3. Eine Localität, an welcher Limburgit ansteht, liegt im Walde nördlich der Kuppe (771 Meter), wo das Gestein in einem Hohlwege angeschnitten ist. Das Gestein der 1. Localität ist stark verwittert, von gelb- lich-grauer Farbe; ganz frische Gesteinspartien sind nicht zu er- halten. Die Blöcke im Rothwald sind äusserlich mit einer bräun- lichen Verwitterungsrinde bedeckt; das Gestein bricht flachmusche- lig, ist von grauschwarzer Farbe mit mattem Glasglanz, gelbliche Olivine und schwarze Augite treten aus der dichten Grundmasse hervor. Das Gestein der 3. Fundstelle ist von dunkelgrauer Farbe; es erscheint in manchen Partien durch den Wechsel von hellen und dunkeln Streifen wie gebändert; in einigen dieser Bänder oder Lagen finden sich zahlreiche mit Calcit erfüllte kleine Blasen, die oft in die Länge gestreckt und fluidal angeordnet sind. Das Gestein ist mürbe und bröckelig, es schliesst häufig Bruchstücke von Schieferthon und Quarzkörner ein, welch letztere dem durch- brochenen Buntsandstein entstammen dürften. Unter dem Mikroskop erkennt man, dass die Gesteine aller 3 Oertlichkeiten übereinstimmend zusammengesetzt sind, indem in einer aus kleinen Augiten, Magnetit und Glas bestehenden Grund- masse Olivin und grössere Augite eingesprengt sind. Ueber Olivin, Augit und Magnetit ist nichts Besonderes zu erwähnen, sie gleichen völlig denselben Gemengtheilen des Nephelinbasalts. Das Glas, welches an manchen Stellen sehr reichlich, an anderen 22 Ernst von Skyrrien, Geognostische Beschreibung spärlicher auftritt, ist farblos und wasserhell, häufig stark entglast und getrübt, manchmal unter Bildung von Trichiten; es giebt mit HCl behandelt viel Gelatine und CINa-Würfel. Das Gestein ist demnach ein Limburgit 2. Art und steht dem Nephelinbasalt nahe. Wenn wir der Frage näher treten, wie die drei Gesteins- arten: Nephelinbasalt, Basanit und Limburgit sich petrographisch und geologisch zu einander verhalten, so fällt zunächst die grosse Aehnlichkeit der mineralischen Zusammensetzung in’s Auge. Mag- netit, Olivin und Augit sind allen 3 Gesteinen gemeinsam und in durchaus gleicher Weise in ihnen ausgebildet. Nephelin findet sich in zweien, nur in etwas verschiedenen Mengenverhältnissen, im dritten wird er durch ein analog zusammengesetztes Gras vertreten. Der Feldspath tritt zwar als neuer Gemengtheil im Basanit auf, ist aber in so wechselnder und im Ganzen geringer Menge vorhanden, dass man ihn eher als accessorischen Bestandtheil des Nephelinbasalts bezeichnen möchte und demnach den Basanit, wie den Limburgit als locale Modification des Nephelinbasalts auf- fassen könnte. Vergegenwärtigen wir uns ferner das Vorkommen der Eruptivgesteine am Kreuzberg, so finden wir den Nephelinba- salt als Kuppe des Berges, von dem tiefer liegenden Feldspathbasalt und Tephrit durch eine etwa 10 Meter mächtige Tuffschicht ge- trennt. An der unteren Grenze des Nephelinbasalts liegen rings um den Berg, an 10 verschiedenen Punkten nachgewiesen, in einer Zone von etwa 30 Meter Mächtigkeit mitten zwischen Nephe- linbasaltgeröllen Blöcke von Basanit. — Es wäre nun vielleicht naheliegend, einen Erguss von Basanit als Grundlage des Nephelin- basalts anzunehmen, wenn nicht, wie aus dem Studium einzelner Präparate erhellt, an manchen Blöcken sowohl Stellen mit Nephe- linbasalt- als solche mit Basanitentwickelung in regelloser Ver- theilung vorkommen würden und es dadurch mehr wahrscheinlich gemacht würde, dass der Basanit eine Modification schlieriger oder randlicher Art des ältesten Nephelinbasaltstromes ist. Diese letztere Auffassung wird noch dadurch unterstützt, dass an dem kleineren geologischen Körper der Osterburg die Hauptmasse des Eruptiv- des Kreuzbergs in der Rhön. 253 materials aus Basanit besteht, während die Ausbildung als Nephe- linbasalt nur einem geringeren Theil — in diesem Fall dem central gelegenen — möglich war. Am Fusse des Küppchens (771 Meter) tritt der Limburgit in engstem Verbande mit dem in der Kuppe selbst anstehenden Basaniıt auf. Die Auffassung, dass der Limburgit eine durch rasche Erstarrung bewirkte, randliche Facies des Basanits ist, wird hier durch den Augenschein sehr wahrscheinlich gemacht. Wenn bei den anderen Durchbrüchen basanitische Bildung nicht nachgewiesen wurde, so erklärt sich dieses daraus, dass ın diesen Gängen nur die limburgitische Randfacies aufgeschlossen ist, wäh- rend der basanitische Kern noch in der Tiefe verborgen ist. Feldspathbasalt (Bf) findet sich am Kreuzberg selbst nur in losen Blöcken, und zwar: l. In geringer Ausdehnung nordwestlich des Klosters, ın 796 Meter Höhe an der neuen Strasse, 2. Südwestlich vom Kloster am Veitenfeld im Walde »Alte Schläge« zu beiden Seiten des Weges nach Oberbach bis an Oetschers-Heufelder heran in zahlreichen Blöcken. Anstehend kommt er in einer Reihe von Durchbrüchen im unteren Wellenkalk an der Eisenhand vor. Die Blöcke, welche aus Feldspathbasalt bestehen, sind etwa 1 Cubikmeter gross und bedeckt mit einer hellgrauen Verwitte- rungsrinde. Das Gestein ist sehr zähe und bricht flachmuschelig. Auf frischer Bruchfläche ist es grauschwarz mit mattem Fettglanz. Häufig sind glänzende Feldspathleisten, schwarze Augite und grün- liche, oder rothe Olivinkörnchen mit unbewaffnetem Auge zu er- kennen. Das Korn der Feldspathbasalte ist im Allgemeinen fein, nordwestlich vom Kloster fand ich auch einen Block von etwas gröberem, fast anamesitischem Korn. Der an der Eisenhand anstehende Feldspathbasalt zeigt ähn- liche Erscheinungsformen, nur ist er, namentlich wo er im Boden steckt, mehr zerklüftet und stärker verwittert, als der in Blöcken herumliegende. 24 Erssr von Seyrrien, Geognostische Beschreibung Bei mikroskopischer Betrachtung erweist sich das Gestein gebildet aus einer Grundmasse von Plagioklas, Augit, Magnetit und Glas, worin Olivin und Augit in grösseren Krystallen einge- lagert sind. Apatit und Biotit sind accessorisch vorhanden. Der Plagioklas tritt in etwa 0,5 Millimeter grossen Kry- stallen auf, welche nach der a-Achse gestreckt und nach dem Brachypinakoid tafelig entwickelt sind; sie zeigen häufig gute Spalt- barkeit nach ©P&. Sie sind nach dem Albitgesetz verzwillingt; meist sind es nur zwei, manchmal auch mehr Lamellen. An einigen Individuen findet sich ausserdem Verwachsung nach dem Periklingesetz. Sie führen vielfach Einschlüsse von Magnetit und Glas. Die Auslöschungsschiefe auf Schnitten nach o P beträgt etwa 210, auf solchen nach „Px& 310, sie gehören demnach in die By- townitreihe, und würden ungefähr der Mischungsformel Ab; An entsprechen. Der Augit betheiligt sich an der Zusammensetzung der Grundmasse in kleinen, bräunlichen Krystallen; ihre Grösse . schwankt zwischen 0,05 Millimeter und mikrolithischen Dimen- sionen. Sie zeigen +P, »P, P» und oPw; die Aus- löschungsschiefe beträgt 430 auf klinopinakoidalen Schnitten. Ein- schlüsse wurden nicht beobachtet. Der in grossen Krystallen auftretende Pyroxen gleicht durchaus — auch optisch und in Bezug auf Wachsthumsformen — dem im Nephelinbasalt porphyrisch ausgeschiedenen Augit. Ein- schlüsse von braunem Glas sind häufig. Zwillingsbildung nach “Po wurde nicht beobachtet, dagegen sind Verwachsungen zu Knäueln nicht selten. Bei vielen unserer Einsprenglinge ist die Zersetzung sehr weit vorgeschritten; es haben sich im Innern der Krystalle grüne chloritische Massen gebildet. Bemerkenswerth sind Corrosionserscheinungen, indem einige Individuen wie ange- schmolzen aussehen und an Stelle des Defects an Augitmasse ein Schwarm von Magnetitkörnchen und gestreiften Feldspathkrystallen getreten ist. Diese Corrosion hat mehr die basalen Enden, als die Prismenzone ergriffen. | Der Olivin gleicht im Allgemeinen demjenigen des Nephe- linbasalts; jedoch treten die Individuen seltener in wohlausgebil- - des Kreuzbergs in der Rhön. 25 deten Krystallen, sondern meist in abgerundeten, stark serpentini- sirten Körnern auf. Magnetit, Biotit und Apatit kommen in gleicher Weise wie im Nephelinbasalt vor. Glas findet sich in dem Feldspath- basalt von den »Alten Schlägen« selten, häufiger ist es in dem Gestein von den Durchbrüchen der Eisenhand. Es bildet dort die Ausfüllung von Räumen, welche die Plagioklase und Grund- massen-Augite zwischen sich lassen. Mit HÜl gelatinirt es nicht und giebt auch keine Na-heaction. Das Mengenverhältniss, in welchem der Plagioklas auftritt, wechselt oft innerhalb ein und desselben Handstücks. An manchen Stellen überwiegt dieses Mineral alle anderen Gremengtheile be- deutend, so dass es mehr als Zweidrittel des Gesteins ausmacht, an anderen Stellen wiederum tritt der Feldspath mehr zurück und bildet kaum ein Viertel der Gesteinsmasse. Da wo der Plagioklas an Menge überwiegt, ist er in der Regel radialstrahlig angeord- net; auch zeigt das Gestein durch parallele Stellung der Plagioklase oft fluidale Structur. Die beiden Mengenverhältnisse gehen all- mählich in einander über, so dass das Gestein nicht ausschliess- lich einer der beiden von BoRıckY aufgestellten Abtheilungen untergeordnet werden kann }). Zur chemischen Analyse wurden möglichst einsprenglings- freie Splitter eines sehr frischen Gesteinsblockes westlich von Veitenfeld verwendet. Es ergaben sich die unter V aufgeführten Zahlen: !) In Rosengusch, Mikroskop. Physiographie der massigen Gesteine wird so- wohl in der II. Auflage, $. 731, wie auch in der III, $. 1015 die Bortcxy’sche Eintheilung der Feldspathbasalte in Melaphyrbasalte und eigentliche Feldspath- basalte erwähnt und zwar werden dort den Melaphyrbasalten diejenigen Feld- spathbasalte zugewiesen, welche höchstens ein Drittel ihrer Masse an Feldspath enthalten, die feldspathreicheren aber den Feldspathbasalten, während Borıerr in »Petrographische Studien über die Basalte Böhmens«, $. 120, gerade umge- kehrt, die feldspathreichen Basalte als Melaphyrbasalte und die feldspathärmeren als Feldspathbasalte bezeichnet. In der I. Auflage von Rosensusch’s oben ci- tirtem Werk, $. 440 ist die Borıcry’sche Eintheilung richtig wiedergegeben, 26 Ernst von Seyrrıed, Geognostische Beschreibung N: SO. . 45m Aura. ‚2er ) ea A 2,21 » Kenn... 7,14 » CaO Se en’ 10,49 » NiemaRnn... ., 7,80 » ES 1,14 » Nase a, 3,21 » Glühverlust. . 1,02 » 100,11 pCt. Specifisches Gewicht . . . 2,982. Tephrit (T) kommt anstehend vor am Käuling an der Ostseite des Kreuzbergs, ferner an dessen Nordostseite an der Schneegrube und an der Süd- ostseite am Hirtenwiesenbrunnen. Am Käuling bildet das Gestein eine etwa 40 Meter mächtige Decke über einem Rest von unterem Wellenkalk. Es ist an mehreren Stellen gut aufgeschlossen; so im Walde auf der süd- lichen Seite, wo der Berg gegen Kilianshof im »Beilstein« vor- springt; ferner nördlich über Bernhardswiesen. An beiden Orten ragen grosse Felsen eines dunkelgrauen Gesteins, meist mit einer hellen Verwitterungsrinde bedeckt, aus dem Waldboden hervor. Bei näherer Betrachtung kann man an den Felsmassen eine ge- wisse plattige Absonderung erkennen. An der Quelle am oberen Rande von Bernhardswiesen erscheint das Gestein blasig. Die Verwitterung greift oft sehr tief ein, so dass die ganze Masse, selbst recht grosser (1/g Cubikmeter) Blöcke, hellgrau ge- färbt ıst, und nur noch im Innern ein dunklerer Kern das Aus- sehen des frischen Gesteins bewahrt hat. Ganz frisches Material besitzt flachmuscheligen Bruch; glänzende Spaltungsflächen von Feldspath bis zu 5 Millimeter Grösse, Durchschnitte von Augit und Hornblende bis zu 7 Millimeter heben sich, insbesondere auf dem mehr verwitterten Gestein, deutlich ab. des Kreuzbergs in der Rhön. 27 An der Schneegrube steht der Tephrit über der Quelle in der Wiese an und lässt sich etwa 50 Meter weit östlich und westlich verfolgen. Das Gestein ist durch Verwitterung gelblich-grau und von zahlreichen blasenartigen Hohlräumen durchsetzt. Ausserdem finden sich Blöcke von Tephrit bis 830 Meter hoch gegen den Kreuzberggipfel, östlich der Quelle bis oberhalb der Kuppe (771 Meter) — westlich bis gegen das Küppchen (766 Meter). Sie liegen vermengt mit Blöcken von Nephelinbasalt und Basanit und sind an der helleren Farbe leicht kenntlich. An der 3. Oertlichkeit, am Hirtenwiesenbrunnen findet sich Tephrit nur in vereinzelten Gesteinsbrocken, selten in Blöcken im Waldboden gebettet. Er ist von schmutzig-graugelber Farbe, meist sehr mürbe; Hornblendekryställchen und Augite sind in dem verwitterten Gestein mit der Lupe noch zu erkennen. Die mikroskopische Untersuchung zeigt eine von Nephelin, Plagioklas, Augit und Magnetit gebildete Grundmasse, in welcher Krystalle von Plagioklas, Sanıidin, Hornblende und Augit porphyrisch ausgeschieden sind. Mehr accessorisch sind Einsprenglinge von Apatit, Nosean, Biotit und Zirkon. Der Nephelin, welcher nur in der Grundmasse vorkommt, findet sich grösstentheils in allotriomorphen Körnern zwischen den übrigen Grundmassegemengtheilen eingeklemmt. Erst nach Be- handlung des Dünnschliffs mit HCl und Fuchsinlösung lassen sich auch vereinzelt idiomorphe Krystalle in sechsseitigen und recht- _ eckigen Durchschnitten von etwa 0,05 Millimeter Durchmesser er- kennen. An Einschlüssen ist der Nephelin verhältnissmässig arm, vereinzelte Augitnädelchen und Magnetitkörnchen finden sich mit- unter in regelloser Vertheilung. Der Plagioklas kommt in 2 Generationen vor, welche auch optisch wohl unterschieden sind. Der Plagioklas der Grund- masse bildet wasserklare, häufig durch Kaolinisirung getrübte, leistenförmige Kryställchen von 0,06 Millimeter Länge und 0,02 Milli- meter Breite. Es sind Zwillinge von 2 bis 3 Lamellen, die nach dem Albitgesetz verwachsen sind. Die Zwillingsebene liegt der Längserstreckung parallel. Die Auslöschungsschiefe gegen diese ist sehr gering, sie beträgt höchstens 40. Es dürfte ein Ab und 28 Ersstr von Seyrkıep, Geognostische Beschreibung An in gleichem Verhältniss enthaltender Plagioklas sein, der zum Labrador gehört. Die porphyrisch ausgeschiedenen Plagioklase kommen bis zu 6 Millimeter Grösse vor. Sie sind farblos, meist durch Ver- witterung milchig-trüb, theils nach dem Albitgesetz, theils nach dem Periklin- und Albitgesetz verzwillingt. Die Auslöschungs- schiefe ist, abweichend von der der Grundmassen-Feldspäthe etwa 170 auf einem Schnitte nach OP, die Mischung dürfte also wohl der von Ab; An;, mithin einem Bytownit nahekommen. Die Pla- gioklase enthalten neben Magnetit noch häufig Augitkryställchen von der Beschaffenheit der Grundmassenaugite, ferner Apatit und Nosean eingeschlossen. Sanıdin findet sich nur als Einsprengling und etwa in gleicher Menge wie der porphyrisch ausgeschiedene Plagioklas. Die Krystalle sind etwa 1 Millimeter gross, doch kommen solche bis zu 3 Millimeter vor. Sie sind wasserklar, soweit sie nicht durch Verwitterang milchig-trüb geworden sind. Eine Zwillings- bildung nach dem Karlsbader Gesetz wurde nicht beobachtet, da- gegen zeigten mehrere Exemplare Gitterstruktur, was vielleicht auf die Zugehörigkeit des Feldspaths zum Anorthoklas hindeutet. Häufig zeigen sich Wachsthumserscheinungen in Form von zonarem Bau, wobei auch wohl ein Kranz von Magnetitkörnchen oder Gasporen eingelagert erscheint. Andere Einschlüsse wurden nicht wahrgenommen. Hornblende kommt nur als Einsprengling vor, am Käuling ist sie seltener, häufiger an den beiden anderen Localitäten. Es sind Krystalle von wechselnder Grösse von 0,3 Millimeter bis zu 7 Millimeter. Einzelne sehr gut und scharf entwickelte Krystalle sind von einem schmalen Rand von Magnetitkörnchen umrahmt und zeigen die gewöhnlichen Formen der basaltischen Hornblende, starken Pleochroismus: a = dunkelgelb, b — hell- gelb, c —= dunkelbraun bis schwarz; andere lassen sehr weit- gehende Veränderung erkennen, und haben von ihrer ursprünglichen Hornblendesubstanz nur noch im Innern einzelne Reste übrig be- halten. Die ehemalige äussere Form ist durch eine Linie von Magnetitkörnern angedeutet; der andere Raum ist mit zum Theil des Kreuzbergs in der Rhön. 39 ungestreiften Feldspäthen, Augit und den eigenthümlichen, keulen- förmigen, braun-durchsichtigen Gebilden erfüllt, welche schon viel- fach aus basaltischen Gesteinen beschrieben worden sind. Bei anderen Individuen ist von Hornblendesubstanz nichts mehr zu sehen, der Raum des ursprünglichen Hornblendekrystalls ist durch ein Aggregat von Feldspath, Augit und Apatit erfüllt; nur durch die randliche Anhäufung von Magnetit tritt der Umriss des frühe- ren Krystalls deutlich hervor. Beim Augit sind, wie beim Plagioklas, zwei Gene- rationen zu unterscheiden. Porphyrisch ausgeschieden kommt der Augit in Individuen bis zu 2 Millimeter Grösse vor. Er zeigt die gewöhnlichen Formen der basaltischen Augite: + P, oP, oP und oP%&, wie besonders an einem Exemplar von 1,5 Millimeter Grösse, welches aus dem Gestein vom Beilstein isolirt werden konnte, beobachtet wurde. Die Spaltbarkeit nach oP ist gut zu sehen. Die Farben der Augite im Dünnschliff sind gelblich-grün bis gelb, manchmal randlich bräunlich-violett, einige Individuen haben auch graue Farbentöne. Ein deutlicher Pleochroismus a = grün, b —= gelb, c — hellgrün wurde beobachtet. Die Aus- löschung auf klinopinakoidalen Schnitten gegen c beträgt 340. Zonares Wachsthum und Sanduhrformen sind häufig; ebenso Zwillingsbildung nach «P%», sowohl durch Verwachsung zweier gleichgrosser Individuen, als auch durch Einschaltung von Lamellen. Die in der Grundmasse reichlich vorhandenen kleinen Augite haben eine Länge von 0,06 — 0,12 Millimeter bei einer Breitenausdehnung von 0,01—0,03 Millimeter. Die Formen sind sehr einfache, meist ist es oP, + P ın Combination mit op» und oP&. Die Farbe ist lichtgrün. Die Auslöschungsschiefe ist gegen c etwa 40° Der Pleochroismus ist sehr schwach, oder fehlt ganz. Es wurde der Versuch gemacht, diese kleinen Augite zu isoliren und ihre chemische Natur festzustellen. Zu diesem Zwecke wurde ein sehr homogenes Stück von dem am Käuling-Beilstein anstehenden, sehr frischen Gestein fein gepulvert und ungefähr 100 Gramm in Portionen von etwa 1 Gramm in einer Porzellan- schale auf dem Wasserbad mit HCl während einiger Stunden 30 Ernsı vos Seyrrisp, Geognostische Beschreibung behandelt. Das Pulver wurde mit einem Reiber häufig zerdrückt und umgerührt, die HC] wiederholt erneuert, bis kein Fe?O®, vom Magnetit herrührend, mehr in Lösung ging. Dann wurde die Masse in eine Platinschale übergespült und mit etwa 10 pro- centiger Sodalösung längere Zeit gekocht, wodurch die von Nephe- lin und Glas herrührende gelatinöse Kieselsäure gelöst wurde. Mit HF wurden dann die Feldspäthe aufgeschlossen und durch Schlämmen die Zersetzungsproducte von den Augiten getrennt. Hierbei wurden diese, wenn die Zeitdauer der Einwirkung der HF richtig bemessen wurde, nicht angegriffen. Unter dem Mikro- skop zeigten sich die Augite völlig rein; nur fanden sich, obwohl im groben Pulver eine Auslese versucht war, noch untergeordnet Bruchstücke der porphyrischen Augite, welche sich wegen der Feinheit des Pulvers nıcht mehr entfernen liessen. Das ın diesen eingeschlossene Magneteisen wurde durch nochmalige Behandlung mit HÜl wegzuschaffen versucht. Das Resultat der chemischen Analyse der so gereinigten Sub- stanz ist folgendes: 31027 .....42,13 pCt: A120.) . . 11,56 7> Me203. :....0,56 » Be®977.:.:.. 12,022, Ga. 719,860» MsO RE 9,35 » ISA ..6 2, WOSSEND Nak9s. 1. "32 > 99,26 pÜt. Bei der Bestimmung des specifischen Gewichts erhielt ich zuerst eine augenscheinlich zu hohe Zahl, nämlich 3,90. Eine nochmalige, sehr genaue Durchmusterung des angewandten Pulvers ergab, dass es noch nicht gelungen, sämmtliches Magneteisen, welches in dem Augitkrystallen eingeschlossen war, zu entfernen. Das Pulver wurde deshalb wiederholt fein zerrieben und mit HC] digerirt, bis keine Gelbfärbung mehr eintrat. Es ging auf diese Weise noch 4,20 pCt. Fe?O® — 4,06 pCt. } 3 \ ü ; | I a, a Sul "ei niet ee en a Du u u ai u en ke dus Kreuzbergs in der Rhön. 31 Fe?O* (Magnetit) in Lösung. Das specifische Gewicht des so gereinigten Pulvers ergab sich zu 3,46. Zieht man die genannte Eisenmenge von dem in der Analyse gefundenen Fe ab und berechnet die Analyse auf 100 pCt., so erhält man folgende unter VI. aufgeführte Zahlen: v1 Vla. 80? . . . 44,15 pÜt. 46,22 plt. ALOE 012311 > 12.20 » Det ih: > 8,53» Ga@r133,:,20,50. > 19,31 » WO En. 2209,80: 13 9,48 » SB URS Su NO... 734308 um Diese Zusammensetzung entspricht am besten der Mischungs- formel: 4 M&CaSı? 06 2 FeAl?Sı O6 CaSıO3 Na? CaSı? 06 welche die unter VIa. gegebene procentarische Zusammensetzung erfordert. Der Augit steht somit in seiner Zusammensetzung einem Aegirin nahe; die hohe Auslöschungsschiefe, sowie der Mangel an Pleochroismus stehen freilich mit dem Analysenresultate nicht gut im Einklang. Der Magnetit ist in 0,01 —0,03 Millimeter grossen Oktaedern und Körnern durch das ganze Gestein reichlich verbreitet und als Einschluss in fast allen Gemengtheilen enthalten. Auch Apatit ist ziemlich häufig in dem Gestein. Er findet sich einerseits in gedrungenen Krystallen bis zu 0,7 Millimeter Länge und 0,25 Millimeter Dicke, von Einschlüssen durchstäubt, wodurch er eine schmutzig-graue Farbe erhält; andererseits tritt er in langen, dünnen, farblosen Nadeln — etwa 0,01 Millimeter dick und und bis 0,15 Millimeter lang — auf. In letzterer Form ist er meist im Feldspath eingeschlossen, während die grösseren, 32 Erxst von Seyrrıen, Geognostische Beschreibung grauen Individuen die gewöhnlichen Begleiter der ganz oder theil- weise resorbirten Hornblendekrystalle bilden, aber auch isolirt in der Grundmasse vorkommen. Nosean, auf dessen Vorkommen im Tephrit des Käuling bereits LEnk, l.c. S. 36, aufmerksam gemacht hat, findet sich namentlich in dem Tephrit von der Schneegrube in grosser Zahl, während er in dem Gestein vom Beilstein sehr zurücktritt. Es sind etwa 0,15 Millimeter im Durchschnitt messende quadratische oder sechsseitige, auch wohl gerundete farblose Krystalle, die im Innern die charakteristische Gitterzeichnung aufweisen. Manchmal sind sie etwas bräunlich gefärbt. Zirkon ist in einem etwa 0,3 Millimeter grossen Korn be- obachtet worden. Nach TrüracH!) ist Zirkon im »Phonolith«-Schutt vom Käu- ling häufig in abgerundeten Prismen. Vom gleichen Ort erwähnt er das nicht seltene Vorkommen von Rutil. Auch hat er in dem zersetzten Basalt- und »Phonolith«-Schutt vom Kreuzberg und Käu- ling Pseudobrookit gefunden. Lenk?) hat im »Phonolith« des Käuling Magnetkies nach- gewiesen. In dem Tephrit »über Bernhardswiesen« und an der Schnee- grube werden die wenig corrodirten Hornblendekrystalle manch- mal von einer schmalen Zone farblosen Glases umgeben. Die Structur des Tephrits ist eine sehr dichte und feinkörnige. Die Grundmassen - Elemente, insbesondere die Plagioklase, sind meistens fluidal angeordnet. Die Mengenverhältnisse der einzelnen Bestandtheile sind sehr verschieden, so dass plagioklasreiche und plagioklasarme Partien wechseln. Auch Sanıdın und Nosean finden sich an manchen Stellen sehr reichlich, während sie an andern fast ganz ver- schwinden. Als eine solche durch Anreicherung von Nosean und Sanıdın und das Zurücktreten des Plagioklas ausgezeichnete locale Modification des Tephrits dürfte das von LENK, 1. c., 8.37 als 1) H. Tuüracn, Ueber das Vorkommen mikroskopischer Zirkone und Titan- mineralien in den Gesteinen. Dissertat. Würzburg 1884, S. 17, No. 13. 2?) Lesk, l.e. S. 63 in der Anmerkung. Y y 3 3 bi be des Kreuzbergs ın der Rhön. 33 »Noseantrachyt« bezeichnete, und von ZIRKEL im Lehrbuch der Petrographie, IH. Aufl., 1I. Bd., S. 463 besonders angeführte Vorkommen aufzufassen sein. Zur Analyse des Tephrits wurde sehr frisches Material vom Käuling-Beilstein verwendet, von demsellagn Block, von welchem das zur Augitanalyse genommene Material stammte. Dieselbe ergab die unter VII. aufgeführten Zahlen, welche mit dem von SCHEIDT!) herrührenden Resultat einer Analyse des Phonoliths vom Käuling — unter VIII. aufgeführt — im Allgemeinen ziem- lich gut übereinstimmen. vn. VII. S1027 2,9326. pÜt. 51,91 pCt. 102, 220,317 > 1,56 » A203 -. . 16,63. » 19,382 3 we2O% 1. 7,7 8,2% .- 6,39 » FeO . . . 321-» 2,30» Era 2.070,30: > 5,50» Meilen. 2.310 >» 0,54 » Km. 53,54 > 3,32» Na20% 24. ..25,.311 > 7.10: 3 | GE 0 a u 0,72 » ) = 21 D 0,50» Glühverlust. 1,43 » —ı, 100,38 pCt. 100,02 pCt. Specifisches Gewicht 2,671 2a. SCHEIDT, der offenbar zu wenig CaO gefunden hat, hat quali- tativ in 40 Gramm Substanz nachgewiesen: Pb, As, Sn, Cu, Mn, Cr, Ba, Sr, Li, Cl, S, CO?%.— Sauerstoffquotient = 0,5618. Das Gestein ist von LENK als Plagioklasphonolith bezeichnet worden; da aber der Plagioklas den Sanidin im Gestein bei Weitem überwiegt, der Gehalt an Na?O grösser ist als der an K?O, auch die Summe CaO + M&eO + FeO = 11,61 die der Alkalien K?O + Na?O —= 8,85 überwiegt, so glaube ich das Gestein zum Tephrit stellen zu sollen. br In Lane 1. 62 3.36: Jahrbuch 1896. [3] 34 Ernst von Sevrkiep, Geognostische Beschreibung RosENBUSCH bezeichnet in der 1I. Auflage der Mikrosk. Phy- siogr. der Massigen Gest., Il. Bd. S. 819, das Gestein vom Kreuz- berg bei Bischofsheim »bei zurücktretendem Nephelingehalt« als »Phonolith mit dem Habitus eines basaltoiden Augitandesits«. Demgegenüber möchte ich bemerken, dass in allen von mir ge- sammelten Handstücken der Gehalt an Nephelin zu beträchtlich ist, als dass ich die Bezeichnung Augitandesit gutheissen könnte; gegen die Bezeichnung »Phonolith« aber spricht das Vorherrschen des Plagioklas über den Sanidin; dagegen ist die von ROSENBUSCH, l. c. S. 1202, gegebene Definition von Tephrit für das Gestein durchaus zutreffend. Tertiärer Thon, vulkanische Tuffe und Agglomerate (t). Im Verhältniss zu den eruptiven Massengesteinen spielen Tuffe und verwandte Bildungen am Kreuzberg eine ziemlich untergeord- nete Rolle. Wenn ich das Resultat der Einzelbeobachtungen vor- weg nehme, so geht meine Ansicht dahin, dass über den triadi- schen Gesteinen und über den Ergüssen des Feldspathbasalts und Tephrits, also an der Basis des Nephelinbasalts und Basanits, ein Lager von Thon und Tuff sich ausbreitet, welchem sich an einer Stelle noch ein Agglomerat von Schlacken gesellt. Ein zweites Tufflager ist zwischen die Ergüsse des Nephelinbasalts ein- geschoben. In Folge der starken Ueberschüttung mit Basaltblöcken ist die Beobachtung der Tuffvorkommnisse auf wenige Localitäten beschränkt. Ich führe diese Stellen nunmehr einzeln auf: a) An der Strasse, die unterhalb des Klosters an der Wald- wiese Neubert entlang zieht, ist zwischen Blöcken von Nephelin- basalt und Basanit ein rothbrauner Tuff etwa auf die Länge von 500 Meter entblösst; ob derselbe geschichtet ist oder ungeschich- tet, lässt sich nicht entscheiden. Dieses Tufflager bildet die Grenze zwischen dem darunter liegenden Feldspathbasalt und dem überlagernden Basanit resp. Nephelinbasalt. In gleicher Höhe wie hier lassen sich um die südliche Flanke des Kreuzbergs herum an mehreren Stellen noch Spuren von Tuff beobachten. b) An der Kreuzbergstrasse zwischen den 3 Kreuzen und dem Kloster liegt bei 780 Meter auf dem Nodosenkalk ein etwa des Kreuzbergs in der Rhön. 35 2 Meter mächtiges Lager von gelblich-grauem tertiärem Thon, welches sich unterhalb des Klosters gegen SW. noch etwa 1 Kilo- meter weit verfolgen lässt. Unter diesem Thonlager nahe dem Kloster finden sich eine Reihe von tiefen Erdlöchern, die dem Gebiete des mittleren Muschelkalks angehören. c) Ueber dem eben genannten Thonlager an der Strasse liegt ein gelbrother Tuft, der Spuren von horizontaler Schichtung zeigt. Die Aufschlussstelle ist aber durch Nachrutschen stark verändert, so dass es schwierig ist, die ursprüngliche Lagerung zu erkennen )). Der Tuff ist wohl 10—15 Meter mächtig; er enthält neben reich- lichen aschenartigen Massen zahlreiche Splitterchen von durch Brauneisenbildung rothgefärbtem Olivin und krümelige Augit-Par- tikelchen von grüner Farbe. Ueber diesem Tuff folgt bei 800 Meter ein Schlackenagglo- merat, welches wohl 8 Meter mächtig auf die Strecke von etwa 120 Meter längs der Strasse bis zur Höhe von 830 Meter ansteht. Es ist von braunschwarzer Farbe, mit gelblich zersetzten Olivin- putzen durchsprenkelt. In einer sandigen Masse von Asche lagern Bruchstücke von Buntsandstein, Thonschiefer, Kalkstein, Granit, Grneiss, die schon erwähnten Olivinbrocken und zahlreiche Augite, welche von LENK als Chromdiopsid bestimmt worden sind. Die bis 2 Centimeter grossen Krystalle sind stets mit einer hellbraunen Schmelzrinde überzogen, deren Dicke bis 1,5 Millimeter beträgt. Manche Diopside tragen eine Haut von blasig-schlackiger Basalt- masse. Spaltbarkeit nach „P ist sehr deutlich; auf frischen Spalt- flächen zeigen die Krystalle lichtgrüne Farbe mit seidenartigem Glanz. Lenk, der diese Schlackenagglomerate, 1. c. S. 96, eingehend beschreibt, erwähnt »unter der Schmelzrinde gelagerte und bei dem Schmelzprocess zur Ausbildung gelangte kleine Diopsid- ) Wahrscheinlich ist dieser Tuff derselbe, welchen Lexk, l.c. 8.64, als zwischen dem Nephelinbasalt von der Kuppe des Kreuzbergs und einem Feld- spath führenden Nephelinbasalt gelagert erwähnt. Ich habe unterhalb des Klosters unter diesem dort wahrscheinlich durchziehenden Tuffe keinen Basanit, aber Feldspathbasalt (vgl. S. 23) beobachtet. (3*] 36 Ernst von Seyrrıed, Geognostische Beschreibung kryställchen«, die »bei völlig gleichheitlicher Orientirung und ziemlicher Längenerstreckung die dem Diopsid eigenthümliche vorherrschende Ausbildung der Fläche „Po, sowie an den Enden OP und ein Doma Po beobachten lassen«. Er erklärt diese Erscheinung als eigenthümliche Schmelzwirkung, wobei die che- misch und physikalisch veränderte Rindenschicht durch schlechte Wärmeleitung eine langsame Erstarrung der mehr nach dem Innern zu gelegenen Theile und zugleich ein Wiederauskrystallisiren in den dem Diopsid charakteristischen Formen ermöglichte. LENK giebt die chemische Analyse dieser Diopside: 80927. 2...54,50.pCt ARBOS . . 646 » 020327 ....1598 2 Bea 7... 4.000 MO... ©. .. 0,205 On ee 2 BO... 0,23 » MeO .*. . 14,585 100,32 pCt. Specifisches Gewicht 3,300. Nicht ganz klar ist die geologische Stellung zweier Tuffvor- kommnisse, welche sich weiter oben auf dem Berge finden: Auf den Kötzenfeldern, südlich des Klosters, wurde in 890 Meter Höhe beim Ausheben eines Fundaments ein gelbrother Tuff etwa 2 Meter tief blossgelegt. Derselbe ist horizontal ge- schichtet und zeigt grosse Aehnlichkeit mit dem oben beschriebe- nen von der Kreuzbergstrasse. Er enthält jedoch noch Knollen ° von rothen Bol-artigen Zersetzungsproducten. Seine Ausdehnung kann nicht bestimmt angegeben werden; möglicher Weise zieht sich das Tufflager noch weiter hin. Schürfungen oder Bohrungen allein würden hier Klarheit schaffen. | Ferner findet sich nordöstlich vom Kloster an dem Wege nach dem Käuling in der Höhe von 872 Meter ein rothbrauner Tuff auf etwa 200 Meter Länge aufgeschlossen. Ueber die Ausdeh- nung lässt sich nichts Bestimmtes sagen, doch dürfte dieselbe mit des Kreuzbergs in der Rhön. 37 der auf der Karte gegebenen Form annähernd richtig segeben sein. Die Dicke der Tuffschicht ist nicht festzustellen. In der aschenartigen Masse liegen häufig Schlackenklümpchen von etwa 2 Centimeter Durchmesser. LENK, der bei dem S. 94 l.c. behandelten Tuffvorkommen diese Localität wohl im Auge hat, erwähnt bis Hühnerei-grosse knollenförmige Concretionen von einem Östeolith, der noch geringe Mengen von Kaolin und kohlensaurem Kalk enthält. Er erklärt sie als Zersetzungsproducte des Apatits. Es erscheint mir wahrscheinlich, dass die beiden letztgenannten Vorkommnisse von Tuff deckenförmige Lagen zwischen verschie- denen Basaltströmen darstellen; die einzelnen Ströme lassen sich aber bei der weit vorgeschrittenen Veränderung, die der Berg durch Verwitterung und Erosion erfahren, und bei der starken Verrollung wegen Mangel an genügenden Aufschlüssen nicht trennen. Endlich ist noch ein Schlackenagglomerat zu erwähnen, das in der Schneegrube den oberen Wellenkalk durchbricht und in der Höhe von etwa 660 Meter auf der Westseite des Rinnsals ansteht. Es ist ein ungeschichteter Tuff, der durch zahlreiche Einschlüsse, welche durch Aschenmassen verkittet sind, das An- sehen einer Breccie erhält. Diese Einschlüsse sind theils Schlacken von limburgitischem Basalt, Bomben bis zu Faustgrösse, theils Stücke des durchbrochenen Gesteins: Buntsandstein, gefritteter Schieferthon, vermuthlich aus dem Röth, und Kalkstücke, wahr- scheinlich aus der Region des Wellenkalks. Dazwischen finden sich auch Augitbruchstücke und Reste von Olivinknollen. Durch die Fossilien, welche in den Braunkohlen-Ablagerungen am Bauersberg bei Bischofsheim, bei Fladungen, Kaltennordheim u. a. a.O. in der Rhön gefunden wurden, ist das Alter der Ter- tiärbildungen, welche theils von eruptiven Massen bedeckt, theils von solchen durchbrochen sind, als das miocäne bestimmt worden. Es werden deshalb auch die geologischen Ereignisse, welche dem 38 Ernst von Seyrrıep, Geognostische Beschreibung ete. Kreuzberg seinen inneren Bau und sein Relief gegeben, in der jüngeren Tertiärzeit sich abgespielt haben. Vom Schluss der Trias an, während der ganzen Jura- und Kreidezeit war die Gegend der heutigen Rhön Festland, und noch bis gegen die Mitte der Tertiärzeit störte nichts den Zusammenhang der Schichten. Wohl mit der Entstehung des Thüringer Waldes verbunden, fanden in der Miocänzeit die Störungen statt, welche auch das triadische Gebirge des Kreuzbergs in die verschiedenen Theile zerrissen und dieselben gegen einander verwarfen, wie es aus der Karte und den Profilen zu ersehen ist. Dann drang das vulkanische Magma empor; vielleicht zuerst der Tephrit; und — durch lange Zeiträume der Ruhe getrennt — der Feldspathbasalt. Vulkanische Tuffe, Thonlager wurden gebildet. Als jüngstes Glied der vulkanischen Reihe ist dann — ebenfalls nach langer Iuhepause — der Nephelinbasalt zum Ausbruch gelangt. Der Tephrit scheint sich nur aus einer einzigen Durchbruch- stelle als Lava ergossen zu haben; vom Feldspathbasalt fand nicht nur ein Haupterguss am Kreuzberg selbst statt, sondern derselbe drang auch gangförmig an der Eisenhand empor. In ähnlicher Weise flossen später aus einem Hauptkrater Lavaströme von Nephelinbasalt, während an den Bergflanken an verschiedenen Stellen, sowie auch an der Osterburg Ausbrüche stattfanden, deren Material aus Basanit besteht. Auch am Rande der Nephelin- basaltströme schied sich beim Festwerden Feldspath aus -- so dass das Gestein dort basanitischen Habitus erlangte. Der Basanit der seitlichen Ausbrüche ist eine Gangfacies des Nephelinbasalts, jener des Uentralstocks eine Randfacies desselben Gesteins; beim raschen Erstarren bildete der Basanıt an der Rand- zone den Limburgit II. Am Schlusse der Miocänzeit trat wieder Ruhe ein; sie scheint in der Folge nicht mehr wesentlich gestört worden zu sein. Lang- sam aber sicher arbeiten seitdem die Atmosphärilien und die Erosion daran, das Bild der Oberfläche zu ändern. Sach-Register. (Die Versteinerungen sind cursiv gedruckt. — Die Zahlen der Seiten, welche Ab- bildungen, Profilzeichnungen, Analysen etc. enthalten, und die Tafelnummern sind fett gedruckt.) Seite | ; Seite A. MeADatıe im Tephrite 012225318 Abhangsschutt . 130 lan Asphalt AXXII Abschwemm-Massen . . 2 ...136 | Astarte borealıs . LXXXVII Acidaspis-Bank 283, 304 | » MpullaGestein. . .. .' 33 » horrida = = = 2 .2..305 , Athyris caeresana . 2839, 300 » SDEw er W522, 198 Achnoeystis-Ralk . ... =. . LU Adorfer Kalk . XLV, 158 Agglomerate, Schlacken—.. . . 34* Eelzunorde na. u 20 718 Allorisma Münsteri . . . » . LI| Alluvium 27, 28, 41, 44, 45, 49, 51, 52, 57, 61, 68, 108 » concentrica LI, LI, LVI » macrorhyncha 234, 239, 300 284, 289, 300 XLVI KRAVE, Ka, ut, Im Eve Du > undata . Atrypa aspera . » reticularis » » var. aspera LIlI, 157 ' Auenberger Schichten XLV ı Aufpressungen a = 2... 502 .,.210 Aue im Basanıt 2 en. we... 198 Altglacial XCIV Ammonites bifer XLIV » Bronni. XLIV » COLLAUS 0 ae. 18 » gigas- Schichten XXXL XXXIU | » (Quenstedticeras) Lamberti 12m 198 17 ISmImORSEIder cn de et, LCD Amphipora ramosa X LVE.XTIX Anodonlamspe a lern 62 Antpleurassper 22 2.0.2.0 2 1519) Apatis. im Basanıy m... 2.1980) Se EN ri: » » Nephelinbasalt . . . 16* » » Feldspathbasalt . . . 24* » » Nephelinbasalt . . . 14* » » Tephrit. 2090 al Aulopora serpens . EN, EI Avicula arduennensis . 235, 300 2». lamellosar. :.. 1. n..0.289 » Mariae XLVI, XLVII » pseudolaevis . XXXVIl Ye Veonculatarı wa. se Ve a ea dl Ein ıcHloDecien ul ae ed] 40 Sach-Register. Seite B. Barren-ground Caribou . 133 Basaltblöcke DR ee Basalt, Feldspath— 5*, ee Zn | 8* Basaltisches Diluvium 136, 137 Basanıt 9%, 13%, 102,.2002227,38° Bath 17.19 Beckensande LXI, LXVI » thone LXVI Beckerit. EI. Zus. 206 » Geh. a. Bernsteinsäure 209 » Köttstorfer - Zahl und | Säure-Zahl 211 » Löslichkeit 212—217 Belemnitella mucronata 32, 47 Belemnitessp; 2... een Bellerophon sp. A 157 Bernstein . 25, 128, 19 | » Elementare Zusammen- setzung. Verhalt. b. trock. Destillation 206 | » Gehalt an Bernstein- | säure . Ä 209 » Köttstorfer - Zahl und Säure-Zahl . 211 ı » . Löslichkeit. 212—217 » Schmelzp. 207 » sicilianischer— 210 » in Tropfenform 129 Bernsteinformation 39, 36 » säure, Bestimmung d. — 208 nu, der Wanderdünen lee 1.94 Beyrichia sp. ; 158 Biotit im Nerhelnasdit 167 Bithynia tentaculata LXXXI, LXXXL, 134 Blattabdrücke . LXXXIX Blaue Erde. . . 76 Blockpackung . E , LXVII, XOVII Blöcke, Basalt— rl: Bogenverwerfungen XXXVU Bohrproben, Sammlung der — . 2, 6 Bohrungen 77 aa re 4 » Allenberg Taf. II, 61, 121 » Angerburg Taf. Il, 73, 122 Bohrungen Arys . » Seite ee) Bajohren Bahnhof Taf. II, 9, 120 Bartenstein Taf. I], 64, 121 Bergfriede ee Biesellen Taf. II, 104, 122 Bislaw.- 20.0 es Bölkau bei Kahlbude 30 Bomben bei Zinten Taf. II, 64, 121 Brahethal bei Tuchel 78, 123 Braunsberg , Bergschloss- brauerei Taf. Il, 39, 120 Bündtken 104 Buko bei Tuchel Taf. ], 77.128 Buylien Taf. II, 72, 122 Cassuben. 2 wa Christburg 103 Conradstein Taf. 1], 88, 123 Czernewitz Taf. I, 114, 124 Czyborren b. Schwiddern Taf. I, 110, 122 Danzig, Bürgerwiesen Tat. l 28,123 » Fort Kalkreuth Taf. I, 26, 123 » Hundegasse 25 » Am kleinen Holländer 26 » Kobhlensäure- fabrık „4.2226 » Langfuhr, Traindepot 26 » Lünette Wo- beser Taf. I, 26, 123 » Legan, chem. Fabrik Taf. ], 26, 123 » Städt. Gas- anstal« . 26 » Städt. Schlachthaus 26 » Teschner Mühle. . 26 Dinglauken Taf. II, 71, 122 Dirschkeim Taf. II, 33, 120 Sach-Register. Seite Bohrungen Domrau . . . .... 61 » » » Draulitten '. . 105 Drengfurt Taf. II, 72, 122 | Endruschen Taf. II, 71, 122 | Bilehne 20..,..2.%,= 1310 Fort Stein 121 Fort Stiehle b. Pillau 37 Friedenau bei Ostro- metzko2» m. aa 5 94 BEriedlanda 2.020 565. Fritzen Taf. II, 42, 121 Georgenberg bei Ras- tenburg Taf. II, 73, 122 | Glaubitten b.Korschen 64 Gnesen, Infanterieka- - serne Taf. 1, 113, 124 | » Kavallerieka- zu Lauth 46, | serne Taf. ], 113, 124 | » Schlachthof Taf. I 110, 194 » Zuckerfabrik Taf. I, 111, 124 Gottswalde bei Wotz- lat. Grabenhof Taf. II, 44, 121 Grasoinrent ee. dl Gr. Dirschkeim No. 4 33, Taf. 1, 30, 123 | 120 | » » ES) 83, 120: | » Holstein "2 .0.2.749 » Karschau ae] »* Klonıa Tall. 18,123 Grünfelde b. Frögenau 105 Gumbinnen, Kavalle- riekaserne Taf. Il, 69 » Massenquartier Taf. II, 69 | » Proviantamt Taf. II, 71,122 Hausdent?. v.... 40 Heiligenbeil Taf. II, 37, 120 Hirschberg Taf. II, 104, 122 Hohendorf b. Reichen- bach . Taf., 41, 120 Hohenrade Taf. I, 48, 121 Iusterburg, Kavallerie- 41 Seite kaserne Taf. II, 68, 69, 122 Bohrungen Käsemark Taf. I, 31, 123 » Kalthof, Pionierkaserne b. Königsberg i. Pr. Tat]. 46,91 Karschau . . Taf..11, 49 Kleinhof-Tapiau . . 56 Kl Tasse Fe] Kleinthüringen . . . 42 Kl, Priokhaus, . 2 2.106 Knischin bei Grajewo 110 Kobbelbude . . . . 68 Königsberg i. Pr. Bas- tion Haberberg . 48 » Bastion Litauen Taf.1l, 4%, 121 » Bastion Pregel Taf. II, 49,:121 » Fort Lauth Taf. II, 46 » Gefängnisshof . 46 » Vor dem Branden- burger Thor . . 48 » Kürassierkaserne 46, 121 » Massenquartier Mühlenhof . . . 49 » Nasser Garten . 48 » Neurossgärtener Schulstrassse . . 46 » Nordstrasse Artillc- riedepot Taf. II, 46, 121 » Städt. Schlachthof Rosenau . . . 49 » Unterhaberberg . 49 » Vorderrossgarten Taf. II, 47, 121 » Wrangelstr. Taf. I Korschen Meierei . . 65 Kosseae. Zend Krausendorf Taf. II, 73, 122 Labiau Tal. 1, 442121 Langhöfel Taf. II, 63, 121, 123 Letzkauer Weide Taf. I, 30, 123 Lipinice Tal), 462.123 Lötzen, wa I. 2. ‚Io 42 Sach-Register. Seite Bohrungen Lokehnen bei Zinten. 39 » Lubanenı ef Lyck 5 . 5 9 & 5 1 l 0) Marcushof bei Rück- torth are 40 Marienburg Gymna- sium . 1a}, 132.193 Marienthal bei Kahl- bude' 7 080 Marienwerder Artille- riekaserne Taf. I, 89, 123 Memel, Neuer Markt Tat. 221215216, 120 » Neues Postgebäude Tara 120 Mittelhufen em 245: | Mohrungen , platz 103 > Bahnhof 22 772104 Markt- Mühlen, Bahnhof . . 105 | Nasurren ee Neufahrwasser, Schleusenstrasse . 27 Neuhäuser Schäferei 37, 120 » Seebad Taf. I, 37120 Neuhof bei Alt-Krzywen Tata. 109,122 Neu-Kussfeld b. Hirsch- feld =. See gee 4] Neuhof-Lasdehnen Taf. I, 73, 122 Nickelswalde Taf. I, 29, 123 Nodems Tarall,235, 120 Ober-Brodnitz . . 23, 123 Obornik LXXXIV, LXXXV Osterode Taf. II, 104, 123 Passenheim . Taf. II, 106 Perwilten Taf. IH, 37, 120 Pillkallen nee Poln. Cekzin Taf.1, 78,123 Faf. 211,48, 121 | Ponarth . Pr» Stanpara 0 2 22.2871 Prowehren, Genossen- schaftsbrauerei . . 45 Quednau-Beydritten Taf. Il, 46, 121 » Seite Bohrungen Rahnau b. Pr. Holland 41 Ramten bei Waplitz Taf. I, 89, 123 Reussenhof bei Hein- richswalde Taf. Il, 21, 120 Rhein . „ #2. m 2105 Röbel . „or Se Röschken b.Bergfriede 104 Rössel, Meierei Taf. II, 65, 121 Rosko .: .; „esse Sangershausen.. . 02] Schanwitz bei Guten- feld -.. .. Tat 11.050, 2121 Seharfenberg 7 27.220733 Scharnow. .„urmm en Schmerblock Taf. I, 31, 123 Schönrohr Taf. I, 28, 123: Schönwalde bei Neu- hausen Taf. Il, 47, 121 Schorellen Taf. II, 75, 122 Schwetz, Evangelische Kirche Taf. I, 90, 123.125 » Irrenanstalt Taf. I, 90, 123,125 Sensbure . ".' 4292108 Siesslack bei Lands- berg: .: Tree Sobliowitz . . re] Sporthenen Taf. Il, 41, 120 Stallen bei Dönhoff- stadt WR 65 Stolp i. P., Invaliden- haus: „Taf. W,22231249 Strassburg, Westpr. Taf. 1, 105, 124 Sudan... iu ı „on ats Tapiau,, Besserungs- anstalt Taf. Il, 50, 121 » Gärtnerlehranstalt Tat. 1.9752 21 » Wasserbauinspection 57 Thorn EI. Taf. I, 95, 123 » :EH Tai, 9523 >» L Tal I Voigtshof bei Seeburg Taf. II, 106 Sach-Register. Seite Bohrungen Waldau Tar..il, 48,121 » Warnicken Taf IH, 34, 120 | » Wehlau Taf. if, 61,121 >» Wiedern . Taf. HI, 72, 122 Weichselmünde Taf. I, 27, 125 Wesslinken b. Plehnen- dorf » Widminnen Taf. Il, 106, 122 Wierschutzin Taf. I, 23, 124 » Wilken bei Hohenstein 105 » \Wotzlaf .. Taf. I, 30, 123 Bomben ım Diabastuff . XXXVl Brauneisenstein 1 Braunkohle LXAXIV, LXXXY, XCl, 284.24, 86,17, 18, a LIT. 119, 127 | Braunkohlenbildung . . 26, 111—113 -flötz . LXXXVII -grube Buko b. Tuchel » » Taf. I | -formation LXXXIV, » Taf. 1, 28, 123 | LXXXV » -gebirge LXXXVIM » -quarzit LXXXIX, XC » -schlucht LXXXVIII, LXXXIX | Bruchberg-Quarzit 155 Brünchenhainer-Schichten . 279, 230 Bryozoen 100, 103 Buchiola OR URHG XXXVl » palmata . XLIl » retrostriata . XXXVI Buntsandstein DC 6 Calamopora polymorpha LI » spongites LII, LII Cardiola angulifera 158 » cf, gibbosa . 146 » interrupta 151, 152 » cf. migrans . 146 » retrostriata . LVII » Spa 3 1507153..158 » ren 190..153,.159 Cardium edule . 103 | Caribou, Barrenground- 133 COedarit 45 Seite ‚ Cedarit, Vorkommen des — 2ET » Geh. a. Bernsteinsäure . 209 » Analyse. El. Zus. Verh, bei d. trock. Dest. 203, 204, 206 » Köttstorfer-Zahl, Säure- Zahl ee » Löslichkeit 212—217 » Schmelzpunkt 207 Cenchridium dactylus 2) Cenosphaera OXGI Ceratiocaris . XXXVI Ceratites nodosus 9 Cerithium cf. Ahlemense . XXXI | » sp. 15 Cervus elaphus . Ei 134 » tarandus 129, 130, 131, 132 » sp. LXXIX Chaenocardiola . 160 Chirotherium-Sandstein . . . . 6* ı Chonetes dilatata 197, 298.300 » gibbosa 293 » minuta er » plebeja 284, 299, 300 » sarcinulata 157, 284, 299, 300 » SUSE 805 Clymenia annulata xuv » delphinus XXXVI » laevigata . XLIV, 158 » striata XLIV » subarmata XXXVI » subnautilina . XXXVI | » sulcata XXXVI Olymenienkalk . 155 Coblenzqnarzit . 304 » -schichten . 300 Coccosteus carinatus . XLU Copal, El. Zus. ) 206 » Köttstorfer - Zahl, Säure- Zahl . 211 » Löslichkeit 213—216 Schmelzpunkt 207 Coniostylis prismatica 100 Oorbula- Mosensis-Schichten . XXXIH Cornbrash 17, 19 15 199, 226 | Cosmoceras sp. 44 Sach-Register. Seite Seite Oraniella cassis 984, 299, 300 | XXXVIL XXXIX, XLI, XLILI, eemeiden | 151 XLV, XLVI, "XLVvin, LIX Cryphaeus laciniatus . .„ 285 | Devon, Unter- XXXIV, 144, 156, 159, Cucullaea Hardingü . REN; . 278, u Culm ©... XXX ao .9: | Diabas, Derizs =. Cupressinonylon sp. x0 Diabase (proterobasartig) ’ AXXV Cyathophylium aquisgranense XLVIII Daun - XCL ACH 273 » ceratites EL Diety Oderen = » quadrigeminum XLV], Dill-Maulde } a LI, LIU, LIV | Diluvialfetzen zwischen Tertiär 4 sp. Eu EN und Kreide Be 9. Oyphaspis hydrocephala . 139. 3) Diluvialkohle . XCV, 14, 19 f sp. 905 Diluvialschotter a Uypricardinia crenicostata . 257 | > Wälle. 281, 234, a RG e | ’ 2 > 256 | Diluvium.10,.1%, 14, 19, 2,03 20) » Halli 2-7 | 41,492,44=51. 58,61, 63- 65,08. © > indenta 287 | 84, 87, 90, 103, 110, DA, ee, » Kochi, Taf. V, Fig. 1, 2, | Diluvium, basaltisches — 136, 137 236, 300 | » dolomitisches — 139 2 lamellosa 287 » einheimisches — XXXI » Dlanulataen I. 287 | 5 nordisehes — XXI » Sandbergeri . 257 | e: Ober 240 » scalaris 237 Diopsid 36* Uypridina serrato-striata DS) Ds9r sp. 147, 285 Oypridinenschiefer XXXV, XL—XLIV 0 15 | . ALV RIN TH Dolabra Bu ' Dolomit von Hillesham SEN Dolomite, Korallen- . XXXI Dolomitschutt 138 Uyprina islandica . LXXXVII Oyprinenthon et) Cyrena rugosa . XXXI Oyrtoidea . EXCEL Oystidea . 147 D. Dalmaniten . 13 Dalmanites sp. . 187, 155— 160 Deeruska . 151 Deckdiabas . XXXVIı Deckschalstein . XXXVI Deckthon .. Br CH 261 Densberger Kalk 145, 146, 148, 154, 278, 25 Dentalium : Devon, Hereyaehes ae : 156 » Mittel- XXXIV, XXXV, XL, XLIII, KEAT, X ENTE 159 » Uebergreifende Lagerung des Mittel- — XXXVII » Ober . XXXV, XXXVI, DreissenapolymorphaLXXXVIII, 44,118 » sp. LXXXI—-LXXXIU Druck, Gletscher-- LXIHI, LXXXIX Drumlins LXXVI, 163, 167—177, 184, Taf. VII Drumlinlandschaft 163 Dünen SERCNT | Durchboeahal LXXVIl Durchlass LXX | Durchragung LUX VII, LXXXVI, | XCVII, 46, 150, 192 ‚ Durchragungszone . .+ LXIM » -züge LXXVII, 181,..243 E. Eimbeckhäuser Plattenkalke . XXXIL XXXIL, XXXIV Einschlüsse, DER — im Schalstein . 2 KR Sach-Register. Seite Eisenkiesel LI » -stein PAR » » -lager . XXXV » -spilit . XXXVI Elberfelder Kalk XLIX, L, LI, LIII, LVI Elephas primigenius . LXXIX sp. . 194 Emscher . 192.102 Encrinus lilüformis I LXII, LXX, LXXIV, XCVI, 244, 974 Endmoräne . » Angermünder — . LXI » Beyersdorfer — . LXXI » Dölziger — LXVI, LXVI » Fürstenwerder- Boitzenburg - An- germünder— . LXXI » Hanseberger —. LXVI » hinterpommersch- neumärkische — . LXX » Neustrehlitz-Joachims- | thal-Choriner — . LXX » Östpreussische —, Taf. VI, 250, 253 » Schönermarker — LXXIII Endmoränenartige Bildungen. . LXX Entomis serrato- striata XL Equus caballus . LXXIX Exogyra virgula- Sokichten., . XXXII FE. Faltungsthäler . LXXVII Fammenien . XLVII Favosites . XXxVI, LIV—LVI Feldspathbasalt in Basanit 197 » le 20 26, 98 Fenestella 299, 305 Feuersteingeschiebe 70 Flammenthon, Posener — LXXVIT, LXXXIU—LXXXV Flaserkalke . XXXIX, XLII, XLIII, XLVIl Iiexur wege ul, L Flinz . LIV—LVI Flinzschiefer LVU Flugsand XCV Frasnien . X VIE | Seite G. Galmeibera nn a 3: Me L » -lager LI Gas, brennbares — aus Bohrloch 39 Gault . u ae 189 Gedanit. El. Zus. Verh. b. trock. Dest. . SER Ze 206 > Köttstorfer zu Säurezahl 211 » Löslichkeit 212 — 217 » Gehalt an Bernstein- säure . 209 » Schmale 207 Gehängelehm 136 Gehängeschutt . 136 Gephyroceras intumescens XXXV], XL, XLVII » sp: » . XXXVIL XL Geschiebemergel xXCIX » Oberer — . LXXX, LXXXVI » Ob. u. Unt. — 262 » Rother — 53 » Unterer — LXXXIl Geschiebewall 2315 259 Gestängebohren . . . 2... 5 Gladenbacher Kalke . 280 Glas im Basanit 192 »» Keldepaikhazalt 25* » » Limburgit 21° Glessit 209 Gletscherdruck . LXIM, LXXXIX Glimmersand LXXXIV, LXXXV, 23, 24, 127 Goniatıten | . LIX Goniatites cancellatus BERKAN Goniophora applanata 258, 301 » Schwerdi Taf. V, Fig. 3—5, 258, 300 » trapezoidals . XXXVII Grammostomum Po ch N 99 Grand, Oberer — . LXXXVIl Graptolitben . 146, 150, 151, 153 » -schiefer . 191, 278 Grauwacken 145 Grauwacke, Hundshäuser — . 161 Grauwackensandstein d. Ortberges 147, 148, 278 46 Seite Grauwackenschiefer . 145 | Grube Amanda RL » Breiniger Berg XLVI » Caroline BEXKRNV: » Eisenfeld XL] | » - Ferdinand . DER LI » Martha . Be XL » Neuberg XXXVI » ÖOberndorfer Zug BREI | » Philippswonne XL » Rosa. XXXIX Grünsand ERXrG 928 Grünthon Grundmoräne 164, 274 Grundmoränenlandschaft LXI, LXTIU Guttulina turrita 33 Gwildener Schichten . ee 20) Gysi AR Or LS H. Haplophragmium pseudospirale 40 Harz, fossiles ee 199 » in Braunkohle 1 2) Hauptquarzit 982, 301 | Thorn-Eberswalder — LXXVIl » Warschau-Berliner — LXXVII Hauptthal, Heersumer Schichten XXXlI Heliolites porosa - Ey Hercynische Knollenkalle 159 | Hils e 141 Hilsmulde 139 Hipparionyx proximus 297 Hölzer, versteinerte . LXXXVI Hornblende im Tephrit. 28° Hypnum trifarium 107 » sp. 107 lberger Kalk XXXIX Ilsenburgmergel Taf. XXIX,XXVI-XXX Inoceramus sp.. . ee 2 Interglacial LXXX/ LXXXI, XCIV, XCV, 61, 68, 108, 118, 131, 134 » Könie border — 56, 62, 69 » e Süsswasserschichten 45, 48 Intumescenskalk RL » -stufe XLIV 48 | Sach-Register. Seite I: Jura XXX, XXXIH, 10, 2792733: 17,-18; 100, 119,220 725 >» brauner — . XXXI ». . Jittauischer — . !, We 2 2 20 K. Kalk, Actinocystis — . LIL . XLV, 158 ) Adorfer — . Densberger — 145, 146, 148, 154, 278, 280 » Einbeekhäuser Piatten — XXXI, XXX, XXXIV » Elberfelder — XLIX, LI, LII, LVI » Flaser — XXXIX, XLI, XL, XLV1I » Gladenbacher — . 280 » olberger XXXIX » Intumescens — XLIV » Knollen — XXXV,XXXVLXLV XLVIL, 159 » Kohlen — . . XLVIII » Korallen — XLIX, LV, LVI » Massen — XLIX » Nieren — SR » Purbeck — XXXlI » Riff — KLNVSEN » $.:hönauer — 159, 160 » Spongophyllum — . LII » Stringocephalen— XXXIX, XLV, XLIX Kahlebergsandstein 300 Kalkfreie Einlagerung im Dil xXCV Kalkgeschiebe . 259, 263 Kalkschutt 138 Kalktuff . xXCH, 87 Kelloway . 10, 13, 13,477. Keuper 5°, U0F Kieseleallsnsstädfer a Kieselschieferr XXXVI, XL, XLIII, 145, 146 » -Knollen 149 Kieselschwammnadeln . XCl Kimmeridge . Br xXXXlI Knollenkalk XXXV, XXXVI, XLV, XLVII Sach-Register. Seite Knollenkalke, hereynische — . 15) Köttstorfer Zahl der Harze all Kohle, Diluvial — ORION. 419 Kohlenkalk . . XLVIIl Korallendolomit XXXI » -kalk .XLIX, LV, LVI » -oolith . XXXI, XXXU Kramenzel LVIII Kreide XXX, 22, 28-32, 42, 44, 48, 68, 69, 71, 74, 94, 96, 98, 99-101, 115, 119, 120—125 Kreideformation X, 26 » -mulde, Gronauer — 133, 139 Küstenlinie, Senkung der — . 115 Kugelsandstein . 16 1ER Lagerungsverhältnisse am Kreuz- berg i. d. Rh Taf. IX, 10* Lamberti-Thon 1 Lateritische Rothfärbung diluvialer Thone . 53 | Lateritische Rothfärbung des Bo: sener Thons . 12 Leda Deshayesiana LXUI Lehm . we 141, 142 » -Gehänge —. eb Lenneschiefer XLIX—LIV Lepidotus XXXIl » -Oolith XXXII Leptymoconcha sp. . 151 Lettenkohle . 210: Lias XXXlI Lima striata 2 er Limburzit 55, 13%, 9% 23%, 38% Limnaeus auricularius 134 Liosphaerida RXEI Localmoräne Er Lösslehm . XXI, XXX, 141 Loxonema 157, 158, 305 Lunulicardium . 150 M. Mächtigkeit, grosse — der Ge- schiebemergel Mächtigkeit des Dil regional verschieden 66 72 | 47 Seite Maeneceras terebratum ee ER] » SE LRNXYV Magnetit im Nephelinbasalt 16* » » Basanit . 19* » » Tephrit . a, 0 Massenkalk . XLIX Meeresmuscheln auf secundärer Lagerstätte XCV Mergel, Münder — XXXI Michelbacher Schichten 159 Miliolina seminulum 40 » subrotunda . 40 Miocän LXVII, LXXXIV, LXXXV, 23= 20,288 31, 35, 37, 38, 39, 44, 46, 47, 49, 73, 76, 93, 101, 1.19, 120-124 Dlodiomorpha Siegenensis XXXVII Monograptus ; Se 147, 150, 151 Moor S i 67 ı Mooskohle, Diler —. 107 ı Moränenlandschaft LXXXVI, 192 Münder Mergel XXXlI Mulde, Allendorf- Ehringshäuser — XXXIX » Braunfels-Wetzlarer — XXXIX, XLII, XLV » Dill — . 219 » Bils —. 139 » Kirschhofener — XLV » Lahn — . . 279 » Limburger — . XL » Odersbach-Ahäusener — . XLV » Weilburger — XXXIX, XLI, XLII, XLV Muschelkalk a | » „ gerutschter — 137 Myalina i 151 Myophoria hr 32 N. Navicula . ; “62 Nehdener Schreien, XLVII Nemertites i 250 Nephelin im Basanit . 19* 16* 21 » » Nephelinbasalt » » Tephrit 48 Sach-Register. Seite Nephelinbasalt 5*, 13%, 17*, 22°, 38* Nereites 280 Nierenkalke . X Nodosaria monule Ss) » SDIh.t u Pe.” Nonionina depressula. . . .. 8% » » var. orbicu- | lamıs a, BE Nosean im Tephri ee Nucleospira lens Fe: 289 » » var. marginata 289, 300, Tat. V, Rie2s 12,303 » marginata 239 Ö. Oligocän 27—29, 31, 43, 46—49, 64, 119, 120.2123; 125 » Mittel — EXIT » Unter — XC, 33, 35, 36, 39, 50, 104 Olivin im Basanit 1 102 > » Feldspathbasalt . EN » » U m Ze 0 Oolithbank . . . Bo » Korallen — XXxL XXXI » Lepidotus — XXXI Örnatenthon XXXI Ortberg-Grauwackensandstein 147, 148 278 Orthis dorsoplana . 295 » lodanensis 295 » Triangularis . ae: 2295 Dass, LI, 295, 300 Orthoceros sp. 2 >05 Orthoceraten . . 146, 151, 157, 153 Orthotetesv Iıpponyo nr 2 » umbraculum 284, 297, 300 Ostracoden' . Won 40 Oxford IS, 43 P. Paludina diluiana LXXXIIL, 55, 56, 68, 134 DE sp: . LXXXIL LXXXII Patrocardium sp. 150 Bentacrınus Agassızı 2 2 22727105 Seite Pentacrinus pentagonalis . . . 16 Pentamerus galeatus var. laevis . LVI Pflanzenreste 147, 148, 154, 157, 279 Phacops granulatus LVU » sp. 187, 159, 160, 284, 301, 303 ‚ Philippsastraea ananas XLVI, XLVII » Sp .„ AXAVL REIN Phosphorite LXXXVIL 256 Picea excelsa . . ee Pisidium amnicum LXXXI- LXXXIT, 134 » pusillum . 154 » Sp LXXXVI, 68 Plagioklas im Feldspathbasalt 24*, 25* » » Tephrit, „eg: Planorbis laevis 134 » marginatus LXXXITL XXXIl Planularia 'ampla, . 7. me » depressa . 2. 2 Sen » turgida 20 ed Plattenkalke . XLU » Eimbeckhäuser — XXXI, XXXI, XXXIV Plattenschiefer . 147, 280 Platyceras 3 285 Pleurodictyum Peträ tn A » Selcanum“ . Pleurotomaria Scheffleri . 305 Pönsandstein . XLVNI Portland . XXXII, XXXIV Porzellan Sa: re un Posener Soplaenthon RN) » Thon 98, 105, 111, 212, 75, 119,123. 124 Posidonia venusta XLIV, XLVI, XLVIII, LVII, LX158 » Sp. #7... m ar en Praeeardium =. .: .... 15307560 Praeglacial 154 Praelucina . . ee Productus ee Bl Proetus orbicularis 305 » sp. Bee 160 Pseudomonotis echinata 16, 17 - Pterinaea costata 285, 300 » SP. 157 Sach-Register. 30. 49 Seite Rhynchonella bifida 157 > cuboides XLVII, XLVIII, LVI » daleidensis 157, 294, 300 > Goldfussi . LVI » Gosseleti . XLVII » Henrici . 295 » Wilsoni oviformis . LVI > parallelepipeda var. pentagona ENT » pila . 294, 300 » princeps 159 » Sancti Michaelis 234, 295, 301 > subcordiformis . LVI » varians . Bes » sp. 295, 300 . Röth ee. t: Ziee Rotalia beccarü var. lucida 40 » globulosa . 39 » umbtlicata . 99 Seite Pteronites bilsteinensis XXXVII Puella . 151 Bupal 2» nu 2 Purbeck-Kalke . XXXI Purmallener Mergel . 102129 Pyenodonten XXXII Pyroxen im Feldspathbasalt . 24” Q. Quadrigeminum-Schichten LIT, LII (Juartär 120— 124 Quarzporphyr-Einschlüsse im Schalstein . ee RRREV, Quarzsand zur Porzellanfabri- kation . er Quarzit Rn SD ARRNG » Braunkoblen— LXXXIX, XC » Bruchberg — 155 » Coblenz — 304 » Haupt — 282, 301 » -sandsteine . XXXV » -schotter 131 » -schutt . 137,188 » \Vüstegarten — 148, 158, 154, 278, 279 Kothbunter Posener Thon 111—113, 119 Rotheisenstein . : . XLI Rothfärbung diluvialer Thone 53 Rumänit, Geh. an Bernsteinsäure 209 » Köttstorferz., Säurez. . 211 » Löslichkeit 212—217 » Schmelzpunkt 207 Rücklingschiefer 149, 153, 154 278 S. Säugethierfauna, Rixdorfer — 134 Säurezahl der Harze. 211 Sande, Becken — LXI, LXVI Quellen LXXXVI, 7° Quenstedticeras Lamberti . 12, 15, 17 Querstörungen . = El » -verwerfungen AXXVI R. Radiolarien . . XCI Ramosabänke XLVI Rangifer grönlandicus 133 | » tarandus . 133 Receptaculites Neptuni XLVI Rensselaeria strigieepe XXAVIl, 302 Renthier 3 229 Retiolites Geinitzianus 151 Retzia novemplicata 305 Rhinoceros Sp. . LXAIX | Riffkalk . BIN EV Rinnensande . LXI » -Seen 202 » systeme LXIV » thalartige — . . LXVINI Jahrbuch 1896. » jungglaciale — 274 Sand, Oberer— LXXXVII, XCIX, 246 257 Sande, unterdiluviale — BEA ı Sandr . LXIII, XCVII, 270 » Angermünder — ER] Sanidin im Tephrit 28* Schalstein XXXV, XXXVL XL, XLI XLII, XLIO » älterer — XLV » Deck — . .XXXVlI » jüngerer — XXXVL, XXXIX [4] 50 Seite Schalstein, Quarzporphyr-Ein- schlüsse im — . XXXV Schaumkalk . 3 9“ Schichten, Am. gigas — XXKL, XXX » Auenberger — . . XLV » Brünchenhainer — 279, 250 » Cardiola — . 150, 153, 15) » Corbula Mosensis — XX XII » Coblenz — ; 00 » Exogyra virgula — XXXII » Gwildener — =_..20 » Heersumer — XXI » Michelbacher — 159 » Quadrigeminum — LII, LIll » Schiffelborner — 148, 279 » Siegener —. . XXXVIII » Speciosus — 22,304 » Torınger LII, LIII » Urfer — 148, 278, 279, 280 Schiefer, Cypridinen — XXXV, XL— XLIV » Flinz — LVII » Graptolithen — . 151, 278 » Grauwacken — 145 » Kieselgallen — n0.,152 » Kiesel — XXXVIL, XL, REINE 146,149: » Lenne — XLIX—LIV | » Nehdener — . XLVI » Platten — . 147, 250 » Rückling — . 149, 153, 154, 273 » Tentaculiten — . . XXXV » Wissenbacher — . 305 » Zorger — 29309 Schiffelborner Schichten 148, 279 Schlackenagglomerate Sal Schlagende Wetter in Dein. grube . - 36 Schlick, holz- End har 222 » Pregel — 51 Schmelzwasserrinnen . DT Schönauer Kalk 159, 160 | Scholle 32.93 » im Diluvium . 104 Schotter . XXVL XXVIL 141 » -Jehm . XXVI—-XXX Sach-Register. Seite Schottermergel XXVI, XXVII, XXIX, XXX Schuppenstructur . XXXVU Schutt ; 158 » Dolomit — 138 » Gehänge — ., . 136 Schwerspath XXXVI Seenrinnen, Alter der — Cl Seilbohren . . . ee 5 Senkung der Kuctänkens 118 Senon 22, 34, 42, 46, 47, 49, 50, 52, 61 » Unter — 75 Septarienthon, Posener — . 85 Serpula tetragona . in Serpnlit ARE XXXI Siegburgit. Köttstorfer-Zahl. Säure-Zahl . 211 Löslichkeit 213—216 > Schmelzp. . 207 Siegener Schichten RI Silar XXX VIIT, 144, 153, 155, 278, 280 » Ober — 2 159 Soole 87, 91, 92, 114, 116 Soolquellen . 125 Sphaerium sp. 1,400 | Sphaeroidea . „ACH Specialfaltungen . XLV Speciosus-Schichten ? 304 Spirifer arduennensis. 24, 290, 300 » auriculatus . 2.0304 » carinatus . LIl, 292, 293, 300 » concentricus . SENT » curvatus . . 252.292, 200 » Decheni 157 » distans . XLVIII » Hercyniae 137, 139, 160 hystericus . XXXVIIl, 292 » Ilsae 157 » intermedius 290 » laevicosta . LII » lens . 239 » Malaisi XLVI, XLVII » mediotextus ‚BE » Mischkei . . 291, 300, 303 157 » Nerei . By) . 284, 290, 300 » paradoxus Sach-Register. Seite Spirifer simplex . LVII » speciosus . 290, 304 » subeuspidatus . LIL, 254, 291 » > var. alata . 292, 300 » undifer 293 » undulifer Taf. V, Fig. 6, 7, 293, 300, 303 » Verneuli . . XXXVI, XLV], XLVII, XLVIII » sp. . 305, LVI Spiriferensandstein 284, 308 Spongilithis gigas . 100 Spongophyllum-Kalk LII Stantienit. El. Zus. . 206 » Geh. an Bernsteinsäure 20) » Löslichkeit . 212— 217 » Köttstorfer-Zahl. Säure-Zahl 211 Staumoräne . XCVII Stausee . LXXVl Steinsohle 125, 129 Streptorhynchus umbraculum LIL, 157, 159,291 Stringocephalenkalk . XXXIX, XLV. XLIX Stringocephalus Burtini XXXV, XLVI, LIIE LV, LVI Stromatopora polymorpha . LIU, LVI » Spas XLIX, LIV Strophomena piligera . 3 234 » » var. hercynica. 296, 300 » rhomboidalis . 157, 15), 296, 300 | » Sedgwickt . 296 Styliola laevis 159 Styliolina laevis 305 Styliolinen REINE EN SLVI Süsswasserablagerungen des | Weichseldelta . . . 2... 41 Süsswasserconchylien LXXX | » diluvial | Süsswasserdiatomeen . . XCH Süsswasserkalk . XOIT, 223,76 Süsswasserschichten, interglaciale — 45, 43 99 | 51 Seite Ir Tagebau, Rinkenbacher — .XXXVl Tenka . 151 Tentaeuliten . XL, XLI » -schiefer . . XXXV Tentaculites tenuicinctus . XLIL, LVI Terebratula vulgaris . Se, Terebratulina chrysalıs 100 » gracilis i 101 Terrass: n LXXVI, LXXVIU, 273 Tertiär XXXL, LXILl, LXVI, LXVIIT, ERKXIR OL 9599 10>, 110, 115, 127 Tertiäres Diluvium 138 Tertiäre Letten 82 Tertiär-Quarzit. a 58 Tephrit 9,8132... 26%, 39%, 38* Textularia acieulata 99 » dilatata 99 > globosa . 99 » leptotheca . 99 » linearis . 99 » Pachyaulax 99 Thal-Cireus . s LXV » -gefälle, Umkehrung der — XCIII » -anfänge LXX » -beginne LXV » Durchbruchs - LXXVI » Faltungs — . LXXVIM » -grand . LXXVII, 191 » Haupt— LXXVI » -sand XCIX, 272 » -wasserscheide LXX Tiion, Becken — . LXVI » Deck— . . CI, 261 » Flammen - LXXVIL LXXXIII, —UXAXV » -mergel . 127 » aufgepresst 266 » jungglacial 275 oberdiluvial . LXXXVII » Rother — . 53 ' Thon, Posener — 98, 105, 111—113, 119, 123, 124 » -schiefer 145 [4*] 52 Sach-Register. Seite Seite Thon, Tertiärer — . . . . . 34* V. » -Thorner — ..2.....%. 98 | Valvata piscnahs . LAXXISTRREIE » Wehlauer — 53, 56, 59, 60, LXXXVII, 40 118: » » var. contorta . 154 » Yoldien - . LXXXVIIL, 40 » sp... LXXXxVI, 56, 62, 68 Tiefenmessung der Bohrungen . 5 , Verkieselungen . . XXXVII, LI Torf, diluvialer — als Scholle . 135 | Verwerfungen XXXI, XXX VI Torfmoor; +...) rain, 2 Toringer Schichten LI LI ; ER: no Tornoceras globosum . RENT Wälle, diluviale — 231, 234, an | 2) » ozyacantlıum XLVI,XLVI Wallberge . ..... E ? 15 BUCBm UN { ALII | Wallsteine „0 zen me : simplex i . AL, XLVI Walchowit, Köttstorfer - Zahl, » Verneuih . XLVI Säure-Zahll . es >» 8. XXXVIı > Löslichkeit. . 213—216 Trapa natans . . . 2... Al » Schmelzpunkt . . . 207 Trias . XXX, I, D2194,125 Wanderdinen . 2 2.2.2.2. 19 » Gehängeschutt der — . . 136 | Wasserführung. . ., . zu razıe Trochitenkalk.. .. seems 98 | ».. ‚“horizont: .. 0 2m ee Trockenthal. . . 2 2 2.2...258 | Wehlauer Thon 53, 56, 59, 60, 118 Tropfenform des Cedarit . . . 199 | Wellenkalk . .:. . I Tropidoleptus carinatus . . . . 302 Wetzschiefer . XXXVII, XL, XLIII Truncatulina lobatula '” 2% „. 40°) Wiesenkalk . . 2. em Tuff des Diabas RR NVL. » -mergel . . Al51o2 Tuffe, vuleanischer . 30*, 34*, 35%" Wilhelmine, Eisensteinlager . XXXV Turon. . . 2... Ber 102 |. Welsonia wila : 294, 300 Wissenbacher Schiefer . . . . 305 U. ı Woodland Caribouu . . . . . 13 Uebergreifende Lagerung der Cy- | pridinenschiefer „XL, XL Uebergreifende Lagerung des Mitteldevon Ber ROSEN Uebergreifende Lagerung der Oberdevonschichtten . . . XLV Ueberschiebungen . XXXVI, L Uncites gryphus RENT, LV Dmiossp. . 40, 56, 57 Urfer Schichten . 148, 278, 279, 280 Ursus=sp: in. a. rd | Wüstegarten-Quarzit . 148, 153, 154, 218, 219 Y. Yoldia arctica . LXXXVII Yoldienthon . LXXXVII, 40 2. Zechstein, Oberer . € | Zirkon im Tephrit . ... ..2 22 Zorger Schiefer . .. 2 u 303 Orts-Register. (Die Messtischblätter sind gesperrt gedruckt. — Die Zahlen der Seiten, welche Abbildungen, Profile etc. enthalten, und die Tafelnummern sind fett gedruckt.) Seite A. Aachen XLVI, XLVIIOI | Eon Sec ee. 26 ı Acker . AR = 282 » -Bruchberg . 282, 299 7 Adlershorst . LXXXVIL LXXXVOI Alberta 217 Albshausen . ol. ET Allenberg a » -dorf . XLIII »» SFR hand Mulde XXXIX Alt-Falkenberg SE RXEN Alt-Grape LXXIII, LXXIV AltKrzywen . ... 0. .......109 Alt-Mertinsdorf = 292 Skesschläge . . ...... 2....13* Altssehlaoe 3. >. ..2..% 1.2189 Amanda, Grube — 270 Ammensen . XXXU Andreasberg 288, 300 Angelburg XXXVIl Angerburg 9,.119.122 Angermünde LXI, LXII, 187 Annaberg XCV Apricke 5 LIX, LX DIENSDErEram. un 2 Arnswalde . LXX, 169 Artung-See . 262 BYE 0 a a ee ET RO Seite Ascheffel . . XCI Assiribay 217 Astberg 283 Xovu, XCIX, Cl Aweider Sce D. Baarthal . eur Babienten XCVI ı Babienten er | » -fuss. XOVII-XCIX Babin . 5 . LXXIII Backofenberg XXVIO, XXX Bärengarten : 283 Bahn. LXXII, LXXV, 1S0, 181 Bahn LXXII, LXXIV Bajohren . 29,9, 19,120 Ballersbach XXXV, XXXVI, XXXVII, 279 Barspfuhl . LXXII Bartenstein . . 64, 65, 121 Basenthın Sam ee Bauernbusch . LXXII Beelitz LXXII, LXXIV Belgaslı ee ee ee lg Belgen LXIV Bellin . LXIV Belliner See LXIV Bemberg . A 99° Berent LXXXVI Orts-Register. 54 Seite Bergfriede 104 Bernbachthal 12416: 158 Bernickow Ä . LXVIII Bettelmannsbrunnen . 5” Beuerbach XXXVI Beydritten . 46, 121 Beweringen . 175, 177 Beydychowo LXXVI Beyersdorf LXVIIL, LXXI Beyersdorf LXXI, LXXN Bialla . ER 110 Bicken XXXV, XXXVI, XLII Biedrusko LXXA]I Biesellen . 104, 122 Bilveringsen LVIM Binsfeldhammer XENVTI Bischoffen 22980 Bischofsheim 1 Bischofswerder . 102.125 Bislaw 87 Blankenburg 305 Blotnick . 168 Bocksberg 304 Böhmen re: 152 Bölkau bei Kahlbude 0) Bogdanowo . = ERAAX Bomben bei Zinten 64, 121 Bomblin . LXXVI Bonbaden . RXXIX. XLI Bottenhorn . XXXIV Bottowen 2532, 256 Brahe . ee ll 8,.82 Brahethal bei Tuchel 123 Braunau . 149 Braunfels . XXXIX Braunfels { i XLI. 280 Braunfels -Wetzlarer Mulde XXXIX, XLIN, XLV Braunhansenwiese else Braunsberg . 39, 120, 125 Braynicker See 264 Breicig XLVIl Breiniger Berg XLVI » » Grube — . XLVI Breitenfelde . 179 Bremsteinköpfchen LVI Brentau . Britz ' Bromberg Broniewo Bruchberg-Acker . Brücksee . Brünchenhain Brüssow Brunsen . Bucez Bündtken Bürgerwiesen bei Danzig , Büsbach . A. Buko bei Tuchel Taf. Il, 77, S3, 86, Burdungen . Burdunger See. Butterfelde . » -Mohrin Buylien Seite LXXXVII 131 113 101 2832; 299 LXIX 147 187 140, 141 168 - 104 28 XLVH 123 264, 266 264 LXV LXV . 72, 122 Caldern XXXV, 279, 280 Canada . 4 Carthaus . LXXXVI Cassuben 75 Cedar Lake . 218 Ciechoezinek 100 Gilly XXVI Chemahavin 224 Chlapau . XCI, XCIl Chludowo LXXX Chorcholalka 268 Christburg 103 Coblenz a | Colbitzseee . . ..- 2... 0 Conradstein . : 88,123 Cornelimünster BR. XLVII Creuzburg . . 2 u. „a Cumberland House . ı.. 227935 Cunow . . 8 0 an. REKEN Czernewiee 2 2... 2.212. 2. 2. Czernewitz .. + 114, 210 225 Ozernikau .... ... 2. SOTEkERED Czerwona niva. LXXVI Czyborren 110, 122 Orts-Register. Seite D. Daber 175, 176, 179 Damerow SE Dankelsheim SUR Danzig LXXXV, LXXXIX, 25, 26, 98, 123, 132 Danziger Bucht LXXXVI Darkehmon . a 2 Dauer . LXXT, 239 Dedelow 157 Deime , el Delms-Mühle LXXIV Delstern . LIT, LIIT, ELIV Dembsen . . LXXXIl Densberg . 146, 147, 149, 156, 158 | Derenthal u & 294 Dewdney Lake. 224 Dietzhölzthal . XXXV Dill 219, 2SO Dillenburg XXXV Dallenburg u . XXXV Dillenburgisceses XXAIV, XXXVII Dillmulde- . . . - . XLVII Dinglauken . ul? Dirschau . alle Dirschkeim . a Dluczek 259.268, 211, >» -See. 232. 260,-269, 270 Dodenhausen ..149 | Dögerode 138 Dönhofstädt. Be 200 Dölzig LXV, LXVI, LXVIl Dolgensee .„ LXIX, LXXIV Dombrowka, Hei e — . LXXVO Domnau in Dorf ; ALVII Dransfeld. 135 | Draulitten 103 | Dreijungfern Holz 288 Drengethal 300 Drengfurt > Driesch Re li) Dröschede BNSEVEN Dschekanka . 2 Dubelno . 131 Düstere Thal 253 5) Seite Dunigen . XXXI, XXXIN Duniger Wald . 139, 140 Dzimianen 76 E. Echte . XXXIU Eckernförde . . XCI Edingen 280 Eggersen . . XXX Eichenwalde er, Eilpe . IL, EIN, DIV ı Eime Ran. + 140 Einbeck XXX, 138, 140, 142 Einlage | ı Eisemroth XXXIV Eisenberg . XXXV Eisenrhand . . . . ee Eisenfeld, Grube — . . XLI Eiserne Krone . XXXVI » Hand XXXIV, XXXV, XXXVI Ekitten 20 Elend . 300 Ellnhausen 280 Elsenau on. Endruschen . 71.1902 Eppenhausen LVIU Erbsloch . 156 Ermland . 252 Erlenrüttengraben 146 Escheburg . XXXV ' Eschenbrunnen . 18* Ennep. ee ee Eupen. XLVI, XLVI Eupoteck See 260, 261 Eyershausen . 139 FE. Farbezin 27 172 Ferdinand, Grube — . XLI ' Feste Courbiere ZREHTERCN Fiddichow 175, 179, 1808181 Fiddichow . LXX1I ' Filehne 110 ‚ Flachsland 191 56 Seite Fordon ; 182 Fort. Stein ARDT || » Stiehle Bol Frankenheim 12% Fraustadt 0 Be 68 Freden . . XXX, 138: 142 Freienwalde . ran 22168 Freudenthal . . LXXXIX Friedenau b. Ostrometzko . . . 9 Friedland Bit 165 Fritzen 42.121 | Frögenau 105 Fuchsberg LXXTII Fürstenwalde XCVl Fürstenwerder 187 Gallberg . XXVULRIBIERRX Gandersheim XXXT, XXXII, 138 Garbenheim i . XL Gardenga XCIV Garde’sche See 194 Garnsee XCV Gdingen . 132 | Geidau 36 Geiskopf . EEE Gelbes Loch 233, 290 Gensdarmendünre . 195 Georgenberg 3.192 Georgenburg EN Gewänn . XXXV Giessen 280 Gillau . 260 Gillau-See 258, 239, 262 Gilsa . i 5 148 Gladenbach . XXXVIIL 279 Gladenbach . 219, 280 Glaubitten ; 64 Glemboczek-See 272 Globuhnen 37 Glogau 113 Gluckau . 8) Gluwno LXXXI Gluwno-Hauland . LXXXI Gnesen 110, 113.124 Göhrensee LXIX, LXXII 'Orts-Register. Görlsdorf.. Goeritz ' Goldbeck . Goldenke. Gollnow . | Golombiksee | Gonkelloch Gonschorrowen Gornow Gosslinka Gosslowken . Gossow \ Gostoezyn Gottswalde Grabau | Grabenberg . ' Grabenhof Grabowo . Grajewo . Gramenz . Grasgirren Graskau . Graudenz, Stadt . Graudenz Greifenberg ı/P. Greiffenberg i Um. Greiffenberg U/M. ' Greifenhagen Greifenstein . Gressenich Griepense . . . ' Gr. Bartelsdorf ' Gr. Bartelsdorf Gr. Borckenhagen Gr. Dewsberg . Gr. Dirschkeim Gr. Dolgensee . Gr. Holstein Gr. Jerutten Gr. Karschau ' Gr. Klonia Gr. Kleschkau . ' Gr. Mantel . Gr. Plowenz . Gr. Rauschken . . Gr. Sabow. LXXIU, LXXIV X XVII Ra Seite . LXI 239 155 283 2 268, 269 XXXVlI 252 LXXXI . . 103 LXIV 2 IR . 80, 123 131 . 44, 118, 121 262 110 191 zı . 259 XCII XCII, 195 191 187 a LXX, 168 155, 279, 280 XLVI XLVII LXIX LEN ee 256 175 Be . 33, 120 LXIX, LXXIN 149 xCVII . 49, 121 . 78, 123 132 LXVI xcH 258 172 Orts-Register. Site Gr. Schönebeck 179 Gr. Wubiser LXTI Gr. Ziethen LXII Grünfelde 105 Grünhagen 103 Grünwalde .„ ACVII Gudwallen ee Güldener Baclı . XXVIIT, RRX Gülzow . 181 Günterod . XXXV Guhden NERIIEEENIV Gulbicksee 269 | Gumbinnen . a Guntersau XLIl Gurtschin. LXXXI Gutenfeld Ra Gwilden . 14, 20 H. Habichtsberg RC Hadamar . XLIII Hadamar . ZEN Hagen ß . ALV1II Hagen XLIX, . Lin. LINV, LVIIT, LIX Hahn . XLVII Halbe . 126-151] Halbe Allee . LXXXIX, XC Hammerdelle in Hammermühble . LXXXI Hanseberger Forst LX1I Hardt . LII, LIII Harterod . XRKIV XXXV Harz 281 Harzgerode . Er 160 Haselbach Sl 2 Hasselbach XLII Hausdorf . 40 Hauselag . XLV Heideberg UERXUN Heide-Dombr oe LXXVIL Heinrichswalde . e a] Heiligenbeil . 37, 38, 120 Heilsberg . 125 Hellberg . MRS) Hemer. LI, LIV, LV, LVIL, LVIU Henkhausen . LIX, LX 57 Seite Herbeck LVII, LIX Herborn 213 Herbornseelbach . XLVIl ; Herrmannsbank ya ı Herrmanshöhe . 102 Herzoglicher Weg . 308 Hessisches Hinterland . AXXVII Hilger . Ss; ' Hillesheim EINE! Hils ; 138, 140 Hilsborn- et ’ . XXXI Hinterpommern LXXVI, 165, 168 Hirschfeld DE m] Hirschberg b. O=terode . 104, 122 » (Bl. Gr.-Bartelsdorff) 262 Hirtenwiesenbrunnen . rg ı Hochredlau . . LXXXVTH, LXXXIX ı Höcklingsen . LIX, LX Hönnethal XLIX, LVI ' Hohelohr . 149 Hohendorf BITMI20 ' Hohenholz a er Hohenlimburg XLVII, LVI, LVII, IX 1% Hohenlimburg . „4, LE EV Hohenstein 105 Hohenrade ‚48, 121 Hohenraden . 125 Hohenwardin 191 Hohenwarten:berg . LXIV Hohnlich . 92 Holthausen . i LVII Holzen XXKIL, XXXII Holzminden . 140 Hornsen . Ma 140 ' Hosianna, Mühle — . Ne. Hünenberge . SUXXI ' Humbach . 150 ' Hundshausen 161 1. Ibenhorst . 43 Ihlenberg . 180 Ihna Ar 168 » gestohlene — 185 ‚ Ilsenburg . 160 98 Seite Ilsethal . XXVI, XXVIL XxVII Insterburg 68, 69, 122 Iserlohn XLVIIL, ZEISRELNZEN!, LVII, LX Iserlohn XLIX, L, LIE EI LE LV], EYE ART, LX Ivingen LXXII Ith.. XXXlI J. Jädickendorf ERNVEEXVIN Jägersbrunnen . 18* Jakobsdorf . u 1S5 Jakobshagen. 168, 185, 186 Jamminer Forst ERCN Janikowo . LXXXI Jedwabno . 290, 200 Jedwabno 2522, 268 Jeust . 149 Johannisfeuer ee Fre Johannisthal . RD Jongowagora 265, 266 Jähnde . 138, 142 Jüngersdorf . XLVI K. Kaldern XXXV, 2 2S0 Käsemark SR: 4193 Käuling ee en 26% Kahlberg . . XXXIII, 138 Kahlbude . 30 Kahleberg 304 Kahlenberg . Se 156 Kalbensee yw 263.7265, 267 Kallehnen #11, 202 2 San a en Kaller Bach . Ey! Kalpka-See . 260 Kalthof ..46,. 121 Kalwe . See Kamphecke . it ERIRU Kaninchenberg . SLANVIE IERNHI Kanzelberg SLXXE Kappenberg . RR Kardemin 180 Kark-See . 258, 260 Karlsbrunn . RR | | Orts-Register. Seite ' Kastaunen RE . Katzerthal . LXXXVI Kelbonker-See . . XCVII Kellbassen . XCVII Keller . 3 149 Kellerwald XRxV, ‚XLv, 144, 152, 28, 281 Kellwasserthal . XLII Kempendorf.. 185 Kerkerbachthal . XLIII Kielauer Thal . LXXXYU Kirschhofen . ALIIL, XLIV Klaukendorf. 106, 252 Kl. Gosslin . LXXVII Kleinhof-Tapiau 56 Kl. Inse ' 21 Kl. Leid . 237 Kl. Purden . 252, 260 Kl. Rauschken . 258, 259 Kl. Ruttken . 269 Kl. Thüringen . 42 Kl. Trinkhaus . 106 Kl. Wubiser LXVI Klimeck-See } 212 Klingelbach . XXXVI Klosterholz . 160, 984, 287, 288, 300 Kluczewo . 167 Klützkow . 189 Knischin . 110 Kobbelbude . =, 26 Kochsee . LXIX Kölpin. 151 Königsberg i. N. LXV, LXVI Königsberg i.N. LXVII, LXXI Königsberg i Pr. . 46--49, 121 Körbisdorf 131 Kötzenfelder. 148, 136° Kohlgrube se ' Kohlhau . XLIM ' Kokoschken . Be a Kollin . 170, 171, 186 Kopaeisca XCVIH Korbiskrug . 134 Korietznie-See . 212 Korschen . 65 Kosakenberg 252 Orts-Register. ” Seite Kosno-See 269 Kosse . IR MAILS Kowalewko-Mühle . LXXXI Kowanowo LXXVIT, LXX1IX, LXXX Krähenberg . N Kranichenberg . LXVIH Krausendorf a Krawno 3 . XCV1l Krawno-See . XCVI—XCIX, CI Krebsbachthal . 300 Kreiensen. Ne. 140 Kreuzberg in der Rhön Taf. Vili 3* » ‚ Lagerungsverhältnisse der Sedimente am — . Taf. IX. 10* Krummfuss . 260, 269, 270 Krussow . ul Kublank 174, 175, 186 Kuckelsbruch LXV Kuppel 147 Kukahn 1S0 Kurisches Haft. AR | Kuventhal ‚140, 141, 142 1a: Labes . 1068 Labiau 44, 118, 121 Lachseite . . XXXV Lahn a) Lahngebiet . XXXVII, 280 | Lahnthal . SOSE Landsberg, Ostpr . Gerne in Langenaubach . .XXXVlI Langenberg . 283 | Langenhagen : LXXIUI | Langerfeld Be Lange See . LXXVI | Langesee, Bahner — LXIX | » Wildenbrucher — . LXIX Langfuhr . ne 26 Langhöfel 68, 121,125 Laskowethen 67 Lauenburg i. P. LERUEE2S Lauenstein BO Lauterbach 148. Lauth . . 46, 121 Leba 199 I Seite Legan . a: 20.21 Leine . LXXII, LXXIV Lekowo ED Lengsfeld. 187 Lennethal L, Ei. EM Lennigsberg . . XXVU Letmathe . ee UV. DER Letzkauer Weide . 30,123 Lenzen 40 ' Lichteinen 104 ' Liebenau . le Liebenberg EX Chl Liebenberg . XEer 11.01 Lindenborn . 161 Lindenwald . u) Linock-See . 260 Linsenbach . ne 4156 Lipinice 1.276,28 Lipniken . 206, 269, 270 Lippehne . LXXI Liskowo . 17 Lissa . A 166 ' Liss-Mühle . . LXXXI Löhlbach . i 145 Löhnberg XLIT, XLIV ‚ Lössel . LIl ' Lötschen . 194 Lötzen 13 Lokehnen EN a Lonauer Jagdhaus 282, 253, 304 Lonzig . XCVII Lossau . 187 Lubainen . 104 ' Lübtower Düne 4 195 | Lütgenrode . XXVIL, XXX ' Lukowo. EXXVI, LRXIX ı Luschwitz 166 ' Lyck 110 M. Macdonald-Lake 2904 ı Macharren XCVII, Cl Mägdesprung 141, 279 Magdalenenhäuser Hof . Dan Mainzholzen . 140° Malchow . 238, 239 60 Orts-Register. Seite Malschöwen . I 28 Malschöwer See . 26%, 264, 266, 273 Malta . LXXXIl Maniewo . . LXXX Manitoba. . ee ae DT Mantel-Thal. LXV, LXVI, LXVII Mareushof 5 N) Marienburg . 2201195123 Marienfliess. 175 Marienfliess . ee 2185 Marienthal EX RITEIERRV 283 Marienthal b. Kahlbude ae 530 Marienwerder XCIV Marienwerder LXX] 289,123 Martha, Grube — XL Massow. 175 Massow 115,182 Masuren . Er hy Matemblewo . . LXXXVIl Mattern BEARXVIN Matzenschlag EEE EI 53 Mausbach XLVI, XLVII Maynaberge . rn Mehrenberg.. . XXXIX Memel 11, 12, 14—16, 118, 120, 125 Menden. EX: Mensguth . 250, 252 Mertinsdorf . 232..260 Michaelstein . 285, 287, 300 Michelbacher Mühle . re Michelsdorf . 261,209 Milow . 2al Milucken . 265, 267 Milspe. SELV Mittelhufen . 45 Mittenwalde 134 ı Mittenwalde . 0 1%8 Möscheid . asia ol! Mohrin . LXIII, LXIV, LXVI Mohrin SER AERXR Mohriner Sce LX1V, LXV Mohrungen 103, 104 Molstowthal : 191 Montecuculi-Berg . LXVI, LXVII ‚Moos Lake . 224 Moschin . LXXVI Seite Muddy Lake 225 Muggau LXXXVIM Müggelsheim 131 Mühlberg. . LXV Mühlen, Bhf. ‚2108 Mühlenhof . 49 Minden 2 138 Murowana-Goslin LXXVI, LXXXI N. Nachrodt.. ge LII Naensen . . XXXI XXXUl Nagurren ee Nahauser Thal. LXV, LXVI Nanzenbach . .XXXVl Naramowice. LXXXI Narthen . 264, 265, 271, 275 Narther See. 264, 265 Naraythen 275 ' Narayther See . 273 | Nasser Garten. . .,. Desk: Nauborn . . 2... 2 Aue ' Naugard 170 ' Naugard . „iS ' Nechlin 231, 232, 243 Nechlin a ' Nehden 2 Be .. Neidenburg. Kreis — Taf. VI, 250 Nenkau j XC, 27, 125 ' Neuberg, Grube — XXXVIl Neubert 2er Neudorf . . LXXXI Neu-Borowen 270, 271 Neuendorf . LXXIU Neufahrwasser . STERN Neuhäuser 31-120 Neuhausen 2 2 49,125 Neuhof b. Alt-Krzywen . 109, 122 ' Neu-Kelbonken . . XCVII Neu-Kussfeld 41 Neuhof-Lasdehnen 79,102 Neu-Laska or ee Neu-Malta Krug LXXXI Neumark LXXII Neumark . LXXI Seite Neustadt . XCH Nickelswalde ”2.92123 Niden . 235 Niederbiel XLVI Niedersaathen . . LXI Nienstedt ı XXX | Nipperwiese . LXVI | Nodems 392 Noerenberg . . LXX Norddeutschland 163 Nozice-See Chi ÖOber-Brodnitz . 009 Oberhagen IL, BIN LIV Oberndorf IXLI Oberndorf Pe RT Oberndorfer Zug, Grube — . . XLI Oberscheld DOES HHIE Orts-Register. XXXVIHI, 279 Oberscheld XXXV, XXX VI XXXVIO Objezierze . LXXX Obornik . LXXVIL LXXIX, LXXX, ÖOchsenbach . Odersbach LXXXIUI—LXXXV RR XIX RUN REN Oderthal LXIII, LXV, LXX, LXXII, Odritten . Oestrich . Offenbach Okonin. Oliva . Opukelmühle Ortelsburg » ‚ Kreis —. Österburg Ossa . . Osterode . LXXVI 202 LVIII, LIX XXXV, 155 . XCIII, XCV nr 2 . XCVU XCVI, 250 . Taf. VI 5*, 6*, 11*, 20* Reli xChv 52, 104, 122, 125 Österwieck a.H. XXVI Österwieck . u XXVl Östpreussen . 1, 43, 125, Taf. IV, VI Ostrometzko BEV Dlrd BR a 49 Owinsk. . LXXVI, LXXXI Owinsk . LXXXI 61 Seite Paarsteinbecken . LXI Pacholewo LXXX Papendorf 235 ' Passenheim . 2502 292.962 Passenheim . 106 | Passow . LXXI, 187 Paulswasen . XXXVI Pawlowice . LXXXI Peetziger Forst LXIII Peisten. : lol Pelzau ACII, 23 Pencun LXXI Persantethal 191 Persanzig 91 Perwilten we. 2.306, 120 Philippstein . . XXXIX, XL, XLI Philippswonne, Grube — . . . XL Piasutter-See . ACVII Pillamühl 83 Pillau . sr ‚ Pillingsen ’ LIl Pine Island Lake . 229 Pillkallen ee ne 5 ' Plathe LXXVII, 179, 180, 181 Plehnendorf . DD Pleschen . E15 Podlassen 262 Pokrywka LXXXI Polnisch-Cekzin 8123 Polnisch-Wilke 166 ' Polnisch-Wilke 167 ' Poludniewo . 262 Pommerellen . . LXXXV Ponarth Ass, 121 Posen .„ LXXXL LAXXXII Posen LXXVII, LXXX, LXXXI, 166 Polssen 157 Polzin 283.199 Powalezin er Tre ei Pregelthal Par IV..59.067 Pregelswalde Mir an ee vd Prenzlau . = 280 289,293 248 Pr. Holland ee 41 Pr. Stargard 87 62 Priemhausen Priestersee Prowehren Pruschinowen Purden-Seo . Purmallen Pyritz . Q. Quednau . Querfurt . Radziejewo . Radzianbery Raeren Ragnit Rahnau Rammelsberg Ramten 4 Randow-Thal Rantau Raschung Rastenburg . Ratzeburg Rauschken Redel . Regar.=e Regathal . Regenwalde . Rehhof . Reichenbach Reichenfelder Mühle . . ELRVMUXVIN Reihansberg . Reimannsfelde . Rekowen See Remboschewo Rensin Reussenhof Rhein . Rheinberg Rhens . Rhön Rixdorf Ä Riefensbeek . Rinkenbach . Orts-Register. Seite 170 DEN sau. 45 XCVIIUL, CI 261,270 | 12—14, 18 168, 169 46, 119, 121 131 7101 ROvı XLVI BG Al 294 2.89, 193 BXSEELKKIIN 195 252, 254 AT SEHR RCTX CI 252 192 169 189, 190, 191 168 | XCVI ara LXVI 40 272 131, 132 180 21, 120 106 XXIX 304 3% 181,183 | 282, 283 XXXVI Seite Rittershausen IE L Rixhöft XCI, XCII Röbel . 109 Röschken 104 Rösenbeck 133 Itoerike LXX Rössel nn = 69; 124 Rogasen-Oborniker Thal LXXVII ı Roggenhausen . XCII XCV Roggenhansen . XCIV, XCV Rosa, Grube — AXXIX Roschno« o . LXXX Rosenau . a...) Rosenfelde LXXII Rosko . RR.) Rosoga XCVU Rothhof . XCIV Rudabrück 82 Rückforth 40 Rückling . 149 Rügenwalde . 194 Rummy 254, 206, 231 umpelsberg XXXVl wnmprechtsberge . LXXIIl, LXXIV Ruttken 264, 273 Saalfeld 104 | Saatzig 168 Saatziger See 185, 186 Saborrowen . 2524.289 Sady. . LXXX1 Saleske. 197 Salesker Bruch. 195 Salzhemmendorf . AXXU Samland . es 125 Samplatten 252, 236, 239 Samplatter See. a 258 Sandberg . . AXVIIL, 280 Sangershausen . N Sarnowken XCV Sasketchewan 217, 224 ı Sassberg . XXVU, XXX Sawader Berge. 1269 Schanwitz 50, 121 Scharfenberg NG) Orts-Register. | | 63 Seite Schutschenofen . 268 Schwanenhöfer See LXIV Schwarze Schluft . 233, 290 Schwedt 187, LXII Schwedt . LX, LXX] Schwelm . IV Schwentainen XCVI Schwentain-See . XCV11,,262 Schwersenz LXXXI Schwersenz 5 LXXXU | Schwessow LXXVII, 179, 180, 181 Schwessower Mühlenberg 180, 182 Schwetz =202.935.102,.1129, 195 Schwiddern . 110 Schwiedt . 82, 83 Schwobnitzsee . LXIX, LXXV Schwochow LXVIII, LXXIL, LXXIV Schwochow . . LXXIU Sebbeterode 146 Seeburg . 106 ‚ Seenplatte . XCH Seilern LIX Selchow = EXXTI Selkethal . re Pr] Selter . XXXI, XXX, XXXIl, 138° Sensburg . .XCVI, 106 Servent-Sce . ur 260 Sessacker . XXXV,XXXVl Siechhausthal ee Siesslack . 65 Silberstollen 158 Simmatzig 189 Sinn a 10, Sinngrund I 0A Skurz . Se: 89 Slawienko LXXVI, LXXX Slonawy-Mühle LXXXV Sobbowitz we Sohren-Anger . XXIX ' Soldin . ZUR Solmsbach .„XXXIX Spechtsberge ‘LA Speck 170 Spielberg . . AXXIl Seite Scharnow N 89 Schauen XXVI, XXVIl, XXX Schauenteichen . . XXVI Scheldethal . XXXVI Scheufelsdorf 5 273 Scheufelsdorfer Bruch 263, 266, 273 Scheufelsmühle . 266, 273 Schewenhütte XLVI Schieferreinsgraben 147 Schiffelborn . Fe 278 Schiffelborner Schichten 146, 153, ne | 155 Schilling . EXARX] Schimankowo . LXXX Schindler . . XXXIV Schivelbein . 159,719] Schlackow 195 Schlangenberge. LXIII Schlawe 191 Schlibbe . LXIV >». Thal . LXV Schlierbach . XXXIV Schlossberg . ne 154 | Schlosssee LAIX, EXRXIV Schmarsow : i 243 Schmerblock 3 Schmidthof . RENT ı Schmitteberg 149 Schneckenberg . 160. Schneegrube . „. 4er | Schocken LXXVI Schönau . 146, 150, 159 Schönebeck . ar.78 Schöneberg 175, 177 Schönfliess . LXIX, LXX Schönfliess ‚ LXIX, LXX, LXXVl Schönrohr 28.123 Schönschied . .„ KXXVı Schönstein 147, 149 Schönwalde . 47119121 Schorellen 275,122 Schrednow-See . 272 Schiddelkau . XL Schützensee . LXIX Schulzenpinne . LXXI Schutschen 2.01 64 Sporthenen . Stadtsee Stollen Stapelnburg . Stargard Stargard . Steinau Steinboss . Steinbühl . Stein, Bort> Steinhöfel Steinhorn Steinort Steinsdorf Steinwehr Sternfelde Sterzhausen . Stettiner Haff . Stieglitzecke . Stölpchen Stölpchen-Thul . Stötterlingen Stötterlingenburg . Orts-Register. Seite 417.120 LXIX 6 . XXVII 175 168, 184 283 151 XLIII ...46 ER . 149, 152, 159, 160 152 XL LXX xl 280 EIRNYV 283 . LXV SER V RR KRITIKERN XXYlIL, XXX, XXX XLVl 46 | Stolberg . Stolp i.P. . 22, 124 Stolpmünde . [94, 195 | Stolzenhagen 185 Strassburg 1057189,2124 Stresower Grosse See LXIX Stroit . 146 Stuhm. 125 Sudau . Sulmin 132 Sundwig . LI Swaroschin . 125 Swierezewo . LXXXI Sypniewo 1180 Sysdroyheide 0,Cıı Sysdroy-See . Tapiau Taunus Tauroggen AUCVlU, XCVIH, XCIX 50, 55, 57, 59, 118, 121, Taf. IV 157 74 Seite Tawellefliess 21 Tawellingken m! Theissow-See XCIX Thierleshansenbrunnen . St ' Thonbrunnen er ee Thorn . ....2.96.98,,90 1 » „ Brückenkopf . 94, 97 Ehne= A LXIX Thurmberg . LXXXV ' Tiefenbach . XLVI \önnecken XXVIUL XXX Tornow 243 Trampke, 2 185 Trappenbrunnen ge Trebenow 239, 239 ı Trias . 16 | Trieglaff . 180 Tringensteiner Schelde . SAREN Trutzletz . 180 Trzuskotowo ‚NEAR Tuchel 71, 85,119 123 Tykrigehnen Seh 37 U. Uchorowo Es Uchtdorf . LXV, LXVI Uebernthal . 280 Uecker .LAV | Ueckermünde „LAV Ueckerthal 235 Ulmthal . ...280 Untergrüne . Eae cum Unterharz „151,195; 161.7302 Unterheide . . LXX1II Urfe 148 Urfethal . CE 149 | Uscikowo LXXVIIL LXXX Usedom 187 N: ı Varrigsen XXXIT, XXXIIl Veckenstädt . . AXVIU Veitenfeld 138, 23% Venwegen . . XCVIl Vicht . ; XLVI, XLVI Vichtbachthal XLVI Jahrbuch 1896, Orts-Register. 65 Seite Seite Vietnitz ES t:... . LXV | Welnathal LXXXIUI MoletsHof ar. u. 72,22, 29106" “Welse: LXV Voldagsen 140, 141, 142 | Welsethal . LXI Nolmer . LIV | Wenzen 140, 141 Volmethal Ba L, LII | Werbelow 237 Vorwoche . ..- =... . . 140 |-Werben. 170 Weser-Thal . 142 w. | Weskeim . 131 Wahlberg .XXXI a | Wahrberg O0 ' Westerwald . | Waldau a wesstalen XLVIH Waldgirmes . N R Wesue XLIX Waldhausen.. XLII, XLIll w > estpreussen l Walheim . XLVIo | W 9 etter : 279 Wallensen : AÄRXXI | Weirlar XXXIX NVZSH Into ee 187 | Wetzlar XL, Er Waplitz 89, 268, 264, 273 | Widminnen . .106, 118, 122 Wappendorf. 253, 256, 237° Wieda 161 Warchallen . 264, Dal | Wiedern . ‚ 1% 122 Warchaller-See . 272 Wierschutzin .. 23, 124 Wargowo. -LAXX| | Wiershausen XXX Wargowo hd PR RR W anickeuzr ‚34, 120 | Wildenbruch LXVIII, LXIX, LXX, Wartenberg . LXIV LXXI Wartenberg . . LXXII | Wildenbruch . LXXIV Warthe oo. . LXXX Wildenstein . 280 Warthethal . LXXVH, LXXXIII Wildungen XLII Wasserleben XXVIL, XXX Wilken 105 Webersberg . . XLU, XLIV | Wilhelmswalde 2 EXXII Weddehagen 3 XXX] Wilsickow 231, 239 Weentzen XXXI, XXXII | Windhain . XXXV Weentzer Wald 189, 140 | Wirbelau XLU, XLVI Wehlau . 61, 121 | Wittenberg . 195 Wehnau . XLVII Wolka SRCM Weichseldelta . 41, 119 | Wollenberg . 155, 279, 280 Weichselmünde . 27, 123 | Wolletz SbXT Weilbach xXLIvs\ Wolletzsee EXT Weilburg . XXXIX | Wollstein et 168 Weilburg . XXXIX, XLI, XLV Woltersdorf . . LXVII, LXVIII Weilmünster XXXIX | Woltin 180, 181 Weinberg . . LXXIL, XLI Woltiner See LXX Weine 2... ...2 2020... .166 | Wommelshausen XXXIV, XXXV Weisser Brg . . . . 2... ...195 | Wotzlaff . . 30, 123 Weitenhagen . . . ........179 Wustrow-See LXVI Welna . LXXX | Wystemp XCVIn, Cı (5) | Orts-Register. Seite Er Ziezeneff . . . Zabikowo . LARRT | Zinten. . Zaborowo . . - .... 102 | Zirchower Thal Zachow LXIII _Zirke Se . Zehden . LAXIl | Zlotnik Zehden ol. Zoppot A. W. Schade’s Buchdruckerei in Berlin $., Stallschreiberstr. 45-46. Tate Jahrb.d.Kgi. Seolog.Landesanst.u.Bergakad. 1896. 35°Ö.L. 36°0.L. I 370, \ Sto £ | Gottsmalde | Wötzlarf Nickelsroalde | ZetzkauerWeide || Schmerblock | X Aulkreuth | HZegan | NE BE ea | en | | | J.Wobeser | Bürgerwiesen | |Wierschutzin 59° 54°N Br. 37°Ö.L. 93° 32 °N.Br. 00 120 10 160 180 200.Meter 80 0 we 650 Maasstab der Höhen und Tiefen 7:4000. o Neue Gesteinsaufschlüsse in Westpreussen, Pommern und Posen. A.Jentzsch 1896. Berliner Lithogr Institut. $tolp35°Ö.L. 36°Ö.L. Weichselmünde Bürgerwiesen ! Nickelsralde h Bar Wesslinken Goltsmalde Schönrohr Schmerblock: Wotzlaff Tata 37°0.L. Ostsee \spiedel | | Juhrb. d.Ksl. geolog.Landesanst. ‚u.Bergakad. 1896. | | ) I || ZeizkauerWeide 36°Ö.L. Bro 54°NBr. 37°Ö.L. Braunkohlen- PosenerIhon. Bildung. [7 E77 Maasstab der Höhen und Tiefen 7:44000. vo» m 80 wo mo mo 10 ıso zoalleter A.lentzsch 1896. Teer Dilwium u. Alluoman . Neue Gesteinsaufschlüsse in Westpreussen, Pommern und Posen. 33 52°N.Br. Berliner Lithoge Institut, Taf. 39°0.L. EN Jahrb. d.K$l. geolog.La 3TO.L. SIDE. 40°Ö0.L. = ıS ©) [or] (Se) Wa vanaqumg| ogtag| m —— WLOPaOAA = ve ee 3 [arasumappngg| Das 53°N. Br. stseesptegel ı Wo ioghz7 | woarhzg np qyopran\ 2 UAUUTUEP? 39°0.L. 37°0.L. Berliner Lithogr. Institut A.Jentzsch 1896. ’ Jahrb. d. 38°Ö.L. .Köl. geolog.Landesanst.u Bergakad.1896. 37°Ö.L. 3TO.L Brit a | __ 1 Ze] ‚Ajaz22222207 | EN S| apnsumsbumuassag & Ba S | { Ge appannpg | |] | zrianungs EN REN] real] m | |] a | ee) we |] u = mmbssouapug| | | 8 SEE I 5 ! zack yo ee] zero | = > {2 I be} Maasstab derHöhen und Tiefen 1:4000. „0 m m @= ww wo m Mo 10 ro zoolleten. Neue Gesteinsaufschlüsse in Ostpreussen. AJentzsch 1896. Taf. II, Fig3. Bohrprofil der Braunkohlengrube Buko bei Tuchel. Maasstab 7: 7000 für die Höhen und Langen. 210 [7 70 20 30 40 =: so Meter Fig... I NO 4 j ; en Bw .. D’rirTIu bi wm und Tertiar Profil der Braunkohlengrube Buko bei Tuchel N | Maasstab | 7:2000 für die Hohen und Längen. 2 20 0 wo 8 so ı0gMeter ——ı 20 70 o 70 so Sand. Hormsand.. u, Teilen. 4 Äohle. Berliner Lithogr Institut. ) 1; \ A‘ Jahrb. d. Kol. geolog. Landesanst.u.Bergakad.1B96. Taf. II. Fig3. A sw © Dilluoium Bohrprofil der Braunkohlengrube Buko bei Tuchel. Maasstab 1: 7000 für die Höhen und Längen. ” o on» = > = so Meter ze - —— = BE + —_ untenstridhten sind die Namen, \ Versuohsstollen degjenigen, Ortschaften, in.denen Fig.t. unterirdischim Zusam - Tertiär nachgewiesen ist Streichenu.Kallen K No menhange nachgariesen derTertiärschichten SW 1: 200 000. der-Pllamühle u — ei —— Zu — — — —— MS et u BE ET ET TDEB DW CM TB TE U hm x eluvlium und TZTertia Nord Fig.2. S Profil der Braunkohlengrube Buko bei Tuchel IR N N Maasstab N 19,gmtief 1:2000 far die Höhen und Längen. nn C » nn 0 nn © 0 © 5 © m 6% so weilte — „Uebersichtsriss der Grube Buko bei Tuchel.. , Diluyium. Tertiär. Maasstab 1:24000. ae) Sand. " Thommergel. Geschiebemergel. Sand. Formsand.. Tretten.. Kohle. Berliner Lithofn Institut Jahrb.d Taf. . 2 \ S E ! BSEEN-NIINIHEIEFITIIE DOLL ERSCH B © EPSSSELTERER ErIS Ir VREEEZEÄ \ oO Q -100 B ss Versuch eines vorläufigen idealen Durchschnittes durch das Pregelthal bei Tapiau. Maasstab en LeU0O TER die Ho 700 o 00 20 200 400 500 600 700 800 500 1000Meter.- 1Km (" für die Langen) etrva 1;20000 für die Längen. Memel Burmallen Bajohren za N SEE EN 0 Meter Base zer 271) angen) Oligocän. Kreide. Jura. N U EIER Se Grünsand. _Ober-Senon. Unter-Senon. (enoman. OberesKelomway. Unteres Kellomway. (ornbrash? SCHLE (u. Turon ?) Lamberüthon. Astartesand. lem N Berliner Lithogr. Institut. Taf. IV. Fig.1. M 5 Maasstab aasstal 1:2000 für die Höhen und Tiefen. rn B ir della; so walkerer (für die Höhen und Tiefen) 4 ee & 1:20.00 fin die oem mANEN: ne eren fhardie Höhenund Mieten) a ne da nie malen. 10m (für die Langen.) & —— —— T = attemeter (färdie Längen.) etroa 1;20000 für dieLängen.- 1:30000 für die Längen. Fig.2 h Aurische hi Königsberg Fhüzen Nehrung (Rossitten Ö (Eeeforz 2) Memel Armallen Bajohren. = seitlich seitlicl SW. z Kurisches Haft BR ° s N - s & E u = „NO Be N: er I : -—— | 200) aus] 203 AJentzsch. g - .. Ideales Profil des nördlichen Ostpreussens. R Maas SD, > :10000 2 2 ne 5 = 2 u Ge’Nohen sno3lzten (fün die Höhen.) A 17 E72 > ”o 20 E7 Tenuomeren (für die Längen.) 2 1:500000 für die Längen. Diluvium. Niocän. Oligocän. Kreide. Sc -j I ı [I er a, Flugsand. Torf: Flusssandund _Schlick. Gerölle.. 7 Sand. Thonmergel. Kohle. Braunkohlen- 6Grünsand. Über-Senon. UnteSenon. Üenoman. ÜberesKallomau). Unteres; schlemm-Massen.. Haffsand. (im Allgemeinen), Üergel. bildung. fu. Turon?) Zamberüton. Astartesand uDolomit. a Berliner Lithogr. Institut, AN u iR RR 5 5 Ban. Be a re Tıe1,2. Fig. 3—5. 110.6, 7. Fig. 8—12. Tafel V. Uypricardinia Kochi n. sp. A 1. Wachsabdruck einer rechten Klappe. 1A, 1B. Radialsculptur, vergrössert. 2. Ver- drückter Sculptursteinkern einer linken Klappe. Goniophora Schwerdi BEUSH. . 3a, 3b. Abdruck und Steinkern einer en Klappe. 4, 5. Copieen zweier Exemplare aus dem rheinischen Devon. Spirifer undulifer Rays. RU. 6. Steinkern einer Dorsalklappe, 6a von oben gesehen. 7. Wachsabdruck einer un- vollständigen Dorsalklappe mit erhaltener Sculptur. 7 A. Letztere vergrössert. Nucleospira lens SCHNUR var. marginata MAUR. 8. Zweiklappiger Steinkern. 9. Steinkern einer Ventralklappe. 10. Steinkern einer Dorsalklappe. 11. Wachsabdruck einer Ven- tralklappe. 12. Steinkern einer Ventralklappe aus dem rheinischen Devon. S. 286 S. 288 8. 293 S. 289 Mit Ausnahme von Fig. 4, 5 und 12 stammen alle abgebildeten Stücke vom Lonauer Jagdhause. Jahrb.d.Kgl.Preuss.geolog.Landesanst. 1896. Taf.V. 2 e . x Be we : ; Ä 2 En 1 ı I’. | 5 Pr TE Jahrb.d.K$l.geolog.Landesanst u. Bergakad. 1896. Entwicklung der Ostpreussischen Endmoränen IN DEN KREISEN ORTELSBURGum NEIDENBURG Farbenerklärung. 5 Oberer Geschiebemergel Gerölle u.Grand utschretankerBestres OberditurialerThonmengel: Allurümn Wasser Maalsstab 11100000 7 E 3 D Ex r ! Bw Geagnastisch Brarbeiet vom. C.Cagel u. Müller. Druck dor geogruphischon Verlagshandlung Dietrich Reimer [ErnstYohsen) Berlin. Tafel VI. Karte der Drumlins ım vorderen Hinterp ommern von K.Keilhack. . Farb enerklärung: Thalsand und Aluvum in grossen, zusammenhängende Flächen und ausgedehnten Thalzügen. Fin m Endmorarnen. Maalsstab 1:200 000. o 5 10 Tr f et ul —eIS> m 301 Lith.Anstv Bogdan Gisevius, Berlin W Linkstr 29. GR Karte der Drumlins im vorderen Hinterpommern von K.Keilhack. Farbenerklärung Yang Ei Lebbin Braunsbergs wg “u Jahrb.d.Köl.geologLanda Geologi: e) Be NIN7772D ISCH SLLETINT — Kr7Z ER Dr =) ;77,;, u 4 Mittlerer Buntsandsten. Peldspoth- Tephrit. 7 2 _ Basalt. gez: von Seyfried. 1896 Berliner Lithogr. Institut. ih n | Jahrb.d.Köl.geologLandesanstuBersacad 1896. TafMIL. | | Geologische Karte des Kreuzbergs in der Rhön. Maafsstab 1:25. 000. | Er 0_xo 20 sm 100 soom | =] [© | eg Di eg Bi er en IE Ahnlerer Überen Unterer ittlerer Oberer Unterer _Tertüre Buntsandistein. Ueschelkalk. Keuper Tufleexe | EEE EEE DEEH DEE Emm | = Feldspath- Tephrit. in- Basanit. Limburgit. Bergstürze. Basalt- Basalt. Basalt. Tervollung. He -Bisenerse. ——— Teroerfüngen. » [ ER IR gez: von Seyfried. 1896. ER z = waldbeg Hohenaurven-R0" Distanz. Höhenzahlen in M£tern über dem Ilcer. Berliner Lithogr Institut ET TR Taf.R. fill. 000. i Osterburg NNO EEE 700Meter : IN Zu N 600 Schlacken - Haselbach Osterburg NNO D _ 300 Meter gez: von Seyfried. Berliner Litho &. Institut. Jahrb.d.Kel geolog Landesanstalt u.Bergalnd. 1896. Taf.IX. Profil. 1:10 000. ° Längen: Höhen. SSW Osterburg NNO B z00Meter os > = 0:0 Profilll. 1:25000. } Züngen-Höhen . Say Sehlacken.- Hagelbach Osterburg NNO c 1.d.Schneegrube ; | D Meter s00 900Meter 00 . soo 500 100 2 5 a00 6 ir 100. = 100 0 eresspiegel 2 gez:von Seyfried. + ‚Berliner Lithogr Institut” Di RN “ L\ u Ha N ie r2 4% I 5 7937